Keine Jungfrau in Nöten

von Jun-K
GeschichteDrama, Romanze / P16
Gaara Ino Yamanaka Kankuro Naruto Uzumaki Shikamaru Nara Temari
01.06.2017
01.08.2019
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Hey!


Da ich morgen nicht so viel Zeit habe, hab ich mir gedacht, dass ich das Kapitel einfach mal einen Tag früher poste. Das nächste kommt dann im August.

Viel muss zu dem Kapitel auch nicht gesagt werden. Es geht genau da weiter, wo das letzte aufgehört hat, und dieses Mal ist es aus Shikamarus Sicht.

Viel Spaß! :)


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Als wäre Shikamarus Tag nicht nervig genug gewesen, bevor die anstrengende Frau aufgetaucht war.
Man musste sie nur angucken, um zu wissen, dass sie Ärger machen würde. Ganz offensichtlich war sie nicht aus Konoha oder dem Feuerreich, denn niemand trug zu dieser Jahreszeit Lederjacke und Minirock, dafür war es viel zu kalt. Ihre Aussehen war zu exotisch, mit der von der Sonne gebräunten Haut, den fast schon türkisen Augen und den goldenen Haaren, die zu vier Zöpfen geteilt waren. Niemand in Konoha sah so aus.
Was nicht unbedingt ein Kompliment war.
Mit den Augen folgte er ihr. An ihrem Auto wartete ein Mann, der das gleiche exotische Gesicht hatte, ebenfalls zu dünn angezogen war und ein paar Worte mit ihr wechselte. Sie reichte ihm nur einen Kaffee und Muffin, bevor sie ins Auto stieg. Shikamaru hatte das Gefühl sie schon einmal gesehen zu haben, aber er kam einfach nicht drauf wo. Bestimmt nicht hier in Konoha. Allerdings war er noch nie irgendwo anders gewesen.
Als das Auto weggefahren war, sah sich Shikamaru noch einmal im Café um. Es war nicht so viel los wie sonst, gerade kurz vorm Wochenende, was hauptsächlich an den ganzen internationalen Gästen lag. Konoha bekam ab und zu Besuch von ausländischen, wichtigen Persönlichkeiten, aber nie so viele auf einmal. Morgen Abend sollte es eine Gala zu Ehren des Kazekages geben und viele Botschafter anderer Ländern packten die Gelegenheit am Schopf, um ihre Beziehungen zueinander zu stärken. Außerdem sah man den Kazekage nur selten zusammen mit allen seinen Kindern, deswegen wurde ein noch viel größerer Aufwand gemacht.
Um ehrlich zu sein verstand Shikamaru den ganzen Aufstand nicht. Immerhin waren sie auch nur Menschen. Die mächtigsten Menschen des ganzen Windreiches, aber auch nur Menschen. Seit Jahren kannte Shikamaru nun schon Naruto und es stellte sich heraus, dass er auch nur mit Wasser kochte. Klar, er wohnte in einem Palast und würde Hokage werden, aber an sich war er normal. Na ja, so normal wie Naruto eben sein konnte.
Seufzend sah Shikamaru einmal auf die Uhr. Er konnte es kaum erwarten, dass seine Schicht zu Ende war, damit er sich endlich wieder mit Sachen beschäftigen konnte, die er mochte. Wie Wolken beobachten oder schlafen. Seine Mutter hatte ihn gezwungen, sich einen Job zu suchen. Sie sagte zwar, dass es seinen Charakter stärken sollte, doch Shikamaru war sich sicher, dass sie nur wollte, dass er mehr Leute in seinem Alter traf. Am besten noch eine Freundin.
Er bezweifelte sehr, dass das passieren würde.
Mädchen waren einfach so anstrengend. Immer in Herden unterwegs, immer kichernd und tuschelnd, sie verbreiteten Gerüchte, wer etwas mit wem hatte und waren aufeinander eifersüchtig, obwohl sie das nie zugeben würden. Natürlich gab es auch noch die Ausnahmen. Da waren zum Beispiel die schüchternen Mädchen, die kaum ein Wort sprachen. Oder die schlimmste Sorte von allen: die herrischen und besonders anstrengenden Frauen. So wie das Mädchen vorhin. Eigentlich versuchte er, solche Frauen zu meiden, aber es schien, als wäre diese Art von Frau am häufigsten in seinem Leben vertreten.
