Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Future kings and riot queens

OneshotAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Peter/Peter Pan
04.06.2017
04.06.2017
1
2.243
4
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
04.06.2017 2.243
 
Future kings and riot queens


We get lost and we get found
Now we are here, we won’t back down
Write this in the sky, we own the night
And we fear nothing.

Josie And The Pussycats – Fear Nothing


Für bonesbuddy.
- Happy Birthday -






Laura konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt so viel Spaß gehabt hatte und so ausgelassen gelacht hatte, während sie auf einem Skateboard über den dunklen Asphaltboden bretterte.
Ihre hellgrünen Augen suchten den Blick des rothaarigen Jungen neben ihr, welcher ebenfalls auf einem Skateboard die Straßen und Häuserschluchten von New York City unsicher machte. Sie sahen einander an und seine Lippen verzogen sich zu einem schiefen Grinsen, welches so ansteckend wirkte, dass Laura gar nicht anders konnte als es zu erwidern.
„Komm' schon, du lahme Schnecke!“, rief der Junge und seine seltsamen, goldfarbenen Augen funkelten sie herausfordernd an. „Die Straßen gehören uns!“
Er sauste mit einem lauten Lachen an ihr vorbei und sie dachte an den Moment zurück, als sie Peter zum ersten Mal begegnet war.


Mister Baker, der sie in dem Fach Literatur unterrichtete, hatte die Klasse bereits vorgewarnt, welches Thema er als nächstes behandeln würde: Gedichte.
Keiner der Schüler außer Laura schien sich mit dem Thema anfreunden zu können und so war die Stimmung innerhalb der Klasse gedrückt, als Mister Baker sich zu Beginn der Schulstunde nach einem oder einer Freiwilligen umsah, um ein beliebiges Gedicht vorzutragen. Letztendlich bat er Laura mit einem ermutigenden Lächeln darum, vor die Klasse zu treten und ihr Lieblingsgedicht vorzutragen. Er sah sie erwartungsvoll an und mit einem unterdrückten Seufzer erhob sie sich von ihrem Sitzplatz. Ihre Beine fühlten sich an als wären sie aus Pudding und der Blick, den Ashley Johnson ihr zu warf, half ihr nicht gerade dabei ruhig zu bleiben.
Leise trug sie das Gedicht von Walt Whitman vor, verhaspelte sich immer wieder und ärgerte sich über sich selbst, während die eine Hälfte der Klasse es vorzug, sie zu ignorieren und die andere Hälfte sich offenbar über jeden ihrer Versprecher köstlich amüsierte.
Ashley warf ihren langen, glänzenden Haarschopf nach hinten, welcher im Licht der durch die hohen Fensterfronten hinein scheinenden Sonne wie schwarze Seide schimmerte und rümpfte abfällig die Nase. „Verdammt, Loony. Du bist ja so ein Freak!“
Daraufhin brachen einige ihrer Mitschüler in gackerndes Gelächter aus, bis Mister Baker sie schließlich von ihrem Leid erlöste.

Ein wenig später verkündete der laute Gong das Ende des Unterrichts und den lange ersehnten Beginn der Sommerferien.
Umständlich verstaute Laura ihre Schulbücher in der einfachen Umhängetasche, während um sie herum Stuhlbeine über den Boden scharrten und aus dem Flur das aufgeregte Getrampel und Gelächter hunderter Schüler erklang. Sie hatte es nicht eilig und so ließ sie sich Zeit, stellte ihren Stuhl ordentlich auf den Tisch, säuberte die bekritzelte Tafel und versuchte krampfhaft nicht darüber nachzudenken, was sie wohl nach den Ferien erwarten würde.

Laura hatte sich mit der Zeit daran gewöhnt, dass man ihr abwertende Blicke zu warf und tuschelnd die Köpfe zusammensteckte, wenn sie auf dem Weg zum Unterricht war. Sie hatte sich sogar mit diesem dummen, kleinen Spitznamen Loony abgefunden und dennoch versetzte es ihr immer wieder auf ein Neues einen Stich und erinnerte sie daran, wie einsam sie in Wirklichkeit doch war. Bereits jetzt zählte sie die verbleibenden Wochen, bis sie endlich mit der Middle School fertig war und auf die High School wechseln konnte.
Gedankenverloren strich sie sich das kurze, blondierte Haar aus der Stirn und suchte nach einem Grund, warum man sie wie eine Aussätzige behandelte.
Lag es an der Art und Weise, wie sie sich kleidete? An ihrem kurzen Haarschnitt? Hatte sie vielleicht irgendwann einmal etwas Falsches gesagt oder getan?

