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GeschichteFreundschaft / P18 / Het
Aki Carly Crow Hogan Jack Atlas Kalin Yusei Fudo
21.05.2017
29.03.2021
38
182.664
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06.06.2017 3.712
 
Wunden

Aki



„Was wir noch hier machen?“, fragte Crow und wand sich auf dem Boden zu ihr, zeigte nun mit dem Zeigefinger auf sie. „Die eigentliche Frage sollte doch lauten, wieso du nicht in deinem Club bist?“
„Kopfschmerzen“, war ihre Ausrede. Sie zuckte mit den Schultern und setzte sich neben Crow. „Außerdem beginnt mein Club sowieso erst in einer halben Stunde.“
Crow nickte und fragte sie weiter aus. „Welchen Club besuchst du hier überhaupt?“
„Kunst“, erzählte sie brav, doch sogleich seufzte sie. „Das Malen ist ja wirklich toll, aber die Leiterin wirft mit komischen altjapanischen Begriffen um sich, die verstehe ich alle gar nicht, so gut ist mein Japanisch auch wieder nicht.“
Yusei blickte erstaunt zu ihr auf. „Wie meinen?“
Für einen Moment herrschte das Schweigen. „Ach ja“, murmelte sie dann. Verlegen kratzte sie sich an der Wange und erzählte munter weiter. „Ich komme ursprünglich aus Amerika, mein Vater kommt von dort. Die haben sich damals kennengelernt, als meine Mutter in Amerika studiert hat. Und sie wollte wieder zurück und mein Vater hat sich nach Japan versetzen lassen und jetzt sind wir hier.“
Nun mischte ich mich in das Gespräch ein. „Wo arbeitet dein Vater denn, dass er sich einfach versetzen lassen kann?“
Lexy grinste stolz und legte ihre Hand symbolisch auf ihr Dekolleté. „Soldat bei der U.S.Army!“
„So ein richtiger Soldat an vorderster Front?“
Müde rieb sich Kiryu die Augen und lehnte sich an die Wand, sah Lexy erwartend an. Sie nickte. „Er ist sehr oft in Kriegsgebieten. Aber nie sehr lange, höchstens ein halbes Jahr. Wobei...“ Sie tippte sich auf die Wange. „Als ich etwas kleiner war, hat er zwei Jahre im Sudan festgesteckt.“
Zum Glück bemerkte sie nicht, wie betroffen ich dreinschaute. Einen Moment lang stutzte ich, doch in diesem Moment stellte Lexy eine Frage, die die Jungs kurz betreten schwiegen ließ.
„Über euch weiß ich gar nichts, was ist denn mit euren Familien?“
Selbst Kiryu riss ungläubig seine Augen auf. Von den Blicken irritiert zog sie ihren Kopf ein. „Hab ich was falsches gesagt?“
„Ähm“, setzte Kiryu an, doch Crow kam ihm zuvor. „Weißt du, Satellite kann ziemlich grausam sein, wir sind Waisen.“
„Oh“, murmelte Lexy und sah zwischen uns hin und her. „Das, ähm… Oh, das tut mir leid, jetzt bin ich voll mit der Tür ins Haus gefallen.“
„Schon gut, du wusstest es nicht“, beschwichtigte Yusei und verschränkte dabei die Arme. Dann schenkte er ihr ein Lächeln. „Aber wir hatten trotzdem eine Mutter.“
„Ach echt?“
„Klar“, beteuerte Crow. „Martha hat uns damals großgezogen, wir sind als Brüder zusammen aufgewachsen.“
Damit hatte er Lexys volle Aufmerksamkeit, sie sah immer zwischen den Jungs hin und her, stellte neue Fragen und verwickelte uns nach und nach immer tiefer in das Gespräch. Ihre Neugier war wirklich kindlich, aber besaß Charme.
Nur Yusei hielt sich aus unserem Gespräch heraus. Er saß still neben mir auf der Bank und hörte uns zu. Entweder das oder er tat bloß so und war eigentlich in Gedanken.
