Dear little Brother

von RamonaXX
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Captain Lewis Nixon Major Richard D. Winters
06.06.2017
06.06.2020
20
66.447
13
Alle Kapitel
62 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.02.2020 3.051
 
Hinweise:
Länge: 2.898 Wörter
Canon: Inspiriert von Part 10 „Points“, Minute 23:48
(Shifty, ein Soldat der Easy-Kompanie, ist bei Winters, um sich zu verabschieden.)
Timeline: 05. Juli 1945, Zell am See, Österreich

Vorbemerkung:
Ja, ich weiß! Ich hab es verdient »geteert und gefedert« zu werden, dafür, dass ich diese schöne Geschichte so lange hab warten bzw. pausieren lassen. Aber andere Dinge – und damit meine ich private und berufliche Dinge – waren im letzten halben Jahr einfach wichtiger… Sei es drum, nun geht es hier endlich weiter und wir nähern uns langsam aber sicher dem Ende dieser Geschichte. Hier kommt das erste der drei letzten Kapitel!

Und auch hier kann ich euch vorab die Inspiration als Video präsentieren! Ich finde, Winters zeigt in dieser Szene viel Einfühlungsvermögen und dass es ihn sehr bewegt, wie es seinen Leuten geht und was nach dem Krieg aus ihnen wird.

Video: Band of Brothers – Darrell „Shifty“ Powers (1:54 min)



Und jetzt?

In aufrechter Haltung entfernte sich Shifty und durchschritt die geräumige Suite in Richtung Tür. Für Winters war es nicht das erste Mal, dass er dieser Tage einem seiner Männer mit einem friedlichen und hoffnungsvollen Schmunzeln nachschaute. Auch Dankbarkeit war dabei. Denn er war seinen Männern in der Tat dankbar, für das, was sie in diesem Krieg geleistet hatten, wie oft sie für einander eingesprungen waren und wie unfassbar stark es sie zusammengeschweißt hatte.

Jemand wie Shifty, als ihr bester Scharfschütze, machte da keine Ausnahme. Er war ein echtes Naturtalent an der Waffe und gleichzeitig mit einem so zarten Gemüt beseelt, dass Winters sich mehr als einmal gefragt hatte, wie es dieser junge Bursche mit seiner unberührten Knabenstimme so weit gebracht hatte.  

Es beeindruckte ihn was Shifty geleistet hatte und er war stolz auf ihn, wie auf jeden anderen seiner Männer. Noch dazu war er froh, ihn auf der Liste jener zu haben, die er nach Hause schicken durfte. Dorthin, wo sie im Grunde alle hingehörten und wo jeder auf seine eigene Weise hin zurück wollte – ober eben auch nicht.

Vielen Männern fiel der Abschied nicht leicht, auch wenn es nur wenige so offen zeigten, wie Shifty es getan hatte. Aus seinen Worten hatte Winters es deutlich herausgehört, diese schwer zu beschreibende Verwirrung und Furcht, dass das Leben Zuhause nie wieder das alte sein würde und dass es kaum Möglichkeiten gab, anderen zu erklären, was in diesem Krieg passiert war und wie er einen verändert hatte.

Winters hatte sich die Zeit genommen, dem schüchternen Mann zuzuhören, ihn ausreden zu lassen und ihm am Ende mit aller Zuversicht, die er hatte, einzuimpfen, dass er ein guter Soldat war und es nichts gab, dessen er sich Zuhause schämen musste. Zur Antwort hatte der junge Mann salutiert und sich bedankt. Er hatte gleich viel besser ausgesehen und Winters hatte ihm für einen letzten zivilen Abschiedsgruß die Hand gereicht.

Dann war Darrell Powers, Spitzname Shifty, gegangen und Winters hatte wieder in dem gemütlichen Korbstuhl, auf dem Balkon seiner Suite platzgenommen, wo er schon den ganzen Vormittag das schöne Sommerwetter genoss und Briefe verfasste.

