Küchenphilosophie

GeschichteHumor, Familie / P6
Kwai Chang Caine Peter Caine
02.06.2017
02.06.2017
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Dieses Kapitel
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Titel: Küchenphilosophie
Autor: Lady Charena (Juni 2006)
Fandom: Kung Fu – Im Zeichen des Drachen
Charaktere: Peter Caine, Kwai Chang Caine, andere erwähnt
Rating: pg, Humor
Beta: T’Len
Worte: 1144

Summe/Hintergrund: Es geht doch nichts über lieben... unerwarteten... Besuch.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern (Warner, Michael Sloan). Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




"It is the function of a father. To be what is needed."  - Episode: The Lacquered Box




Noch nie schien der Lift für die Fahrt in den achtzehnten Stock so lange gebraucht zu haben. Peter gähnte und streckte sich, als er aus der Kabine in den Flur seines Stockwerks trat. Seine Lider fühlten sich an, als wären sie innen mit Sandpapier gepolstert. Ein anstrengender Tag lag hinter ihm und was er sich jetzt noch wünschte, war etwas Essbares in seinem Kühlschrank aufzutreiben – oder sich Pizza zu bestellen – und dann ins Bett zu kriechen.

Das Ende seiner Beziehung zu Kelly hatte auch das Ende regelmäßiger Abendessen bedeutet. Seine Mom hatte – halb im Scherz, halb Ernst - ihm angeboten, ihm das Kochen beizubringen, doch Peter konnte sich dazu nicht aufraffen. Allein schon, was man dafür alles einkaufen musste. Und diese mysteriösen Unmengen an Töpfen und Pfannen und Kasserollen, die er in Annies Küche gesehen hatte. Nein, danke, das war nichts für ihn.

Sein Magen knurrte und er bereute, dass er nicht mit Kermit und Jody ins Chandler’s zum Essen gegangen war – aber Donnie Double D hatte versprochen im Revier anzurufen – was er dann nicht tat, und worüber Peter noch ein Wörtchen mit seinem Informaten zu sprechen gedachte.

Auch wenn seine Augen nach stundenlangem Starren auf den Bildschirm seines PCs schmerzten, Peter sah sofort, dass die Tür zu seinem Appartement nur angelehnt war. Ein Adrenalinschub vertrieb die Müdigkeit aus ihm und er griff nach seiner Beretta, als er lauschte und dann vorsichtig die Tür weiter aufschob. Das Schloss sah nicht danach aus, als wäre es aufgebrochen worden – oder aber von einem Profi, der keine mit dem bloßen Auge sichtbaren Spuren hinterließ. Bedauerlicherweise war es nicht das erste Mal, dass er sich in so einer Situation befand...

Im Flur, im Wohnzimmer, brannte Licht. Der Esstisch war für Zwei gedeckt. Wenn er nicht genau wüsste, das Kelly verreist war, hätte er darauf getippt, dass sie ein Überraschungs-Versöhnungs-Essen plante. Außerdem hatte sie keinen Schlüssel mehr. Nach der Sache mit dem Brujo, als sie wieder einmal auszog, hatte sie den Wohnungsschlüssel auf dem Couchtisch liegen lassen. Ein Räuspern schreckte Peter aus seinen Gedanken hoch und er wirbelte herum.

Sein Vater blickte ihn über die Küchenzeile hinweg mit erhobenen Augenbrauen an und wischte sich die Hände an einem Küchentuch ab.

Einen Moment war Peter sprachlos, dann brach ein aufgebrachtes „PAPS!“ aus ihm hervor.

„Peter.“ Caine lächelte, sichtlich unberührt von dem ungnädigen Empfang.

„Was zum Teu...“, Peter schluckte den Rest hinunter. „Was machst DU hier?“

Der Priester strahlte ihn an, als hätte Peter eben Worte von unglaublicher Weisheit von sich gegeben. „Ich koche für meinen Sohn Abendessen.“

„Abendessen?“, wiederholte Peter verständnislos. Essen? Die Vorstellung seines Vaters über Essen bestand aus Reis. Und er hasste Reis. „Das ist... ähem... nett von dir. Wirklich nett“, fuhr er lahm fort, als Caine ihn erwartungsvoll ansah. „Wie komme ich zu diesem unerwarteten Vergnügen?“

