Saki-chan

von MariLuna
GeschichteDrama, Familie / P12
Krang Rocksteady Shredder Splinter
31.05.2017
07.04.2018
21
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Ausnahmsweise gibt es schon heute das erste Kapitel - aber nur, weil der Prolog so kurz war. Viel Spaß wünsche ich euch! ^^

1. Kapitel

„Chefchen?“ begleitet von einem vorsichtigen Klopfen an die verschlossene Tür.
„Geh weg!“ tönt es dumpf unter der Decke hervor, unter die sich Shredder geflüchtet hat. Kindisch, ja, okay, na und? Er ist ein Kind!
Und er hat sich auch schon in seiner ersten Kindheit unter seiner Bettdecke versteckt. Immer, wenn die Welt da draußen gemein zu ihm war. Und das war sie eigentlich immer.
„Komm schon, Chefchen, mach auf.“ Rocksteady ist hartnäckig, das muss man ihm lassen.
„Wir haben dir Kleidung besorgt.“ Das ist Bebop. Er klingt etwas nasal. Hat er ihn wirklich so hart getroffen? Nun, recht geschieht es ihm.
Shredder verbietet sich, Mitleid oder gar Schuld zu empfinden.
„Ja, komm schon, mach auf“, wieder klopft Rocksteady gegen die Tür. „Lass uns nicht umsonst einen H&M ausgeraubt haben.“
„Geht weg!“
Stille. Geflüster.
„Wir legen die Sachen vor die Tür, okay?“
„Mir egal! Haut ab!“
Er denkt nicht daran, diese Tür zu öffnen. So neugierig ist er nun auch wieder nicht. Er hat dringendere Probleme, gottverdammt nochmal! Also zieht er die Bettdecke noch etwas enger um sich und macht sich noch kleiner, als er eh schon ist und schluchzt wieder hingebungsvoll in sein Kissen. Er ist ja sowas von im Arsch! Wozu braucht ihn Krang denn jetzt noch? Er wird ihn bald rausschmeißen, und wo soll er dann hin mit seinen derzeit knapp neunzig Zentimeter Körpergröße, gerade mal sechs Zähnchen und dieser unansehnlichen Menge an Babyspeck? Er wird in einem Waisenhaus landen. Und noch viel schlimmer – er muss sich die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre verstellen, muss den Eindruck eines ganz normalen Kindes erwecken, wenn er nicht unangenehm auffallen will. Er weiß nicht, ob er das packt.
Aber am Schlimmsten und das, was ihm am meisten Angst macht, ist die Erkenntnis, dass er das Technodrome nicht verlassen will. Weiß der Teufel, wann das passiert ist, aber das hier ist sein Zuhause.
Das darf doch wohl alles nicht wahr sein! Wütend aufschluchzend beißt er in sein Kopfkissen, bis ihm der Kiefer schmerzt, ballt die Hände und trommelt mit seinen kleinen Fäustchen mehrmals auf die Matratze ein, solange, bis er einfach nicht mehr kann.
Dann bleibt er schweratmend einfach liegen und starrt leer vor sich hin.
Fünf Minuten später schiebt sich ein zerzauster, schwarzer Schopf aus dem Wust von Kissen und Decken, gefolgt von einem kleinen Körper, der ein viel zu großes T-Shirt trägt. Eine kleine Hand reibt sich die letzten Tränen aus dunklen, mandelförmigen und leicht geröteten Augen, und dann wischt sich Shredder den Rotz von der Nase. Vorsichtig, Füße voran, rutscht er von dem viel zu großen Futoni und tapst dann zögerlich auf die Tür zu.
Okay, ja, er ist doch neugierig. Aber nur, weil er wirklich passende Klamotten braucht!
Links neben der Tür blinkt der Türöffner, und er muss sich ganz schön recken, um ihn zu erreichen (sehr viel kleiner dürfte er wirklich nicht sein, sonst hätte er ein weiteres Problem!). Er hofft nur, dass die beiden Idioten wirklich weg sind.
Er hat Glück. Sie sind wirklich weg. Nun hält er sich aber auch nicht wirklich damit auf, um sich richtig umzusehen und schnappt sich einfach die beiden Tüten, die dort stehen, um sie mühsam (sie sind schwer!) in das sichere Innere seines Quartiers zu ziehen. Weit genug, dass sich die automatische Tür wieder von selbst schließt.
