Über uns nur der Himmel

GeschichteRomanze, Familie / P18 Slash
Bobby Singer Castiel Dean Winchester Sam Winchester
27.05.2017
17.05.2018
5
22.963
32
Alle Kapitel
49 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
27.05.2017 3.414
 
Hallo! :)

Wie schön, dass ihr hierher gefunden habt. :3

Diese kurze Geschichte habe ich für Landei geschrieben, deshalb geht auch die Widmung an sie. :)
Hiermit möchte ich mich ganz herzlich bei dir für die tollen Reviews bedanken, die du mir immer hinterlässt. <3 Ehrlich, das bedeutet mir total viel und ich freue mich immer, von dir zu hören. Um mich dafür erkenntlich zu zeigen und um dir natürlich eine kleine Freude zu bereiten, wollte ich dich mit einer kleinen Destiel Geschichte überraschen. ;)
Noch einmal vielen Dank für alles, fühl dich ganz fest gedrückt! *__* Ich hoffe, dir gefällt die Fanfiction! :)

Noch ein paar kleine Informationen zur Geschichte:
Die Fanfiction ist zeitlich nach Folge 15 [Über uns nur der Himmel], Staffel 6 angesetzt. Ja, ich hab auch gleich, dreist wie ich bin, den Titel dieser Folge für meine Geschichte übernommen. Ich fand ihn einfach passend. ;)
Es sind definitiv Spoiler enthalten.
Wie bereits erwähnt, kommt das Pairing Destiel [Dean x Castiel] vor, weil Landei ein Fan davon ist. :) Es ist das erste Mal, dass ich mehr als nur Andeutungen über dieses Pairing in eine Geschichte einbaue, also bitte seid gnädig. :)
Es ist sicher etwas fluffig und vielleicht auch stellenweise an den Haaren herbeigezogen, aber dafür sind Fanfictions ja da. ;) Ich hoffe, ihr stört euch nicht zu sehr daran.
Ein großes Dankeschön geht noch an Wildcat, die die Kapitel vorab auf Fehler usw. prüft. Danke dir, deine Anmerkungen sind mir eine riesige Hilfe! Fühl dich gedrückt! <3

Disclaimer: Die vorkommenden Charaktere und die Schauplätze gehören nicht mir, sondern Eric Kripke und The CW. Ich verdiene mit der Veröffentlichung der Geschichte kein Geld.

Das wäre alles und jetzt bleibt mir nur noch, euch viel Spaß zu wünschen. Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte! :) Vor allem aber hoffe ich, dass sie dir gefällt, Landei. <3
Über eure Meinungen würde ich mich wahnsinnig freuen, egal ob positiv oder negativ! :3

Liebe Grüße,
eure Phoenix

P.S.: Wer Lust und Zeit hat, kann sich ja noch meine anderen Supernatural FFs anschauen. Ich würde mich freuen :)



*** *** ***** *** ***


ÜBER UNS NUR DER HIMMEL

ERSTES KAPITEL

Hilferuf



Sioux Falls, South Dakota


Gelangweilt schnaubte Dean und sah mit vor der Brust verschränkten Armen dabei zu, wie Sam über den Hof trottete und telefonierte. Es war warm und sein Bruder schwitzte sichtlich in dem schwarzen Anzug. Kein Wunder, es war beinahe vollkommen windstill und mitten am späten Nachmittag. Die Sonne knallte erbarmungslos auf sie herab und erhitzte die Motorhaube, auf der er hockte. Einzige Abkühlung bot die halbvolle Bierflasche neben ihm.

Ihr aktueller Fall begann inzwischen enorm an seinen Nerven zu zehren. Sie hatten längst eine Vermutung, welches Monster in Harrisburg sein Unwesen trieb. Ein äußerst gerissener Rugaru, dem sie bereits die halbe Woche hinterher jagten, ohne ihn zwischen die Finger zu kriegen. Mit jedem vergehenden Tag hatte die unweit von Sioux Falls gelegene Stadt ein weiteres Opfer zu beklagen. Und wenn er Sams ernstes Gesicht betrachtete, befürchtete er eine neue zerfetzte Leiche.

