Die Erben

von Caligula
GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Albus Severus Potter Hugo Weasley James Sirius Potter Lily Luna Potter Louis Weasley Rose Weasley
28.05.2017
23.08.2019
82
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Kapitel 75 – Beziehungskisten

Schreiend wie ein Mädchen oder wahlweise ein aufgeschrecktes Huhn rannte Hugo um sein Leben und das war nicht einmal eine Übertreibung - der Klatscher, der ihm auf den Fersen war, konnte ihn durchaus tödlich verletzen. Zumal kein Lehrer in der Nähe war, der ihn hätte verarzten können und er bezweifelte, dass einer der Jungs im Falle eines Falles einen passablen Heilzauber parat hätte. Seine Beine drohten schon nachzugeben und er bekam kaum noch Luft. Er verfluchte seine erbärmliche Kondition! Doch zum Glück eilte Marvin rasch zu seiner Rettung und sobald dieser den wilden Klatscher gelähmt und sichergestellt hatte, ließ Hugo sich einfach nur noch erleichtert auf die Knie fallen, den schmerzhaften Aufprall auf dem harten Boden ignorierend. Während er gierig Luft in seine Lungen sog und wartete, dass sein Herzschlag sich wieder normalisierte, konnte er das schadenfrohe Gackern und Johlen der vermeintlichen Spaßvögel hören, die Hugo erst in diese Lage gebracht hatten.
„Das ist nicht witzig!“, fuhr Marvin die Mitschüler an. Hugo war wirklich dankbar, dass er ihm nach der ganzen Geschichte mit Elena noch zur Seite stand. Gerade in solchen Situationen tat es doch unfassbar gut einen Freund zu haben.
„Krieg dich ein, man, ihr wolltet Quidditch spielen, wir haben euch nur dabei geholfen“, gab Jordan großspurig von sich. Jeff und Rupert kicherten weiter. Hugo gab sich einen Ruck, erhob sich und trottete zurück zu Marvin, der von den anderen Jungs belagert wurde.
„Wir wollten nicht spielen, wir wollten nur üben“, korrigierte Marvin kalt. „Ohne Klatscher, ihr Volldeppen! Es hätte sich echt jemand verletzen können!“
Hugo versuchte nicht an seine schmerzenden Knie und seine stechenden Seiten zu denken und bückte sich nach seinem Feuerblitz, den der Klatscher getroffen hatte. Zum Glück schien er den Treffer jedoch gut überstanden zu haben.
„Üben?“, wiederholte Rupert mit einem schiefen Grinsen, eine Hand in die Hüfte gestemmt. Er musterte Hugo skeptisch von oben bis unten. „Wofür denn? Sag bloß, du willst dich für euer Quidditchteam bewerben?“
Wie er das sagte klang es nach der dümmsten Idee des Jahrtausends und wenngleich Hugo manchmal selbst so trostlos dachte, wollte er den anderen diesen Triumph einfach nicht gönnen. „Genau das hab ich vor“, erklärte er so selbstbewusst er nur konnte und selbst Marvin sah einen Augenblick überrascht aus. Dann bedachte er die anderen wieder mit angriffslustigen Blicken.
Die Jungs konnten ob seiner Entschlossenheit nur lachen. „Du?!“, prustete Jordan übertrieben. „Willst du uns ruinieren? Als ob die dich überhaupt zulassen würden! Da nützt dir der beste Besen nichts“, ergänzte er noch mit geringschätzigem Blick auf Hugos Feuerblitz, den er fest umklammert hielt. Er hatte schon immer Angst gehabt, Jordan und seine Kumpels könnten sich an seinem wertvollsten Besitz vergreifen, was sie aus irgendwelchen Gründen allerdings noch nie versucht hatten. Hugo vermutete, sie hatten zu großen Schiss vor seiner penetranten Schwester, seinen berühmten Eltern oder seinem Aurorenonkel. Ihm sollte es recht sein. Zufrieden schob Jordan die Hände in die Hosentaschen. „Sagt mal, ihr hobbylosen Kinder...was ist denn eigentlich aus eurem Pfundsweib geworden?“
Hugo konnte richtig spüren wie sich Marvin anspannte. Auch ihm selbst schmeckte es nicht gerade, wenn diese Mistkerle so über Elena sprachen, aber Marvin schien kurz vor einer Dummheit zu stehen.
