Keine Jungfrau in Nöten

von Jun-K
GeschichteDrama, Romanze / P16
Gaara Ino Yamanaka Kankuro Naruto Uzumaki Shikamaru Nara Temari
01.06.2017
15.07.2019
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Hey!

Dieses Kapitel ist etwas kürzer, weil es mehr oder weniger nur eine Vorbereitung für das nächste ist. Und das nächste Kapitel ist quasi der Grund, warum es diese Geschichte gibt.

Viel Saß! :)


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Emotionen und Shikamaru – oder alle Naras, die es gab – war ein Kapitel für sich. Viele Leute, darunter auch einige, die er als seine Freunde bezeichnen würde, würden sogar behaupten, dass Shikamaru emotionslos war. Und obwohl er immer einen kleinen Stich spürte, wenn er das hörte, konnte er es ihnen nicht wirklich übelnehmen.
Yoshino hatte ihm oft erzählt, wie sich sein Verhalten verändert hatte; sie erzählte es immer besonders gerne, wenn sie genug von seiner Faulheit hatte. Im Gegensatz zu seinem jetzigen Gemüt war er früher ein sehr aktives Kind gewesen. Er hatte eine unglaubliche Neugierde – und seine Intelligenz – in sich, die ihn dazu motiviert hatte alles zu entdecken, was es zu entdecken gab. Ungewöhnlich früh hatte er angefangen zu reden und zu laufen. Puzzle waren kein Hindernis für ihn, seine Türme aus Bauklötzen waren für ein Kleinkind sehr stabil und selbst solche Sachen wie Lesen oder Rechnen waren einfach für ihn; und das, obwohl er noch keine vier Jahre alt war. Immer, wenn Shikamaru mit anderen Kindern gespielt hatte, hatte es auch da keine Probleme gegeben. Im Gegenteil, er schien den anderen eher die Sachen beibringen zu wollen, die er kannte. Er war derjenige, der sich die Regeln ihrer Spiele merkte, er teilte die Sachen gerecht auf und fand den Weg nach Hause, wenn niemand sonst sich den Weg gemerkt hatte.
Und dann setzte das Nara-Gen ein, wie sein Vater es nannte.
Es war beinahe so, als hätte Shikamaru beinahe über Nacht sein ganzes Interesse verloren. Oder vielleicht hatte er sich auch nur gedacht, dass er jetzt genug wusste. Er selbst konnte es nicht sagen, denn er hatte keinerlei Erinnerung daran. Plötzlich wollte er nicht mehr draußen rumtoben, sondern einfach im Garten unter seinem Lieblingsbaum liegen und die Wolken ansehen. Wenn seine Freunde vorbei kamen spielte er noch mit ihnen, aber er war längst nicht mehr so aktiv. Yoshino war damals völlig aufgewühlt gewesen, hätte ihn am liebsten zum nächsten Doktor geschleppt, um rauszufinden, ob er krank war, aber Shikaku hatte sie zurückgehalten.
„Das ist normal“, hatte er nur gesagt. „Bei mir war das genauso.“ Als wäre das das Ende der Diskussion gewesen, hatte er nur mit der Schulter gezuckt. Seine Frau nahm es – selbstverständlich – nicht so gelassen. Immer und immer wieder versuchte sie ihren Sohn wieder zu motivieren, aber es blieb erfolglos. Stattdessen meisterte er damals seinen inzwischen typischen Blick, der andere immer an ihrer eigenen Intelligenz zweifeln ließ. Es dauerte eine ganze Weile, aber schließlich akzeptierte Yoshino das Schicksal ihres Sohnes.
