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Dunkle Zeiten

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
China Deutschland England Frankreich Italien Russland
01.06.2017
01.06.2018
48
98.597
8
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48 Reviews
Dieses Kapitel
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01.06.2017 1.135
 
Ich möchte hier noch etwas anmerken. Zwar sind bereits mehrere Monate vergangen, seit ich begonnen habe, diese Geschichte zu schreiben, doch mit jedem Kapitel kamen mir immer mehr Zweifel an meinem Tun. Denn der Zweite Weltkrieg war und ist eine einzige Tragödie in der Geschichte der Menschheit.
Doch meine Fanfic basiert auf Hetalia, einer harmlosen, bunten, lustigen Anime-Serie, die Jahre 1933-1945 bilden das Gerüst. Dementsprechend ist auch die Umsetzung gestaltet.
Ich möchte nicht richten oder belehren, das überlasse ich getrost anderen, sondern nur schreiben. Mir ist bewusst, dass ich mir ein wirklich sehr heikles Thema ausgesucht habe und werde es natürlich respektvoll behandeln.
Aber ich möchte diese Fanfic ruhigen Gewissens schreiben können, ohne mich ständig zu fragen: "Oje, bin ich zu weit gegangen? Darf ich das überhaupt schreiben? Verharmlose oder beschönige ich etwa?"
Ich wollte, dass ihr wisst, dass meine Geschichte zwar auf historischen Gegebenheiten beruht und immer wieder darauf eingehen wird, aber dennoch viel mehr an den kinderfreundlichen Anime Hetalia angelehnt ist. Ich will mit/über Hetalia schreiben und hier kein politisches Statement verfassen.

So, genug geschwafelt. Ich hoffe, ihr könnt meine Geschichte trotz des düsteren Umfelds genießen und wünsche euch viel Spaß!

Alles Liebe,
Eure Moonfighter

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Nach dem Ersten Weltkrieg steckte Deutschland in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Auf den Straßen herrschten geradezu bürgerkriegsähnliche Zustände und gleichzeitig drohte die Wirtschaft zu kollabieren.
1923 kam es zur Hyperinflation in Deutschland. Zwar konnte diese mithilfe einer Währungsreform und amerikanischen Krediten wieder stabilisiert werden und während der Golden Twenties folgte ein regelrechter Aufschwung, doch nach dem Börsencrash in der Wall Street, deren Auswirkungen auch bis nach Europa kamen, drohte Deutschland wieder in dasselbe Loch zu fallen, aus dem es soeben mühsam hinausgeklettert war.


Schwelende Glut


Verbissen hämmerte Deutschland auf das Holz ein, als wäre nur es schuld an seinem Dilemma. Dabei haute er sich auf den Daumen. "Ahh, verdammt!", brüllte er auf und ließ den Hammer fallen. Dieser  knallte ihm auf den Fuß, so dass Deutschland schmerzerfüllt und auf sehr unwürdige Weise im Kreis herumhopste, gegen ein Regal krachte und sich im nächsten Moment unter Dutzenden Kuckucksuhren begraben wiederfand.

"Deutschland!!" Ein erschrecktes Italien streckte den Kopf aus dem Arbeitszimmer. Als er ihn unter den Kuckucksuhren am Boden liegen sah, quiekte er vor Schrecken auf und kam sofort auf ihn zugehastet. "Vé, Ludwig, bist du okay?" Ohne Rücksicht auf Verluste warf Italien die Kuckucksuhren beiseite, um seinen Freund zu befreien.

"Pass auf, die Uhren!", rief Deutschland, aber zu spät – zwei Uhren zerbrachen laut krachend auf dem Boden. "Italien, du Dummkopf!", knurrte er zornig, "ich schufte schon seit Monaten an diesen Dingern!"

Sofort füllten sich die bernsteinfarbenen Augen seines Freundes mit Tränen. "Vé, tut mir leid!", jammerte Italien und brach in lautes Schluchzen los, während er "tut mir leid, tut mir leid!" wimmerte.

Mit einem Seufzen betrachtete Deutschland seinen Freund und fühlte sich auf einmal furchtbar müde. Entschlossenheit, Tapferkeit, Aufrichtigkeit, das waren die Tugenden, die ihm sein großer Bruder Preußen eingetrichtert hatte. Aber momentan war er einfach nur vollkommen erschöpft. Er hatte den Ersten Weltkrieg verloren, musste Gebiete abtreten, war hoch verschuldet und steckte wirtschaftlich in einer Krise. Und es war keiner da, der ihm helfen konnte.