Mit hängenden Schultern verließ sie das Gebäude und wollte sich gerade auf den Heimweg machen, als ein lautstarkes Stimmengewirr an ihre Ohren drang.
Es klang wie ein handfester Streit und sie horchte auf, obwohl es wahrscheinlich klüger wäre, sich aus Streitereien, die sich nichts angingen herauszuhalten. Laura jedoch hatte schon immer einen recht ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit gehabt und sie konnte es nicht ausstehen, wenn jemand schikaniert wurde. Sie wusste schließlich selbst, wie es war das Opfer von Spott und Häme zu sein.
Die Stimmen schienen vom Parkplatz herzukommen, mit schnellen Schritten folgte Laura ihnen und dann sah sie Trevor und seine Schar halbstarker Gorillas, welche sich im Kreis um einen schmalen, hochgewachsenen Jungen mit tiefrotem Haar und dunkler Kleidung versammelt hatten.
Trevor Davis war ein hünenhafter Kerl mit breiten Schultern und dunkelblondem Haar, das ganz dringend einen Haarschnitt benötigte. Er war der Captain der hiesigen Footballmannschaft und weniger für seine Intelligenz als seinen zähen, rechten Haken bekannt.
Laura musterte den Rothaarigen neugierig und war sich ziemlich sicher, ihn noch nie zuvor gesehen zu haben. Womöglich war er neu an der Schule und sie selbst kannte die Art, wie Trevor mit Neuzugängen umzugehen pflegte, leider nur zu gut.
Im Nachhinein konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, was genau sie dazu bewegte, auf die Jungen zuzugehen, doch in dem Moment fühlte es sich zumindest richtig an.

„Hey!“, rief sie und stellte verblüfft fest, wie sicher ihre eigene Stimme doch klang. „Lasst ihn in Ruhe!“
Himmel, was war nur in sie gefahren?!
Sie musste wahrhaftig verrückt geworden sein, um freiwillig die Aufmerksamkeit von Trevor Davis auf sich zu ziehen und Trevors Miene nach zu urteilen, schien er ihre Meinung durchaus zu teilen. Seine Augen verengten sich zu wütenden Schlitzen, als sie näher trat und seinem Blick standhielt.
„Verpiss dich, Loony!“, fuhr er sie barsch an, ehe so etwas wie Erkenntnis in seinen blauen Augen aufflackerte.
Laura konnte förmlich sehen, wie sein Gehirn arbeitete und es Klick machte. Zu einem anderen, günstigeren Zeitpunkt hätte sie vielleicht sogar über seinen Anblick gelacht, doch die Angst vor Trevor hielt sie nun zurück.
Seine Lippen deutete ein gehässiges Lächeln an. „Das ist doch nicht etwa dein Freund, Loony?“
Trevors Gang brach in ein schallendes Gelächter aus, doch dieses eine Mal würde sie nicht klein beigeben.
„Ich habe gesagt, ihr sollt ihn in Ruhe lassen“, wiederholte sie ihre Worte mit etwas mehr Nachdruck, während ihr Herz schmerzhaft gegen ihre Brust hämmerte.
„Sonst was, hm? Verpetzt du uns ansonsten bei Mis-“, begann Trevor und verstummte jäh, nur um sich in der nächsten Sekunde mit einem unerwarteten Schmerzensschrei an den Hinterkopf zu fassen. Aus dem Augenwinkel sah Laura, wie etwas zu Boden fiel. Trevor drehte sich fassungslos um. „WAS ZUR HÖLLE?!“

