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Dear little Brother

von RamonaXX
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 Slash
Captain Lewis Nixon Major Richard D. Winters
06.06.2017
06.06.2020
20
66.447
13
Alle Kapitel
62 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
06.06.2017 1.077
 
Hinweise:
Länge: 1.036 Worte
Canon: Angelehnt an Part 1 „Currahee“, Ausbildung bei Captain Sobel
Timeline: 1942 in Camp Toccoa, 1943/44 in England und der Normandie


Wer ist Richard Winters?

Wer in das Gesicht von Richard Davis Winters blickt, sieht einen sportlichen Mann in seinen besten Jahren. Zwei markante Falten ziehen sich um seine Mundwinkel, die auch dann nicht verschwinden, wenn er sich vollkommen entspannt. Seinen auffallend straffen Zügen haftet eine gewisse Ernsthaftigkeit an, die sich durchaus in seiner Persönlichkeit widerspiegelt.

Das rotblonde bis kupferfarbene Haar ist stets auf die korrekte Länge gestutzt. Und trägt er keine Kopfbedeckung, dann ist seine Frisur sorgfältig gescheitelt. Schmale Augenbrauen zeichnen zwei weiche Bögen über ein blass grünes Augenpaar, das beständige Wachsamkeit ausstrahlt. Der Blick von Winters hat etwas Durchdringendes; er ist nicht kühl aber doch unverwechselbar kalkulierend.  

Allgemein legt Winters viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild. Niemals würde es ihm einfallen unrasiert oder falsch gekleidet einem ranghöheren Offizier gegenüberzutreten. Die Uniform gebügelt, den Hemdkragen gestärkt und die Rangabzeichen exakt befestigt – so gibt sich Winters nach außen.

Er ist in Dingen, die die militärische Disziplin betreffen sehr penibel, was in der Vergangenheit schon mehrfach von seinen Vorgesetzten wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde und seinen Aufstieg beschleunigt hat.

Doch wenn man sich länger mit dem beispielhaft tadellosen Kommandeur beschäftigt, bekommt man ein Gespür dafür, dass Winters auch noch eine andere Seite hat. Er ist meisterhaft darin seine Gefühle und Gedanken hinter einer Fassade zu verbergen. Und nur ganz wenigen, ausgewählten Persönlichkeiten ist gelegentlich ein Blick dahinter gestattet.

Die meiste Zeit verbringt Winters damit seine gegenwärtige Umgebung zu beobachten und deren Menschen zu analysieren. Seinem geschärften Blick entgeht kaum ein Detail. Und wenn er sich mit seiner ruhigen und dunklen Stimme zu Wort meldet, dann bringt er die Lage grundsätzlich sachlich und mit wenigen Sätzen auf den Punkt.  

Lachen hört man Winters übrigens nie. Er ist bekannt dafür keinen Humor zu haben und sich an guten Tagen maximal ein kurzes Schmunzeln entlocken zu lassen. In der wenigen freien Zeit, die ihm bleibt, blättert „Dick“ – wie sein Spitzname lautet – in Gedichtbänden, schreibt Briefe oder liest klassische Literatur von Mark Twain und Edgar Allan Poe.


Winters’ Grundausbildung als Offizier der US Army begann 1941 in Georgia. Dort begegnete er auch zum ersten Mal seinem Kameraden und späterem Freund Nixon. Gemeinsam meldeten sich die zwei freiwillig als Fallschirmjäger und kamen 1942 ins Camp Toccoa, wo sie eine fast zweijährige Ausbildung durchliefen.

Schon während dieser Zeit bewies Winters, dass ihm das Führen im Blut liegt.

Beim täglichen Lauftraining ließ er sich häufig hinter die letzten Männer zurückfallen, redete auf sie ein und zog sie so mit nach vorne – nur um erneut langsamer zu werden und die jetzigen Nachzügler mitzunehmen. Mit seinem zweiten Zug lief Winters auf diese Weise so manche Bestzeit.

Allerdings hielt die Ausbildung auch unangenehme Aufgaben für den damals 24-jährigen Second Lieutenant bereit. So verlangte sein Ausbilder Captain Sobel beispielsweise von ihm, dass er bei seinen Männern Vergehen aufdeckte – die es nicht gab – nur um zu beweisen, dass er auch angemessen bestrafen konnte.

