Keine Jungfrau in Nöten

von Jun-K
GeschichteDrama, Romanze / P16
Gaara Ino Yamanaka Kankuro Naruto Uzumaki Shikamaru Nara Temari
01.06.2017
01.08.2019
30
142.455
29
Alle Kapitel
128 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
01.08.2017 4.316
 
Hey!


Viel gibt es vorher nicht zu erzählen, denn es geht genau da weiter, wo das letzte Kapitel aufgehört hat.


Viel Spaß! :)


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~




Es hatte einige Gründe, warum Temari nicht gut drauf war, um es mal höflich auszudrücken.
Der allererste Grund war die Standpauke, die ihr Vater ihnen vor der Gala gehalten hatte. Sie sollen sich ja benehmen, freundlich sein, seriös wirken und sich jede Person gut merken. Es war ja nicht so, dass sie das alles schon vorher tausende Male gemacht hatten. Sie waren nicht erst seit ein paar Tagen adelig und es war auch nicht ihre erste Gala. Es war allerdings das erste Mal, dass ihr Vater auf glückliche Familie machte.
Der zweite Grund war Prinz Naruto – ihr zukünftiger Verlobter. Natürlich hatte sie sich vorher über ihn informiert, schließlich sollte sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen. Sie wusste, wie er aussah, sie wusste über seine Vergangenheit Bescheid, sie wusste ja sogar, was er gerne zum Frühstück aß. Und trotzdem war sie negativ überrascht gewesen. Man konnte ihm seine Nervosität so deutlich ansehen, dass er es sich genauso gut auf die Stirn hätte tätowieren können. Temari wusste jetzt schon nicht, wie sie den Abend mit ihm überstehen sollte, geschweige denn eine Ehe.
Und schließlich war da noch der dritte Grund: Shikamaru Nara, der Junge aus dem Café. Wenn Temari ehrlich war, dann regte sie sich mehr darüber auf, dass sie ihn nicht gleich erkannt hatte, anstatt darüber, dass sie ihn wieder gesehen hatte. Da der König ihnen befohlen hatte, Freundschaften zu schließen, hatten sie über alle wichtigen Personen recherchiert. Sie konnte gleich sagen, wer Sasuke Uchiha war oder wer zu der Hyuuga Familie gehörte, ohne dass sie vorgestellt wurden. Natürlich hatte sie sich auch über Shikaku Nara und seine Familie informiert. Sie hatte auch gewusst, dass er einen Sohn hatte, der quasi sein Spiegelbild war.
Wieso hatte sie ihn dann nicht gleich erkannt? Vielleicht, weil sie nicht erwartet hatte, ihn da zu sehen. Vielleicht, weil er in dem Bild, das sie gesehen hatte – das schon ein paar Jahre alt war – keinen Zopf getragen hatte. Sie fragte sich sowieso, warum er in einem Café arbeitete, wenn sein Vater eine der wichtigsten Positionen des Königreiches hatte. Hätte Kankuro sie nicht dran erinnert, dass sie sich benehmen sollten, hätte sie wahrscheinlich etwas gesagt.
Mit einem aufgesetzten Lächeln ließ Temari sich allen Leuten vorstellen, die Naruto für wichtig hielt. Kurioser Weise legte er dabei viel mehr Wert auf seine Freunde anstatt auf die offiziellen Abgeordneten der anderen Reiche. Eine Freundin – Ino Yamanaka – strahlte nur so vor Freude und hätte beinahe los gequietscht als Temari ihr Kleid gelobt hatte. Shikamaru hatte sie hinter ihr stehen gesehen, doch er mied ihren Blick. Der Kazekage stand mit Jiraiya und ein paar Botschaftern in einer Ecke und unterhielt sich.
„Wie viele kommen denn noch?“, raunte Kankuro ihr in Sunagakurisch ins Ohr. Wie lange sie schon durch die Menge liefen, freundlich grüßten und die Reporter Bilder machen ließen, wussten sie nicht. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor und es schien einfach keine Ende nehmen zu wollen.