Gilbert verbrachte die meiste Zeit einfach nur in Kneipen, um seinen Frust, wichtige Gebiete an diesem Hohlkopf in rosa Tütü namens Polen abtreten gemusst zu haben, in Bier zu ertränken. Österreich war in seinem Herzschmerz versunken, den er nur durch sein Klavier auszudrücken vermochte. Das wiederum trieb Vash beinahe in den Wahnsinn, so dass er anfing zu erwägen, seine Neutralität über den Haufen zu schmeißen, über die Alpen zu marschieren und das Klavier samt Besitzer zu Kleinholz zu verarbeiten. Vermutlich war Lilli die Einzige, die ihn noch zurückhielt.

Seufzend richtete er sich auf, versuchte Italien zu trösten, der noch immer heulte wie ein Schlosshund, und die pochenden Schmerzen in Daumen, Fuß und Schläfe, wo er dank eines harten Uhrenkantens nun eine dicke Beule hatte, zu ignorieren.

Ein lautes Poltern und Fluchen erklang an der Tür. Ludwig stand auf. Das war dann wohl sein geliebter heimkehrender Bruder, der wohl wieder seine Schlüssel verloren und einen über den Durst getrunken hatte.

"Hallo, Gilbert", sagte er, als er die Tür öffnete und ihm sein Bruder mit einem breiten, dämlichen Grinsen, leicht glasigem Blick und geröteten Wangen gegenüberstand. Sein Vogel, Gilbird, flog ihm zwitschernd um den Kopf und wirkte auch leicht beschwipst. "Hattest du einen schönen Tag?"

"Ungarn is‘n Mädchen", lallte Gilbert und wankte hinein. Dabei kicherte er wie blöd. "Ungarn is‘n Mädchen! Und ich hab‘s jahrelang nicht gecheckt!"

"Vé, natürlich ist Ungarn ein Mädchen", antwortete Italien erstaunt und rieb sich über die Augen. "Aber Österreich hat auch jahrelang nicht bemerkt, dass ich ein Junge bin. Liegt vermutlich in der Familie."

"Unser Feli!", lächelte Gilbert glückselig und torkelte auf Italien zu, um ihn zu umarmen, fegte dabei allerdings eine Kuckucksuhr zu Boden. "Ups", kicherte er.

Ludwig fasste ihn am Arm. "Gilbert, du gehst jetzt am besten ins Bett", sagte er bestimmt.

"Am liebsten mit Ungarn", grinste Gilbert. "Wusstest du schon, dass sie ein Mädchen ist?"

"Ja, das wusste ich schon", knurrte Ludwig, während er Gilbert die Treppe hochschleifte.

"Wusstest du auch, dass Vash Käse mag? Und eine meiner Prinzessinnen mal Zarin von Russland wurde? Und dass du einen neuen Boss hast?"

"Ja, ja, nein." Verwundert blickte Ludwig ihn an. "Wer ist es denn?"

Mit fahrigen Fingern holte Gilbert eine zusammengerollte Zeitung hervor und drückte sie ihm in die Hand. Ludwig entrollte sie und betrachtete den Mann, der dort abgebildet war.

Er hatte streng zurückgekämmtes Haar und einen auffälligen Schnurrbart. In seinen Augen schien etwas zu glühen, wie ein Feuer, das jeden Moment entflammen würde.

Ludwig musste schlucken. Dieser Mann strahlte Macht und Entschlossenheit aus. Das war kein Präsident. Auch kein Kaiser oder König. Ludwig fiel momentan keine andere Bezeichnung ein als Führer. Er bemerkte, wie sein Herz vor Hoffnung höher zu schlagen begann. Ja, wenn einer es schaffte, ihn wieder zu einem großen, starken Reich zu machen, dann dieser Mann da.

Ein lautes Krachen und Poltern riss ihn aus seinen Gedanken. Preußen war im Stehen eingeschlafen und mit dem Gesicht auf die Treppe geknallt, wo er jetzt selig vor sich hinschlachte.


Mit seinen fanatischen Reden und seinem rhetorischen Talent gewann Hitler rasch die Sympathie bei allen Schichten der Bevölkerung. Paul von Hindenburg ahnte, dass es eine Katastrophe wäre, Hitler politische Macht anzuvertrauen, und weigerte sich deshalb lange, ihn zum Reichskanzler zu ernennen.
1933 gab der alte General aber schließlich nach. Hitler wurde Reichskanzler und als Hindenburg starb, der Diktator von Deutschland.
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