Nicht alle Soldaten konnte er nach Hause schicken. Mache musste noch eine Weile in der Army bleiben, da es ein Punktesystem gab, dass die Leistungen eines jeden Soldaten bewertete und vorsah ihn erst bei einer Mindestpunktzahl aus dem Dienst zu entlassen. Also tat Winters alles, was nötig war, um seinen Männern so viele Punkte wie möglich zu beschaffen. Erstrecht, wenn das hieß, dass er dafür ein paar wohl formulierte Zeilen an seine Vorgesetzten im Regiment schreiben und auf die Leistungen seiner Männer aufmerksam machen musste.

Gewillt den nächsten Mann der Heimat ein Stück näher zu bringen, schlug Winters seine in Leder gebundene Briefmappe auf, legte sich ein frisches Blatt zurecht und griff nach dem edlen Füllfederhalter, den er zufällig beim Durchstöbern der Hotelrezeption gefunden hatte. In schwungvollen, eleganten Linien begann er zu schreiben.

* * * * *

Nixon nahm gerade die letzten Stufen, der mit rotem Samt ausgelegten Treppe, als ihm auf dem langen Flur jemand entgegenkam. Es war ihr Scharfschütze Shifty, der offensichtlich aus Dicks Suite kam.

Der junge Mann, mit der piepsigen Stimme und den kindlichen Gesichtszügen, sah beinah ein bisschen zu süße in seiner Uniform aus um Soldat zu sein, aber in Sachen Treffsicherheit, war er nicht zu überbieten. In diesem Burschen schlummerte eine echte Kampfmaschine.    

Nixon grüßte freundlich: „Hey, Shifty. Geht’s nach Hause, ja?“

„Ja, Sir.“, antwortete Powers höflich, blieb stehen und salutierte. „Virginia, Sir.“

Nixon erwiderte den Gruß gezwungenermaßen, da er es dem armen Mann ersparen wollte, länger als nötig den Arm erhoben zu halten. Herrgott, wann würden Leute wie Shifty endlich den Stock aus dem Arsch nehmen? Der Krieg war vorbei – aus und vorbei!

„Nah dann, grüßen Sie mir die gute Virginia.“, sagte Nixon grinsend und war überrascht, wie rot der junge Mann anlief.

Es war ihm natürlich klar, dass Shifty von dem Bundesstaat gesprochen hatte und nicht von einer Freundin. Und Nixon wollte auch wirklich nicht darüber nachdenken, ob dieser vorzeigbare Schwiegersohn, mit den unschuldsbraunen Augen eines Rehs, schon jemals eine Frau flachgelegt hatte oder nicht, aber sein hochroter Kopf ließ ihm kaum eine andere Wahl.

Sichtlich überfordert mit der Peinlichkeit der Situation, rang sich Shifty ein paar gestotterte Worte ab: „Ja, ähm... Danke, Sir. Das, ähm... Das werd’ ich tun.“

„Gut so.“, antwortete Nixon und versuchte nicht daran zu denken, dass dieser jungfräuliche Krümel in der Lage war eine Münze in die Luft zu werfen, sein Gewehr darauf zu richten und zu treffen!

Mit einem letzten Kopfnicken verabschiedeten sich die beiden und gingen ihrer Wege. Und als Nixon vor der Tür von Dicks Suite stand, wurde ihm bewusst, dass ihre Truppe gerade um einen weiteren Mann geschrumpft war. Es blieben wirklich nicht mehr viele.

Ein knapper Zug voll Mannschaftssoldaten und Unteroffizieren war noch übrig, darunter auch Bull und Luz, zwei absolute Stimmungskanonen. Bei den Offizieren waren es Lipton, Speirs, Harry und natürlich Dick. Nixon war sehr glücklich, diese langjährigen Wegbegleiter noch um sich zu haben. Wie lange sie allerdings noch gemeinsam in Österreich stationiert bleiben würden, konnte keiner sagen.

