Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Siempre Brillarás - you're born to shine

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ángeles "Angie" Carrará Germán Castillo León Vargas OC (Own Character) Pablo Galindo Violetta Castillo
28.05.2017
28.05.2017
1
1.139
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
28.05.2017 1.139
 
Die Nacht brach über Buenos Aires herein.

Die Sonne war fast völlig verschwunden, war nur noch als winziger, feuerroter Streif zu erkennen.

Das Licht schwand, die Wolken wurden dunkler.

Stille legte sich über den so vertrauten Garten. Es war als wäre die Zeit stehen geblieben. Und dabei war alles anders. So anders dass er niemals gedacht hätte, dass es so enden konnte.

Nie hätte er gedacht, dass er wieder zurückkehren würde.

Jahr für Jahr war er in der Welt herumgereist. Immer geschickt um den Ort herum, welcher der Inbegriff für seine Vergangenheit war.

Es tat weh, keine Frage. Viel zu viele Dinge erinnerten ihn an damals und das war selbst nach fast einem Jahr noch so.

Die ersten Sterne tauchten am dunklen Nachthimmel auf. Es wurde kühler. Ein sanfter Wind strich über seine nackten Oberarme als er hoch sah.

Egal was war, der Himmel hatte seine Faszination nie verloren, zu keiner Zeit. So viele funkelnde Sterne, weit entfernt und doch greifbar. Dabei war es unmöglich.

Genau wie die Rückkehr an diesen Ort. Unmöglich. So konnte man dieses Unternehmen beschreiben. Was hatte ihn nur dabei geritten?

Dabei kannte er ganz genau die Gründe. Nur hatte er nicht mit diesem durchaus überraschenden Wandel gerechnet. Und irgendwie wieder doch.

Zum einen war es natürlich wegen seiner Tochter. Jetzt plagte ihn seit Jahren ein schlechtes Gewissen. Er verweigerte ihr viel zu viel, das war ihm durchaus bewusst. Aber was sollte er machen?

Die Vergangenheit wieder aufrollen? Nur um selbst daran zu zerbrechen. Dazu kam die stetige Angst, dass es seiner Tochter genauso ging. Je weniger sie wusste, desto besser war es doch für sie! So tat es nicht weh.

Sie vermisste ihre Mama, aber gleichzeitig wusste sie so wenig, dass der Schmerz in Grenzen gehalten werden konnte. Sofern das mit Schmerz überhaupt möglich war.

Gleichzeitig wollte sie Antworten. So viele Fragen und ihr Vater verweigerte jegliche Zusammenarbeit. Und es tat ihm leid, aber er sah keinen anderen Weg. Violetta war dafür noch nicht bereit. Und wenn er ganz ehrlich war, er selbst war es erst Recht nicht.

Leider hatte er die Kontrolle darüber verloren. Egal wie sehr er versucht hatte sein kleines Mädchen davon fernzuhalten, letztendlich war sie doch selbst dahinter gekommen und das schneller als ihm lieb war.

Eine winzig kleine Stimme in ihm musste aber zustimmen, dass es so am besten war. Hätte er jemals den Mumm aufgebracht und seiner Tochter die Wahrheit erzählt? Nein. Lange drüber nachdenken war vollkommen unnötig, denn die Antwort war sonnenklar.

Die Begegnung war unschön gewesen und im Nachhinein war es das Dümmste was er hatte machen können. Rückgängig machen konnte er es nicht und es tat ihm ehrlich leid, alles.

Die Stille drückte mittlerweile wie Watte auf die Ohren. Buenos Aires war eine große Stadt, aber hier in der Siedlung war alles ruhig. Nur hin und wieder ein nachtaktiver Vogel oder das Knacken eines Astes. Blätter raschelten sanft im Wind.

Die Sonne war verschwunden. Nicht einmal der Mond war weit und breit zu sehen. Offenbar war Neumond.

Dennoch starrte er gedankenverloren in den Himmel, wünschte sich nichts als irgendeine Form von Trost, von einem der schillernden Punkte dort oben, welche so weit weg von seinen eigenen Problemen waren.

Denn tatsächlich hatte Violetta einen großen Anteil daran, dass er sich den Kopf Nacht für Nacht auf Neue zerbrach, da waren aber noch andere Gedanken.

