Mary Sues Angriff

OneshotHumor, Tragödie / P12
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers OC (Own Character) Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
25.05.2017
25.05.2017
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Mary Sues Angriff


„Der Mensch ist daher der vornehmste Gegenstand (außer bei wirklich sehr außerordentlichen Anlässen), der sich der Feder unserer Historiker und unserer Poeten bietet, und die Erzählung seiner Handlungen erfordert große Sorgfalt, damit wir nicht die Fähigkeiten der handelnden Person, die wir schildern, übertreiben.“
- aus 'Tom Jones' von Henry Fielding (1749 – das muss man sich mal reinziehen. Als hätte der gute Mann geahnt, dass wir uns irgendwann mal mit Mary-Sues und Gary-Stus rumschlagen müssen.)

Liebe LeserInnen,

kurz zum Verständnis – ich bin niemand, der sich in irgendeiner Weise vor anderen profilieren will und auch niemand, der Streit sucht oder dazu neigt unnötig und unberechtigt an Dingen herum zu kriteln, …

...aber (der Satz hat es sicher schon erahnen lassen):

Mir sind so einige Phänomene aufgefallen, die in letzter Zeit um sich greifen und das Fandom (nicht nur auf unserer geliebten Seite FF.de) zu bestimmen scheinen.

Nicht, dass nicht jeder von uns mal darüber nachgedacht hat, aber manche Feinheiten einiger Erzählungen hier sind einfach zu komisch/bescheuert, als dass ich nicht darüber schreiben könnte. Sozusagen eine Steilvorlage.

Betrachtet diesen Text als Pamphlet, das nicht ernst genommen werden will und auch keinerlei Anspruch darauf stellt, dass es irgendjemand doch macht. Es handelt sich hierbei um einen harmlosen Zeitvertreib, der zwischendurch stattgefunden hat und keinerlei Daseinsberechtigung besitzt.

In einer anderen Kolumne habe ich eigentlich schon einmal darüber referiert, was für Leitfäden sich durch so ziemlich jedes Fandom hier ziehen und trotzdem will ich unserem lieben kleinen Fandom namens Captain America ungefragt denselben Gefallen tun. Komme, was wolle.




I. Shippings

Beginnen wir bei den Shippings, die sich hier so ansammeln und leider auch sehr, sehr beliebt bleiben, egal ob sie realistisch sind oder nicht.


1. Stucky

Das wohl bekannteste Shipping, bei dem sich mir (so wie bei allen anderen Shippings, die nicht Canon sind, auch wenn ich letztere nicht immer, eigentlich niemals, erträglich finde) die Zehennägel hochrollen. Warum ist das aber so? Ich nenne im Folgenden mehrere Gründe.

a) Bucky und Steve sind Freunde, seit sie zusammen als Kinder zur Schule gegangen sind. Das macht sie zu Leidensgenossen und hat sie sicherlich eine Beziehung erleben lassen, wie Brüder sie haben.

b) Es gibt keinerlei sexuelle Spannung zwischen den beiden, es ist sogar recht häufig zu sehen, wie beide heterosexuelle Gefühle für einen Menschen des anderen Geschlechtes hegen. Steve steht auf Peggy, dann auf Sharon (ein Dorn in jedermanns Auge, ich weiß). Bucky wird sogar als eine Art Frauenheld vorgestellt (siehe Stark Expo 1943 und Steves Andeutung in Civil War bei ihrer Ankunft in Sibirien).

c) Das Shipping ist kein Canon und das aus gutem Grund. Sogar die Schauspieler dementieren eine etwaige Beziehung zwischen den beiden und die Wahrscheinlichkeit, dass eben jene auftreten könnte (kein Scherz, Sebastian Stan hat das einmal in einem Interview gesagt und wurde prompt als homophob beschimpft... Leute... Der Mann hat vielleicht in seiner Karriere zehn On-Screen-Küsse gehabt und mehr als Dreiviertel davon (!!!) waren mit Männern. Er ist nicht homophob, nur weil er euer Shipping nicht unterstützt. Basta.).