„Keine Ahnung“, murmelte Temari zurück. „Aber wenn es nicht bald aufhört, dann brauch ich ganz dringend eine Flasche Champagner.“
„Den Uchiha fandst du aber interessanter als den Champagner“, neckte ihr Bruder mit einem Grinsen. Als Antwort warf sie ihm einen bösen Blick zu.
Natürlich hatte sie ihn interessant gefunden, immerhin war er sehr attraktiv und kam aus einer berühmten Familie. Außerdem war da ja noch das Gerücht um seinen Bruder. Das alles weckte das Interesse jeder Frau.
Naruto, der die Unterhaltung der Geschwister mitbekommen aber nicht verstanden hatte, grinste etwas unsicher. „Wie, äh, … wie wär's denn, wenn ich euch mal den Garten zeige? Dann können wir auch etwas Luft schnappen.“
Mehr als ein Nicken bekam Naruto nicht, obwohl Temari wirklich froh war, rauszugehen. Bis jetzt hatte sich noch niemand auf den Balkon begeben und so wie sich Baki und Konohas königlicher Sicherheitschef vor die Türen positionierten, würde auch niemand so schnell zu ihnen kommen können.
Kaum waren sie auf den großen Balkon getreten, bereute Temari ihre Entscheidung. Es wurde in der Wüste nachts kälter, als man annahm, aber nicht wie hier. Die Kälte war feuchter und ein leichter Wind wehte, was alles nur noch schlimmer war. Dazu kam noch, dass ihr Gewand traditionelle Kleidung aus der Wüste und damit auch nicht für dieses Klima geschaffen war. Es kostete sie einiges, den Drang zu Zittern zu unterdrücken.
„Das ist unser Garten!“, sagte Naruto als sie an der Balustrade angekommen waren und deutete stolz auf das Grün unter ihnen. Wäre sie irgendwer anderes und nicht die Prinzessin von Suna gewesen, hätte sie wahrscheinlich mit offenem Mund dagestanden. Temari hatte noch nie so viel Grün auf einmal gesehen und der Garten schien gar kein Ende zu nehmen. Bäume und Büsche mit Blüten in allen Farben waren präzise zurecht geschnitten, durch die sich ein schmaler, gepflasterter Weg schlängelte. Laternen beleuchteten die Wege und die Äste der Bäume waren mit Lichterketten geschmückt. Hier und da standen schmiedeeiserne Bänke und Pavillons, in denen man sich ausruhen konnte. Temari konnte nicht anders, als sich zu fragen, wie der Garten wohl im Tageslicht aussah.
„Es sieht so … frisch aus“, sagte Kankuro schließlich, wobei man nicht sagen konnte, ob er das positiv oder negativ meinte. Er war einfach zu überwältigt.
„Habt ihr keinen Garten?“, fragte Naruto, der etwas überrascht von der Reaktion war.
„Doch“, sagte Gaara und er war der einzige, der nicht überwältigt schien. Allerdings waren Emotionen auch nicht seine Stärke. „Aber nicht so einen.“
Das stimmte. Der Palast in Suna hatte einen Garten, aber das einzige Grüne, was man dort fand, waren die großen Palmen, ein paar Kakteen und vielleicht den ein oder anderen Busch. Stattdessen hatten sie viele Springbrunnen und kleine Flüsse, die sich zwischen dem Sand und den wenigen Pflanzen hindurch wühlten.
„Also, wenn ihr wollt, können wir runter gehen.“ Naruto zeigte mit seinem Daumen über die Schulter auf die Treppenstufen, die vom Balkon in den Garten führten.
Kankuro zuckte nur mit den Schultern und tat so, als wäre es ihm egal, aber Temari wusste, dass er es unbedingt von Nahem sehen wollte. Gaara nickte stumm.
