Keine Jungfrau in Nöten

von Jun-K
GeschichteDrama, Romanze / P16
Gaara Ino Yamanaka Kankuro Naruto Uzumaki Shikamaru Nara Temari
01.06.2017
01.08.2019
30
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Hey!


Das ist meine erste Geschichte hier, die mehr als ein Kapitel hat, und ganz fertig bin ich noch nicht mit ihr. Deswegen wird es erstmal einmal im Monat ein Update geben, bis ich sie fertig habe, dann wesentlich schneller.

Ich will nicht zu viel spoilern, deswegen werde ich immer am Ende jedes Kapitels ein bisschen was schreiben, entweder über die Länder oder wie ich mir bestimmte Sachen vorstelle und so weiter, denn weil es nicht in der Shinobi-Welt spielt, musste ich einige Änderungen vornehmen. Ihr müsst es nicht lesen, allerdings finde ich, dass es dem allgemeinen Verständnis hilft und ein etwas besseres Bild malt.
Was ich schon mal sagen kann: Temari ist 23, Shikamaru 20, es spielt im Frühling und dort ist es üblich, dass man nachdem man seinen Schulabschluss hat, ein Jahr Pause macht, bevor man mit der Uni anfängt. Ich hab meine Gründe dafür, aber dazu sag ich wann anders noch mal was.

Wie fast immer geht ein Dankeschön an Aya Akira, die das Kapitel gelesen hat und mir nicht nur bei der Grammatik, sondern bei Gaaras Charakter geholfen hat.

Viel Spaß! :)


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Temari liebte die Sonne. Nicht nur wegen ihrer Helligkeit und Wärme – sie wohnte in der Wüste, sie hatten Hitze genug –, sondern wegen ihrer Kraft. Unverzichtbar für das Überleben, doch wenn man zu nah kam, verbrannte man. Mit jedem einzelnen Sonnenstrahl konnte man diese Macht spüren.
Früher hat Temari sich immer gewünscht, wie die Sonne zu sein. Mächtig, warm, überlebensnotwendig für die Menschen, doch trotzdem irgendwie unnahbar. Allerdings hatte sie schnell gelernt, dass sie nicht die Sonne war.
Ihr Vater war die Sonne, Kazekage Rasa.
Der König des Windreiches.
Er hatte so einige Titel. Vater des Jahres war keiner davon.
Der Kazekage war der mächtigste Mann des ganzen Landes und er verhielt sich auch genauso. Es gab keine Ausnahmen, keine noch so kleine Biegung des Gesetzes und vor allem duldete er keine Fehler. Falls es doch zu einem Fehler kam, dann sorgte er dafür, dass der Übeltäter verantwortlich gemacht wurde. Egal wer es war. Temari und ihre Brüder waren nie in seine Entscheidungen miteinbezogen worden und sie hatten nicht den blassesten Schimmer, was in seinem Kopf vorging. Doch da das Königreich noch stand und nicht verschuldet war, schien er irgendetwas richtig zu machen.
Jedenfalls wenn es um das Regieren eines Landes ging. Erziehung war da ein ganz anderes Thema. Der König erwartete viel von seinen Kindern. Fehler sah er bei ihnen noch viel weniger gerne als bei irgendwem anders. Keines von den königlichen Kindern konnte sich auch nur daran erinnern, ihren Vater lachen gesehen zu haben. Geschweige denn irgendeine Art von Wärme und Fürsorge.
Das war allerdings nicht immer so gewesen. Es hatte erst mit Gaaras Geburt angefangen. Damals als ihre Mutter noch lebte, war es anders gewesen. Doch das war schon so lange her, dass selbst Temari sich kaum daran erinnern konnte.
Temari lag auf ihrem kleinen, privaten Balkon und sonnte sich. Wenn sie schon nicht die Sonne sein konnte, versuchte sie so viel von ihrer Energie und Wärme wie möglich zu absorbieren. Das war einer der Gründe, warum sie Suna so liebte. Die Sonne schien immer.
Die Woche war stressig gewesen. Es gab haufenweise Veranstaltungen, zu denen die drei Monarchen mussten. Sie mussten wichtige internationale Gäste begrüßen, irgendwelche neuen Sachen einweihen, bei Charity-Events auftreten und Hände schütteln. Es gab sogar schon einen Ball zu irgendeinem Jubiläums einer Firma in Suna. Temari hatte nur mit halben Ohr zugehört und versucht, ihr Lächeln nicht bröckeln zu lassen. Ein Glück waren sie alle schon mit der Schule fertig, das ersparte ihnen wenigstens die Hausaufgaben.
