Die Höhle der Dämonen

GeschichteAbenteuer, Horror / P16
OC (Own Character)
30.05.2017
30.05.2017
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Diese Geschichte kann man als Fortsetzung von „Die düsteren Wälder“, aber auch als eigene Geschichte sehen.

Es regnete leicht. Elidor war mit den anderen Sklaven unterwegs. Sklaven, die noch vor wenigen Tagen frei gewesen waren. Der Menschenjunge war mit anderen Jungen und Mädchen aus seinem Dorf losgezogen, um sein Glück in dem nächsten Stadtstaat zu versuchen. Fast alle von ihnen waren an der Schwelle vom Jungen zum Mann, oder vom Mädchen zur Frau. Sie waren hoffnungsvoll losgezogen, und dann in die Fänge von Gnollen geraten. Und nun waren sie die Sklaven dieser Kreaturen.
Gnolle sahen wie aufrecht gehende Hyänen aus, auch wenn sie Rüstungen und Waffen trugen. Sie waren wild, barbarisch und grausam. Und wenn einer von ihnen in der Nähe war, roch Elidor stets Menschenblut. Denn die Gnolle fraßen einige ihrer Sklaven auch, wenn diese zu schwach waren.
Der Junge sah zu den Sklaven, die schon einige Wochen lang in der Gefangenschaft der Gnolle waren. Hagere, abgerissene Gestalten, die stumpf vor sich hin schauten und teilnahmslos auf dem Boden saßen. Doch dann wanden einige sich vor Angst. Eine der wenigen Reaktionen die sie noch zeigten. Der Anführer der Gnolle schritt an ihnen vorbei. Littos. Er war etwas größer und stärker als die anderen Gnolle, aber vor allem so böse, dass scheinbar selbst seine eigenen Leute vor ihm Angst hatten.
Sie saßen auf einer Lichtung, mitten in einem dichten, dunklen Wald. Die alten Bäume standen gerade und hochgewachsen, während der Boden von Moos überwuchert war. Überall lagen umgefallene, morsche Baumstämme herum. Die Baumkronen waren so dicht, dass nur selten ein Sonnenstrahl den Boden erreichte.
Elidor wischte sich die Tränen aus den Augen. Wenn die Gnolle ihn weinen sahen, würden sie ihn womöglich für schwach halten, und als nächstes auffressen. Er dachte einen Moment lang an seine Eltern. Er hatte vorgehabt, sich im Stadtstaat ein neues Leben aufzubauen, und sie anschließend auch dort hinzuholen, wo sie sicher vor den Gefahren waren, die jemanden erwarteten, der in einer offenen Siedlung wohnte, welche nur von gefährlicher Wildnis umgeben war.
„Wir marschieren weiter!“ schrie Littos.
Die Gnolle trieben die Menschen unsanft an, aufzustehen und mitzukommen. Einer zog Elidor unsanft auf die Beine. Die Krallen gruben sich in seine Haut, und der Junge zischte vor Schmerzen auf.
„Wir gehen weiter!“ sagte der Gnoll in der Handelssprache, „Oder wirst du dich widersetzen?“
Die Art und Weise wie er sein rostiges, schartiges Schwert hielt, machte deutlich, dass er nur zu erfreut wäre, einen widerspenstigen Sklaven niederzustrecken. Elidor fürchtete sich und sagte nichts, und der Gnoll stieß ihn grob vorwärts. Dabei stieß er ein Geräusch aus, welches wohl eine Art Lachen war.
Plötzlich kam ein Messer herangeflogen und bohrte sich in die Brust des Gnolls. Ein weiteres Messer traf ihn genau neben dem ersten Messer, und der Gnoll sackte tot zu Boden. Die anderen Gnolle waren alarmiert und zogen ihre Waffen hervor. Ein Pfeil schoss aus dem Gebüsch heraus, und tötete einen weiteren Gnoll. Doch der Pfeil kam aus einer gänzlich anderen Richtung, als die beiden Messer.