Besonders jetzt. Unwillkürlich musste er an Morgen denken. Daran was ihn im Schlafzimmer erwartete. Ein gepackter Koffer. Ein gestellter Wecker.

Morgen ging es los.

Das Jahr neigte sich dem Ende. Sie hatten alle samt viel durchgemacht. Letztendlich war daraus sogar eine Familie entstanden. Und eben diese Familie genehmigte sich einen Urlaub.

Nicht ganz ohne Hintergedanken. Ihr Reiseziel war der Süden Englands. Dort war eine weitere Musikakademie, kleiner als das Studio hier in Buenos Aires, aber die beiden Schulen standen in Kontakt.

Für Violetta genug Grund ihren Vater breit zuschlagen, in den Ferien genau dorthin zu fliegen und letztendlich hatte er sich überreden lassen. Ein wenig dem Alltag zu entfliehen würde ihnen allen ganz gut tun.

Besonders da Angie jetzt wieder eingezogen war. Nach alldem was sie getan hatte, konnte er es ihr kaum verweigern sich endlich in der Nähe ihrer Nichte aufhalten zu können.

So schrecklich viel war zwischen ihnen passiert und er hatte nicht den geringsten Schimmer, was er tun oder sich ihr gegenüber im Urlaub verhalten sollte. Das ganze unausgesprochene lag zwischen ihnen, all die Lügen.

Nur was fühlte er? Eine berechtigte Frage, aber die Antwort erwies sich schwieriger als gedacht.

"Papa?"

Eine sehr vertraute Stimme wehte zu ihm herüber und ließ ihn abrupt zusammenzucken.

Normalerweise war er doch sonst nicht so schreckhaft?

Germán wurde bewusst, dass er jetzt schon seit längerer Zeit im Garten stand, bereits im Schlafanzug und in den Himmel starrte, seinen eigenen Gedanken nachhängend.

Jetzt fror er wirklich, ein eiskalter Schauer überlief ihn und mit einem letzten Blick wandte er sich ab und stellte sich erneut der Realität, da die Stimme seiner Tochter erneut ertönte.

Sie war die einzige in dem kompletten Haus die es auch nur ansatzweise interessierte was mit ihrem Vater war.

Angie ging ihm gekonnt aus dem Weg, vermied erstmal sämtliche Gespräche und er war dankbar dafür. Nicht vorhandene Konversationen waren die einfachsten und vermieden eine peinliche Stille zwischen ihnen.

Violetta stand im Wohnzimmer, im Schlafanzug, eine pinke, mit Glitzerfäden durchzogene Hose und darüber ein weißes Top.

Ihre Stirn hatte sie in tiefe Falten gelegt und die braunen Augen, welche die ihrer Mutter unglaublich ähnelten, blickten wachsam.

"Warm bist du so spät noch wach?", erkundigte sie sich fragend und hob eine Augenbraue, "Du weißt genau, dass wir morgen früh rausmüssen!"

Im letzten Satz schwang ein unverkennbarer Vorwurf mit und peinlicherweise musste Germán zugeben, dass sie Recht hatte.

Nur konnte man den Spieß auch umdrehen. Er erwiderte ihren Blick, genauso ernst.

"Das gleiche könnte ich dich fragen.", gab er zurück und mühte sich angesichts ihrer Unschuldsmiene nicht zu lächeln.

"Ich wollte nur ein Glas Wasser.", erklärte sie süßlich, "Wenigstens stehe ich nicht im Garten und warte auf Sternschnuppen."

"Ich hab nicht auf Sternschnuppen gewartet.", brummte Germán.

Kurz sahen sie sich an, plötzlich beide belustigt.

"Jetzt aber ab ins Bett.", erklärte er entschieden um wenigstens einmal noch heute Abend seinen väterlichen Pflichten nachzukommen, "Morgen wird ein langer Tag."

"Sehr lang.", seufzte Vilu, "Zwölf Stunden Flug."

"Mindestens.", ergänzte er, klang dabei genauso wenig begeistert.

Mit dieser Zeit mussten sie wirklich rechnen. Und so langsam regte sich eine gewisse Neugierde.

Ein neues Land, neue Menschen, neue Kulturen. Und das über ein paar Wochen. Dabei vergaß er sogar seine Probleme mit Angie.

Viel lieber richtete er seinen Blick auf das kommende, das Ungewisse, denn wer weiß? Vielleicht war es ausnahmsweise ja mal positiv?
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast