Yin und Yang

von NekoKing
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Po Tigress
01.06.2017
01.06.2017
1
3033
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Die Legende erzählt… Von einem legendären Krieger, dessen Kung Fu Kunst das Zeug zur Legende hatte… Er zog durch die Lande, auf der Suche nach würdigen Gegnern. Keiner konnte ihn besiegen. Egal wie viele sich ihm entgegen stellten, seiner Kampfkunst war kein Tier gewachsen. Selbst die berühmtesten Krieger Chinas, die Furiosen Fünf hörten von ihm und luden ihn ein zu sich in den Palast zu kommen. Der Einladung folgend entschied sich der Krieger im Palast zu bleiben.
Nach einiger Zeit und nach vielen zusammen überstandenen Gefahren wurden sie Freunde. Besonders zu der stärksten der Fünf hatte der Krieger ein besonderes Verhältnis. Sie war beeindruckt von seinem Können und seiner Weisheit. Eines Tages hörten die Palastbewohner von einer großen Bedrohung für ihr Dorf… Eine große Armee aus fremden Soldaten zog durch die Lande. Als die Armee den Pass, der zu ihrem Dorf führte erreichte, stellten sich ihnen die sechs Kung Fu Kämpfer zum Kampf. Nach einem langen und harten Gefecht besiegten die Kung Fu Kämpfer die große Armee. Jedoch wurde die stärkste der Fünf –Tigress- schwer verletzt und lag im Sterben. Der Krieger, der Gefallen an ihr gefunden hatte, konnte sie nicht gehen lassen, deshalb benutzte er ein geheimes Chi-Ritual, um sie zu retten. Dieses besondere Ritual wurde nur von Pandas gelehrt und dauerte mehrere Tage. Am fünften Tag fragte sie nach ihm. Voller Erwartungen und Zuversicht, dass sie ihm ihre Liebe gestehen wollte, betrat er ihr Zimmer. Als er sah, wie sie ihn anlächelte, machte sein Herz einen Sprung. Sie winkte ihn zu sich und bat ihm einen Platz neben ihrem Krankenbett an. Sie richtete sich auf und beugte sich zu ihm vor, als wolle sie ihm etwas ins Ohr flüstern…
„Po, du musst aufstehen!“, rief sie. Er schrak zurück. ‚Was? Wie? Aufstehen? ‘, dachte er verwirrt.
„Po! Komm schon! Du verpasst noch die alljährliche Frühjahrsfeier…“, sagte Tigress, jetzt noch ein Stück näher an Pos Ohr.

Po schlug die Augen auf. Er lag auf seiner Reisstrohmatte, in seinem Zimmer, im Jadepalast. Eine vertraute Stimme drang an sein Ohr. Er drehte den Kopf und schreckte sofort zurück, als er Tigress sah, die ihn versuchte zu wecken. Sie stand weniger als einen Meter entfernt von ihm und hatte eine eher säuerliche Miene aufgesetzt.
„Oh gut. Du bist endlich wach! Komm und hilf mir, die anderen aufzuwecken.“, sagte sie forsch und stolzierte aus dem Zimmer.
‚Uff… Dabei war das so ein schöner Traum. Sie hätte ruhig noch fünf Minuten warten können, bis…‘, dachte er, bevor er innehielt und sich an das Ende seines Traumes erinnerte. ‚Oh Mann. Hoffentlich habe ich im Schlaf nicht geredet…‘.
Po stand auf und machte sich daran mit Tigress, die anderen der Furiosen Fünf zu wecken. Als alle wach waren, gingen sie zusammen in die Speisekammer, um etwas zu essen. Wie üblich kochte Po für seine Freunde seine berühmte Nudelsuppe. Während des Essens verhielt sie sich normal also schien sie nichts bemerkt zu haben. Er vergaß bald seinen Traum und machte sich daran, mit den anderen das Fest vorzubereiten.
Jedes Jahr im Frühling, wenn die Blumen anfingen zu blühen, versammelten sich alle Tiere im Jadepalast und vollzogen ein Ritual, bei dem mithilfe des Chi alle Blumen im Tal erblühten. Inzwischen konnte schon fast die Hälfte des gesamten Tals, die Kraft des Chis benutzen, um wie heute der Natur Kraft zu schenken. Po war ihr Lehrmeister geworden, nachdem er diese Fähigkeit gemeistert hatte.