d) Selbst wenn es Tensions zwischen den beiden geben würde (welche es wie bereits erwähnt nicht gibt), dann wäre es ziemlich unrealistisch, dass sie nach der Sache mit Hydra – eine Kleinigkeit, beinahe schon eine Lappalie... Was stellt Bucky sich eigentlich so an, diese Lusche?! – auch nur in irgendeiner Weise dazu in der Lage wären eine normale und vor allem für beide Parteien gesunde Beziehung zu führen. Bucky ist nach der Erkenntnis, dass er mindestens zwei Dutzend (soweit wir Natasha Glauben schenken) Menschen ohne Kollateralschäden auf dem Gewissen hat, mehr als traumatisiert und die Folter und Quälerei ist noch gar nicht mit eingerechnet. Dass er überhaupt noch in der Lage ist einen Tag nach dem anderen zu überleben ohne dabei in Selbstmordgedanken zu zergehen ist ein dezentes Wunder, aber wirklich sorgfältigen Umgang mit der Psyche eines gebrochenen Mannes hatte ich eh nicht von Marvel erwartet.

e) Häufig werden die armen beiden auch noch in ein anderes Universum verfrachtet, um die Absurdität des geschriebenen Vorhabens doch noch irgendwie zu rechtfertigen. Bucky und Steve wohnen hier nebeneinander, gehen auf die Uni oder in die Schule und lernen sich gerade frisch kennen... Nein, auch ein AU (Alternatives Universum) bedeutet nicht gleich, dass sie aufeinander stehen. Denn AU heißt nicht gleich OoC.



Doch kommen wir nun zum zweiten Shipping, das in letzter Zeit immer häufiger anzutreffen ist und zum Auslöser dieses Textes wurde. Sozusagen die Quintessenz meiner von Alpträumen durchzogenen Nächte.



2. Bucky x OC bzw. Mary Sue

Darüber lässt sich fast dasselbe sagen wie schon im ersten Shipping, aber der Vollständigkeit wegen werde ich noch einmal etwas dazu sagen. Auch auf die Gefahr hin, dass sich etwas wiederholt, aber dann bleibt es vielleicht eher hängen.

a) Bucky ist nach der Sache mit Sibirien nicht in der Lage eine Beziehung zu führen. Punkt. Weder mit noch ohne Erinnerungen. Er kann ja nicht einmal sich selbst respektieren oder seinem eigenen Verstand trauen, wurde über siebzig Jahre festgehalten und gequält, verstümmelt (sowohl körperlich als auch geistig) und zu bestialischen Dingen gezwungen, bei dessen Beobachtung schon einige Zartbesaitete vom Glauben abfallen würden. Menschen sind zu grausamen Dingen fähig und er wurde zu diesen Dingen gezwungen, ich wiederhole dieses Wort absichtlich. Er hat mit eine der schlimmsten Taten begangen, die ein Mensch begehen kann – Mord. Also nein, er wird sicher nicht verletzt und gebrochen irgendeiner dahergelaufenen Trulla auf den Leim gehen, die ihm helfen kann sein zersplittertes Herz wieder zusammenzusetzen (welches eh eines seiner geringsten Probleme ist, wenn ich das mal frech als Ferndiagnose stellen darf).

b) Mir ist bei der Durchsicht einiger dieser Erzählungen aufgefallen (nicht nur hier, sondern auch auf anderen einschlägigen Fanfiction-Plattformen), dass der weibliche OC zumeist einen Namen besitzt, den niemand aussprechen oder schreiben kann und ausnehmend schön ist. Logisch, auf der Straße laufen mir sonst auch nur Topmodels über den Weg. Zufälligerweise sehen sie alle aus wie bekannte Schauspielerinnen, die zufälligerweise makellose Haut, Puppengesichter und Stupsnäschen haben. Realistisch, wäre ich nicht drauf gekommen.

c) Noch witziger wird es allerdings, wenn Bucky angeblich die ganze Zeit schon vor ihr verstecken konnte, dass er der gesuchte Attentäter ist, den die ganze Welt nur als Winter Soldier kennt und das, obwohl sich das wegen des doch recht auffälligen Metallarms etwas schwierig gestaltet haben muss. Ulkig wird dieser Umstand vor allem dann, wenn die beiden 'ganz normal' (*Facepalm*) eine Beziehung führen und auch miteinander schlafen. Wie das funktioniert haben soll, frage ich mich immer wieder und es ist beinahe wie die ewige Frage nach dem Sinn des Lebens. Kann Bucky Leute plötzlich auch erblinden lassen, oder wie darf ich mir das vorstellen, liebe Hobby-AutorInnen?
→ Aha.
Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen.

d) Doch was mir auch aufgefallen ist, ist dass die besagte Trulla (oder nennen wir sie einfach bei ihrem Namen, denn jeder kennt sie) – Mary Sue – immer häufiger auch Winter Soldier ist. Ok, wir haben in Civil War erfahren, dass es noch andere Winter Soldiers gab, sogar eine Frau war dabei, aber ist es doch recht seltsam, dass sie mindestens genau so gut- Entschuldigt.
Sie ist natürlich nicht genau so gut wie Bucky, der ja eigentlich schon ein Superlativ seiner Eigenschaften ist... Sie ist besser als er. Im Optimalfall hat sie ihn sogar ausgebildet. Fauxpas meinerseits, es geht nun normal weiter.
Es reicht den AutorInnen und LeserInnen in diesem Fall wahrscheinlich nicht, sich vorzustellen wie Sebastian Stan den Winter Soldier verkörpert (ja, ich gebe zu, er ist schon eine Schnitte, aber deshalb wird mir nicht bei jeder Sekunde seines Erscheinens gleich das Höschen feucht), es muss dann noch eine völlig überflüssige Mary Sue an seine Seite gestellt werden, bei der man sich gleich passend vorstellen kann, wie man selbst mit dem teils Antagonisten, teils Antihelden von einem Abenteuer in das nächste schlittert.


Dabei sei zu beachten, dass unsere Heldin meistens eigentlich mehr die Handlung stört (denn die kann ja völlig in Ordnung, wenn nicht sogar sehr gut sein), indem sie sich in den Vordergrund mogelt und leider von den wirklich interessanten Helden wie eben Bucky, Steve oder den anderen Avengers ablenkt.

Doch entfernen wir uns mal kurz von den bekanntesten Shippings, die hier vor sich hin gedeihen und sich fleißig vermehren.




II. Plotkonzepte

Die Art der Handlung ist teilweise auch recht berechenbar und leider sehr vorhersehbar. Es geht meistens irgendwie um dasselbe und wirkt auf den ersten Blick nicht innovativ. Die Exposition des Ganzen lässt dann schon erahnen, um was es ungefähr geht, doch die wirklich einprägsamsten Grundkonzepte habe ich natürlich auch noch einmal für euch herausgesucht.


1. AU (Alternatives Universum) / AR (Alternative Realität)

Darüber haben wir weiter oben schon gesprochen, doch sei es hier noch einmal erwähnt und ausgeführt. Wofür? Für Satans Glorie.

Das AU lässt meistens schon erahnen, dass es sich um eine Erzählung um zwei Männer handelt, die ganz normal ihr Dasein auf einer langweiligen Erde fristen, also Männer wie du und ich (vergessen wir hier kurz das ganze Gender-Gedöns). Sie wohnen meistens im gleichen Haus und laufen sich im Flur aus Versehen über den Weg. Langweilig. Warum sollte man sonst eine Erzählung über zwei Supersoldaten schreiben? Nur, damit sie am Ende doch nur 08/15-Normalos sind? Damit geht doch eigentlich der Reiz der beiden Charaktere verloren.
Teilweise sind sie aber auch Kommilitonen oder gar Schulkameraden und sie lernen sich und ihre Gefühle füreinander erst kennen, zumindest wenn es sich hier um Stucky handelt. Es werden also erste Erfahrungen gesammelt und das teils völlig überzogen geschildert, höchstwahrscheinlich weil verantwortlicher Autor keine Ahnung hat, wie Schwule miteinander schlafen. Das endet meistens nur peinlich und ich bin sowieso kein Fan von Intimität in Schrift und/oder Bild. Warum aber ist das so wichtig überhaupt den Akt als solches zu beschreiben? Reicht eine Andeutung nicht? Schnell driftet das Ganze entweder in eine Parodie des realen Lebens ab oder verkommt zu einer Art Voyeurismus für den sich die meisten LeserInnen eigentlich schämen sollten. Aber Pornos guckt angeblich niemand... Wer's glaubt.
AR dagegen würde ich als Bezeichnung nehmen, wenn die Erzählung an einem Punkt im Canon ansetzt und dann die Handlung alternativ weitergeführt wird. Heißt: Die Bedingungen bleiben dieselben, die Helden sind immer noch Helden, doch wird hier einfach der Plot durch einen eigenen ersetzt oder eben weitergesponnen, soweit es noch keine Fortsetzung gibt oder einem das Ende des Films nicht gefallen hat.

Doch wichtig ist hier auch bei beiden: AU oder AR ist keine Ausrede für OoC! Sonst kann man auch gleich eine freie Erzählung in der Kategorie Prosa veröffentlichen.