Die Sklaven standen unschlüssig herum, als plötzlich eine riesige, schwarze Katze durch das Dickicht brach. Jedem von ihnen war klar, dass das nur eine Werkatze sein konnte. Doch statt sich auf die wehrlosen Gefangenen zu stürzen, fiel sie einen Gnoll an. Gleich hinter der Werkatze brach ein Drachengeborener aus dem Gebüsch und schwang seine große Streitaxt. Mit einem Hieb enthauptete er einen Gnoll.
Weitere Gnolle stürzten sich auf die beiden, doch plötzlich flogen weitere Pfeile heran, und trafen sie. Nun sah Elidor auch, wie der Waldläufer der die Gnolle ins Visier nahm, aus dem Gebüsch trat. War er ein Ork? Nein, er sah eher wie ein Halbork aus. Ein Gnoll stürmte auf ihn zu. Waldläufer konnten ihre Gegner auf große Distanzen besiegen, doch im Nahkampf waren sie aufgeschmissen. Der Gnoll hatte ihn beinahe erreicht, als ein junges Mädchen aus dem Gebüsch sprang und ihn mit ihrem Schwert durchbohrte. Die Sache wurde immer verrückter, denn dieses Mädchen konnte nur eine Drow sein.
Auf der anderen Seite des Gebüsches trat eine Menschenfrau hervor, die in jeder Hand ein Messer hielt. Sie hielt sich am Rande des Kampfes, und warf jeweils ein Messer auf die Gnolle. Inzwischen lagen die meisten von ihnen schon besiegt am Boden.
Doch ein Gnoll griff sie an. Die streckte kampfbereit ihre Messer vor, doch der Gnoll wischte die Waffen mit einem Prankenhieb lachend beiseite. Er schlug mit seiner anderen Pranke zu, und die Frau konnte gerade noch rechtzeitig ausweichen, um nicht zerfetzt zu werden. Allerdings war sie nun unbewaffnet. Unbewaffnet, aber nicht wehrlos. Sie streckte die Hände aus und murmelte etwas. Plötzlich schossen Ranken aus den Bäumen und packten den Gnoll. Dieser schrie auf, doch die Ranken zerrissen ihn.
Elidor war erstaunt, Naturmagie zu sehen. Dieses Mädchen war wohl eine Magierin, oder vielleicht auch eine Waldläuferin.
Inzwischen hatte die Werkatze zwei weitere Gnolle getötet. Der Halbork schoss keine Pfeile mehr auf seine Gegner ab. Hatte er vielleicht keine Pfeile mehr? Auch das Menschenmädchen beteiligte sich nicht mehr am Kampf.
„Ich bin der Anführer meiner Horde. Wer seid ihr, dass ihr es wagt, uns anzugreifen?“ fragte Littos.
„Wir sind einfach Abenteurer, die das Böse bekämpfen.“ ließ sich der Drachengeborene vernehmen.
Er schwang seine doppelseitige Streitaxt, doch Littos wehrte den Schlag mit seinem Schwert ab. Die Streitaxt wurde zerteilt und fiel nutzlos auf dem Boden.
„Waffen von Dämonen sind eben härter als gewöhnliche Waffen. Jetzt bist du wehrlos, Drachengeborener.“ lachte Littos.
Doch der Drachengeborene öffnete sein Maul und spie einen Schwall Säure auf seinen Gegner. Der Gnoll schrie auf, als die Säure ihn zersetzte, und fiel zu Boden. Als die anderen Gnolle das sahen, wandten sie sich um, und rannten fort.
Die menschlichen Sklaven sahen sich ungläubig um. Zuerst hatte es so ausgesehen, als würden sie ihr Dasein als Sklaven fristen müssen, doch eine Gruppe von Abenteurern hatte sie alle davor gerettet.
Doch plötzlich sprang einer der Gnolle auf, die auf dem Boden gelegen hatten. Der Orkpfeil hatte ihn keineswegs getötet, sondern lediglich verwundet. Er stürzte sich mit einem tierischen Fauchen auf Elidor. Der Junge wurde zu Boden geschleudert und der Gnoll baute sich drohend vor ihm auf. Elidor zweifelte nicht daran, dass er ihn gleich töten würde, und keiner würde ihm helfen können. Die Waldläuferin hatte keine Messer mehr, und der Halbork keine Pfeile, und von denen die nicht auf Distanz kämpfen, wäre höchstens die Werkatze schnell genug gewesen, um sie noch rechtzeitig zu erreichen, doch sie stand zu weit weg.