„Moment mal, ihr wart mal eine Duellgang?“, entfuhr es Lexy mit einem Mal empört. Crow hatte weit ausgeholt und fleißig erzählt. Lexy schüttelte ihren Kopf. „Niemals, das glaube ich nicht! Ihr und Jack? Was ist denn bei euch vorgefallen? Damals beim Fortune Cup sah das nicht so aus, als ob ihr mal befreundet gewesen wärt!“, fragte sie, dabei sah sie vor allem Yusei an. So, wie er schaute, hatte er sehr wohl zugehört. Sein Blick lockerte sich auf und er verschränkte locker seine Arme. „Damals ist sehr viel passiert. Zwischenzeitlich haben wir uns… voneinander entfernt, könnte man sagen.“
Lexy kaute auf ihrer Unterlippe, zog ihre Augenbrauen ungläubig zusammen und seufzte einen Augenblick später. „Ich kann mir vorstellen, wie das ablief, Jack ist so ein arroganter Depp! Ich habe den damals schon nicht leiden können, viel zu überheblich!“
„Wenn du ihn erst mal kennenlernst, dann stellst du fest, dass er eigentlich schwer in Ordnung ist“, merkte ich an und zwinkerte ihr zu. Doch sie beharrte lachend auf ihrer Meinung. „Das glaube ich nicht, so notorisch selbstverliebt, wie der sich gibt. Viel zu flacher Charakter.“
„Oh, wenn du wüsstest!“, sagte Crow sogleich und grinste schelmisch. Die beiden brachen in schallendem Gelächter aus, ich konnte mir ein Kichern ebenfalls nicht verkneifen. Kiryu lehnte sich nun nach vorne und begann, mit Crow gemeinsam zu scherzen. Hätte Jack das hören können, wäre er sicherlich beleidigt gewesen.
Lexy jedoch wurde ruhiger und schloss kurzweilig ihre Augen. Ich schielte zu Yusei und stellte fest, dass er immer noch mit verschränkten Armen dasaß und schweigend beobachtete.
„Lexy, ist alles in Ordnung?“
Verwundert sah ich zurück in die Runde. Sie massierte sich die Schläfe, hatte ihre Stirn in Falten gelegt. „Ja, ist nur der Kopf. Heute ist ein komischer Tag.“
Ich griff in meine Tasche und hielt ihr dann meinen Tee hin. „Möchtest du etwas trinken?“
„Ja, danke!“, ächzte sie und nahm meine Thermoskanne. „Also ich hoffe, das ist okay. Ich habe meine Flasche schon leer getrunken, aber die Kopfschmerzen werden einfach nicht besser.“
„Dann solltest du vielleicht nach Hause“, merkte Crow an, immer noch mit einem Lächeln im Gesicht. Seine gute Laune war ihm so schnell wohl nicht mehr auszutreiben.
„Vergiss es“, widersprach Lexy, nachdem sie einen Schluck getrunken hatte und mir meinen Tee zurückgab. „Ich habe eine Leinwand, die ich noch mit Farbe bekleckern muss.“
„So so“, sagte Crow. „Was wird dann daraus?“
„Eine Vampirfamilie!“
Eine was?
Lexy grinste wieder so stolz, aber auch Crow und Kiryu überlegten, wie sie sich das vorzustellen hatte. Geschweige denn, wie Vampire zu Lexy passten. Sie machte nicht den Eindruck, ein Fable für dunkle Fantasiewesen zu haben.
„Jetzt glotzt nicht so. Ich benutze meine Monster als Vorlage.“
Jetzt fiel es mir wieder ein, sie spielte seit kurzem mit einem Vampir-Deck. Seit Beginn des neuen Jahres, wenn mich nicht alles täuschte. Davor besaß sie ein Feen-Deck.
Kiryu lehnte sich wieder zurück. „Ach, so ist das.“
„Natürlich!“
Lexy wechselte in den Schneidersitz. „Ich liebe meine Vampire und unsere Aufgabe lautet, ein Familienportrait zu zeichnen. Passt doch wunderbar!“
Ich schmunzelte ein wenig. Ja, kindlich war sie wirklich.