Von der Kraftanstrengung wird ihm fast schwarz vor Augen, und dann plumpst er erst einmal ganz unelegant auf seinen Hintern und versucht, wieder zu Atem zu kommen.
Und während er so da sitzt, beäugt er die Tüten misstrauisch. Sie sind tatsächlich von H&M.
Wow. Selbst er weiß, dass es billigere Läden gibt. Sie klauen wenigstens Qualität. Vielleicht sind sie doch nicht so blöd.
Und dieser Eindruck hält sich tatsächlich, als er beginnt, sich neugierig durch den Inhalt der Tüten zu wühlen. Natürlich gefallen ihm die Klamotten nicht besonders, aber er bezweifelt, dass es irgendwo auf dieser Welt Kleinkinderkleidung gibt, die seinem Stil entspricht. Jedenfalls nicht in einem Land, wo er sich freiwillig niederlassen würde. Kinder und dunkle Farben – das passt einfach nicht. Wenigstens scheinen ihn Rocksteady und Bebop gut genug zu kennen, um ihm auch keine Pastellfarben zuzumuten. Mit Primärfarben kann er ganz gut leben, und er muss zugeben, einige der Applikationen sind durchaus akzeptabel. Dinos sind immerhin auch eine Art von Drachen.
Sie haben sogar an Unterwäsche und Schuhe gedacht. Und sie haben ein erstaunlich gutes Auge, weil nur zwei Shirts etwas zu eng für ihn sind. Scheiß-Babyspeck.
Doch dann, dann zieht er zwei Dinge aus den Tüten, die ihn seine vorherige Meinung revidieren lassen.
Sie sind doch blöd! Strohdoof sogar!
Fassungslos starrt er auf den Sternenlichtprojektor in Form eines türkisfarbenen Nashorns und das Kuscheltier, das niemand geringeren darstellt als Pumbaa aus dem König der Löwen. Okay, er versteht schon: Nashorn und Warzenschwein. Welch ein Scheiß! Was soll er damit?
Wut flackert in ihm auf, und am liebsten hätte er beides in die nächstbeste Ecke gepfeffert, aber seine gute Erziehung (mit Geschenken hat man sorgsam umzugehen) hält ihn davon ab. Und so schiebt er das Zeug einfach nur beiseite.
Fünfzehn Minuten später, nachdem er sich mühsam umgezogen hat (wäscht man Kindersachen nicht vorher durch, wegen der Chemikalien und so? Andererseits ist er sowieso schon verseucht, da schadet das bisschen auch nicht mehr), überlegt er es sich noch einmal anders. Grummelnd schnappt er sich diese beiden Beleidigungen seines Intellekts und legt sie auf seinem Nachttisch ab. Aber nur, falls einer der beiden Idioten sein Quartier betritt. Auch wenn sie es verdient haben – sie zu beleidigen wäre nicht ratsam. Nicht in seinem derzeitigen Zustand.


Rocksteady lümmelt am Küchentisch und spielt mit seinem Gameboy herum, als Mini-Shredder hereintapst. Rocksteady ist schlau genug, sich mit jedem Kommentar zurückzuhalten und weiterhin so zu tun, als wäre sein Gameboy das Faszinierendste weit und breit.
Was nicht heißt, dass er diesen niedlichen Fratz (denn er ist niedlich, das beißt die Maus keinen Faden ab) nicht dennoch heimlich im Auge behält.
In Gedanken klopft er sich (und Bebop gleich noch mit dazu) beglückwünschend auf die Schulter. Die von ihnen geklauten Klamotten stehen dem Kleinen bestens. Die Kombination von knallrotem T-Shirt und hellblauer Latzhose mit dieser goldbraunen Haut und dem dunklen Haar ist einfach nur göttlich. Wenn es ihnen irgendwie gelänge, ihn als Katalogmodell zu vermieten, könnten sie sich eine goldene Nase (in seinem Falle: ein goldenes Horn) verdienen.
Ja, Rocksteady hat selten ein süßeres Kind gesehen.
Shredder scheint beschlossen zu haben, ihn zu ignorieren jedenfalls spricht er nicht mit ihm. Es gibt auch kein „Danke für die Klamotten“ oder ähnliches. Aber Rocksteady hat auch nicht wirklich damit gerechnet.