Doch plötzlich kam ein Schwert herangeflogen und durchbohrte den Gnoll. Dieser sackte zu Boden, und war scheinbar getötet worden. Das Mädchen, welches ihr Schwert geworfen hatte, kam eilig angerannt und beugte sich zu Elidor herunter, als sie fragte: „Ist alles in Ordnung mit dir, Junge?“
Elidor sah, dass ihr Gesicht für eine Elfe ungewöhnlich weich und rund war, sondern eher dem Gesicht eines Menschen ähnelte. Ob sie wohl eine Halbdrow war?

Die Freunde befreiten die Sklaven. Aiven sah sich um. Abgesehen von Sileas, kannte er die meisten seiner Begleiter noch nicht lange. Dennoch sah er in solchen Situationen, dass es eine gute Wahl war, sie in seiner Nähe zu haben. Irgendwie verband sie, dass sie gut waren, von den meisten Völkern jedoch als böse angesehen wurden.
Ciara, die eine Halbdrow war, hatte eine Gestalt, die schlank und hochgewachsen war. Ihre Größe war einer der wenigen Hinweise darauf, dass sie keine reine Drow war, denn die waren etwas kleiner als Menschen. Mandelförmige, bernsteinfarbene Augen, spitze Ohren, eine dunkle Haut und lange, weiße Haare zeigten ihre Verwandtschaft zu den Drow sehr deutlich.
Doch im Gegensatz zu den Dunkelelfen, trug Ciara einen dunkelgrünen Kapuzenmantel. Aiven hatte noch nie Drow gesehen, aber Ciara sagte, dass sie sich fast immer sehr enthüllend kleideten, besonders die Frauen. Elfen, und eben auch Dunkelelfen, hatten kein so großes Problem mit Nacktheit.
Brios sah missmutig in seinen beinahe leeren Köcher. Er benutzte einen Orkbogen und auch Orkpfeile. Höchstwahrscheinlich war beides ein Geschenk seiner Mutter, die ihn als kleines Kind in abgelegene Ruinen gebracht hatte, weil sie wusste, dass er als Halbork unter Orks schlecht dran wäre.
Er sah so aus, als wäre er, verglichen mit einem Menschen, vielleicht fünfzehn Jahre alt. Aber Aiven wusste, dass er höchstwahrscheinlich etwas jünger war, denn Halborks wurden schneller erwachsen als Menschen. Das änderte nichts daran, dass er etwas größer als ein Mensch war, und lange, wild, schwarze Haare hatte, die ihm bis auf die Schultern fielen. Seine Haut war grünbraun, und stand damit in einem seltsamen Kontrast zu seiner dunkelroten und orangefarbenen Kleidung.
Sileas, mit der Aiven schon länger unterwegs war, war ein Menschenmädchen, aber an der Grenze zur Frau. Sie hatte lange, rote Haare und blaue Augen, und zusätzlich eine eher kräftige, muskulöse Statur, die sich auch durch ihre hellbraune Rüstung deutlich abzeichnete.
Ragin, der sich gerade zurückverwandelte, hatte sich der Gruppe erst vor kurzem angeschlossen. Er war eine Werkatze, jedoch ursprünglich ein Sonnenelf. Wenn man ihn sah, konnte man glauben, dass er vielleicht vierzehn Jahre alt war, doch als Sonnenelf war er tatsächlich über hundert Jahre alt. Er hatte eine leicht braune Haut, lange, blonde Haare und grüne Augen. Zudem war er auch etwas kleiner und zierlicher als ein Mensch, wie es generell auf Elfen zutraf.
