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Dunkle Zeiten

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
China Deutschland England Frankreich Italien Russland
01.06.2017
01.06.2018
48
98.597
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04.06.2017 1.031
 
Pasta ist die Lösung

"Mach – die – verdammte – Tür auf!"

"Nein!" Feliciano kauerte hinter der Tür und hatte den Kopf in den Armen vergraben. Schon seit Stunden hämmerte sein Boss gegen die Tür und versuchte, ihn aus seinem Zimmer zu kriegen – erfolglos. Er hatte alles versucht, doch egal ob freundliches Zureden, Drohen oder Versprechungen, Feliciano blieb stur.

Seufzend rieb sich Benito die Schläfe. Allmählich bekam er Kopfschmerzen. Hätte man ihm vor seinen Amtsantritt gesagt, wie schwer es sein würde, sich mit einer pastaverliebten Heulsuse und seinem fiesen, gehässigen Bruder herumzuschlagen, wäre er einfach bei der Zeitung geblieben. Aber das war nun einmal der Preis der Macht: Zwei dumme, nutzlose Weicheier, die angeblich die Enkel des großen Römischen Reiches waren. Vermutlich war ihr Großvater vor Scham im Boden versunken und deshalb verschwunden.

"Hör mal, du brauchst doch nur kurz nach Albanien zu marschieren", versuchte er es erneut auf die freundliche Tour. "Ich werde dir auch genug Waffen und Soldaten mitgeben, damit dir ganz sicher nichts passiert."

"Aber ich will nicht!", klang es dumpf aus dem Zimmer. "Ich mag Albanien! Albanien ist mein Freund! Ich will ihn nicht angreifen!"

Süditalien, das an der Wand lehnte, feixte hämisch. Er hatte keinen Finger gerührt um Mussolini, der ja auch sein Vorgesetzter war, zu helfen. "Tja, gib‘s auf, Alter", meinte er, "wenn mein dämlicher kleiner Bruder einen auf stur macht, lässt sich da nichts ändern. Ich versuche schon seit Jahren, ihn von diesem Kartoffelmacho fernzuhalten, aber der Bastard will nicht hören. Das wird eines Tages sein Verderben sein." Er fischte eine Tomate aus seiner Jackentasche und biss herzhaft hinein. "Auch eine?"

Mussolini seufzte. "Ja, bitte."

"Kriegste aber nicht", grinste Lovino und schlenderte davon. Fassungslos sah sein Vorgesetzter ihm nach. Seine Nation schaffte es doch immer wieder, ihn mit ihrer Respektlosigkeit vor den Kopf zu stossen.

Wie hatte es wohl sein werter Kollege in Deutschland geschafft, seine Nation so gut in den Griff zu bekommen? Vielleicht sollte er ja eben bei diesem Land anrufen. Immerhin war er Norditaliens bester Freund und konnte ihn möglicherweise umstimmen.

Also wählte er die Nummer Deutschlands und wartete. Schon bald meldete sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung. "Was?!", schnarrte sie, "wer wagt es, das Awesome Me zu stören?!"

Ein wenig erschrocken zuckte der Duce Italiens zurück. "Spreche ich mit Deutschland?", wagte er vorsichtig zu fragen.

"Nein, sondern mit seinem awesome Bruder Preußen, kesesese!", lachte die Stimme, "Ludwig ist gerade bei einer wichtigen Besprechung mit seinem Boss. Wo drückt denn der Schuh?"

Er hatte nicht gefragt, mit wem er sprach. Aber immerhin hatte er kein "du dämlicher Bastard" hinzugefügt, wie Lovino es getan hätte.

"Norditalien hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen und weigert sich, herauszukommen", erklärte er Preußen bedrückt, "könnte vielleicht Deutschland vorbeikommen und mit ihm reden? Auf ihn hört Feliciano ja."

"Kesesese, das ist ja mal wieder typisch Feli!" Er hörte das Grinsen in der Stimme Nation förmlich heraus. "Aber keine Sorge, mein Guter, ich kenne da einen Trick, dafür brauchen Sie Ludwig nicht: Stellen Sie Feli einfach einen Teller Pasta vor die Tür und versprechen Sie ihm mehr, sobald er tut, was Sie ihm sagen. Verstanden?"

"Sind Sie sicher, dass das funktioniert?", fragte Mussolini ein wenig skeptisch.

"Vertrauen Sie dem Awesome Me!" Damit hatte Preußen aufgelegt.

Ein wenig ratlos stand der italienische Duce da. Der Tipp, dem ihm Preußen gegeben hatte, klang ziemlich einleuchtend. Aber war seine Nation wirklich so leicht zu manipulieren?

Wie sich herausstellte, ja. Kaum stieg Feliciano der köstliche Duft von Spaghetti Bolognese in die Nase, konnte er nicht mehr widerstehen. Mussolini staunte nicht schlecht, als er sah, wie schnell Norditalien einen ganzen Topf Pasta im Alleingang vernichtete. Wie schaffte er es bloß, so viel zu essen und trotzdem schlank zu bleiben? Er konnte darüber nur den Kopf schütteln. Seine Nation steckte voller Rätsel.

Aber nun war Fingerspitzengefühl angesagt. "Also, Feliciano", sagte er bemüht freundlich, "bist du nun gewillt, mir zuzuhören?"

"Vé", machte Italien nur und wischte sich über den tomatenverschmierten Mund.

"Also, ich habe einen Auftrag für dich. Du sollst Albanien angreifen und –"

"Aber Albanien ist doch mein Freund!", fiel ihm Feliciano bestürzt ins Wort, "er hat mir gar nichts getan! Er wird mir das niemals verzeihen, außerdem kann ich das gar nicht, ich bin doch nur ein schwaches kleines Italien, das Pasta und schöne Mädchen mag! Gibt‘s noch mehr Pasta?" Erwartungsvoll blickte er zu seinem Boss auf.

"Sicher", antwortete dieser. Als Norditalien sich eifrig eine weitere Portion auf den Teller schaufeln wollte, stellte er aber den Topf außerhalb seine Reichweite.

"He, was soll das?", beschwerte sich Feliciano.

"Pasta gibt es erst, wenn du Albanien erobert hast", teilte ihm sein Vorgesetzter entschieden mit. "Bis dahin ist jegliche Pasta für dich gestrichen."

"Bitte nicht!", heulte Feliciano und fiel vor ihm auf die Knie. "Bitte, bitte, ich tu alles, aber nimm mir nicht meine Pasta weg, Duce! Ohne die Pasta bin ich doch ein Nichts! Bitte, bitte, bitte, tu mir das nicht an!"

Ein Nichts bist du auch mit Pasta, dachte Benito, verkniff sich aber diese Bemerkung. "Du kannst Albanien ja zu einem Teller Spaghetti einladen, sobald du ihn besetzt hast, dann wird er dir sicher verzeihen." Mehr oder weniger überzeugend lächelte er seine Nation an. "Und außerdem – wir sind doch Freunde, oder?"

Ein wenig zögernd nickte Feliciano.

"Na bitte." Zufrieden lehnte sich der Duce zurück. "Dann tu mir den Gefallen und erobere Albanien."

Unsicher blickte Feliciano ihn an. Erst, als er ihm versprach "Danach kannst du bergeweise Pasta essen", begann sein Gesicht zu strahlen und er rief begeistert "Vé!"

Meine Nation ist schrecklich leicht zu manipulieren, stellte Benito halb erfreut, halb bestürzt fest.


Im April startete Italien eine Invasion auf Albanien. Der König musste fliehen, Albanien wurde zu einem italienischen Protektorat.
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