Dear little Brother

von RamonaXX
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Captain Lewis Nixon Major Richard D. Winters
06.06.2017
06.06.2020
20
66.447
13
Alle Kapitel
62 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.05.2020 3.287
 
Hinweise:
Länge: 3.117 Wörter
Canon: Inspiriert von Part 10 „Points“, Minute 52:45
(Winters und Nixon verabschieden gemeinsam inoffiziell die Easy-Kompanie.)
Timeline: 14. August 1945, Zell am See, Österreich

Vorbemerkung:
Hallo Leute! Hier kommt es, das vorletzte Kapitel auf das viele schon sehnsüchtig gewartet haben! Wollen wir hoffen, dass Lew und Dick diesmal ungestört bleiben und weder Speirs, noch Harry oder Lipton sie unterbrechen. ;-)


Ich bin nicht schüchtern!

„Ach komm schon, Dick“, klagte Nixon in gelangweiltem Tonfall von der anderen Ecke des Zimmers, „Wie lange willst Du denn noch an diesem Bericht arbeiten?“ Er konnte wirklich nicht verstehen, wie jemand mit solch einer Ausdauer Mitten in der Nacht noch an einer Schreibmaschine sitzen konnte.

Winters tippte die Zeile zu Ende, was die Schreibmaschine mit einem hellen »Bling« quittierte und schob die Schreibwalze zurück. „Bis er fertig ist, Lew.“, antwortete er wahrheitsgemäß und beugte sich vor, um zu lesen, was er gerade getippt hatte.

Hinter Dicks Rücken zog Nixon eine kindische Grimasse. So leicht würde er sich nicht geschlagen geben!

Immerhin er konkurrierte jetzt schon seit geschlagenen zwei Stunden mit einer Schreibmaschine um Dicks Aufmerksamkeit. Und selbst wenn er das Argument durchaus nachvollziehen konnte, dass sie morgen um null-achthundert abmarschieren würden und es bis dahin noch viel zu erledigen gab, so wollte er diese letzten gemeinsamen Stunden doch mit Dick verbringen.

Denn ihr Abzug aus Zell am See bedeutete auch, dass sie ihr kleines bisschen Privatsphäre aufgeben mussten; sie wieder zum Teil einer größeren militärischen Einheit wurden, wo es keinen Platz für Zweisamkeit und Zärtlichkeit gab. Nixon gefiel dieser Gedanke überhaupt nicht. Kein Halten, kein Streicheln und – besonders schlimm – kein gemeinsames Tanzen mehr.

Nach wie vor war es das Größte für ihn, mit Dick irgendwo eng umschlungen zu stehen und sich zum Takt einer Melodie zu wiegen, die nur sie beide hören konnten. Alles was darüber hinausging, hatte Dick bisher sanft zurückgewiesen und Nixon hatte versucht geduldig zu bleiben. Doch das er jetzt, an ihrem letzten Abend ebenfalls einen Korb erhielt, damit würde er sich nicht abfinden!

Gewillt im Zweikampf mit der Schreibmaschine größere Geschütze aufzufahren, trat Nixon von hinten an Dick heran und beugte sich auffällig weit über seine Schulter. Seine Augen flogen über den Text.

„Uhh...“, machte Nixon und fing an zu spotten, „Wenn Du noch gestochen schärfer schreibst, verletzt sich jemand an deinem Bericht.“ Mit der flachen Hand gab er Dick einen Klaps auf die Schulter.

Winters zuckte kurz unter der kräftigen Berührung zusammen. Das Aroma von Tabak und Whiskey, das ihn umströmte, machte es ihm nicht leicht zurück zu seinem Text zu finden. Er liebte es, wenn Lew ihm so nah war; liebte auch die vielen Stunden, die sie in dieser Suite gestanden, sich im Arm gehalten und miteinander getanzt  hatte. Und er würde diesen zärtlichen Stunden gewiss nachhängen, wenn sie morgen abrückten. Aber jetzt musste er diesen letzten Bericht für Colonel Sink fertig machen!