Die Glocke an der Tür läutete wieder und Shikamaru sah lustlos hoch. Wenn man vom Teufel sprach …
„Shikamaru“, sang seine Kindheitsfreundin, während sie zum Tresen stolzierte. Ohne etwas zu sagen, fing Shikamaru an, ihren üblichen Kaffee zu machen – einen Latte Macchiato mit einem Schuss Karamell-Sirup. „Hey! Bekomme ich gar kein 'Hallo Ino, schön dich zu sehen, du siehst fantastisch aus'?“
„Hallo Ino, schön dich zu sehen, du siehst fantastisch aus“, sagte Shikamaru routiniert.
„Danke“, flötete sie und grinste breit. Sie kannten sich, seitdem sie denken konnten, inzwischen war sie an seine Langeweile und Lustlosigkeit gewöhnt.
Ino Yamanaka war die Erbin des erfolgreichsten Blumengeschäfts in ganz Konoha. Jedenfalls hatte es mal als Blumengeschäft angefangen, inzwischen bekam man dort alles, was das Gärtnerherz begehrte und war weit über die Grenzen des Feuerreiches bekannt. Ihr – sehr langer – blonder Pferdeschwanz schwang bei jeder Bewegung hin und her.  
„Ich brauch deine Hilfe“, sagte sie, als er ihr den Latte rüber schob. Fragend hob er eine Augenbraue. Solche Aufforderungen endeten nie gut. „Welches Kleid soll ich zur Gala morgen tragen?“
Shikamarus Seufzen ignorierte Ino – er hatte so die Vermutung, dass sie mit den Jahren resistent gegen seine Lustlosigkeit geworden ist – und zog ihr Handy aus der Tasche. Eine von Inos größten Leidenschaften war Mode und absurder weise hatte sie sich eingeredet, dass seine Meinung ihr in der Sache wichtig war. „Ist Sakura dafür nicht besser geeignet?“
„Ich brauch eine männliche Meinung“, sagte sie als wäre es die offensichtlichste Sache der Welt, während sie auf dem Bildschirm herum wischte, um die Bilder zu finden.
Naruto hatte sie alle zu der Gala eingeladen, so wie er sie zu fast jeder Veranstaltung einlud. Sie hatten die Schulbank zusammen gedrückt und über die Jahre waren sie Freunde geworden. Er hatte einmal gesagt, dass er wenigstens seine Freunde einladen konnte, wenn er schon ständig irgendwelche Empfänge geben musste. Ino hatte diese Nachricht mehr als nur gefreut und nahm es als Ausrede, um sich ein neues Kleid nach dem anderen zu kaufen, wofür sie von den Boulevardzeitungen auch immer gelobt wurde. Shikamaru war von dem ganzen Trubel weniger begeistert.
„Du hast zig gute Kleider in deinem Schrank. Nimm einfach davon eins.“
„Ich kann keines davon tragen! Die hatte ich alle schon so oft angehabt“, seufzte Ino und sah ihn strafend an.
„Wo liegt das Problem?“
„Also dafür, dass du angeblich ein Genie bist, verstehst du manche Sachen ziemlich schlecht.“ Shikamaru bemühte sich nicht einmal um eine Antwort. „Wichtige Leute aus allen Reichen werden da sein. Da kann man nicht einfach irgendetwas tragen, sondern man muss sie beeindrucken.“ Langsam breitete sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht aus und Shikamaru wusste schon, was jetzt kommen würde. Innerlich seufzte er. „Wer weiß? Vielleicht ist Shiho ja auch da.“
„Ino, hör auf damit“, grummelte er.
„Womit?“
„Versuchen, mich mit Shiho zu verkuppeln.“
„Aber ihr würdet so gut zueinander passen“, schmollte Ino mit ihren großen, blauen Augen. „Es wird mal Zeit, dass du eine Freundin bekommst. Außerdem hast du immer gesagt, dass du ein einfaches, unkompliziertes Mädchen willst. Natürlich ist Shiho nicht so hübsch wie ich, aber ich bin mir sicher, dass sich hinter dieser dicken Brille auch etwas Hübsches versteckt. Und wenn sie erst einmal ihre Haare etwas -“
„Es reicht jetzt“, sagte Shikamaru bestimmt.
Ino versuchte schon seit einiger Zeit die beiden zusammenzubringen. Seitdem sie vorletztes Jahr in der Schule ein Projekt zusammen gemacht haben und Shiho jedes mal rot angelaufen war, als sie Shikamaru angesehen hatte, hatte Ino sich in den Kopf gesetzt, dass sie perfekt füreinander waren. Wieso? Sie waren beide schlau. Shihos Familie gehört die größte IT-Firma in ganz Konoha und Shikamaru hatte selbst miterlebt, wie geschickt sie im Programmieren war. Eines Tages würde sie die Firma übernehmen müssen und er war sich sicher, dass es ein Kinderspiel für sie werden würde.
Shiho war nett und einfach, also damit genau das, was sich Shikamaru wünschte. Das Problem war, dass er einfach nichts für sie fühlte. Es war nicht so, dass er nie über die Möglichkeit einer Beziehung mit ihr nachgedacht hatte, immerhin passte sie in das, was er wollte. Allerdings war er ebenfalls der Ansicht, dass eine Beziehung auf gegenseitiger Zuneigung beruhen sollte, und die fehlten bei ihm einfach.
Die nächsten fünf Minuten zeigte Ino ihm ein Bild nach dem anderen von Kleidern, die sie gut fand und in Erwägung zog, während er nur kurze Kommentare abgab. In solchen Momenten war Shikamaru immer glücklich, ein Kerl zu sein. Ein einfacher, schwarzer Anzug und fertig.
Als er zum dritten Mal gähnte, schlug sie ihm einmal gegen die Schulter. „Shikamaru, das ist wichtig für mich!“
„Du wirst in jedem Kleid gut aussehen. Nimm einfach irgendeines.“
„Aber es muss das richtige Kleid sein. Immerhin wird die Prinzessin von Suna da sein, da kann ich nicht irgendetwas tragen. Stell dir nur vor, was passieren würde, wenn ich besser als sie aussehe. Sie würde kein Wort mit mir wechseln. Und wenn ich etwas zu schlichtes trage, dann wird sie mich nicht einmal beachten.“ Dramatisch schüttelte Ino den Kopf. Sie hatte schon immer einen Hang zum Dramatischen gehabt.
Einen Augenblick lang sah Shikamaru seine Freundin nur unverständlich an. „Ino“, sagte er schließlich langsam. „Sie ist auch nur ein Mädchen aus Suna.“
„Nicht ein Mädchen aus Suna, die Prinzessin“, betonte sie. „Und ich will sie kennenlernen. Klar, Naruto ist der Kronprinz und alles, er ist ja auch ganz cool, aber hast du schon mal von den Königskindern aus Suna gehört? Das ist ein ganz anderes Level.“
Shikamaru – zu faul, um darüber zu diskutieren – zuckte einfach mit den Achseln. „Du kannst ja morgen sehen, ob das wirklich stimmt.“
„Und dafür brauch ich das perfekte Kleid“, sagte sie und wandte sich damit wieder den Bildern zu. Shikamaru seufzte ein letztes Mal.

**********


Shikamaru war schon öfter als ihm lieb war in dem Ballsaal des Palastes gewesen, doch so geschmückt wie jetzt war er noch nie gewesen. Die Wände waren mit roten und grünen Bannern geschmückt, die das Feuer- und Windreich repräsentieren sollten. Jede gläserne Flügeltür war geputzt und geöffnet worden, sodass die Gäste auf den großen Balkon gehen konnten, von dem man einen hervorragenden Blick auf den großen Garten hatte, der über und über mit Lichtern geschmückt war. Jeder einzelne Kronleuchter war poliert worden und warf ein sanftes Licht auf die ganze Szene. Ein Streichquartett spielte leise in einer Ecke des Saals.