Er tat sein bestes als Lehrer und fand langsam seinen Spaß daran alle zu unterrichten. Auch seine Freunde, die Furiosen Fünf und Meister Shifu lernten unter ihm, die Kraft des Chis richtig zu gebrauchen. Besonders Tigress schien es wichtig, den anderen immer etwas voraussein zu wollen und so fragte sie ihn regelmäßig nach seiner Meinung oder zusätzlichen Trainingseinheiten. So wie heute…
Nachdem sie ihren Teil der Vorbereitungen für den Abend abgeschlossen hatten, nahm sie ihn beiseite und sprach ihn darauf an.
„Hey Po… Ich wollte fragen, ob du mich bis zum Fest ein wenig unterrichten könntest. Wir haben noch ein bisschen Zeit, bis heute Abend und ich glaube ich hatte einen Durchbruch!“.
„Hm… Klar… Ich meine… Pff! Kein Problem…“, sagte Po etwas nervös.
„Gut! Dann lass uns doch in die Höhle, hinter dem Tempel gehen, da stören wir mit unserem Training wenigstens niemanden bei den Vorbereitungen.“, sagte sie in ihrem gewohnt harten Ton.

Kurze Zeit später kamen sie in der Höhle an. Po setzte sich und schaute Tigress dabei zu, wie sie mehrere Blüten aufblühen ließ.
Mit jeder Blüte dauerte es länger und Tigress verlor langsam aber sicher die Geduld. Sie ging hin und her und fauchte ein paar Mal.
„Ich dachte ich hätte gemerkt, woran es liegt und dass ich mich wenigstens ein wenig verbessert habe.“, sagte sie frustriert. Ihr Ehrgeiz besser zu werden, war ein Vorteil und ein Nachteil zugleich. Po dagegen verstand ganz und gar nicht, warum sie so hart versuchte weiter zu kommen. Für ihn war Kung Fu mehr ein Gefühl oder eine Lebenseinstellung, als ein Weg den man hinter sich bringen muss.
„Du musst ruhig bleiben Tigress. So bist du doch sonst nicht…“, versuchte Po sie zu beruhigen.
„Aber ich habe ganz genau geschaut, wie du es gemacht hast und das Ergebnis hat sich kein bisschen verändert…“, sagte sie. Po glaubte, dass sie ihm das ein wenig übel nahm oder eifersüchtig war, da ihm ja alles scheinbar in den Schoß viel, während sie sich so sehr anstrengte. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort.
„Sag mir ehrlich Po… Wie machst du das?“, fragte sie.
„Nun ja, als ich gegen Kai gekämpft habe und das Chi gemeistert habe, ist es durch euch passiert… Ihr habt mir gezeigt, wer ich wirklich bin. Man muss sich selbst erkennen und jede Kleinigkeit akzeptieren, dann wird das Chi stärker.“, versuchte Po es nochmal zu erklären.
„Ich weiß… Das hast du mir schon mindestens tausend Mal gesagt…“, sagte sie leise. Tigress setzte sich niedergeschlagen auf den Boden.
Nach einer Weile fasste Po einen Entschluss und setzte sich neben sie auf den Boden.
„Weißt du Tigress… Ich habe da vielleicht eine Idee.“, sagte Po und schaute sie von der Seite her an. Tigress hob den Kopf und sah ihn erwartungsvoll an.
„Wirklich? Dann… Was ist es?“.
„Ja, aber ich warne dich es ist sehr… ähem… persönlich.“, antwortete Po und wurde ein wenig verlegen. Er vermied es ihren Blick zu erwidern und starrte lieber durch die Gegend, während er wie ein Kleinkind hin und her wippte und den Mund verzog.
„Und das wäre?“, fragte Tigress, während sie ihn mit einer Pfote zwang stillzuhalten.
„Ich könnte mein Chi in dich einfließen lassen, damit du einen kleinen Zugang zu meinen Erinnerungen bekommst. Weißt du, als Kai mich fast hatte, da habt ihr mich mit eurem Chi gerettet! Ich glaube ich konnte für einen kurzen Moment etwas spüren, von jedem von euch. Ich meine ja nur, dass Chi stärker wird wenn man weiß wer man ist und so… Also müsste ein wenig Ich von mir auf dich übergehen können“, erklärte Po halblaut und schwieg danach eine ganze Weile. Tigress sah man ihre Verlegenheit an.
‚Hoffentlich flippt sie nicht aus! Hoffentlich flippt sie nicht aus! Hoffentlich flippt sie nicht aus! ‘, rezitierte Po in seinem Kopf und wartete auf den unvermeidlichen Einschlag, der gewiss kommen würde.
„Einverstanden! Wenn ich dadurch stärker werde… Ich vertraue dir. Po.“, sagte Tigress plötzlich. Überrascht schaute Po ihr in die Augen. Ihre Katzenartigen Pupillen strahlten Sicherheit aus. Eine Woge der Erleichterung und Dankbarkeit überkam ihn, als er erkannte, was für eine tolle Freundin sie doch war.