Es war der erste Tag seit Langem, an dem sie nichts zu tun hatte. Keine königlichen oder sonst irgendwelche Verpflichtungen. Nur sie, ihre Sonnenliege, die Sonne und die Musik, die aus ihrer Anlage im Zimmer dröhnte.
Es war perfekt.
Natürlich wurden solche perfekten Momente immer zerstört.
„Temari“, sagte eine Stimme hinter ihr. Seufzend sah Temari über ihre Schulter zu Baki, ihrem Sicherheitschef. Das war jedenfalls sein offizieller Titel. In Wirklichkeit war er so viel mehr. Seit fast fünfzehn Jahren kümmerte er sich schon um sie. Es hat eine Weile gedauert, bis sie sich an ihn gewöhnt hatte – und umgekehrt – doch inzwischen war er nicht mehr aus ihrer Familie wegzudenken. Tagtäglich begleitete er sie und sorgte dafür, dass sie sicher waren. Vor zwölf Jahren hatte er angefangen ihnen etwas Selbstverteidigung beizubringen und selbst heute trainierte er sie regelmäßig im königlichen Dojo. Allen dreien hatte er Fahrradfahren und schwimmen beigebracht. Selbst Auto fahren, was in ihrem Fall eher Strandbuggy fahren in den Dünen hieß. Alle potentiellen Dates von Temari hat er gründlich geprüft und eingeschüchtert. Jede einzelne Hausaufgabe war mit ihm besprochen worden. Kankuro behauptete sogar, dass er ihm beigebracht hatte, wie man eine Waffe benutzte, doch Temari glaubte das nicht. Und falls es doch wahr war, fragte sie sich, warum Kankuro das lernen durfte und sie nicht. Auch als Temari ihre speziellen Frauenprobleme bekommen hatte, wollte er helfen, doch das war eher schlecht als Recht verlaufen und es war eine der Sachen, über die die beiden nie redeten.
Temari hatte mit ihren Brüdern nie darüber gesprochen, doch sie wussten alle, dass sie Baki als den Vater ansahen, der der König nie gewesen war.
Baki war Ende dreißig, groß, gebräunt, muskulös und hatte eine Glatze. In seinem Ohr steckte ein Knopf und man konnte ein durchsichtiges Kabel in seinem Kragen verschwinden sehen. An Tagen ohne offizielle Veranstaltungen war er eher schlicht in Jeans und Hemd gekleidet. Sobald er allerdings den Palast verließ, musste er einen der einheitlichen schwarzen Anzüge tragen.
„Was ist los?“, fragte Temari und schob ihre Sonnenbrille von der Nase auf die Stirn.
„Du solltest dich für das Dinner fertig machen.“
„Hab keinen Hunger. Ich esse nachher etwas“, sagte sie, schob die Brille wieder runter und sonnte sich weiter.
Das war jedenfalls der Plan.
„Der König will mit euch essen.“
„Was?“ Temari schoss hoch und drehte sich zu Baki um, der sie nur mit ausdrucksloser Miene ansah. „Er sollte weg sein. Wie immer.“
„Anscheinend haben sich seine Pläne geändert.“
„Wieso?“
„Ich weiß es nicht. Aber er will mit euch reden.“
„Warum?“
„Ich weiß es nicht.“ Temari hatte schon ihren Mund auf, um weiter zu fragen, aber Baki seufzte tief. „Ich kenne die Details nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass er mit euch essen und reden will. Bitte, zieh dich einfach um und benimm dich, okay?“
Die Prinzessin schaute einmal an ihrem doch eher knapp bekleideten Körper – im Pullover und langer Hose konnte man sich nicht sonnen – herunter und nickte einmal. Ohne ein weiteres Wort verschwand Baki.
Mit deutlich schlechterer Stimmung ging Temari zurück in ihr Zimmer, um sich umzuziehen. Ihr Zimmer war über und über mit Fächern dekoriert. Kleine, große, schlichte, extravagante und in jeder erdenklichen Farbe. Fächer waren schon immer ihr kleiner Tick gewesen, so wie Kankuro sich für Marionetten interessierte. Diese banalen Sachen waren so ziemlich mit die einzigen Dinge, die die jungen Adligen selbst entscheiden durften.
