F R E Y J A

GeschichteRomanze / P18
OC (Own Character)
26.05.2017
29.03.2018
7
11032
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Es dauerte ein paar Sekunden, bis sich meine Augen an die Dunkelheit des Raumes gewöhnten, doch ließ ich mich davon nicht beirren und lief ohne zu zögern hinter Ragnar her. Ich hatte ihn vor Jahren das erste Mal getroffen, da war ich noch ein kleines Kind. Jetzt, als ich ihn nach Jahren wiedersah war er ein alter Mann.

„Wer ist sie?“, hörte ich den einen jungen Mann flüstern. Er hatte lange blonde Locken und auf die Weite glaubte ich in einem seiner Augen einen schwarzen Strich zu erkennen. Ich ignorierte die vier Jungs, welche mich anstarrten als wäre ich nicht von dieser Welt.

„Vielleicht ist sie eine Sklavin?“, meinte einer mit hellbraunen Zöpfen. Keine Sekunde später lag seine Hand auf meinem Hintern und drückte zu. Ich holte aus und schlug mit meiner flachen Hand gegen seine Wange. Sein Kopf ging mit dem Schlag mit und drehte sich zur Seite. Er gab einen leisen Schmerzenslaut von sich und rieb seine Wange. Die anderen drei Männer lachten. Ich ignorierte sie und strich mir eine Strähne meines feuerrotem Haar aus dem Gesicht.

„Ich mag sie. Sie will wahrscheinlich einen richtigen Mann, Hvitserk“, sagte einer der vier mit teuflischen Lächeln. Er war sichtlich der jüngste der vier, und definitiv der attraktivste, von seinem grausamen Haarschnitt, der länger definitiv besser aussehen würde, abgesehen, und ungefähr in meinem Alter. Ich war mir nicht sicher warum, aber waren seine Beine zusammen geschnürt und er war der einzige von ihnen, der auf einem Stuhl saß.

„Wage es ja nicht“, zischte ich als er seine Hand hob. Der Junge zog die Mundwinkel nach unten und schaute mich mit großen Augen an, als er seine Hand zurück zog.

Ragnar legte seine Hände auf meine Schultern und drehte mich zu den vier Jungs.
„Das ist Freyja die Brudermörderin, sie wird euch Englisch beibringen“, sagte er und lehnte sich zu mir herunter. „Freyja, das sind meine Söhne. Ubbe, Hvitserk, Sigurd und Ivar.“

~*~

„Brudermörderin!“, hörte ich Ivar's Stimme hinter mir, doch ich blieb nicht stehen. Ich wusste, dass er locker mit mir mithalten konnte.

„Was willst du, Ivar? Euer Unterricht geht erst morgen weiter“, sagte ich, den Blick geradeaus gerichtet. Ich musste Ragnar's jüngsten nicht anschauen, um zu sehen, dass er ein dämonisches Lächeln auf den Lippen trug, wie es die Christen sagen würden.

„Ich will wissen warum du so heißt.“

„Es war der letzte Wunsch meiner Mutter mich Freyja zu nennen“, antwortete ich, noch immer ohne ihn eines Blickes zu würdigen.

„Aber warum nennt man dich die Brudermörderin?“

Ich fror in meiner Bewegung ein und schluckte hart. Ich wusste ich hätte Ragnar darum bitten müssen mich nicht mit dem Namen vorzustellen. Nur leicht spürte ich wie die Wut in mir anfing zu kochen. Ich musste hier weg.

„Das geht dich nichts an“, flüsterte ich und lief weiter.

„Ich würde es trotzdem gerne wissen“, sagte Ivar mit seelenruhiger Stimme. Ich musste ihn nicht ansehen, um zu wissen, dass er mich frech angrinste. Er ließ nicht locker und kroch immer weiter neben mir her.

„Verschwinde. Der Ursprung meines Namens geht dich nichts an.“ Meine Stimme war nur ein Zischen. Es kostete mich meine ganze Kraft meine Wut in mir zu halten. Wahrscheinlich würde es nicht gut rüber kommen, wenn ich gleich an meinem ersten Tag in Kattegat einen der Prinzen angriff.

„Du hast einen deiner Brüder umgebracht, oder?“, fragte er. Ich schnaubte und schaute mich auf der Straße um, welche auf einmal unfassbar leer war. „Oh, jetzt verstehe ich. Du hast sie alle umgebracht. Wie viele? Drei? Vier?“ Das war zu viel. In der nächsten Sekunde lag Ivar unter mir mit meiner Hand an seiner Kehle.

„Ich sagte: Das geht dich nichts an!“, schrie ich und atmete dann tief durch. „Der Ursprung meines Namens geht dich nichts an. Nur ich, Ragnar und mein Vater wissen woher er stammt und das wird auch so bleiben.“ Ich ließ von ihm ab und ging weiter meines Weges zu der kleinen Hütte, die Ragnar mir bereitgestellt hat. Noch bis ich um die Ecke ging spürte ich Ivar's Blick in meinem Rücken. Das kann ja noch heiter werden.

„Was hast du dir nur dabei gedacht, Bruder?“, zischte Ubbe, welcher wie aus dem Nichts neben Ivar auftauchte. Sein kleiner Bruder drehte sich mit einem breiten Grinsen zu ihm um. Noch nie hatte Ubbe seinen Bruder so gesehen.

„Hast du das gesehen?“

„Klar hab ich das gesehen! Du hast sie so lange provoziert, bis sie dir an die Gurgel gegangen ist.“

„Wie kann man eine Frau für sich gewinnen, Ubbe? Sie ist wunderschön“, murmelte Ivar wie aus dem nichts. Sein großer Bruder verschluckte sich an seinem eigenen Speichel und sah ihn hustend an.

„Bitte was?“, fragte er, als er langsam wieder Luft bekam.

„Du hast mich verstanden, Ubbe. Wie kann ich eine Frau für mich gewinnen?“, hauchte Ivar, wobei Ubbe seine Stimme schon fast beängstigend fand.

„Und welche Frau willst du für dich gewinnen, kleiner Bruder?“

„Freyja, welche denn sonst?“

„Ich denke nicht, dass das leicht wird, geschweige denn, dass es funktioniert“, murmelte Ubbe.

„Das ist mir egal. Ich will, dass sie mir gehört.“

Ubbe schnaufte leise und schloss seine Augen. „Sei einfach du selbst. Wenn sie die richtige ist wird sie sich in dich verlieben. Wenn nichts ist sie es nicht wert.“

„Danke für deinen Ratschlag, Bruderherz“, flüsterte Ivar und kroch davon. Was auch immer in seinen Bruder gefahren war, es machte Ubbe Angst. Falls es so läuft wie Ivar es sich scheinbar erhofft könnte er glücklich werden. Aber wenn nicht? Oh, Ubbe wollte sich das gar nicht erst vorstellen.
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