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Tränen, Schicksal und Träume

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Alexander Kahnweiler Dr. Martin Gruber Dr. Vera Fenrich Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber
04.06.2017
12.02.2021
24
21.191
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21.06.2017 778
 
Als Martin leise zu Klara in das Zimmer geht findet er sie noch immer auf dem Klappbett und unter der Bettdecke liegend vor. Unruhig wälzt sie sich leicht in und her. Martin setzt sich zu ihr auf die Bettkante und legt seine Hand prüfend auf die Stirn. Durch die Berührung erwacht öffnet Klara verschlafen die Augen. "What time is it?" Martin lächelt leicht. "Shht...Go back to sleep. It's still an hour till dinner..." Klara richtet sich nun auf. "Entschuldige. Ich war noch nicht ganz da..." Martin grinst sie an. "Das habe ich gemerkt. Du hast kaum noch Fieber. Morgen sollte wieder alles in Ordnung sein. Ruh Dich einfach noch ein wenig aus. Die Mama sagt Dir Bescheid, wenn es Abendessen gibt. Ich muss jetzt gleich noch los zu einem Patienten."

"Martin, Du hast Du gesagt, dass ich Deine Bücher ansehen darf?" Martin nickt. "Klar." Nach einem kurzen Zögern fragt Klara vorsichtig. "Wo sind die denn?" "Ich stelle Sie Dir runter ins Wohnzimmer - da stehen auch noch die Bücher von meinem Vater über alle möglichen Bergtouren, vielleicht interessieren die dich auch?"  Klaras Augen leuchten nun. "Das wäre toll! Darf ich auch jetzt gleich runter gehen und mir die anschauen?" Martin schüttelt den Kopf. "Nein, jetzt erholst du dich erstmal noch etwas - außerdem lernt die Lilli unten im Wohnzimmer Mathe - die schreibt nämlich am Montag eine Klassenarbeit."

Klaras Blick schweift in die Ferne. "Martin? Kann ich ab Montag auch hier in die Schule gehen?" Martin setzt sich nun so hin, dass Klara ihm direkt gegenüber sitzt und er ihr direkt in die Augen schaut. "Natürlich. Ich werde das gleich noch mit der Schule klären. Ich dachte, dass Du vielleicht mit Lilli zusammen in eine Klasse gehen könntest - sie ist jetzt in der 10ten." Freudig blick Klara ihm entgegen. "Das wäre super." Zustimmend nickt Martin, als ihm einfällt, dass er Klara auch noch die Ergebnisse der Blutuntersuchung mitteilen muss. "Klara, Dr. Kahnweiler hat vorhin wegen der Laborergebnisse angerufen. Da war alles soweit OK, bis auf einen ziemlichen Eisenmangel. Weißt Du ob das früher auch schon mal festgestellt worden ist?" Klara schaut ihn etwas erstaunt an. "Nein, eigentlich nicht. Es war mal an der Grenze, aber da hat meine Mutter mir ab und zu mal Eisensaft gegeben, dann hatte sich das wieder gut eingependelt." "Wann ist es denn zum letzten Mal geprüft worden?" Klara denkt kurz nach. "Vor meiner Rückreise nach Österreich." "Das ist natürlich schon ziemlich lange her. Du bist aber keine Vegetarierin, oder?" Klara schüttelt den Kopf. "Naja, das kriegen wir schon wieder hin." Martin steht nun auf und lächelt ihr aufmunternd zu.

"Sag mal, hast Du morgen vielleicht Lust, bei einer Übung der Bergwacht zuzuschauen?" Die Sprachlosigkeit beantwortet Martins Frage. "Also ja. Dann sag ich Hans Bescheid, dass wir noch einen Gast haben. Und jetzt schläfst Dich mal aus. Wir sehen uns dann spätestens morgen früh!" Klara verkriecht sich wieder unter die Decke während Martin das Haus verlässt und zu seinem Patienten auf die Alm fährt. Zum ersten Mal seit langem kreisen Klaras Gedanken nicht nur um das Internat, um ihre Eltern, um die ungewisse Zukunft, das Unglück und Elend, das ihr Leben in den letzten Monaten ausgezeichnet hat. Sie döst wieder ein und findet diesmal entspannte Ruhe ohne schreckliche Erinnerungen, die sie sonst so oft in den Träumen verfolgen.

"Klara, wach auf. Es ist Zeit zum Abendessen, kommst Du?" Sie spürt eine Hand auf ihrer Schulter und hört die Stimme von Lilli aus weiter Ferne zu ihr dringen. Müde schlägt sie die Decke zurück und greift sich die Hose vom Stuhl. "Lilli, bist Du mit dem Lernen gut vorangekommen?" Lilli schaut sie wenig begeistert an. "Ich glaube, ich bin ein hoffnungsloser Fall... Ich hab einfach keinen Plan von diesem Zeug." Während Klara sich die Hose anzieht, fragt sie neugierig "Was macht ihre denn gerade?". Lilli denkt kurz nach. "Sinus- und Kosinusfunktion..." "Vielleicht kann ich Dir helfen - natürlich nur wenn Du magst?"  Lilli wirft Klara einen fragenden Blick zu. "Du kannst das?" "Ja, die trigonometrischen Funktionen sind nicht so schwierig. Ich kann mir das nach dem Abendessen gerne mal ansehen." "Cool, das wäre super." Gemeinsam gehen die beiden Mädchen hinunter in die Küche, wo Lisbeth und Hans bereits mit dem Abendbrot warten, und setzten sich auf die noch freien Plätze auf der Bank.
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