Winters hatte gerade die Finger wieder auf die Tasten gelegt, als er eine warme Hand in seinem Nacken spürte. Mit wohldosiertem Druck rieb ein großer Daumen über seine Nackenwirbel und er konnte wirklich nicht anders, als die Augen zu schließen und sanft zu seufzen. Nach all der Zeit, die sie zusammen verbracht hatten, wusste Lew genau welche Knöpfe er bei ihm drücken musste. Wenn jetzt noch Lippen dazu kamen, würde es ganz schnell um ihn geschehen sein.

Winters spürte eine Nase durch sein Haar streichen und konnte Lews warmen Atem an seinem Ohr spüren, als er lasziv seinen Namen raunte: „Di-i-ig...“  Sämtliche Härchen auf seinen Unterarmen stellten sich bei diesem einen Wort auf. „Nun komm schon.“, drängte Lew und legte seine Lippen für einen viel zu kurzen Moment auf die zarte Haut hinter Winters’ Ohr. „Lass den Text, Text sein, hm? Daraus wird heute Nacht eh kein Bestseller mehr.“

Die Lippen von Lew kamen zurück, legten sich diesmal jedoch nicht auf seine Haut, sondern umschlossen den Rand seiner Ohrmuscheln und fingen an spielerisch daran zu ziehen. Winters blieb die Luft weg. Und während er sich selbst dankte, in weiser Voraussicht die Zimmertür schon vor einer Weile verschlossen zu haben – ebenso wie alle Vorhänge –, biss er sich leicht auf die Lippe, um ja keinen Laut von sich zu geben.

Dennoch entwich ihm ein heißeres Keuchen. „Lew, ich...“, weiter kam Winters nicht, da Lews Zunge ihm das Wort abschnitt. Mit der feuchten Spitze leckte er ihm über das Ohrläppchen. Willig, mehr von dieser Liebkosung auszukosten, lehnte Winters den Kopf auf die Seite.  

Es war erstaunlich. Obwohl sie einander begehrten, sich ungestörte Momente und Rückzugsorte schafften, war es doch nie zu etwas wirklich Ernstem zwischen ihnen gekommen; nicht mal zu einem Kuss. Winters wusste, dass Lew vieles ausprobiert hätte, wenn er dem zugestimmt hätte. Aber er hatte sich bis jetzt zurückgehalten. Nicht weil er es nicht wollte, sondern weil er sich sicher dabei fühlen wollte. Sicher an einem Ort und unter Umständen, wo nicht so viel auf dem Spiel stand, wie jetzt, wo er seine Uniform und das goldene Eichenlaub eines Majors trug.

Lews geschickte Zunge hatte derweil auch den Rest seines Ohres für sich erobert und war nun wieder dabei sein Ohrläppchen zu necken. Winters hatte es längst aufgegeben seine Lippen fest aufeinander zu pressen, um seinen Genuss zu unterdrücken. Und so wunderte es ihn auch nicht, als ein lustvolles Seufzen seinen Mund verließ.

Lews Zunge hielt augenblicklich an und zog sich zurück. Winters vermisste das feuchte und warme Gefühl sofort und knurrte unbehaglich. Dicht an seinem Ohr konnte er an Lews Atem ausmachen, dass ein Grinsen auf seinen Lippen lag.

„Das gefällt dir, was?“

Winters war hin- und hergerissen. Ein Teil von ihm wollte, jetzt und hier von diesem Schreibtisch aufspringen und sich auf Lew stürzen und ein anderer – leider überwiegender Teil – ließ ihn mit rauer Stimme sagen: „Zwei Absätze noch.“

Jetzt war es Nixon, der ein unbehagliches Knurren von sich gab. „Aber beeil’ dich.“, ermahnte er ihn und sah ein, dass auch Dicks Vernunft und die Schreibmaschine nicht kampflos aufgaben. „Ich zähl mit.“, schob Nixon nach, während er von Dick abließ, um eine weitere Runde durch die geräumige Suite zu tigern.

Einwilligend nickte Winters und hatte größte Mühe seine Finger ruhig zu halten, als diese sich zurück auf die Tasten legten. Das würden zwei wirklich schwere Absätze werden!