Bei dem jüngsten Mord des Monsters gestern Abend waren sie ihm dicht auf den Fersen gewesen. Ausgefuchst wie ihr Widersacher war, hatte er die Reifen von Bobbys altem Chevelle zerstochen, bevor er in einem anderen Wagen davon gerauscht war. Bobby hatte wild geflucht und sich geschworen, das Biest höchstpersönlich zur Strecke zu bringen, vollkommen egal ob Ghul, Werwolf oder Rugaru. Ein Wunsch, den Dean nur zu gut nachvollziehen konnte.

Tief durchatmend fuhr er sich mit dem Handrücken über die Stirn. Seine Hände waren mit einem dünnen Film aus Schweiß und Dreck überzogen. Bei diesen Temperaturen die kaputten Reifen zu wechseln glich einer Zumutung. Eine kalte Dusche und ihren Fall endlich abzuschließen war alles, das Dean wollte.

Grummelnd glitt er von der Motorhaube und schlenderte zu einer beinahe randvoll gefüllten Regentonne hinüber. Als er seine Arme hineintauchte und sich grob den Schmutz von den Händen wusch, fühlte sich das Wasser unangenehm warm an. Der Winchester verzog das Gesicht, trocknete sich grob an seiner Hose ab und lehnte sich genau wie vorhin gegen den Wagen.

»Vielen Dank für den Anruf, Officer Baker. Wir kommen so schnell wie möglich«, beendete Sam den Anruf, verstaute das Handy in der Tasche seines Jacketts und strich sich die Haarsträhnen aus der Stirn. Argwöhnisch beäugte er Dean. »Bist du immer noch nicht umgezogen, Agent Anderson? Wir wollten doch zum Gerichtsmediziner. Und wir müssen einen neuen Tatort untersuchen.«

»Und ich hab dir gesagt, dass ich zuerst mein Bier austrinke. So viel Zeit muss sein nach getaner Arbeit«, entgegnete Dean lässig und nippte zur Verdeutlichung seiner Worte an seinem Bier. Er konnte regelrecht fühlen, wie sich die kühle Flüssigkeit in seinem Körper ausbreitete. Eine Erfrischung, die zu seinem Bedauern nicht lange anhielt. Sam rollte nur mit den Augen und setzte sich neben ihm auf die heiße Motorhaube des Chevelle. »Gibt’s eine neue Leiche?«

»Allerdings. Schlimm verunstaltet und zerfetzt. Klingt nach unserem Rugaru«, antwortete er knapp und nahm die Flasche dankend an, als er ihm einen Schluck anbot. Stille breitete sich zwischen ihnen aus, während ihre Augen über die schrottreifen Autos wanderten. Vor ihnen flimmerte die Luft vor Hitze.

Dean empfand die Ruhe nicht als unangenehm, im Gegenteil. Vielmehr genoss er die friedliche Zeit mit seinem Bruder. Gerade Momente wie diese waren es, die ihm in den letzten Monaten besonders gefehlt hatten. Jetzt, da Sam seine Seele zurück hatte, war vieles einfacher. Dean wusste, er konnte sich wieder voll und ganz auf ihn verlassen und der Gedanke beruhigte ihn ungemein. Er hoffte nur, die Wand in Sams Kopf hielt stand und blockierte die schmerzlichen Erinnerungen aus dem Käfig. Für immer.

»Seid ihr so weit? Ich will die Leichenfledderei hinter mich bringen«, brummte Bobby, als er aus seinem Haus trat und zwischen den verrosteten Autos über den Hof trottete. Mürrisch rückte er das dunkelgraue Jackett zurecht und zog an der Krawatte. Es war offensichtlich, wie unwohl er sich in dieser Kleidung fühlte. Von den Haaren und dem etwas ungepflegten Bart abgesehen, sah er in seinem Anzug aus wie ein hohes Tier einer Bank. Oder wie ein FBI Agent. »Junge, wieso bist du noch nicht umgezogen? Wir wollten schon vor zehn Minuten los.«

»Das müssen wir wohl verschieben, fürchte ich«, warf Sam ein, als Bobby mit genervter und deutlich ungeduldiger Miene vor ihnen stehen blieb. Er kniff die Lider ein wenig zusammen, um die Augen besser gegen das grelle Licht zu schützen.

»Wieso? Weil der Idiot noch sein Bier austrinken muss? Kipp den Mist endlich runter, bevor ich in den bescheuerten Klamotten noch verrecke«, beklagte er sich barsch. Seit der Rugaru seine Reifen zerstochen hatte und ihnen auf diese Weise entwischt war, war seine Laune noch mieser als sonst.