Die Regeln der Höflichkeit ausnahmsweise befolgend – und mit einem Freund, der Regeln liebte – klopfte Nixon nicht bloß an die Tür, sondern wartete auch bis das dumpfe »Herein« erklang. Dann drückte er die Klinke herunter und betrat die Suite.

Wie nicht anders erwartet, saß Dick in einem Korbstuhl vor einem kleinen Tisch auf dem Balkon und nutzte den strahlenden Sonnenschein, um im Freien zu arbeiten und als Bataillonskommandeure pflichtgemäß seinem Papierkram nachzukommen. Wo auch sonst sollte man einen Sonnenanbeter suchen, wenn nicht unter freiem Himmel?

Nixon trat heraus, in das grelle Licht und wurde unerwartet kurz und bündig empfangen.

„Hey, Nix.“, sagte Winters, schaute aber nicht von dem Briefbogen auf, den er emsig mit dem Füllfederhalter und seiner geschwungenen Handschrift beschrieb.

Neugierig legte Nixon den Kopf auf die Seite und schob das Kinn vor. „Wem schreibst Du da?“, wollte er wissen und versuchte die auf dem Kopf stehenden Schleifen und Schnörkel zu entziffern.

Winters hielt seine Hand bewusst so über das Blatt, dass sie den Namen des Adressaten verdeckte. Mit einem neckenden Schmunzeln antwortete er: „Deiner Schwester.“

Nixon stieß ein amüsiertes Lachen aus. „Oh! Vorsicht, davor kann ich dich nur warnen. Die gute Blanche ist ein Biest.“

Seine jüngere Schwester war in der Tat nicht einfach. Der Vater trug sie auf Händen wie eine Prinzessin und zur Mutter war das Verhältnis immer schwierig. Bei ihm war es seit jeher andersherum. Seine Mutter liebte ihn und sein Vater ließ kaum ein gutes Haar an ihm, wenn er über ihn sprach.

Es waren genau diese Dinge, diese Familienentringen, die Nixon kein Stück vermisste und in die er doch bald zurückkehren würde. Ihm graute bereits davor, aber wenn alles gut lief, würde er nicht allein sein, wenn er mit dem Schiff zurück in den Staaten siedelte.  

In diesem Moment beendete Dick mit einem eleganten Schwung des Handgelenks seine Unterschrift, setzte die Kappe auf den Füllfederhalter, klappe die lederne Briefmappe zu und schaute zu Nixon auf – seine Miene so freundlich und strahlend, wie ehe und je.

Nixon hatte die kurze Zeit, die Dick zum Beenden seines Briefes gebraucht hatte, genutzt, sich mit der Hüfte locker an das Balkongeländer gelehnt und sich in ungezwungener Manier eine Zigarette angesteckt.

„Also...“, begann er und nahm einen tiefen Zug. „Du wolltest mich sprechen?“ Den Worten aus seinem Mund folgte der Rauch, welcher von der leichten Brise, die wehte, erfasst und fortgetragen wurde. Und für einen winzigen Augenblick wünschte sich Nixon, dieses Bild einfrieren zu können; mit der warmen Sonne auf Dicks sommersprossigem Gesicht und dem ozeangleichen Blick seiner grünen Augen.

Ein zweiter Windhauch ließ ihn seinen Gesprächsfaden wieder aufnehmen: „Nun, was ist so wichtig, dass ich–“

„Ich komme mit.“

Knapper hätte Dicks Antwort nicht ausfallen können und in dem ehrlichen Bestreben herauszufinden, was sein Freund gemeint haben könnte, zuckte Nixon fragend mit den Schultern. „Uhm, wohin?“

„New Jersey.“, erklärte Winters, seine Miene das gleiche unveränderliche freundliche Strahlen. „Ich komme mit dir nach New Jersey, Lew.“

Ohne dass er es hätte verhindern können, klappte Nixon der Mund auf und fiel ihm die Zigarette aus der Hand. „Das ist...“, begann er und fand zunächst kein passendes Wort. „Toll!“, kam es von ihm und es erschien ihm das unpassendste Wort von allen zu sein.

