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Hearts of Destiny

GeschichteFreundschaft, Sci-Fi / P18 / Het
Aki Izayoi / Akiza Izinski Carly Nagisa / Carly Carmine Crow Hogan Jack Atlas Kiryu Kyosuke / Kalin Kessler Yusei Fudo
21.05.2017
02.07.2021
41
198.360
16
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25 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
21.05.2017 4.855
 
Edit '20: Ja, ich weiß, das ist gemein und ich bin doof.
Ich schreibe nichts um, um irgendwen zu ärgern, ich schreibe es um, weil es mich geärgert hat, den Mist fabriziert zu haben.
Auch die zweite Version des Remakes (lmao) war Blödsinn, zumindest in den ersten Kapiteln. Das kommt eben davon, wenn man Ideen hat, die man zu Beginn gar nicht bedacht hatte und dann nicht mal angleicht, shame on me.
Vom Plot her hat sich nichts geändert. Nur der Schreibstil wurde angeglichen und Details, sowie Charakterentwicklungen eingearbeitet, verändert oder auch rausgestrichen. Wären zu viele, um sie aufzulisten, lässt sich also nur durchs Lesen herausfinden, was auch besser so ist.
Nun sollte soweit hoffentlich alles logisch und in sich schlüssig zu lesen sein.
Mir war schon vor… shame.on.fucking.me. zwei Jahren bewusst, dass ich mich noch mal dransetzen muss, aber ich habe mich vor gedrückt und Inspiration war auch nicht vorhanden.
Na ja, ich gehe mal davon aus, dass dies (endlich mal) die endgültige Version sein wird, mit der die Geschichte auch beendet wird.
Alle Kapitel, die grundlegend überarbeitet wurden, sind in der Kapitelleiste mit einem „☆“ versehen.
Sollten euch Fehler, egal welcher Art, auffallen, die meiner Betaleserin und mir entgangen sind, bitte ich darum, mir dies mitzuteilen. Nichts und niemand ist perfekt, aber eine solide Geschichte wäre nicht verkehrt. ;)

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. :)

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Mein Herz ist deins

Aki


„Na, was willst du denn jetzt tun, da dein Drache zu Stein geworden ist?“
Diese Stimme klang böse, Hass schwang mit. Diese Worte hatte ich doch schon mal gehört.
Wo war ich hier?
Ich hielt Karten in der Hand, meine Disk war aktiviert. Hinter mir sah ich das steinerne Abbild meines Schwarzen Rosendrachen. Moment, diese Wände, diese Gänge, sie kamen mir bekannt vor, das war das Gebäude des Arcadia Movements!
Auch dieses Duell hatte ich doch schon einmal geführt. Ich sah über das Feld zu meiner Gegnerin, doch… es war Sherry. Sherry stand mir gegenüber, nicht Misty. Zornig sah sie mich an, gleichzeitig traten hinter ihr zwei Gestalten aus dem Schatten.
„Divine?“, wisperte ich, sah erst ihn an, dann den anderen Mann, der… Yusei so ähnlich sah. Er war gealtert, ihm fehlte ein Auge. „Z-ONE“, murmelte ich. Beide verschränkten sie hinter Sherry ihre Arme und sahen mich vorwurfsvoll an. „Was ist hier los?“, fragte ich, trat einen Schritt zurück.
Etwas knirschte, knackte, zerbrach.
Ich war auf etwas getreten.
Unter meinem Absatz war ein rotes Visier gesplittert. Erschrocken riss ich die Augen auf.
„Bruno!“
Yusei! Ich drehte mich und sah Yusei auf mich zurennen. Am Fenster stand sein D-Wheel. Er nahm seinen Helm ab, schmiss ihn an den versteinerten Körper meines Drachen und fiel vor dem Visier auf die Knie, schrie und vergoss Tränen. „Yusei“, wisperte ich wieder und kniete mich zu ihm. „Yusei, es tut mir leid...“
Er nahm die zerbrochenen Teile des Visiers in seine Hände und schluchzte. „Bruno“, flüsterte er dabei immer wieder.
„Komm, Aki“, ertönte diese vertraute Stimme hinter mir. Er legte mir eine Hand auf die Schulter und bot mir an, nach der anderen zu greifen. „Du bist ihm egal und du brauchst ihn sowieso nicht“, sagte er ruhig und bedacht. „Komm mit mir.“
Yusei beachtete mich wirklich nicht. Divine hatte recht. Aber Yusei trauerte um Bruno, er saß hier ganz allein. Irgendwie musste ich ihm doch beistehen.
„Dein Drache ist immer noch eingefroren, Aki!“, raunte Sherry. Doch ich sah nur zwischen Yusei und Divine hin und her.
„Mach deinen nächsten Zug!“


