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Tränen, Schicksal und Träume

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Alexander Kahnweiler Dr. Martin Gruber Dr. Vera Fenrich Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber
04.06.2017
12.02.2021
24
21.191
4
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05.06.2017 993
 
Auf dem Weg in sein Zimmer schaut Martin noch kurz bei den beiden Mädchen hinein, die friedlich in ihren Betten liegen und schlafen. Leise lehnt er die Tür wieder an und begibt sich an das andere Ende des Korridors, an dem sein kleines Zimmer liegt. Immer noch fragt er sich, warum diese Augen ihm so bekannt vorkommen. Zunächst hatte er gedacht, dass er vielleicht die Mutter von Karla aus seiner Zeit in New York kannte - aber der Name Zimmermann wäre ihm im Gedächtnis geblieben. Noch immer grübelnd döst er bald ein, um kurze Zeit später gegen Mitternacht zu einem Notfall im Wilden Kaiser gerufen zu werden. Ein Gast hat einen Herzanfall erlitten und benötigt dringend medizinische Hilfe. Als er das Haus leise verlässt liegt eine entspannte Ruhe in der Luft. Selbst die Kühe im Stall sind nicht zu hören, als er aus dem Hausflur in die kühle und klare Nachtluft hinaus tritt.

Hans Gruber hingegen schläft zur gleichen Zeit noch tief und fest, bis das Rauschen von Wasser ihn gegen 2 Uhr Morgens aus  dem Schlaf reißt. Schlaftrunken realisiert er, dass jemand im Badezimmer wiederholt die Toilettenspülung betätigt. Er wankt aus dem Bett, um nach dem Rechten zu sehen. Auf dem Flur realisiert er unbewusst, dass das Zimmer von Martin offen steht, aber kein Licht brennt. Die Tür von Lillis Zimmer ist nach wie vor angelehnt und auch das Zimmer seiner Mutter ist geschlossen. Barfuß tapst er vorsichtig in Richtung des Badezimmers aus dem er die Geräusche gehört hat. Durch den Türspalt am Boden kann er Licht erkennen und öffnet leise die Tür. Klara hängt erschöpft über der Kloschüssel, würgend und krampfend, ein Häufchen Elend. "Klara - was ist los?" Leise schließt er die Tür hinter sich, um die anderen nicht aufzuwecken und geht zum dem Mädchen hinüber, greift sich im Vorbeigehen ein Handtuch, das er unter dem Wasserhahn anfeuchtet und ihr reicht. Dankbar nimmt sie es entgegen und wischt sich damit über das Gesicht. "Ich wollte Dich nicht aufwecken, tut mir leid. Ich komme schon klar.  Mir ist nur etwas schlecht." Hans schaut sie besorgt an. Sie ist völlig verschwitzt und bleich. Vorsichtig fasst er ihr an die Stirn. "Du hast immer noch Fieber. Komm erstmal mit in die Stube, ich mache Dir einen Tee und dann schauen wir weiter." Hans hilft ihr auf die Beine und begleitet sie die Treppen hinunter in die Stube. wo er sie auf dem Sofa platziert und ihr eine dicke Wolldecke zum Zudecken reicht. "Ich bin gleich wieder da, OK?" Klara nickt kraftlos und lässt sich in die Kissen fallen. Hans schleicht die Treppen zum Badezimmer noch einmal hinauf, holt das Fieberthermometer und ein Fiebermittel aus dem Schrank, und geht dann in die Küche um einen weiteren Kamillentee zuzubereiten. Mit der Tasse in der Hand kehrt er dann in die Stube zurück. "Hier, der Tee." er stellt den Tee auf den kleinen Couchtisch neben das Sofa. "Ich würde gerne nochmal Fieber messen, wenn es über 39 ist, solltest Du besser eine Tablette nehmen." Klara schaut ihn forschend an. "Aber Du bist kein Arzt, oder?" Hans grinst. "Nein, aber ich hab eine Tochter. Mit durchwachten Nächten am Krankenbett von jungen Mädels kenne ich mich aus." Klara nickt. Hans nimmt das Ohrthermometer  und  hält es in Klaras Ohr bis das Gerät piepst. "39.8" liest er vor. "Hier." Er drückt eine Tablette aus dem Blister und hält sie Klara hin. "Ist das Paracetamol, Ibuprofen oder ASS?" Nun schaut Hans etwas irritiert und schaut sich die Packung genauer an. "Paracetamol." Klara nimmt die Tablette entgegen und spült sie mit einem Schluck Tee herunter. "Das ist OK. Auf Acetylsalicylsäure bin ich allergisch und Ibuprofen schlägt mir noch mehr auf den Magen." Hans kommentiert dies nicht weiter. "Jetzt legt dich hin, OK. Ich bleibe bei Dir, bis Du wieder schläfst." Klara nickt folgsam. "Hans, erzählst Du mir von den Bergen? Was war Deine schönste Tour?" Die Gedanken von Hans Gruber kehren zurück in die Zeit, als er noch jeden Tag im Berg unterwegs war. im Kaiser, aber auch in anderen Gebieten. "Da waren so viele schöne Touren..." beginnt er zu erzählen. "Besonders gut kann ich mich an die Watzmann-Ostwand erinnern..." Klara schaut ihn gebannt an... "2000m Fels..." murmelt sie. Hans nickt. "Ja, wir waren damals zu zweit unterwegs und sind von der Eiskappelle aus noch im Dunkeln in die Wand eingestiegen. Es war so bitter kalt. Und dann kamen die ersten Sonnenstrahlen in die Wand - der Himmel glutrot, und wir hatten das Gefühl der Unbesiegbarkeit. Eine Seillänge folgte der nächsten, ein Kamin, ein Riss, die glatte Platte im oberen Teil. Wir hatten damals die Route der Erstbegeher gewählt, die alten, rostigen Haken steckten noch in den Rissen - es war unbeschreiblich..." Ein Blick zu Klara zeigt ihm, dass sie wieder friedlich eingeschlafen ist und ein Lächeln auf ihren Lippen liegt. Hans deckt sie noch einmal weiter zu, um dann aufzustehen und das Zimmer zu verlassen, als er seinen Bruder in der Tür stehen sieht. "Martin..." aber dieser legt seinen Finger auf die Lippen und deutet ihm, in die Küche zu folgen. "We lange standst Du schon dort?"  "Nicht lange." Dass er seinem sonst so schweigsamen Bruder schon einige Minuten zugehört hat, wird er ihm nicht verraten. "Was ist passiert?" "Sie hat sich wieder übergeben, und das Fieber ist weiter gestiegen. Ich hab ihr einen Tee gemacht und ihr was gegen das Fieber gegeben. Martin runzelt die Stirn. "Danke Hans. Das gefällt mir gar nicht...  Ich nehme sie später besser mit in die Praxis und schaue sie mir nochmal genauer an. Aber jetzt geh Du mal ins Bett - ich werde hier unten bleiben, falls noch etwas ist."
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