Das Lapislazuli-Mädchen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Ezarel Nevra OC (Own Character)
27.05.2017
05.06.2017
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Als ich wieder vollständig zu mir kam, fand ich mich in einem kargen Raum wieder: Das Fenster schien zugemauert worden zu sein, der  teilweise modrige Putz bröckelte von den gräulichen Backsteinwänden und mein Bett war nur eine Holzplatte, welches auf vier ebenen Steinen aufgelagert war. Als ich versuchte den Raum zu erkunden zuckte ich zusammen. Ich wusste nicht ob mein Muskelkater von meinem Todeskampf mit dem Fluss oder von diesem einfallsreichen Bett stammte. Bedeckt war ich mit einem mir fremden Stoff, der allerdings so vergilbt und schmutzig war, dass ich ihn nicht einmal zum putzen verwenden würde. Immer noch fröstelte ich. Wo war ich nur gelandet? Vollkommen in Gedanken versunken nahm ich erst jetzt ein Kitzeln an meinem Hals war. Wie automatisch versuchte ich diese vermeintliche Schwachstelle zu schützen und mich in Sicherheit zu bringen. Leider gelang mir mein Fluchtversuch nicht so wie ich es geplant hatte. Hals über Kopf stürzte ich von dem offenbar improvisierten  Bett und landete auf dem eiskalten Steinfußboden. Gern hätte ich mich in diesem Moment verflucht, doch zunächst konzentrierte ich meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes. Behutsam lugte ich über die Holzplatte und sah erneut dieses Wesen, welches ich am Fluss gesehen hatte. Eigentlich war an ihm nichts Ungewöhnliches auszumachen, abgesehen von dem Reptilienschwanz, den ein Rabe normalerweise nicht besitzen dürfte. Dass sein Federkleid noch dazu leicht grünlich schimmerte bestärkte mich umso mehr in meinem Verdacht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging.  Wie schon zuvor am Fluss legte er seinen Kopf niedlich zur Seite und begutachete mich. Für den Hauch einer Sekunde bildete ich mir tatsächlich ein Sorge in seinem Blicklesen zu können, doch ich verwarf  den Gedanken schnell wieder. Du warst es, oder? Du hast Hilfe geholt... Ich sprach es nicht aus, da ich ohnehin keine Antwort erwartet hätte, doch als der Rabe plötzlich aufgeregt mit seinen Flügeln schlug, stutze ich. Er verstand mich also? "Okay, Kleiner." Ich fasste mich. Das musste ich auch, sonst würde ich wohl komplett durchdrehen. Langsam erhob ich mich wieder und musste mir den Staub von meinen... Wo zum Teufel war meine Kleidung? Ich trug nicht länger meinen schwarzen Hoddie - mein Lieblingshoddie nebenbei gesagt, sondern irgendein Outfit, das mehr an 1001 Nacht erinnerte. Wer zum Teufel hatte mich wie eine Bauchtänzerin angezogen? Hektisch griff ich nach dem Leinentuch, mit dem ich zugedeckt war und band es mir wie ein Handtuch um.  Mein Blick glitt zurück zu dem Vogel, der mich immer noch erwartungsvoll anstarrte. "Also gut, Kleiner. Ich kenne dich nicht und du kennst mich nicht, aber wir sitzen hier im gleichen Boot. Also... Partner?" Ich hob meinen Unterarm an und stellte mich darauf ein tiefe Schnittstellen in meiner Haut begrüßen zu dürfen, doch zu meiner Überraschung war er sehr zurückhaltend. Seine Krallen verletzten mich nicht einmal annähernd.


Die Tür war nicht abgeschlossen. Hastig entfloh ich meinem Gefängnis und begab mich auf die Suche nach einem Ausgang. Ich musste mich wohl in einem palastartigen Gebäude befinden, so riesig wie dieses Labyrinth war. Es wurde immer verrückter. War ich in dem Fluss doch verunglückt? Obwohl ich wusste, dass meine Flucht nun oberste Priorität hatte, so konnte ich den zunehmenden Schmerz in meiner Hand nicht ignorieren. Auf meiner Handfläche zeichnete sich etwas mir Unbekanntes ab. Es sah aus wie ein uraltes, asiatisches Schriftzeichen, doch ich war mir nicht sicher. Ich versuchte den Schmerz auszublenden und rannte weiter bis ich zu einer großen Pforte kam. Das Außengelände war umzäunt von einer rießigen weißen Mauer, dessen einziger Ausgang dieses Tor zu sein schien. Es trennten mich nur noch wenige Zentimeter von der Außenwelt, als ich plötzlich ein Prickeln im Nacken wahrnahm. Schließlich begann es sich über meinen gesamten Körper hinweg auszubreiten. Über meine Schulter hinweg sah geradewegs in ein paar perlmuttgrauen Augen. Ich wusste nicht woher, aber ich kannte den Namen des Jungen, der mich so provokant ansah.

"Nevra?"