Contract Marriage

GeschichteDrama, Romanze / P18
Sakura Haruno Sasuke Uchiha
25.05.2017
10.10.2019
21
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I need you now
your hand to pull me in
I wish I didn’t want you but I’m helpless to resist
I’m caught up in this struggle I can’t win
And it’s too late, it’s too late...




. . .



Sakura hatte die ganze Nacht über sehr unruhig geschlafen. Wie so oft war sie von jenen Alpträumen heimgesucht worden, die sie seit der Begegnung mit Orochimaru plagten.
So fühlte sie sich selbst zwei Stunden nach Beginn des Tages todmüde und beinah so, als befände sie sich hinter einer Wand aus Watte.
Richtigen Appetit hatte sie deshalb ebenfalls nicht, obwohl ihr Magen schon seit gestern Abend keine Ruhe gab.
Darum war sie eigentlich ganz froh als Akane kurze Zeit später das Frühstück brachte.

„Wie geht es ihnen heute, Miss?“, fragte Akane während sie ihr eine Tasse Tee eingoss. Akane mied den Blickkontakt unentwegt. Sakura fühlte sich schlecht, aber sie wusste nicht so ganz wie sie sich entschuldigen sollte.

„…Ich bin ein wenig erschöpft“, antwortete sie und richtete sich langsam auf. „Ich sollte heute etwas essen…“

Sakura setzte sich an den Rand des Bettes, sodass der Servierwagen wie ein kleiner Tisch vor ihr stand. Sie betrachtete das Essen für einige Sekunden und seufzte schließlich leise. Dann nahm sie ein Croissant in die Hand und begann es mit Butter zu beschmieren.

„Wenn Sie dann nichts mehr brauchen, Miss, würde ich mich bis nach dem Frühstück entfernen“, sagte Akane und verbeugte sich leicht.

Sakura hielt inne und legte das Messer kurz zur Seite. „Warte Akane…Wie ich mich gestern verhalten habe war nicht richtig…“, sagte sie. „Ich bin zurzeit etwas empfindlich, aber ich hätte das nicht an dir auslassen dürfen. Ich hoffe du kannst mir verzeihen.“

Akane wirkte ein wenig überrascht, als sie das hörte. Dann lächelte sie und nickte.

„Ich werde mir in Zukunft mehr Mühe geben auf euch Rücksicht zu nehmen. Ich hoffe ihr könnt heute etwas zu euch nehmen, Miss.“

Sakura atmete erleichtert auf nachdem Akane die Tür hinter sich geschlossen hatte. Das schlechte Gewissen hatte ganz schön an ihr genagt. Dann biss sie in ihr Croissant.
Es war vermutlich das leckerste Stück Gebäck, das sie jemals gekostet hatte und deshalb dauerte es nicht lange, bis es in ihrem Magen lag.
Und dort schien es schwer zu liegen. Sehr schwer. Das merkte sie allerdings erst, als sie gerade dabei war sich ein zweites zu schmieren.
Sakura starrte auf ihren Bauch und rieb darüber. Ein leises Grummeln und ein Zwicken in der Magengegend zwangen sie dazu, den Rest des Frühstücks stehen zu lassen und sich auf die Seite zu Rollen.
Sakura fragte sich, ob es schlicht daran lag, dass ihr Magen sich einfach daran gewöhnt hatte Luft zu zersetzen, oder ob es auch mit dem bevorstehenden Gespräch zutun hatte.
Sasuke würde im Verlauf des Tages über den Vorfall mit Kaouru sprechen wollen.
Wie auf Kommando brummte ihr Bauch laut und Sakura sah sich gezwungen aufzustehen. Sie ging auf und ab in ihrem Zimmer.
Das flaue Gefühl in ihrem Magen wollte einfach nicht verschwinden.
Als ihr Handy auf dem Bett vibrierte hielt sie inne.

„Ich werde mich in den nächsten Tagen bei dir melden…“

Sakura wurde nervös, als sie das Handy vom Bett nahm und begann die verpassten Anrufe und Nachrichten durchzugehen.
Sie atmete erst auf, als sie die altbekannten Namen vor sich sah.

