Lost Days

GeschichteFamilie, Tragödie / P12
Doubt Doubt / Jeje Mikuni Alisuin Misono Alisuin Snow Lilly / All of Love
22.05.2017
08.10.2017
7
17212
4
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Herzlich Willkommen zu meinem nächsten SerVamp - Mehrteiler! <3
An die eingesessenen Leser, die mir von "Captured" her folgten: Willkommen zurück, ihr Lieben owo

Diese FF ist etwas anders als alle bisherigen, die ich so geschrieben habe. Ich finde es hat was von einem dramatischen Märchen... Aber irgendwie ist es das ja auch, nicht wahr? Das Märchen von der Familie im Wunderland ~
Ich bin vernarrt in die Alicein-Geschichte, in Snow Lilly (der hier ja gar nicht Snow Lilly heißt owo) und in Jeje *°* Hoffentlich kann ich euch ebenso dafür begeistern <3

Und noch einmal möchte ich erwähnen, dass man eventuell bis Band 4 gelesen haben sollte, da diese Geschichte im Anime nicht erwähnt wurde! Falls es jemand trotzdem ließt: Es ist eine Mischung aus dem exakten Original und meinen Weiterführungen, die ich mir liebend gern selbst ausgedacht habe :3 ...um ehrlich zu sein wünschte ich, es wäre genau so gelaufen xD

Jetzt aber genug gelabert, ich wünsche euch viel Vergnügen bei "Lost Days" und dem ersten, etwas kürzeren Kapitel namens "Mikuni" <3
Man ließt sich hoffentlich in den Kommentaren ;3


_______________________________________________________________________



„Lass mich bei dir bleiben, meine Liebste. Ich werde dir ein Leben lang zur Seite stehen.“
„Ein Leben lang... Und was wirst du tun, wenn ich einmal alt und grau bin? Wenn meine Haare strähnig werden und nicht mehr die Farbe haben, die du so liebst? Deine Haare werden noch genauso golden sein wie jetzt. Dein Gesicht so perfekt wie es immer war. Deine Augen so stark und klar wie jetzt. Du wirst mich nicht mehr lieben.“
„Es ist meine Bestimmung zu lieben. Jetzt und immerdar. Und so werde ich es tun – ein Leben lang und noch viel länger. Gewähre mir und meinen Kindern eine Heimat, für alle Zeit. Ein Zuhause, wohin sie immer wiederkehren können. So werde ich dein Patron sein und dich schützen. Dich, deine Kinder, deine Kindeskinder und deren Kinder. Alle Generationen, die dir entspringen, werde ich lieben, so wie ich es bei dir wahre. Das schwöre ich.“
„So soll es sein. Der Urvampir der Wollust wird immer einen Platz im Hause Alicein haben. Solange die Familie fortbesteht wird sie einen Patron haben und jedes Kind wirst du lieben, als wäre es dein eigenes.“




Als All of Love erfuhr, dass die Frau des Sohnes seines Eves schwanger war, spürte er, wie die Freude sich in ihm ausbreitete wie eine warme Hülle. So war es jedes Mal gewesen. Dieses Kind, was da in ihr heranwuchs, würde eines Tages den SerVamp des Hauses als Erbgeschenk erhalten. Das dort war sein neuer Eve, zumindest würde er es eines Tages sein. Und damit würde eine neue Generation der Aliceins beginnen. Ein neues Leben. Ein neuer Name. Eine neue Identität.
Er würde nie das Leuchten in den Augen der Mutter vergessen und mit welcher Liebe sie sich Tag für Tag über den runden Bauch strich. Niemals könnte er vergessen, wie hingebungsvoll Mikado, der Vater, das Kinderzimmer herrichtete und sich immer wieder etwas Neues einfallen ließ, um die Schwangerschaft so angenehm wie möglich zu gestalten. Natürlich half auch All of Love mit, denn was die Einrichtung anging, so half er doch liebend gerne. Es bereitete ihm jede Generation auf's Neue Freude, etwas beizutragen und dabei war es egal was – ob er nun ein Mobile gestaltete, einen Talisman gegen böse Träume zusammenstellte oder ein kleines Plüschtier nähte: Es machte ihn glücklich, das neue Leben auf solche Art zu begrüßen. Keines seiner Geschwister hatte das Privileg, den neuen Eve so begrüßen zu können.