Der Prinz fing an zu grinsen, ganz offensichtlich froh darüber, dass sie langsam anfingen, auf ihn einzugehen. Schließlich fiel Narutos Blick auf sie. Augenblicklich konnte sie sehen, wie nervös er wieder wurde. Temari wusste, dass sie mit ihm sprechen sollte – alleine. Immerhin gab es eine Menge zu besprechen, bevor sie die Verlobung verkünden sollten. Sie sollte sowieso so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen und ihn richtig kennenlernen.
Aber jetzt gerade ging das nicht. Alles, was sie gerade wollte, war ein Moment Ruhe, um ihre Gedanken zu ordnen. Also schüttelte sie entschuldigend den Kopf. „Ich denke, ich ruhe mich lieber etwas aus.“
Naruto sah aus, als wäre sie ihm auf den Schlips getreten, was sie in gewisser Weise ja auch gemacht hatte. „Oh, okay“, stotterte er unschlüssig. Er wirkte noch immer so schrecklich nervös, wobei sie nicht sagen konnte, ob es war, weil sie sein Angebot abgeschlagen hatte oder weil er jetzt Zeit alleine mit den Prinzen verbringen sollte. „Soll ich … äh, ich mein … soll ich mit dir warten?“
„Nein, geht euch den Garten angucken“, sagte sie und wechselte schnell einen Blick mit ihren Brüdern, der so viel hieß wie benehmt euch. Gaara ignorierte ihn und Kankuro rollte mit den Augen.
Mit den Armen stützte sie sich an dem Geländer ab, als sie die drei Prinzen beobachtete, wie sie die Treppen hinunter gingen. Naruto redete wie am Fließband, was wahrscheinlich an seiner Nervosität lag, aber Kankuro schien ihm höflich zuzuhören. Bei Gaara war es eher das Gegenteil.
Seufzend sah Temari noch einmal auf den Garten hinunter, bevor sie ihren Blick zum Himmel richtete. Ein paar Wolken zogen über den Nachthimmel und die Sterne schienen so weit weg. Wenn Temari nachts draußen in der Wüste war, dann gab es abertausende von ihnen. Sie leuchteten so hell, dass man nicht mal eine Lampe brauchte, um sehen zu können. Jetzt diese nicht zufriedenstellende Version der Sterne zu sehen, verpasste ihr einen Stich von Heimweh. Sie vermisste die Sonne, die Wärme und die Trockenheit.
Wie lange sie dastand und Suna vermisste, konnte sie nicht sagen. Mehr als ein paar wenige Minuten konnten es nicht gewesen sein. Ihre Brüder waren mit Konohas Prinzen in den Weiten des Gartens verschwunden und sie war inzwischen alleine.
Dachte sie.
Eine Windböe blies über den Balkon hinweg, so dass sie fröstelnd das Tuch ihres Gewandes enger um sich schlingen wollte, doch sie kam nicht dazu. Ein schweres Jackett wurde über ihre Schultern gelegt. Es war noch angewärmt von der Körperwärme ihres eigentlichen Besitzers. Ein ganz eigener, aber doch angenehmer Geruch stieg ihr in die Nase, maskulin und, wenn sie richtig lag, erdig und frisch, so wie Gras. Verdutzt sah Temari erst auf den schwarzen, schweren Stoff hinunter und hob dann schließlich den Blick zu der Person, der dieses Jackett gehörte.
Von allen Gästen, die anwesend waren, hätte sie als letztes Shikamaru Nara erwartet. Und doch stand er neben ihr, ohne seine Jacke, und starrte stur auf den Horizont. Sie wusste nicht, ob es ein Trick des Lichts war oder ob seine Wangen wirklich etwas rosa waren.
Immer noch verwirrt, sah sie über ihre Schulter zu Baki, der sie ja zumindest hätte warnen können, wenn er ihn schon durchgelassen hatte. Aber Baki sprach mit dem silberhaarigen Mann, wahrscheinlich über die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, die wegen ihnen getroffen werden mussten. Ob Shikamaru sich an ihnen vorbei geschlichen hatte oder ob sie ihn durchgelassen hatten, konnte sie nicht sagen, aber es änderte auch nichts daran, dass er jetzt hier neben ihr stand.
„Warum hast du das gemacht?“, fragte sie schließlich.
