Weasleys' Devilish Directing Device

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Draco Malfoy Fred & George Weasley Harry Potter Lucius Malfoy Severus Snape
28.05.2017
11.11.2017
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Runde 1 des Navi-Wettbewerbs. Vorgaben verstecken sich hinter dem Link.
Oder ihr geht hierhin. Ich fand (zumindest Runde 1 bisher) nämlich so toll, dass ich  dazu auch noch Kingsman-Drabbles geschrieben habe, und die haben als Überschriften die entsprechenden Vorgaben.

Die beschriebene Route hab ich schön mit Google Maps geplant, habe damit kleinteilig die Flusslänge gemessen, bin 17 km mit Streetview gefahren. Ich hab auch auf den Linksverkehr geachtet, wo es denn von Belang war, und ich hoffe, dafür könnt ihr mir verzeihen, dass ich die Streckenangaben in Kilometern statt Meilen gemacht habe und für die Zeitberechnung km/h statt mph benutzt habe.

[Als fertiggestellt markiert, bis es Zeit für den Beitrag zu Runde 2 wird.]



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Severus war von Anfang an gegen die Beziehung gewesen. Sein Patensohn mit den Chaoszwillingen, mit Weasleys!, das konnte doch nie und nimmer gut gehen.
Dann stellte sich heraus, dass Draco die Chaoszwillinge zu einem Terror-Trio ergänzte, und die Sorge um seinen Patensohn wich der Sorge um sein eigenes Wohlergehen. Draco hatte schon ziemlich früh die Angewohnheit entwickelt, sich in Severus' Leben einzumischen („damit du mehr von der Welt siehst als immer nur Kessel und Trankzutaten“) – was noch schlimmer geworden war, nachdem Severus Hogwarts verlassen und einen Zaubertrankladen in der Winkelgasse eröffnet hatte – und nun auch noch ausgestattet mit den Ressourcen der Zwillinge? Das war fast noch furchteinflößender als der Dunkle Lord in seinen Crucio-freudigen Phasen.

Er revidierte seine Meinung. Das Terror-Trio war definitiv furchteinflößender als der Dunkle Lord. Dafür, dass der der Erbe Slytherins gewesen sein wollte, waren seine Crucios als Bestrafung etwa so subtil wie Rock'n'Roll tanzende Elefanten. Draco und dessen Zwillinge hatten es hingegen geschafft, ihre Bestrafung für seine fortschreitende Isolierung von der Außenwelt sogar als Geschenk zu verpacken, und das wahre Ausmaß ihrer Bestrafung hatte sich auch erst nach mehreren Stunden offenbart – wenn das nicht Slytherin war, verdiente auch nichts anderes diese Bezeichnung.

Es fing damit an – okay, man könnte jetzt ganz weit zurück gehen und mit dem Moment beginnen, als Lucius Malfoy ihn als Paten für seinen Sohn wählte, oder vielleicht auch mit der Zeit, als Draco in Hogwarts war und dort zum ersten Mal auf die Chaoszwillinge traf. Aber sagen wir einfach, es fing damit an, dass Severus seinen Laden eröffnete, jemanden brauchte, der sich um alles kümmerte, was nicht direkt mit dem Brauen der Tränke zu tun hatte, und nur Draco fand.

Draco war nicht nur verantwortlich für Verkauf und Beratung, sondern auch für die Einrichtung und Dekoration des Verkaufsraums und der damit einhergehenden Akquisition des benötigten Mobiliars. Und – um zum eigentlichen Punkt dieser Erklärung zu kommen – er hatte eine Töpferei gefunden, die sie mit guten, zaubertranksicheren, aber auch ästhetisch ansprechenden Tongefäßen versorgte.
Draco schwieg sich über die Quelle aus und kümmerte sich sogar selber um die dafür anfallende Buchhaltung – im Nachhinein ganz offensichtlich Teil seines perfiden Plans zu Severus‘ Bestrafung.
Die Heimlichtuerei weckte natürlich unterbewusst dessen Neugier und ließ gleichzeitig seine Slytherin-Alarmglocken schrillen, weswegen er dann ein wenig zu bereitwillig darauf ansprang, als Draco nach einem ihrer kurzen Arbeitstage verkündete, dass er ihn zu der geheimnisvollen Töpferei bringen würde. Ein „Wir haben schon 300 Tage seit Eröffnung überstanden“-Geschenk, angeblich. Als Severus keine zwei Schritte aus seinem Laden heraus links und rechts von den Zwillingen eingekesselt wurde, mit Draco direkt hinter ihm, war es zu spät, sich zu wehren.