Mit einiger Besorgnis verfolgt Rocksteady, wie Shredder einen der Stühle hinüber zur Küchenanrichte schiebt und dann Anstalten macht, auf diesen Stuhl zu klettern. Was zum Teufel-??
Der Rhinomutant schießt regelrecht von seinem Platz. Er packt Shredder gerade noch rechtzeitig um die Taille, bevor dieser auf die Arbeitsplatte gekraxelt ist.
„Du!“ schimpft er fassungslos, während er ihn in sicherem Griff auf Augenhöhe hebt und streng in diese dunklen Augen sieht. „Was fällt dir ein? Auf einen Stuhl zu klettern und dann noch höher? Das ist gefährlich!“
„Ich will nur eine Cola trinken!“ faucht Shredder zurück und versucht, sich freizustrampeln.
Aber Rocksteady denkt nicht daran, seinen Griff zu lockern.
„Ts.“ tadelnd schnalzt er mit der Zunge, geht mit Shredder in den Händen zurück zum Tisch und verpflanzt die kleine Rotzgöre auf den nächstbesten Stuhl.
„Cola ist ungesund für kleine Kinder“, belehrt er ihn.
„Du bist gemein!“
„Deine Zähne werden es mir danken“, kontert Rocksteady nur, während er schon zum Kühlschrank hinübergeht und eine Milchtüte mit Strohhalm herausholt. Gut, dass sie in weiser Voraussicht auch noch kleinkindgerechte Nahrung besorgt haben.
Wortlos drückt er seinem geschrumpften Chefchen die Milchtüte in die Patschehändchen. Der murrt, beugt sich aber. Doch während er so am Strohhalm suckelt, fällt ihm etwas ein, das ihn unwillkürlich lächeln lässt.
Rocksteady starrt ihn nur geplättet an. Wow. Wenn er mal groß ist, bricht er mit diesem Lächeln die Herzen der stolzesten Frauen. Doch dann fällt ihm wieder ein, wer dort vor ihm sitzt und das ist dann schon eher beunruhigend.
„Meine Zähne“, hört er Shredder um den Strohhalm herummurmeln, „ja, die wachsen mir jetzt neu, nicht wahr? Das heißt … keine Plomben mehr. Cool.“ Und weil in Milch viel Kalzium steckt und das wichtig für die Zähne ist, trinkt er gleich noch viel schneller.
Rocksteady widersteht nur mit Mühe dem Drang, ihm lobend durch die wirren Haare zu streicheln und lässt sich stattdessen wieder zurück auf seinen Platz fallen, wo sein Gameboy noch auf ihn wartet.
Sekundenlang ist es still zwischen ihnen, dann nuschelt Shredder plötzlich leise:
„Ich war im Bad. Danke.“
Rocksteady verbeißt sich ein Grinsen.
„Dafür solltest du lieber Bebop danken, nicht mir.“ Er selber wäre nie darauf gekommen, einen Plastiktritt, einen Kinder-Toilettensitz und eine Zahnbürste mit besonders weichen Borsten zu besorgen. Das Gummientchen und der passende quietschgelbe Bademantel waren aber schon seine Idee, nur, geht er nicht davon aus, dass Shredder das gemeint hat.
„Wofür soll er mir danken?“ erkundigt sich Bebop, der gerade zur Tür hereinschlendert und Rocksteadys letzten Satz gehört hat.
„Für das Badzeugs“, erklärt Rocksteady.
Bebop grinst nur und wuschelt Shredder im Vorbeigehen durch die Haare. Bevor dessen Fäustchen ihn treffen kann, steht er schon an der Küchenzeile und beginnt, in den Schränken zu kramen.
„Keine Ursache“, erklärt er dabei. „Hab ich doch gern gemacht. Ich stamme aus einer großen Familie und damit meine ich eine wirklich große Familie. Ich weiß, was Knirpse so brauchen.“ Und dann fällt ihm noch etwas ein. Er hält damit inne, Brei zuzubereiten, dreht sich zum Tisch um und deutet mit dem Löffel auf ihr Mini-Chefchen.
„Wichtige Regel: du bist nicht allein, wenn du baden willst, klaro?“
„Ich denke ni-“ beginnt Shredder mit blitzenden Augen, doch Bebop unterbricht ihn sofort.
„Grundregel: Sicherheit geht vor. Hätt' uns grade noch gefehlt, wenn du in unserer Badewanne ertrinkst.“ Sein Tonfall lässt keinen Widerspruch gelten.