Doch wir wurden jäh von einem Geräusch unterbrochen. Wir sahen durch die Eingangshalle der Akademie. Die Tür öffnete sich und ein älterer Mann kam herein, ein Sensei. Ich kannte seinen Namen nicht, aber er unterrichtete in der Unterstufe, das wusste ich. Er hatte Kabel in den Händen.
Yusei stand auf und löste damit unsere Runde auf. „Perfekt, das ist das richtige“, lobte er und nahm es ihm ab. „Sehr gut“, bestätigte dieser. „Dann hoffe ich, dass es jetzt funktioniert.“
„Ach, Mann“, murmelte Lexy. „Immer, wenn es interessant ist.“
Dann standen wir auf und schulterten unsere Taschen. Crow und Kiryu tauschten mit Yusei einen Handschlag aus. „Bis nachher, mach nicht zu lange“, sagten sie. Yusei nickte und die Jungs winkten uns zum Abschied. „Bis morgen!“, fügte Crow noch hinzu. Lexy erwiderte das breit grinsend und verließ uns ebenfalls, um ihren Club aufzusuchen.
Ich sollte eigentlich auch gehen. Aber ich brachte es einfach nicht fertig, dieses Unbehagen ließ partout nicht von mir ab.
Der Sensei ging voraus und Yusei setzte dazu an, mir noch einen schönen Abend zu wünschen, doch ich kam ihm zuvor. „Yusei?“
„Ja?“
Irritiert beäugte er mich und deutete mir mit dem Finger, dem älteren Mann folgen zu müssen. Also ging ich neben ihm her. „Ich würde gerne mit dir reden.“
„Worüber denn?“
„Etwas wichtiges“, murmelte ich, in der Hoffnung, dass er es verstand. Er sah zum Sensei und seufzte. „Na gut.“
Zu zweit liefen wir also geradewegs zum Direktorenzimmer. Im Inneren erwartete uns Mizugochi-sensei, der an seinem Schreibtisch saß. „Ah, da sind Sie ja!“; grummelte er und erhob sich. Doch er hatte mich direkt misstrauisch ins Auge gefasst. „Und was tun Sie hier, Izayoi-sama?“
„Ich bin hier, um zu helfen“, antwortete ich mit ernster Miene. „Ich verstehe nicht...“, murmelte der Direktor, doch Yusei schloss sich mir kurzerhand an. „Ich kann nicht immerzu zwei Geräte gleichzeitig bedienen, Aki hilft mir dabei.“
Nun, einen Deut schlauer, nickte er und wandte sich wieder mir zu. „Das finde ich sehr nett von Ihnen, Izayoi-sama.“
„Nicht der Rede wert.“
Mein bester Freund setzte sich auf den Platz des Direktors, legte das Kabel auf den Tisch und holte seinen Laptop heraus. Ich setzte mich auf die Fensterbank dahinter und sah mir an, wie er einige Programme hochfuhr. Mizugochi-sensei stand daneben und erklärte ihm noch einige Dinge, während Yusei ihm schon Wörter vorwegnahm. Wenn ich ehrlich sein sollte, stieg ich durch ihre Fachsimpeleien nicht durch, worüber auch immer sie sich unterhielten, es klang zumindest wichtig.
Yusei schloss seinen Laptop schließlich an den Computer des Büros an und begann zu tippen. Der Direktor schaute sich die Prozedur eine Weile an, dann trat er einen Schritt zurück. „Entschuldigen Sie mich kurz, ich bin sofort wieder da.“
Dann verließ er das Büro und ließ uns allein. Ich atmete einmal tief durch.
„Gut gelogen“, murmelte er und lächelte dabei. Ich schmunzelte. „Gut mitgelogen.“
Dann sah ich zum Fenster hinaus. Von hier aus konnte ich ein Großteil des Geländes sehr gut überblicken. Alles war ruhig und friedlich.
„Worüber wolltest du sprechen?“, fragte Yusei dann, als er über die Schulter zu mir schielte und sich anschließend wieder den Bildschirmen widmete. Ich überkreuzte meine Beine und verschränkte die Arme. „Ich wollte wissen, wie es dir geht.“
Nun sah er hoch zu mir, zog dabei irritiert seine Augenbrauen zusammen. „Wieso denn das? Es ist alles in Ordnung.“
„Ich weiß nicht“, fuhr ich fort. Doch dabei wusste ich genau, warum. „Du wirkst so… Wie soll ich sagen, zerstreut. Zerstreut und auch angespannt. Ich wollte bloß wissen, ob es dir gut geht.“
Yusei schloss seine Augen, nickte und begutachtete dann wieder seinen Laptop.
„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, mir geht es gut.“
Mein innerliches Seufzen klang unerträglich laut.
Welch famose Lüge.
„Bemüh dich gar nicht erst, Yusei“, erwiderte ich. „Ich weiß nicht, ob die anderen das sehen, aber ich sehe es auf jeden Fall, du bist die letzten Wochen so still und verhalten geworden. Irgendwas bedrückt dich doch! Egal, ob Bruno oder sonst was, du kannst es doch sagen.“
Er hatte sich meine Worte angehört, wieder die Augen geschlossen. Doch jetzt schien es so, als hätte ich einen wunden Punkt getroffen. Also doch.
Yusei schwieg. Er hatte die Hand von der Maus genommen, atmete tief durch und stützte den Kopf auf seinen Händen ab. „Es ist nicht nur Bruno“, sagte er schließlich kleinlaut. Für den Bruchteil einer Sekunde erschrak ich über seine gebrochene Stimme. Ich öffnete meine Haltung wieder, sollte ich auf ihn zugehen?
„Yusei?“
Er schüttelte den Kopf und schluckte sehr schwer. Jetzt stand ich doch auf, nahm den gegenüberstehenden Stuhl und setzte mich zu ihm. Doch ich zögerte, ihm näher zu kommen.
Nun wandte er sich mir mehr zu, wagte es jedoch nicht, seine Augen zu öffnen.
Erschrocken starrte ich ihn an.
Ihm rollten Tränen die Wangen hinab.
„Es ist alles.“
Ich musste schlucken, doch legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Was meinst du denn mit alles?“
Er legte sein Gesicht in seine Hände, atmete tief durch und schüttelte wieder den Kopf. Ich verstand, ihm war nicht nach reden zumute. „Tut mir leid“, sagte ich leise. „Das wollte ich nicht, ich dachte...“
„Schon gut“, murmelte er. Ein Schniefen folgte darauf. „Ich weiß, was du wolltest. Aber… nicht jetzt.“
„Okay.“
Yusei fuhr sich durch die Haare und seufzte schwerfällig und ich nahm meine Hand wieder von seiner Schulter. Ich hatte es geahnt, aber dass es ihn so sehr aus der Fassung brachte, damit hätte ich niemals gerechnet.
Nach einem Räuspern schaute Yusei endlich wieder auf und sah zum Display seines Laptops. Dass er eben noch geweint hatte, war ihm nicht anzusehen „Entschuldige, ich… Ja, du hast recht“, sagte er dann. Seine Finger huschten wieder über die Tastatur. Irgendwie fühlte ich mich jetzt schlecht. So hatte ich ihn noch nicht erlebt, das kam sehr unerwartet. „Nein, entschuldige dich nicht. Ich… kann mir vorstellen, wie das für dich sein muss.“
Damals war Yusei für mich da. Und jetzt war er es, der am Boden war.
Ein Klingeln ließ uns beide hochschrecken. Mein Handy, wie sich herausstellte. Ich entsperrte es und las mir die Nachricht durch, die ich soeben bekommen hatte. Sie war von Carly.

Bist du schon Zuhause?

Schnell schrieb ich ihr zurück, dass ich noch in der Akademie war und legte das Handy auf den Schreibtisch des Direktors.
Sein Blick versank in den Bildschirm. Irgendwas sollte ich sagen, irgendwie musste ich ihn doch wieder aufmuntern. Alles, was ich gerade geschafft hatte, war es, ihm einen Dämpfer nach dem anderen zu verpassen.