Vorgestern:

Gaara, 20.15

Hey, ich war gerade bei dir aber du bist nicht da. Ich hoffe dir geht es gut. Melde dich.

Hinata, 21:00

Oh Gott du wirst nicht glauben was Ino mir gerade geschrieben hat! Erinnerst du dich noch an Shikamaru aus der Oberstufe, den sie absitzen ließ? Sie hat ihn durch Zufall bei einem Event wieder getroffen und jetzt daten sie sich!

Hinata, 22:11

Verpasster Anruf 2x

Hinata, 22:13

Sakura bitte ruf mich an wenn du das liest! Naruto hat mir gerade erzählt was passiert ist! Ich hoffe dir geht es gut!

Gaara, 00:01

…Irgendwie mache ich mir gerade Sorgen um „uns“ . Ich hoffe es ist alles in Ordnung? Habe ich letztes Mal etwas falsch gemacht?
Vermutlich denke ich zu viel nach.
Du bedeutest mir wirklich viel Sakura…

Gestern:

Gaara, 9:11

Guten Morgen, Hase. Ich hoffe du hast einen schönen Tag. Vielleicht komme ich dich später im Cafe besuchen.

Hinata, 12:11

Sakura bitte melde dich! Gaara ist hier…ich habe ihm erzählt du bist bei deinen Eltern.

Hinata, 16:34

Ich hoffe wirklich dir geht es gut…ich mache mir Sorgen.

Gaara, 18:23

Ist alles in Ordnung? Seltsam, dass du mir nicht schreibst, wenn du zu deinen Eltern fährst…

Hinata, 19:55

Verpasster Anruf 10x

Heute:

Hinata, 9:09

Verpasster Anruf 4x

Hinata, 09:16

Wenn du nicht gleich an dein Handy gehst, komme ich vorbei!

Gaara, 10:11

Ruf mich an wenn du wach bist.


Sakura überlegte was sie zuerst tun sollte. Ihr war unwohl bei dem Gedanken Gaara anzurufen, wenn Sasuke jede Minute ins Zimmer platzen könnte.
Sie würde ihn in einer ungestörten Minute zurückrufen müssen. Nur wusste sie nicht so ganz, ob sie gut darin war zu lügen. Wie sollte sie vor ihm verheimlichen was vor sich ging?
Es war nicht einmal klar, wie lange sie bei Sasuke bleiben würde, oder was passieren wenn sie ihre Aufgabe erfüllt hatte.
Sakura schluckte und starrte ins Leere. Für einen kurzen Moment befand sie sich wieder in Kaourus Auto und hörte in der Ferne ihre Stimme.
Das plötzliche Aufbrummen ihres Handys holte sie jedoch schnell in die Gegenwart zurück.
Sie sah auf das Display. Es war Hinata. Sakura nahm nach wenigen Sekunden ab und legte den Hörer ans Ohr.

„Hey…“

„…ENDLICH! Hast du überhaupt die leiseste Ahnung was für Sorgen ich mir gemacht habe??! Als Naruto mir erzählt hat was passiert ist wäre ich fast aus allen Wolken gefallen!! Bist du noch bei Sasuke? Geht es dir gut?!“

„Jetzt wo ich deine Stimme höre geht es mir schon viel besser…“, antwortete Sakura. „Ja ich bin noch bei Sasuke…“

Hinata seufzte laut und erleichtert. „Ich bin so froh, dass ich dich endlich am Hörer habe…“

„Tut mir leid…ich habe die meiste Zeit geschlafen…“

„Das wundert mich überhaupt nicht. Ich kann das Ganze einfach immer noch nicht glauben. Wie sieht es aus? Warst du schon bei der Polizei?“

„…Nein…“, sagte sie.  „Wer würde mir schon glauben? Sie ist immerhin die Frau des Premierministers…“

„Wahrscheinlich hast du recht“, erwiderte Hinata unzufrieden. „Das ganze macht mich schon wütend genug…ich darf garnicht darüber nachdenken!“

„…“

„Tut mir leid…du willst wahrscheinlich nicht darüber reden…“, meinte Hinata. „…Ich hoffe doch Sasuke ist besonders nett zu dir?“

Sakura seufzte tief. „Er ist die meiste Zeit sowieso nicht da…“, sagte sie. „…Mir fehlt es zumindest an nichts.“

„…Ist wirklich ganz schön seltsam, dass Frau Uchiha dich unter Druck setzt damit du bei ihm bleibst…“

„…“

Sakura blickte nachdenklich in die Ferne. Ihr war nicht wohl dabei, näher darauf einzugehen.