Und schließlich war auch Aiven unter Menschen alles andere als unauffällig. Denn immerhin war er ein Drachengeborener. Er hatte nicht bloß eine schwere, muskulöse, über zwei Meter große Gestalt, sondern auch ein drachenartiges Gesicht und goldfarbene Augen. Seine Haut war hingegen bronzefarben, was bei seiner schwarzen Lederrüstung gut zu sehen war.
„Wir danken euch für unsere Rettung.“ sagte ein Junge, der vortrat, „Ohne euch wären wir Sklaven oder Futter geworden.“
„Wir haben euch gerne geholfen.“ erwiderte Ciara lächelnd.
Und der Junge lächelte zurück. Die meisten Menschen und anderen Völker mieden die Drow, und auch Halbdrow, da sie diese oft nicht voneinander unterscheiden konnten, aber dieser Junge offenbar nicht. Die anderen, befreiten Menschen blieben dagegen verhaltener, insbesondere gegenüber Ragin, Brios und Ciara.
„Unsere Vorräte neigen sich dem Ende. Wisst ihr zufällig, wo wir eine Siedlung finden, in der wir neue Vorräte kaufen können?“ fragte Aiven.
„Die nächste Siedlung ist weit entfernt, aber nicht weit von hier befindet sich ein Stadtstaat, und zwar ein recht großer. Dorf werdet ihr bestimmt alles finden, was ihr braucht.“
„Wir begleiten euch gerne dorthin.“ sagte Ragin.

An einem etwas weiter entfernten Ort betraten einige Gnolle eine große Höhle. Dort wohnten ihre beiden Meister. Doch diesmal würden sie wohl kaum guter Stimmung sein, denn sie hatten nicht nur viele ihrer eigenen Leute verloren, sondern auch nicht die Sklaven geliefert. Und ihr Boss hatte es ganz gewiss nicht gefreut, davon zu hören.
Der Cambion schritt scheinbar gemächlich vor den Gnollen auf und ab. Die Gnolle waren nicht gerne in seiner Nähe. So böse sie auch selber waren, hatten sie zumindest nichts dämonisches an sich. Das galt aber nicht für Cambions, die zwischen Dämonen und Menschen geboren wurden. Dennoch waren sie sowohl unter Menschen, als auch unter Dämonen unerwünscht. Fast alle von ihnen waren böse, und jene die es nicht waren, waren eher neutral als gut. Einige von ihnen dienten sogar bösen Gottheiten.
Asalion hatte dunkle Schuppen auf seiner etwas rötlichen Haut, die einen Kontrast zu seinen schwarzen Haaren bildete. Leuchtend rot waren hingegen seine Augen, aus denen er die Gnolle wütend anstarrte. Sein Schwanz zuckte voller Ärger hin und her. Außerdem zierten auch zwei Hörner seinen Kopf, seine Finger waren mit Krallen bestückt, und seine Füße endeten in Hufen. Sein Mund war voller scharfer Zähne, und auf seinem Rücken wuchsen zwei riesige Fledermausflügel.
„Wie könnt ihr es nur wagen, mit diesen Nachrichten zu mir zu kommen?“ fragte er drohend, „Ihr hattet nur diesen einen Auftrag, nämlich das zu tun, was ihr ohnehin am liebsten tut. Dörfer und Reisende zu überfallen und als Sklaven zu nehmen.“
Die Gnolle wichen ängstlich zurück, doch der Cambion zog ein Doppelklingenschwert hervor und tötete die ihm am nächsten stehenden Gnolle. Die anderen Gnolle flohen, doch der Cambion war viel schneller als sie, und tötete jeden einzelnen von ihnen. Wütend wischte er das Gnollblut von den Klingen, und packte seine Waffe wieder ein. Dann merkte er, dass er nicht alleine war.
Uthalia trat hinzu und sah abfällig auf die Gnolle.
„Glücklicherweise haben wir auch deutlich zuverlässigere Lieferanten.“ sagte sie.
Uthalia war auch eine Cambion. Sie beide hatten sich zusammengeschlossen, um einem größeren Plan zu folgen. Obwohl, wenn man es genau nahm, dann hatte sie ihm ihr Angebot unterbreitet, und er konnte nicht widerstehen, es anzunehmen. Doch inzwischen langweilte Asalion sich. In der Begleitung von Uthalia waren auch mehrere Tieflinge. Der Cambion sah sie abschätzend an.