Doch in diesem Augenblick öffnete sich die Stahltür des Zimmer zur Seite und Mizugochi-sensei trat ein. „Wie kommen Sie voran?“, erkundigte er sich und kam um den Tisch herum, um Yusei über die Schulter zu lugen. Dann begann er von den Programmen zu erzählen und Yusei darüber aufzuklären.
Ich hatte derweil meine Arme ineinander gelegt und wartete das Gespräch der beiden ab. Mein Display leuchtete auf, Carly hatte wohl ein Anliegen.
Es dauerte etwas länger, bis der Sensei seufzte, sich wieder aufrichtete und einen Schrank aufschloss, um Akten herauszuholen. „Solange muss ich wohl analog arbeiten“, scherzte er und verließ das Büro wieder.
Als die Tür ins Schloss fiel, nahm ich mein Telefon zur Hand.

In Ordnung, dann rufe ich später an, es geht um Yusei.

Wie, es ging um Yusei? Perplex fragte ich sie, was sie wollte. Mich mit diesen Worten auf die Folter zu spannen, fand ich nicht fair. Musste ich mir jetzt noch mehr Sorgen machen, als sowieso schon?
Dann legte ich es zurück, ließ mich in den Stuhl sinken und verschränkte wieder die Arme. „Machst du das als freundschaftlichen Dienst oder wirst du dafür entlohnt?“, hakte ich nach, dabei auf Vorsicht bedacht.
Er schüttelte den Kopf, ohne sich von seinem Gerät abzuwenden. „Weil ich gerade da bin. Es ist nichts Großes, da kann ich auf Geld verzichten.“
„Bist du dir da sicher?“
Jetzt schielte er zu mir und antwortete knapp. „Ja.“
Es war aussichtslos, ich hatte keine Chance, zu ihm durchzukommen. „Na gut“, seufzte ich. „Solange du zurechtkommst.“
Yusei nickte und arbeitete weiter. Ein paar Momente sah ich ihm zu, dann stand ich auf und setzte mich wieder auf die Fensterbank. Theoretisch hätte ich gehen können. Aber das fühlte sich so verkehrt an. Unpassend.
Ich rümpfte die Nase, sah zum Fenster hinaus und beobachtete die Spiegelung Yuseis. Er war fernab unseres Gesprächs auf seine Programme konzentriert.
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Direktor wieder hereintrat und sich zu Yusei setzte. Er hatte ihn beinahe perfekt abgepasst, denn nur ein paar Minuten später zog Yusei das Kabel ab. „So, ich denke, das war es.“
Ich nahm meine Tasche und wartete auf Yusei. Er schaltete seinen Laptop aus, verstaute ihn in seinem Rucksack und zeigte dem Direktor, was er nun tatsächlich getan hatte. Mizugochi-sensei hörte sich alles an, nickte und bedankte sich schlussendlich bei Yusei für seinen Einsatz und seine Mühe.
„Nicht der Rede wert“, antwortete er und setzte ein Höflichkeitslächeln auf. Mizugochi-sensei geleitete uns aus seinem Büro und wir verließen die Akademie.

Es hatte tatsächlich länger gedauert, draußen dämmerte es bereits. Ich atmete die frische Luft ein und sah hinauf zum Himmel. Die Wolken zogen langsam vorüber.
„Soll ich dich gerade nach Hause fahren?“, fragte Yusei mich. Ich sah wieder zu ihm, doch sein Blick irritierte mich. „Ähm“, stutzte ich. Seine Augen wirkten so… traurig. Ernst sah er mich an. „Ach, warum eigentlich nicht“, nuschelte ich dann und sogleich nickte er. Ich konnte mir denken, worauf das hinauslaufen sollte.
Wir gingen zur Straße und er überreichte mir seinen zweiten Helm. Wir setzten uns auf sein D-Wheel und er fuhr gemächlich los und über die Straße. Nur wenige Minuten später konnte Yusei schon wieder vor meiner Haustür halten und mich absteigen lassen.