Seitdem konnten nur die wenigstens Sachen eine Reaktion aus Shikamaru herauskitzeln. Was nicht hieß, dass er nur noch gelangweilt war, doch wenn er sich zum fünften Mal die immer wieder gleichen Probleme oder Streiche seiner Freunde anhörte, dann wusste er einfach schon, wie es ausgehen würde. Für ihn war es immer dasselbe Scheme und er verlierte einfach das Interesse daran. Natürlich kümmerte er sich immer noch um die Leute um ihn herum, aber er war einfach sehr selektiv darin, wie viel Energie er in was investierte. Viel schneller, als irgendwer gedacht hatte, wurde es immer einfacher unberührt zu wirken und es ging sogar soweit, dass Shikamaru manchmal wirklich einfach nichts fühlte. Seine Freunde, die seit ihrer Geburt die Werte von Toleranz und Freundschaft vermittelt bekommen hatten, hatten es einfach akzeptiert. Sie erwarteten keine emotionalen Reaktionen von ihm und falls es dann mal eine gab, waren sie immer sehr überrascht.
Asuma war der erste in einer langen Zeit gewesen, der diese Toleranz ignoriert hat. Alle anderen Lehrer hatten schnell bei ihm aufgegeben – natürlich hatten die meisten versucht irgendetwas aus ihm rauszukitzeln, aber jeder Versuch war auf taube Ohren gestoßen. Seine Noten waren gut genug, dass er alle Kurse bestand und er störte im Unterricht auch nicht, deswegen hatten sie es irgendwann einfach akzeptiert.
Deswegen war es auch etwas schockierend für Shikamaru gewesen, als sein Mathelehrer ihn nicht einfach in Ruhe gelassen hatte. Mathe war das Fach gewesen, was das faule Genie noch am meisten interessiert hatte, denn die Aufgaben waren wie kleine Rätsel, die er lösen musste. Im Gegensatz zu all seinen Mitschülern mochte er komplizierte Textaufgaben, bei denen er sich raussuchen musste, was genau er brauchte und wie er vorgehen musste. Während die anderen meistens verzweifelten oder nicht wussten, wie sie anfangen mussten, hatte Shikamaru die Aufgabe schon gelöst. Asuma war das aufgefallen und schnell bekam Shikamaru von seinem Lehrer Extraaufgaben, sobald er mit den normalen fertig war. Natürlich hatte er, ganz seinem Charakter entsprechend und typisch für einen fünfzehnjährigen Teenager, geseufzt und ein anstrengend genuschelt, doch das hatte sich schnell in eine Show verwandelt, denn er mochte die zusätzlichen Aufgaben. Sie waren kniffelig und er musste nachdenken. Damals hatte er gar nicht richtig mitbekommen, wie weit über ihrem eigentlichen Unterrichtsstoff die Aufgaben waren.
Nach dem Unterricht sprachen sie über die Aufgaben und Asuma hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie beeindruckt er von Shikamarus Intelligenz er gewesen war. Am Anfang war ihm das noch peinlich gewesen, also hatte er einfach gegähnt und die ganze Sache mit einem Schulterzucken abgetan, doch eine kleine Flamme des Stolzes war da in seiner Brust, die mit jedem Lob größer wurde. Ein Lob von Asuma zu bekommen war anders, als ein Lob von seinen Eltern zu bekommen. Zum einen, weil sie rar waren – Yoshino verglich ihn immer mit seiner so aktiven Persönlichkeit, die er als Kind gehabt hatte, und Shikaku war ein zu großer Fan von Sarkasmus, um ihm ein vernünftiges Kompliment zu geben – aber auch, weil sein Lehrer kein bisschen dazu verpflichtet war ihn zu loben.
Als er irgendwann in einem Nebensatz erwähnte, dass er Shogi spielen konnte, hatte Asuma ihn herausgefordert. Shikamaru gewann jedes Spiel, denn sein Gegner war unglaublich schlecht darin. Das hieß aber nicht, dass sie aufhörten miteinander zu spielen. Anstatt zu gewinnen schien es Asumas Ziel zu sein, so viele Züge wie möglich zu machen, bevor er geschlagen wurde. Sein Rekord lag bei 7, was eine – für ihn – sehr gute Partie gewesen war.