„Ehrlich, Dick.“, setzte Nixon ein zweites Mal an. „Das... Wow...“ Sein eigenes Lächeln hinderte ihn am Sprechen; eine Mischung aus plötzlicher Glücksseligkeit und überschäumender Erleichterung. Dick würde mitkommen! Würde wirklich mitkommen. Mit ihm. Nach New Jersey. Jubelnd platzte es aus Nixon heraus: „Das finde ich richtig großartig!“

Nun war doch eine Veränderung in Winters Zügen zu beobachten. Seine Mundwinkel wanderten mit seinen Wangen nach oben, seine Lippen öffneten sich und ein selten gesehener Ausdruck ungehemmter Freude stand auf seinem Gesicht. In seinem Korbstuhl zurückgelehnt saß er da, genoss den Ausblick auf den verwunderten Lew und konnte sich nicht mehr erklären, warum er diesen schönen Moment so lange hinausgeschoben hatte.

„Dachte ich mir.“, meinte Winters schließlich, ohne dass sein breites Grinsen nur eine Spur schmaler wurde und fügte neckend hinzu, „Deswegen habe ich mich entschieden, es dir zu sagen.“

Allein das heftige Grinsen im Gesicht des sonst so förmlichen Majors, hätte Nixon an Ort und Stelle festgenagelt, aber was er zu ihm sagte und vor allem die Leichtigkeit, mit der er es sagte, hielte ihn in der Tat am Fleck. Unfähig sich zu rühren, stand Nixon ans Geländer gelehnt, scherte sich nicht um seine schwellende Zigarette, die er hatte vor Schreck fallenlassen und beobachtete Dick, wie er aufstand, seine Briefmappe nahm und… ging?

„Hey, warte!“, rief Nixon von einer jähen Panik überrumpelt und hechtete ihm nach. Im Inneren der Suite, kurz hinter der Balkontür, erwischte er Dick am Ärmel und drehte ihn unwirsch zu sich herum. „Moment mal.“, keuchte Nixon, mehr von seiner Aufregung außer Atem, als von seinem Hechtsprung.

Es war ein unmöglich zu zügelnder Instinkt, der ihn in diesem Moment packte, und eine durchaus raue Bewegung, mit der er Dick von einer Sekunde auf die andere, neben der bodenlangen Samtgardiene gegen die Wand drückte; seine Handfläche links und rechts neben ihm und ihre Körper ungewohnt fest gegeneinander gepresst.

„So leicht lass’ ich dich nicht davonkommen.“, zischte Nixon leise, gefesselt von Dicks Augen, die nicht einen Hauch Unbehagen offenbarten.

„Das hatte ich auch nicht erwartet.“, flüsterte Winters, seine Stimme erfüllt von Spott.

In diesem Augenblick realisierte Nixon, dass Dick tatsächlich mit ihm spielte und wusste nicht mehr wohin, mit seiner plötzlichen Lust und dem unwiderstehlichen Drang ihn zu berühren. Einem spontanen Impuls folgend, nahm er seine Hände von der Wand, legte sie an Dicks Hüften und begann ihn durch den Stoff seiner Kleidung zu streicheln.

„Hast Du wirklich geglaubt“, raunte Nixon und kam dem anderen Mann mit seinem Gesicht dabei langsam näher, „dass Du mir das mal eben an den Kopf werfen und dich dann verdrücken kannst?“

Winters genoss die Berührung von Lew, wollte mehr davon und scheute sich nicht ihn weiter zu sticheln, mit dem Ziel zu erfahren, was er noch alles tun würde – außer ihn mit dem Rücken an eine Wand zu pinnen. Um seine Beherrschung ringend, schloss Winters seine Hand fester um die Briefmappe unter seinem Arm und hauchte herausfordernd: „Ja.“

Empört von der schamlosen Antwort, hielt Nixon inne und nahm seinen Kopf ein Stück zurück. „Du stellst gerade meine komplette Lebensplanung auf den Kopf!“

Winters lächelte unschuldig, wohl wissend, dass er und Nix das gleiche Spiel spielten. Seine Antwort kam spitz und findig. „Ich weiß.“

„Du!“, knurrte Nixon erregt und kam ihm mit seinem Gesicht wieder näher.