Obwohl der Saal riesig war, war er fast zu klein für all die Gäste, die gekommen waren. Jeder, der einen Rang und Namen hatte, war gekommen: Botschafter, Geschäftsführer, Vertreter königlicher Familien anderer Reiche, Reporter von verschiedenen Zeitungen und Kanälen und, und, und. Anscheinend wollte jeder den Kazekage mit seinen Kindern sehen.
Was nicht verwunderlich war. Das Windreich war weit im Westen und bestand zum Großteil nur aus Wüste. Genau das schottete Suna – was mehr oder weniger zentral im Land lag – ziemlich von den anderen Metropolen ab. Es reichte für einen regelmäßigen Handel, doch an sich war das Reich immer sehr in sich gekehrt gewesen. Außerdem war da immer noch die jahrhunderte alte Feindseligkeit zwischen dem Feuer- und Windreich. Es hatte einen Krieg zwischen ihnen gegeben, blutig und brutal und schon sehr, sehr lange her. Doch obwohl sie Friedensverträge und Handelsabkommen hatten, hatte keines der beiden Länder große Annäherungsversuche unternommen.
Bis jetzt.
„Komm schon, Shikamaru“, sagte Chouji und aß das fünfte Mini-Sandwich, die serviert wurden. „Zieh nicht so ein Gesicht. Es wird bestimmt witzig. Bist du nicht aufgeregt?“
Shikamaru gähnte und kratzte sich am Kopf. Das war alles, was Chouji als Antwort bekam und er gab sich damit zufrieden. Chouji Akimichi war neben Ino sein bester und ältester Freund. Seine Familie war berühmt für ihre Sumo-Ringer und Chouji hatte dieselbe Statur, doch sein Herz war am rechten Fleck. Er konnte nicht mal einer Fliege etwas antun. Wie Shikamaru trug er seinen dunklen Anzug mit einer roten Krawatte – Shikamarus war grün – und seine langen, braunen Haare waren zurückgekämmt.
„Kannst du nicht einmal aufhören, zu essen?“, fragte Ino hibbelig. „Du machst mich ganz nervös.“
Ich mach dich nervös?“, fragte Chouji und blickte vielsagend auf ihr Rumgehüpfe, doch sie ignorierte das einfach. Nach einem Hin und Her hatte sie sich für ein hellblaues Kleid mit nur einem Träger entschieden – nicht, dass Shikamaru bei der Entscheidung irgendwie geholfen hätte. Er hatte quasi schon geschlafen.
„Hat jemand Sasuke gesehen? Ich hab gehört, dass er auch kommt“, sagte sie und sah sich in der Menge nach ihm um.
Sasuke Uchiha war schon seit der Schulzeit der begehrteste Junge im ganzen Dorf gewesen. Ehrlich gesagt, wusste Shikamaru nicht, warum alle so auf ihn standen, denn besonders nett war er zu keinem der Mädchen. Er gehörte zu der mysteriösen Sorte, die kaum redete und nie auch nur schmunzelte. Die Uchiha-Familie war eine sehr hoch angesehene und einflussreiche Familie in Konoha, die das Militär und die Polizei dominierten. Sasukes Eltern waren allerdings vor einigen Jahren gestorben und er behauptete, dass sein älterer Bruder Itachi dafür verantwortlich war, der seitdem aber nicht mehr in Konoha gesehen wurde. Die ganze Geschichte schien ihn nur noch begehrter bei den Frauen zu machen.
„Hey, Leute!“ Die drei drehten sich um, um Naruto zu begrüßen, der auf sie zukam. Seine blonden Haare waren gekämmt, aber nicht gezähmt, worden und seine blauen Augen waren ungewöhnlich nervös. Anders als die meisten männlichen Gäste trug Naruto keinen schwarzen Anzug, sondern die königliche Uniform: Eine rote Militärjacke mit goldenen Ornamenten, eine weiße Schärpe, dunkelblaue Hose und schwarze Stiefel.