Und so entwickelte sich langsam ihre Freundschaft. Irgendwie – und Shikamaru hatte nicht den blassesten Schimmer wie das angefangen hatte – wurden Ino und Chouji auch mit reingezogen. Wenn Asuma und er Shogi spielten, dann saßen seine beiden Freunde daneben und erzählten, was auch immer ihnen in den Kopf kam. Nach einer Weile kamen BBQ-Abende dazu und ehe Shikamaru sich versah, konnte er sich kaum seine kleine Gruppe wegdenken. Es war das erste Mal, seitdem er ein Kind war, dass er sich seine Energie nicht aufzuteilen schien. Er war einer der ersten, die Mirai im Krankenhaus besuchte, als sie geboren war. Er war auf Asumas und Kurenais Hochzeit gewesen; die nach der Geburt war, denn Kurenai hatte nicht wie ein Wal in Tüll aussehen wollen. Für eine Weile war alles einfach nur gut.
Bis er gestorben war.
Es war ein ganz normaler Tag gewesen – weder zu warm, noch zu kalt. Kein besonderes Datum. Eigentlich hätte nichts Besonderes passieren dürfen. Und doch war es passiert. Ein Autounfall mit Fahrerflucht. Es war so … banal und willkürlich. Es hätte jeden treffen können – und doch war es Asuma gewesen, der auf dem Weg nach Hause zu seiner Frau und seinem Kind war.
Die meisten dachten, dass Shikamaru am besten mit dem Vorfall umgehen konnte, immerhin sah er so emotionslos und gelangweilt wie immer aus. Shikamaru sagte dazu nichts – tatsächlich sagte er kaum etwas. Er machte auch kaum noch etwas, außer auf dem Dach zu liegen, Tag und Nacht, und mit Asumas alten Feuerzeug zu spielen. Er fühlte nichts, er wollte auch gar nichts fühlen. Aber wer bekam schon das, was er wollte? Shikaku hatte für seinen Zusammenbruch gesorgt. Ein Zusammenbruch, den er dringend gebraucht hatte. Shikamaru wusste nicht mal, dass er in der Lage war so zu weinen oder zu schreien. Danach hatte es noch Wochen gedauert, bis er über seinen alten Lehrer nachdenken konnte ohne, dass ihn die erschlagende Trauer überkam.
Shikamaru hatte gedacht, dass er wieder zu seiner typischen, gelangweilten Persönlichkeit zurückkehren würde, und das war auch für eine Weile passiert – aber dann kam Temari und ihre Familie. Wahrscheinlich hätte er der Prinzessin keine große Beachtung gezahlt, wenn er sie nicht vorher im Café getroffen hätte. Sie war die erste Kundin seit Langem, die mehr Motivation von ihm erwartet, nein, verlangt hatte. Halb Konoha kannte den faulen Barrista aus dem Café und sie kümmerten sich nicht darum, wie viel Energie er hatte, solange sie ihren Kaffee bekamen. Aber natürlich war Temari anders. Sie war wie eines der Mathe-Rätsel, die er von Asuma bekommen hatte, nur viel, viel komplizierter. Immer, wenn er dachte, dass er dahintergekommen war, kam ein neuer Teil dazu, der alles auf den Kopf stellte. Und ehe er sich versah, waren da auch noch die ganzen Gefühle, die alles durcheinanderbrachten. Egal wie sehr er auch versuchte – und wenn er ganz ehrlich war, dann hatte er es nicht besonders gut versucht – sein Energie-Sparmodus war nicht aktiviert, sobald es um Temari ging.
Und wie bei Asumas Tod fühlte er sich leer, als Temari weg war. Nur, dass sie nicht aus seinem Leben verschwunden war, aber das ganze Potenzial, das ganze Was wäre, wenn zwischen ihnen war verschwunden.
Seit seinem Gespräch im Bad mit Temari, seitdem er sie so absolut dämlich dazu herausgefordert hatte Naruto zu küssen, war alles dumpf um ihn herum geworden. Er bekam mit, wie Sasuke und Sakura miteinander diskutierten, genauso überrascht von der Verlobung wie alle anderen und genauso verwirrt. Ino versuchte mehrmals zu den beiden zu kommen, aber sie wurde immer wieder zurückgehalten. Hinata war verschwunden. Neji sah untypisch wütend aus. Niemand von ihnen verstand, was passiert war, aber sie sagten nichts. Sie wussten es besser, als vor der Presse einen Aufstand zu erregen.