Die Soldaten, die seinem Kommando unterstellt waren, nahm ihm das nicht übel. Sie wussten, dass Winters den verhassten Latrinendienst gerecht verteilte und jeder mal dran musste. Und wenn wieder eine Kollektivbestrafung wegen irgendeiner ausgedachten Kleinigkeit anstand, dann würde der Lieutenant wieder an ihrer Seite laufen und sie mitziehen. Darauf konnten sie sich verlassen.

Für den zweiten Teil der Ausbildung ging es im September 1943 mit dem Schiff nach England.

Zu dieser Zeit hatte Winters sich bereits eine treue Gefolgschaft unter den Männern der Easy-Kompanie erarbeitet. Dass er beim Training im Gelände sein taktisches Können unter Beweis stellte, brachte ihm weitere Sympathiepunkt ein. Wer unter dem inzwischen zum First Lieutenant beförderten Winters diente, konnte sich sicher sein, einen Offizier vor sich zu haben, der sein Handwerk verstand und der erst überlegte bevor er Befehle gab.  

Am Ende standen die Männer so geschlossen hinter ihm, dass sämtliche Unteroffiziere der Kompanie einen Versetzungsantrag beim Colonel einreichten, nur um ihren gegenwärtigen Ausbilder und Kompaniechef Sobel loszuwerden. Sie wollten jemanden, dem sie vertrauen konnten. Sie wollten Winters!

Ende Mai 1944 ging es dann nach Upottery und die Easy-Kompanie bekam einen neuen Anführer, auch wenn es nicht Winters war.

Die letzten Tage vor der Operation „Overlord“ auf dem Flugfeld von Upottery waren geprägt von Nervosität und Anspannung. Winters wusste damit umzugehen. Er versuchte Ruhe auszustrahlen und erinnerte seine Männer an ihre gründliche Ausbildung.

Seine Ansprache vor dem Abflug war knapp aber ehrlich gewesen. Er ließ es sich nicht nehmen jedem seiner Männer – die sich vor ihren Zugführer auf den Boden gehockt hatte – die Hand zu reichen, sie mit ihrer schweren Ausrüstung hochzuziehen und ihnen für einen kurzen aber intensiven Moment in die Augen zu sehen.

Es war das Beste was er tun konnte um ihnen Mut zu machen, wusste er doch, dass er wahrscheinlich nicht jeden von ihnen nach dem Absprung wiedersehen würde.  

Dieser ganze beschwerliche Weg, den Winters freiwillig gegangen war, hatte nur ein Ziel gehabt – ein Ziel, das er am 6. Juni 1944 erreichte. Als waschechter Fallschirmjäger sprang Winters am D-Day über der Normandie aus einem Flugzeug…


Heute ist Winters ein führungserfahrener Offizier und gewissenhafter Anführer. Er ist einer dieser Anführer, die auch präsent sind – und nicht bloß Entscheidungen treffen. Seine größte Schwachstelle ist sein Hang zum Perfektionismus. Dass er etwas halbherzig oder nicht mit dem nötigen Fleiß angeht, kommt bei ihm nicht vor.

Es ist Teil seiner Natur die Balance zwischen den Befehlen seiner Vorgesetzten und den Bedürfnissen seiner Männer halten zu wollen. Nicht immer kann er diesen hohen Selbstansprüchen gerecht werden. Gerecht zu sein, bedeutet für Winters jeden nach seinen individuellen Fähigkeiten zu beurteilen. So würde er beispielsweise niemals einen unbeleckten Frischling an die Spitze einer Patrouille setzen, wenn er eine andere Wahl hätte.

Das Wohl seiner Männer liegt ihm wahrhaft am Herzen und die Verantwortung, die er für ihre Leben empfindet, mag fast ein bisschen zu hoch sein. Dabei ist eines seiner größten Sorgenkinder Nixon. Wann immer Winters es sich erlauben kann, hält er ein Auge auf seinen Freund, der schon mal einen über den Durst trinkt und sich in Schwierigkeiten bringt.

Richard Winters in drei Worten? – Gradlinig. Ehrgeizig. Charismatisch.

Er lässt nichts unversucht den moralisch richtigen Weg zu gehen. Er ist stets bereit alles zu geben, was er auch von allen ihm unterstellten Männern erwartet. Und er hat diese besondere Ausstrahlung, die ihm Gehör und Gefolgschaft sichert, wo immer er auftaucht.
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