My Life As Demon Queen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Adalbert von Granz Conrad Weller Gunther von Kleist Gwendal von Voltaire OC (Own Character) Wolfram von Bielefeld
30.05.2017
19.10.2018
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„Im Sommer sollen Lilien blühen, habe ich gehört.“


Morgens halb zehn in Deutschland. Viele würden jetzt wohl ihr Knoppers auspacken. Ich jedoch lege einen Pfeil in meinen Bogen, spanne ihn und ziele auf die Scheibe, die sich etwa 50 m vor mir befindet. Als ich die Mitte im Visier habe, lasse ich den Pfeil los und sehe dabei zu, wie er auf die Scheibe zurast. Doch zu meinem Ärger trifft er nicht die Mitte, sondern den Ring gleich daneben.

„Verdammt!“, ärgere ich mich, wo ich doch seit langem immer die Mitte treffe.

„Lilia, du musst Ruhe bewahren, bis du den Pfeil loslässt“, sagt mein Trainer zu mir. Er hat mich natürlich die ganze Zeit über beobachtet. „Jede noch so kleine Bewegung vorher kann die Flugbahn ändern.“

„Ja“, entgegne ich, bin aber dennoch enttäuscht von mir, da ich es ja eigentlich wissen sollte.

„Du solltest aber auch nicht so streng mit dir selbst sein.“ Mein zehn Jahre älterer Trainer lächelt mir stolz zu.

„Ich weiß, aber in zwei Wochen fangen doch die Meisterschaften an und da will ich nichts falsch machen.“ Ich verstärke den Griff um meinen Bogen und sehe meinem Trainer entschlossen in die Augen. In meinem Blick sollte er erkennen, wie ernst es mir ist.

„Ich kann dich sehr wohl verstehen“, meint er, „aber Übermut tut selten gut. Also übertreib es bitte nicht.“

Ich nicke ihm zu und trainiere daraufhin noch bis Mittag weiter. Um 12 will ich nämlich mit meinem Kumpel essen gehen.


In der Mädchenumkleide des Vereinshauses ziehe ich vor meinem Spind meinen luftig leichten weißen Sommerrock und ein dunkelblaues Top an und schlüpfe in meine beigen Riemchensandalen, bevor ich mich nach draußen aufmache, wo Elias auf mich wartet. Doch als ich zum Eingang gelange, sehe ich Elias nicht wie sonst draußen, sondern drinnen auf mich warten. Seine kurzen schwarzen Haare glitzern leicht, als hätten sie kleine Wassertropfen abbekommen.

„Hey, da bist du ja“, sagt Elias, als er mich erblickt, scheint dann aber die Stirn zu runzeln. „Bist du sicher, dass du so rausgehen willst?“ Seine meerblauen Augen starren mich ungläubig an.

„Natürlich. Meine Trainingsklamotten sind verschwitzt und sonst habe ich nichts anderes dabei“, antworte ich ihm. „Wieso fragst du?“

„Na, weil es draußen regnet“, entgegnet er. „Und das nicht gerade leicht.“

„Was?“, frage ich erstaunt und warte gar nicht erst auf eine Antwort, sondern eile zum nächsten Fenster, um nach draußen zu sehen. Der Himmel ist dunkelgrau und riesige Regentropfen fallen in Unmengen auf die Erde. „Dabei war’s heute Morgen noch schön.“ Ein kalter Schauer fährt mir über den Rücken. In den Klamotten kann ich natürlich nicht rausgehen. Zudem hab ich keinen Schirm dabei.

„Es hat auch erst richtig angefangen, als ich von zu Hause los bin“, erzählt Elias mir, als ich mich wieder zu ihm geselle.

„Was machen wir denn jetzt?“, frage ich schon fast verzweifelt und ärgere mich gleichzeitig darüber, dass ich noch zu jung zum Autofahren bin.


„Was macht ihr denn noch hier?“ Mein Trainer kommt um die Ecke und sieht überrascht aus, als er uns am Eingang stehen sieht.

„Hallo Thomas“, begrüßt Elias ihn und versucht dann, ihm die Situation zu erklären. „…und Lilia ist jetzt nicht gerade dem Wetter entsprechend angezogen.“

„Verstehe.“ Thomas nickt verständlich und ich frage mich, ob ich mich jetzt nicht lieber schämen sollte, weil ich heute Morgen nicht bedacht habe, dass es regnen könnte.

„Soll ich euch vielleicht mit dem Auto mitnehmen?“, erkundigt er sich als nächstes bei uns.

„Würdest du?“, frage ich sicherheitshalber nochmal nach.

„Natürlich, sonst würde ich es euch doch nicht anbieten.“

„Dann nehmen wir das Angebot gerne an“, entscheidet Elias für uns beide.

„Gut, dann fahre ich das Auto vor. Wartet ihr doch solange unter dem Vordach auf mich, dann kann ich das Vereinshaus zusperren.“


So sitzen Elias und ich nur wenige Minuten später in dem roten Seat Ibiza von Thomas, der uns zu unserem Lieblingslokal am Bodensee kutschiert. In Lindau zu wohnen, hat schon seine Vorteile. Man hat quasi einen See vor der Haustüre und kennt gute Lokale, die nicht zwingend in einem Reiseführer stehen.

