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Tränen, Schicksal und Träume

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Alexander Kahnweiler Dr. Martin Gruber Dr. Vera Fenrich Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber
04.06.2017
12.02.2021
24
21.191
4
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06.06.2017 981
 
Der Rest der Nacht verläuft ruhig. Martin recherchiert noch ein wenig im Internet, bis auch er auf der Küchenbank in einen unruhigen Schlaf fällt und erst von Lisbeth und Hans um 6 Uhr geweckt wird. "Martin, ich mach Dir jetzt erstmal einen Kaffee.",  sagt Lisbeth, als sie ihren verschlafenen und übermüdeten Sohn in unbequemer Haltung auf der harten Holzbank vorfindet. Martin nickt, "Danke Mama.", und steht auf um als erstes nach Klara zu schauen. Diese liegt unverändert im Wohnzimmer, die Haare immer noch leicht verschwitzt und die Wangen gerötet. Martin fasst ihr vorsichtig auf die Stirn und stellt fest, dass die Temperatur zwar gesunken, aber immer noch erhöht ist. Unter seiner Berührung dreht sie sich mit leichtem Seufzen auf die Seite,  aber ohne zu erwachen. Leise verlässt er das Wohnzimmer und kehrt zurück in die Küche. "Mama, Klara schläft noch, sie hat immer noch leichtes Fieber. Ich würde sie gerne schlafen lassen, könnt Ihr Euch um sie kümmern? Ich habe um 8 den Termin in Hall mit der Dame vom Jugendamt und muss danach in die Praxis. Vielleicht kannst Du mir Klara gegen 14 Uhr vorbeibringen?" Lisbeth nickt. "Mache ich, Martin." Das Frühstück geht schweigend vorbei, bis Lilli hereingestürmt kommt. "Papa, die Klara ist weg..." Hans legt den Finger auf die Lippen und deutet ihr leise zu sein. "Die Klara schläft im Wohnzimmer - der ging es heute Nacht nicht gut." Besorgt schaut Lilli in die Runde. "Sie wird aber wieder gesund, oder?" Martin nickt. "Natürlich Lilli. Aber jetzt mach Dich bitte fertig - ich bringe Dich gleich zur Schule, wenn ich nach Hall fahre." Gehorsam schleicht Lilli ins Badezimmer und macht sich schulfertig, während Hans in den Stall verschwindet und Lisbeth das Pausenbrot für die Lilli richtet.  

Um kurz vor 8 kommt Martin in der Klinik in Hall an und betritt das Büro von Dr. Fendrich. "Dr. Fendrich. Guten Morgen." "Dr. Gruber" Vera Fendrich nickt ihm zur Begrüßung zu. "Frau Soldern vom Jugendamt wird gleich da sein. Haben Sie noch irgendwelche Neuigkeiten von dem Mädchen?" "Sie spricht nicht viel.  Aber es geht  ihr auch nicht besonders gut - sie hat immer noch Fieber und hat sich letzte Nacht wieder mehrfach erbrochen. Ich werde sie nachher noch in der Praxis untersuchen." Vera Fendrich nickt abermals. "Lassen sie uns auch ein großes Blutbild machen, Dr. Gruber." "Sehr wohl, Dr. Fendrich." nickt nun Martin. Im selben Moment betritt Frau Soldern vom Jugendamt Innsbruck das Büro und wird von Martin auf einen der Besprechungsstühle geleitet. Vera Fendrich ergreift das Wort. "Schön, dass sie es so kurzfristig einrichten konnten. Das hier ist Dr. Gruber, er behandelt Klara und hat sie vorübergehend bei sich und seiner Familie aufgenommen." Frau Soldern schaut Martin freundlich an und schüttelt ihm die Hand. "Das ist sehr freundlich von Ihnen, Dr. Gruber." Martin lächelt sie an. "Das mache ich gerne, Klara ist nach meinen gestrigen Erfahrungen ein sehr höfliches und pflegeleichtes Mädchen." Frau Soldern runzelt die Stirn und wirft einen hilfesuchenden und etwas ratlosen Blick in die Runde. "Das kann ich leider nicht bestätigen. Im Internat kam es im letzten Jahr wiederholt zu massiven Zwischenfällen - Klara ist wiederholt ausgerissen, prügelt sich mit den Mitschülern,  beteiligt sich nicht am Unterricht und zeigt keinerlei Kooperationsbereitschaft in Gesprächen mit der Internatsleitung und mit uns. Von der Internatsleitung wurde bereits angeregt, sie in der Jugendpsychiatrie unterzubringen." Martin Gruber schaut zu Dr. Fendrich die sich nun ganz aus dem Gespräch zurückzieht und ihm deutet, das Gespräch zu übernehmen. "Bei allem Respekt, Frau Soldern, aber uns gegenüber hat sie wiederholt geäußert, dass sie nicht in das Internat zurück möchte." Frau Solder nickt. "Das hat sie uns gegenüber auch anfangs geäußert. Allerdings ohne Angabe von Gründen. Da es vor dem Aufbruch auf die Expedition der ausdrückliche Wunsch der Eltern war, dass Klara auf das Internat geht, sind uns diesbezüglich aber die Hände gebunden. Es sei denn, es lägen massive Gründe vor. Und diese sind uns derzeit nicht bekannt." Martin schüttelt den Kopf. "Aber wenn Klara dort nicht zur Schule gehen möchte - wieso haben die Eltern sie dann überhaupt dort untergebracht?" "Der ehemalige Schulleiter, Dr. Kofler, war ein guter Freund von Klaras Vater. er war allerdings auch ein Teilnehmer der Expedition. Seine Stellvertreterin ist nun die neue Schulleiterin." Martin nickt. "Meinen Sie, dass Klara ihnen etwas verschweigt? Oder glauben sie, dass das Verschwinden der Eltern der Grund für ihr Verhalten ist?" Frau Soldern überlegt einen Moment, bevor sie antwortet. "Das wissen wir nicht. Die Schule hat einen tadellosen Ruf. Auf der anderen Seite wirkt Klara sehr verschüchtert, und was sie gestern über das Verhalten der Schulleiterin erzählt haben, kling auch sehr ungewöhnlich... " Nun klinkt Dr Fendrich sich wieder in das Gespräch ein. "Frau Soldern, besteht aus ihrer Sicht die Chance, dass Klara sich mit dem nötigen Abstand zur Schule öffnen wird?" Frau Solder schaut Vera nachdenklich an. "Vielleicht." Dr. Fendrich nickt. "Ich habe mich bei unserer Rechtsabteilung erkundigt - wir haben die Möglichkeit, Klara aufgrund des schweren Traumas durch den Unfall  eine 6-wöchige Kur mit therapeutischer Begleitung und lokalem Schulbesuch zu verordnen. Wäre das zum Wohle von Klara?" Frau Soldern schaut zuerst Martin und dann Vera an. "Es wäre eine Möglichkeit. Ich werde das mit dem Internat klären. Ich melde mich bei ihnen." Sie verabschiedet sich von Dr. Gruber und Dr. Fendrich, die alleine im Büro zurück bleiben. Vera schaut Martin fragend an. "Das ist doch in ihrem Sinne, oder?" Martin ist in Gedanken weit weg. "Bitte? Ach so, ja, natürlich. Dr. Fendrich." verabschiedet er sich, um in die Praxis nach Ellmau zu fahren.
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