„Naja…vielleicht ist es ganz gut wenn du erst mal bei Sasuke bleibst. Auch wenn ich es nur ungern zugebe, aber bei ihm bist du vermutlich sicherer als alleine in deiner Wohnung…“

„…Wahrscheinlich. Aber ich bin froh, dass ich ihn nicht wirklich sehen muss…“

„Das kann ich verstehen. Nach allem was passiert ist müsste die Stimmung zwischen euch beiden ja echt Bombe sein…“, meinte Hinata ironisch. „Wenn du es nicht mehr aushältst sag einfach bescheid an, dann komme ich dich besuchen! Wir könnten eine Übernachtungsparty schmeißen!“

Ein kleines Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. „Das ist gar keine schlechte Idee…aber ich denke nicht, dass Sasuke damit einverstanden wäre…“

Hinata stieß ein Lachen aus. „Wofür haben wir denn Naruto? Ich werde ihm gleich mal schreiben….“

„Meinst du wirklich…?“

„Klar. Wirst schon sehen. Ich muss jetzt leider weiter arbeiten…kann ich dich später nochmal anrufen?“

„Klar. Bis später dann.“

„Bis später!“

Sakura legte auf und setzte sich aufrecht auf ihr Bett. Sie ging noch einmal ihre Nachrichten durch und wurde nachdenklich als sie jene von Gaara ein zweites Mal las. Ihre Finger tippten eine Nachricht ein, löschten sie doch sogleich wieder.
Kurz darauf stand sie auf und stellte sich an das Fenster um hinaus zu sehen. Das Wetter war wundervoll.
Wie gerne würde sie einen Spaziergang machen um auf andere Gedanken zu kommen.
Doch sie fühlte sich wie eine Gefangene.
Es war nicht direkt der Umstand der sie so fühlen ließ. Nicht dieses große Haus, das noch so voller unentdeckter Geheimnisse schien. Und auch nicht Sasukes Anwesenheit, obgleich es sie mit Spannung füllte.
Es war vor allem der Grund aus dem sie hier war, der an ihr nagte und sie nicht klar denken ließ.
Sakura öffnete schließlich die Fenster des Balkons und trat in die frische Luft des Sommermorgens hinaus. Sie atmete tief ein und lehnte sich seufzend an die Steinmauer.
Sie versuchte nicht darüber nachzudenken, doch ihre Gedanken kreisten immer wieder um das Gespräch mit Kaouru.

(…)

„I-ich soll was? …Aber wie…?“

„Ganz einfach. Du musst ihn dazu bringen dir zu vertrauen…“

„I-ich…ich weiß nicht ob ich das kann…ich weiß nicht einmal wie ich zu ihm zurückkehren soll…“

„Verführ ihn. Spiel ihm etwas vor…such es dir aus. Oder braucht es etwa mehr Motivation…?“

„N-nein…“

„Gut. Jetzt gib mir dein Handy. Ich werde mich in den nächsten Tagen bei dir melden.“