Shikamaru kratzte sich am Nacken. „Euch war offensichtlich kalt. Außerdem sollte kein Mann eine Frau frieren lassen, erst recht keine Prinzessin aus der Wüste.“
Einen Moment dachte sie darüber nach ihm klar zu machen, dass sie seine Hilfe nicht brauchte, dass sie gut für sich alleine sorgen konnte – aber seine Jacke war warm und sie vertrieb langsam die Kälte aus ihren Knochen. „Es ist einfach zu kalt hier“, sagte sie deswegen trotzig und steckte die Arme durch die Ärmel, als es erneut wehte.
„Das Wetter sollte bald besser werden“, sagte er, immer noch ohne sie dabei anzusehen.
Nur mit Mühe konnte sie ein Kopfschütteln unterdrücken. Sie glaubte es einfach nicht. Sie stand hier mit Shikamaru Nara und unterhielt sich über das Wetter.
„Prinzessin Temari“, rief Baki nach ihr. Auf solchen Veranstaltungen sprach er sie immer mit ihren vollen Titeln an. Fragend sah sie zu ihrem Sicherheitschef, der ihr nur das universale Handzeichen für Ich bin kurz weg gab. Temari nickte. Sie wusste, dass Baki sie nicht alleine lassen würde, wenn es nicht dringend war. Außerdem stand sie nur auf dem Balkon mit einem faulen Barrista, es war nicht so, dass sie Schutz brauchte. Selbst wenn Shikamaru beschloss ihr etwas anzutun, dann könnte sie sich immer noch wehren.
Als sie sich wieder umdrehte, bemerkte sie seinen Blick. „Was?“, fragte sie sofort.
„Nichts. Eure Hoheit“, fügte er schnell hinzu und sah weg.
Eine unangenehme Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Aus den Augenwinkeln konnte Temari erkennen, dass er gen Himmel starrte. Warum wusste sie nicht. Da oben waren nur Wolken und enttäuschende Sterne. Ihr fiel auf, dass er sich keinen Zentimeter von ihrer Seite weg entfernt hatte, was sie zumindest etwas ungewöhnlich fand. Er hatte nicht den Eindruck gemacht, als wolle er wirklich in ihrer Nähe sein. „Wieso stehst du noch hier?“ Es hatte pampiger geklungen, als sie eigentlich vorgehabt hatte.
„Meine Mutter bringt mich um, wenn ich die Jacke nicht wieder bekomme“, sagte er seufzend und mit geschlossenen Augen. Wenn er von ihrem Ton verletzt war, dann zeigte er es nicht. „Es ist weniger lästig, neben Euch zu warten, anstatt Euch nachher suchen zu müssen.“
„Ach, und ich dachte, es wäre, weil du dich entschuldigen willst“, sagte Temari und drehte ihren Kopf zu ihm. Mit einer gehobenen Augenbraue sah sie ihn an, doch er hatte auch noch den Nerv langsam und ganz genervt zu ihr zu sehen.
„Ihr habt Eure Bestellung bekommen, oder nicht?“
„In deinem Job sollte man netter zu Menschen sein.“
„Der Kaffee schmeckt, das ist die Hauptsache.“ Dagegen konnte Temari nichts sagen, denn der Kaffee hatte wirklich fantastisch geschmeckt. Sogar noch besser als der, den sie in ihrem Palast in Suna hatten. Aber natürlich sagte sie das nicht. Stattdessen schnaubte sie einmal und sah zurück auf den Garten.
Wieder wurde es still zwischen ihnen, doch dieses Mal war es merkwürdigerweise nicht so unangenehm wie vorher. Es überraschte sie allerdings noch mehr, dass es Shikamaru war, der nach einigen Augenblicken die Stille brach. „Hattet Ihr das vorhin ernst gemeint?“
„Was?“, fragte sie nach.