„Nein!“
Ich riss die Augen auf, über mir erstrahlte meine weiße Decke im Sonnenlicht. Mein Herz raste wie verrückt, mein Atem war flach. Das Zittern hatte die Kontrolle über Hände und Füße.
Ich schluckte, holte tief Luft und setzte mich auf.
Es war ein Traum. Ein seltsamer Traum.
Ein schrilles Klingeln drang an meine Ohren, doch ich schaltete es schnell ab und rieb mir dann müde die Augen. Ich seufzte und sah mich um. Der Traum fühlte sich so echt an. Ein Schauer lief mir über den Rücken, sodass ich mich schüttelte.
Dann stand ich auf und ging ins Badezimmer.
Dort sprang ich unter die Dusche und machte mich anschließend für die Akademie fertig.
Doch als ich in den Spiegel sah, bemerkte ich, dass mir die Farbe im Gesicht fehlte. Die roten Ohrstecker, die seit kurzem meine Ohren zierten, stachen geradezu hervor, so blass war ich.
Es war erst einen Monat her, seit Yusei das Duell gegen Z-ONE bestritten hatte. Doch anstatt, dass endlich Ruhe einkehren würde, hatte Yaeger uns vor zwei Wochen in sein Büro zitiert, um den Jungs zu sagen, dass sie übergangsweise die Akademie besuchen sollten. Sie, zusammen mit Kiryu und Carly.
Wir kannten den Grund dafür nicht, aber irgendwas schien im Gange zu sein, denn er sprach davon, uns alle alternativ in Schutzhaft zu nehmen. Wir hatten keine wirkliche Wahl, er zwang uns alle dazu, die Auflagen zu akzeptieren.
Zusammenbleiben, aufeinander Acht geben.
Die Akademie besuchen.
Kontakt zu Yaeger halten.
So oft und lange wie möglich Zuhause bleiben.
Was auch immer sein Spiel war, wir mussten es mitspielen.
Wir hatten uns gewundert und darüber unterhalten, was wohl dahinterstecken könnte. Doch es fehlte uns an Erklärungen.
Seit letzter Woche besuchten sie nun die Akademie. Kiryu schlief die meiste Zeit, da er verbotenerweise zwischen Neo Domino und Satisfaction Town pendelte. Crow und Jack taten so, als wäre die Akademie ihr Gefängnis, Carly arbeitete aus ihrem schlechten Gewissen heraus mit, aber sie beschäftigte sich eher mit ihrer Arbeit. Auch Yusei nahm so viel von seiner Arbeit wie möglich mit, doch er bemühte sich tatsächlich, dem Unterricht zu folgen und half den Schülern unserer Klasse.
Ich föhnte meine Haare und knöpfte die Bluse der Schuluniform zu. Dann ging ich zurück in mein Zimmer und griff nach meiner Schultasche. Mein Deck, das auf meinem Nachttisch lag, steckte ich in meine Jackentasche.
Wenn ich ehrlich zu mir selbst sein sollte, gefiel mir gar nichts an dieser Situation. Das letzte Jahr hatte gerade erst begonnen und ich hatte mich gefreut, mich in Ruhe auf meine Abschlussprüfungen vorbereiten zu können. Doch nun war überhaupt nicht mehr in der Ruhe, es spannte mich von Tag zu Tag mehr auf die Folter, was plötzlich los war. So wie Yaeger klang, hätte ich Angst haben sollen und vielleicht hatte ich die auch. Doch genauso wenig schlafen ließen mich diese Tagträume, in die ich die letzten Tage immer wieder verfiel.
Yusei und ich begegneten uns täglich. Wir waren täglich zusammen und gaben den Auflagen gemäß aufeinander Acht. Unsere Gruppe war immer zusammen, wir trennten uns in der Akademie nie voneinander. Doch dass er auch den anderen Schülerinnen half, stimmte mich irgendwie… niedergeschlagen. Ich hätte ihm das gerne gesagt, nur damit er Bescheid wusste. Aber das war falsch. Zu welchem Zweck hätte ich das überhaupt sagen sollen?
Auf meinem Schreibtisch lagen auch die Bewerbungsunterlagen für die medizinische Hochschule in München. Ich wand meinen Blick davon ab und lief hinab in die Küche. Immer öfter dachte ich darüber nach, diese Chance aufzugeben und meine Gefühle für Yusei vorzuziehen.
In der Küche bereitete ich mir mein Bento zu, dazu etwas Tee. Doch als ich den Wasserkocher einschaltete, schreckte ich kurz zusammen. Er gab merkwürdige Geräusche von sich.
„Guten Morgen, Aki!“
Zum Türrahmen herein kam meine Mutter, fröhlich und mit einem Korb unter dem Arm. „Guten Morgen, Mama“, sagte ich und schenkte ihr ein Lächeln. „Kümmerst du dich heute Nachmittag um das Haus?“, fragte sie dann. „Dein Vater und ich müssen weg, wir sind erst gegen Abend wieder da.“
„Natürlich“, antwortete ich ihr, deutete dann jedoch auf den Wasserkocher. „Irgendwas stimmt nicht mit dem Wasserkocher, ich glaube, ihr müsst einen neuen besorgen.“
Erst irritiert beäugte sie mich, doch nickte dann. „Das muss ich mir aufschreiben, sonst vergesse ich das“, sagte sie schließlich mit einem Lächeln.
Die gruseligen Geräusche ebbten ab, der Wasserkocher schaltete sich ab. Ich schmunzelte und goss das heiße Wasser um in meine Thermoskanne. „Okay.“
Meine Mutter verschwand aus dem Türrahmen, ein paar Sekunden später hörte ich die Absätze ihre Schuhe auf der Treppe widerhallen.
Ich packte meine Sachen zusammen, schlüpfte in meine Schuhe und rief ein „Tschüss!“ durch das Haus, ehe ich die Tür hinter mir zuzog und die Treppe hinabstieg.