Keine zehn Minuten später kam Temari an dem Speisesaal an. Zwei Bedienstete öffneten ihr die Tür, wofür die beiden einen bösen Blick von ihr bekamen. Sie war verdammte dreiundzwanzig Jahre alt. Türen aufmachen konnte sie auch gut alleine. Normalerweise aßen die Geschwister in einem ihrer Zimmer oder in der Küche, doch sobald ihr Vater sich zu ihnen gesellte, zogen sie in den pompösen Saal mit dem viel zu langem Tisch – zumindest für ihre Familie – um.
Es stellte sich heraus, dass sie die letzte war. Der Kazekage saß in einem faltenfreien Anzug am Kopfende des Tisches, die Hände zusammengelegt und einen strengen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Kankuro ähnelte ihm äußerlich am meisten – dunkle Haare, dunkle Augen, die selbe Nase und, wenn er wollte, den selben strengen Ausdruck. Temari hatte das Glück eher nach ihrer Mutter zu kommen, mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen.
Gaara war da anders. Blass, weil er nur selten den Palast verließ, mit roten Haaren und sehr dunklen Augenringen. Seit vielen Jahren kämpfte er schon mit Schlaflosigkeit und es sah so aus, als würde der Kampf noch lange weiter gehen. Es war auch nicht sein einziger Kampf.
Ohne etwas zu sagen, setzte Temari sich neben Kankuro, der einfach auf den Tisch starrte. Seitdem Baki ihr gesagt hatte, dass ihr Vater mit ihnen essen würde, fragte Temari sich warum. In der letzten Zeit hatten sie nichts verbockt. Im Gegenteil, sie waren sogar extra freundlich gewesen, was auch von der Presse bemerkt wurde. Ihr Verhalten war vorbildlich gewesen. Normalerweise ließ ihr Vater sie dann in Ruhe, das war so eine Art ungeschriebenes Gesetz. Ein Blick zu ihren Brüdern sagte ihr, dass sie sich dieselbe Frage stellten.
Während der beiden ersten Gänge wurde kein einziges Wort gesprochen. Was er auch immer mit ihnen besprechen wollte, schien nicht wichtiger als die Vorspeise zu sein. Mit jeder Sekunde, die verging, wurde Temari nervöser.
Fünf Minuten in den Hauptgang hinein rückte er schließlich mit der Sprache heraus. „Ich habe eine Entscheidung gefällt“, sagte er, sah dabei jedoch keines seiner Kinder an. „Und ich erwarte keine Widerrede.“
Nicht, dass Widerrede jemals gestattet war.
„Ihr drei werdet nach Konoha gehen“, sagte er. Temari wechselte einen schnellen Blick mit Kankuro – Gaaras Gesicht war wie meistens vollkommen emotionslos – doch ihr Vater war noch nicht fertig. „Und du, Temari, wirst den Prinzen von Konoha heiraten.“
Für einen kleinen Moment war es vollkommen still. Kankuro wagte es nicht mal zu atmen, als er zu seiner Schwester schielte. Normalerweise konnte sie sich dem Kazekage gegenüber ruhig und höflich verhalten, was aber nicht hieß, dass sie sonst kein Temperament hatte.
Und dieses Temperament konnte sie gerade offensichtlich nicht zügeln.
„Bitte WAS?!“, schrie sie und es verlangte ihr einiges ab, um nicht auch noch auf den Tisch einzuschlagen.
„Temari“, flüsterte Kankuro warnend, doch sie ignorierte ihn einfach.