»Nein, weil es einen neuen Tatort und eine weitere Leiche gibt. Officer Baker hat gerade angerufen. Sieht so aus, als hätte unser Rugaru wieder zugeschlagen«, warf Sam ein, ehe er erneut an dem Bier nippte und Dean die Flasche zurückgab.

»Wenn ich diesen Dreckskerl zwischen die Finger kriege, mach ich ihm Feuer unter seinem fetten Arsch«, fluchte Bobby und verschränkte grimmig drein blickend die Arme vor seiner Brust.

Dean kräuselte die Stirn und tauschte einen belustigten Blick mit Sam. Der Rugaru war genau genommen nicht fett, sondern vielmehr durchtrainiert. Der Mann schien früher – vor seiner Verwandlung in ein menschenfressendes Monstrum – viel Wert auf sein Äußeres gelegt zu haben. Dem älteren Jäger dagegen war das völlig egal. Wer die Finger an seinen Wagen legte, musste mit derartigen Schimpftiraden rechnen. Dean verstand ihn besser als irgendjemand sonst.

Immer noch schmunzelnd nahm er unter Bobbys ungeduldigem Blick einen Schluck seines Biers. Er konnte sehen, wie er tief Luft holte und den Mund öffnete, um sich erneut zu beschweren, aber das Klingeln eines Telefons ließ ihn innehalten. Es war Deans Handy, das leise vor sich hin vibrierte. Er ignorierte das vielsagende Grummeln, reichte die Flasche an Sam weiter und kramte es aus seiner Hosentasche.

»Es ist Cas«, stellte er fest. Wenn er ehrlich war, überraschte ihn der Anruf. In letzter Zeit hatte er sich viel zu selten bei ihnen gemeldet. Meistens nur dann, wenn es Probleme gab. Dieser Gedanke ließ ein ungutes Gefühl in ihm aufsteigen, als er das Gespräch annahm. »Hey, Cas! Lange nichts von dir gehört.«

»Hallo, Dean…«, erwiderte der Engel die Begrüßung. Seine müde und heisere Stimme ließ seine Befürchtungen beinahe zur Gewissheit werden. Abrupt erhob er sich von der glühend heißen Motorhaube, zog die Augenbrauen zusammen und wechselte einen verunsicherten Blick mit seinen beiden Begleitern.

»Cas? Alles in Ordnung?«, fragte er beunruhigt. Es vergingen einige Momente, bis er antworte.

»Nicht wirklich. Ich glaube, ich… habe ein paar… Probleme«, brachte er hervor. Der Empfang war schlecht, trotzdem hörte er deutlich das schwere Keuchen, das seiner Kehle rau wie ein Schleifpapier entwich. Dean konnte die Panik nicht verhindern, die sich wie eine unsichtbare Hand um ihn schloss und ihn hart schlucken ließ.

»Was ist passiert?«, hakte er weiter nach. Sam erhob sich ebenfalls, stellte sich neben ihn und legte ihm fragend eine Hand auf die Schulter. Die Stirn hatte er in sorgenvolle Falten gelegt. Um ihn an Castiels Erzählungen teilhaben zu lassen, ließ er das Handy sinken und stellte den Lautsprecher an.

»Raphael hat mich und ein paar meiner… Gefolgsleute angegriffen«, antwortete er krächzend. Der Jäger konnte geradezu fühlen, wie sich seine Eingeweide schmerzhaft zusammenzogen. Der Engel klang entsetzlich entkräftet, die leisen Worte kamen nur abgehakt über seine Lippen. »Sie sind… alle tot.«

Sam sog neben ihm die Luft scharf ein und fuhr sich mit der Hand angespannt über den Nacken. Von Bobby kam nur ein gemurmelter Fluch, den Dean jedoch kaum wahrnahm. Der Rhythmus seines Herzschlags beschleunigte sich und ließ ein penetrantes Trommeln in seinen Ohren widerhallen. Die Besorgnis um den Engel stieg ins schier Unermessliche.

»Raphael, dieser verdammte Mistkerl«, knurrte er und zu seiner Erleichterung war das schwache Beben in seiner Stimme kaum zu hören. Es gelang ihm, die Angst zumindest einigermaßen zu verbergen. »Kannst du herkommen?«

»Ich fürchte… dazu bin ich zu schwach«, erwiderte er. Durch das unangenehme Knacken in der Leitung war er nur schwer zu verstehen. Wo auch immer er war, der Empfang schien grauenvoll zu sein.