Draußen vor dem Haus stand schon das quietschgelbe Auto, das nur Carly gehören konnte. Seit letzter Woche hatte sie mir angeboten, mich mitzunehmen, damit ich nicht zu Fuß laufen musste.
Auf der Rücksitzbank erkannte ich bereits eine hellblaue Haarpracht, dessen Besitzerin mir breit grinsend zuwinkte. Ich erwiderte ihre Geste und öffnete die Beifahrertür. „Guten Morgen!“
Ich erhielt von beiden ein „Guten Morgen“ zurück, dann setzte ich mich. Kaum hatte ich die Tür geschlossen, fuhr Carly los und das Mädchen, das hinter uns saß, lehnte sich vorne rüber zwischen unsere Köpfe. „Na, alles klar bei dir?“, fragte sie. Ihr Name war Lexy, sie war eine Schülerin aus meiner Stufe. Sie redete erst mit mir, seitdem auch die anderen in unserer Klasse waren, aber wir hatten uns sehr schnell angefreundet. Auch wenn sie viel eher interessiert an Kiryu zu sein schien.
Ich nickte. „Bei euch auch?“
„Na klar“, säuselte Lexy und setzte sich wieder richtig hin. Sie war ein zierliches Mädchen, etwas überdreht, aber offenherzig und liebevoll. Ihre Haare wedelten die ganze Zeit wild umher, als sie genauso wild gestikulierend davon erzählte, wie sie ihr Wochenende verbracht hatte.
Wir unterhielten uns ausgelassen, lachten viel. Doch dann wechselte Lexy das Thema. „Sag mal, Aki, wann genau könnte dein Drachenmal wieder leuchten?“
„Ähm“, entfuhr es mir. Ich schielte auf meinen Arm. Nach wie vor war es da, doch seit Z-ONE inaktiv. „Allerhöchstens in einem Duell mit einem anderen Auserwählten. Aber da gehört etwas mehr zu, als ein bloßes Freundschaftsduell.“
Enttäuscht schob Lexy ihre Unterlippe vor. „Ach schade, ich will mal sehen, was passiert, wenn es leuchtet.“
Noch bevor ich verneinen konnte, mischte Carly sich ein und antwortete für mich. „Glaub mir, du willst das nicht sehen. Wenn die leuchten, ist das immer ein Zeichen für ein Problem.“
Ich stimmte dem mit einem Nicken zu, brachte dann meine Gedanken zum Ausdruck. „Diese Male stehen nur noch als Zeichen unserer Verbundenheit, denke ich.“
Doch unsere neue Freundin grinste und lehnte sich zurück. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
Wie sie diesen Satz aussprach, parkte Carly vor der Akademie und wir stiegen aus. Sie schloss ihr Auto ab und wir gingen über den Platz zum Eingang. Dort blieben wir stehen, denn wir warteten auf den Rest unserer Gruppe.
Ein paar Minuten später kamen Rua und Ruka auf uns zu. Rua winkte uns schon von Weitem zu, sprang hoch und begrüßte uns alle freudig. Doch bevor er zu Wort kommen konnte, zerrte Ruka ihn an seinem Hemd in das Innere des Gebäudes. „Wir können nicht trödeln, unser Unterricht fängt gleich an!“, meinte sie dazu. Ihr Bruder fand das gar nicht witzig, entschuldigte sich jedoch bei uns und verschwand zusammen mit ihr.
Wir sahen ihnen hinterher und Lexy verschränkte lächelnd ihre Arme. „Die sind so süß.“
„Nicht mehr lange“, sagte ich jedoch grinsend. „Die werden auch langsam groß.“
Bis unser Unterricht begann, dauerte es noch eine Viertelstunde und diese nutzten wir draußen. Genau genommen nutzten wir so viel Zeit wie möglich im Freien, denn das war gewissermaßen die einzige Freiheit, die uns noch blieb.
Wenig später erblickten wir die langsam herantrottende Jungengruppe. „Guten Morgen!“, rief Lexy sogleich und erhielt eine direkte Antwort von Crow. Carly heftete sich direkt an Jack, der sich immer noch darüber beschwerte, dass ihm die Hose seiner Uniform zu kurz war. Wir sahen ihm an, dass er müde war, genauso wie Kiryu. Als sie endlich bei uns standen, lehnte er seinen Kopf an Jacks Arm und schloss die Augen. „Was ist denn mit euch los?“, hakte ich überrascht nach, dabei musterte ich Kiryu genauer. Tiefe Augenringe zeichneten sein blasses Gesicht. „Kiryu ist erst vor vier Stunden aus Satisfaction Town zurückgekehrt und Jack hat einfach keine Lust“, erklärte der Mann neben ihnen, Crow. Allerdings klang er genauso mürrisch.