„Und … und wenn ihr vor der Tür wartet und ich ständig mit euch rede?“ versucht Shredder geradezu verzweifelt zu verhandeln. Ehrlich, das ganze ist schon schlimm genug, können sie ihm nicht wenigstens einen Teil seiner Würde zugestehen?
Es folgt eine wirklich zähe Verhandlung, die ganze fünf Minuten dauert. Letztendlich einigen sie sich auf einen Kompromiss: sie dürfen dabei sein, aber sie drehen sich um, bis er im Wasser sitzt, und das ganze genauso, sobald er die Wanne verlässt. Es ist keine Lösung nach Shredders Geschmack. Er ist enttäuscht und wütend und verletzt und fühlt sich absolut gedemütigt und hätte am liebsten wieder geheult. Und er hasst seinen Körper, besonders sein Gehirn dafür, dass es anscheinend so unreif ist, dass Tränen als einzige Alternative erscheinen.
Doch er reißt sich zusammen und heult nicht und lenkt sich lieber mit dem Brei ab, den ihm Bebop gekocht hat. Das Zeug schmeckt hauptsächlich nach Milch und ein kleines bisschen nach der Banane, die Bebop mit reingemanscht hat, und er hätte viel lieber ein saftiges Steak (nein, einen Schweinebraten!), aber mit sechs Zähnchen wird er vorerst wohl mit Brei vorlieb nehmen müssen.
„Ah, hier ist ja unser Saki-chan!“ Plötzlich steht Krang auf der Türschwelle.
Als er hört, wie ihn Krang wagt zu nennen, klingeln Shredder fast die Ohren. Wütend ballt er die Hände. Der Zorn muss ihm gewaltige Kräfte verleihen (für seine derzeitige Konstitution), denn mit einem lauten Geräusch zerbricht der Plastiklöffel in seiner rechten Hand.
„Nenn mich noch einmal so...“ droht er.
Doch Krang lacht nur. „Sonst was?“ unterbricht er ihn spöttisch. „Willst du wieder mit Dingen nach mir werfen? Soll mich das beeindrucken?“
Tatsächlich greift Shredder nach seinem fast leer gegessenen Teller, aber Bebop ist schneller. Mit einer einzigen fließenden Bewegung schiebt er besagten Teller außer Reichweite.
Seinem frustrierten Chefchen bleiben nur die Reste des Plastiklöffels zum Werfen – und genau das macht er dann auch.
Krang bricht in hämisches Gekicher aus, als das Wurfgeschoss um einen guten Meter sein Ziel verfehlt.
„Klappt wohl noch nicht so ganz mir der Hand-Augen-Koordination, was, Saki-chan?“ Doch unvermittelt wird er wieder ernst. „Halt still“, befiehlt er. Erst viel zu spät bemerkt Shredder, dass Krang einen Injektor in seinen Tentakeln hält. Ihm bleibt nur ein überraschtes Aufquieken, als Krang ihm das Teil in den Oberarm rammt.
Das Ganze dauert nicht länger als zwei Sekunden.
„Braver Junge“, erklärt Krang danach und tätschelt mit einem Tentakel Shredders Wange. Shredder ist immer noch so geschockt, dass er gar nicht daran denkt, Krang einen wohlverdienten Schwinger zu verpassen.
„Das war sehr tapfer“, lächelt Krang sehr zahnreich und bequemt sich dann zu einer Erklärung: „Das war nur eine Grundimmunisierung, keine Bange. Die Tatsache, dass du dich zu einem Kleinkind verjüngt hast, lässt darauf schließen, dass es mit deinem Immunsystem genauso aussieht. Und wir wollen ja nicht, dass du an Polio oder Masern oder sonstigen typischen Kinderkrankheiten erkrankst.“
„Hättest du ihn dafür nicht erst mal richtig untersuchen sollen, Krangchen?“ will Bebop mit gerunzelter Stirn wissen.
„Wozu?“ grinst Krang. „Falls er doch noch immun ist, schadet eine Auffrischung nicht.“
Shredder reibt sich nur den schmerzenden Oberarm und funkelt ihn finster an.
„Ich hasse dich“, deklariert er, rutscht von seinem Stuhl und stürmt an ihm vorbei aus der Tür.


