Gestaltwandler

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
27.05.2017
31.12.2017
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Den Plan der Uni fest vor Augen eilte sie über den Platz. Aria suchte panisch den Proberaum, wo sie sich gleich einfinden sollte. Verdammt, warum hatte sie den nicht vor dem ersten Tag des Semesters ausfindig machen können?! Sie ärgerte sich über sich selbst. Gleich an ihrem ersten Tag zu spät zu sein wäre wirklich sehr peinlich. Und wenn ihre Tante es erfuhr wäre sie nicht sehr erfreut. Sie hatte den angesehen Gesangslehrer extra für sie engagiert, der auch noch einen Raum an der Uni für sie organisiert hatte, damit sie es nicht weit hatte. Und sie sollte sich lieber davor hüten, dass ihre Tante auch nur den Hauch der Idee bekam, dass sie ihre Gesangsausbildung nicht ernst nahm. Carry war eh schon der Meinung, dass es keine Zukunft hatte, und sie hatte lange darum betteln müssen, dass sie zusagte. Aria musste sowieso stets dafür kämpfen. Unpünktlichkeit, genau wie schlechte Noten, würden ihrer Tante nur weitere Argumente liefen. Oh Gott, hoffentlich kam sie rechtzeitig!
Aria war nur eine Sekunde abgelenkt, als sie einen erneuten Blick auf den Plan warf, als sie plötzlich in jemanden hineinrannte. Einen sehr großen und muskulösen jemand. Sie stolperte ein paar Zentimeter zurück, und stieß einen überraschten und schmerzlichen Laut aus. Bevor sie jedoch hinfallen konnte, packte sie eine starke Hand am Oberarm und hielt sie fest. Aria sah auf und in ein paar sagenhaft grüner Augen, in einem herben, männlichen Gesicht, dass dennoch geradezu atemberaubend attraktiv war. Sie erstarrte, als der Duft vom Leder seiner Jacke, und sein eigener nach Gewürzen sie einhüllte. Der junge, blonde Mann, mit dem sie zusammen geprallt war, überragte sie nicht nur um einige Zentimeter, er war auch noch auffallend muskulös gebaut, wie ein Footballspieler.
Ein Gefühl der unterschwelligen Bedrohung erfasste sie. Aria WUSSTE einfach, dass sie gerade in die Augen eines Raubtiers blickte. Gestaltwandler, schoss es ihr durch den Kopf. Urplötzlich hatte sie das Bild einer großen Katze im Kopf, die auf tödlichen Pfoten lautlos durch einen dichten Dschungel schlich. Und noch immer hielt der blonde Mann ihren Oberarm mit seiner riesigen Hand umfangen.
Ethan sah auf die kleine Frau herab, die für ihn völlig unvorhergesehen in ihn hinein gelaufen war. Hübsch und zart war sie. Trotz ihrer vergleichsweise farblosen und unauffälligen Kleidung war sie eine Erscheinung, die man kaum übersehen konnte. Ihre großen hellbraunen Augen, die wie flüssiges Gold glänzten, wirkten zu groß für ihr hübsches kleines Gesicht. Dunkelbraune, fast schwarze Korkenzieherlocken fielen ihr bis auf die weiblich geschwungenen Hüften. Ihr zierlicher Körper, der allerdings einen beeindruckenden Vorbau vorzuweisen hatte, war unter seinem Griff vollkommen angespannt. Er roch den Hauch von Furcht unter ihrer süßen Witterung, die ihn an gesponnen Zucker erinnerte. Sie sah aus, als hätte sie das Raubtier in ihm erkannt, und wollte fliehen. Ethan spürte, wie sein Mund sich zu einem wissenden Grinsen verzog. Ein Vögelchen, dachte er amüsiert. Zwar roch er, dass sie einfach nur ein Mensch war, dennoch schien das Bild zu passen.
"Alles in Ordnung?", fragte er mit extra sanfter Stimme: "Hast du dir wehgetan?" Ein Schauer durchlief sie, und sie schüttelte den Kopf. "Entschuldigung!", stieß sie hervor, und drückte sich an ihm vorbei, ehe sie weiter eilte, mit knallroten Wangen. Ethan sah ihr kurz nach. Dann schüttelte er belustigt den Kopf und setzte seinen Weg fort.
Arias Herz klopfte wie wild, und sie kam sich fast so vor, als würde sie fliehen. Dabei hatte er eigentlich nichts schlimmes gemacht! Dennoch war sie bei ihm instinktiv auf der Hut. Eilig schüttelte sie dieses Erlebnis ab, und beschleunigte ihren Schritt, um noch rechtzeitig zu ihrem Gesangsunterricht zu kommen.