Doch das Problem war, dass es eine internationale, königliche Verlobung war. Es war nichts, was man einfach ignorieren konnte. Egal wohin er seinen Kopf drehte, er sah ständig das glückliche Paar und das war mindestens genauso schlimm, wie die Verlobung live mitanzusehen. Glücklicher weise gehörte ihm ein Stück Wald, was niemand außer seiner Familie betreten durfte.
Drei Tage hatte er schon in dem Haus verbracht; ohne Fernsehen, ohne Internet, ohne Leute, die ihn fragten was los war. Einfach nur er, der Wald, die Hirsche – und seine Gedanken und Gefühle, die ihn fast in den Wahnsinn trieben. Ständig überdachte er jede Situation und Interaktion mit der Prinzessin und fragte sich, was davon wahr gewesen war. Wo bei dem Rätsel war er falsch abgebogen? Was hatte er übersehen? Denn das hier war überhaupt nicht die Lösung, die er erwartet hatte.
Seufzend schlenderte er aus dem Wald zurück zum Haus. Es war schon spät, die Sonne war schon lange untergegangen und am nächsten Morgen musste er das erste Mal seit ein paar Tagen wieder zur Arbeit. Was hieß, dass er auch wieder zurück in die Zivilisation musste – und damit würde er auch dem ganzen Medienrummel nicht mehr entkommen. Und jedes Mal, wenn er ein Bild von Temari sehen würde, würde da dieses stechende Gefühl in seiner Brust sein, das einfach nicht wegwollte, egal was er machte.
Als Shikamaru die Lichtung betrat, dauerte es einen Moment, bis er merkte, dass etwas falsch war. Zwei Hirsche standen vor dem Haus, den Blick auf das Gebäude gerichtet und angespannt. Das war untypisch. Sie bevorzugten das Dickicht des Waldes. Licht brannte im Haus, obwohl Shikamaru sich sicher war, dass er alles ausgeschaltet hatte. War es vielleicht Shikaku? Doch dann würden die Hirsche nicht Wache stehen.
Bevor er jedoch überlegen konnte, was er am besten machen sollte, öffnete sich die Tür und Temari trat heraus. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte er, er würde sie sich einbilden. Das war in den letzten Tagen schon öfters passiert. Aber sie sah anders aus – sie sah weder aus wie Prinzessin Temari, mit ihrer offenen Löwenmähne und der Designer-Kleidung, noch wie die normale Temari mit den vier Zöpfen, den kurzen Röcken und der Lederjacke. Ihre Haare waren zu einem hohen Zopf zusammengebunden, sie trug einen unförmigen Pullover und Jeans, in ihrem Ausschnitt hing eine Sonnenbrille. Hätte er sich nicht über die letzten Wochen jedes einzelne Detail über sie eingeprägt, hätte er sie nicht erkannt.
Sein Herz zog sich zusammen. Er dachte an ihr Date, an ihren Kuss – an Narutos Antrag und wie Temari ihn vor allen geküsst hatte. Für einen Moment dachte Shikamaru, er müsste sich jeden Moment übergeben.
Dann sah Temari ihn und kam zu ihm rüber, und er dachte wirklich er müsste sich übergeben. Verzweifelt versuchte er alle seinen Emotionen zurück in eine Ecke seines Körpers zu drängen, aber mit jedem Schritt, den sie näherkam, wurde es schwieriger.
„Sag Ino, sie soll aufhören“, sagte – nein, forderte sie.
„Du darfst nicht hier sein“, erwiderte er, weil es das erste war, was ihm einfiel. Das hier sollte ein sicherer Ort sein. Ein Ort ohne sie.
„Tja, bin ich aber.“
„Niemand außer der Nara-Familie darf hier sein.“
„Ich hab dich schon beim ersten Mal verstanden. Hast du verstanden, was ich gesagt habe? Pfeif Ino zurück.“
„Du darfst nicht hier sein“, beharrte er, denn es kam ihm in dem Moment sehr wichtig vor.
Etwas um Temaris Augen zuckte und sie stemmte ihre Fäuste in die Hüfte. „Dann hättest du mich gar nicht erst hierhin bringen sollen.“
Kurz sahen sie sich einfach an. Keine zwei Meter war zwischen ihnen und Trotz der Dunkelheit konnte Shikamaru die Reste von Make-Up auf ihrem Gesicht erkennen. Wahrscheinlich kam sie direkt von einem Pressetermin.
Plötzlich kam ihm ein ganz anderer Gedanke. „Wo sind deine Brüder und Baki?“, fragte er ohne den Blick von ihr zu nehmen.
„Ich bin alleine hier.“
„Alleine?“
„Ja, und? Glaubst du etwa, dass ich nicht in der Lage bin in einen Bus zu steigen und hier her zu fahren?“
Das verwunderte das Genie. Temari war niemand, der unnötige Sicherheitsrisikos einging und alleine hierhin zu kommen – und das auch noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln - war ein sehr großes Risiko, Kampferfahrung hin oder her. „Was willst du?“
„Hörst du mir überhaupt zu? Du sollst Ino sagen, dass sie aufhören soll!“
„Aufhören mit was?“
„Fragen zu stellen.“ Ihre Stimme war gepresst und Shikamaru vermutete, dass die Prinzessin am liebsten noch mehr gesagt hätte, aber sie hielt sich zurück.
Aus Gründen, die er nicht kannte, machte ihn das nur wütender. „Ich hab Ino nie gesagt, dass sie etwas machen soll. Sie ist ihre eigene Person und kann machen, was sie will.“
„Sie macht immer, was sie will, auch, wenn sie es lieber lassen soll.“ Temari atmete tief durch und machte noch ein paar Schritte auf ihn zu. „Ino sagt, dass sie erst aufhört, wenn du ihr sagst, dass sie aufhören soll. Also sag es ihr.“
„Warum sollte ich das machen?“
„Weil –“, fing sie an zu schreien, hielt sich dann aber zurück. Ihre Schultern bebten und es kostete Shikamaru einiges, um einfach stehen zu bleiben. Er wusste nicht, was genau passieren würde, sobald er sich bewegte, aber er wollte es auch nicht rausfinden. „Wenn Ino nicht von alleine aufhört Fragen zu stellen, dann wird sie dazu gebracht. Und das wird nicht schön werden. Also, kümmre dich um deine Freundin und stopp sie.“
„In Konoha gibt es Pressefreiheit.“
„Ach, glaubst du das wirklich?“, fragte Temari zurück und lachte einmal humorlos. Das Geräusch schickte einen Schauer über Shikamarus Rücken. „Jede Freiheit hat ihre Grenzen.“
Bevor Shikamaru zweimal über die Idee nachdenken konnte, sprach er sie schon aus. „Ich sag ihr, sie soll aufhören, wenn du mir die Wahrheit erzählst.“
Das schien die Prinzessin wirklich zu überraschen. Ihre geübte Miene rutschte einmal von ihrem Gesicht und er konnte kurz Panik sehen, die in ihren Augen aufflackerte. Vor seinem inneren Auge breitete sich ein neues Rätsel aus und wie von selbst fügten sich alle Teile, die er schon kannte, ein. Irgendetwas hatte er verpasst. Irgendetwas wichtiges.
Aber dann hatte sie, wie ein echter Profi, wieder alles unter Kontrolle. „Du kennst die Wahrheit.“
„Das ist nicht die Wahrheit. Jedenfalls nicht die ganze.“
„Wie oft muss ich es dir noch sagen, bis es in deinen Kopf ankommt? Ich liebe Naruto. Ich heirate Naruto. Das ist die Wahrheit.“
„Warum?“
„Warum was?“
Warum hast du dann mit mir geflirtet? Warum warst du auf einem Date mit mir? Warum hast du mich geküsst? Warum hast du so einen eisernen Griff um mein Herz, wenn ich dir eigentlich egal bin?
„Warum lügst du mich an?“
„Ich lüge dich nicht an.“
„Du liebst also Naruto?“
„Das sage ich doch die ganze Zeit.“
„Warum hast du mich dann geküsst?“ Die Frage schien Temari auf dem falschen Fuß zu erwischen, aber irgendetwas war in Shikamaru gebrochen. Er wollte Antworten. Und er wollte sie jetzt. Er wollte dieses Rätsel lösen, damit er endlich wieder Ruhe hatte. „Wenn du Naruto so sehr liebst, dass du seinen Antrag annimmst, warum hast du mich dann noch am Abend davor geküsst?“
„Ich hab dir gesagt, dass ich meine Zweifel hatte.“
„Also küsst du einfach irgendwen, um sie loszuwerden? Bedeutet dir ein Kuss so wenig?“ Sie antwortete nicht und Shikamaru machte drei Schritte auf sie zu. Jetzt standen sie beinahe Brust an Brust. „Wenn er dir nichts bedeutet, küsst du mich dann noch einmal?“
„Sei nicht bescheuert.“
„Wieso? Wer soll es mitbekommen? Wir sind hier vollkommen alleine.“ Um seine Worte zu verdeutlichen, deutete er mit einer Hand auf die Lichtung. Selbst die Hirsche waren inzwischen wieder verschwunden. „Ich werde es ihm nicht sagen.“
„Was ist los mit dir?“, zischte sie und schob ihr Kinn vor, allerdings machte sie keinen Schritt zurück. „Du verhältst dich nicht wie du selbst.“
„Du auch nicht, als du Narutos Antrag angenommen hast.“ Temari antwortete darauf nicht, sondern hielt einfach fest seinen Blick. In jedem anderen Moment hätte Shikamaru wahrscheinlich nachgegeben, aber sein Blut kochte gerade viel zu sehr, um aufzuhören. „Ich will, dass du endlich ehrlich zu mir bist.“
Kurz sah Temari ihn an und er dachte, dass sie ihm gleich eine verpassen würde.
Es kam anders.
In einer Sekunde funkelte sie ihn wütend an und in der nächsten küsste sie ihn, als würde ihr Leben davon abhängen. Fast noch merkwürdiger war jedoch, dass Shikamaru nicht mal einen Atemzug lang zögerte, bevor er den Kuss erwiderte. Beinahe als hätte sein Körper nur auf ein Signal von ihr gewartet.
Der Kuss jetzt hatte nichts mit dem im Planetarium zu tun. Der war vorsichtig gewesen, beide hatten herausfinden wollen, wo sie zueinanderstanden. Dieser hier? Der wurde angefeuert von rohen Gefühlen und war alles andere als vorsichtig. Zähne stießen gegeneinander, Temaris Hand krallte sich fast schon schmerzhaft in die Haare in seinem Nacken, ihre andere Hand zog viel zu stark an seinem T-Shirt, um ihn auf ihre Höhe zu bekommen. Shikamaru presste ihren Körper gegen seinen, wollte nicht mal die kleinste Möglichkeit bieten, dass sie gehen konnte.
Gierig sog er ihren Duft ein, alle seine Sinne fokussierten sich wieder nur auf Temari und jeder andere Gedanke schien unsinnig. Die Tatsache, dass sie verlobt war, war auf einmal lachhaft. Wie konnte sie mit jemand anderem verlobt sein, wenn sie ihn so küsste? Wenn sie offensichtlich so starke Gefühle für ihn hatte – was auch immer diese Gefühle waren. Eine Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass er es später bereuen würde. Eine andere erinnerte ihn, dass es mehrere Betten im Haus gab. Noch eine andere fragte, wozu er ein Bett brauchte, wenn unter ihnen stabiler Boden war. Doch die lauteste Stimme sagte immer nur Temari Temari Temari TemariTemariTemariTemariTemari, völlig unfähig sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Also tat Shikamaru es auch nicht.


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Das war’s!
Ich weiß, dass es wieder viel Gefühlszeug war und innerer Monolog von Shikamaru, aber ich wollte auch etwas über Asuma in die Geschichte einbringen und das schien mir der beste Platz. Ich freu mich schon wahnsinnig auf das nächste Kapitel! Habt ihr schon irgendwelche Vermutungen, was passieren könnte? ;)

Danke fürs Lesen!
Jun
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