„Hat Professor Musumba doch gesagt. Sie ist krank und kann zurzeit nicht zur Schule kommen“, knurrte der Freund. „Es geht ihr nicht gut, okay?! Also spar dir deine behinderten Sprüche!“
„Oho!“, gluckste Jeff und stieß seinen grinsenden Kumpel an.
„Was los, Marvin? Bist du etwa verliebt?“, gackerte Rupert.
„Ja! Problem damit?!“
Darauf verging den Jungs erst einmal das dämliche Lachen und auch Hugo starrte den Freund perplex an. Dass er in Elena verliebt war, war ihm ja nicht neu, aber er konnte nicht anders als seinen Mut diese Liebe so offen hinauszuschreien, zu bewundern. Natürlich traf er bei den anderen Jungs nicht auf Bewunderung - sie kringelten sich schon wieder vor Lachen.
„Oh man! Ich will mir das gar nicht vorstellen, aber diese Bilder...ich kann gar nichts dagegen machen!“
„Wenn ihr gesehen hättet, was ich gesehen hab...!“
Hugo wollte vor Scham im Erdboden versinken. Rupert hatte den Sex zwischen ihnen beobachtet?! Davon hatte er nie ein Wort gesagt! Ob er es den anderen geschildert hatte?!
Da wandte Rupert sich mit tränenden Augen wieder an die Opfer ihres Spotts und deutete zwischen ihnen hin und her. „Ist das eigentlich cool für dich, Marv, dass dein bester Kumpel hier dein Love Interest geknallt hat? Wenn man es so nennen will?“
„Halt verdammt nochmal die Fresse!“, warf Marvin ihm beängstigend wütend an den Kopf. „Ist euch vielleicht auch nur eine Sekunde der Gedanke gekommen, dass es dieser verfluchte Abend ist, der Elena so zu schaffen macht?!“ Hugo schluckte. Er wollte denen doch jetzt nicht vor den Latz knallen, dass Elena schwanger war, oder? Das durfte er doch gar nicht ohne ihr Einverständnis! Oder hatte sie ihm das gegeben, als sie sich während der Ferien getroffen hatten? Warum sollte sie so etwas Bescheuertes tun? „An eurer Stelle würde ich das Maul nicht so weit aufreißen. Und Elena solltet ihr in Ruhe lassen.“ Seine deutlich ruhiger und kühler vorgetragenen Worte zeigten Wirkung. Jordan und seinen Freunden verging das blöde Grinsen und mit einer wegwerfenden Handbewegung zogen sie endlich ab. Zwar lästerten sie hörbar weiter, trotzdem stieß Hugo erleichtert den Atem aus. „Wichser...“, murmelte Marvin, den grimmigen Blick noch auf die sich entfernenden Störenfriede gerichtet.
„Hast du...es Elena mittlerweile gesagt?“, fragte Hugo kleinlaut.
Marvin rieb sich verlegen die Nase. „Ja, jetzt in den Ferien...hat sie dir das nicht erzählt?“
„Wieso sollte sie?“
„Ja, stimmt schon...ist wohl auch nichts womit man hausieren geht...“
„Warte, heißt das sie hat dir einen Korb gegeben?“, hakte Hugo ungläubig nach.
Marvin zuckte hilflos die Achseln, lächelte ohne jedoch besonders glücklich zu wirken und malte mit seinem Schuh Muster in den Rasen. „Jah...naja, sie meinte sie ist im Moment einfach nicht bereit für eine Beziehung und ich versteh das irgendwie. Sie hat echt andere Sorgen und sie soll sich ruhig erst auf ihr Kind konzentrieren.“ Er schnaubte und sah Hugo direkt in die Augen. „Ich will ganz ehrlich sein, ich hab sie gefragt, ob das wirklich alles ist oder ob es auch an dir liegt.“
„Zwischen uns läuft nichts!“, wehrte Hugo hastig mit gehobenen Händen ab.
„Schon klar, aber ich weiß, dass sie dich mag oder zumindest sehr mochte und jetzt wohnt ihr auch noch unter einem Dach...“
„Das ist doch nur vorläufig.“ Zwar wusste er nicht wie lange vorläufig war, aber im Zweifelsfall hatte er ja immer noch die Option in die Wohnung über dem Scherzartikelladen zu ziehen.