2. Tiefgründigen englischen Titel bitte einfügen

Mit dem Titel steht und fällt meiner Meinung nach das Gesamtpaket einer Erzählung. In den Titel investiere ich mindestens genau so viel Zeit wie in eine Kurzbeschreibung und das wiederum kann Tage oder Wochen dauern. Wenn das nicht stimmt oder sich nicht gut anfühlt, dann lade ich es nicht hoch.

Wichtig ist mir persönlich immer, dass mein Titel – so wie auch der Text, der schließlich am Ende gelesen wird – deutschsprachig ist. Nicht, dass ich nicht auch schon englische Phrasen als Titel benutzt hätte (gut zu erkennen an einer zuletzt fertiggestellten Erzählung), aber das auch nur, weil es im Deutschen keine so knackige Formulierung gegeben hat. Es gibt eben Redewendungen oder Wortspiele, die sich nicht übersetzen lassen. Ein Beispiel wäre hierfür so etwas wie „Friendly Fire“ oder „Left for dead“. Deutsche Entsprechungen klingen irgendwie klobig und sperrig, aber darum soll es hier nicht gehen.

Es geht vielmehr um die Erzählungen, die hier vor allem auf der deutschen Seite mit völlig überzogenen und teilweise auch fehlerhaften Titeln versehen werden. Frei nach dem Motto: Ein englischer Titel klingt erwachsener oder schöner oder was auch immer.

Wenn du Englisch besser findest, dann schreib deine Erzählungen vielleicht auch in Englisch. Deutsch ist eine wunderbare Sprache und teilweise habe ich schon kopfschüttelnd vor meinem PC gesessen und gedacht: „Im Deutschen wäre dieser Halbsatz so viel schöner und greifbarer gewesen. Das hätte die Erzählung interessanter für mich gemacht.“

Wenn dann auch noch in der Kurzbeschreibung in einem Satz drei Rechtschreibfehler sind, dann ist es sowieso ganz vorbei... Wenn man die eigene Sprache nicht beherrscht, dann sollte man vielleicht nicht unbedingt mit Englisch weitermachen.

Ich weiß, ich weiß, das klingt alles so unheimlich besserwisserisch, aber ich finde schon, dass ich als unbescholtener Leser Qualität – oder zumindest den Willen besser zu werden – erwarten darf, wenn mir hier schon etwas vorgesetzt wird. Schließlich will man es auch mit Kritik quittieren, doch scheinen sich einige nur für die Anzahl der Reviews an sich zu interessieren und nicht für den Gehalt derselben. Eine Diskussion über Reviews werde ich hier allerdings nicht anfangen.

Inhalt der englisch betitelten Erzählungen ist eben ziemlich ähnlich zu den oben unter Shipping aufgeführten Grundkonzepten, die sich scheinbar (leider) niemals abnutzen werden.

3. Doppelt hält besser

Das hatten wir weiter oben auch schon angedeutet: Mary Sue erwacht zufälligerweise neben Bucky und wird von ihm ausgebildet oder bildet ihn aus und sie morden sich fröhlich durch die nächsten Jahrzehnte.

Sie hat eine so dunkle Vergangenheit, dass das unbedingt schon in der Kurzbeschreibung angedeutet werden muss und ist generell so emotionslos und überaus cool und gefährlich und unnahbar, dass mir jedes Mal ein bisschen Kotze hochkommt, wenn ich nur daran denke. Klar, ich selbst habe ganz am Anfang meiner Hobby-Schreiber-Karriere auch so eine ähnliche Erzählung verfasst, doch kann ich heute darüber lachen und habe Kritik diesbezüglich auch schon mehr als genügend eingesteckt. Daraus habe ich nur gelernt. Geschämt habe ich mich auch. Viel.

Ein weiblicher Sidekick wäre vielleicht auch nicht unbedingt uninteressant, doch fehlt leider oft die Logik. Wo kommt sie her? Wer ist sie überhaupt? Warum war sie interessant für Hydra, sodass sie das Risiko von zwei instabilen (warum auch immer und woher sie das Serum für Mary Sue hatten) Winter Soldiers auf sich genommen haben, wo doch Bucky alleine schon kaum zu kontrollieren war, weshalb sie angefangen haben ihn einzufrieren? Nicht umsonst gibt es erst seit 1991 fünf weitere Winter Soldiers, die allerdings nicht einmal auf Zolas Mist gewachsen sind... Handlungsloch über Logikfehler, eins führt zum anderen und schon sieht sich betroffener Autor oft dem Problem gegenüber, das er nicht zu lösen vermag. Oft werden diese Erzählungen auch nach wenigen Kapiteln abgebrochen, weil es keine Lösung zu geben scheint.
Das war's dann auch schon mit dem Duo infernale.