„Okay. Setz dich vor mich und leg deine Handflächen auf meine.“, gab Po ihr die Anweisung. Sofort setzte Tigress sich vor Po und tat, was er sagte. Er konzentrierte sich und seine Handflächen leuchteten in goldenem Schein auf. Bald darauf fingen auch Tigres Handflächen zu leuchten an und sie beide tauchten ein, in ein grelles Licht, das sie beide umschloss.

Po schwebte durch Raum und Zeit. Es gab keine Schwerkraft. Er spürte, wie er in einen Strudel gezogen wurde. Lange Ketten, mit grünen Dolchen am Ende umwickelten ihn. Er spürte, wie sein Körper sich versteifte und grünlich wurde. Kurz bevor dieses komische Gefühl seinen Kopf erreichte, fühlte er etwas Neues. Eine Pfote erschien auf seinem Körper, die Pfote eines Tigers. Kurz darauf erschienen immer mehr Abdrücke, die ihn befreiten und ihn mit ungeahnter Kraft in eine Richtung lenkten. Ihm schossen mehrere Erinnerungen durch den Kopf. Alle waren wichtig, aber als er die Erinnerung sah, in der Tigress ihn umarmte, fühlte er in sich ein neues Gefühl… Es kam nicht von ihm, sondern von jemandem der mit ihm hier war… Tigress… Po fühlte Behaglichkeit und Wärme… und das Fell der Tigerdame, die er an sich drückte…

Es dauerte ein paar Sekunden bis beide begriffen, dass die Umarmung in der sie sich befanden nicht mehr nur in der Erinnerung stattfand, sondern dass sie sich vielmehr eng umschlungen hielten.
Tigres und Po sahen sich einen Moment an, dann schraken sie auseinander. Bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, hörten sie mehrere Stimmen, die näher gekommen waren.
„Wow… Da bin ich sprachlos!“, sagte Mantis überrascht. Monkey, der neben ihm geräuschvoll seinen Mund schloss, der ihm anscheinend bis zu den Kniekehlen gehangen hatte, wollte etwas sagen, wurde jedoch von Viper unterbrochen.
„Wir wollten euch nicht stören, Tigress, aber…“, sagte sie mit roten Wangen.
Crane sagte gar nichts, sondern starrte sie immer noch mit offenem Mund an. Anscheinend waren die vier Freunde auf der Suche nach ihnen in die Höhle gekommen, ohne dass sie es bemerkt hatten.
„Jo hey Leute! Vergesst mal den ganzen Kram. Wir sind hier, um euch zu sagen, dass ihr schnell zum Fest kommen müsst.“, sagte Mantis zu Po und Tigres, die noch verwirrter wirkten, als sie es ohnehin schon waren.
„Ich… Wir…“, stammelte Tigres vor sich hin und stand schnell auf. Po hatte sie noch nie zuvor so unsicher erlebt. Er tat es ihr gleich und stand auch auf.
„Hey Leute… Wir haben nur eine Chi-Übung trainiert. Tigres wollte, dass ich sie trainiere…“, stammelte Po.
„Ihr hättet beinahe das Fest vergessen, bei eurem… Training.“, sagte Crane jetzt, dabei schaute er, als würde er kein Wort glauben.
„Kommt mit. Das ganze Tal ist schon im Palast versammelt und wartet…“, sagte Viper und beendete damit das peinliche Gespräch.
Zusammen liefen die sechs zum Innenhof, in dem alle Bewohner des Dorfes versammelt warteten. Wie Po sah, hatte Meister Shifu ein paar junge Kung Fu Schüler ihr Können zeigen lassen. Sie standen in der Mitte des Hofes und wurden von applaudierenden Bürgern rundherum unterstützt. Während Meister Shifu und die Furiosen Fünf mit Po darauf warteten, dass die Demonstration zu Ende war, wanderte Pos Blick immer wieder zu Tigress. Sie schien ruhig zu sein, aber aus irgendeinem Grund wusste er, dass sie es ganz und gar nicht war. Er konnte ihre Unsicherheit praktisch spüren. Kurz bevor sie ihn bemerkte, drehte Po schnell seinen Kopf weg und schaute stattdessen zu den kleinen Pandas, die ihre Demonstration beendet hatten. Nachdem das geheime Panda-Dorf in den Bergen von Kai halb zerstört worden war, hatten sich die Dorfbewohner dazu entschieden mit Li Shen und Po ins Tal zu ziehen. Und seitdem unterrichtete Shifu die kleinen Pandas mit einer sehr effektiven Methode, die unter anderem viel Essen beinhaltete. Die kleinen Pandas machten Platz für die anderen Bewohner und jetzt trat auch Po vor. Er richtete sein Wort an die versammelten Tiere und erzählte in einer kurzen Ansprache das, was er jedes Jahr sagte. Plötzlich spürte Po den Drang zu lachen in seinem Körper aufsteigen. Er versuchte dagegen anzukämpfen, aber das Pandababy, das ihm auf dem Kopf herumkrabbelte, war viel zu niedlich, um…
‚Moment… Was für ein Pandababy?‘, dachte Po verwirrt. Er schaute sich um und sah Tigress, wie sie sich abmühte einen kleinen Panda, der ihr auf den Kopf geklettert war, abzuschütteln. Dabei machte der Panda so eine komische Grimasse in ihr Gesicht, dass Po es nicht anders konnte, als zu lachen. Die Stimme eines Pandas und eines Tigers hallten durch den Hof.