„Trotzdem...“, druckste Marvin gequält rum, bis er Hugo schließlich lachend gegen die Schulter schlug. „Kannst du dir nicht endlich eine Freundin suchen? Das würde mir die ganze Sache wesentlich leichter machen.“
Aber das war nicht so einfach. Die Mädchen standen nicht gerade Schlange bei ihm und wenn er an Mädchen dachte, drifteten seine Gedanken sehr schnell immer zu einem bestimmten Mädchen ab, das er unmöglich haben konnte. Schließlich war Lily seine Cousine.
„Im Moment hab ich keinen so großen Bedarf“, log er und um Marvin nicht in die Augen sehen zu müssen, wog er nachdenklich seinen Besen in den Händen und versuchte ihn auf einer einzigen Handfläche auszubalancieren. „Ich weiß ja nicht, ob Elena dir das erzählt hat, aber meine Mum hat uns zu so einem Geburtsvorbereitungskurs geschickt, das war die Hölle...“
Marvin lachte. „Stimmt, hat sie!“
Hugo verzog leidig das Gesicht. „Ich glaub, ich genieße meine letzten Wochen als freier Mann lieber noch.“
„Na, meinetwegen. Dann lass uns weiter üben und einen ordentlichen Quidditchspieler aus dir machen!“, erklärte der Freund voller Tatendrang, schnappte sich seinen eigenen Besen und sah sich suchend nach dem Quaffel um. „Ich weiß nicht wie viel Zeit uns noch bleibt, bis die Ravenclaws hier aufschlagen...aber hey, vielleicht kannst du dir dann nächstes Jahr eine Cheerleaderin klar machen!“, wechselte er grinsend schon wieder das Thema.
„Wenn ich es ins Team schaffe...“
„Das wird schon, hab mal ein bisschen Selbstvertrauen. Immerhin haben deine Eltern dir den brandneuen Besen geschenkt und nicht deiner Schwester“, fügte er zwinkernd hinzu und wollte Hugo damit wohl Mut machen. Hugo hingegen fühlte sich zunehmend unter Druck gesetzt. So sehr er seinen neuen Besen auch liebte, er blieb irgendwie eine Erinnerung daran, dass er sich zumindest im Quidditch hervortun sollte, wenn er in Hogwarts schon sonst nichts erreicht hatte. Deswegen war er in diesen Genuss gekommen und Rose nicht. Sie hatte das nicht nötig. Doch Marvin verstand es immer wieder ihn aufzubauen. Er ließ nicht locker, bis Hugo sich selbst wieder einreden konnte, dass er nicht schlechter als Rose spielte, die es schließlich auch in die Mannschaft geschafft hatte. Mit diesem Selbstbewusstsein übten sie noch eine ganze Weile, bis die Ravenclaws schließlich zu ihrer Trainingseinheit anrückten.

Zurück im Schloss wollten die beiden als erstes unter die Dusche und anschließend noch ein paar Hausaufgaben erledigen, doch alle Pläne fielen in sich zusammen, als Lily strahlend auf ihn zukam. Augenblicklich setzte Hugos Herz einen Schlag aus. Er könnte ihr gefallen, hatte sie gesagt. Nachdem sie ihn geküsst hatte. Und er sie hatte anfassen dürfen. Er war gar nicht umhin gekommen, sich Hoffnungen zu machen, auch wenn sie seitdem nicht mehr über ihr Treffen in seinem Zimmer gesprochen hatten.
„Hey, Hugo“, grüßte sie ihn zuckersüß, wobei sie Marvin irgendwie überging. „Warst du etwa auf dem Quidditchfeld?“, folgerte sie mit Blick auf seinen geschulterten Besen.
Hugo räusperte sich, doch ehe er antworten konnte, übernahm Marvin. „Ja, wir haben da ein wenig trainiert.“
„Ihr wollt euch für die Mannschaft bewerben?“
„Ich schon“, murmelte Hugo. Er erwartete eine abwehrende Reaktion und dachte an Fred, der ihm zu Beginn des Schuljahrs bereits zu verstehen gegeben hatte, dass er in Hugo nicht unbedingt einen Quidditchspieler sah. Doch Lily lächelte.