Kurz schielte ich zu Yusei, der im Gegensatz zu seinen Freunden überhaupt nicht müde aussah. Er vergrub seine Hände in den Hosentaschen und beäugte die Jungs. Alleine schon die ständige Nähe zu ihm machte mich in letzter Zeit verrückt. Bis zum Abschluss hatte ich noch fast ein ganzes Jahr. Und in dieser merkwürdigen Ausnahmesituation… Ob es angebracht war, ihm meine Gefühle zu gestehen? Ob wir überhaupt eine Chance hatten?
„Och, der arme Kiryu. Das ist doch auch gar nicht zu schaffen“, bemerkte Lexy mitleidig. Das hörte dieser plötzlich wieder und riss seine Augen auf, um in unsere Runde zu blicken. „Guten Morgen“, murmelte er. Herzlich begann Lexy zu lachen. „Oh Gott, du siehst so fertig aus! Warum bist du überhaupt hier, geh mal lieber schlafen!“
„Nein“, grummelte er und guckte sie schmollend an. „Ich bin aus Solidarität hier.“
„Solidarität aus Zwang“, ergänzte Yusei und seufzte. Crow legte seinen Ellenbogen auf Yuseis Schulter und grinste verschmitzt.
Ein paar Minuten unterhielten wir uns noch in unserer Runde, bis Yusei sich räusperte. „Wir sollten langsam reingehen.“
„Ja“, stimmte ich knapp zu und auch die anderen folgten uns. Wir betraten das Gebäude und setzten uns in unseren Klassenraum. Bis zur Mittagspause hatten wir Unterricht bei Sensei Aiga. Normalerweise stellte der Unterricht kein Problem für mich da, aber jetzt fehlte mir meine Konzentration. Immer wieder musste ich aufblicken zu Yusei, der zwei Reihen vor mir saß, und den anderen Mädchen, die unter anderem auch ihn begutachteten, als wäre er eine Trophäe.
Ob es eventuell sogar möglich war, dass er sich in eine dieser Schülerinnen verlieben könnte?
Ich schrieb stumpf die Vokabeln von den Tafeln ab, die ich größtenteils schon kannte, schrieb mit, so gut ich konnte. Doch ich konnte Aiga-sensei beim besten Willen nicht zuhören, meine Aufzeichnungen wurden immer lückenhafter.
„Verdammt“, murmelte ich mir irgendwann selbst zu. Ich hätte zu gerne den Sinn hinter all dem erfahren. Warum mussten die anderen zur Akademie? Was verschwieg Yaeger uns nur? Und warum zur Hölle überlegte ich, Yusei meine Gefühle zu gestehen?
Die ganzen ersten Stunden vergingen in diesem Zustand, nicht mal die einfachsten Gleichungen konnte ich lösen.
Mit einem Mal spürte ich ein Fingertippen an meinem Arm. Ich lugte zur Seite, dort hing Crow in seinem Stuhl. Besorgt sah er mich an. „Ist alles in Ordnung?“, flüsterte er. Ich schluckte, seufzte. „Ja“, nuschelte ich dann. Ich schlug mein Heft auf die nächste Seite um, um die Aufgabe von Neuem zu lösen, in dem Moment schellte es jedoch.
Erleichtert atmete ich aus und räumte die Schulsachen augenblicklich in meine Tasche.
Der Klassenraum leerte sich sehr schnell, auch Lexy war direkt mit zwei anderen Freunden verschwunden. Ich erhob mich, so wie auch meine Freunde, ausgenommen von Kiryu. Er lag auf seinem Tisch. Crow hockte sich davor und verengte seine Augen zu Schlitzen, schnippte dann mit den Fingern. „Ich würde sagen, der pennt“, schlussfolgerte er.
Auch unser Sensei kam an Kiryus Tisch heran und musterte ihn. „Was genau macht Kyosuke-kun denn immer, dass er ständig schläft? Die Rückmeldung habe ich die letzte Woche schon von Kollegen bekommen, das ist besorgniserregend“, erzählte sie, dabei sah sie uns an, als wären wir ihr eine Rechenschaft schuldig gewesen. Crow kam wieder hoch, dafür schnippte Jack gegen Kiryus Stirn. Kiryu zuckte zusammen und murmelte ein gequältes „Aua“ vor sich hin, doch dann saß er kerzengerade und fuhr sich durch die Haare. „Verdammt, tut mir leid, Sensei. Ich bin einfach andere Dinge gewohnt.“
„Das kann ich mir gut vorstellen“, gestand Aiga-sensei. „Aber das hat so keinen Sinn, Kyosuke-kun. Bleiben Sie demnächst bitte Zuhause, wenn Sie unter solch akutem Schlafentzug leiden.“
„Ja, das wäre wohl angebrachter“, bestätigte er und kratzte sich verlegen am Kinn. Zufrieden lächelte unsere Lehrerin. „Gut. Na dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag, bis Morgen!“
„Ihnen auch, bis Morgen!“