„Hey Naruto“, sagte Ino grinsend. „Du siehst gut aus.“
„Ich schwöre euch, der Kragen ist so eng, dass ich noch ersticken werde“, sagte Naruto und zog einmal an dem fast unbeweglichen Kragen. „Und? Seid ihr auch so gespannt auf den Adel aus Suna?“
Naruto hatte es nicht einfach gehabt. Nach dem Tod seiner Eltern hatte Jiraiya, der alte Lehrer und gute Freund seines Vaters, die Vormundschaft für Naruto übernommen, wenn auch etwas verspätet. Er gab ständig sein Bestes, um ihn auf den Thron vorzubereiten. Doch anstatt dass Naruto sich einfach den strengen Vorschriften, Gesetzen und hohen Erwartungen fügte, hat er angefangen zu rebellieren, was ihm ziemlichen Mist eingebrockt hatte. Irgendwann hatte er aber die Kurve gekriegt und gab seitdem alles, um die verlorene Zeit wieder gut zu machen. Er war wohl auch der einzige Mensch, der genug Energie dafür hatte.
„Hast du den König und seine Kinder gestern nicht schon getroffen?“, fragte Chouji.
„Nein, noch nicht. Ich soll sie auch erst jetzt sehen, irgendetwas von wegen alte Traditionen oder so was.“ Gleichgültig winkte Naruto ab, stoppte dann plötzlich und beugte sich langsam zu ihnen vor. „Ich hab gehört, dass sie in Wirklichkeit Auftragskiller sind.“
„Nicht wahr!“, quietschte Ino. Sie liebte Tratsch. „Eine Prinzessin, die eine undercover Assassine ist? Wie cool!“
„Sei nicht lächerlich“, murmelte Shikamaru. „Kein Adliger ist ein Auftragskiller.“
„Aber sie wurden zu welchen ausgebildet! Ich hab im Internet etwas nach ihnen gesucht und einen Blog von einer Schülerin aus Suna gefunden. Sie hat geschrieben, dass sie wirklich gefährlich sind und jeder, der sie auch nur das kleinste bisschen nervt, stirbt auf mysteriöse Weise.“ Todernst sah Naruto sie an, aber Shikamaru glaubte kein Wort. Das waren wahrscheinlich alles nur Gerüchte, die irgendein eifersüchtiger Schüler in die Welt gesetzt hatte. Immerhin behaupteten auch genug Leute, dass ein alter Dämon in Naruto eingesperrt war.
„Naruto.“ Narutos Bodyguard und Sicherheitschef, Kakashi Hatake, trat zu ihnen heran. Ausnahmsweise trug er nur einen schlichten Anzug anstatt den großen Mantel, dessen Kragen die untere Hälfte seines Gesichtes verdeckte. „Sie kommen gleich.“
Ino quietschte einmal vor Freude, während Naruto sie alle noch einmal angrinste, bevor er mit Kakashi mitging. Shikamaru sah zu seinem Vater, der ihm mit einem Kopfnicken sagte, dass er auch rüberkommen sollte. „Wir sehen uns.“
Ohne auf die Antwort seiner beiden besten Freunde zu warten, schlurfte Shikamaru zu seiner Familie rüber. Sein Vater, Shikaku Nara, war einer der schlausten Köpfe in ganz Konoha und Berater von Jiraiya und auch Naruto. Shikamaru hatte nicht nur sein Aussehen geerbt, sondern auch sein Hirn. Alle erwarteten, dass Shikamaru später seine Position übernehmen würde und so wie es aussah, würde Naruto auch jede Hilfe brauchen. Wegen dem Berufs seines Vaters stand Shikamaru mit seinen Eltern sehr weit vorne, direkt in der ersten Reihe.
„Shikamaru!“, sagte seine Mutter Yoshino wütend, als sie ihn sah. „Richte deine Krawatte. Du willst doch nicht, dass der Kazekage dich so sieht.“ Bevor Shikamaru auch nur seine Hand heben konnte, richtete Yoshino schon seine Krawatte. Wenn auch etwas forscher als sonst.
„Wie anstrengend“, nuschelte er leise, wofür er von seiner Mutter einen bösen Blick und von seinem Vater ein Schmunzeln bekam.
„Und stell dich gefälligst gerade hin.“ Sie stieß ihn einmal kurz in die Seite, woraufhin sich Shikamaru aufrichtete. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, warum sein Vater so eine Frau geheiratet hatte.
