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Tränen, Schicksal und Träume

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Alexander Kahnweiler Dr. Martin Gruber Dr. Vera Fenrich Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber
04.06.2017
12.02.2021
24
21.191
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07.06.2017 1.236
 
Klara setzt sich auf die Behandlungsliege und wartet, bis Martin seine Unterlagen auf dem Schreibtisch sortiert hat und zu ihr hinüberkommt. "Klara, ich würde jetzt gerne erst mal Temperatur messen, Dich dann abhören und Dir noch etwas Blut abnehmen." kündigt Martin an, während er das Thermometer aus einer Schublade holt. Klara nickt nur und lässt ihn ohne Widerworte das Thermometer in ihrem Ohr platzieren um anschließend die Temperatur abzulesen. "38.2. Das ist immer noch leicht erhöht, aber nicht so schlimm. Ist dir noch übel oder hast du sonst irgendwelche Beschwerden?" Klara schaut ihn kurz an und schüttelt den Kopf. "Nur ein wenig Kopfschmerzen, aber nicht der Rede wert." Martin schüttelt amüsiert den Kopf. "Was relevant ist, entscheide ich lieber selbst. Schau mich mal an, Klara." Während Klara ihren Kopf in seine Richtung dreht, holt die kleine Stablampe aus der Brusttasche und leuchtet ihr zunächst in das eine Auge und dann in das andere, während er jeweils das andere zudeckt. "Alles OK, Klara. De Kopfschmerzen werden in den nächsten Tagen verschwinden - das kommt noch von der Platzwunde und der Gehirnerschütterung. Jetzt dreh Dich bitte mal um, damit ich Dich abhören kann." Auch diese Untersuchung lässt das Mädchen folgsam über sich ergehen. Erst als er ihr den Stauschlauch für die Blutabnahme anlegt wird sie sichtlich nervös. "Kannst du kein Blut sehen, Klara? Willst du dich dabei lieber hinlegen?" Klara schüttelt den Kopf. "Ich, also, ich..." Martin öffnet den Stauschlauch wieder und setzt sich neben Klara. "Was ist los, Klara?" Das Mädchen wendet sich von ihm ab, um die aufsteigenden Tränen zu verbergen und wischt sich verstohlen über die Augen. "Klara, schau mich an. Was ist los? Hast Du Angst vor der Nadel?" Klara schüttelt den Kopf, schaut aber immer noch nicht zu Martin hinüber. "Wenn Du mir nicht sagst, was los ist, dann kann ich Dir auch nicht helfen. Und die Blutentnahme muss sein." Klara schaut Martin nun mit roten Augen an. "Früher hat das immer meine Mama gemacht, da tat es auch überhaupt nicht weh..." schluchzt sie... "aber im Internat, da haben sie mit die ganze Vene zerstochen - der ganz Arm war blau und ich konnte ihn mehrere Tage nicht bewegen..." Martin legt ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. "Klara, hast Du Dich dabei gewehrt?" Klara nickt. "Pass mal auf, ich verspreche Dir, dass ich das ganz vorsichtig mache und du dabei gar nichts spürst, OK?" Klara nickt, und Martin nimmt den Stauschlauch wieder auf und legt ihn ihr an. Er spürt ihr Zittern, als er nach einer geeigneten Vene sucht.  "Klara, beruhig dich bitte. Es ist nur ein Pieks, so wie bei deiner Mama." Aber das Mädchen lässt sich nicht beruhigen. "Klara, schau mal kurz weg, bitte." Diesen Moment nutzt er, um vorsichtig mit der Nadel in die Vene zu stechen und die benötigten Röhrchen mit Blut zu befüllen. "Fertig. Drück bitte mal kurz darauf." Klara dreht sich wieder zu ihm und schaut erstaunt auf die Röhrchen mit Blut. "Das tat wirklich kaum weh." Martin grinst sie an. "Hab ich doch gesagt." Während er die Röhrchen beschriftet klingelt das Telefon im Behandlungszimmer. Er geht zum Schreibtisch und setzt sich hin, während Klara auf dem gegenüberliegenden Stuhl Platz nimmt. "...ja, ist gut Frau Dr. Fendrich. Ich schicke das Blut gleich ins Labor. Ja, ja, ich werde es ihr ausrichten..." Während Martin einige Minuten telefoniert, hat Klara ein dickes Buch vom Tisch genommen und darin zu blättern begonnen.  Als Martin auflegt schaut sie erschreckt zu ihm auf und legt das Buch sofort auf den Tisch zurück. "Du kannst ruhig weiter darin blättern. Das ist allerdings zähe Kost", sagt Martin und nimmt das Buch mit dem Titel "Pharmakokinetik" in die Hand um es einmal von vorne nach hinten durch zu blättern. "Interessiert dich so etwas?" Klara nickt. "Magst Du Chemie?" Wieder nickt Klara. Martin erinnert sich plötzlich an den Bericht von Hans über die vergangene Nacht. "Sag mal Klara, weißt Du was Acetylsalicylsäure ist? Mein Bruder hat gesagt, dass du das Wort gestern Nacht verwendet hast." Klara schaut nun etwas erschreckt auf und zögert mit der Antwort. "Klara, was auch immer wir hier besprechen - das fällt alles unter meine ärztliche Schweigepflicht. Und solange du nicht willst, dass ich mit jemand anders darüber spreche, werde  ich das auch nicht tun." Klara scheint einen Moment lang zu überlegen. "Haben Sie einen Zettel für mich da?" Martin schiebt einen Zettel und Stift zu ihr hinüber und Klara beginnt, darauf eine komplizierten organischen Sechsring mit verschiedenen Anhängseln zu zeichnen. "Weißt Du auch wie das funktioniert?"  Klara schaut ihn an. "Nicht genau. Die Acetylgruppe wird abgespalten, aber was genau dann passiert, weiß ich nicht." Martin nickt nachdenklich. "Wenn Du magst, kannst Du später daheim mal schauen, ob du welche von meinen Büchern durschauen möchtest?" Klara schaut ihn mit großen Augen an. "Wirklich? Das durfte ich früher bei meiner Mama auch. Sie hat sich dann mit mir zusammen hingesetzt und mir alles erklärt." Martin lacht. "Wenn du Fragen zum Inhalt hast, darfst du auch gerne zu mir kommen. Aber ich weiß nicht, ob ich dir viel helfen kann. Dr. Melchinger ist da vielleicht der bessere Ansprechpartner - er war früher auch so ein Bücherwurm, hat meine Mutter mal erzählt." Zum ersten Mal strahlt Klara Martin an. "Danke"