4. Drama, Baby, Drama!

Wenn die supergeile, superhübsche und auch supergefährliche Femme fatale nicht gerade selbst Winter Soldier ist, dann ist sie ein 'normales Mädchen', das irgendwie an Steve und Bucky gerät. Am besten befindet sie sich mit ihnen im Zweiten Weltkrieg und darf als Soldatin da irgendwie helfen.

(Off-Topic: Nein, das war nicht erlaubt, auch wenn das total sexistisch ist und so weiter und so fort. Die Welt war eben so und bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts durften Frauen nicht einmal studieren. Zwar waren Frauen ab 1942 aufgrund des Krieges Teil der Army, aber nicht als waschechte Soldatinnen; zu den Details sollte man mal kurz Wikipedia bemühen, auch wenn es Zeit kostet. Tatsächlich sind erst seit 2016 Frauen in den USA zu allen Teilen des Militärs zugelassen.)

Wenn die Erzählung nicht in den 1940ern stattfindet, dann nach „The Winter Soldier“ und da versteckt sich Bucky häufig bei ihr im Haus oder in ihrer Wohnung und dabei kommt häufig heraus, dass die gute Mary Sue eine echt dramatische Vergangenheit hat. Häufig ist sie auch noch vernarbt, weil Bucky als der Leidtragende der Erzählung einfach nicht reicht. Noch häufiger ist es allerdings der Rücken der Protagonistin, der mit Narben übersäht ist und ihre heftige Kindheit widerspiegelt. Missbrauch oder Misshandlung, manchmal auch beides, haben sie gezeichnet und deshalb kann sie so gut Buckys Schmerz verstehen. *verzweifelter Seufzer*
→ Entschuldigt, wenn ich im Folgenden etwas zu ehrlich werden sollte, aber (da wäre es wieder, das berühmte ABER): Mit dieser Anlage eines Hauptcharakters entwickelt man nicht nur eine Figur, die sich mit solchen schlimmen Themen auseinandersetzen muss. Nein.
Man bürdet sich auch selbst etwas damit auf, weil man eigentlich auch Recherche zu Traumabewältigung und psychischen Folgen betreiben müsste. Sich mit der Misshandlung oder dem Missbrauch eines Menschen auseinanderzusetzen kann Spuren beim Autor hinterlassen. Nicht zuletzt entwickelt man da eine Figur, die etwas durchgemacht haben soll, was echte Menschen im echten Leben tatsächlich erlebt haben.
Ich finde, aus Respekt sollte man sich dementsprechend sensibel mit dem Thema auseinandersetzen können, doch wird das in Erzählungen auf Seiten wie unserer etwas zu leichtsinnig getan, wenn es überhaupt getan wird.
Zugegeben, auch meine erste eigenständig entwickelte Figur hat einen solchen Hintergrund, aber ich habe versucht, sie so realistisch wie möglich in ihren Charaktereigenschaften zu entwickeln. Ich kann diese Figur zum Beispiel nicht leiden, sie ist ein waschechtes egoistisches Arschloch mit einem gestörten Verhältnis zu anderen Menschen und einem Hang zur Psychopathie und Gewalt. Denn es kam mir immer etwas unrealistisch und vor allem bedenklich vor, wenn Narben bloß erfunden wurden, um eine weibliche Figur sexy zu machen.
Ich bitte euch. Das dürfte euch nicht einmal in euren feuchtesten Sommernachtsträumen realistisch und vor allem gerechtfertigt vorkommen. Nur weil es sich aktuell auf dem Buchmarkt vor allem in der Sparte Thriller so gut verkauft (siehe jeder dritte Polizei-Thriller-Roman, in dem die Protagonisten auch alle ausnehmend schön und alle sehr, sehr verletzt sind), heißt es nicht, dass es auch gut ist. Literaturwissenschaftlich betrachtet sind die meisten Bücher absolute Katastrophen, vor allem im Hinblick auf Stil und Sprache.