„Ich?“, fragte Winters mit hochgezogener Augenbraue und konnte es kaum noch erwarten.

„Du...“, hauchte Nixon mit langem Atem und trickste Dick aus, der schon drauf und dran war die Lippen zu spitzen. Ein triumphierendes Lächeln in Gesicht, wandte Nixon sich ab und ließen seinen Blick für eine Runde über Dicks kupferrote Haare wandern. „Wenn ich mit dir fertig bin...“, säuselte er dunkel und fokussierte erneut Dicks Mund.

„Dann?“, hakte Winters ungeduldig nach und konnte fühlen, wie sich Lews Griff um seine Seiten verstärkte. Mehr als willig endlich von ihm geküsst zu werden, schloss er die Augen.

Was kam, war ein hartes und durchdringendes Klopfen an der Tür der Suite!

Das unwillkommene Geräusch hatte gleich zwei fatale Folgen. Winters ließ vor Schreck die Briefmappe fallen, die ihren Inhalt laut raschelnd und wehend über den Fußboden verteilte. Und Nixon, der so angespannt war, dass er seine Zunge nicht unter Kontrolle hatte, rief einem unerklärlichen Reflex folgend: „Herein!“  

* * * * *

Was Captain Speirs erblickte als er die Suite seines Vorgesetzten betrat, war so sonderbar, dass es selbst seine durch und durch abgekühlte Miene mit rätselhafter Neugier erhellte.

Auf dem Fußboden kniete ein zerstreuter Major Winters, der ungeschickt einige Blätter und Papiere zusammenräumte. Während neben ihm eine verkrampfter Captain Nixon stand, der übertrieben sorgfältig eine Gardine glatt strich zupfte.

„Ich hab’s dir doch gesagt, Dick“, begann Nixon vollkommen vertieft in das Glattstreichen des dunklen Samtstoffes, „Du solltest die Balkontür schließen, wenn Du Papierkram machst.“

Speirs sah wie der nervöse Mann ein imaginäres Staubkorn von der Gardine brüstete und sich dann zu ihm umdrehte, nur um so zu tun, als hätte er ihn jetzt erst bemerkt. „Hey, Sparky.“, grüßte Nixon übertrieben munter.

Der Captain der Easy-Kompanie hatte im ersten Moment wirklich keine Ahnung, wie er auf dieses kuriose Bild reagieren sollte. Und er wollte sich auch wirklich nicht ausmalen, in was er gerade um ein Haar hineingeraten war.

Seine Fassung mit einem kurzen Räuspern wiedergewinnend, das auch seinen Gesichtszügen ihre undurchsichtige Festigkeit wiedergab, grüßte er die zwei Offiziere. „Major. Captain.“, sagte er knapp und bedachte beide mit einem respektvollen Nicken.

Es war ihm sonnenklar, dass das, was hier vor ihm lag eine durch und durch gestellte Szene war. Dennoch ließ er sich nichts anmerken und ging so souverän wie möglich mit der im Raum stehenden Peinlichkeit um, die in etwa so unauffällig war wie ein rosa Elefant.

Speirs straffe seine ohnehin aufrechte Haltung und achtete penibel auf den Ton seiner Stimme, als er sagte: „Sie wollten mich sprechen, Major?“ Es war ein frei erfundenes Argument, gleichzeitig aber auch eine Ausweichmöglichkeit für Winters, die unangenehme Situation in der sie alle festsaßen professionell zu lösen.

