Rory & Jess

von Kristie
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Jess Rory
27.05.2017
27.05.2017
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Zur Handlung:
Die Geschichte lässt sich chronologisch nicht in die Serie einordnen. Hier wurden Zeitebenen miteinander vermischt. Rory studiert in Yale und wohnt mit Paris zusammen auf dem Campus (Staffel 4). Sie ist seit langer Zeit mit Logan liiert (Staffel 5-6) , während Lorelai und Luke bereits endgültig ein Paar sind (Ende Staffel 7).

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"Weißt du, was das hier ist?" fragte Paris mich mit der üblichen Mischung aus Überlegenheit und Ungeduld in der Stimme.
"Du wirst es mir bestimmt gleich sagen", erwiderte ich gleichmütig und wollte schon fortfahren, weiter in meinem Buch zu lesen, da wedelte sie mir mit dem aufgerissenen Briefumschlag vor der Nase rum. "Das ist eine Einladung zu einer Kunstausstellung in New York - von Jess!"
"Was?" abrupt drehte ich mich um.
"Ja, adressiert an dich und mich ... hier steht es...", doch bevor sie mir den Brief vorlesen konnte, schnappte ich ihn Paris aus der Hand und las selbst:

An Rory Gilmore und Paris Gellar
Einladung
Kunstausstellung - Lesung - Fotoinstallation
am 28. Mai ab 20.00 Uhr, 716 West 51st Street, Apartment 9, New York

Und handschriftlich stand in vertrauter Schrift darunter:
Würde mich freuen, wenn ihr kommt, aber macht euch keinen Stress.
Jess

"Wow, sieht ganz so aus, als ob Jess es richtig ernst meint", freute ich mich und versuchte mein Herzklopfen in den Griff zu bekommen.
Paris sah mich aufmerksam und mit zusammengekniffenen Augen an, als sie erwiderte: "Wir können da aber nicht hingehen, Rory. Das ist eine Woche vor unseren Prüfungen! Laut meinem Zeitplan müssten wir zu dieser Zeit..." Ich hörte nicht mehr zu. Paris war bereits dabei, mit rotem Gesicht und theatralischer Mine auf die von ihr erstellte Tafel zu zeigen, die unseren Lehrplan mit detallierter Zeitachse zeigte.
Jess ... ich hatte lange nicht an ihn gedacht, doch nun schossen mir in schneller Abfolge Bilder durch den Kopf: Jess in meinem Zimmer in Stars Hollow am ersten Abend unserer Begegnung; Jess mit einem Veilchen am linken Auge vor der Tür von Emily Gilmore; Jess und ich unter dem Baum an Sookies Hochzeit...
Doch plötzlich schob sich ein anderes Gesicht davor... Logans. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn in diesem Moment vollkommen vergessen hatte. Wir waren nun seit über einem Jahr zusammen und trotz seiner teilweise recht elitären Verhaltensweise war er ein netter Freund, mit dem es nie langweilig wurde. Paris hatte recht, wir konnten da nicht hingehen. Die Prüfungen in Yale standen bevor und Logan würde es bestimmt nicht gut finden - ich konnte mich sehr genau an das einzige Aufeinandertreffen von Logan und Jess erinnern, das damit endete, dass Logan ihn vor allen Gästen im Restaurant anpöbelte, woraufhin Jess den Laden ohne Umschweife verließ. Wir waren an diesem Abend nicht in Freundschaft auseinander gegangen und es war seither das letzte Mal überhaupt gewesen, dass wir Kontakt hatten - bis heute.
Ich seufzte, straffte die Schultern und unterbrach Paris' Redefluss: "Okay, wir gehen nicht."
"Gut", meinte sie nur und entließ mich damit wieder meiner Lektüre. Das war eine der schönen Seiten von ihr - ihr Pragmatismus. Wenn eine Sache geklärt war, war sie vom Tisch und erledigt.

Die nächsten Wochen vergingen ohne nennenswerte Ereignisse, meine Mum hatte ich nun auch schon längere Zeit nicht gesehen, weil ich fast ohne Pause mit Lernen beschäftigt war. Wir telefonierten natürlich immer wieder, aber sie hatte wie immer Verständnis dafür und wir freuten uns beide auf die Zeit nach den Prüfungen, denn dann würde ich meine Ferien in Stars Hollow bei ihr und Luke verbringen. Bei dem Gedanken an die beiden musste ich unwillkürlich lächeln, es hatte lange genug gedauert, bis sie endlich zueinander gefunden hatten. Ich hatte Lorelai Gilmore noch nie so glücklich gesehen.

Logan hingegen reagierte nicht so verständnisvoll wie meine Mum. Es war Samstag am frühen Abend, als er mitten in meinem Lernprogramm anrief und mir vorwarf: "Rory, du bist in letzter Zeit total langweilig und verbarrikadierst dich mit Paris nur noch hinter euren Büchern. Lass uns endlich mal wieder ausgehen und feiern. Die Life and Death Brigade hat da ein neues Lokal aufgetan, die mixen prima Cocktails."
"Ich kann heute wirklich nicht. Es sind nur noch ein paar Tage, Logan, dann sind die Prüfungen vorbei und ich habe wieder mehr Zeit."
"Unsinn, dann fährst du in das öde Nest Stars Hollow und verbringst deine Zeit mit irgendwelchen Vorbereitungen zu einem eurer seltsamen Dorffeste."
Ich merkte, dass ich ungeduldig wurde und etwas zickig konterte ich: "Diese, wie du sie nennst, seltsamen Dorffeste gehören zu den Dingen, die mir sehr wichtig sind. Ich bin gerne zuhause."
"Zuhause", äffte er mich nach, "da ist es doch totlangweilig. Komm lieber mit uns nach Hawaii, da erlebst du wenigstens mal was anderes."
"Kein Bedarf", erwiderte ich kühl.
"Weißt du, Rory, ich frage mich manchmal wirklich, ob du überhaupt zu schätzen weißt, was ich dir bieten kann", sagte Logan gekränkt. "Ich lade dich zu unglaublichen Ferien auf eine der schönsten Inseln der Welt ein, für die du keinen Cent bezahlen musst, aber du verbringst deine Zeit lieber in diesem Kaff als mit mir!"
Jetzt wurde ich richtig wütend und sprang auf: "Es geht hier nicht ums Geld, Logan! Du weißt genau, dass mir das überhaupt nicht wichtig ist. Es ist mir egal, ob wir Urlaub auf den Bahamas oder irgendwo in einem Kaff in Connecticut machen. Du warst derjenige, der meine Einadung nach Stars Hollow ausgeschlagen hat, erninnerst du dich noch?"

In Rage war ich durch die Wohnung gelaufen und bei dem kleinen Tisch neben der Eingangstür angelangt. Dabei fiel mein Blick auf den Umschlag mit der Einladung von Jess. Komisch, den hatte ich mir gar nicht genau angesehen, als er eingetroffen war, nur den Inhalt. Der Umschlag war nicht frankiert, es stand auch keine genaue Adresse drauf, bloß "Rory Gilmore und Paris Gellar, Yale Universität". Das bedeutete, dass Jess ihn nicht mit der Post geschickt haben konnte, sondern ihn direkt hier in den Briefkasten geworfen haben musste. Er war also den langen Weg von New York bis nach Yale gefahren, nur um die Einladung einzuwerfen! Mein Herz tat einen Sprung. Er war hier gewesen, hier in Yale, und ich hatte ihn nicht gesehen. Da fiel mir ein, dass Paris und ich an diesem Tag bis zum späten Nachmittag in Vorlesungen waren... Mit einem Mal war ich unglaublich enttäuscht und traurig, ich hatte Jess verpasst. Er war hier gewesen, hatte bestimmt geklopft und niemand hatte geöffnet. Also hatte er den Umschlag einfach in den Briefkasten geworfen.

Auf einmal strömte eine Hitzewelle durch meinen Körper. Heute war Samstag, der 28. Mai! Die Ausstellung war also heute! Hektisch blickte ich zur Uhr, es war bereits nach sechs. Wenn ich es noch nach New York schaffen wollte, musste ich mich beeilen!
Auf einmal bemerkte ich, dass ich noch immer das Telefon an mein Ohr hielt und Logans Stimme drang aus weiter Ferne wieder in mein Bewusstsein: "... ich dir nicht wichtig bin ... Rory? Rory!"
"Tut mit leid, Logan, aber ich muss jetzt Schluss machen." Ich legte auf und begann fieberhaft zu überlegen. Paris war nicht zuhause, sie traf sich mit ihrer medizinischen Lerngruppe, das konnte noch Stunden dauern. Dann fahre ich eben allein hin, machte ich mir Mut und sprang schnell unter die Dusche.

15 Minuten später stand ich vor meinem Kleiderschrank und fand nichts, aber auch wirklich nichts zum Anziehen. Das rote Kleid? Zu overdressed. Jeans und Pulli? Zu leger. Mum!
Hektisch drückte ich die Kurzwahltaste, es klingelte nur kurz, da war sie auch schon am anderen Ende der Leitung zu hören: "Ich wette, du errätst nicht, wieviele Oreos ich auf einmal essen kann!" rief sie zur Begrüßung.
Im Hintergrund hörte ich ein Brummen von Luke, das so klang wie: "Ungesunder Scheiß!"
Mum lachte und fuhr fort: "Ich wollte Luke überreden, eine Wette abschzuschließen, aber das ist wohl unter seiner Würde." Die letzten Worte hatte sie in einem warmen und liebevollen Ton gesagt, der so ganz anders klang an mein eigener Tonfall eben am Telefon mit Logan.
"Mum, ich hab nichts anzuziehen!" rief ich.
"Ach, Süße, das ist doch Unsinn. Du siehst immer bezaubernd aus, egal was du trägst. Bei dir könnte sich sogar Carrie Bradshaw noch 'ne Scheibe abschneiden."
"Nein, Mum, im Ernst, es ist wirklich wichtig. Ich will auf eine Kunstausstellung, aber nichts Feierliches, ich glaube, es wird mehr so eine alternative Veranstaltung mit jungen Künstlern und so..." ich druckste nun etwas herum, weil ich wusste, dass Lorelai nicht wirklich von Jess angetan war, seit er vor vielen Jahre einfach von einem Tag auf den anderen verschwunden war.
"Soso, eine Kunstausstellung, ja? Ist das nicht ein bisschen zu langweilig für Logan?" Sie kannte mich einfach zu gut, manchmal war das ganz schön unheimlich.
"Er ... kommt nicht mit", konstatierte ich.
Einen Moment Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann: "Zieh die schwarzen Leggins mit dem silbernen Longshirt und deine Riemchemsandalen an. Dazu das grau-blaue Schaltuch und trag das Haar offen. Das ist schick, aber nicht formell."
"Danke, Mum, du hast mich gerettet!"
"Dafür bin ich doch da, mein Schatz", erwiderte sie ohne Zögern.
Ich wollte schon auflegen, aber eine wichtige Sache war da noch: "Mum, du klingst sehr glücklich."
"Das bin ich, Rory", und wieder kein Zögern, "viel Spaß in New York!" Damit hatte sie aufgelegt. Aber ich hatte doch mit keinem Wort erwähnt, wo ich hinwollte... egal, dafür war nun wirklich keine Zeit mehr. Die Uhr zeigte mittlerweile kurz vor sieben!

Mehr als zwei Stunden später stand ich im ausgewählten Outfit vor einem unscheinbaren Haus irgendwo in Manhattan. Aus einem der oberen Stockwerke drang Musik auf die dämmrige Straße herunter und warme Lichter schienen aus den Fenstern. Ich holte tief Luft und stieg die Treppe zur Eingangstür hinauf. Es gab keinen Portier, alles war eher zweckmäßig und einfach gehalten. Ich drückte die Klingel vom neunten Appartment. Es dauerte eine Weile, dann kam der Summer und ich stieß die Tür auf. Die Wohnung lag im dritten Stock und die Tür war nur angelehnt. Von drinnen hörte ich gedämpft eine Mischung aus Stimmen, Musik und irgendjemand spielte auf einer Cajon.

Als ich die Tür öffnete, schlug mir ein Geruch von Whisky, Olivenöl, Farbe und etwas blumigen entgegen. Überall standen Gruppen von Menschen aller Kulturen herum, drängten sich vor Gemälden und Fotos oder saßen zusammen in einem kleinen Kreis auf dem Boden. Augenblicklich fühlte ich mich wohl und die Nervostität fiel von mir ab. Solange bis ich ihn sah. Da saß er, am Rand des Zimmers, an die Wand gelehnt und vor sich ein Buch aus dem er vorlas, mit ruhiger Stimme und vollkommen entspannt, die Menschen um ihn herum hingen wie gebannt an seinen Lippen. Ich konnte die Worte vom anderen Ende des Zimmers nicht verstehen, aber seine Stimme hätte ich unter tausenden herausgehört.
Ich lächelte und gesellte mich leise an den Rand der Gruppe, in deren Mitte Jess in sein Buch versunken vorlas. Es war ein Kapitel seines ersten Romans, den er mir vor wie mir schien ewigen Zeiten geschenkt hatte. Ich hatte jedes einzelne Wort davon verschlungen und erkannte ihn daher sofort wieder. Alles was du in der realen Welt nicht in Worten ausdrücken kannst, schreibst du in dein Buch, fuhr es mir durch den Sinn. Ich beobachetete ihn, wie er mit gesenktem Blick und dunkelbraunen, fast schwarzen Haaren, die er mittlerweile halblang zu einem Zopf zusammengebunden trug, immer weiter vorlas. Die Zeit verging und niemand machte Anstalten sich zu erheben oder ungeduldig auf dem Sitz herumzurutschen.

Nach einer halben Ewigkeit endete das Kapitel und die Gruppe applaudierte und pfiff. Mit dem für ihn typischen schiefen Lächeln blickte Jess in die Runde, ganz so, als wäre es ihm ein wenig unangenehm, dass er der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit war. Und dann sah er mich. Für den Bruchteil einer Sekunde schien er überrascht, fast erschrocken, doch dann lächelte er wieder und erhob sich. Auch ich stand auf und er kam zu mir herüber, dabei klopftem ihm immer wieder einige seiner Zuhörer auf die Schulter, aber er wandte den Blick nicht von mir ab. Endlich blieb er vor mir stehen, unsere Blicke begegneten sich auf Augenhöhe und er sagte:" Wie schön, dass du es geschafft hast. Wo ist deine Begleitung?" Das letzte Wort betonte er ein wenig stärker.
"Paris konnte nicht kommen, sie ... muss lernen", antwortete ich ein wenig unbeholfen. Sein Lächeln wurde noch eine Spur breiter. "Jess, es ist wirklich toll, was du hier auf die Beine gestellt hast", sagte ich und blickte mich dabei im Raum um, um meine Nervostität zu verbergen.
"Das war ich nicht allein, meine Mitbewohner und gleichermaßen Mitaussteller haben genausoviel dazu beigetragen." Das war typisch für Jess, immer bescheiden, nie beanspruchte er die Lorbeeren für sich. "Willst du was trinken?" fragte er dann.
"Ja, sehr gern", antwortete ich.
"Komm mit, ich zeig dir alles", er strahlte und die nächsten zwei Stunden verbrachte ich damit, von Jess von Bild zu Bild geführt und den anderen Künstlern vorgestellt zu werden. Dabei wich er keine Sekunde von meiner Seite, auch nicht als der Jounalist einer regionalen Zeitung um ein kurzes Interview bat. Er blieb einfach neben mir stehen, beantwortete kurz aber freundlich einige Fragen und wandte sich dann wieder mir zu.

Es war fast Mitternacht, als sich die Gesellschaft langsam auflöste und die Gäste nach und nach die Ausstellung verließen. Am Ende half ich trotz Jess' Protest sogar noch beim Aufräumen und musste schmunzeln, als ich dabei an Emily dachte, die für so etwas selbstverständlich Personal gehabt hätte, das sie hätte herumschikanieren können. Hier ging es allerdings überhaupt nicht förmlich zu, geschweige denn, dass teure Getränke oder Häppchen serviert worden waren, aber das machte die ganze Sache irgendwie persönlicher, authentischer. Man nahm den jungen Künstlern ihre Geschichten ab, sie waren mitten aus dem Leben, egal ob auf Leinwand gemalt, auf den Fotos verewigt oder wie in Jess' Roman zum Leben erweckt. Alles in allem war es ein gelungener Abend gewesen und ich war mir sicher, dass er der Start zu etwas Außergewöhnlichem für die Künstler werden würde.