„Dass Ihr das Kleid von Ino Yamanaka mögt.“
Das war wohl die letzte Frage, mit der Temari gerechnet hatte. Er fragte nach einem Kleid? Verwirrt sah sie wieder zu ihm, doch er sah unerwartet ernst zurück. Den Grund für seine Frage konnte sie ihm nicht ansehen, was sie etwas störte. Für jemanden der so faul war, war er schwer zu lesen. Schnell rief sie sich noch einmal das Kleid vor Augen und zuckte dann gleichgültig mit einer Schulter. „Es hat ihr gestanden.“
Für einen Moment sah er sie einfach an, wobei sie seinen Blick nicht erwiderte. Wenn er unbedingt ihren Modegeschmack wissen wollte, bitte schön. Nicht ihr größtes Problem.
Ein größeres Problem sollte sie allerdings schnell bekommen.
Naruto und Kankuro kamen die Treppenstufen aus dem Garten hoch. Temari war so mit Shikamarus plötzlichem Auftauchen beschäftigt gewesen, dass sie ganz vergessen hatte, nach ihren Brüdern zu gucken.
Doch ein Bruder fehlte noch.
„Wo ist Gaara?“, rief sie rüber, sobald sie die Stufen erklommen hatten. Naruto blinzelte verwirrt – entweder wegen ihrer Frage oder weil Shikamaru bei ihr war – und Kankuro zog die Augenbrauen zusammen. Sie kannte diesen Blick und bekam sofort das Gefühl, als würde sie Steine im Magen haben.
„Er meinte, er wäre müde und wollte eher zurück“, sagte Naruto. „Ist er hier nicht vorbei gekommen?“
Die Steine in ihrem Magen verdoppelten sich und selbst Shikamarus Jackett konnte jetzt nichts gegen die Kälte tun, die sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Langsam schüttelte sie den Kopf. Temari hätte Gaara bemerkt, egal ob sie sich unterhalten hatte oder nicht. „Gibt es noch einen anderen Weg aus dem Garten heraus?“
„Nur versteckte.“
In dem Moment hörten sie einen leisen Aufschrei.
Während Naruto und Shikamaru sich noch verwirrt ansahen, verschwendeten Temari und Kankuro keine Sekunde. Schnell sah sich Temari einmal nach Baki um, doch sie konnte weder ihn noch irgendeinen anderen Sicherheitsbeamten sehen. Wenn sie ihn erst suchen würde, würde das zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und auch zu viel Zeit kosten. Fluchend folgte sie ihrem Bruder. Sie rannten die Treppen hinunter in den Garten, sprangen sogar die letzten beiden Stufen hinunter, und liefen in die Richtung los, aus der der Schrei gekommen war. Dass die beiden anderen ihnen folgten, bemerkte Temari nur halb.
Durch den Garten zu laufen, war einfacher gesagt als getan. Die Wege bogen und krümmten sich, so dass es ihr vorkam, als wären sie in einem kleinen Labyrinth. Die Pflanzen waren zu hoch und zu dicht gewachsen, um etwas durch sie hindurch sehen zu können. Kankuro fluchte einmal auf Sunagakurisch, als sie an einer Weggabelung ankamen. „Wer war der scheiß Architekt von diesem Teil? Man kann sich ja nur hier verlaufen!“
Sie hörten einen Aufprall, gefolgt von einem weiteren Schrei.
„Da lang!“ Temari packte ihren Bruder am Arm und zog ihn den rechten Weg lang. Mit jedem weiteren Schritt konnten sie deutlicher Kampfgeräusche hören. „Gaara!“
Kaum bogen sie um die nächste Ecke, konnten sie ihn sehen. Es war eine nur zu vertraute Szene. Ein junger Mann, unmöglich viel älter als Gaara, lag halb auf dem Boden, die Nase blutig geschlagen und Wut funkelte in seinen Augen. Gaara stand direkt über ihm, mit den Rücken zu ihnen, und selbst in der Dunkelheit konnte sie seine angespannten Muskeln sehen.
„Was zum -“, hörte Temari Naruto sagen, aber er konnte den Satz nicht zu Ende bringen, da Gaara erneut die schon blutige Faust hob.