Scheiße…, dachte Dean.

Cas musste schwer verletzt sein, wenn ihm nicht einmal eine Teleportation möglich war. Ein Grund mehr, weshalb sie sofort zu ihm mussten, um ihn vor dem Erzengel und seinen Gefolgsleuten zu bewahren. In seinem Zustand dürfte er für Raphael leichte Beute sein.

»Cas, bist du jetzt in Sicherheit?«, fragte dieses Mal Sam. Die Beunruhigung, die auf seinen Zügen zu erkennen war, schlug sich kaum in seiner Stimmlage nieder.

»Für den Moment, ja. Raphael und… seine Leute mussten einiges… einstecken. Ich glaube nicht, dass sie… so schnell zurückkommen.«

»Immerhin etwas. Ist ein Motel in der Nähe, in das du gehen kannst?« Wieder war es sein Bruder, der das Wort an ihn richtete. Sein Verstand schien deutlich klarer zu funktionieren. Er wollte Cas irgendwo unterbringen, damit er sich ausruhen konnte, bis sie zu ihm stoßen konnten.

»Nein, ich… bin in einem… Wald mitten im Nirgendwo.« Die Antwort brachte die Brüder und Bobby dazu, einen ernüchterten Blick zu tauschen. Das erklärte auf jeden Fall die schlechte Verbindung.

Für einige Sekunden war nur das Krächzen in der Leitung zu hören, das sich unter Castiels heisere Atmung mischte. Er war schwach und saß mitten in einem Wald fest. Er war in seinem Zustand vollkommen auf sich allein gestellt und die Gefahr, Raphael könnte irgendwann gestärkt zurückkommen, krallte sich in seinem Verstand fest wie ein blutsaugender Parasit. Um ihm zu helfen, gab es nur eine Möglichkeit.

»Dann sag mir, wo genau du bist. Ich hol dich ab«, versprach Dean mit einem kurzen Seitenblick auf Sam. Er gab ihm seine Zustimmung lediglich mit einem energischen Nicken. Er ließ ihn nur ungern mitten in einem Fall alleine, aber er war ein erfahrener Jäger und er vertraute ihm. Außerdem war Bobby bei ihm. Er kam klar, Cas hingegen nicht.

»In einem… Wald ein paar… Meilen südlich von Stockton in… Minnesota«, erklärte er schläfrig seine Position.

Dean schnaubte angespannt. Seine Ausführungen waren etwas vage, vor allem, weil es in der Gegend rund um Stockton und Winona viele Wälder gab. Hinzu kam, dass die Stadt etwa vier Stunden von Sioux Falls entfernt lag. Keine besonders günstigen Voraussetzungen, aber in seiner Situation konnte er Castiel unmöglich sich selbst überlassen.

»Okay, schalt dein Handy nicht aus. Sam lässt es orten, dann weiß ich genau, wo du steckst«, befahl er hektisch. Genau wie vorhin spähte er fragend zu seinem Bruder hinüber. Ein erneutes Nicken war die einzige Reaktion, die er erhielt.

»Ich will dich nicht… von einem Job abhalten, du hast sicher…«

»Mach dir deswegen keinen Kopf. Sam und Bobby kommen allein mit dem Rugaru klar. Du bleibst wo du bist, klar? Ich komme so schnell ich kann«, unterbrach Dean ihn ungeduldig.

»Ein… Rugaru? Dean, warte…«, hörte er noch von Cas, bevor er den Anruf beendete und das Handy achtlos in seiner Hosentasche verschwinden ließ. Um zu warten, fehlte ihm die Zeit. Er musste zu ihm und zwar so schnell wie möglich.

Ohne ein weiteres Wort an seine Begleiter zu richten, eilte er zum Impala hinüber und öffnete den Kofferraum. Er überflog kurz die unzähligen Waffen und nahm schließlich eine Engelsklinge an sich. Sollten Castiel und er angegriffen werden, wollte er vorbereitet sein. Geräuschvoll schlug er den Deckel zu und ging zur Fahrertür. Es war schließlich Bobby, der ihn unsanft an der Schulter packte und ihn zurückhielt.

»Du haust einfach ab?«, fragte er konsterniert.