Ihre Hände suchten an dem Stein des Balkongeländers unruhig nach Halt.
Sie wusste dass sie im Begriff war Sasuke zu hintergehen. Sakura hatte die Gelegenheit genutzt und war unter dem Vorwand vor Kaouru Schutz zu suchen hierher geflüchtet.
Es wäre ein perfekter Plan.
Wenn da nicht ständig diese Gedanken an ihn wären. Die Hoffnung sich ihn ihm zu täuschen. Nein sie konnte nicht leugnen, dass sie wünschte irgendetwas würde sie davon abhalten das zu tun was Kaouru von ihr verlangte.
Sie war hin und her gerissen zwischen dem was offensichtlich die richtige Entscheidung wäre und ihren Gefühlen für Sasuke. Und doch war ihr als könnte sie rein gar nichts tun. Als wäre sie lediglich eine Zuschauerin in diesem Film.
Denn ganz gleich welche Entscheidung sie treffen würde: wer konnte ihr schon sagen, welche die Richtige war?
Sakura konnte nicht das Wohl ihrer Familie auf’s Spiel setzen. Würde Sasuke ihr wirklich helfen, wenn sie ihn darum bitten würde? Selbst wenn das hieße sich gegen seine eigene Familie zu stellen?
Sie glaubte nicht daran.
Sakura schüttelte schließlich den Kopf und schloss die Augen. Sie musste aufhören darüber nachzudenken. Es würde sie nur ins Unglück stürzen ihm zu vertrauen und tief in ihrem Herzen wusste sie, dass es die Wahrheit war.
Sie drehte sich nun um und starrte in die Ferne um sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Ihre Augen streiften umher. Bis sie an dem Teil des Gartens hängen blieben der sich unter ihrem Balkon erstreckte.
Wenn sie es recht sah musste er sich noch bis zur anderen Seite des Haus ziehen, doch den anderen Teil konnte sie von hier aus nicht sehen.
Hingerissen blickte sie zur Türe.
Ob dies die perfekte Gelegenheit war hinunter zu gehen und sich den Garten einmal genauer anzusehen?
Vielleicht war es genau das was sie jetzt brauchte um ihre Stimmung zu heben. Doch ihr war unwohl bei dem Gedanken, Sasuke womöglich über den Weg zu laufen. Es gab mehr als einen guten Grund dafür.
Andererseits konnte sie sich nicht ewig vor ihm verstecken. Früher oder später an diesem Tag würde sie ihn sowieso sehen.
Unentschlossen tappte sie durch den Raum und blieb vor der Türe stehen. Ehe sie die Klinke drückte, sah sie noch einmal an sich herab.
Das weiße Nachthemd schien ihr ausreichend für eine kleine Erkundungstour durch den Garten. Doch bevor sie hinaustrat, öffnete sie zuerst die Tür einen Spalt breit und steckte ihren Kopf durch um zu sehen, ob die Luft rein war.
Im Haus war es jedenfalls mucksmäuschen still.
Sakura fasste sich also ein Herz und schlich langsam die Treppen hinunter.
Unten angekommen blieb sie stehen und lugte noch einmal durch den Flur. Niemand war hier. Das Haus war wie ausgestorben.
Doch als sie nun weiter in das Wohnzimmer schlich, stand die Tür zur Terrasse bereits offen. Und da die großen Fenster nur wenig Möglichkeiten boten etwas zu übersehen, hielt sie abrupt inne als sie Sasuke erkannte.
Prompt wollte sie wieder kehrt machen, aber ehe sie die Gelegenheit dazu bekam, hatte er sie bereits entdeckt.
Wie angewachsen sah sie zu wie er zur Tür ging und ihm Rahmen stehen blieb.

„Was machst du hier unten? Brauchst du etwas?“

„N-nein…ich wollte…“
Sakura verschränkte nervös die Hände hinter dem Rücken. Es kam ihr vor als würde er es nervig finden, dass sie hier war. Deshalb wusste sie nicht wie sie reagieren sollte.

„Eigentlich wollte ich mir den Garten ansehen…aber…vielleicht lieber ein anderes Mal…“
Sie machte kehrt und widerstand den Drang sich nach ihm umzusehen.

„Ich kann dir den Garten zeigen, wenn du möchtest“, sagte er unerwartet.

Sakura hielt inne. Zögerlich drehte sie sich zu ihm.  „…W-wirklich?“, fragte sie. „Ich meine…hast du nichts anderes zutun?“

Er schüttelte den Kopf und gab ihr mit einem Kopfnicken zu verstehen ihm zu folgen. Sakura war verunsichert. Ob das wirklich eine gute Idee war? Wider besseren Wissens folgte sie ihm schließlich hinaus in den Garten.