Seinen Triumph auskostend schlenderte Nixon ins Nebenzimmer mit dem großen Doppelbett und ließ sich auf der Seite nieder, wo auf dem Nachttisch sein Aschenbecher und – achtlos auf dem Boden davor – seine Stiefel lagen. Er hatte es sich bereits früher am Abend hier aufgehalten und eine Zigarette geraucht – wohl wissend, dass Dick zwar stets behauptete, er würde den Rauch nicht mögen, aber doch jedes Mal wie ein Trüffelschwein an seinem Kragen hing, wenn sie zusammen waren.

Von Dicks Schreibtisch hörte Nixon ein erstes »Bling« und leckte sich über die Lippen. So besiegte man also eine Schreibmaschine, mit der Zunge. Gut zu wissen!

Gelassen schwang er seine Beine aufs Bett, machte es sich zwischen den vielen Kissen bequem und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Da würde Dick aber Augen machen, wenn er ins Schlafzimmer kam. Ein breites Grinsen stand in Nixons Gesicht. Und es wurde nur noch breiter, als er ein weiteres »Bling« der Schreibmaschine vernahm. Hoffentlich hatten Dicks Absätze nicht so viele Zeilen.

Sich in warmer Vorfreude suhlend, rutschte Nixon tiefer in die weichen Kissen. Er hatte wirklich viele Ideen, was er mit Dick anstellen wollte, wenn dieser nur endlich JA sagte und nicht bei jeder Berührung, die ein klein wenig intimer wurde einen Rückzieher machte.

Die Augen geschlossen, gab sich Nixon ganz seinen Traumbildern hin, bis plötzlich ernste Falten auf seiner Stirn auftauchten. Was war das? In diesem durch und durch federweichen Bett, pikste ihn etwas Hartes in die rechte Schulter. Was konnte das sein?

Dick war nun wahrlich nicht der Typ, der mit einer Waffe unter den Kopfkissen schlief. Jemand wie Speirs ganz bestimmt, aber Dick? Nie im Leben!

Neugierig geworden richtete Nixon sich auf, drehte sich um und nahm einige der Kissen zur Seite. Was er fand war ein Notizbuch, mit einem schwarzen Einband und so groß, dass es perfekt in die Brusttasche seiner Feldjacke gepasst hätte.

Unschlüssig worum es sich handeln mochte, dehnte Nixon es in den Händen.

„So“, kam es erschöpft von der offenen Tür zum Nebenzimmer, „fertig.“

Nixon schaute alarmiert auf.

Das kleine Notizbuch für Dick nicht sichtbar in seinem Schoß, sah er ihm dabei zu, wie er sich die breiten Hosenträger von den Schultern streifte und dann zur Kommode an der Wand ging, wo er sich die Schuhe auszog. Penibel und ordentlich, bis ins letzte Detail – wie immer.

Einen kurzen Moment überlegte Nixon. Dick mochte es gar nicht, wenn man in seinen Sachen herumschnüffelte. Andererseits war Nixon das schon immer egal gewesen und in diesem speziellen Fall, war er wirklich neugierig, warum Dick dieses Büchlein ausgerechnet in seinem Bett aufbewahrte.

Als Dick – für seine Verhältnisse lasziv entkleidet – ohne Schuhe und mit herunter gestreiften Hosenträgern zum Bett kam, ergriff Nixon seine Chance. Ohne zu zögern hob er die Hand mit dem schwarzen Notizbuch und hielt es Dick vor die Nase.

„Was ist das?“

„Oh.“, war alles was er erntete. Plus die Tatsache, dass Dick einen guten Meter vor dem Bett stehen blieb; sehr zu seinem Missfallen.

Winters starrte unentwegt auf sein Notizbuch, mit dem Wissen, dass Lew keine Ahnung hatte, was er da – für ihn wertvolles – in der Hand hielt. Höflich forderte er ihn auf: „Leg es bitte wieder zurück, Nix.“

Die ernste Miene, in die Nixon blickte, offenbarte ihm, dass er nicht irgendetwas Banales gefunden hatte. Jetzt war sein Interesse erst recht geweckt und würde auch nicht gestillt sein, bevor er alles über dieses Büchlein erfahren hatte.

Mit einem hämischen Grinsen begann er Dick zu sticheln. „Wie?“, fragte er herausfordernd, „Sag bloß, Du hast eine kleine Sammlung von Namen und Adressen lokaler Mädchen hier drin?“ Geschickt ließ Nixon seinen Daumen in einer schnellen und geräuschvollen Bewegung über die Blattkanten streichen.