Nach Thomas uns auf dem Parkplatz des Lokals abgesetzt und wir uns bei ihm bedankt und verabschiedet haben, muss ich feststellen, dass der Regen schon etwas nachgelassen hat.

„Wieder mal nur ein kurzer Schauer“, merkt mein Freund aus Kindertagen an, als wir das Lokal betreten.

„Sieht wohl so aus“, entgegne ich nur und marschiere schnurstracks auf unseren Stammplatz am Fenster neben der Tür zur Terrasse zu, die zu den Tischen draußen und einem Steg in den Bodensee führt.

Elias und ich setzen uns gegenüber an den Zweiertisch und ich genieße den Ausblick. Im Lokal selbst ist nicht viel los und auch auf dem Bodensee sind nur wenige Boote unterwegs, was wohl am Wetter liegen wird. Dann kommt aber auch schon der Kellner, ein Schulfreund von Elias, auf uns zu und ich widme meine Aufmerksamkeit wieder ihm. Menükarten hat er keine dabei.

„Hey, ihr zwei“, begrüßt er uns mit einem freundlichen Lächeln. „Wieder das Übliche?“

„Ja“, antwortet Elias knapp.

„Kriege ich mein Fischfilet heute vielleicht paniert?“, frage ich nach.

„Sicher.“ Elias’ blonder Freund nickt mir zu und verschwindet dann in der Küche.


Nachdem ich mein köstliches paniertes Fischfilet mit Bratkartoffeln verspeist habe und Elias wie so oft die Rechnung übernommen hat, beschließe ich, noch etwas auf den Steg zu gehen, zumal das Wetter langsam aufgeklart hat. Elias folgt mir langsam, bleibt jedoch in der Mitte stehen, während ich natürlich bis ganz nach vorne ans Ende gehe.

„Pass auf, sonst fällst du noch rein“, warnt er mich.

„Ach, Quatsch. Schon vergessen, wie oft wir hier waren?“, erwidere ich und blicke auf den See. Ein Stück vor mir kommt es mir so vor, als würde im See ein kleiner Strudel entstehen. Bilde ich mir das nur ein?

„Hey Elias, da ist…“ Ich will mich zu ihm umdrehen, doch da passiert es auch schon, ich rutsche auf dem Steg aus und falle genau in den kleinen Strudel, von dem ich glaubte, ihr mir eingebildet zu haben.

„LILIAAA!“, höre ich Elias noch rufen, doch dann bekomme ich nichts mehr mit, da ich das Gefühl habe, in die Tiefe des Bodensees gezogen zu werden. Plötzlich wird alles um mich herum schwarz und ich scheine das Bewusstsein zu verlieren… oder doch nicht?


Der Sog scheint nachzulassen und ich schwimme so schnell es geht zur Oberfläche, um nach Luft zu schnappen. Zudem wird sich Elias Sorgen machen. Eine Standpauke werde ich von ihm wohl auch noch bekommen. Als ich jedoch auftauche, finde ich mich nicht vor dem Steg wieder, sondern in einem kleinen See irgendwo in der Mitte eines Waldes. Was zur Hölle? Träume ich jetzt etwa?

Ich sehe mich vom Wasser aus noch einmal um, aber ich stelle nur fest, dass ich wirklich in einem See bin, um diesen herum Bäume und Gebüsch. An der Uferseite direkt vor mir sitzt ein Pärchen auf einer Decke und kuschelt sich verliebt aneinander. Ah, perfekt. Die kann ich gleich fragen, wo ich bin beziehungsweise ob ich träume.

„Hey, Entschuldigung!?“, rufe ich den beiden vom Wasser aus zu. „Könnt ihr mit vielleicht sagen, wo…“

Erschrocken lauschen sie auf und als die zwei mich erblicken, fängt die Frau an zu kreischen. „UNGEHEUER!!!“ Sofort packen sie ihre sieben Sachen zusammen und rennen schleunigst aus dem Wald heraus. Da bemerke ich erst, dass sie für ihr junges Alter ziemlich alte Kleidung tragen, fast schon mittelalterlich.

„Na toll“, seufze ich. Wieso rennen die denn weg? Und was sollte das mit dem  Ungeheuer? Wir sind doch nicht am Loch Ness! … Moment mal! Meinten die damit etwa mich? Wie können die nur!? Ich bin doch kein Ungeheuer! Unerhört!

So beschließe ich fürs erste, ans Ufer zu schwimmen, und sehe dann, wie’s weitergeht. Nach ein paar Schwimmzügen bin ich auch schon dort angelangt. Doch ich komme nicht dazu, aus dem Wasser zu steigen, da mir jemand etwas Spitzes ins Gesicht hält. Lange brauche ich auch nicht, um zu merken, dass es sich bei diesem spitzen Etwas um ein Schwert handelt. Soll das ein Witz sein?

„Na, sieh mal einer an.“
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