Musste das sein? Bebop wirft Krang einen bitterbösen Blick zu und geht seinem Mini-Chefchen hinterher. Nicht hastig, nicht allzu schnell, dazu zwingt er sich, sonst erschreckt sich der Kleine noch, fällt hin und tut sich weh.
Dass Shredder es auch ganz gut alleine schafft, den Boden zu knutschen, stellt der Warzenschweinmutant nach der ersten Biegung fest. Wenigstens scheinen seine Ninja-Reflexe noch intakt zu sein, denn er schafft es, sich rechtzeitig mit den Händen abzustützen, so dass er nur auf den Knien landet.
Erleichtert aufatmend eilt Bebop an seine Seite.
„Hast du dir weh getan?“
Shredder zuckt erschrocken zusammen und funkelt ihn aus verdächtig feucht glänzenden Augen an.
„Geh weg! Lass mich in Ruhe!“
Okay, das führt zu nichts. Innerlich aufseufzend geht Bebop vor ihm in die Hocke. So ist er mit ihm fast auf Augenhöhe.
„Mach es dir und uns doch nicht so schwer. Wir geben alle unser Bestes. Sogar Krang. Auf seine Weise. Irgendwie jedenfalls. Das bleibt doch nicht für immer so. Und bis dahin lass uns das Beste daraus machen, okay?“
Shredder starrt ihn nur einen Moment lang an und schluckt dann schwer. Bebops Strenge verursacht ihm ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Mit plötzlicher Deutlichkeit wird ihm bewusst, dass er es sich nicht leisten kann, wenn Krang oder Rocksteady oder Bebop sauer auf ihn werden. Sie sind viel größer und stärker als er!
„Entschuldige“, murmelt er daher kleinlaut.
Bebop lächelt nur und streichelt ihm mit einem großen Finger über die Wange. Shredders Miene verfinstert sich für einen klitzekleinen Moment, aber dann ringt er sich ein zaghaftes Lächeln ab.
„Du hast noch nicht aufgegessen“, erklärt Bebop sanft, während er sich wieder zu seiner vollen Größe aufrichtet. Dann streckt er Shredder vielsagend eine Hand entgegen. „Es gibt Erdbeeren zum Nachtisch.“
Zögernd legt Shredder seine kleine Hand in Bebops Pranke und lässt sich von ihm wieder aufhelfen.
„Ich mag Erdbeeren.“
Bebop schmunzelt. „Ja, ich weiß.“


Obwohl Bebop langsam geht, kann Shredder nur mühsam Schritt halten. Macht Bebop einen Schritt, braucht er vier. Und seine Hand versinkt fast in Bebops. Noch nie in seinem Leben (jedenfalls nicht in letzter Zeit), hat sich Shredder so klein und zerbrechlich und hilflos und ganz einfach nur schwach gefühlt wie jetzt.
Ein gewisses, instinktives Zurückschrecken, wenn er jemanden begegnet, der bedeutend größer ist als er (was zum Glück nicht oft vorkommt – jedenfalls war es bis heute so), ist er ja gewohnt, aber er konnte immer gut damit umgehen, Dank des Vertrauens, das er in sich und seine körperlichen Fähigkeiten setzte, aber jetzt ist von seinem muskelgestählten Körper nur noch der Verstand übriggeblieben. Aber selbst der kommt gegen Krangs 800-irgendwas-IQ nicht an.
Von daher meint er, als er an Bebops Hand die Küche wieder betritt und Krang dort immer noch steht, zu diesem, seinen Stolz hinunterschluckend:
„Bitte entschuldige mein Benehmen, Krang. Ich weiß, dass du es nur gut gemeint hast.“
In Krangs violetten Augen erwacht bei diesen Worten ein merkwürdiger Glanz, den sich Shredder wirklich nicht erklären kann (aber er ist unheimlich!). Und dann streckt Krang einen Tentakel nach ihm aus und tätschelt ihm damit den Kopf als wäre er ein gehorsames Haustier.
„Das nenne ich mal eine höfliche Entschuldigung. Das hast du schön gesagt, Saki-chan.“
Shredder ballt die freie Hand zur Faust, zwingt sich aber wieder zu einem Lächeln und lässt den verhassten Kosenamen jetzt einfach mal unkommentiert.
Und bereut es kurz darauf, denn als er artig am Tisch sitzt und Bebop ihm ein Schälchen frischer Erdbeeren zuschiebt, trällert dieser doch tatsächlich:
„Guten Appetit, Saki-chan.“

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