„Du bastelst schon wieder, nicht wahr?“, schwer ließ sich Mikage in seinen geliebten Sessel fallen. All of Love registrierte das Knacken der Gelenke überdeutlich. Das Alter machte sich immer mehr bemerkbar, äußerlich wie innerlich.
„So ist es“, lächelnd hob er das runde Stoffgebilde hoch, in den säuberlich das Wappen der Alicein eingewebt war. Der Rahmen, der später darum angebracht werden sollte, lag daneben. Er war schwarz glänzend und mehr als teuer gewesen, doch das war es ihm wert.  Wenn das Kind da war, sollte es über dem Kinderbett angebracht werden. „Mikado hat angemerkt, dass der Bär, den ich vor Jahrzehnten zu deiner Geburt gemacht habe, an das Baby gehen soll, wenn es da ist. Ein weiteres Plüschtier hätte keinen Sinn gemacht.“
„Es erwarten dich wohl wieder neue Pflichten. Du musst bei der Erziehung gut aufpassen. Mikado ist doch so impulsiv – du solltest mitwirken, sonst wird das Kind eines Tages genauso“, Mikage lachte leise, was allerdings in ein raues Husten überging.
All of Love runzelte die Stirn, legte sein Werk einen Moment zur Seite und stand auf, um seinem Eve eine neue Tasse Tee zu bringen.
„Ich hoffe du vergisst deine Medikamte nicht. Achte auf deine Gesundheit...“, murmelte er und machte sich gleich daran, die Tablettenration des Abends zu holen, die bereits säuberlich am Tag zuvor von ihm vorbereitet worden war.
„Wie könnte ich die vergessen. Du achtest doch mehr darauf als alle anderen hier...“, dankbar nickend nahm der in die Tage gekommene Mann die Medikamente und das Glas Wasser an.
Eine Weile war nur das schwere Ticken der alten Uhr an der Wand zu hören, während sich All of Love wieder um seine Aufgabe kümmerte. So verbrachten sie meist den Abend: Der Urvampir entzündete das Feuer im Salon, legte Lesebrille und das aktuelle Buch bereit, nahm sich seine Aufgabe – was auch immer es sein mochte, manchmal stopfte er auch die Kuscheltiere seiner Kinder – und genoss die entspannte Ruhe mit seinem Eve bei einer Tasse Tee, bevor dieser meist gegen elf Uhr eine gute Nacht wünschte und zu Bett ging.
Diesmal stand Mikage früher auf als sonst. Die Uhr hatte eben erst zehn geschlagen.
„Du gehst heute Abend aus, nicht wahr? Marie und Julie haben mir davon erzählt“, er nippte den letzten Schluck Tee hinunter und stelle die teure Tasse behutsam ab. „Ich wünsche das Beste.“
Leicht nickte All of Love, wünschte ebenso eine gute Nacht und senkte wieder den Kopf, doch der Eve war noch nicht fertig. Er machte sich nicht auf in sein Schlafzimmer, sondern blieb noch eine Weile im Rahmen stehen.
„Sie haben sich für einen Namen entschieden, wusstest du das? Mikado hat es mir eben gesagt.“  
„So?“, interessiert sah der Urvampir auf, ein Lächeln auf den Lippen.
„Es ist ein Junge, hat der Arzt gesagt. Du wirst wieder einem jungen Herrn dienen. Ein Oktoberkind wird es werden. Sie haben sich für den Namen Mikuni entschieden. Ein guter Name, wie ich finde.“
Mikuni.
Noch lange nachdem Mikage ins Bett verschwunden war und All of Love schon draußen in den Straßen unterwegs war, um nach dem Rechten zu sehen und seiner Buße nachzukommen, noch da ließ er den Namen wie ein Echo durch seine Gedanken schweifen. Ja, es war tatsächlich ein guter Name. Ein junger kleiner Herr, sein neuer Eve.
Mikuni. Mikuni Alicein.