„Wow…“, stieß sie aus, als sie zum ersten Mal sah wie wunderbar es hier draußen war.
Der Garten war angelegt mit mehreren Wegen aus weißem Mamor und den verschiedensten Pflanzen und Baumgewächsen. „Fast wie in einem Traum…“ Bewundernd blieb Sakura bei ein paar weißen Lilien stehen, an denen sich ein paar Schmetterlinge tummelten.

„…Meine Mutter hat sich um diesen Garten gekümmert“, sagte er.

Sakura sah zu ihm. Er hatte die Hände in die Hosen gesteckt und schaute abwesend zu einem Kirschbaum, der etwas weiter entfernt stand.

„Du meinst…deine leibliche Mutter?“ Sie war so überrascht.

Sasuke nickte abwesend und wandte seinen Blick dann gen Haus. „…Dieses Anwesen hat einmal ihr gehört.“

„…“

Sie wusste nicht wirklich was sie dazu sagen sollte, oder ob sie es überhaupt wollte. Sakura verstand nicht wirklich aus welchem Grund er ihr dies gerade jetzt erzählte. Schließlich erzählte er sonst nie etwas über sichund Sakura konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern wann sie das letzte Mal so zusammen gewesen waren.
Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. So als wäre all das nie passiert und sie wäre plötzlich aus einem Traum erwacht und hätte sich hier in diesem Anwesen wiedergefunden. Es war so surreal dass nichts von all dem was sie die ganze Zeit über gedacht hatte, all das was sie ihm hatte sagen wollen, nun den Weg zu ihr fand. So als wäre sie eine Tabula Rasa.
Als er schweigend weiter ging folgte sie ihm. Sie kamen an einen kleinen angelegten Fluß, über den eine ebenso kleine Holzbrücke führte.
Der Weg führte zu einer Insel, auf dem einsam ein großer Kirschblütenbaum stand. Er hatte längst seine Blüten verloren. Ein trauriger Anblick. Wäre sie im Frühling hier gewesen hätte sie ihn in seiner vollen Pracht bewundern können. Aber die Zeit ließ sich nicht zurück drehen.
Sakura blieb stehen und lehnte sich über die Seite der Brücke. Wo würde sie wohl nächstes Jahr um diese Zeit stehen?
Und neben wem? Sie sah zu Sasuke, der sich ebenfalls neben ihr an der Brücke abgestützt hatte.
Nein. Er war so weit weg von ihr, dass sie ihn nicht einmal glaubte ihn jetzt berühren zu können wenn sie die Hand ausstrecken würde.

Vermutlich würde sie entweder einfach alleine auf er Couch liegen. Falls alles gut lief womöglich sogar neben Gaara.
Gaara…
Nein, sie wollte jetzt wirklich nicht an ihn denken.

„Wirklich ein schöner Garten…“, sagte sie. „…Bist du hier oft mit deiner Mutter spazieren gewesen?“

„Hn. Ich erinnere mich nicht wirklich“, sagte er nur und starrte in die Ferne.

„Verstehe…“

Sakura fragte sich ob sie überhaupt jemals etwas über ihn erfahren würde. Vermutlich würde er ein ewiges Rätsel für sie bleiben.

„Naruto hat erzählt, dass du jetzt im Café arbeitest“, sagte Sasuke plötzlich.

„Oh…ja…“

„Was ist mit deinem alten Arbeitsplatz?“

Sakura zuckte leicht mit den Schultern. „Ich hatte einfach keinen Spaß dabei.“

„Hn. Und Kellnern macht mehr spaß?“ Er wirkte nicht überzeugt.

„Kann ja nicht jeder stinkreich sein“, entgegnete sie und streckte ihm kurz die Zunge raus.

„Dir scheint es wieder richtig gut zu gehen“, merkte er an und wirkte leicht amüsiert. Sein schiefes Lächeln warf sie ein wenig aus der Bahn, sodass sie schnell ihr Gesicht abwandte um ihren roten Schimmer auf den Wangen zu verbergen.