„Also dann, vielen Dank“, sagte ich und gab ihm seinen Helm zurück. Aber mein bester Freund gab nicht wieder Gas. Er blieb sitzen und das D-Wheel ging aus. „Warte, Aki.“
An Ort und Stelle blieb ich stehen und sah ihn erwartend an. Mich überkam das Gefühl, es zu weit getrieben zu haben, so wie er nun aussah. Er seufzte, schaute mich an und sprach leise. „Bruno und Yliaster sind… noch frische Wunden. Das braucht einfach Zeit.“
„Ich weiß, Yusei. Aber das heißt nicht, dass du das alleine ausfechten musst. Dafür sind Freunde doch da.“
Stumm nahm er dies hin. Die Frage war nur, ob er es auch annahm. Ich schenkte ihm ein Lächeln und redete weiter auf ihn ein. „Du kannst mich jederzeit anrufen, Yusei, wirklich. Und du kannst es auch Crow und Kiryu erzählen, sogar Jack. Sie sind doch genauso für dich da. Wir wissen, was für eine Last das für dich war.“
Nun nickte er knapp. Kein Anzeichen eines Lächelns, seine Mimik war nach wie vor ernst und kühl.
Ich musste diesen Kloß in meinem Hals hinunterschlucken, den er mir damit verpasst hatte. Je länger ich hier stand, desto eher kamen mir die Tränen hoch. Ihn so gebrochen zu sehen tat weh. Mit einem zögerlichen Schritt trat ich näher an ihn heran. „Wir lassen dich damit jetzt nicht allein, das weißt du doch.“
Seine Reaktion bestand darin, die Augen zu schließen. Dann sah er hoch zu mir und ich blickte in diese unendlich traurigen, blauen Augen. Er zwang sich zu einem Lächeln. „Mach dir keine Sorgen, ich kriege das schon hin.“
Hoffentlich.
Ich nickte. „Gut. Aber vergiss nicht, was ich gesagt habe.“
„Werde ich nicht.“
Er fuhr das Visier seines Helmes wieder hinunter und gab kurz Gas. „Bis morgen.“
„Ja, bis morgen. Und fahr vorsichtig.“
Ich wich zwei Schritte zurück und er fuhr langsam von dem Grundstück.

Als er dann hinter dem Horizont verschwand, schloss ich die Haustür auf und zog meine Schuhe aus. Mein Durst leitete mich zur Küche, dort legte ich vorerst meine Tasche auf einem Stuhl ab und holte mir eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank. Laut atmete ich aus und lehnte mich an die Küchenzeile.
„Gott, Aki“, sagte ich mir schließlich selbst. „Du schlägst dich mit dummen Eifersüchteleien herum, während er wirklich leidet.“
Ich schraubte den Verschluss ab und trank. Irgendetwas musst ich doch noch für ihn tun können, irgendetwas handfestes, das ihm auch wirklich half.
Mit der Flasche in der Hand setzte ich mich an den Tisch und holte mein Handy aus der Jackentasche. Carly hatte mir sogar noch eine Nachricht hinterlassen, die ich noch nicht gelesen hatte.

Ja, Jack hat eben ein bisschen erzählt.

Ich tippte eine Nachricht zurück und fragte, ob sie Zeit zum Telefonieren hatte.
Kaum hatte ich sie abgeschickt, begann das Handy zu klingeln. Ich drückte den grünen Hörer. „Hi, worum geht es denn?“
Ich lehnte mich zurück und hörte mir ganz in Ruhe an, was sie mir zu erzählen hatte.
„Okay, pass auf, Aki. Jack und ich haben die Akademie gemeinsam verlassen und bevor wir gefahren sind, haben wir uns noch eine Weile unterhalten. Jack hat erzählt, dass Yusei die letzten Wochen nur noch arbeitet und kaum schläft. Er meinte, dass sie sich um ihn sorgen, aber sie wüssten nicht, was sie tun sollten. Ich dachte, vielleicht kannst du Yusei mal darauf ansprechen, vielleicht hört er ja auf dich.“
Ich starrte durch den Tisch hindurch, ließ meinen Blick durch die Leere schweifen. Sie hatten es also doch bemerkt, zum Glück. Es stand viel schlimmer um ihn, als ich angenommen hatte.