„Das kannst du nicht entscheiden!“
„Natürlich kann ich das“, sagte Kazekage Rasa ruhig und aß weiter. „Du bist meine Tochter und hast deine Pflicht zu tun.“
„Aber -“
Mit einem strengen Blick brachte er Temari zum Schweigen. „Ich will ein langfristiges Bündnis zwischen Konoha und Suna. Konohas Thronfolger ist im heiratsfähigem Alter, genauso wie du. Du weißt, wer er ist, nehme ich an.“ Sie versuchte sich an den Prinzen zu erinnern, doch dank ihrer Wut tauchte nur ein verschwommenes Bild auf. Missmutig nickte sie. „Gut. Nächste Woche werdet ihr nach Konoha fliegen und -“
„Hey! Die Diskussion ist noch nicht zu Ende!“, protestierte Temari und schlug dieses Mal wirklich auf den Tisch. „Wir leben nicht mehr im Mittelalter! Du kannst nicht einfach für mich bestimmen! Ich bin erwachsen! Ich kann heiraten wen ich will!“
„Nein, kannst du nicht“, sagte der König ruhig und emotionslos. „Du bist die Prinzessin von Suna und hast deine Pflichten. Eine davon ist es, das Wohl deines Volkes und deiner Untertanen über deine eigenen, egoistischen Wünsche zu stellen. Das ganze Windreich wird von einem Bündnis mit dem Feuerreich profitieren. Unsere Wirtschaft wird zunehmend schlechter und wenn wir nichts dagegen unternehmen, dann verlieren viele ihre Arbeit und enden auf der Straße. Du bist schlau genug, um zu wissen, dass in der Wüste nicht viel Essen wächst. Wie sollen wir die Bevölkerung ernähren, wenn wir nicht mehr Unterstützung von Konoha bekommen? Willst du dein Volk leiden sehen, nur weil du jemanden heiraten willst, den du noch nicht einmal kennengelernt hast?“
Zähne knirschend konnte Temari nur ihren Blick senken. Natürlich wollte sie das nicht. Seitdem sie laufen konnte, hat man ihr eingehämmert, wie wichtige ihre Pflichten und das Wohl des Volkes sind. Sie wusste immer schon, dass sie irgendwann ein Opfer bringen musste, aber sie hatte nicht erwartet, dass es so eines war. Ihre Augen fingen an zu brennen und ihre Nase kribbelte, aber bevor irgendeine Art von Emotion – außer Wut vielleicht – auf ihrem Gesicht zu sehen war, zwang sie sich selbst eine Maske auf. Das war eine der ersten Sachen, die sie gelernt hatten.
Ihr Vater nahm ihr Schweigen als Zustimmung auf. Es war ja nicht so, dass Temari eine Wahl hatte. Entweder sie heiratete den Prinzen oder ihr Volk würde die Konsequenzen tragen müssen.
„Aber warum sollen Gaara und ich nach Konoha?“, fragte Kankuro. Temari warf ihm einen wütenden ist-das-dein-einziges-Problem?-Blick zu, aber er kommentierte das nur mit einem Schulterzucken. Immerhin war es nicht er, der heiraten sollte.
„Der Prinz pflegt viele Freundschaften zu den Erben der wichtigsten Familien in Konoha. Ich erwarte, dass ihr euch unter die Leute mischt. Ihr werdet die Erben von weltweiten Unternehmen und zukünftige Botschafter kennenlernen. Ich will regelmäßige Berichte über sie haben, ist das klar?“
„Du willst, dass wir sie ausspionieren?“ Kankuro klang etwas geschockt, wobei es ihn eigentlich nicht überraschen sollte. Ihr Vater spielte dieses Spiel schon lange und jetzt war es anscheinend Zeit, dass sie es auch lernten.
Der König nickte nur.
„Das muss doch alles ein Witz sein“, knurrte Temari. „Erst die Hochzeits-Sache und jetzt sollen wir auch noch neue Freunde finden, nur um sie auszuspionieren?“
„Mal ganz davon abgesehen, dass wir uns nicht mit diesen Schnöseln anfreunden werden“, sagte Kankuro und verschränkte die Arme. Er hatte schon immer ein sehr voreingenommenes Bild der anderen Reiche gehabt. Ehrlich gesagt hatte Temari keine Ahnung, warum er sich für besser als sie hielt, immerhin hatten sie alle Geld. Vielleicht war es aber auch nur die Tatsache, dass eine sehr große Chance bestand, dass er selbst König eines Landes werden würde. „Wofür brauchst du überhaupt die ganzen Infos? Du bist ein König, kein Geschäftsmann.“
„Es ist immer gut, gewisse Beziehungen zu haben“, antwortete König Rasa.