„Glaub ja nicht dass das was mit dir zutun hat“, murmelte sie und versuchte unberührt zu wirken.

„Nein. Natürlich nicht“, erwiderte er.  „Du hasst mich schließlich.“

Die Stimmung schien so schnell auf ernst umzuschlingen dass Sakura stockte und ihn irritiert anstarrte.

„Warum… hast du das gerade gesagt?“ Sie richtete sich auf und machte einen Schritt zurück.

„…?“

„…Für dich… ist das alles nur eine Art Witz, oder?“

Es war als wäre die ganze Leichtigkeit mit einem Mal gewichen. Vielleicht war sie auch nie da gewesen. Dachte er wirklich sie wäre so dumm auf so etwas herein zu fallen?

„Hn. Ist es nicht die Wahrheit? Du hast es selbst gesagt.“

„Was willst du von mir hören Sasuke?!“ Jetzt war sie wütend. „Natürlich hasse ich dich. Wie könnte ich auch anders?“, sagte sie. „Es war dir scheiß egal wie es mir mit der ganzen Sache ging!“

„….“

„Ja hüll dich nur in Schweigen. Was anderes kannst du sowieso nicht!“, spie sie. „ Dachtest du etwa an meinen Gefühlen hätte sich etwas geändert nur weil ich auf deine Hilfe angewiesen bin?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich wünschte einfach nur du hättest mir ins Gesicht gesagt, dass ich dir egal bin. Dann wäre das alles leichter gewesen!“

Sakura wandte sich um. Sie wollte einfach nur auf ihr Zimmer wo sie sein Gesicht nicht ertragen musste
. Doch dann spürte sie Sasukes Hand an ihrem Gelenk, die sie unsanft zurück hielt.

„Denkst du wirklich mir wäre das alles egal gewesen? Dass du mir egal gewesen bist?“

Sasuke sah ihr so ernst in die Augen, wie er es noch nie getan hatte. Alle Gefühle der vergangenen Wochen spiegelten sich auf einen Schlag darin. Sie wusste sofort, dass es stimmte und das war ganz und garnicht die Reaktion mit der sie gerechnet hatte.
Ihr Herz pochte wie wild gegen ihre Brust, während sie wie erstarrt von seinen tiefbraunen Augen gefesselt wurde.

„Was? Du…du lügst…“, sagte sie. „Das sagst du nur damit ich dir wieder vertraue…“

„Du weißt dass es die Wahrheit ist Sakura…“ Sein Griff verfestigte sich und er zog sie kaum merklich weiter an sich.
Sakura schüttelte nur den Kopf und sah zu Boden. Nein sie wollte es wirklich nicht glauben. Sie konnte ihm nicht glauben.

„Sakura…“

Als er jäh seine Hand an ihre Wange legte und sie wieder dazu bewegen wollte ihn anzusehen, hielt sie es nicht länger aus.

„Lass mich!“, stieß sie aus und schlug seine Hand weg. „Fass mich nicht an!“
Sakura riss sich los und rannte davon in Richtung Haus. Sie konnte hören, dass er ihr folgte. Seine Laufschritte waren wie Donner in ihren Ohren.

„Verdammt Sakura! Bleib stehen!“

Als sie bei der Veranda ankam stolperte sie beinah über ihre eigenen Füße, ehe sie verzweifelt die Tür aufstieß und in den Raum rannte.
Sie sah kurz zurück und erschrak als sie erkannte, dass er sie längst eingeholt hatte.

„Bleib weg von mir!“

Ihr verzweifelter Warnruf hallte durch den Flur. Sakura schaffte es bis zur Mitte der Treppe, ehe Sasuke sie aufhalten konnte.
Er griff auf halber Höhe nach ihrem Arm und versuchte sie zum Stehen zu bewegen. Sakura wehrte sich entschieden und so gerieten sie in ein Gerangel.

„Jetzt beruhig dich doch endlich!“, stieß er genervt aus. „Was ist in dich gefahren?“

„Ich will aber nicht! Lass mich einfach in Ruhe!“ Sie war den Tränen nahe.

