Mein Freund unter Feinden

GeschichteFreundschaft / P12
George Hazard Orry Main
28.05.2017
28.05.2017
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Orry schaute nach seinen Verfolgern und konnte sie erstmal nicht sehen. Schnell lenkte er sein Pferd in den Fluss, wo er sich hinter einen umgestürzten Baum versteckte. Gerade, als er den Kopf senkte, sah er im Augenwinkel eine Bewegung.
George hasste das Wetter und betete, es möge bald aufhören zu gewittern. Da sah er im Schein des Blitzes, wie ein konförderierter Soldat sich im Fluss versteckte und er zückte seine Pistole. In dem Moment schaute der Soldat auf zu ihm, schwenkte seine Pistole rum und beide erschraken, als sie sich erkannten. Schon eine Sekunde später kam die Unionspatrouille. Als George die bemerkte, steckte er schnell seine Waffe weg und ritt ihnen entgegen.
„Stehen bleiben!“ rief einer der Soldaten. George hielt an und schaute ihm gelassen entgegen.
„Oh, ich bitte um Entschuldigung.“ Sagte der Sergeant, als er den Colonel erkannte.
George lächelte ihn an. „Ist ja nichts passiert, Sergeant.“ Und lenkte schnell ab. „Schlimme Nacht für eine Patrouillenrunde.“
„Ja, wir verfolgten einen Konförderierten. Ich hätte schwören können, dass er hier lang geritten ist.“
„Ich bedaure, Ihnen nicht helfen zu können“ antwortete George ihm. „aber ich bin auf dem Rückweg von einer Inspektionstour. Mir ist seit Stunden niemand begegnet.“
Nun fing George an zu grinsen. War Orry doch gleich im Fluss hinter dem Baum versteckt.
„Ich vermute, Ihr Rebell ist längst über alle Berge.“
„Ja Sir, das glaube ich auch. Wir werden ins Lager zurückreiten. Sie sind immer willkommen an unserem Feuer Sir.“
„Sehr freundlich von Ihnen, aber ich muss leider weiter.“ lehnte George ab. „Ich habe noch einen langen Ritt vor mir.“ Und wies mit dem Kopf in die entgegengesetzte Richtung.
„Wünsche gute Reise, Sir.“ George salutierte und die Patrouille drehte um.
George wartete noch eine Weile, um sicher zu gehen und ritt dann runter zum Fluss. Orry kam gerade raus. Sie grinsten sich beide an. Die Wiedersehensfreude war groß.
„Du hast mir wieder das Leben gerettet.“ Rief Orry gegen den Lärm des Donners.
„Du verdammter Idiot!“ lachte George. „Was hast Du so weit oben im Norden zu suchen?“
Orry blickte kurz zur Seite bevor er antwortete:
„Ich weiß nicht, ob ich es Dir das sagen soll, Colonel Hazard.“
„Dann biete ich Dir zunächst erstmal einen Waffenstillstand an.“
„Angenommen, Sir. Vielleicht sollten wir aber zum Reden ein trockenes Plätzchen suchen.“ Meinte Orry.
„Warum nicht? In unserem Alter sollte man nicht mehr debattieren wie damals im Regen in Mexiko. Komm!“
Gesagt getan. Sie fanden einen verlassenen aber noch intakten Schuppen mit genug Stroh und Holz für ein Feuerchen. Warm und trocken erzählten sie sich die letzten Neuigkeiten ihrer Familien.
„Du kannst Billy sagen, Brett ist nicht so zerbrechlich wie er glaubt. Sie kam in Mont Royal an wie eine Königin.“ Sagte Orry lächelnd zu George.
„Du meine Güte.“ Lachte auch George. „Billy macht sich echte Sorgen um sie. Pass nur auf, das ihr nichts passiert.“
Orry nahm den angebotenen Flachmann von George, nahm einen Schluck und gab ihn ihm zurück und sagte dabei
„Naja, wenn Du verhinderst, dass die Yankeetruppen in South Carolina einfallen.“
George sah Orry an, unsicher was er sagen sollte. Beschloss jedoch, es dabei zu belassen. Auf einmal sah er etwas an Orrys Hand glitzern und sah genauer hin.