Kankuro, der Gaara am nächsten stand, sprang vorwärts und wirbelte seinen Bruder an der Schulter herum. „Gaara, hör auf!“
„Fass mich nicht an!“, zischte er zurück. Sein Gesicht war vor Wut verzogen, die Zähne gefletscht und auf der festlichen Schärpe war ebenfalls etwas Blut.
„Vergiss nicht, wo du bist“, sagte Temari auf Sunagakurisch, damit die anderen nicht alles mitbekamen. „Wir sollen uns gut benehmen. Andere Leute zu verprügeln, fällt nicht unter gutes Benehmen.“ Vorsichtig machte sie einen Schritt auf ihn zu, doch sobald er sie mit seinen Augen fixierte, blieb sie stehen.
„Was ist passiert?“, fragte Naruto schließlich, immer noch halb im Schock.
„Der Psycho hat mich einfach angegriffen und -“ Weiter konnte der Mann am Boden nicht reden. Gaara warf ihm einen bösen Blick über die Schulter zu, aber Kankuro bewegte sich, bevor sein Bruder es tun konnte. Er packte ihn am Kragen und hievte ihn halb vom Boden hoch. Sein Blick war nicht weniger furchterregend als der von Gaara.
„Wenn ich du wäre, würde ich nicht so große Töne spucken“, drohte Kankuro mit gesenkter Stimme. „Du siehst nicht so aus, als wärst du ein Gast der Gala und ich frage mich, was mit dir passiert, wenn sie herausfinden, dass du dich in den königlichen Garten geschlichen hast, um den Prinz von Suna anzugreifen.“
Der Mann sah aus, als wolle er etwas sagen – vielleicht sich verteidigen oder über die Drohung lachen –, aber er bemerkte den bösen Blick aller Suna-Geschwister auf sich. Er wurde ein ganzes Stück blasser und kaum hatte Kankuro ihn losgelassen, stolperte er auf seine Füße und lief so schnell er konnte den Weg entlang. Temari wusste, dass sie Kankuro dafür rügen sollte, einem Bewohner aus Konoha so zu drohen, und sie sollte auch sicherstellen, dass dieser Bewohner nichts sagen würde. In Suna konnten sie die Presse relativ einfach beeinflussen, hier in Konoha würde das um einiges schwieriger sein. Gerade hatte sie aber dringendere Sorgen und das war Gaara, der immer noch wütend dastand.
„Ganz ruhig“, sagte Temari beschwichtigend und streckte eine Hand nach seiner Schulter aus.
Energisch stieß er sie von sich und zwar so kräftig, dass Temari einen Schritt nach hinten machen musste. Sie stolperte gegen eine Männerbrust. Instinktiv schlossen sich Hände um ihre Oberarme, um sie zu stabilisieren. Weil sie Naruto neben sich erkennen konnte und Kankuro ihr gegenüber stand, konnte es nur Shikamaru sein, der sie jetzt festhielt.
„Was sollte das?“, fragte Kankuro, aber er und Temari kannten die Antwort schon. Der Mann hatte nur etwas Falschen erwähnen müssen – zum Beispiel den Tod ihrer Mutter oder sogar nur, dass ihm seine Kleidung nicht gefiel – und Gaara wäre ausgerastet. Um ehrlich zu sein, hatte Temari nur darauf gewartet, dass er die Kontrolle verlieren würde. Die letzten Tage war er zu ruhig gewesen.
„Es ist nicht dein Problem“, sagte Gaara kalt. Langsam schien er ruhiger zu werden, was aber nicht hieß, dass er weniger gefährlich aussah.
„Nicht mein Problem? Das ist unser zweiter Tag hier und du hast wen geschlagen!“
„Halt die Klappe oder du bist der nächste“, sagte Gaara ohne seinen Bruder anzugucken. Musste er auch gar nicht, denn sowohl Kankuro als auch Temari wussten, dass ihr kleiner Bruder das todernst meinte. Ohne irgendwen auch nur noch einmal anzusehen, ging er an ihnen vorbei zurück zum Palast.
Temari sah bedeutungsvoll zu Kankuro. Sie kannten die Blicke des jeweils anderen gut genug deuten, um zu wissen, was sagen wollten. Wir müssen uns um ihn kümmern.
Kankuro seufzte einmal. Ich weiß … Er zog die Augenbrauen zusammen. Wenn unser Vater das rausfindet -
Ihr Blick wurde schärfer. Dann müssen wir schneller sein als er. Kurz nickte sie in die Richtung, in die Gaara verschwunden war, dann sah sie kurz zu den Konoha-Bewohnern. Geh sicher, dass Gaara auf sein Zimmer geht, ich kümmer mich um den Rest.
Kankuro nickte einmal, machte die Andeutung einer Verbeugung vor Naruto und Shikamaru und folgte schließlich seinem Bruder. Temari schloss die Augen und rieb einmal ihre Stirn. Der Abend hatte ja nur schlechter werden können.
„Was war das?“, fragte Naruto nach einer Weile. Langsam sah Temari von Naruto – der sie geschockt und verwirrt ansah – zu Shikamaru. Er hatte lediglich die Augenbrauen zusammengezogen und sah sie mit einem Blick an, den sie nicht ganz deuten konnte. Auf einmal wirkte er viel wacher.
„Gaara hat … seine Probleme“, erklärte sie schließlich zögernd.
„Er hat ihm die Nase gebrochen!“ Konohas Prinz deutete mit einem Arm in die Richtung, in die der Mann geflohen war.
„Ich weiß.“ Er kann froh sein, dass es nur die Nase war. „Aber das Wichtigste ist jetzt, dass nichts davon nach Außen gelangt.“
„Aber -“, fing Naruto an, weiter kam er allerdings nicht.
„Naruto“, unterbrach Shikamaru ihn und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Temari war so froh über seine Unterstützung, dass sie ihm fast sein Verhalten vom Vortag verzog.
Fast.
„Ich muss zu Baki“, sagte sie schließlich mehr zu sich selbst als zu den anderen, als sie an den beiden schweigenden Männern vorbei ging.
Zurückzugehen war einfacher gesagt als getan. Vorhin hatte Temari sich nicht gemerkt, wann sie wo abgebogen war, sondern hatte sich nur darauf konzentriert, Gaara zu finden. Als sie an die erste Weggabelung kam, musste sie unschlüssig stehen bleiben. Woher waren sie gekommen?
Gerade als sie sich für einen Weg entscheiden wollte, ging Shikamaru wortlos an ihr vorbei und schlug einen Weg ein. Sie zweifelte nicht mal daran, dass es der richtige Weg war. Schweigend gingen sie zurück, was länger dauerte, als sie gedacht hatte. In ihrer Panik hatte Temari gar nicht bemerkt, wie weit sie gelaufen waren. Als sie am oberen Ende der Treppen ankamen, hätte Temari beinahe angefangen zu lachen. Gaara hatte im Garten jemanden zusammengeschlagen und drinnen hatten die Leute angefangen zu tanzen, vollkommen ahnungslos, was sich im Garten abgespielt hatte.
Sobald sie wieder auf dem Balkon angekommen waren, sah sie Baki, der sofort zu ihnen rüber eilte. Temari konnte jetzt schon sagen, dass er sich Vorwürfe machen würde. Seine Aufgabe war es, auf sie aufzupassen. Er wusste von Gaaras Aggressionen – trotzdem hatte er sie alleine gelassen. Aber wie hätte er auch nur ahnen sollen, dass in den fünf Minuten, in denen er weg war, Gaara ausrasten würde? Als Baki gegangen war, hatte Temari sich friedlich mit Shikamaru unterhalten und ihre Brüder waren mit Naruto unterwegs gewesen.
„Was ist passiert?“, fragte er, sobald er bei ihnen angekommen war. Besorgt packte er sie an der Schulter, um sie im Licht besser mustern zu können. Erst, als er sicher war, dass sie unverletzt war, ließ er sie wieder los.
„Gaara hat sich nicht wohl gefühlt“, antwortete Temari. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Naruto und Shikamaru einen weiteren Blick wechselten. „Kankuro hat ihn auf sein Zimmer gebracht.“
Baki kannte die drei besser als irgendwer anders, deswegen wusste er auch gleich, was Temari meinte. Immerhin gab es Situationen – wie jetzt gerade – wo sie nicht offen reden konnten. Code-Wörter waren da mehr als praktisch, das hatten sie schon vor einigen Jahren gelernt. Sein Kiefer spannte sich deutlich an und die Sorgenfalte zwischen seinen Augenbraue wurde größer.
„Geht es dir gut?“, fragte er leise.
„Ja, uns ist nichts passiert“, sagte sie. Baki schielte einmal zu dem Prinzen und dem Sohn des Beraters, aber niemand sagte etwas. Die beiden würden erst einmal keine Probleme machen. Dafür würde Temari sorgen, selbst wenn sie den ganzen Abend nicht von ihrer Seite weichen durfte. „Du musst dich um ihn kümmern. Er läuft hier wahrscheinlich irgendwo noch rum.“ Dass mit er Gaaras Opfer gemeint war, musste sie nicht weiter erläutern. Er nickte, aber bevor er ging, sah er sie noch einmal besorgt an. „Mir geht es gut. Geh los, bevor Vater davon Wind bekommt.“
Ob er ihr glaubte oder nicht, konnte Temari nicht sagen, aber er reagierte darauf nicht. Stattdessen nickte er ein letztes Mal, verbeugte sich schnell einmal vor Naruto und machte sich dann auf, um Gaaras Opfer zu finden.
„Wir sollten wieder rein gehen, es wird kalt“, sagte Temari als wäre nichts gewesen, sobald ihr Sicherheitschef durch eine unscheinbare Tür verschwunden war. Ohne auch nur auf die beiden Jungs zu warten, ging sie hinein.
Erst als sie durch die Flügeltür geschritten war, fiel ihr auf, dass sie noch Shikamarus Jacke trug. Sie machte schon Anstalten, sie sich von den Schultern zu streifen, aber er war schneller. Vorsichtig – seine Finger berührten nicht mal ihre Haut – nahm er ihr die Jacke ab. Reflexartig sah sie einmal zu ihm und konnte dann plötzlich nicht mehr wegsehen.
Schon wieder hatte er so einen Ausdruck in den Augen, den sie nicht einordnen konnte und der ihr nicht ganz wohl war. Langsam nickte er einmal und Temari war sich ziemlich sicher, dass es so etwas hieß wie Ich werde nichts sagen, bevor er ging.
Für einen Moment sah Temari ihm nach, aber dann erinnerte sie sich daran, dass lauter Gäste um sie herum waren. Außerdem war da ja noch Naruto … Bestimmt drehte sie sich zu ihm um und sah, wie er zusammenzuckte. Er wirkte noch nervöser als vor ein paar Stunden. Sie konnte ihm das nicht wirklich übel nehmen.
Den restlichen Abend verbrachte sie an seiner Seite, doch ihre Augen glitten immer wieder zu Shikamaru. Ab und zu trafen sich ihre Blicke. Sie war sich immer noch nicht sicher, was sie von ihm halten sollte oder ob sie ihm überhaupt vertrauen konnte – sie ging grundsätzlich von Nein aus –, aber sie würde noch herausfinden, was seine Blicke bedeuteten. Immerhin würde sie ja noch etwas hier bleiben.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Das war's!
Ich hoffe, es hat euch gefallen. Ich konnte Gaaras „dunkle Seite“ einfach nicht weglassen, weil sie – meiner Meinung nach – sehr wichtig für seine Charakterentwicklung ist und deswegen nicht einfach vergessen werden sollte. Was genau in ihm vorgeht, erfahrt ihr dann in ein paar Kapiteln.
Das nächste Mal lernt Shikamaru allerdings ein paar Sachen über die Suna-Monarchen, mit denen er nicht gerechnet hätte.

Danke für's Lesen!
Jun
Review schreiben