Chicago P.D - Der Weg den wir alle einmal gehen werden

GeschichteDrama, Krimi / P18
Antonio Dawson Jay Halstead OC (Own Character)
21.05.2017
11.09.2017
6
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1. Neue und alte Gesichter

Wenn Chicago eine Frau wäre,
würde ich nicht mit ihr Kartenspielen wollen.
Das Miststück hätte bestimmt einige fiese Tricks auf Lager.
-Unbekannt

Der Schnee fiel in dicken Flocken vom grauen Dezemberhimmel und sammelte sich als kleine weiße Schicht auf dem Boden. Es war einer dieser eiskalten Tage, an dem man nicht einmal einen verlausten Köter vor die Tür setzen würde. Die Wache brummte geradezu vor geschäftigem Treiben. Man hatte billige graue Stehtische aufgestellt, an denen sich Streifenpolizisten drängten, um einen heißen Kaffee zu trinken und von ihren neusten Heldentaten zu berichten. Sergeant Platt saß hinter ihrem geliebten Empfangstresen und las eine Zeitung, die etwas aufgedunsen und nass wirkte, als wäre sie zu lange im Schneegestöber gelegen. Doch die angenehme Stimmung wurde je gestört, als eine junge Frau, eingehüllt in einen dicken Wintermantel, die schwere Eingangstür zum 21. Revier aufstieß und gefolgt von umherwirbelnden Schneeflocken die Wache betrat.

Ein Schwall kalter Luft suchte sich den Weg in die Empfangshalle und einige Polizisten schlangen fröstelnd die Arme um ihren Körper, um die Kälte abzuwehren. Anerkennende Pfiffe kamen aus Richtung der klapprigen Stehtische, als die junge Frau die Kapuze ihrer Jacke etwas zurückzog und ihr blasses Gesicht mit vom Wind geröteten Wangen offenbarte. Ihr rabenschwarzes Haar, welches zu einem leicht abgestuften Bob geschnitten war, glänzte bläulich im grellen Licht der Halle. Zwei Stufen auf einmal nehmend überwand sie die kleine Treppe vor ihr, um sich dann an einigen ungeniert glotzenden Polizisten vorbei zu drängen.

Brooke Hathaway hatte nicht diese offensichtliche Art von Schönheit an sich. Sie war kein dürres Model mit langen blonden Haaren. Brooke Hathaway hatte Kurven und diese nicht zu knapp. Ihr Blick glitt unablässig über ihre Umgebung und ihre honigbraunen Augen, die wie flüssiges Gold glänzten, waren wachsam auf die tuschelnden Polizisten gerichtet. Wer es noch nicht gewusst hatte, erfuhr es gerade. Das war die junge Frau die zu den Intelligence versetzt worden war, dank Umständen die nur sie und Hank Voight kannten.

Platt hatte mittlerweile ihre Zeitung zur Seite gelegt und ihre Aufmerksamkeit auf Brooke gerichtet. Die Schwarzhaarige hatte sich einen Weg zum Empfangstresen gebahnt und legte nun eine silberne Marke zwischen sich und den Sergeant.

„Guten Morgen. Mein Name ist Brooke Hathaway. Ich wurde hierher zur Intelligence Unit versetzt. Meine Akten müssten Ihnen bereits vorliegen.“, ihre Stimme war sanft und melodisch, allerdings mit einem bestimmenden Unterton, der dafür sorgte das Platt missbilligend eine Augenbraue nach oben zog.

„Oh! Hätte ich gewusst das so hoher Besuch ansteht, hätte ich den roten Teppich ausgerollt.“, brummte die alte Polizistin sarkastisch. Jeder auf der Wache wusste, dass man sich nicht mit Platt anlegen sollte, geschweige denn so mit ihr reden. Doch Hathaway zuckte nicht einmal mit der Wimper, sondern schob nur ihre Marke auffordernd über den Tresen.

„Wissen Sie? Ich hatte bis jetzt noch nicht meine übliche Tasse Kaffee und das hier kann entweder schnell oder langsam von statten gehen. Und ich würde schnell bevorzugen.“, erwiderte Brooke langsam und deutlich, als würde sie mit einer alten Frau sprechen. Sergeant Platt presste ihren Kiefer festaufeinander und nahm ohne weitere Sprüche die Marke an sich, um sie einzuscannen. Die umstehenden Polizisten warfen sich verschwörerische Blicke zu und nippten an ihren Plastikbechern, als würden sie gerade zwei aktiven Vulkanen beim Streiten zusehen.

„Ich danke Ihnen.“, sagte Hathaway mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen, als Platt ihr die eingescannte Marke zurückgab. „Ich denke, dass hier ist der Beginn einer wundervollen Freundschaft.“, fügte die junge Frau hinzu, während sie sich schon auf dem Weg zum Gittertor befand. Unter den umstehenden Polizisten die das Gespräch mitbekommen hatten wurden Blicke gewechselt und Wetten abgeschlossen, ob Platt das auf sich sitzen lassen würde.

„Ich habe gehört Hathaway war früher drüben in Bucktown. Sie hat anscheinend bei einem Einsatz acht Dealer dingfest gemacht und fünf Geiseln befreit.“, berichtete ein aufgeregter Praktikant, der es geschafft hatte sich einen Platz an einem Stehtisch zusichern. Er erntete ironisches Schmunzeln und einige abfällige Kommentare, bis sich ein etwas älterer Polizist zu Wort meldete. Seine Schläfen waren bereits ergraut und sein rundlicher Bierbauch erzählte von früheren Trinkgelagen.

„Das ist doch alles Unsinn.“, widersprach er mit tiefer brummender Stimme. Er kratzte sich nachdenklich mit dicken Wurstfingern an seinem drei-Tage-Bart und räusperte sich, als würde er sich auf eine längere Erzählung vorbereiten. Seine jüngeren Kollegen lehnten sich neugierig nach vorne, gespannt darauf, was der Alte ihnen erzählen würde.

„Sie ist die jüngste Tochter eines Detectives der hier vor vielen Jahren gearbeitet hat. Er und mein Bruder waren gute Freunde.“, er legte eine kurze Pause ein und genoss die Aufmerksamkeit, die ihm von den Umstehenden entgegengebracht wurde. „Allerdings hat der Detective nach 15 Jahren im Dienst ne Kugel in den Hinterkopf bekommen. Hat eine schwangere Witwe und zwei Söhne zurückgelassen, das war damals ne ganz schöne Schweinerei. Die arme Frau musste wohl mehrere Jobs annehmen und ist irgendwann in die Drogenszene abgerutscht. Die saß dann erstmal ein paar Jahre wegen Drogenmissbrauchs.“, interessiertes Raunen ging durch die Reihen und selbst Platt hatte sich auf ihrem Stuhl etwas weiter nach vorne gelehnt, um dem Bericht des Alten zu lauschen. „Tja … die beiden älteren Söhne haben sich dann um ihre Schwester gekümmert. War wohl nicht einfach für die drei. Das Jugendamt hat sich dem Fall nie angenommen.“, beendete der Polizist seine Geschichte.

Brooke war kurz hinter dem Gittertor zur Unit stehen geblieben. Sie hatte der Erzählung des alten Mannes gelauscht und schüttelte missbilligend den Kopf. Doch anstatt umzudrehen und die Geschichte zu bereinigen erklomm die junge Frau noch die restlichen Stufen, um sich dann im Büro der Intelligence wiederzufinden. Neugierig hielten die Mitglieder der Einheit in ihrer derzeitigen Arbeit inne, um zu Hathaway zusehen, welche am Ende der Treppe stehen geblieben war. Die erste die sich zu einer freundlichen Begrüßung aufraffen konnte war Erin. Sie schob ihren Stuhl mit einem leisen quietschen zurück und hielt dem neusten Mitglied der Einheit die Hand hin.

„Du musst Hathaway sein. Wir haben schon viel Gutes über dich gehört.“, begrüßte Lindsay ihre neue Kollegin. Brooke erwiderte das einnehmende Lächeln ihrer neuen weiblichen Partnerin und schüttelte kurz ihre Hand. Nach und nach entschieden sich nun auch die anderen Intelligence Mitglieder dazu, die junge Frau willkommen zu heißen. Als letztes erhob sich Jay zögerlich von seinem Platz. Seine Miene war angespannt und sein Blick glitt für eine Sekunde zu Erin, bevor nun auch er Brooke die Hand hinhielt. Doch anstatt diese zu nehmen verschränkte Hathaway die Arme vor der Brust und musterte ihn auf eine Art und Weise die Jay eindeutiges Unwohlsein zubereiten schien.

„Hallo, Jay. Ist ja schon eine ganze Weile her.“, presste Brooke hervor, während sie einen Schritt zurück machte. „Aber leider nicht lange genug.“
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