„Bringt die Gnolle in die Ritualkammer. Dort haben wir noch Verwendung für sie.“ wies er die Tieflinge an.
Diese machten sich unverzüglich an die Arbeit. Doch kaum, dass sie außer Hörweite waren, sagte er zu der anderen Cambion: „Ich weiß allerdings nicht, ob wir beide wirklich Verwendung für die Tieflinge haben.“
„Sie sind ebenso wie wir weder Menschen noch Dämonen.“ erwiderte Uthalia.
„Ganz gewiss sind sie nicht so wie wir!“ fuhr Asalion auf.
„Ich weiß auch, dass wir ihnen in nahezu jeder Hinsicht überlegen sind. Aber sie sind unsere willigen Diener, solange sie das bekommen, was wir ihnen versprochen haben. Reichtum, Macht, und viele, viele menschliche und elfische Sklaven.“
„Der Plan dauert schon viel zu lange.“ meinte der Cambion.
„Mir dauert er auch zu lange, doch ich weiß, welche Macht wir haben werden, wenn er erfolgreich ist.“ redete sie, „Dämonen wollen bloß zerstören, bloß Chaos stiften. Das macht Spaß, doch es ist nicht zielführend. Wir werden zu wahren Herrschern, denn wir sind klüger als Dämonen.“
Beide gingen durch die Gänge ihrer Höhle. Schließlich kamen sie an einem großen Käfig vorbei. Ein junges Mädchen war dort eingesperrt, zusammen mit einem Feendrachen. Sie war ein Tiefling.
„Gefällt dir der Käfig noch immer so gut, dass du ihn nicht verlassen möchtest, Kadlin?“ fragte Asalion hämisch.
„Als eure Dienerin wäre ich auch nicht freier, als ich es jetzt bin.“ gab das Mädchen zurück.
„Da dürften die anderen Tieflinge aber anderer Meinung sein.“ meinte Uthalia, „Du kannst jederzeit diesen Käfig verlassen, und dich uns anschließen. Dazu musst du nur diesen völlig nutzlosen Mönch töten.“
Sie zeigte auf einen Dolch, der gleich neben dem Käfig lag, wo das Mädchen ihn durch die Gitterstäbe schnell erreichen konnte.
„Darauf könnt ihr lange warten!“ rief das Mädchen, „Niemals werde ich zu euch gehören!“
„Weißt du, wie lange ich nach dir gesucht habe? Deine Eltern haben dich vor den anderen in eurem Dorf versteckt. Einer von ihnen hatte wohl auch einen Dämon in seiner Blutlinie, und als das bei dir wieder zum Vorschein kam, wussten sie, dass die anderen Dorfbewohner dich töten würden. Dein Leben lang warst du in einer kleinen Dachkammer eingesperrt, oder auf der Flucht. Nun könntest du Macht und Reichtümer haben, und dennoch sitzt du lieber in dem Käfig?“ redete die Cambion.
„Eine wie du wird es wohl nie verstehen können, aber ich weiß, was richtig und was falsch ist.“ erwiderte Kadlin.
„Dann viel Spaß noch in dem Käfig und in der Dunkelheit.“ meinte sie abfällig, und beide Cambions gingen weg.
Doch für Kadlin war es nicht dunkel. Für einen Menschen wäre es bestimmt dunkel gewesen, doch sie konnte bei Dunkelheit ebenso gut sehen, wie ein Cambion, ein Ork oder ein Drow. Doch offenbar wussten die beiden das nicht, denn hier und da waren Fackeln in die Wand eingelassen. Nicht in dem Bereich des Käfigs, jedoch dort, wo die anderen Tieflinge waren.
Sie waren beinahe außer Hörweite, aber eben nur beinahe, denn Kadlin hörte sie noch reden.
„Was hältst du davon, wenn wir uns... unseren Gelüsten hingeben?“ fragte Uthalia.
„Endlich mal eine gute Idee.“ meinte Asalion und lachte.