Jiraiya redete noch einmal mit Naruto, der jetzt noch nervöser aussah als vorher. Da Jiraiya nur ein guter Freund der königlichen Familie war und nicht zu ihnen gehörte, durfte er nicht die rote Uniform tragen, stattdessen trug er einen schwarzen Smoking, die langen, weißen Haaren wie immer in einem Zopf. Er gab dem Streichquartett ein Zeichen, auf das sie aufhörten zu spielen. Alles verstummte und die Atmosphäre änderte sich. Jeder war neugierig auf den Kazekage und seine Kinder.
„Sehr geehrte Gäste“, sagte Jiraiya mit einer ausladenden Handbewegung. „Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen. Sie alle wissen, für wen dieser Empfang ist, deswegen will ich Sie nicht weiter auf die Folter spannen. Meine Damen und Herren, Seine Majestät Kazekage Rasa und die Hoheiten Prinzessin Temari, Prinz Kankuro und Prinz Gaara!“
Das Streichquartett spielte Sunas Nationalhymne und alle fingen an zu klatschen. Die großen Flügeltüren am anderen Ende des Saales öffneten sich, doch Shikamaru konnte nur braune Haarschöpfe erkennen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich Ino ungeduldig auf ihre Zehenspitzen stellte.
Keine Minute später erreichten die Ehrengäste die Bühne. Kazekage Rasa trug einen faltenfreien Nadelstreifenanzug mit Krawatte und einer Schärpe mit einem aufgestickten Suna Symbol quer über der Brust. Seine Haltung war steif und der Ausdruck in seinen Augen ziemlich kalt. Prinz Kankuro, der seinem Vater vom Aussehen als auch von seinem Gesichtsausdruck sehr ähnlich sah, und Prinz Gaara, der deutlich schmächtiger und blasser war, trugen beide die traditionelle Männerkleidung des Windreiches. Eine weite dunkle Hose, ein ebenfalls weites, beiges, schlichtes Hemd und eine reich bestickte – als Zeichen ihres königlichen Blutes – Schärpe.
Als Shikamaru die Prinzessin sah, musste er einmal blinzeln, denn er war sich nicht sicher, ob er seinen Augen trauen konnte.
Sie hatte gebräunte Haut, ihre blau-grünen Augen waren dunkel umrandet, die goldenen Haaren fielen offen über ihre Schultern. Wie ihre Brüder hatte sie die traditionelle Variante gewählt. Es war ein langer lilaner Rock mit einem dazu passendem Oberteil – Shikamaru konnte sehen, dass es zu kurz war, um ihren ganzen Bauch zu bedecken – und ein langes, besticktes Tuch wandte sich locker um ihren Oberkörper und fiel über eine Schulter den Rücken hinunter. Mehrere Armbänder klapperten an ihren Handgelenken, eine Kette, die ziemlich schwer aussah, lag auf ihrem Dekolletee und an ihren Ohren hingen funkelnde lange Ohrringe.
Es bestand kein Zweifel, dass sie das Mädchen aus dem Café war. Mit der Lederjacke und den vier Zöpfen hätte er sie fast nicht erkannt. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war aber derselbe.
Kein Wunder, dass sie mir bekannt vorkam, dachte Shikamaru.
Im Hintergrund entdeckte er den glatzköpfigen Mann, den er am Auto der Prinzessin gesehen hatte. In einem dunklen Anzug stand er da, die Arme hinter dem Rücken verschränkt und seine Augen suchten unablässig die Massen ab.
Während alle Gäste noch klatschten und die vier musterten, verbeugte sich Jiraiya einmal vor ihnen, woraufhin der König nur einmal mit seinem Kopf nickte. Seine Söhne deuteten eine Verbeugung an und die Prinzessin machte einen kleinen Knicks. Der Kazekage streckte Naruto seine Hand entgegen, die er einmal drückte, bevor Naruto die Prinzen mit einem Händedruck und die Prinzessin mit einem Handkuss begrüßte. Naruto, der sonst immer sehr gelassen war, wenn es darum ging neue Leute kennenzulernen, wirkte so nervös wie nie und sah ziemlich blass aus. Er hatte auch allen Grund dazu. Shikamaru war sich nicht sicher, ob die Adligen aus Suna wirklich so genervt waren oder ob es eine Suna-Tradition war, komplett emotionslos und ernst zu gucken.