Und dann passierte es. Sasuke verlor den Halt auf der Treppe und riss Sakura mit sich auf den harten Boden des Flurs.
Sakura schrie erschrocken auf, aber als sie auf dem Boden aufprallten landete sie sicher auf seiner Brust.

„Verdammt…“, keuchte Sasuke.

Sakura richtete sich verwirrt auf. Sie konnte sehen, dass er sich wehgetan hatte.
Für einen kurzen Moment starrten sie sich wortlos an und atmeten nur angestrengt.

„Du verdammter Idiot…das hast du jetzt davon…“

„Wenn du mir einfach nur zuhören würdest…“, knirschte er.

„Nein! ich will überhaupt nichts von dir hören…“, erwiderte sie und schlug nachdrücklich mit der Hand auf seine Brust. „Dafür ist es einfach zu spät!“
Tränen bildeten sich in ihren Augen. Sie traute sich nicht ihn anzusehen. Am liebsten wäre sie sofort aufgesprungen, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Innerlich war sie hin und hergerissen. Denn ein Teil von ihr wollte ihn anhören.

„Ich…“, begann er, doch Sakura unterbrach ihn.

„Ich habe die ganze Zeit auf dich gewartet du Idiot. Du hast keine Ahnung wie sehr ich mir gewünscht habe, du würdest nach mir sehen….“

Als die Tränen über ihre Wangen rollten versuchte Sakura sie garnicht erst weg zu wischen. Stattdessen sah sie zum ihm. „Ich hasse dich, Sasuke…“, sagte sie und wollte sich aufrichten. „Also tu mir einen Gefallen und mach es nicht noch schlimmer…“

Sasuke zischte nur und richtete sich auf.  „Mach dir doch nichts vor…“
Sie sah nicht kommen als er sie im nächsten Moment an sich zog und seine Lippen auf ihre legte.

„Mhh….!“

Sakura wusste überhaupt nicht wie ihr geschah. Sie versuchte sich aus dem Kuss zu lösen, aber seine feste Hand griff in ihren Nacken um sie an Ort und Stelle zu halten.
„Hör auf…“, stöhnte sie verzweifelt und stemmte sich mit den Händen gegen seine Brust. Doch er hörte nicht auf. Sasuke vertiefte den Kuss und presste ihren Körper so eng an seinen, dass sie sich nicht mehr wehren konnte.

„Bitte…Sasuke…“

Ihre Stimme war nicht mehr als ein leises Keuchen, und als sie ihren Mund erneut öffnete nutzte er die Gelegenheit um nach ihrer Zunge zu tasten. Seine Hände griffen in ihre Haare, streichelten über die Haut an ihrem Nacken und jagten einen Schauer über ihren Rücken.
Sie sog verzweifelt die Luft ein. Ihr Körper bebte vor verlangen und sie konnte spüren dass es ihm nicht anders ging.
Sakura konnte sich vieles vormachen. So oft hatte sie sich eingeredet dass sie ihn hasste. Aber hier und jetzt war Sasuke alles was sie wollte. Alles was sie brauchte um endlich wieder einen Sinn in irgendetwas zu sehen. Fest in seinem Griff war es so leicht alles zu vergessen.
Doch sie konnte es einfach nicht zulassen. Irgendwie schaffte sie es zwischen all seinen Berührungen die Hand frei zu bekommen.
Also holte sie aus und schlug nach ihm.

Im nächsten Augenblick starrte er sie überrascht an. „H-hör auf…“, keuchte sie schwer atmend. Ihr Herz wollte einfach nicht aufhören zu schlagen.
„Du kannst mit mir nicht einfach machen was du willst….“

Sein Gesicht wurde ernst  „Ach nein?“

Sakura entwich ein überraschter Laut, als er sie plötzlich zu Boden stieß.

„S-sasuke….!“, stieß sie wütend aus und zappelte unter ihm.

„Sei still“, sagte er und hielt ihre Handgelenke fest umklammert. Sie konnte genau beobachten wie seine Augen begannen ihren Körper zu hinab zu wandern. Ihr wurde ganz anders.