„Was ist das für ein Ring da?“ und schaute Orry in die Augen. Orry schaute auf seinen Ring und fing an verlegen zu lachen. George fiel in das Lachen ein.
„Madeline und ich haben geheiratet.“
„Oh, herzlichen Glückwunsch Mann. Das freut mich für Euch.“ Und klopfte ihm freundschaftlich die Schulter. Er freute sich wirklich für seinen Freund. Orry liebte Madeline schon sehr lange, leider war diese mit einem anderen Mann verheiratet worden. Mit einem echten Schwein von einem Mann. Es freute ihn wirklich, dass Orry und Madeline endlich vereint waren.
„Leider hast Du uns als Trauzeuge gefehlt.“ Ließ Orry noch hören.
„Entschudige. Ich werde es wieder gut machen. Nach dem Krieg gebe ich Dir die tollste Party, die Du je gesehen hast.“ Antwortete er lachend.
„Großartig.“ Freute sich Orry. George war doch wirklich ein echter Freund. Er hatte all die Jahre mit ihm gelitten.
„Wir werden ein West-Point-Treffen veranstalten. Ich werde sogar Marcus Fesler einladen. Erinnerst Du dich noch an ihn?“ George lächelte in sich hinein.
Orry wurde ernst und still und schaute seinen Freund an. Erst als George wieder zu ihm sah, antwortete er:
„Er wurde vor kurzem von einem Eurer Scharfschützen erschossen.“
Jetzt wurde auch George still und ernst. Eine Weile herrschte Schweigen.
„Weißt Du Orry, Präsident Lincoln ist sogar über seinen Schatten gesprungen um den Süden entgegen zu kommen.“
„Wieso ist er dann in Virginia eingefallen?“ empörte sich Orry.
„Moment mal,“ antwortete George aufgebracht „ich war dort. Eine ganze Rebellenarmee wartete darauf in die Hauptstadt einzufallen. Was hätte er denn tun sollen? Er hatte geschworen die Union zu erhalten. Der Süden hat angefangen und hat Fort Sumter unter Beschuss genommen.“
„Wir haben gar nicht angefangen.“ Orry wurde lauter. „Wir wollten nur in Ruhe gelassen werden.“
„Ihr habt ihm nicht einmal eine Chance gelassen.“ Auch George wurde lauter. „Ihr habt Euch geweigert Kompromisse einzugehen. Er konnte die Sklaverei in den neuen Gebieten einfach nicht zulassen.“ Wetterte George. Orry schaute ihn immer empörter an. Und ein heftiger Streit brach aus.
„Das steht hier nicht zur Debatte George. Ich gebe zu, dass die Sklaverei eine überholte Einrichtung ist, die den Süden vom Fortschritt abhält!“
George atmete tief durch und lehnte sich nach hinten.
„Großer Gott, was ist nur mit uns geschehen?“ sagte er fassungslos und blickte erschrocken zu Orry. Dieser war noch immer wütend:
„Ich halte es unter diesen Umständen für besser, wenn wir unsere gemeinsame Firma auflösen.“ Erhob sich mit den Worten und setzte seinen Hut auf.
„Orry…“
„Du hättest mich Deiner Yankeetruppe übergeben sollen. Ein Rebell weniger, den Du zu bekämpfen hättest.“
„Orry, das meinst Du nicht im Ernst…“ Doch Orry nahm nur wortlos sein Pferd.
George blickte über die Schulter zu ihm und resignierte. Orry schaute ihn verbittert an. George blickte wieder zurück ins Feuer und sagte noch:
„Pass auf Dich auf, Orry…“ und blickte niedergeschlagen zurück ins Feuer. Orry verweilte noch einmal kurz und ging dann wortlos von dannen. Als er an George vorbei war blickte dieser ihm traurig hinterher. Es tat ihm in der Seele weh, seine besten Freund so fortgehen zu sehen
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