"Klara, ich muss auch noch etwas anderes mit Dir besprechen." Fragend schaut ihn das Mädchen an. "Ist etwas nicht in Ordnung." Doch, natürlich. Aber wir haben heute morgen mit dem Jugendamt gesprochen..." bevor Martin den Satz beenden kann springt Klara auf... "NEIN. Ich gehe nicht zurück ins Internat. Bitte, Du musst das verhindern!" Beruhigend legt Martin seine Hände auf Klaras Schultern. "Klara, so einfach ist es nicht. Aber wir haben erstmal erreicht, dass Du für 6 Wochen zu einer Kur kannst. In der Zeit wirst Du bei uns wohnen und Du wirst hier zur Schule gehen."  Klara zieht die Augenbrauen zusammen. "Und welchen Haken hat die Sache?" Martin überlegt, wie er ihr die weitere Bedingung erklären soll. "Nun, da das Jugendamt der Ansicht ist, dass die Probleme mit dem Internat geklärt werden müssen, wirst Du einmal in der Woche mit einer Psychologin in Hall ein Gespräch führen." Klara entzieht sich Martins Berührung und weicht einen Schritt zurück. "Und danach steckt ihr mich in die Klapse, oder was?" brüllt sie ihn an. Martin bleibt ruhig. "Nein, Klara, wir wollen Dir helfen. Und das können wir nur, wenn Du uns hilfst, zu verstehen, was mit dir los ist. Verstehst Du das? Gibt der Sache doch einfach eine Chance. Die Alternative ist die, dass du morgen wieder zurück ins Internat gehst. Das ist deine Entscheidung." Klara schaut betroffen auf den Boden. Wenn die 6 Wochen um sind, kann sie immer noch abhauen. "OK. Einverstanden." Martin reicht ihr die Hand um die Abmachung zu besiegeln.

"Sollen wir jetzt zu Roman gehen und das versprochene Eis im Wilden Kaiser einlösen, Klara?" Klara nickt. "Ja, das klingt gut."
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