„Das ist doch großartig. Warum erzählst du mir nicht etwas mehr darüber?“ Sie hakte sich bei ihm unter und plötzlich war es ihm furchtbar unangenehm so verschwitzt zu sein. Marvin betrachtete ihn erwartungsvoll.
„Äh...klar...gerne...wenn du was darüber hören willst...?“
„Sonst würde ich doch wohl nicht fragen, Dummerchen! Macht es dir was aus mir meinen Cousin zu überlassen, Marvin?“, wandte sie sich an den Mitschüler, der Brauen und Hände hob.
„Bitte...wenn du mich suchen solltest, du weißt ja wo du mich findest“, sagte er an Hugo gewandt, der nickte. Dann zog der Freund ab und Lily bugsierte ihn zielstrebig in einen Korridor.
„Aha. Wo denn?“, hakte sie neugierig nach.
„Wir wollten nachher in der Bibliothek noch Hausaufgaben machen...“
„Wie langweilig.“
„Naja, wir müssen sie ja machen. Ich kann unmöglich schon wieder keine Hausaufgaben bei Professor Edgecombe haben...“ Die war sowieso schon nicht gut auf ihn zu sprechen.
„Oder...ich lass dich die Hausaufgaben bei mir abschreiben und dafür verbringst du etwas Zeit mit deiner geliebten Cousine“, hatte sie einen Gegenvorschlag parat, der Hugo schlucken ließ.
„Klingt so als würde ich nur gewinnen.“
„Dann wärst du wohl ein Trottel, nicht darauf einzugehen!“
Über eine Treppe gelangten sie ein Stockwerk höher und Lily führte ihn in einen anscheinend ewig nicht mehr genutzten Klassenraum, der augenscheinlich als Abstellkammer diente, dessen Fenster jedoch trotzdem viel Licht hineinließen. Sie nahm ihn an die Hand und zog ihn um einen hoch gebauten Stapel aus Tischen, alten Besen und irgendwelchen Kartons herum, der einen natürlichen Sichtschutz vor eintretenden Störenfrieden bot. Sofort beschleunigte sich sein Herzschlag in froher Erwartung, warum sie ihn wohl in so eine entlegene Ecke geführt hatte. Und seine Hoffnung sollte nicht enttäuscht werden, denn in dieser geschützten Ecke stand ein alter Sessel. Der Bezug war an manchen Stellen aufgerissen und von Flecken überzogen, trotzdem gehorchte Hugo augenblicklich, als Lily ihn ins Polster dirigierte. Während sein Besen an die Fensterbank gelehnt Platz fand, machte Lily es sich auf seinem Schoß bequem.
„Woher...kennst du den Ort hier?“, fragte Hugo, einfach nur um etwas zu sagen.
„Manchmal ziehe ich mich hierher zurück“, verriet sie. „Mit Kerzenschein ist das richtig gemütlich.“
„Aha.“ Mit Kerzenschein wäre es auch ziemlich romantisch. Er konnte sein Glück gar nicht glauben und kämpfte verzweifelt gegen den Ständer an, der sich bereits ankündigte.
„Ich find's gut, dass du Quidditch spielen willst“, fuhr sie sanft fort und strich mit den Fingerspitzen sachte über sein Schlüsselbein.
„Ach ja?“ Sie hatte gesagt, er könnte ihr gefallen. Hatte er etwa alles richtig gemacht?
„Liebst du mich?“
Die Frage kam so plötzlich und trotz allem was zwischen ihnen schon vorgefallen war unerwartet, dass es Hugo die Sprache verschlug. „Ähm...“
„Ich glaube schon“, antwortete Lily selbst. „Ich glaube, du bist hoffnungslos in mich verschossen, aber ich will es aus deinem Mund hören.“
Er zögerte. Er war sich ziemlich sicher, dass sie recht hatte. Und sie wusste es. Warum fiel es ihm dann so schwer, es einfach auszusprechen? „Ich...ja...“, gab er schließlich beschämt zu.
„Wirklich? Ich muss ganz sicher sein, dass du mich wirklich liebst und nicht nur als Sexobjekt betrachtest“, blieb Lily vollkommen ernst und rieb demonstrativ über seinen Schritt.