„Hey Po, was machst du denn? Du musst deine Rede zu Ende halten…“, flüsterte ihm leise Monkey zu und stupste ihn in seine Seite.
„Hm Rede? Oh ja… Tschuldigung!“, sagte Po schuldbewusst. Er hatte sich total von dem Pandababy ablenken lassen. Shifu schaute ihn nur kurz aus dem Augenwinkel an. Danach lief alles wie geschmiert. Po hielt seine Rede und sie alle vollzogen das alljährliche Ritual. Ihm fiel auf, wie Meister Shifu ihn und Tigress immer wieder ansah. Po versuchte ihn zu erreichen, um mit ihm zu reden, aber immer wieder entwischte er ihm, also ließ er es bleiben. Der Abend wurde immer später und viele Dorfbewohner gingen langsam nach Hause. Plötzlich stand Tigress vor ihm.
„Po… Können wir reden?“, fragte sie offen heraus.
„Na klar… Was geht? Ähm, alles locker?“, stammelte Po.
„Po… Lass uns reden… Aber nicht hier. Wie wäre es mit einem Spaziergang zum Pfirsichbaum der himmlischen Weisheit?“, fragte sie.
„Klar… Ich meine warum nicht…“, gab Po unsicher von sich.

Die beiden gingen eine Weile nur so dahin, bis sie sich unter den Pfirsichbaum setzten und den Mond betrachteten.
„Was heute in der Höhle passiert ist…“, fing Tigress an.
„Ich meine…“, sie brach wieder ab. Sie schwiegen eine Weile, jeder in seine Gedanken versunken, bis Po endlich das Wort ergriff.
„Ich wusste nicht, dass das passieren würde.“, sagte er langsam.
„Während ich gegen Kai kämpfte…Als ihr mir euer Chi geschickt habt, war ich im Geisterreich und ihr nicht… Es könnte etwas ganz anderes bewirkt haben, als wir eigentlich wollten.“, versuchte er das Geschehene zu erklären.
„Teilweise hat es das…“, sagte Tigress vorsichtig.
„Wie meinst du das?“, fragte Po. Er sah sie an, obwohl sie seinem Blick auswich.
„Es gab da einen kurzen Moment… In dem konnte ich eine Erinnerung von dir sehen… Das war der Tag, nachdem wir Lord Chen das erste Mal begegnet sind. Wir sind im Gefängnis gewesen und du hast mir gesagt, warum du ihn entkommen hast lassen… Und es war der Moment, in dem ich dich umarmt habe…“, sagte sie. Sie wurde ein wenig rot, was bei ihrem Fell sehr schwer auszumachen war.
„In dem Moment konnte ich fühlen was du fühlst…“. Mehr brauchte sie nicht zu sagen. Po wusste was sie meinte. In dem Moment war ihm das erste Mal klar geworden, wie wichtig sie ihm war. Jetzt war sie es, die zu ihm schaute und er der den Blick abwandte, aus Furcht sie könne erraten, was er dachte. Er schwieg, obwohl Tigress ihn mit ihren Blicken drängte.
„Po… du musst etwas sagen… Du kannst das Thema nicht einfach Tod schweigen…“, sagte sie ihm. Auf einmal drehte Po den Kopf. Aus reinem Impuls heraus nahm er ihre Hände in seine.
„Ich würde es dir lieber zeigen.“, sagte er und ließ sein Chi in sie hineinfließen.