Die Freunde waren schon einige Tage in dem Stadtstaat. Ihre Ankunft war mit einem großen Fest zusammengefallen, und so hatten sie beschlossen, länger dort zu verweilen. Reisen durch die ungezähmte Wildnis konnten sehr kräftezehrend sein, und einige Tage der Ruhe waren gewiss eine gute Idee.
Der Stadtstaat war sehr groß und prachtvoll. Ciara hatte noch nie einen solchen Stadtstaat gesehen, doch auch Sileas und Aiven, die schon deutlich mehr herumgekommen waren, waren erstaunt gewesen. Die Häuser waren aus Stein und kunstvoll verziert, selbst die Dächer. Die Straßen waren gepflastert, und überall boten verschiedene Händler ihre Waren an. Die meisten Stadtbewohner waren offenbar Menschen, doch unter den Händlern sah sie auch viele Elfen und Zwerge, und sogar einige Drachengeborene.
„Dort sind Drachengeborene.“ sagte das Mädchen zu ihrer Freundin.
„Ich weiß, ich habe sie auch schon gesehen.“ erwiderte diese.
„Sollten wir nicht Aiven davon erzählen?“ wollte die Halbdrow wissen.
„Wenn er Interesse gehabt hätte, wäre er bereits auf sie zugegangen.“ erwiderte das Menschenmädchen, „Drachengeborene sind nicht gleich Drachengeborene. Sie haben keine eigene Kultur, schon sehr lange nicht mehr. Die Clans leben verstreut unter Menschen, Elfen, Halblingen, oder wo es ihnen gerade gefällt, und leben in deren Kultur. Ich glaube, Aiven sucht nur nach Drachengeborenen aus seinem eigenen Clan.“
„Wenn wir schon dabei sind, wo sind die Jungs eigentlich?“ fragte Ciara.
„Sie wollen in das Badehaus gehen. Und danach brauchen sie auch neue Ausrüstung.“ erwiderte die Rothaarige.
„Und warum ohne uns?“ fragte sie neugierig.
„Wir sind eben weiblich, und in einem Badehaus ist man üblicherweise unbekleidet.“ erklärte Sileas, fügte aber, als sie Ciaras fragenden Gesichtsausdruck hinzu, „Die Menschen nehmen es bei weitem weniger locker, sich gegenseitig nackt zu sehen, wenn man von unterschiedlichen Geschlechtern ist, als die Elfen oder die Drow... zumindest die meisten.“
Einige Gestalten gingen an den beiden Mädchen vorbei. Sie sahen zuerst menschlich aus, doch man sah sofort, dass sie Hörner oder Geweihe hatten, ihre haut war auch leicht rötlich, und einige von ihnen hatten obendrein lange Schwänze.
„Was für ein Volk ist das?“ fragte die Halbdrow voller Neugier.
„Tieflinge.“ erwiderte Sileas, „Das sind Menschen, die einen oder mehrere Dämonen unter ihren Vorfahren haben. Soweit ich weiß, werden sie meistens gemieden, obwohl sie auch durchaus gutartig sein können.“
„Du weißt wirklich eine Menge.“ sagte Ciara bewundernd.
„Das eine oder andere. Aiven weiß noch viel mehr.“ redete Sileas.
Die beiden hatten nun ein Waffengeschäft erreicht. Sileas besah sich die Waffen, und schien besonders an zwei Sicheln interessiert zu sein. Sie nahm beide probeweise in die Hände und machte einige Übungsschläge in die Luft. Scheinbar gefielen ihr diese Waffen recht gut.
„Suchst du neue Waffen? Du kämpfst doch so gerne mit Messern.“ redete Ciara.
„Beim Kampf gegen die Gnolle habe ich erfahren, dass diese Waffen zu klein sein können, wenn ich es mit zu großen Gegnern zu tun habe. Als Abenteurer sollte man vielseitig sein, sonst könnte man den nächsten Kampf verlieren.“
Ciara sah sich um. Unter diesen Waffen war keine, die ihr gefallen hätte. Aber sie wollte sich ohnehin keine kaufen, die Göttin der sie folgte, hatte ihr eine Waffe geschenkt, welche aufleuchtete, wenn sich Kreaturen des Bösen in der Nähe befanden. Zudem schien sie auch magische Kräfte in sich zu haben.