„Aki? Bist du noch dran?“
Ich seufzte. „Ja. Ja, tut mir leid. Ich weiß Bescheid, ich habe gerade mit ihm darüber gesprochen.“
Entsetzt ertönte ihre Stimme. „Echt? Und, was hast du gesagt? Was sagt Yusei dazu?“
„Yusei“, begann ich, legte jedoch eine Pause ein. Ich wusste nicht, wie ich es formulieren sollte.
„Er hat das alles noch gar nicht verarbeitet. Yliaster hat er bis zum Ende nicht an sich herangelassen, von Brunos Tod mal ganz zu schweigen. Er will sich aber auch nicht so recht helfen lassen“, erzählte ich, unterbrach mich wieder selbst und setzte erneut an. „Ich glaube, er ist damit gerade überfordert. Als ich ihn eben darauf angesprochen habe, hat… Yusei, er konnte nicht wirklich darüber reden und er hat angefangen zu weinen.“
Ein leises Knacken störte die Leitung. Für einen Moment war Carly still. „Wow“, murmelte sie schließlich. „A-also, ich meine, verdammt. Ich hätte nicht gedacht, dass es ihm so schlecht geht. Vor allem jetzt, ich meine, jetzt ist doch alles vorbei und wieder gut.“
Oh doch, ich hatte es bereits geahnt. Ich konnte mir denken, wie schlecht es ihm gehen musste. Aber zu sehen, wie sehr er darunter litt... das hatte mir einen Stich versetzt.
„Vielleicht genau deswegen. Jetzt, da alles vorüber ist, hat er Zeit, darüber nachzudenken. ...Ich hätte ihm gerne mehr geholfen, aber ich habe eher das Gefühl, alles schlimmer gemacht zu haben. Er ist so niedergeschlagen.“
Nun war es an Carly zu seufzen. „Glaube ich dir, Aki. Aber du kannst nicht viel ausrichten, wenn Yusei das nicht annehmen will. Vielleicht… braucht er Zeit für sich oder so.“
„Ja, die braucht er“, bestätigte ich. „Aber ich wäre trotzdem gerne für ihn da. Das sollten die Jungs auch machen.“
Von meiner Freundin folgte ein zustimmender Laut. Wieder wurde es für ein paar Sekunden ruhig, dann wechselte sie das Thema. „Du, hast du die nächsten Tage vielleicht Zeit, damit wir uns zusammensetzen können? Ich muss für etwas recherchieren, das äußerst interessant ist und da wollte ich deine Meinung zu hören.“
„Natürlich“, sagte ich. „Worum geht es denn?“
„Um eine Firma. Jiyu No Sentoki. Sie wurden vor kurzem für ihre neuen Erkenntnisse in der Forschung ausgezeichnet. Sie sollen wohl Psi-Kräfte zu medizinischen Zwecken verwenden, um Krankheiten zu heilen.“
Psi-Kräfte. Erstaunt sah ich mein Telefon an, wohlwissend, dass Carly mich nicht sehen konnte. „Ähm“, stotterte ich. „J-ja, klar. Übermorgen hätte ich die Zeit. Mit Tee bei mir?“
„Perfekt!“, war ihre Antwort. „Na gut, ich muss dann weiter. Mach dir nicht zu viele Sorgen um Yusei. Bis morgen.“
„Werde ich schon nicht. Bis morgen.“
Sie legte auf und in der Küche wurde es ruhig.
Dass Yusei nur noch arbeitete und nicht mehr richtig schlief, versteckte er leider zu gut, nicht so wie Kiryu. Eigentlich vertraute ich ihm, das zu packen, denn er wusste stets mit seinen Gefühlen umzugehen. Doch nun schien es ihm vielleicht doch zu viel geworden zu sein.“
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