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Ein leeres Blatt Pergament

von Livre
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Minerva McGonagall
02.06.2017
19.11.2018
8
4.676
4
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02.06.2017 632
 
Ein weißes Blatt Pergament. Daneben ein Fässchen Tinte und eine weiße Feder auf einem aufgeräumten Pult. Fast symmetrisch, ob Absicht oder nicht. Sie strich sich eine lange Strähne ihres roten, lockigen Haares hinter ihr Ohr, zögerte noch einen Augenblick und griff dann zur Feder. Sie schraubte das Fässchen so langsam wie möglich auf, tunkte dann aber beherzt ihre Feder ein und schrieb los. Die Federspitze liebkoste das Blatt, wie keine andere Bewegung es hätte tun können.

Lieber Seamus,

falls du diesen Brief je erhalten solltest, was unwahrscheinlich ist, da ich zu schüchtern bin, bist du wahrscheinlich ziemlich überrascht.

Dies ist kein normaler Liebesbrief, falls es denn je einer werden sollte. Er ist weder auf besonderem Papier geschrieben, noch mit einer tollen Tinte, die die anderen Mädchen für ihre Briefe benutzen. Der Brief wurde mit meiner Schulfeder geschrieben und meine Schrift ist auch nicht die schönste, der Brief   duftet nicht nach meinem Parfum und vor allem hört er sich nicht besonders liebevoll an. Aber da du ihn wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen wirst, muss er nicht in Schönschrift auf rosa Pergament verfasst sein. Und nachdem ich nun eine Handbreit darüber geschrieben habe, dass dieser Brief, den du wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen wirst, hässlich ist, können wir zum Punkt kommen, den du seit dem Wort Liebesbrief erwartest.

Ich mag dich. Ich mag dich gerne. Jedes Mal, wenn du mich ansiehst, ob unabsichtlich oder nicht, verschlägt es mir die Sprache. Ich sehe dich vor mir, wie du diesem Brief liest und an dieser Stelle die Stirn runzelst oder die Augen fragend aufreißt.
Ist dieser Brief nur ein blöder Scherz?
Ich verschlage jemanden die Sprache?
Warum hört sich das so schrecklich kitschig an?

Keine Sorge, alles ist ernstgemeint. Oder war ernstgemeint, dass hängt davon ab, ob du diesen Brief, der der schlechteste Liebesbrief aller Zeiten ist, bekommst und wenn ja, wann.


Langsam wird dieser Brief langweilig, wiederholt sich, denkst du wahrscheinlich gerade. Am besten, ich schmeiß ihn weg/ zeige ihn all meinen Freunden und mache mich darüber lustig/ hänge ihn ans schwarze Brett. Dann muss ich dich bitten das nicht zu tun. Bitte tu´s nicht. Denn wenn du ihn erhältst, dann hat das eine Menge Überwindung und Mut gekostet. Denn du bist besonders für mich, und dass meine ich ernst (du bemerkst bestimmt den vermeintlichen Kommafehler).

Und vielleicht hört sich das stalkermäßig an, aber ich habe ein bisschen auf dich geachtet und habe ein bisschen über dich herausgefunden.
Du heißt Seamus Finnigan (ja, denkst du jetzt, dass weiß ich auch)
und kommst aus Irland. Du bist im selben Schlafsaal wie Harry Potter (hat Cho mal erwähnt) und folglich in Gryffindor (man sieht dich ja auch am Gryffindortisch). Du hast das Talent, etwas zu sprengen oder in Brand zu setzen (also das war nicht schwer herauszufinden). Und du warst bei der Quidditch-Weltmeisterschaft mit deiner Mutter und deinem Freund Dean mit einem coolen Zelt, dass mit Kleeblättern überwuchert war. Das weiß ich, weil ich auch dort war. Ich bin auch ein Irlandfan.


Vielleicht sollte ich mich noch kurz vorstellen: Die Person, die dir den hässlichsten und dümmsten Liebesbrief aller Zeiten geschrieben hat, ist eine Ravenclaw, rothaarig und lockig, eine Mutter als Ministeriumsangestellte, beste Freundin von Cho Chang, ordentlich, schüchtern, mal leise, mal laut, mal lustig, mal ernst.

Ich bin Marietta Edgecombe und in dich verliebt. Ich hoffe, dass diese Liebe irgendwann erwidert wird.

Deine Marietta!

Marietta las sich den Brief noch einmal durch. Ja, er war nicht zu romantisch, nicht zu kitschig und hörte sich nach ihr an. Sollte sie……nein, sie würde ihn erst einmal nicht abschicken. Sie wollte ihn noch Cho zeigen und sie fragen, was sie meinte. Sie räumte alles in ihre Tasche, schaute auf ihre Uhr, erschrak und hastete dann aus dem leeren Klassenzimmer los zum Abendessen.

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