„W-wenn du nicht sofort runtergehst schreie ich!“, sagte sie entschieden und legte den Kopf zur Seite. Es war nicht leicht ihm nicht einfach zu geben was er wollte. Nicht einfach zu tun wonach sie sich so sehr sehnte.
Sasuke aber schien nun mit etwas anderem beschäftigt zu sein. Etwas an ihrem Hals.

„Was ist das?“ Er löste seine Hand von ihrem Gelenk und strich mit dem Daumen über ihren entblößten Hals.

„W-was?“ Sakura schluckte. Sie wusste genau was er gesehen hatte.

„Spiel nicht die Unschuldige“, sagte er und griff nach ihrem Kinn. Er war wirklich wütend und das war das letzte, dass sie erwartet hatte. Peinlich berührt wandte sie sich ab und suchte nach Worten.

„D-das geht dich nichts an….“, gab sie zurück und wollte seine Hand wegschlagen. Doch Sasuke hielt sie davon ab.

„S-sasuke…“

Plötzlich hatte sein Gesicht einen gänzlich anderen Ausdruck angenommen. Langsam beugte er sich zu ihr hinab und drückte ihre Hand unsanft zu Boden.
„Du gehörst mir Sakura“, sagte er. In seinen Augen lauerte etwas warnendes. „Vergiss das nicht.“

Noch bevor sie etwas darauf erwidern konnte, hatte er ihre Lippen wieder in Beschlag genommen.
Dieses Mal jedoch war er weitaus unbarmherziger.
Sakura vergaß zu atmen während sein Mund heiß über ihren fuhr. Ein Keuchen entwich ihr, als Sasuke in ihre Unterlippe biss. Seine Zunge leckte die zarte Haut und verwickelte sie kurz darauf in einen innigen Kuss, aus dem es kein Entkommen gab. Ihr Inneres verging vor Hitze als sie seinen Hunger spürte.
So lange hatte sie sich gefragt, ob er sie überhaupt vermisst hatte. Jetzt glaubte sie die Antwort darauf bekommen zu haben.
Und dann für einen kurzen Augenblick schaffte sie es nicht länger ihren Widerstand aufrecht zu erhalten. Sie begann zu weinen als sie sich für einen einzigen, winzigen Moment erlaubte seine Berührungen zu zu lassen. Sich in den Kuss hineinzulehnen und in seine Wärme einzutauchen nach der sie sich so lange gesehnt hatte.
Das Gefühl endlich wieder ihm gehören zu können, sich ihm endlich hingeben zu können war so überwältigend, dass sie es nicht aushielt.
Sie musste es beenden.

„Es tut mir leid, Sasuke….“, schluchzte sie. „Ich kann das einfach nicht…“

Das letzte bisschen Willen das sie aufbringen konnte und biss ihm in die Zunge.

„Ahh! Verdammt!“
Er zischte vor Schmerzen und zuckte zurück.

Sakura nutzte die Gelegenheit und trat ihn beiseite um sich unter ihm hervor zu winden und aufzuspringen. Sie hörte ihn hinter sich rufen als sie die Treppen hinauf hetzte und zu ihrem Zimmer lief.
Mit letzter Kraft knallte sie die Tür hinter sich zu und verriegelte sie, ehe sie daran hinab rutschte und auf dem Boden kauernd begann zu weinen.
Ein leises Schluchzen breitete sich in der Stille des Raumes aus und schien ihn letztendlich vollkommen zu beherrschen.
Sie war nicht wirklich traurig. Sie war verwirrt. Überrannt von ungewollten Gefühlen von denen sie wusste, dass sie wie eine Droge waren und sie süchtig machen würden.
Das alles war wie ein schlechter Scherz. Wie eine schlechte Soap, die sie einfach nicht ausschalten konnte, weil sie ständig an einem Cliffhanger endete.
Was jetzt? Fragte sie sich selbst. Was würde als nächstes passieren? Erst die Sache mit Kaouru und jetzt dieser Kuss. Sakura glaubte nicht daran, dass sie ihn hintergehen konnte. Aber die Frage war:  Konnte sie ihm vertrauen?
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