„Das ist so 'nen Schwachs-“
„Konoha könnte interessant sein.“ Kankuro brach seinen Satz ab und starrte zusammen mit Temari ihren jüngsten Bruder an. Gaara saß steif da, seine Augen klebten an der Tischdeko vor ihm. Keiner von ihnen hatte erwartet, dass er was sagte. Er sprach kaum, selbst nicht mit ihnen. Plötzlich verdunkelte sich jedoch seine Miene. „Aber ich brauch keine Freunde.“
Temari und Kankuro wechselten einen kurzen Blick. Obwohl die beiden selber nie viele Freunde gehabt hatten – es stellte sich heraus, dass andere Leute schnell von der Königsfamilie eingeschüchtert waren – war es bei Gaara noch viel schlimmer. Die meisten mieden ihn einfach und er wurde nur ungern zu Veranstaltungen eingeladen.
Seit einigen Jahren hatte er schon mit Aggressionen zu kämpfen. Es war teilweise so schlimm geworden, dass ihn die kleinste Kleinigkeit zum Ausrasten brachte. Die ganze Stadt wusste davon und die meisten hatten Angst vor ihm. Inzwischen hatte er sich mehr unter Kontrolle, doch das Volk sah ihn immer noch als den jungen Prinzen, der jeden schlug, der ihn auch nur ansah. Baki, Temari und Kankuro waren die einzigen, die sich normal ihm gegenüber verhielten. Was nicht hieß, dass er sich anders verhielt. Mit ihm zu reden war meistens wie blind über ein Minenfeld zu laufen.
Konoha wäre eine neue Chance für ihn. Dort würde niemand von seinen früheren Problemen wissen, denn obwohl es in Suna bekannt war, hatte der Kazekage dafür gesorgt, dass kein Wort von den ganzen Unfällen in die Presse gelangte. Es wäre eine neue Chance für Gaara Leute kennenzulernen, die nichts über seine Probleme wussten. Wer weiß, vielleicht konnte er sogar Freunde finden. Der König würde Gaara allerdings nicht erlauben, alleine woanders hinzureisen, dafür war er nicht stabil genug. Also entweder alle oder gar keiner.
Temari schluckte einmal. Sie hatte jetzt überhaupt keine Wahl mehr. Entweder sie würden Konohas Kronprinzen heiraten … oder ihr Volk würde leiden und sie nahm Gaara die wohl einzige Chance zu sehen, dass ihn nicht jeder sofort hasste und für ein Monster hielt.
Da Gaara ihren Blick nicht erwiderte, sah Temari zu ihrem anderen Bruder. Über die Jahre hinweg waren sie Spezialisten darin geworden ganze Diskussion allein durch Blicke zu führen. Man lernte so einige Tricks, wenn nicht jeder alles mitbekommen sollte. Das Thema ihrer Diskussion war klar: sollten sie nach Konoha oder nicht?
Lange dauerte es nicht.
„Na gut“, nuschelte sie, „ich geh nach Konoha.“
Kankuro grummelte unglücklich, aber er stimmte trotzdem zu.
„Gut“, sagte der König. Obwohl sich kein einziger Muskel in seinem Gesicht bewegte, wusste sie, dass er zufrieden war. „In ein paar Tagen werdet ihr nach Konoha fliegen. Während der ganzen Zeit werdet ihr im Palast wohnen.“
Keiner seiner Kinder sagte etwas darauf. Sie sollten auch gar nicht antworten, das wussten sie.
Niemand sprach mehr ein einziges Wort, weder während des restlichen Hauptgangs noch während des Desserts. Ohne sich zu verabschieden, stand der König sobald er fertig war auf und ließ die drei alleine.
Temari starrte nur auf ihr kaum berührtes Essen. Ihr war der Appetit schon lange vergangen. Sie musste nicht zu Kankuro rüber sehen, um zu wissen, dass er innerlich genauso kochte wie sie. Sagen tat allerdings niemand etwas. Nicht solange Gaara noch im Raum war.
„Wieso habt ihr das getan?“, fragte Gaara schließlich und sah sie mit einem kalten Blick an. Temari lief ein Schauer über den Rücken. „Ihr wollt nicht nach Konoha.“
„Was redest du da?“, sagte Kankuro und sah ausdruckslos zu seinem jüngeren Bruder. „Wir wollen unbedingt nach Konoha, nicht wahr, Schwesterherz?“
„Ja“, stimmte Temari zu. „Total. Wird bestimmt witzig werden.“ Sie versuchte noch nicht mal fröhlich zu klingen.
Gaara zog seine Augenbrauen zusammen und starrte die beiden für einen Moment lang an. Als er aber keine Reaktion von ihnen bekam, stand er einfach auf und ging. Sobald die Türen hinter ihm zugefallen waren, seufzten Temari und Kankuro tief.