Laura spähte an Trevor vorbei und sah den rothaarigen Fremden, welcher mit einem hämischen Grinsen im Gesicht einen Stein aufhob und drohend in die Höhe hielt. Sein Blick fixierte Trevor und seine Stimme triefte nur so vor lauter Hohn. „Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Nur keine falsche Scheu, es sind genügend Steine für euch alle da!“
„Du kleiner Bastard!“, brüllte Trevor auf und machte Anstalten, sich auf den Jungen zu stürzen. „Ich bringe dich um!“
Doch der Fremde war schneller und er brach aus dem Kreis der Jungen aus, deren Augen sich unsicher auf ihren vermeintlichen Anführer richteten. Trevor, dessen Gesicht mittlerweile einer überreifen Tomate glich, heulte laut auf vor Wut. „Worauf wartet ihr denn noch?! Schnappt ihn euch!“
Doch keiner seiner Schergen schien sonderlich erpicht darauf zu sein, sich ebenfalls einen Stein einzufangen. Laura bemerkte, wie sich die massigen Pranken von Trevor zu mächtigen Fäusten ballten und wollte den Fremden warnen, als dieser bereits einen Schritt zur Seite antäuschte. Trevor fiel auf sein Täuschungsmanöver rein, landete hart auf dem Kieselboden des Parkplatzes und versuchte vergeblich, sich aufzurappeln. Schnell wie ein Blitz schoss der Rothaarige nach vorne und seine Bewegungen schienen beinahe vor Lauras Augen zu verschwimmen, da lag Trevor bereits mit herunter gelassenen Hosen und entblößten Feinrippshorts wieder auf dem Boden. Niemand außer dem Jungen wagte es, zu lachen und sein Lachen war laut und voller Schadenfreude. Er stellte seinen rechten Fuß auf Trevors Rücken ab und schaute die anderen Jungen der Reihe nach herausfordernd an. „Verzieht euch! Der Parkplatz gehört mir und äh ...“
Sein Blick wanderte zu Laura und ihr fiel auf, dass seine Augen einen ganz und gar außergewöhnlichen Goldton aufwiesen, während sie ihm ein wenig überrumpelt ihren Namen nannte.
„Dieser Parkplatz hier gehört von heute an mir und Laura! Also verschwindet von hier!“
Noch nie zuvor, hatte sie Trevor und seine Bande so schnell das Weite suchen gesehen.
Der Rothaarige trat zu ihr und streckte ihr noch immer breit grinsend die Hand entgegen. „Mein Name ist Peter. Freut mich, dich kennenzulernen!“

Danach hatten sie Seite an Seite den Parkplatz verlassen und noch eine ganze Weile über den dämlichen Ausdruck in Trevors Gesicht gelacht.


„Willst du da etwa Wurzeln schlagen?“
Peters Worte holten Laura in die Gegenwart zurück, sie holte Schwung und das Skateboard rollte geräuschvoll über den Asphalt. Peter hatte die Skateboards - wie er nicht müde wurde zu betonen - nicht gestohlen, sondern sich lediglich ausgeliehen. Jedem anderen hätte Laura vermutlich eine ellenlange Moralpredigt darüber gehalten, dass man so etwas nicht tat, doch irgendetwas an Peter und seiner Art, die Dinge zu sehen, gefiel ihr. Für ihn schienen Regel gemacht zu sein, um sie zu brechen und sein Grinsen hatte etwas spitzbübisches an sich. Man konnte ihm einfach nicht böse sein.

„Was hältst du davon, wenn ich uns etwas zu Essen besorge?“, fragte er, als sie ihn eingeholt hatte.
Laura schüttelte energisch den Kopf. „Keine Chance, du hast uns bereits die Skateboards besorgt. Jetzt bin ich dran. Lass mich dich einladen, Peter.“
Für den Bruchteil einer Sekunde schien er über ihre Worte nachzudenken, ehe er schließlich nickte. „Einverstanden.“
„Worauf hast du Lust? Burger und Fritten?“
Peter stieg von seinem Skateboard, klemmte es sich unter die Achsel und sah sie grinsend an. „Burger und Fritten hören sich fantastisch an.“