Winters’ Augen weitete sich angesichts der unverfrorenen Geste und in deutlich inständigerem Ton wiederholte er seine Bitte: „Nixon. Bitte, leg es zurück.“

Überrascht ließ Nixon die Hände sinken. Der Tonfall von Dick hatte ihm klargemacht, dass er dabei war eine Grenze zu überschreiten, und dass, was auch immer er hier gefunden hatte, keinen Anlass bot damit Schabernack zu treiben.

Mit verhältnismäßig sachlicher Stimme forderte er von Dick: „Erst, wenn Du mir sagst was hier drin steht.“

Dick seufzte so schwer, dass seine Schultern sichtbar bebten. Dann setzte er sich in Bewegung und kam zum Bett, wobei er auf dem Weg zwei weitere Knöpfe an seinem Hemd öffnete; sehr zu Nixons Gefallen.

Das schwarze Notizbuch aus Lews Schoß nehmend, ließ er sich neben ihm auf der Bettkante nieder und betrachtete es wie einen Schatz zwischen seinen großen Händen.

Nixons Blick wechselte zwischen Dicks melancholischem Gesichtsausdruck und dem Büchlein hin und her. Er konnte sich wirklich keinen Reim darauf machen, was es mit diesem gebundenen Stapel Papier auf sich haben konnte, das so tiefe Emotionen in Dick weckte.

Er war drauf und dran, Dick zu einer Antwort zu drängen, als dieser ihm zuvor kam.

„Schlag die zweite Seite auf.“, sagte Winters mit weicher Stimme und reichte ihm das Buch.

Nixon, der seine Kissenburg verlassen und sich neben Dick an die Bettkante gesetzt hatte, nahm das Notizbuch verwundert entgegen und tat worum er gebeten worden war. Ungewiss was ihn erwartete, las er den ersten Eintrag:

D-Day – 06.06.1944 – JOHN HALL – Abel Company.

Stutzig über diesen Vermerk, blätterte Nixon auf die nächste Seite, nur um den nächsten Namen samt Datum und Ort zu finden. Dann auf die nächste und die übernächste Seite. Überall das gleiche. Ein Name, ein Datum, ein Ort.

Fragend schaute Nixon zu Dick, der ihn bloß schief anlächelte und sagte: „Schau auf die erste Seite.“

Nixon blätterte zurück und sein Atem kam in der Tat ins Stocken, als er las, was dort stand. Im Bruchteil einer Sekunde tat es ihm leid, dass er Witze über dieses Buch gemacht und versucht hatte Dick damit aufzuziehen.

„Und…“, er musste schlucken, bevor er weitersprechen konnte, „sie stehen wirklich alle da drin?“

Winters nickte, ein sehr bescheidenes Schmunzeln auf seinen Lippen. „Alle Männer, die seit dem D-Day unter meinem Kommando gefallen sind, ja.“

Nixon sah hinab auf das Notizbuch und spürte mit einem Mal ein bleiernes Gewicht in seinen Händen. „Wie viele sind es?“, wollte er wissen.

„Zu viele.“, antwortete Dick und nahm ihm das Buch aus der Hand, als würde es nichts wiegen. Mit einem schwachen Seufzen, beugte er sich vor und legte es auf den Nachttisch neben Lews Aschenbecher.

Zurück an Lews Seite auf der Bettkante, starrte er dem Objekt nach und erklärte: „Es ist das, was mich all die Zeit zusammengehalten und unserem Tun für mich einen Sinn gegeben hat. Aber manchmal hat es mich mit seinem Gewicht auch fast erdrückt.“

„Huh.“, machte Nixon verständnisvoll und sah das Notizbuch nun mit anderen Augen. „Ich schätze, nicht viele Kommandanten erweisen ihren Männern auf diese Weise die Ehre.“

„Nein“, hauchte Winters und merkte nicht wie seine Stimme wegsackte, „wohl kaum.“

Nixon hingegen merkte es sofort und schaute umgehend zu Dick. Die Niedergeschlagenheit und die Trauer in seinen Zügen, versetzten ihm einen Stich in die Brust. Und es war eine ganz unbewusste Geste, als er seine Hand hob und sie tröstend auf Dicks Schulter legte.

„Hey...“, raunte Nixon mitfühlend und versuchte sich in das Blickfeld zwischen Dick und dem Buch zu drängen. Sanft begann er ihn im Nacken zu kraulen, was ihm nach einiger Zeit die gewünschte Aufmerksamkeit einbrachte.

Dick fest in die Augen blickend, stellte Nixon klar: „Du bist ein guter Kommandant und ein klasse Anführer. Du hast alles richtig gemacht.“ Er ließ die Worte einen Moment sacken, bevor er weitersprach und versuchte einen positiven Gedanken in Dicks Kopf anzustoßen.

„Erinnerst Du dich, wie die Jungs heute auf dem Rasen Baseball gespielt haben?“ Nixon schmunzelte, in der Hoffnung, dass es in Dick die gleiche gute Erinnerung wecken würde.

Zuerst sah es so aus, als würde nichts geschehen, aber dann wich die Bedrücktheit in Dicks Gesicht dem Anflug eines Lächelns. Leise kam es ihm über die Lippen: „Sie Hatten ihren Spaß. Waren glücklich.“

„Richtig.“, bestätigte Nixon und umfasste mit seiner warmen Hand Dicks Nacken, wie der Trainer einer Sportmannschaft, seine Spieler vor dem großen Finale. „Und dass darfst Du auch sein. Glücklich.“

In seinem Kopf hallte dieses letzte Wort lange nach und Winters nutzte die Zeit des Echos, um Lews Gesicht eingehend zu betrachten. Die vollen Brauen, die dunklen Augen, das runde Kinn und der breite Mund. Niemals hätte er gedacht sich so stark zu verlieben – noch dazu in einen Mann.

Winters konnte spüren wie ein hartnäckiges Schmunzeln an seinen Mundwinkeln zog. Die Hand in seinem Nacken machte es ihm ganz leicht, sich nach vorne zu lehnen und die Wahrheit auszusprechen.

„Bin ich.“, flüsterte er, bevor er die Augen schloss und seine Lippen auf die von Lew legte.

Es war ein scheuer, vorsichtiger Kontakt und selbst wenn sie die Lippen des anderen schon mehrfach auf ihrer Haut gespürt hatten, im Nacken und am Hals, war das hier etwas ganz anderes und obendrein viel zu schnell vorbei.

Winters löste sich von Lew und schaute in seine Augen, die eine Mischung aus Überraschung, Verwunderung, Sprachlosigkeit und alle Nuancen dazwischen zeigten.

„Wwh...“, begann Nixon zu stottern und wusste nicht, was er sagen wollte.

„Warte.“, war schließlich, dass erste Wort, dass ihm über die Zunge kam und es sah tatsächlich so aus, als bräuchte er einen Moment um zu verstehen, was gerade geschehen war. Begleitet von einem starken Kräuseln seiner Lippen und seiner Augenbrauen fragte er: „War das gerade ein–“

Winters gab dem verwirrten Mann keine Chance seine Frage zu Ende zu stellen, sondern wiederholte, was er eben schon getan hatte. Diesmal jedoch mit mehr Hingabe und Leidenschaft, und dem deutlichen Signal, dass es das war, was er wollte. Das es Lew war, den er wollte.

Der zweite Kuss – Es war wahrhaftig ein Kuss? Kaum zu glauben! – weckte Nixon aus seinem umnachteten Zustand. Tausende Mal hatte er sich das hier ausgemalt, und er musste zugeben, dass Dick unter seinen Lippen zu spüren, an keine seiner Vorstellung heran reichte. Es war sagenhaft und unbeschreiblich. Einnehmend und intensiv. Und es ließ ihn alles vergessen, was er glaubte über Situation wie diese zu wissen.

Als sie sich das zweite Mal voneinander lösten, wirkte Lew weit weniger verwirrt und orientierungslos. Dennoch war ihm anzusehen, dass die Tatsache, dass sie sich geküsst hatten, immer noch nicht alle Teile seines Bewusstseins erreicht hatte.

Wieder schaute Winters ihn intensiv an und sah jetzt Erleichterung, Glückseligkeit und tiefe Zuneigung aus Lews Gesichtszügen sprechen. Langsam hob er den Arm und legte seine Hand an Lews Wange, um etwas Ordnung in dieses hoffnungslos verliebte Gesicht zu bringen.

Mit einem vergnügten Schmunzeln meinte Winters: „Ich hätte niemals gedacht, dass Du so schüchtern sein kannst.“

Sofort wehrte sich Nixon gegen diese haltlose Behauptung: „Ich bin nicht schüchtern!“

Winters Schmunzeln wurde nur noch breiter. „Doch.“, erwiderte er mit seiner unerschütterlichen Sanftheit, „Das bist Du. Und es ist eine deiner wunderschönsten Eigenschaften.“

Die Hand an seiner Wange fühlte sich mit einem Mal unglaublich heiß an! Und Dick in die Augen zu schauen, war … Uff! Es ließ Nixon etwas schwindelig werden. Sein Mund fühlte sich seltsam trocken an und es war ihm wirklich nicht möglich irgendetwas auf diese Aussage zu erwidern. Also starrte er Dick für einen sehr langen Moment einfach nur an, in dem Bewusstsein, dass seine Augen Dinge sagten, die seinen Lippen verschwiegen. Er wollte mehr, so viel mehr.

Seine Hand, die Dicks Nacken bis jetzt nicht losgelassen hatte, wanderte über seine Schulter, bis nach vorne auf seine Brust. Und hätte es ein Vorzeichen gegeben, dann das kleine Grinsen in Nixons Gesicht, bevor er Dick rücklings auf die Matratze und in die Kissen drückte und sich mit seinem Mund auf ihn stürzte.

Winters konnte sich nicht entsinnen, jemals so glücklich über den Verlust von Kontrolle gewesen zu sein. Mit allem was er zu geben hatte, erwiderte er Lews offensive Zuneigung, küsste ihn begierig und leidenschaftlich, ließ seine Hände rauf in sein schwarzes Haar wandern und seinen Rücken wieder hinab gleiten.  

Vergessen waren der grausam Krieg, die militärischen Strukturen, ihre morgige Abreise und das Notizbuch auf dem Nachttisch. Winters wollte sich nur noch seinen aufgeschobenen Träumen hingeben. Seinen zurückgehaltenen Fantasien mit Lew, die gegenwärtig aus nichts anderem bestanden, als sich mit ihm durch dieses Bett zu wälzen und ihn wirklich überall zu berühren.

Die Entschlossenheit mit der Dick seinen stürmischen Überfall beantwortete, hätte Nixon von den Füßen gehauen, wenn er nicht schon auf einem Bett gelegen hätte. Es war die Erfüllung all seiner Wünsche, so vieles mehr und doch nicht genug.

Hemmungslos drehten und rollten sie sich durchs Bett, Hände überall dort, wo sie den anderen erreichen konnte, jeder Griff ebenso fest und verlangend, wie jeder einzelne Kuss.

Ihr verliebtes Spiel endete nach einigen Minuten, atemlos und mit klopfenden Herzen, Lew unter Dick liegend. Lautes Keuchen erfüllte den Raum, in das immer wieder hinein gelächelt wurde, nur unterbrochen von zarten, feuchten Küssen.

„Und jetzt?“, fragte Nixon glücklich und ergeben von unten, „Was machen wir jetzt?“

Winters lächelt bloß zu ihm herab, ein vielsagender Blick in seinen Augen, und brachte ihre Lippen für einen weiteren Kuss zusammen.  


A.N.
So! Das war der lang ersehnte erste Kuss zwischen den beiden! Und bevor das letzte Kapitel kommt, das viel mehr schon eine Art Epilog ist, gibt es hier jetzt des letzte Video, was gleichzeitig auch die letzte Szene der Serie zeigt. Vielleicht etwas zu heldenhaft und romantisch, aber immer noch sehr bewegend und einen Blick wert. (Die Musik ist nicht original, aber die Stimmung der Bilder ist dennoch ganz treffend eingefangen.)
Video: Band of Brothers Ending|See You Again Music Video HD (3:50 min)
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