„Du brauchst nicht die ganze Zeit bei mir zu sein.“ sagte Sileas.
„Wo sollte ich denn hingehen?“ fragte Ciara.
„Vielleicht zu dem Jungen dort.“ schlug die Waldläuferin vor und deutete auf einen Jungen, der nicht weit entfernt von ihnen stand.
Ciara sah hin. Als der Junge bemerkte, dass sie ihn entdeckt hatte, tat er so, als würde er sich plötzlich für die Waren des Marktstandes neben ihm interessieren.
„Ist dir nicht aufgefallen, dass er sich häufiger in deiner Nähe aufhält?“ fragte das Mädchen erstaunt, „Auch auf dem großen Fest wollte er scheinbar immer zu dir gehen, konnte sich aber nie so wirklich dazu aufraffen.“
„Das ist doch Elidor. Der Junge, den wir gerettet haben.“ erkannte die Halbdrow.
„Den du gerettet hast. Ohne dein Eingreifen, hätte der Gnoll ihn höchstwahrscheinlich getötet.“ erklärte Sileas, „Ich glaube, er möchte sich dafür bedanken.“
„Dann soll er doch einfach kommen, und es sagen.“ meinte Ciara naiv.
„Er will sich auf eine ganz besondere Art und Weise bedanken.“ sagte Sileas ganz direkt und grinste Ciara frech an.
Die Halbdrow verstand nicht was sie meinte, und so beugte sich das Mädchen vor, und flüsterte es ihr ins Ohr. Ciara errötete leicht.
„Ein Junge hielt sich also die ganze Zeit in ihrer Nähe auf, weil er... genau das tun möchte? Mit mir?“ fragte sie freudig aufgeregt.
„Er hat doch schon von Anfang an gezeigt, dass es kein Problem für ihn ist, dass du eine Halbdrow bist.“ erwiderte die Waldläuferin, „Wenn ein Junge so an mir interessiert wäre, würde ich ihn ganz gewiss nicht sehr lange warten lassen.“
„Dann hast du also schon...?“ fragte Ciara und errötete noch mehr.
„Schon häufig.“ grinste Sileas, „Also los. Außer natürlich, du möchtest nicht...“
„Doch, aber ich... habe noch nie...“ murmelte die Halbdrow leise.
„Ich vermute mal, er auch nicht. Sonst hätte er dich bereits angesprochen.“ kicherte die Rothaarige, „Also los.“
Ciara lächelte ihre Freundin an. Sie ging ein Stück weiter, bis sie eine schmale Gasse fand. Dort ging sind hinein. Schließlich entdeckte sie einen Hinterhof. Verschiedene Waren wurden hier gelagert, und auf einem Haufen befanden sich sogar verschiedene Decken. Ciara setzte sich dorthin und wartete.
Es dauerte nicht lange, bis der Junge ebenfalls kam. Er war ein wenig aufgeregt, wirkte zugleich aber auch freudig. Ciara war ebenfalls freudig und aufgeregt, und auch recht neugierig.
„Dein Name ist Elidor, soweit ich mich entsinne. Ich bin Ciara.“ stellte die Halbdrow sich vor.
„Ciara also.“ erwiderte er und trat näher und setzte sich neben sie, „Ich habe dir soviel zu verdanken. Du hast mich vor dem Gnoll gerettet.“
„Das würde ich auch wieder tun.“ erwiderte Ciara lächelnd.
Elidor beugte sich zu ihr und küsste sie. Zuerst auf die Wangen, dann auf den Mund. Ciara gefiel und genoss es. Sie erwiderte die Küsse. Elidor zog seinen Leinenhemd aus, und zerrte auch an seinen Hosen. Ciara streifte ihren Kapuzenmantel ab, und legte sich wieder auf den Kleiderhaufen, diesmal nackt. Elidor beugte sich über sie und strich über ihre Brüste.
Ciara mochte seine Berührungen.
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