5. Lauter Fragmente

Wenn es sich nicht um eine Drabble-Story handelt, dann wundert es mich immer, wenn manch eine Erzählung nach jedem Update nur knapp fünfhundert Worte mehr hat als zuvor. Updates kommen auch nur sporadisch und nach kurzer Zeit verschwindet auch diese Erzählung wieder in den Tiefen des Fandoms (meistens wenn die Ferien wieder vorbei sind. Ist euch das mal aufgefallen? Vor allem in der Ferienzeit kommen neue Geschichten dazu, die nach Schulbeginn nie wieder aktualisiert werden).
Nicht, dass diese Erzählungen nicht gut sein könnten, doch zeigt das häufig, dass nicht wirklich vorher überlegt wird, was geschrieben werden soll. Häufig werden die dramatischen Ereignisse, die Mary Sue schon überlebt und ohne psychische Folgen weggesteckt hat, schon im ersten Kapitel alle aufgedeckt, weil betreffende(r) AutorIn keinen Bock hatte, die Erzählung gedeihen zu lassen, so wie das Vertrauen zwischen Mary und Bucky eigentlich erst entstehen müsste.

Kleiner Tipp von mir, denn er hat mir sehr geholfen: Schafft euch ein Notizbuch an und plant eure Erzählung. Es hilft nicht nur seine Gedanken zu ordnen, sondern ist auch noch verdammt cool. Ein Notizbuch ist so ein Ding, das jeder besitzen sollte ;D Außerdem rate ich jedem (Hobby)Autor, dass er seine Erzählung ruhig fertig schreiben soll, bevor er auch nur ein einziges Kapitel hochlädt. Das erspart eine Menge Stress und gibt einem unendlich viel Zeit, die Erzählung zu entwickeln und detailliert auszuarbeiten. Ein 'richtiger' Autor, der sein Geld damit verdient, veröffentlicht ja auch nichts Halbgares.



Allerdings gibt es auch Genres, die das Fandom dominieren und die sollen im Folgenden kurz aufgezählt werden.




III. Genres

Da gibt es nicht viel zu sagen, außer vielleicht, dass ich die meistgekennzeichneten Genres hier mal zeigen möchte.


1. Romanze

Ja... Das war's eigentlich schon.

Vielleicht noch ein bisschen (viel) Drama oder Freundschaft (die sich schnell zu einer Slash-Erzählung ausbauen lässt). Hier und da noch etwas Humor, aber da hört es meistens schon auf.

Vieles ist als P18 gekennzeichnet, aber das gibt mir immer ein bisschen das Gefühl, meine eigenen Erzählungen dringend auf P60-AVL nur in Begleitung der Eltern einstufen zu müssen, denn häufig ist P18 etwas zu großzügig verwendet. Wenn ich also mit einer Folterszene in Zolas Lager daherkomme, dann habe ich automatisch das Gefühl, mit P18 zu untertreiben. Aber das ist eine andere Geschichte...




IV. Why, God(zilla)?

Was will ich also hiermit sagen? Es gibt so einige Genres, Handlungsideen oder gar Figuren, die uns allen auf den Sack gehen (*hust* Tony Stark *hust*). Phänomene, die das Internet nicht unbedingt zu einem schlechteren Ort machen, aber trotzdem zu einem nervigeren.

Mary Sues scheinen auch hier bei Captain America Einzug zu erhalten und ich weiß nicht wirklich, was ich davon halten soll. Findet ihr das vielleicht auch so beunruhigend wie ich oder reagiere ich völlig über?

Was ihr hiervon haltet, ist natürlich auch völlig euch überlassen, doch musste mir das hier von der Seele, denn ich bewege mich nun schon seit einem Jahr in diesem Fandom und habe viele AutorInnen und LeserInnen kommen und gehen sehen. Gute Geschichten wurden angefangen und abgebrochen, teilweise sind einige ganz verschwunden, doch einige nicht so gute hinzugekommen. Welche das sind, bleibt jedem zuerst einmal selbst überlassen. Allerdings ist Mary Sue leider ein Fluch, der überall um sich greift und alle zu vergiften scheint.

In diesem Sinne – au revoir.

LG, Erzaehlerstimme


P.S.: Wer sich mit mir auch mal gerne über den Film „Civil War“ aufregen möchte, der kann gerne in meinem Brandbrief Wehrlos am Boden mal vorbeischauen. Dort gibt es ebenfalls keine Scham und es wird kein Blatt vor den Mund genommen.

P.P.S.: Was wäre dieser OS ohne den Partner-Text, den ich hierzu angekündigt habe? Nichts natürlich! The nameless Juan hat sich dessen mal angenommen und aus dieser Idee hier etwas völlig eigenes gemacht, unter dem Titel Angriff der Mary Sues im Fandom zu finden.  :)
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