Uncharakteristischerweise zögerte Caine mit einer Antwort. „Du hast dich darüber beklagt, dass ich dich zu sehr einenge. Und auch wenn mein uneingeladenes Eindringen...“ - bei diesen Worten spielte ein leise-ironisches Lächeln um seinen Mund – „...eher einen gegenteiligen Eindruck erweckt, würde ich gerne mit dir darüber sprechen.“

Es war richtig, dass er seinen Vater angeschrien hatte, ihn in Ruhe zu lassen – und das im Revier, vor seinen Kollegen. Peter fühlte noch immer die Verlegenheit über diesen Ausbruch, der von seinem Vater vielleicht provoziert worden war, aber sicherlich von ihm zu unangemessenen Proportionen aufgeblasen wurde. Außerdem war es doch klar gewesen, dass er damals nicht ganz er selbst gewesen war, sondern unter dem Einfluss des Brujo stand. Er hatte gedacht, sein Vater hätte das ganze inzwischen vergeben und vergessen. Das hätte er eigentlich besser wissen müssen. Sicher war ihm vergeben worden – aber vergessen war ganz sicher nichts.

„Ja, okay. Wenn du meinst“, erwiderte er und fuhr sich durch die Haare. „Aber ich dachte, wir hätten das schon geklärt.“

Caine machte eine vage Geste mit der Hand. „Du hast mich in den letzten Wochen sehr selten besucht.“

„Ich hatte viel zu tun“, verteidigte sich Peter sofort. „Das weißt du. Außerdem hättest du ja auch bei mir vorbeikommen können.“

„Du wolltest deinen Freiraum.“

Die Worte wurden leise, ohne besonderen Ausdruck gesprochen. Trotzdem wirkten sie wie eine Ohrfeige. Würde das eigentlich immer so weitergehen, das er etwas sagte und ihm das noch Wochen später um die Ohren geschlagen wurde?

Peter seufzte. Warum musste sein Vater nur jedes Wort auf die Goldwaage legen. Er blickte Caine an und da war etwas in den Falten und Linien, die die müden Gesichtszüge des Priesters prägten, das ihn zögern ließ. Fühlte er sich vielleicht einsam? Aber nein, das konnte nicht sein. Da waren ständig Menschen, die seine Hilfe brauchten, seinen Rat suchten, Schüler und Patienten und Freunde, halb Chinatown ging bei ihm ein und aus...

Er blinzelte, als er versuchte, diesen neuen Gedanken einzuordnen. Paps schien fast niemals allein und oft genug ärgerte sich Peter darüber, dass sein Vater keine Zeit fand, sich mit ihm zu beschäftigen – da war immer jemand anderes und so war es schon immer gewesen. Niemals allein... aber das bedeutete nicht, dass man nicht einsam sein konnte. Wie hieß es? Man ist niemals einsamer als umgeben von Menschen...

„Peter?“

„Hmh?“ Er sah auf und begegnete dem nachsichtigen Lächeln seines Vaters. „Was ist?“

„Du hast keinen Tee.“

„Tee?“, wiederholte Peter irritiert. Seit wann änderte sein Vater so einfach das Thema? Oder war es, wie er argwöhnte, kein Wechsel, sondern nur ein Aufschub... „Klar habe ich Tee. Irgendwo steht eine Packung. Ich glaube, Kelly hat sie gekauft.“ Er schob die Hände in die Tasche. Wundervoll, Tee und Reis. Das wurde ein Abend wie früher. Ob nicht doch eine winzige Chance bestand, seinen Vater zu Bier und Pizza zu überreden? Wem machte er etwas vor. Eher drehte sich die Erde rückwärts.

„Ah, du meinst diese?“ Caine hielt eine Teepackung hoch und Peter nickte.

„Ja. Man kann auch Tee aus Beuteln trinken, weißt du, Paps.“

Caine zog einen Teebeutel heraus und ließ ihn an seiner Schnur baumeln. Sein Gesicht war verdächtig unschuldig, als er fragte: „Und wo füllt man das Wasser in den Beutel?“

Einen Moment lang war Peter sprachlos, doch dann wurde ihm klar, dass er auf den Arm genommen wurde und brach in Lachen aus. Einen Augenblick später stimmte auch sein Vater mit ein. Er legte Caine den Arm um die Schulter und sagte: „Okay, jetzt lass’ mich mal einen Blick in den Kochtopf werfen. Ich verhungere!“

Ende
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