„Ich liebe dich!“, rief Hugo panisch aus. „Aber ich kann nichts dafür, dass ich...auf dich reagiere...“, wurde seine Stimme mit jedem Wort wieder leiser und seine Ohren immer heißer.
„Das ist okay“, schmunzelte Lily.
„Ist es das?“, meinte er geknickt, jedoch auf sein Liebesgeständnis bezogen. Ein hübsches Mädchen zu begehren war doch weniger verwerflich als sich eine gemeinsame Zukunft mit seiner Cousine vorzustellen. „Ich meine, wir sind...Cousin und Cousine...“
Lily gab einen genervten Laut von sich. „Und? Es gibt keine reinere Liebe als zwischen Verwandten. Und es ist nicht mal verboten.“ Fast klang es als wolle sie eine offizielle Sache draus machen.
„Unsere Eltern fänden das bestimmt nicht gut...“
„Hugo. Willst du mich oder willst du mich nicht?“
„Doch!“, sprudelte es hastig aus ihm heraus aus Angst sie könne einen Rückzieher machen und er den schlimmsten Fehler seines Lebens. Gut, vielleicht den zweit schlimmsten. „Ich will...dich...“ Er schaffte es nicht es so locker auszusprechen wie sie, aber immerhin hatte er jetzt für klare Verhältnisse gesorgt.
„Dann lass es uns endlich tun“, hauchte sie, nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände und drückte ihre Lippen auf seine. Zunächst sanft, dann fordernd und schließlich spürte er sogar ihre Zunge. Der Kuss machte ihn ebenso verrückt wie ihr wohliges Stöhnen in diesen und er hatte das Gefühl platzen zu können. Vor Erregung und Glück.
Mühevoll löste Lily sich wieder von seinem Mund. „Lass uns uns lieben. Ich will...mit dir zusammen sein, Hugo.“
Das Blut rauschte geräuschvoll in seinen Ohren und sein Herz hämmerte wie wild in seinem Brustkorb. „Ich...aber...und ist das okay? Ist das nicht...pervers...?“
Sie brachte ihre Lippen nahe an sein Ohr, sodass er ihr Gesicht nicht sehen konnte und ihr Haar seine Nase kitzelte. „Nein. Aber...weil so unreife Kotzbrocken wie Jordan das nicht verstehen würden, behalten wir es erstmal für uns“, flüsterte sie. „Dass du mein Freund bist und ich...deine Freundin. Einverstanden?“
„Ja...“ Beschämt presste er die Lippen fest aufeinander, weil sich seine Bestätigung mehr nach einem Stöhnen als nach einer ordentlichen Antwort angehört hatte, aber noch immer war er sich ihres Hinterns unmittelbar auf seinem Schritt bewusst. Und seine Freundin...klang einfach zu schön um wahr zu sein.

„Wie sieht's aus, Freddy? Wollen wir noch ein paar Erstklässler verarschen? Oder konzentrieren wir uns lieber auf Zabini, von der haben wir nicht mehr so lange was...“, überlegte Lucy laut, als Fred vom Klo zurückkam.
„Ich hab nachgedacht“, unterbrach er die Überlegungen der Freundin, die bloß die Achseln zuckte.
„Naja, auf dem Klo hat man ja bekanntlich die besten Ideen.“
„Komm mit.“
Ohne großartige Fragen zu stellen, folgte Lucy ihm. Das war das Tolle an Lucy. Wenngleich sie stundenlang über die uninteressantesten Dinge reden konnten, war im Grunde nicht ein einziges Wort zwischen ihnen nötig. Wenn er sagte 'komm mit', tat sie dies ohne es zu hinterfragen. Wenn sie sagte 'spring', tat er dies ohne es zu hinterfragen. Und wenn es nur zu ihrer eigenen Belustigung diente. Sie vertrauen einander blind und verstanden einander völlig. Wenn es mit anderen Mädchen doch nur genauso einfach wäre wie mit Lucy.
Erst als er sie raus aus dem Schloss und zum See führte, wurde Lucy skeptisch, vor allem als sie Brenda und ihre Freundinnen dort entdeckte, die das schöne Wetter auf Decken genossen.
„Was soll das?“, flüsterte sie genervt, die gackernden Schnepfen nicht aus den Augen lassend. „Ich werd mich nie mit Brenda anfreunden und wenn du mich jetzt dazu zwingen willst, sie besser kennenzulernen, dann weise ich dich freundlich darauf hin, dass ich mit ihr in einem Schlafsaal wohne und sie wahrscheinlich besser kenne als du, also...“ Er stoppte ihren Redeschwall, indem er ihr die Hand auf den Mund drückte, die sie trotzig wieder von sich schob. Dann hatten sie die Mädchen auch schon erreicht und Brenda hatte sie bemerkt. Ihr Strahlen wurde nur kurz mit Blick auf Lucy getrübt.
„Freddy! Was für eine Überraschung!“ Obwohl sie ihren kleinen Streit, weil er in den Ferien mal wieder zu wenig Zeit für sie gehabt hatte, schon wieder beigelegt hatten, klang immer noch Vorwurf aus ihrer Stimme. Und dass er Lucy im Schlepptau hatte, missfiel ihr sicher auch. Auffordernd klopfte sie neben sich auf die Decke. „Komm her, Schatzi“, wies sie ihn an wie einen Hund und ihre Freundinnen kicherten belustigt.
Fred hob abwehrend eine Hand. „Geht schon. Ich wollte nur kurz was sagen.“
„Was denn?“
„Naja, ich glaub, dass mit uns beiden läuft nicht so, deswegen will ich Schluss machen.“
Ausnahmslos allen Mädchen klappte die Kinnlade herunter. Lucy sah erwartungsvoll zwischen ihm und Brenda hin und her.
„Ist das dein Ernst?“, fand Brenda schließlich ihre Sprache wieder, wenngleich ihr Mund auch nach Beendigung ihres Satzes weit offen stand.
„Mein voller Ernst“, gab Fred so ernst wie möglich zurück.
„Du verarschst mich gerade, oder?“ Mühsam rappelte sie sich auf, ihre Freundinnen taten es ihr gleich.
„Nein, ich mein es ernst.“ Und er konnte nicht fassen, dass sie jetzt so ein Theater veranstaltete - sie hatte ihn damals in etwa auf die gleiche Weise abserviert und er hatte sich auch damit abfinden müssen. Offenkundig war ihm das allerdings auch leichter gefallen als ihr jetzt.
„Was stimmt denn bloß nicht mit dir, du Wichser?“, brach ihre Stimme und die ersten Tränen glitzerten in ihren Augen. „Ist es etwa wegen Lucy...?“ Ihre Freundinnen verzogen angewidert die Gesichter und Fred warf theatralisch die Hände in die Luft.
„Himmel, Arsch und Zwirn! Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mir unterstellt auf meine eigene Cousine zu stehen!“ Damit drehte er sich um und trat den Rückweg zum Schloss an. Lucy folgte ihm, genoss wohl noch einen Moment die Hasstiraden, die Brenda ihm hinterherrief und stieß ihm grinsend in die Seite.
„Nicht dass ich deine Entscheidung nicht begrüßen würde, aber wäre es nicht sinnvoller gewesen das vor den Ferien zu tun? Dann hätte sie etwas Zeit gehabt sich wieder einzukriegen.“
Fred zuckte unbeeindruckt die Achseln. „Vielleicht. Aber sie weiß ja, dass sie sich besser nicht mit uns anlegt, also geht das schon klar.“
„Und das ist dir auf dem Klo eingefallen?“, hakte sie ungläubig nach. „Quasi als du den Haufen runtergespült hast, oder wie?“, fügte sie grinsend hinzu.
„Nein...“ Damit würde er Brenda unrecht tun, aber das konnte er vor Lucy nicht zugeben. Denn es lag nicht an Brenda, sondern an ihm. Es musste so sein. Er war derjenige, mit dem irgendwas nicht stimmte.
„Hey, jetzt zieh doch nicht so ein Gesicht!“, riss Lucy ihn mit einem harten Schulterklopfen wieder aus seinen Gedanken. „Du hast das Richtige getan. Ich hoffe nur, diesmal ist es endgültig.“
„Ja“, murmelte er betont cool, wenngleich er das Gegenteil hoffte. Dass diese ungewöhnliche Taubheit eben nicht endgültig war.
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