„Ich kann nicht glauben, dass ich das mache“, murmelte Kankuro.
„Du?“, fragte Temari spitz. Jetzt konnte sie endlich ihre ganze Wut rauslassen. „Hast du etwa vergessen, wer hier heiraten soll?“
„Der Prinz wird eh den Schwanz einziehen, sobald er dich sieht.“ Als Antwort boxte Temari ihm nur einmal gegen die Schulter. Er war das schon so gewöhnt, dass er nicht mal mit der Wimper zuckte, sondern einfach aufstand, sich streckte und ging.
Noch eine ganze Weile blieb Temari einfach in ihrem Stuhl sitzen und dachte nach. Sie hatte ab und zu etwas über den Prinzen gelesen, aber viel Interesse hatte sie nie an ihm gehabt. Tja, das würde sich jetzt wohl ändern …

**********


Sie saßen in dem unauffälligen, schwarzen Wagen, der sie zum Palast bringen sollte, und sahen mehr als nur genervt aus. Ihr Flug war in aller Frühe gestartet und keiner von ihnen hatte vernünftig schlafen können. Es war erst Nachmittag, doch es fühlte sich für sie an wie Mitternacht. Die Prinzessin und die beiden Prinzen mussten sich hinten die Rückbank teilen, während Baki vorne neben dem Fahrer saß, der – nachdem er einen Blick auf die drei schlecht gelaunten Monarchen geworfen hatte – zu eingeschüchtert war, um etwas zu sagen. Der König hatte natürlich seinen eigenen Wagen bekommen.
„Wann sind wir endlich da?“, fragte Kankuro. Zum fünften Mal in der letzten viertel Stunde. Temari war so kurz davor, seinen Kopf von den Schultern zu reißen und Gaara knurrte leise.
Es war mehr als offensichtlich, dass sie sehr schlechte Laune hatten. Niemand von ihnen war wirklich ein Morgenmensch und der Flug war langweilig und anstrengend gewesen. Für so lange Zeit so eng zusammengepfercht zu sein, war keine einfache Aufgabe für die Geschwister. Die Sonne zu umarmen wäre einfacher. Innerlich wusste sie, dass sie alles für ihre Brüder tun würde und umgekehrt, doch sie brauchten auch Zeit für sich alleine, besonders wenn sie schlechte Laune hatten. Das einzige, was Temari wollte, war etwas Privatsphäre. Es hatte mehr als einen Grund, warum sie nie verreisten.
„Wir sind in ein paar Minuten da“, sagte Baki ruhig.
„Aber -“
„Kankuro, halt die Klappe“, zischte Temari. „Du bist verdammt nervig, weißt du das?“
„Du bist so eine Zicke, Temari.“
„Und du bist ein Arsch.“
„Temari, Kankuro, es reicht!“, befahl Baki und sah über die Schulter zu ihnen rüber. „Ich weiß, dass es ein langer und anstrengender Tag war, aber wir sind in ein paar Minuten da. Wartet zumindest bis ihr auf euren Zimmern seid, bevor ihr euch gegenseitig umbringt. Wir wollen doch keinen öffentlichen Skandal an unserem ersten Tag in Konoha, nicht wahr?“
„Meinetwegen“, murmelte Kankuro.
Temari sah genervt aus dem Fenster. Konoha war so … frisch und grün. Und das sollte kein Kompliment sein. Sie hatte erwartet, dass Konoha sie mit einem Regensturm begrüßen würde – etwas, das in Suna so selten war, dass sie es noch nie gesehen hatte – aber es regnete nicht. Die Sonne schien allerdings auch nicht. Schwere, graue Wolken bedeckten den ganzen Himmel. Es war nicht so trocken wie in Suna und Temari konnte die Feuchtigkeit auf ihrer Haut spüren.
Sie vermisste jetzt schon die Sonne und Hitze.
Plötzlich sah sie ein Schild aus den Augenwinkeln. Sofort richtete sie sich auf. Das würde ihrer Laune helfen.