In den nächsten Wochen beschloss All of Love doch etwas Persönlicheres anzufertigen. Die Kinder gaben ihm Tipps, was es wohl werden könnte, doch nichts davon gefiel ihm so wirklich. Nach all den Jahrhunderten in der Familie wurden die Ideen doch etwas knapp. Natürlich hätte er auch einfach eine Idee nehmen können, die er schon vor Jahren benutzt hatte, doch was hatte das für einen Reiz? Immerhin handelte es sich hier um ein neues Leben, da sollte es auch eine neue Idee geben. Außerdem war Vieles außer Mode geraten, was es ungemein schwierig machte.
In den letzten Jahrzehnten hatte es ihm die Fotografie angetan. Was für eine schöne Erfindung es doch war, dass man jetzt einfach jemanden fotografieren konnte! Natürlich hatte er früher auch gerne gemalt, um das was er sah festzuhalten, doch das war bei einem Kind gar nicht mal so einfach. Umso schöner fand er die Bilderalben, die man jetzt anfertigen konnte. Davon würde er diesmal auch eins machen, eine neue Idee war das immerhin.
Als nun der September nach und nach vorbeiging und der Oktober nahte, hatte er noch immer keine so richtige Idee. Es würde schon gut werden, sagte er sich, und vor Aufregung und Vorfreude wurde er immer nervöser.
An einem bewölkten Tag hatte er einen Spaziergang im nahen Wald getan und dabei genossen, Dank der dichten Wolken und den schützenden Bäumen auch tagsüber draußen Beine zu haben, als ihn die Haushälterin auf dem Handy – noch so eine tolle, praktische Erfindung! - anrief.
„Es ist so weit!“, jauchzte sie aufgeregt in den Hörer und All of Loves Miene hellte sich noch weiter auf. Ohne noch weiter zu warten beeilte er sich, so schnell es ging zum Haus zurückzukommen, wo bereits helle Aufregung herrschte.
Die Kinder liefen aufgescheucht durch das abgedunkelte Haus. Für viele von ihnen war eine Geburt etwas Neues und so hatten viele der jüngeren Haushälterinnen alle Hände damit zu tun, die teilweise ziemlich quirligen Vampirchen unter Kontrolle zu halten. Die älteren Damen mit mehr Erfahrung huschten hin und her, um Wasser, Tücher und anderes zu besorgen. Die Geburt fand unter der Aufsicht einer Hebamme Zuhause statt – so hielten es die Aliceins seit jeher.
Aufgeregt bahnte sich All of Love einen Weg durch das rege Treiben, wurde allerdings an der Tür von der leitenden Hausdame Yamane abgefangen. Sie war zwar wirklich eine liebe alte Frau, doch All of Love hatte im Laufe der Jahrzehnte gelernt, dass man sich vor ihr in Acht nehmen musste – wenn sie ernst machte, konnte es böse werden.
„Nicht so schnell, junger Mann!“, ihr Lächeln war so liebevoll wie das einer alten Großmutter, doch der Griff um den Arm des Urvampirs glich dem eines Schraubstocks. „Die liebe Herrin schafft das auch ohne einen weiteren Mann im Zimmer. Du wartest brav hier mit den anderen und übst dich in Geduld. Ganz egal ob der Junge den Rest seines Lebens mit dir verbringen wird.“
Ertappt wich der Vampir ein paar Schritte zurück, hob die Hände abwehrend und lächelte sein schönstes Lächeln. Menschen konnten so temperamentvoll sein!
„Aber, aber! Wer wird denn gleich so sauer werden! Natürlich warte ich hier, was auch sonst?“
Doch im Inneren platzte der SerVamp der Wollust beinah. Es war ganz egal, wie alt er inzwischen sein mochte – dieser Moment war jedes Mal ein Erlebnis, wie es nicht zweimal war, und für das er seiner ewigen Existenz beinahe dankbar war. Ähnlich vielleicht, doch niemals gleich. Die Ungeduld eines Kindes ließ ihn ein bisschen nervös herumlaufen und irgendwann schlossen sich auch zwei seiner Kinder an. Ein Zwillingspärchen mit pinken Haaren, einmal lang und einmal kurz: Marie und Julie. Sie lebten bereits lange an All of Loves Seite und waren meist die ersten, die zur Stelle waren, sollte etwas sein. So wie jetzt.
Es dauerte ewig. Und wenn er ehrlich sein sollte, so wusste er nicht mal, ob „ewig“ wirklich übertrieben war oder nicht. Die Hebamme sprach später davon, dass der Kleine sich Zeit gelassen und seine Mutter ordentlich strapaziert hatte. Doch nach etlicher Wartezeit öffnete sich schließlich die Tür und der SerVamp wurde reingerufen.
Auch dieses Bild hatte er nie vergessen. Der Moment, in dem er als erste außenstehende Person das kleine Bündel auf den Arm nehmen durfte. Das kleine Ding mit dem blonden Flaum auf dem Kopf und den noch blauen Babyaugen, die ihn irgendwie doch schon recht wach ansahen, als wüssten sie genau wer er war. Der Augenblick, als die winzige Hand einen langen Finger des Vampirs umschloss und ihn eine solche Woge der Liebe überkam, dass er sich selbst versprach, immer für dieses kleine Wunder da zu sein. Seine Zukunft, sein baldiger Eve: Mikuni. In dem Moment, war alles so einfach, wie es einfacher nicht hätte sein können.



„Wie lange lebst du nun schon allein? Wir haben uns ewig nicht gesehen. Du bekommst auch nicht allzu viel Blut, habe ich Recht? Warum kommst du nicht mit zu mir?“
„Mit zu dir...? Was soll ich da?“
„Du bist mein Bruder. Ich kann mich um dich kümmern. Dort wärst du sicher. Du könntest dich ausruhen, hättest mal ein Dach über dem Kopf. Ein warmes Bett sogar. Und das Blut ist dort auch sehr gut. Du wärst versorgt.“
„Ich bin kein Hausvampir wie du. Kein Patron. So ein Hausleben passt nicht zu mir.“
„Nun, ich zwinge dich nicht, mit uns im Haus zu leben. Du musst auch kein Patron sein, um dort zu leben. Der Schwur heißt, dass der Urvampir der Wolllust und alle seine Gefährten ein Zuhause haben werden. Nun... da du mein großer Bruder bist, sehe ich keinen Fehler.“
„Mir würde der Keller reichen...“
„Wenn das dein Wunsch ist. Willkommen im Hause Alicein, großer Bruder Neid.“
Review schreiben
 
'