Sie leiteten ihn durch den Tropfenden Kessel hinaus auf die Charing Cross Road zum Zaubererparkplatz, der einige Zeit nach dem Krieg entstanden war, als Autos in der Zaubererwelt in Mode kamen. Dort verfrachteten sie Severus in ein grellblaues Auto – auf den Fahrersitz! – tippten mit dem Zauberstab auf das Gerät, das in der Mitte auf dem Armaturenbrett befestigt war, schlossen die Tür und verschwanden. Ließen ihn alleine in diesem farbenfrohen Metallkasten – aus dem er nicht herauskam!
Die Türen waren verriegelt und ließen sich weder auf normale noch auf magische Weise öffnen, genauso wenig die Fenster, und herausapparieren konnte Severus auch nicht.
Diese verfluchten – hätte sich Lucius doch nur gegen Narzissa durchgesetzt und Draco nach Durmstrang geschickt, dann würde es das Terror-Trio jetzt nicht geben!

Severus war gerade dabei zu berechnen, wie lange er vermutlich im Mungos bleiben müsste, wenn er das Auto um sich herum in die Luft jagen würde, als ein Zettel aus den Lüftungsschlitzen flatterte.

Je eher du losfährst, desto eher kommst du hier raus – das Auto ist unkaputtbar und die Türen werden sich erst öffnen lassen, wenn du am Ziel angekommen bist.
Also schnall dich an, drück den roten Knopf und dann:
Gute Reise ;)


Diese miesen kleinen Dreckskröten! Da kümmerte man sich so um seinen Patensohn, gab ihm einen guten Job, den er als ehemaliger (wenn auch unfreiwilliger) Anhänger Voldemorts nicht so leicht kriegen würde – half sogar dessen Partnern, die man nicht wirklich leiden konnte, mit ihren Problemen bei Zaubertränken – und das war der Dank?!

Eine genaue Untersuchung des Autos (oder besser: der ihm anhaftenden Magie) zeigte leider, dass die Notiz die Wahrheit sagte. Grandios. Wirklich eine wunderbare Idee, ihn als absoluten Fahranfänger auf eine Morgana-weiß-wie-lange Fahrt zu schicken.
Hoffentlich hatten diese drei Idioten daran gedacht, eine Sicherheitsklausel einzuarbeiten, sodass er im Falle eines Unfalls nicht auch in dem Auto gefangen war.
Aber es half ja doch nichts, er hatte nicht die richtigen Hilfsmittel dabei, die unwillkommenen Schutzbanne und Zauber zeitnah aufzulösen. Und immerhin wusste er theoretisch, wie man so ein Auto fuhr.
Anschnallen also und… der rote Knopf… aah, auf diesem Gerät am Armaturenbrett.
Es leuchtete auf und – Merlin rette ihn, die zwei Weasley-Chaoten fingen an zu sprechen.

„Herzlich willkommen–“
„Und herzlichen Glückwunsch– “
„Mit dem Kauf von Weasleys‘ Devilish Directing Device– “
„Dem ersten magischen Navigationsgerät– “
„Haben Sie ausgezeichneten Geschmack bewiesen.“
„Sie können das Gerät im Inland benutzen– “
„Im Ausland– “
„Und sogar innerhalb von Gebäuden!“
„Ob sie zu Fuß unterwegs sind– “
„Mit ihrem Auto– “
„Oder auf ihrem Besen– “
„Weasleys‘ Devilish Directing Device bringt Sie immer zu ihrem Ziel.“
„Bitte beachten Sie, dass das WD3 nicht für den Gebrauch– “
„Mit fliegenden Teppichen ausgelegt ist– “
„Da deren Benutzung seit 1908 in Großbritannien verboten ist.“
„Sollten Sie Ihr WD3 dennoch auf einem fliegenden Teppich verwenden– “
„Übernimmt Weasleys Zauberhafte Zauberscherze keine Haftung für– “
„Verletzungen– “
„Blutfehden– “
„Gefängnisaufenthalte– “
„Sachbeschädigungen– “
„Todesfälle– “
„Und andere eventuelle Unannehmlichkeiten.“