„Stop!“, befahl sie barsch. Der Fahrer sah einmal fragend zu Baki, hielt jedoch nicht an. Mit rollenden Augen musste Temari sich daran erinnern, ruhig zu bleiben. Baki hatte Recht – sie wollte nicht gleich am ersten Tag negativ auffallen. Dafür hatte sie noch genug Zeit. „Halt einfach die verdammte Karre an. Ich will nur einen Kaffee oder ist das nicht erlaubt?“
„Oh, ich will auch Kaffee!“, stimmte Kankuro mit ein. „Komm schon, wir hatten seit heute Morgen keinen guten Kaffee mehr. Der Kaffee im Flugzeug ist widerlich gewesen.“
Baki seufzte, nickte aber. Sobald das Auto stand, sprang Temari heraus. Wie sie angenommen hatte, war die Luft feucht und kalt. In den Gedanken schon bei einem vernünftigen Kaffee zog Temari ihre Jacke enger um sich, gab Baki ein Zeichen, dass er im Auto warten sollte, und überquerte die Straße, geradewegs zu dem kleinen Café. Sie ging nicht davon aus, dass irgendwer sie in so einem Café erkennen, geschweige denn belästigen würde. Und falls doch konnte sie sich auch gut alleine verteidigen.
Eine Glocke an der Tür klingelte, als sie die Tür aufstieß und eintrat. Das Café war nicht groß, aber trotzdem nett. Es hatte eine gemütliche Atmosphäre mit ein paar Pflanzen in den Ecken, einen Fernseher – der auf stumm geschaltet war – an der Wand und ein paar Gästen, die an ihren Getränken nippten, entweder sich leise mit ihrem Gegenüber unterhielten oder eine Zeitung lasen. Niemand beachtete sie auch nur im Geringsten.
Temari ging rüber zum Tresen, hinter dem ein Junge in Gaaras Alter stand. Wobei stehen nicht das richtige Wort war. Eher dösen. Den Kopf hatte er auf einer Hand abgestützt, die Augen waren geschlossen und selbst als Temari direkt vor ihm stand, beachtete er sie nicht. Mit verschränkten Armen vor der Brust, sah Temari den Jungen, der seine schwarzen Haare in einem Pferdeschwanz zusammengebunden und seine Ohren gepierct hatte, genervt an.
Die Prinzessin hatte noch nie viel Geduld gehabt.
„Werde ich hier auch mal bedient oder soll ich mir selber meinen Kaffee machen?“, fragte sie schnippisch.
Der Junge gähnte – Temari schnaubte nur, was bildete der sich eigentlich ein? – und öffnete langsam die Augen. Seine braunen Augen sahen sie einmal ausdruckslos an, bevor er sich genauso langsam, als hätte er alle Zeit der Welt, aufrichtete. „Ja? Wie kann ich helfen?“
„Wie wär's erst einmal mit etwas mehr Begeisterung?“
„Wie nervig …“ Er seufzte tief und Temari musste Bakis Warnung in ihrem Kopf wiederholen, um ruhig zu bleiben. „Bestell einfach, dann geht das schneller.“
„Da wäre ich mir nicht so sicher. So wie du aussiehst, bekomm ich meinen Kaffee erst im nächsten Jahr.“ Sie verschränkte die Arme und erwartete einen bösen Blick – oder irgendeine andere Emotion als den gelangweilten Ausdruck in seinen Augen – doch es kam nichts.
„Die Bestellung?“, fragte er nur noch mal im selben monotonen Tonfall.
Temari hatte schon den Mund auf, um ihm mal die Meinung zu sagen, da konnte sie Baki erkennen, der aus dem Auto gestiegen war, um zu gucken, warum sie so lange brauchte. Langsam schloss sie den Mund wieder. Sie hatte keine Zeit sich mit irgendwelchen Jungs, die in irgendwelchen Cafés arbeiteten, zu streiten. Sie würde ihn wahrscheinlich eh nie wieder sehen. Konoha war groß genug, um mehr als nur ein Café mit Kaffee zum Mitnehmen zu haben.
„Vier große Kaffee. Einmal mit extra Milch, einmal mit extra Zucker. Und vier Blaubeermuffins“, fügte sie mit einem Blick in die Essensauslage hinzu. „Alles zum Mitnehmen.“
Der Junge – auf seinem Namensschild stand Shikamaru – nickte einmal und machte sich dann an die Arbeit. Für jemanden, der so faul aussah, arbeitete er ziemlich schnell. Nicht, dass Temari das jemals zugegeben hätte.