»Bobby, es geht um Cas, okay? Er ist einer von uns und ich lass ihn nicht irgendwo im Wald liegen, bis Raphael zurückkommt und zu Ende bringt, was er vorher versäumt hat«, erwiderte er mit deutlich hörbarer Ungeduld in der Stimme. Er hatte keine Zeit für Diskussionen. Sein Gegenüber hielt ihn erneut zurück, als er die Autotür öffnete.

»Wir haben einen Fall«, warf er ein. Zu Deans Erleichterung war immerhin Sam auf seiner Seite.

»Den du und ich auch gut alleine lösen können. Du wolltest dem Rugaru Feuer unterm Hintern machen. Deine Worte, schon vergessen? Lass ihn gehen, sonst kommt er dir noch zuvor«, mischte er sich ein.

»Du hältst es also für eine gute Idee, wenn er sich allein einem Erzengel stellen will? Wer sagt, dass Raphael nicht zurückkommt und ihn und Cas angreift?«, äußerte er seine Bedenken. Wie so oft machte er sich nur Sorgen, zeigen oder gar in Worte fassen konnte er das jedoch nur schwer. In der Hinsicht waren sich er und Dean erstaunlich ähnlich.

»Deshalb die Engelsklinge«, warf Dean ungehalten ein und hob zur Verdeutlichung seiner Worte die Waffe an. Die Spitze blitzte im Licht der Nachmittagssonne bedrohlich auf. Er wusste, gegen einen Erzengel konnte er damit womöglich nicht viel ausrichten, Castiel in seinem Zustand allerdings noch weniger. Bobby rollte verstimmt mit den Augen. »Was? Soll ich ihn etwa sich selbst überlassen?«

Ihr Ziehvater wirkte noch immer nicht überzeugt, seine Worte jedoch ließen ihn zumindest halbwegs einsichtig grummeln. Er mochte bärbeißig und manchmal unausstehlich sein, ein großes und gutes Herz hatte er dennoch. Er wollte Dean nicht in eine solche Gefahr bringen, gleichzeitig sorgte er sich zweifelsohne um Castiel. Letztendlich winkte er unzufrieden ab.

»Mach doch, was du willst, du sturer Hund«, grummelte er. Die Winchesters atmeten erleichtert aus. »Aber heul uns nicht die Ohren voll, wenn uns der Rugaru frisst und du dann ganz allein da stehst.«

Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt und ging ohne ein weiteres Wort zu seinem Chevelle hinüber. Mit frisch gewechselten Reifen stand er bereit zum Aufbruch inmitten der vielen fahruntauglichen Autos. Die Brüder sahen ihm mit gekräuselter Stirn hinterher. Sie wussten, er meinte es nicht so. In erster Linie wollte er nicht auch noch Dean in eine derart gefährliche Lage bringen.

»Der ist ja mies gelaunt…«, brummte Dean und verzog die Lippen zu einem schmalen Strich. Kopfschüttelnd betrachtete er Bobby, dann wandte er sich von ihm ab, öffnete die Fahrertür des Impala gänzlich und setzte sich unter Sams Blick auf den Sitz. Im Innenraum stand die Luft vor Hitze.

»Wärst du auch, wenn ein Monster deine Reifen zerstochen hätte«, konterte Sam mit einem schwachen Schmunzeln auf den Lippen. Obwohl Dean nicht danach zumute war, entlockten die Worte ihm ein belustigtes Schnauben.

»Gutes Argument«, stimmte er zu und beobachtete Bobby dabei, wie er die neuen Reifen genauer unter die Lupe nahm. Er holte tief Luft, bevor er mit ernster Miene zu seinem Bruder aufsah. »Du findest raus, wo er steckt, oder?«

»Klar. Ich schick dir den genauen Aufenthaltsort, sobald ich etwas in Erfahrung gebracht hab«, versprach er zuversichtlich. Es kostete Sam garantiert nicht viel Mühe, sein Handy aufzuspüren. Schließlich war es bei weitem nicht das erste Mal. »Ruf an, wenn du ihn gefunden hast.«

»Mach ich. Und pass auf, dass sich Bobby bei allem Enthusiasmus nicht versehentlich selbst abfackelt«, scherzte er und setzte ein schiefes Grinsen auf. Es war gespielt und Sam wusste es ganz genau, aber er ließ sich nichts anmerken.

»Dürfte schwer sein, aber ich versuch‘s«, lachte er kopfschüttelnd, schlug die Tür des Impala zu und ging mit den Händen in den Hosentaschen vergraben ein paar Schritte zurück.

Dean zögerte nicht und startete den Wagen. Der grollende Motor jagte ein Vibrieren durch die Karosserie und laute Rockmusik dröhnte aus den Lautsprechern. Er verzog das Gesicht und stellte Led Zeppelin leiser. Unter anderen Umständen würde er in den Gesang miteinstimmen und mit heruntergelassenen Scheiben vom Hof fahren, doch ihm war nicht danach. Vor Sam und Bobby hatte er sich halbwegs ruhig gegeben, aber die Sorgen um Castiel belasteten ihn mehr, als er zugeben wollte.

Etwas verband sie, seit Cas ihn aus der Hölle gerettet hatte. Und damit meinte er nicht den Handabdruck, den er auf seiner Schulter hinterlassen hatte. Es war etwas anderes. Etwas, das viel tiefer ging und ihn zunehmend verwirrte. Anfangs hatte er geglaubt, er wäre wie ein Bruder für ihn, aber das stimmte nicht. Seine Zuneigung ihm gegenüber unterschied sich enorm von der, die er Sam gegenüber hegte.

Es waren keine familiären Gefühle, die in ihm aufflammten. Dean hatte lange gebraucht, um zu verstehen, was er in ihm sah. Keinen Bruder, keinen besten Freund und erst recht keinen Jagdgefährten. Er vertraute ihm blind und würde ohne zu zögern sein Leben oder das von Sam in seine Hände legen. Allein dieses Wissen machte ihm deutlich, was er empfand. Den Gedanken zu fassen fiel ihm immer noch verdammt schwer, aber Castiel war alles, was er wollte.

Eine Erkenntnis, die ihm erst bewusst geworden war, als Sam im Käfig geschmort hatte und Cas in den Himmel zurückgekehrt war. Viel zu spät. Sein Versprechen Sam gegenüber hatte ihn an Lisa und Ben gebunden und er hatte es genutzt, um den Verlust der beiden zu verdrängen und so gut wie möglich zu verarbeiten. Zunächst war es verdammt schwer gewesen, aber er hatte sich daran gewöhnt. Es war ein schönes Jahr gewesen, alles andere wäre gelogen.

Dennoch hatte er Castiel nicht einmal während seiner Zeit mit Lisa vollends vergessen können. Dass Sam für sein normales Leben täglich im Käfig hatte büßen müssen, war schlimm genug gewesen und hatte ihn sowohl tagsüber als auch in seinen Träumen gequält. Es hatte keinen einzigen Tag gegeben, an dem er nicht an seinen kleinen Bruder gedacht hatte. Und er hatte an Cas gedacht. Eine Erinnerung, die seinen Gemütszustand nicht gerade verbessert hatte.

Sam und Cas jedoch waren zurückgekehrt und hatten ihn somit aus seinem gewöhnlichen Leben gerissen. Anfangs war es ihm alles andere als leicht gefallen, sich wieder voll und ganz auf sein altes Dasein einzulassen. Letztendlich hatte er einsehen müssen, dass er ein Jäger war und seine Beziehung mit ihr keine Zukunft hatte. Die Zeit mit Lisa war vorbei und trotzdem war es ihm nicht möglich, sich dem Engel in irgendeiner Form anzunähern.

Es war, als existierte in seinem Kopf eine Blockade, die ihn jedes Mal aufs Neue daran hinderte. Die ihn dazu brachte, all die Gefühle zu unterdrücken und sich voll und ganz auf ihren Familienauftrag zu konzentrieren. Die ihm sagte, wie lächerlich das alles war. Er, der Weiberheld schlechthin, fühlte sich zu einem Engel hingezogen, der in einer männlichen Hülle steckte. Es mochte irrsinnig klingen, aber genauso war es. Insgeheim wusste er das längst, es zu akzeptieren war hingegen verdammt schwer.

Dean verdrängte die Überlegungen so gut es ihm möglich war und konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Angespannt fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht, ließ die Fenster herunter und wendete das Auto. Als er an Sam vorbeifuhr, nickte er ihm zum Abschied kurz zu. Ohne sich noch einmal umzudrehen, fuhr er begleitet von dem Geräusch der knirschenden Steine unter den Reifen vom Hof.
Review schreiben