Gemeinsam steuerten sie auf ein kleines Fastfoodlokal zu, dessen grelle Leuchtreklametafel mit dem besten Essen der Stadt warb und Peter setzte sich an einen Tisch in einer der hinteren Ecken, während sie zwei Portionen Pommes, zwei große Milchshakes und Burger orderte.
Laura brannte darauf, Peter mit Fragen zu bombadieren, denn bisher hatte er recht wenig über sich selbst preisgegeben und stattdessen sie mit allerlei Fragen durchlöchert. Laura befand, dass nun sie an der Reihe war.
Mit zwei vollbepackten Tablets begab sie sich zu der Ecke, in welcher Peter saß und stellte eines vor ihm ab. Er nahm eine der Fritten in seine langen Finger, tunkte sie in Ketchup und führte sie an seinen Mund.
Zum ersten Mal fielen Laura die zahlreichen, feinen Narben auf, die sein blasses, sommersprossiges Gesicht zierten, doch sie wagte es nicht ihn darauf anzusprechen und beobachtete ihn schweigend. „Woher kommst du eigentlich, Peter?“
Er ließ sich Zeit und nahm einen großzügigen Schluck des Erdbeermilchshakes, bevor er ihr antwortete. „Von hier und dort.“
Sie hob die Augenbrauen und schnaubte leise. Steckte er womöglich in Schwierigkeiten und wollte sie nicht darin verwickeln? Wenn sie ehrlich mit sich selbst war, so wusste Laura kaum etwas über ihn, doch ihre Neugier war geweckt. „Das ist keine richtige Antwort.“
Peter hob den Blick und der Farbton seiner Augen wirkte plötzlich wie flüssiges Gold. „Sag mal, Laura. Glaubst du an Feen?“
Laura lachte auf, während er sie nach wie vor unverwandt ansah. Es schien ihm ernst damit zu sein und hastig verstummte sie, um ihn nicht zu kränken. Ausweichend zuckte sie mit den Schultern. „Keine Ahnung. Vielleicht.“
„Weißt du, dort wo ich herkomme, gibt es sie nämlich wirklich“, begann Peter mit gesenkter Stimme zu erzählen. „Feenwesen, Trolle und sogar Meerjungfrauen. Dort gibt es keine Erwachsenen, die einem vorschreiben, was man gefälligst zu tun oder zu lassen hat. Keine blöden Vorschriften oder Regeln, an die man sich halten muss.“
Halb rechnete Laura bereits damit, dass er jeden Moment in sein übliches Gelächter ausbrechen würde und dennoch erwischte sie sich dabei, wie sie gebannt an seinen Lippen hing und seinen Worten lauschte.
„Es gibt dort noch viel mehr Kinder und Jugendliche“, fuhr Peter fort und er schenkte ihr ein schmales Lächeln, welches seine Augen jedoch nicht erreichte. „Du musst niemals erwachsen werden, du kannst so lange aufbleiben wie du willst und die tollsten Abenteuer erleben!“
„Und wo genau, soll das sein?“
„Genau genommen ist es eine Insel – Avalon. Wenn du möchtest, kann ich dich dahin mitnehmen“, bot Peter ihr an. „Wir könnten für immer zusammen sein, ich habe ein geheime Festung dort und du würdest die Anderen kennenlernen. Hast du Lust mich zu begleiten, Laura?“
Und sie nickte, weil die Vorstellung für immer mit Peter zusammen zu sein einfach viel zu verlockend war. Außerdem … was hatte sie denn schon zu verlieren?

Wie Diebe in der Nacht fuhren sie auf ihren Skateboards zum Hafen, wo dichter Nebel herrschte und den Blick auf die anliegenden Schiffe und Boote verschleierte.
Laura folgte ihm bereitwillig durch den Nebel und wie schon viel zu viele Jungen und Mädchen vor ihr wurde auch sie durch falsche Versprechungen in ein Land gelockt, welches bereits seit Jahrhunderten im Sterben lag und seinen einzigartigen Zauber verloren hatte.


Einige Wochen darauf konnte Laura sich nicht einmal mehr an das Gesicht und die Stimmen ihrer Eltern erinnern.
In der ersten Zeit war sie oftmals schweißgebadet und orientierungslos mitten in der Nacht aufgewacht, während Heimweh sie geplagt hatte. Avalon war nicht ganz so gewesen, wie sie sich die Insel zunächst vorgestellt hatte und die ersten Tage waren ihr wie ein regelrechter Albtraum vorgekommen, der niemals zu enden schien.
Doch nach und nach begriff sie, dass Peter ihr zwar viel genommen, aber dafür umso mehr gegeben hatte – ein neues Zuhause, eine neue Familie und die besten Freunde, die man sich nur wünschen konnte.
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast