Licht und Schatten

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P6
Kwai Chang Caine Lo Si Peter Caine
02.06.2017
02.06.2017
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Dieses Kapitel
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Titel: Licht und Schatten
Autor: Lady Charena (Juli 2007)
Fandom: Kung Fu - TLC
Charaktere: Peter Caine, Jordan McGuire, Lo Si, Kwai Chang Caine
Pairing: Peter/Jordan
Rating: PG
Beta: T‘Len
Worte: 2196

Summe/Hintergrund: Peter geht es nicht gut. Nicht nur, dass seine Beziehung mit Jordan am Ende scheint, er leidet unter der Abwesenheit seines Vaters – und zu allem Überfluss hat er sich auch noch die Grippe geholt. Aber da ist ja Lo Si, der sich um den jungen Shaolinpriester kümmert. Und wirklich fern ist Caine seinem Sohn doch nicht.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern (Warner, Michael Sloan). Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


„Peter? Du wirst nicht glauben, was mir heute...“ Jordan McGuire warf schwungvoll die Tür hinter sich zu – und blieb im Durchgang zum Wohnzimmer stehen. „Was zum Teufel...?“, murmelte sie überrascht. „Peter? Was ist hier los? Wo kommen all diese Kerzen her?“

Auf jeder ebenen Fläche des Raumes standen Kerzen – auf dem Tisch, auf den Regalen, sogar auf dem Fernseher. War er jetzt völlig durchgeknallt? Das sah ja schon aus wie in der Wohnung seines Vaters. Sie war nur einmal dort gewesen, irgendwie fand sie es merkwürdig und unheimlich, um Peter abzuholen. Seit Caine weg war, hielt Peter sich stundenlang da auf. Überhaupt, er war einfach nicht mehr derselbe, seit er diese komischen Brandmale auf den Armen trug – genau wie sein Vater – und den Polizeidienst quittiert hatte.

Sie hatte versucht, mit ihm darüber zu reden, aber seine abstrusen Erklärungen machten keinen Sinn für sie. Klar, sie hatte immer gewusst, dass er seinen Vater bewunderte, aber dass er sich jetzt auch einbildete, wie er Priester sein zu müssen, hielt sie für übertrieben. Er war ein so cooler Typ gewesen, als sie sich kennen gelernt hatten. Ein richtig heißer Cop und sie hatten so viel Spaß im Bett gehabt.

Aber seit drei Monaten  verbrachte er die Abende lieber mit diesem komischen alten Mann in Chinatown über irgendwelchen Kräutern oder Meditationen oder was auch immer. Er ließ sich kaum mehr im Delancy’s blicken und wenn er mal dort war, dann trank er nur Wasser und machte die Leute damit verlegen. Und überhaupt wusste keiner mehr so recht, über was man mit ihm sprechen sollte. Polizeiangelegenheiten gingen ihn nichts mehr an und was immer Peter nun so trieb, er wollte auch nicht so recht mit der Sprache raus. Lange würde sie dieses Theater nicht mehr mitmachen. Sollte er sich doch eine Freundin suchen, die mehr Interesse an diesem mystischen Quatsch hatte. Es langweilte sie. Sie wollte Action.

„Verdammt, Peter.“ Verärgert drückte sie auf den Lichtschalter. Der Raum kam ihr heiß und stickig vor, ganz zu schweigen davon, dass es nach Wachs und Rauch stank. Die bessere Beleuchtung vertrieb die Gänsehaut, die ihr das Flackern und Zucken der Kerzenflammen verursacht hatte.

Und erst jetzt sah sie die zusammengekauerte Figur auf dem Sofa. „Peter?“ Für den Moment vergaß sie ihren Ärger, als sie zu ihm eilte und seine Schulter berührte. „Peter? Bist du krank?“ In der Stadt ging die Grippe um. Sie berührte seine Stirn. Die Haut war feucht und heiß. „Du hast Fieber.“

„Jordan?“ Peter öffnete die Augen und blinzelte sie verwirrt an. „Was machst du hier?“ Er richtete sich auf und die Decke, in die er sich eingewickelt hatte, glitt von seinen Schultern.

„Wir waren verabredet, hast du das vergessen?“ Jordan musterte ihn. „Ich bin hergekommen, weil ich dachte, wir hätten uns missverstanden und du wartest hier auf mich. Bist du krank?“

„Ich weiß nicht, was mit mir los ist.“ Peter schloss die Augen. „Ich bin so müde. Und mir ist entsetzlich kalt.“ Er erschauerte und zog die Decke wieder hoch.

„Du musst zu einem Arzt, Peter. Du hast Fieber.“ Jordan schüttelte den Kopf. „Es sind bestimmt noch ein paar von diesen Grippepillen da, vom letzten Herbst, als ich krank war. Nimm’ davon erst mal welche. Ich hol’ sie dir.“ Jordan war alles andere als glücklich über diese Situation. Es hatte ihr nichts ausgemacht, dass sich Peter um sie gekümmert hatte, als sie sich die Grippe eingefangen hatte – im Gegenteil, er hatte endlich mal die Finger von Daddys Jackenzipfel gelassen und war bei ihr geblieben. Aber sie selbst eignete sich nicht für so was. Krankenpflege war einfach nicht ihr Ding. Jetzt tat es ihr sogar leid, dass Caine nicht in der Stadt war. Sie hätte ihn höchstpersönlich geholt, damit er sich Peters annahm. Seine Kräuter schienen ja zumindest irgendeine Wirkung zu haben, auch wenn sie von dem ganzen nicht viel hielt.

„Nein... nein, das ist nicht nötig. Ich bin okay.“ Peter hielt sie fest, als sie ins Bad wollte, um die Pillen zu holen. „Ich werde einfach ein bisschen schlafen.“

„Gut, wie du meinst“, entgegnete Jordan verstimmt. „Wenn du lieber schläfst, werde ich dich besser alleine lassen. Keine Angst, ich störe dich schon nicht mehr so schnell.“ Sie schüttelte seine Hand ab. „Ich hoffe nur, du fackelst dir hier nicht die Bude ab mit all diesen Kerzen.“

„Ich dachte... ich dachte, es würde wärmer werden.“

„Schon mal was davon gehört, dass man auch einfach die Heizung aufdrehen kann?“ Jordan nahm die Schlüssel, die sie auf eine Ablage fallen lassen hatte – zögerte dann und legte sie zurück. Sie glaubte nicht, dass sie die noch brauchte. „Gute Besserung.“ Sie gab sich keine Mühe, den Sarkasmus aus ihrer Stimme fern zu halten. Aber Peter reagierte nicht mal. Auf dem Weg nach draußen warf sie die Tür ins Schloss. Vielleicht fand sie im Delancy’s jemand, dem es an ihrer Gesellschaft gelegen war.


* * *


„Peter? Peter!“

Eine Hand rüttelte ihn an der Schulter, holte ihn aus undeutlichen Träumen. Er stöhnte, als Schmerzen durch seinen ganzen Körper schossen. „Paps?“, murmelte er. „Lass’ mich, ich bin so müde...“

„Peter, dein Vater ist nicht hier. Peter, du musst aufwachen. Sieh’ mich an.“

Etwas in der Stimme zwang Peter geradezu, sich aus dem trügerischen Griff des Schlafes zu befreien. Er blinzelte und langsam schwamm ein bekanntes Gesicht in sein Blickfeld. „Lo... Lo Si?“, flüsterte er heiser. Sein Hals brannte, als er versuchte zu schlucken. „Was... machst du hier?“

„Du bist krank und ich bin gekommen, um mich um dich zu kümmern.“ Lo Si lächelte und tätschelte beruhigend Peters Schulter. „Mach’ dir keine Sorgen. Ich glaube, du hast dich mit der Grippe angesteckt, als du mir geholfen hast, Xiaoli und die Kinder zu versorgen.“

Wie aufs Stichwort stieg ein ununterdrückbarer Hustenreiz in Peter auf. Als der Krampf nachließ, murmelte Peter heiser: „Wozu... wozu bin ich denn Priester geworden, wenn ich immer noch... noch krank werde, wie jeder andere?“

Lo Si schüttelte lächelnd den Kopf. „Spar’ deine Energie, Peter und sei’ still. Ich werde dir einen Tee machen, der das Fieber senkt.“

Peter schloss die Augen. Er war wirklich erschöpft. „Du klingst schon wie Paps...“, murmelte er.

Die knorrigen Finger des alten Mannes tätschelten beruhigend die Wange des jungen Mannes, den er wie einen Enkel liebte. „Ich weiß, dass du deinen Vater vermisst, Peter“, sagte er leise. „Aber er ist jetzt in Gedanken bei dir.“ Er sah, wie Peters Lider zuckten. „Ich werde gut auf deinen Sohn achten, mein Freund.“ Er ließ Peter schlafen und trat in die Küche, um den Heiltee zu bereiten.


* * *


„Peter. Hier, trink das.“

Unwillig drehte der Junge den Kopf weg, doch die Hand seines Vaters unter seinem Kinn drehte sein Gesicht wieder zurück. Kühles Porzellan berührte seine trockenen, vom Fieber aufgesprungenen Lippen, Dampf berührte sein Gesicht. Ein scharfer, bitterer Geruch stieg in seine Nase und erzeugte Niesreiz. „Ich... das schmeckt scheußlich, Vater.“

„Du kannst in deinem Zustand den Geschmack überhaupt nicht wahrnehmen, Peter. Und du musst den Tee trinken, damit dein Fieber sinkt.“

Peter kapitulierte, es war ohnehin unmöglich, darum herum zu kommen und er wollte nicht, dass sein Vater böse mit ihm war. Also öffnete er den Mund und trank. Und wie immer behielt sein Dad recht, er schmeckte tatsächlich nichts. Dafür ließ das Brennen und Kratzen in seinem Hals fast sofort nach. Wärme breitete sich in seinem Magen aus, eine angenehme, besänftigende Wärme, die viel besser war als die Hitze- und Kälteschauer des Fiebers. Er schloss die Augen. Die Tasse verschwand und nach einem Moment wurden die Decken enger um seine Schultern gezogen. Peter schauerte. Er hasste es, krank zu sein und sein Kopf tat weh und überhaupt alles... Vertraute, starke Arme zogen ihn in die Geborgenheit der Nähe seines Vaters. „Du wirst wieder gesund, mein Sohn. Das verspreche ich dir.“ Beruhigt legte Peter den Kopf an die Schulter seines Vaters und überließ sich dem Schlaf...


* * *


Peter blinzelte, dann setzte er sich langsam auf. Ein komischer Geschmack in seinem Mund erinnerte ihn daran, wie Lo Si ihn irgendwann dazu gebracht hatte, etwas zu trinken. Wäre er nicht so erledigt gewesen, wäre er ins Bad gegangen und hätte sich die Zähne geputzt, um diesen Geschmack los zu werden. Was war nur mit ihm los? So eine kleine Grippe sollte ihm doch nicht so zusetzen...

Er sank zurück in die zerknitterten Kissen, fuhr sich durch sein schweißverklebtes Haar. Vergiss das Zähneputzen, dachte er. Du brauchst eine Dusche... Und warum zum Teufel lag er auf diesem schmalen Sofa, wenn ein breites, gemütliches Bett auf ihn wartete? Peter stöhnte und rieb sich die Schläfen. Diese Kopfschmerzen brachten ihn noch um. Er würde Lo Si fragen, ob er irgendetwas in seiner Wundertüte hatte, das dagegen half. Wie hatte er sich nur jemals einbilden können, er würde je so werden wie sein Vater, jetzt da er die Brandmale trug. Er hustete. Sein Vater... er hatte von ihm geträumt. Er war wieder ein Kind gewesen und Paps hatte sich um ihn gekümmert. Er seufzte. Es war so real gewesen, als wäre er wirklich in diese Zeit zurückgekehrt.

Eine Hand umschloss seine Finger, mit denen er noch immer seine Schläfen rieb und drückte sie zur Seite. Finger, die sich herrlich kühl auf seiner klammen Haut anfühlten, begannen eine sanfte kreisförmige Massage, und Peter spürte, wie der Druck hinter seiner Stirn nachließ. „Mmmmh. Danke, das... tut gut.“ Die Finger glitten über seine Wangen, zwei Hände umschlossen sein Gesicht. Wärme hüllte ihn ein, eine unter-die-Haut-gehende, heilende Wärme, die seinen ganzen Körper durchdrang und in ein Gefühl des Wohlbehagens hüllte. Er entspannte sich unwillkürlich.

„Du wirst wieder gesund, mein Sohn.“

Peter zuckte zusammen, als er die Stimme seines Vaters hörte. „Paps?“ Er wollte die Augen öffnen, doch seine Lider gehorchten ihm nicht.

„Schhh, Peter. Dein ch’i ist stark, du wirst dich bald besser fühlen. Aber...“ Ein Hauch Belustigung stahl sich in Caines Stimme. „... du musst den Arzneien des Ehrwürdigen erlauben, dir zu helfen. Und das bedeutet, du wirst sie trinken. Ansonsten ist es wohl wieder einmal an der Zeit für eine Lektion.“

Peter schnitt eine Grimasse. „Ich werde brav sein“, murmelte er sarkastisch. „Als hätte ich eine andere Wahl!“

„Sehr gut, mein Sohn. Und jetzt schlaf, gib’ deinem Körper Gelegenheit, Kraft zu sammeln.“

Peter versuchte blindlings nach den Händen zu greifen, die plötzlich weg waren, doch da gab es nichts mehr, an dem er sich festhalten konnte. „Warte. Geh’ nicht!“ Die altvertraute Panik stieg in ihm auf.

„Ganz ruhig, Peter.“ Ein Finger über seinen Lippen stoppte ihn. „Ich bin immer bei dir. Ebenso, wie du ein Teil von mir bist, wo immer ich bin. Schlaf’ jetzt, mein Sohn.“

Er wollte protestieren, sich widersetzen... aber statt dessen nahm ihn der Schlaf in die Arme.


* * *


„Wie fühlst du dich, Peter?“

„Was?“ Verwirrt schlug Peter die Augen auf und sah Lo Si neben der Couch stehen. „Lo Si... mein Vater...“

“Ah.” Hinter den Brillengläser funkelten Lo Sis Augen schelmisch. „Hast du von deinem Vater geträumt?“

Peter runzelte die Stirn. „Ja“, meinte er dann langsam. „Ja, das habe ich wohl Aber es... es wirkte so echt.“ Er schüttelte den Kopf.

„Was hat er denn gesagt?“, erkundigte sich der alte Priester neugierig.

„Er hat mir gesagt, ich solle deine Arzneien trinken.“

Lo Si kicherte. “Ein sehr weiser Ratschlag von deinem Vater, junger Caine.”

Er drückte eine Tasse in Peters Hand, der hätte schwören können, das der alte Mann noch vor einem Augenblick nichts bei sich gehabt hatte. Seufzend roch er daran. Wenn das die Viren nicht in die Flucht schlug, schaffte es nichts. Verdammt, Paps, du fehlst mir.

„Erzähl’ mir von der hübschen, jungen Dame, die deine Wohnung verließ, als ich ankam, Peter. Sie schien mir etwas... aufgebracht?“, drang Lo Sis Stimme in seine Gedanken.

„Jordan? Du kennst doch Jordan. Ich habe sie dir auf dem Chinatown-Fest vorgestellt, als Latrodect auftauchte.“ Peter stellte die leere Tasse ab und sank zurück. Er zog die Decke bis zum Kinn hoch. „Ich glaube, ich würde im Moment lieber nicht über Jordan reden. Ich bin krank. Ich glaube, ich schlafe noch ein bisschen.“ Er warf einen Seitenblick auf Lo Si, doch der wirkte nicht gekränkt. „Äh, Danke, dass du dich um mich kümmerst.“

„Es ist mir ein Vergnügen, junger Caine.“ Lo Si verbeugte sich leicht. Sein Lächeln vertiefte sich, als er sah, wie sich Peter im Schlaf entspannte. Dann rieb er sich die Hände und machte sich auf den Weg in die Küche. Es gab da noch ein paar interessante Knöpfe an Peters Mikrowelle, die er ausprobieren wollte...


Ende
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