Wie von Speirs nicht anders erwartet, nahm der Major das Angebot dankend an, indem er darauf einging und erwiderte: „Ja, richtig Ron! Gut, dass Sie hier sind.“ Mit diesen Worten rappelte Winters sich auf, der endlich das letzte Blattpapier aufgehoben und zurück in die offene Briefmappe gestopft hatte.

Noch nicht ganz zurück in seiner gewohnt charismatischen Pose, strich Winters seine Kleidung glatt, zupfte die Ärmel an seinem Hemd zurecht und überprüfte den Sitz seiner Hosenträger, während er die lederne Briefmappe planlos von einer in die andere Hand übergab. Sein Versuch Rons Ablenkungsmanöver dabei fortzuführen, scheiterte jedoch kläglich, als er mit falscher Betonung verlauten ließ: „Captain Nixon, wollte ehe gerade gehen.“

Der Angesprochene reagierte sofort, drehte sich um und bedachte Speirs mit einem kurzen Schmunzeln, bevor er seine Augen auf seinen Major richtete.

Winters war sich in diesem Moment zweierlei Dinge gewiss und einer Sache sicher. Nämlich erstens, dass seine Ohren vor Scham glühten. Zweites, dass der bitterböse und ermahnende Blick, den er Lew zuwarf niemals von diesem falsch gedeutet werden würde. Und drittens, dass er niemals, aber auch wirklich niemals wieder einen Kuss riskieren würde, ohne vorher die Tür abzuschließen!

An dem festen Blick, den Nixon von Dick bekam, gab es nichts fehlzuinterpretieren. Die Botschaft war eindeutig und Nixon zögerte nicht, sich danach zu richten. Der Gardinenfalte einen seichten Klaps verpassend meinte er: „Ach, hab’ ich ganz vergessen. Ich habe noch eine Verabredung mit Harry in der Lobby.“

Ohne irgendeine Antwort oder Reaktion abzuwarten, setzte sich Nixon in Bewegung und steuerte auf die Tür der Suite zu. Als er an Ron vorbeikam, schenkte er diesem ein auffälliges Zwinkern, ohne sich selbst sicher zu sein, ob es nun ein Dank oder ein Lob sein sollte.

Speirs antwortete mit einer Augenbraue, die sich hoch zu seinem Haaransatz zog. Eine Geste, die sich einfach nicht vermeiden ließ, so sehr er sie auch unterdrücken wollte.

Es waren endlose Sekunden donnernden Schweigens, bis Nixon die Tür erreicht hatte und sich unnötiger Weise für einen letzten Gruß umdrehte.

„Lasst euch die Zeit nicht lang werden.“, sagte er lässig und sah noch einmal von Dick zu Ron und wieder zurück, den ersten Fuß bereits auf dem Flur. „Ich sehe dich später, Dick.“

Dann fiel die Tür ins Schloss und Winters glaubte, den rosa Elefanten mit einem lauten Knall platzen zu hören.

* * * * *

Endlich allein und ungesehen auf dem Flur, ließ Nixon seine schauspielhafte Maske fallen und schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Gott, war das peinlich gewesen! Auf diesen Schock und seine meisterhafte Improvisation hatte er sich einen guten Schluck redlich verdient.

Eilig zog Nixon seinen Flachmann aus der Hosentasche, schraubte ihn auf und setzte das Gefäß an die Lippen. So war es besser, entschied er nach mehreren guten Schlucken und fühlte sich bedeutend ruhiger.

Ein Glück, dass es Sparky war, der sie beinah erwischt hatte. Denn wer im Glashaus saß, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Und der Knutschfleck an seinem Hals, den Ron seit Tagen mit einem Schal verdeckte und der feurige Blick von Lipton dazu sprachen Bände.

Nein, dachte Nixon, und machte sich tatsächlich auf den Weg in die Lobby, Dick und er waren gewiss nicht die einzigen, die gemeinsam aus diesem Krieg heimkehrten.
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