„Da Sie sich gerade in einem Auto befinden– “
„An dieser Stelle noch folgende Warnung:“
„Sie wurden als Fahranfänger erkannt– “
„Daher wurde der ‚Fliegende Ritter‘-Modus eingeschaltet.“
„In diesem Modus– “
„Ist die Route– “
„Die das WD3 findet– “
„Gegebenenfalls nicht die kürzeste– “
„Oder die schnellste– “
„Aber wir garantieren Ihnen:“
Es ist definitiv die Beste!

„Damit ist die Einführung nun beendet– “
„Wenn Sie sie erneut hören möchten– “
„Sagen Sie– “
Wiederholen.
„Wollen Sie hingegen Ihre Fahrt beginnen– “
„Sagen Sie– “
Los.

Severus hatte sich das alles angehört, ohne ein Wort zu sagen, doch das hieß nicht, dass er inzwischen weniger aufgebracht war.
„Hört endlich auf, meine Zeit zu verschwenden, ihr nichtsnutzigen Idioten!“, schnarrte er. „Natürlich möchte ich jetzt endlich losfahren, wenn ihr mich schon nicht aussteigen lasst!“

Sobald Severus „losfahren“ gesagt hatte, hörte er das Brummen und spürte die Vibrationen, die ihm sagten, dass der Motor gestartet wurde. Er legte seine Hände an das Lenkrad – vorsichtig, als wäre das Auto ein wilder Hippogreif – und trat noch vorsichtiger auf das Gaspedal.
Er musste zum Glück nicht umständlich ausparken – der Parkplatz war leer genug, aber trotzdem tuckerte er im Flubberwurmtempo durch die Reihen, bis er schließlich am Ausgang angekommen war. Dort meldete sich das Navigationsgerät wieder zu Wort.

„Nach Verlassen des Parkplatzes– “
„Biegen Sie links ab– “
„Oder rechts– “
„Völlig egal.“

„Unfähige Dummköpfe!“, grummelte Severus und bog der Einfachheit halber links ab.
Die folgenden Anweisungen waren zum Glück eindeutiger als dieser Müll vom Anfang, aber dafür schickten sie ihn gefühlsmäßig auf Sight-Seeing-Tour durch halb London – inklusive irrsinniger (fehlerhafter) geschichtlicher Anekdoten aus dem Navi – und er konnte nicht dagegen wirken, weil auf dem Gerät zwar Pfeile auftauchten, wenn er abbiegen sollte, die vollständige Route aber nicht angezeigt wurde.
Sie fingen an auf dem Trafalgar Square, dann an der Themse entlang zur Blackfriar Bridge, auf der anderen Uferseite zurück und über die Westminster Bridge am Uhrenturm mit der Big Ben vorbei.
Danach durch den Green Park, wo Severus lernte, was ihm der „Fliegende Ritter“-Modus brachte, denn er konnte tatsächlich quer durch den Park fahren – Bäume, Bänke, Mülleimer sprangen einfach aus dem Weg, wenn der Weg zu schmal war, und keinem der spaziergehenden Muggel fiel etwas auf.
Das Navi wollte ihn auch eine Runde um den Buckingham Palace schicken, aber diese Anweisung ignorierte Severus gekonnt und fuhr stattdessen nach ein paar Straßen nach eigenem Gutdünken weiter. Er landete am Hyde Park und wollte gerade nach zaubertrankfähigen Kräutern Ausschau halten, als sich das Weasley-Teufelsgerät wieder zu Wort meldete.

„Oh oh.“
„Wo sind Sie denn gelandet?“
„So ganz abseits vom Weg…“
„Hätten Sie mal lieber auf uns gehört!“
„Wenn Sie noch irgendwann– “
„An Ihrem Ziel ankommen wollen– “
„Sollten Sie bei nächster Gelegenheit links abbiegen.“
„In 20 Metern heißt das.“

Severus fuhr an die entsprechende Kreuzung heran und hielt abrupt an.
„Das ist eine Einbahnstraße, ihr verdammten Hohlköpfe, eine Einbahnstraße, durch die man aus dieser Richtung nicht fahren darf! Unfähige Gryffindor-Idioten!“

„Hier links abbiegen“, wiederholte die Weasley-Stimme.
„Hören Sie auf uns– “
„Sie haben den ‚Fliegenden Ritter‘-Modus– “
„Ihnen kann so schnell nichts passieren!“

„Was, bei Morgana, hat eigentlich dieses ‚fliegend‘ in dem Modusnamen zu tun“, murrte Severus während er langsam wieder losfuhr (und tatsächlich abbog). „Es wird doch wohl niemand so idiotisch gewesen sein –“

Wuhuuu!
„Sie haben den Super-“
„Extra-“
„Spezial-Modus– “
Fliegen– “
„Aktiviert!“
„Halten Sie sich fest – “
„Hier geht gleich alles in die Luft!“

„Ihr gehirnamputierten Volltrottel! Abbrechen. Hört ihr? Abbrechen!“, rief Severus, doch es war zu spät. Der Schutzbann, der verhinderte, dass Muggel etwas Ungewöhnliches bemerkten, flackerte kurz auf, verstärkte sich und dann hob das Auto auch schon ab.
Irgendetwas löste sich an der Befestigung des Lenkrads, sodass es sich nun zur Regulierung der Flughöhe nach oben und unten schieben ließ, aber zu Severus‘ großem Missfallen ließ sich das Auto nicht wieder landen – der Versuch führte nur dazu, dass das abstoßende Lachen der zwei Weasley-Terror aus ihrem Gerät ertönte und er anfing zu fluchen und damit erst aufhörte, als er wieder festen Boden unter den Reifen hatte.

„Sie befinden sich nun auf der Cromwell Road– “
„Man könnte auch sagen– “
„Auf der A4.“
„Folgen Sie dieser– “
„Bis sie zur M4 wird.“
„Dort erhalten Sie weitere Anweisungen.“
„Aber zuvor möchten wir Ihnen noch sagen– “
„Dass die Geschwindigkeitsbegrenzung– “
„Hier höher ist– “
„Als zu Beginn unserer Fahrt.“
„Sie können natürlich weiterhin– “
„In Ihrem geringen Tempo fahren– “
„Wenn Sie es lieber– “
„Gemütlicher haben wollen.“
„Dank des ‚Fliegenden Ritter‘-Modus‘– “
„Können Sie den Verkehr– “
„Schließlich nicht aufhalten.“
„Wenn Sie es wiederum eilig haben– “
„Empfehlen wir Ihnen– “
„Jetzt Gas zu geben.“

Das hätte man auch kürzer, ohne so viel unnötige Ping-Pong-Sprechweise, sagen können. Severus verdrehte genervt seine Augen und trat aufs Gaspedal.

Wohwohwoh!
„Wir bewundern Ihren Enthusiasmus– “
„Aber vielleicht– “
„Wollen Sie doch– “
„Ein wenig langsamer– “
„Fahren.“
„Sie wissen schon– “
„Um nicht Kontrolle über das Auto verlieren– “
„In einen Baum– “
„Oder eine Leitplanke– “
„Zu crashen– “
„Oder so.“
„Selbst der ‚Fliegende Ritter‘-Modus– “
„Macht aus einem Auto– “
„Keine Wundermaschine.“

„Wie wäre es, wenn ihr Idioten solche Dinge einfach auf dem Gerät anzeigen würdet, statt stundenlang dumm herumzulabern und nicht zum Punkt zu kommen“, grummelte Severus, ließ das Auto aber langsamer werden, bis er in etwa auf dem Tempo der anderen Fahrer war.
(Ihm war die hohe Geschwindigkeit selber nicht geheuer gewesen, aber das musste ja niemand wissen, nicht wahr?)
Danach hatte er (zum Glück) einige Minuten Ruhe – zumindest bis zum Hogarth-Kreisverkehr – und als ein Schild kurz darauf anzeigte, dass er nun auf der M4 war, und das Weasley-Teufelsgerät verkündete, dass er dieser 186 km folgen sollte, freute Severus sich – inmitten von wilden Flüchen, Beleidigungen und ungläubigen Fragen, wohin man ihn denn schickte – schon auf die lange Stille des Geräts. Anderthalb Stunden würde er bestimmt brauchen, hatte Severus schnell geschätzt, und da er das Auto bei dem aktuellen Tempo noch gut unter Kontrolle hatte, konnte er die Zeit nutzen, um seine geplanten Verbesserungen am Wolfsbanntrank erneut theoretisch unter die Lupe zu nehmen.

Hätte das tun können, wenn er denn tatsächlich Ruhe gehabt hätte. Nachdem er sie sechs Jahre lang in seinem Unterricht ertragen musste, hätte Severus klar sein sollen, dass die Zwillinge nicht so lange den Mund halten konnten.

Es fing damit an, dass sie ihm „mit Musik die Zeit verkürzen“ wollten.
Mit den Schwestern des Schicksals.
Severus jagte einen Silencio auf das Teufelsteil, aber statt zu verstummen, wechselte es zu Celestina Warbecks „Cauldron Full Of Hot Strong Love“.
Der folgende Bombarda zerstörte das Gerät zwar nicht, aber immerhin hörte die Musik wieder auf.

Eine knappe Viertelstunde später begannen die infantilen Idioten, ihm alberne „Autobahn-Spiele“ vorzuschlagen. Autos zählen, pah, am besten noch nach Farbe – sah er denn wie ein Kleinkind aus? Oder als ob er sich damit auskennen (oder es ihn überhaupt dafür interessieren) würde, nach welchen Regeln Muggel ihre Kennzeichen verteilen? Ganz zu schweigen davon, dass er als Fahrer – und zudem auch noch als Fahranfänger – besseres zu tun hatte, als auf die Kennzeichen anderer Autos zu achten.
Elendige Dummköpfe.

Dieses Mal versuchte Severus es mit einem Strahl reiner Magie und konnte das Gerät tatsächlich außer Gefecht setzen – sogar der leuchtende Pfeil, der ihn immer weiter geradeaus schickte, verschwand.
Nach einer Weile begann Severus sich Sorgen zu machen, wie lange er in dem Auto gefangen sein würde, wenn er angeblich erst am Ziel herausgelassen wurde, dieses aber ohne das verfluchte Gerät gar nicht finden konnte.
Dann tauchte mit einem leisen Knall der Pfeil wieder auf und die Stimmen der Zwillinge begannen Witze zu erzählen.
Witze, über die nur Gryffindors lachen konnten.
Na gut, Hufflepuffs würden mit ihrer scheußlich menschenfreundlichen Art vermutlich mitlachen.
Ravenclaws würden eine soziologische Fallstudie daraus machen und Slytherins würden höchstens über den erbärmlichen Versuch von Humor lachen.
Severus war nicht nach Lachen zumute.
Ein weiterer Stoß seiner Magie würgte das Gerät gleich während des zweiten Witzes ab.

Gesegnete Stille.

Bis sich das Gerät keine halbe Stunde später wieder zu Wort meldete – ausgerechnet mit Werbung für „Weasleys Zauberhafte Zauberscherze“.
Und sich diesmal nicht abschalten ließ.
Und nur noch lauter wurde, wenn er versuchte, es mit lautem Denken zu übertönen.
Severus verfluchte sich dafür, dass er nie eine Version seines Muffliato-Zaubers entwickelt hatte, die man auf sich selber anwenden konnte. Oder wenigstens einen Ohrstöpsel-Zauber.
Dann verfluchte er Lucius dafür, ihn als Paten für Draco ausgesucht zu haben.
Molly Weasley dafür, dass sie nach dem nervtötenden Besserwisser nicht aufgehört hatte, Kinder zu kriegen.
Und Potter, den durfte er nicht vergessen. Er hatte seit dem Ende des Krieges zwar nichts von ihm gehört – abgesehen von dem Krankenhausbesuch. Und der Verhandlung, bei der Potter ihn davor bewahrt hatte, wieder in Azkaban zu landen. Und den Gesprächen des Terror-Trios, die er belauscht hatte. Sonst hatte er nichts von ihm gehört, aber wenn irgendetwas in Severus‘ Leben schief ging – so richtig schief – dann konnte er sich sicher sein, dass ein Potter damit zu tun hatte, und die Auswahl war ja derzeit nicht sehr groß.
Nach der Werbung gab es erstmal wieder ein paar stumme Minuten und dann kamen zum Glück wieder echte (das heißt: halbwegs sinnvolle) Anweisungen.

„Sie kommen erreichen gleich den Severn.“
„Fahren Sie auf die vor Ihnen liegende– “
„Second Severn Crossing– “
„Seien Sie nebenbei froh– “
„Dass Sie in Ihrem Z-Auto– “
„Die Maut nicht zahlen müssen.“
„Biegen Sie etwa auf der Hälfte– “
„Rechts– “
„Auf den Severn ab– “
„Und folgen Sie dem Flussverlauf– “
„Für etwa 80 km.“

Auf dem Fluss fahren.
Natürlich.
Das Auto konnte fliegen, klar, aber trotzdem, welcher hirnrissige Idiot kam auf so eine Idee?!
Severus sah nur leide keine andere Möglichkeit, als der Anweisung zu folgen – er hatte schließlich keine Karte, mit deren Hilfe er eine alternative Route – nicht zu dem unbekannten Ziel, aber wenigstens zu dem Ort 80 km flussaufwärts – finden könnte.
Je nachdem wie sehr die Muggel die Ufer zerstört hatten, könnte er vielleicht auch weitere neue Quellen für seine Zaubertrankzutaten finden.
Und – ein ganz entscheidender Grund, nicht doch schnellstmöglich auf eine Straße zurückzukehren – nach einem „Genießen Sie die Natur“ hielt das Gerät seinen dämlichen Rand. Die ganzen 45 Minuten.
Nicht dass am Anfang wirklich Natur zu genießen war, mit dem dreckigen Wasser, dem regen Schiffverkehr und den ganzen Muggeln.
Als der Severn dann aber schmaler (und sauberer) wurde, war es tatsächlich ganz… angenehm, so über das Wasser zu fliegen – Severus verzichtete sogar darauf abzukürzen, auch wenn er schon sah, dass der Fluss bald eine Kehrtwendung machte.

„Sie haben nun Tewkesbury erreicht.“
„Biegen Sie bei der nächsten Brücke– “
„Links auf die A438 ab.“
„Wir hören uns dann– “
„In etwa 17 km wieder.“
„Oder vielleicht– “
„Auch schon früher.“
„Wir haben noch ein paar– “
„Witze übrig, wenn Sie– “

Der erneute Bombarda war definitiv berechtigt.
Das dämliche Gerät würde sich sowieso rechtzeitig wieder erholen – es hatte sich ja leider sehr resistent gezeigt.
Und bis dahin konnte Severus wieder in Ruhe die Umgebung genießen.
Es war eine nette kleine Landstraße, auf der gerade unterwegs war – kaum andere Autos, ab und zu ein paar Häuser, aber ansonsten nur Felder, Bäume und Sträucher. (Und die eine Autobahnbrücke, aber die war es nicht wert, von Severus Snape erwähnt zu werden.)
Er war gerade dabei, so richtig in eine Stimmung passend zu dieser idyllischen (wenn man es denn so nennen wollte. Was Severus ganz bestimmt nicht tat.) Gegend zu kommen, als sich die zwei unleidlichen Nervensägen wieder meldeten und verrieten, dass er gleich abbiegen sollte.
Mitten im Nirgendwo.

Okay gut, da war so etwas wie eine Straße – also, eigentlich eher ein Feldweg als eine Straße, aber: da war ein Tor davor.
Das Weasley-Gerät erinnerte Severus natürlich wieder daran, dass ihm mit dem ‚Fliegenden Ritter‘-Modus nichts die Durchfahrt versperren konnte, aber musste das sein? Reichte es nicht, dass er sieben Jahre lang auf dem Weg nach Hogwarts durch den Pfeiler in Kings Cross laufen musste?

„Nach 270 Metern– “
„Fahren Sie geradaus.“

Severus war sich nicht ganz sicher, ob er bei dieser Ansage Schlimmes fürchten oder doch lieber einfach nur resigniert seufzen sollte, aber es dauerte sowieso nicht lange, ehe er feststellen konnte, dass der Weg geradewegs zum Ufer eines See führte. Na prächtig.

„Orientieren Sie sich– “
„Am Eastnor Castle– “
„Und halten Sie sich leicht links.“
„Dort werden Sie eine magisch– “
„Markierte Landefläche finden.“
„Fahren Sie nach links– “
„Bis Sie den zweiten– “
„Breiteren Weg erreichen.“
„Folgen Sie ihm nach links– “
„Bis zu dem Holunderbusch.“
„Biegen Sie dort nach rechts ab.“

„Endlich Anweisungen, die wenigstens annähernd vernünftig sind“, murrte Severus, nahm das jedoch gleich wieder zurück, als er am Holunder angekommen war.
Dort war dieses Mal nämlich tatsächlich nichts, auf das er abbiegen könnte, keine Straße, kein Waldweg, nicht einmal ein Trampelpfad!
Er musste kurz vor dem Ziel sein – sonst hätte das dreimal verfluchte Teufelsgerät ihn wohl (hoffentlich) noch weiter über Landstraßen, Flüssen und ähnlichem fahren lassen – und jetzt wollte ihn das dumme Teil auf gut Glück durch den Wald irren lassen?
Erst als er in seiner Frustration nicht einen Strahl, sondern ein Welle von Magie auf das Gerät schickte, konnte Severus feststellen, dass da vielleicht doch etwas dran war, an dieser Anweisung.
Seine Magie war schließlich nicht nur innerhalb des Autos geblieben und hatte mit der Magie eines alten, vermutlich schon lange zerstörten Weges reagiert, sodass er nun eine visuelle Spur hatte, der er folgen konnte.

„Sie erreichen Ihr Ziel– “
„In 20 Metern– “
„Auf der rechten Seite.“

Es war nichts zu sehen.
Auch eine Welle von Magie brachte nichts zum Vorschein.
Severus war schätzungsweise einmal quer durch England gefahren, hatte dafür mehr als zweieinhalb Stunden gebraucht und das alles nur für einen Morgana-verdammten Scherz!? Oh, wenn er die Drei erst in seine Finger kriegen würde…
Und ihr bescheuertes Gerät würden sie in Einzelteilen wiederbekommen! Hier, wo ihn niemand beobachten konnte, war er frei, seine Wut voll auszuleben, das verfluchte Teil mit einem Bombarda nach dem anderen zu attackieren, unterbrochen nur von Strahlen reiner, eisiger Magie. Nach ein paar Minuten fielen Severus die Tränke ein, die er immer in seinen Manteltaschen hatte – da sollte auch etwas stark ätzendes dabei sein. Oder vielleicht ein wenig Gift, wie würde das Teil wohl darauf reagieren?
Bevor er jedoch eine entsprechende Phiole entkorken konnte, flatterte ihm aus den Lüftungsschlitzen wieder ein Zettel in die Hände.

Der Töpfer, der Severus Snapes Zaubertrankladen beliefert,
wohnt im Eastnor Potter Cottage, Eastnor Forest.


Kaum hatte Severus das gelesen, fing das Pergament auch schon an zu brennen und er wurde aus dem Auto herausgeschmissen. Von dem Auto selbst.
„Was für wunderbare Ideen die Weasleys doch haben“, schnarrte er, während er hastig seine Haare und Kleidung wieder in Ordnung brachte.
Dann begab er sich festen Schrittes zum Eingang des Cottages und klopfte energisch an. Zeit, herauszufinden, ob dieser mysteriöse Töpfer auch in diese Aktion des Terror-Trios verwickelt war und eine Strafe verdient hatte.

Die Tür wurde geöffnet.
Von Harry-fucking-Potter.

Er hatte gewusst, dass Potter etwas damit zu tun hatte. (Völlig egal, dass der ebenso überrascht schien, ihn zu sehen.)





[Weil es in der Gegend die „Eastnor Pottery & The Flying Potter“ gibt]
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