Als die Bestellung schließlich fertig war, knallte sie das Geld, ohne Trinkgeld natürlich, auf den Tisch, schnappte sich die Sachen und verließ das Café. Er wünschte ihr keinen schönen Tag. Das hatte sie auch nicht erwartet.
„Alles okay?“, fragte Baki, sobald sie wieder am Auto war. Temari nickte, reichte ihm einen schwarzen Kaffee und einen Muffin, die er mit einem Kopfnicken dankend annahm.
„Klar“, sagte sie. „Nur so 'nen nerviger Typ. Nichts mit dem ich nicht klar gekommen wäre.“
„Steig wieder ein. Ich will nicht, dass dich irgendwer erkennt, bevor wir nicht am Palast sind.“
Temari kletterte zurück in den Wagen, reichte Kankuro den Kaffee mit Milch und Gaara den mit Zucker sowie jedem von ihnen einen Muffin. Sanft fuhr das Auto wieder an und ihre Reise zum Palast ging weiter.
In Suna hatte Temari sich gründlich über den Prinzen informiert. Sein Name war Naruto Uzumaki und seine Eltern waren kurz nach seiner Geburt bei einem Unfall gestorben. Ein guter Freund und der ehemalige Mentor des vorherigen Königs kümmerte sich nun um den Prinz, den Thron und alle anderen Angelegenheiten, bis Prinz Naruto alt genug war, um den Thron zu besteigen, was an seinem dreiundzwanzigsten Geburtstag war. Sie hatte ein paar Artikel gelesen, in denen der Prinz irgendwelchen Unfug angestellt hatte, doch die waren alle ein paar Jahre alt gewesen.
Offiziell war es noch nicht bekannt, dass sie verlobt waren. Sie sollten erst etwas Zeit miteinander verbringen, bevor sie in ein paar Wochen die frohe Nachricht verkündeten. Immerhin sollte es echt aussehen und nur eine Hand voll Leute wusste, dass es alles andere als echt war. Um ehrlich zu sein wusste Temari nicht wieso. Niemand konnte sich in so kurzer Zeit verlieben, geschweige denn beschließen zu heiraten. Außerdem waren die Leute bestimmt nicht so gutgläubig und glaubte die Lüge der Wahren Liebe. Trotzdem sollten sie es vorgaukeln, denn märchenhafte – und das war negativ gemeint – Liebe war für das Volk akzeptabler als eine arrangierte Ehe.
Es fing an zu regnen. Tropfen fielen leise auf das Dach des Wagens und verwandelte die Stimmung in eine einengende Atmosphäre.
Temari vermisste die Sonne wirklich.


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Das war's! :)
Ich hoffe, euch hat das erste Kapitel gefallen :) und vielleicht auch überrascht :D
Weil die Geschichte nicht in unserer Welt, sondern in Narutos Welt spielt, hab ich mir die Freiheit genommen, das Wind- und Feuerreich etwas anders zu interpretieren, als es im Manga/Anime dargestellt wird.
Das Feuerreich ist an sich sehr an die westliche Welt angelehnt, vor allem an England, was den Palast und Uniformen angeht. Allerdings gibt es typische japanische Speisen oder Spiele, wie Ramen und Shogi. Denn ohne die beiden Sachen kann man keine Geschichte mit Naruto und Shikamaru schreiben :D
Beim Windreich hingegen habe ich mich eher von Indien und Dubai inspirieren lassen. Ich sag ganz bewusst inspirieren, da ich – bis jetzt – weder in Indien noch in Dubai war und deswegen nicht genau weiß, wie es da ist und sich anfühlt. Suna ist wie Dubai eine Metropole Mitten in der Wüste, sehr modern und reich, allerdings etwas abgeschottet. Das Essen und die Kleidung hingegen geht eher in Richtung Indien, gerade was Curry und Saris angeht. Außerdem hat das Windreich seine eigene Sprache, Sunagakurisch (wieder Danke an Aya Akira, weil sie mir geholfen hat rauszufinden, welche Version sich am wenigsten bescheuert anhört :D ), was die zweite Amtssprache ist, aber kaum jemand außerhalb des Windreiches spricht.
Zwischen den beiden Reichen gab es mal einen Krieg und seitdem war das Verhältnis etwas kühl, aber darauf greife ich erst später zurück.
Das nächste Kapitel gibt es dann am 1. des nächsten Monats, dann muss Shikamaru auf einen Ball gehen :D

Danke für's Lesen!
Jun
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