Kazekage Rasa wandte sich an das Publikum gerade als das Streichquartett den letzten Ton spielte. „Vielen Dank für die warme Begrüßung“, sagte er, obwohl er so aussah als wäre er am liebsten ganz woanders. „Wir sind alle sehr froh, hier sein zu dürfen und fühlen uns geehrt, dass Sie alle gekommen sind, um uns zu empfangen. Sicherlich wird unser Aufenthalt hier sehr angenehm werden.“ Die Gäste fingen wieder an zu klatschen, doch es klang um einiges gezwungener. Dem König schien das nichts auszumachen, denn er drehte sich einfach zu Jiraiya und unterhielt sich leise mit ihm.
Naruto versuchte währenddessen sein Glück mit den Königskindern. Selbst von seinem Platz aus konnte Shikamaru erkennen, dass es nicht gut lief. Es war auch nicht einfach, wenn der Gegenüber keine einzige Miene verzog.
„Lächeln sie denn jemals?“, fragte Yoshino. Shikaku grummelte nur eine Antwort, während Shikamaru sich allerdings dieselbe Frage stellte.
„Er wird uns vorstellen“, sagte Shikaku, der fast schon gelangweilt zu dem Spektakel auf der Bühne sah.
Für einen Moment verfiel Shikamaru in Panik. Seine erste Begegnung mit der Prinzessin war nicht gerade glatt verlaufen und sie hatte ziemlich genervt gewirkt. Typisch, dass einer seiner nervigsten Kunden auch noch die Prinzessin von Suna war. Das war genau seine Art von Glück.
Sein Vater behielt Recht. Nachdem Naruto ein paar Worte mit ihnen gewechselt hatte – Shikamaru hatte nicht gesehen, wie auch nur einer von ihnen antwortete – deutete er auf die Nara-Familie, die am nächsten stand. Yoshino stupste sowohl ihren Sohn als auch ihren Ehemann einmal an, was so viel hieß wie stellt euch gefälligst gerade hin. Naruto kam mit einem Grinsen zu ihnen rüber, offensichtlich ziemlich angetan davon, nicht mehr mit den drei Geschwistern alleine zu sein. Hinter den Vieren ging mit etwas Abstand der glatzköpfige Bodyguard. Shikamaru versuchte, nicht in die Richtung der Prinzessin zu gucken und sah stattdessen zu ihren Brüdern. Die sahen auch nicht begeisterter aus als sie.
Von Nahem konnte er erkennen, dass die drei dünne, goldene Kopfbänder trugen, an denen Edelsteine hingen. Während ein einziger, großer Smaragd auf der Stirn der Prinzen ruhte, zierten viele kleine Steine die Stirn der Prinzessin. Es war die Suna-Variante der typischen Krone oder des Diadems.
„Darf ich euch einen meiner engsten Berater vorstellen“, sagte Naruto sobald sie angekommen waren. „Shikaku Nara, der wohl schlauste Mann in Konoha, seine Frau Yoshino und sein Sohn Shikamaru.“
Shikaku und Shikamaru verbeugten sich beide, während Yoshino einen Knicks machte. Die Prinzen und Prinzessin nickten einmal.
„Es ist eine Freude Sie kennenzulernen“, sagte Prinz Kankuro mit einem gezwungenen Grinsen. „Ich bin mir sicher, dass Sie Prinz Naruto gut beraten.“
„Ich gebe mein Bestes“, antwortete Shikaku bescheiden.
„Ach, ohne ihn wäre ich verloren“, lachte Naruto, ganz offensichtlich erleichtert, dass der Prinz etwas gesagt hatte.
Shikamaru konnte den fast schon brennenden Blick der Prinzessin auf sich spüren und er machte den Fehler, einmal zu ihr zu schielen. Der Ausdruck in ihren Augen sprach Bände. Er schluckte kurz. Es war einer dieser Blicke, die einen töteten, im Garten vergruben und behaupteten, sie hätten dich nie gekannt.
Anscheinend hatte sie ihn nicht vergessen.
„Shikamaru?“, fragte sie gefährlich leise. Ihre Brüder und Naruto sahen sie einmal verdutzt an.