Es war anders als das erste Mal. Jetzt führte Po Tigress durch seine Erinnerungen. Sie war nicht mehr nur eine Mitreisende, sondern vielmehr hielt er sie an der Hand neben ihm. Sie schauten sich seine gesamte Geschichte an. Das frühe Leben bei den Pandas, wie seine Mutter ihn verließ, wie Po im Nudelhaus aufwuchs und auch wie Kung Fu ihn das erste Mal begeisterte. Dann sahen sie ihre erste Begegnung, all den Frust und Schmerz den Po damals tief in sich verborgen hatte, den Sieg über Tai Lung und Tigress Anerkennung. Sie sahen die Auseinandersetzung mit Lord Chen und für Tigress wurde klar, wie viel sie Po bedeutete…  Der Schmerz der ihn traf, als er die Wahrheit über seine Heimat und Lord Chen erfuhr und seine Freude darüber, dass Tigress wohlauf war, nachdem Po ihn besiegt hatte. Bei der letzten Erinnerung spürte Po ganz deutlich, wie von Tigress Wärme ausging. Sie verstand und wollte ihm auch etwas zeigen. Er spürte wie Tigress ein wenig von ihrem Chi übertrug und sofort änderte sich die Szenerie…
Po sah sich gefesselt und geknebelt inmitten seiner Freunde. Sie hingen an Ketten, über einem Schiff, das über einen stillen dunklen Fluss fuhr. Links und rechts sah er Häuser emporragen, in denen verängstigte Tiere schnell die Fenster schlossen. Laternen erhellten die Fratzen der Wölfe, die um sie herum aufgestellt waren und die plötzlich Platz machten, als ein großer Pfau vor ihn und die anderen der Furiosen Fünf trat. Po wusste sofort, um welche Erinnerung von Tigress es sich handelte. Er war in der Kanonenraffinerie von Shen von einer Kanonenkugel getroffen worden. Tigress und die anderen waren gefangen genommen worden, nachdem sie gesehen hatten, wie Po vermeintlich gestorben war.
„So viele traurige Gesichter… Doch dies ist nun eine Zeit der Freude. Sobald wir den Hafen erreichen, werdet ihr mitsamt eurem kostbaren Kung Fu untergehen. Ganz China wird wissen… Es muss sich vor mir verneigen.“, sagte Lord Shen boshaft. Po merkte, wie sie hochgezogen wurden. Monkey sah Tigress von der Seite an.
„Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Po würde das nicht wollen. Er würde sagen, dass wir eisenhart bleiben sollen… oder? Tigress?“, startete er einen Versuch ihr Mut zu machen. Obwohl Tigress wusste, dass er Recht hatte, konnte sie sich nicht rühren… die Trauer, die sie verspürte war einfach zu stark. Po spürte, dass Tigress sich aus der Erinnerung losreißen wollte. Er konnte verstehen, dass sie nicht weiter hier verweilen möchte und so half er ihr, übernahm wieder die Führung und löste ihre Chi-Ströme voneinander.

Sie schlugen beide die Augen auf, jedoch warteten sie ein wenig bevor sie sich aus ihrer Umarmung lösten. Der Nachthimmel hatte sich schon stark verändert. Po schätzte es würde bald Morgen sein.
„Es tut mir leid.“, unterbrach Tigress die Stille.
„Was tut dir leid?“, fragte Po verwirrt.
„Es tut mir leid, dass du diese Erinnerung sehen musstest… Ich hatte nicht vor sie dir zu zeigen, aber ich kann mein Chi noch nicht so gut kontrollieren, wie du…“, sagte sie langsam. Po schaute sie eine Weile an, dann richtete er seinen Blick wieder auf den Nachthimmel.
„Du musst dich nicht entschuldigen… Du hättest dich niemals so fühlen sollen. Damals ist es meine Schuld gewesen… Ich habe versucht zu Shen zu kommen und habe alles riskiert und verloren. Auch dich und das war mein Fehler!“, sagte er geradeheraus. Er konnte hören, wie Tigress stark ausatmete und kurze Zeit später spürte er ihre Hand in seiner. Dann plötzlich tat Tigress etwas, was Po nicht erwartet hätte… Sie leckte ihm die Wange.
„Hey was machst du da? Also ich habe heute schon gebadet!“, rief er erschrocken. Einen Moment sah ihn Tigress schräg an, bevor sie laut loslachte.
„Po! Unter Tigern heißt das, dass man den anderen mag…“, lachte sie und wurde wieder ernst.
„… und ich mag dich!“.
„Hm... Ich werde dir weiter helfen, das Chi zu meistern. Ich würde wirklich gerne all deine Erinnerungen mit dir anschauen.“, antwortete Po.
„Ja… Irgendwann…“, sagte Tigress und weiter gab es nichts zu sagen.
Review schreiben