Als sich auch die letzten Helfer verabschiedet und sich Jess' Mitbewohner in ihre Zimmer zurückgezogen hatten, war es bereits spät nachts und wir standen schließlich allein in dem nun leeren Wohnzimmer. Die Nervostität, die ich in den letzten Stunden nach und nach abgelegt hatte, kehrte mit einem Schlag zurück. Ein peinliches Schweigen entstand, das ich schließlich durchbrach: "Ich glaube, ich sollte mich langsam auf den Rückweg machen. Nach Yale sind es knapp zwei Stunden Fahrt..."
Jäh unterbrach ich meinen Satz, als Jess meine Hand nahm und leise sagte: "Ich würde dir vorher gern noch etwas zeigen."
"Okay", war alles, was ich herausbringen konnte. Er ließ meine Hand nicht los, als er mich langsam hinter sich her zur Wohnungstür und in den Hausflur zog. Auch als wir die Treppen weiter nach oben stiegen, hielt er sie immer noch fest, als würde er sie nicht wieder loslassen.

Schließlich standen wir auf dem am Rand des Daches und blickten hinunter auf die endlos funkelnden Lichter der Stadt. "Das ist ... atemberaubend schön",  sagte ich. "So hab ich New York noch nie gesehen." Die Lichter schienen kein Ende zu nehmen, sie waren bis zum Horizont zu sehen, und die Stadt wirkte von hier oben mit einem Mal viel ruhiger als sonst, als ob jemand einen Gang zurückgeschaltet hätte und alles langsamer wurde.

"Ich bin gern hier oben, wenn ich mir über Dinge klarwerden will", sagte Jess, der plötzlich dicht neben mir stand. Ich konnte seinen Atem an meinem Ohr und meiner Wange spüren.
"Du meinst zum Beispiel, wie die Geschichte in deinem Roman weitergeht?" fragte ich ihn, ohne meinen Blick von der Stadt abzuwenden.
"Nein, ich meine die wirklich wichtigen Dinge", antwortete er und griff dabei nach meiner anderen Hand, so dass ich mich zu ihm drehen musste. Ich sah ihn nun direkt und etwas fragend an. Eine Weile sprach keiner von uns, sondern wir verloren uns in den Augen des anderen. "So wie dich", sagte er schließlich, dabei streichelte er sanft über meinen Handrücken. Ich schluckte, hatte einen Kloß im Hals und wusste nicht, was ich sagen sollte.

So war es immer bei mir. Ich konnte endlose Diskussionen führen, aber wenn es um Gefühle ging, fehlten mir immer die Worte. Also schwieg ich. Aber Jess fuhr behutsam und unbeirrt fort: "Rory, ich war ein Idiot, als ich dich damals einfach verlassen habe." Ich wollte schon den Mund aufmachen, als er weitersprach: "Es ist mir egal, mit wem du gerade zusammen oder auch nicht zusammen bist. Es ist mir egal, wo du sein möchtest oder was du machen wirst. Ich weiß nur eines - dass ich nie mehr ohne dich sein will."

Bei diesen Worte schoss eine Flut von Gefühlen durch mich hindurch. "Jess", war das einzige, was ich mit leiser Stimme sagen konnte.
"Ich liebe dich, Rory, und ich will mit dir zusammen sein", sagte er schlicht. Langsam, doch ohne Zögern, kam er näher und ich schloss meine Augen, als sein Gesicht begann, vor mir zu verschwimmen. Sein warmer Atem streifte meine Wangen erneut, und dann spürte ich seine weichen Lippen auf meinen. Wir küssten uns sanft, innig und lange, unter uns die funkelnden Lichter der Stadt, und ich wusste, dass ich angekommen war.

Bei Jess, endlich.