„Äh“, stammelte Naruto. „Kennt ihr euch?“
Für eine Sekunde sah es so aus, als würde sie etwas sagen wollen, aber bevor sie den Mund aufmachen konnte, stieß Prinz Kankuro sie einmal an. Es sah beiläufig aus, als hätte er sein Gewicht verlagert und sie deswegen berührt. Doch da sie bis dahin alle völlig steif gewesen waren, fiel es ihm auf.
Statt etwas zu sagen, lächelte die Prinzessin. Es war kalt und erreichte ihre Augen nicht. „Nein. Ich wollte nur sichergehen, dass ich es richtig verstanden habe. Es freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.“ Sie sprach mit einem starken Akzent, wobei Shikamaru sich sicher war, dass es nur eine Show war. Am Tag zuvor hatte sie keinen gehabt.
„Es gibt noch viele andere Gäste, die wir begrüßen müssen“, entschuldigte Prinz Kankuro und so verbeugten die drei sich einmal kurz, bevor sie sich umdrehten, um zu gehen. Prinzessin Temari warf Shikamaru noch einen bösen Blick über die Schulter zu. Naruto seufzte einmal, beeilte sich dann aber, um hinter ihnen herzukommen.
„Kann ich zu meinen Freunden?“, fragte Shikamaru, bevor seine Eltern auch nur die Chance hatten, ihn zu fragen, was das mit der Prinzessin sollte. Sobald sein Vater genickt hatte, machte er sich auf die Suche nach Ino und Chouji.
Lange musste er nicht nach ihnen suchen, denn Ino fand ihn innerhalb von Sekunden. Ihre manikürten Nägel bohrten sich in seinen Arm und sie sah ihn aufgeregt an. „Oh mein Gott! Du hast sie kennengelernt!“
„Entspann dich, Ino“, sagte Shikamaru und versuchte ihre Nägel aus seinem Arm zu lösen.
„Sie sind etwas gruselig, nicht wahr?“, fragte Chouji, der ausnahmsweise nichts zu essen in der Hand hatte. „Kein Wunder, dass sie angeblich Assassine sein sollen. Kann man sich gut bei ihnen vorstellen.“
Etwas gruselig ist noch untertrieben, dachte Shikamaru, bekam aber keine Chance zu antworten.
„Was war das mit dir und der Prinzessin?“, fragte Ino neugierig und hatte die Augenbrauen zusammengezogen.
„Was meinst du?“
„Na, das vorhin.“
„Sie hat nur meinen Namen gesagt.“
„Nein, sie hat dich angeguckt!“
„Sie hat uns alle angeguckt.“
„Nein, sie hat dich angeguckt. Als würde sie dich kennen oder so.“
Shikamaru verdrehte einmal seine Augen, aber innerlich wurde er etwas panisch. Ino war schon immer gut darin gewesen, Menschen zu lesen und Signale aufzufangen und wenn sie auf die Entfernung etwas mitbekommen hatte, dann hatten das andere Leute auch. Das würde noch nervig werden … „Wo soll ich denn bitte die Prinzessin von Suna getroffen haben? Bei der Arbeit etwa?“
Einen Moment dachte Ino darüber nach und kam dann wohl zu dem Schluss, dass die Prinzessin bestimmt nicht selbst ihren Kaffee kaufen würde. Als sie sich umdrehte, um zu sehen, wen Naruto den Adligen aus Suna gerade vorstellte, fiel Shikamaru ein Stein vom Herzen. Er hoffte, dass die Prinzessin in Zukunft wo anders ihren Kaffee kaufen würde.
Und dass er nie mit ihr allein sein würde. Nur für den Fall, dass Naruto Recht hatte und die drei wirklich Auftragskiller waren.



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Das war's! :)
Ich hoffe, es hat euch gefallen.
Falls ihr euch die sunagakurische Kleidung nicht so gut vorstellen könnt, googelt mal ein paar Bilder von Saris, dann bekommt ihr vielleicht ein besseres Bild.
Im nächsten Kapitel haben Shikamaru und Temari ihre nächste Unterhaltung und es wird etwas blutig ;)

Danke für's Lesen!
Jun
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