Nun packten auch die anderen ihre Sachen zusammen. „Die hat leicht Reden, wenn die wüsste“, raunte Kiryu und ließ sich wieder auf den Tisch sinken. „Ach was“, entgegnete Crow. „Finde einfach einen Arzt, der dir Müdigkeit attestiert und Yaeger wird keine Fragen stellen!“
„Haha, sehr witzig.“
Zusammen mit Carly und Jack ging ich schon mal voraus vor den Klassenraum, um dort auf die anderen zu warten. Kiryu trödelte gewaltig, sodass Crow ihn zu nerven begann, bis es Kiryu schließlich zu viel wurde und sauer den Raum verließ.
„Entspann dich mal!“, rief Crow ihm hinterher. „Jetzt kannst du eine ganze Stunde schlafen!“
Kiryu blieb zwar stehen, doch zeigte auf den Ausgang am Ende des Flures. „Kann ich wenigstens draußen in der Sonne pennen?“
„Klar“, antwortete Jack stellvertretend und wollte schon selber losgehen. Jedoch schnellte Crow ihm zuvor und verschränkte breit grinsend die Arme vor ihm. „Ein Duell, na wie wär’s? Irgendwas Gutes muss der Tag doch bringen!“
Natürlich ließ Jack sich diese Herausforderung nicht entgehen und willigte ein. Die beiden liefen also in die entgegengesetzte Richtung, um sich ihre Duell-Disks zu besorgen.
Wir gingen schon mal voraus auf den Hof, auf dem recht viel los war. Trotzdem fanden wir noch eine leere Bank an einer Wiese. Kiryu breitete sich auf dieser aus und deckte sich mit seinem Mantel zu. Den hatte er sich nicht nehmen lassen, die Schulordnung war ihm weitestgehend egal, was ich an seiner Stelle jedoch nachvollziehen konnte.
Für Carly und mich war gerade genug Platz, sodass wir uns setzen konnten. Yusei setzte sich an mein Ende der Bank und holte seinen Laptop aus seiner Tasche. Er begann zu tippen und schien augenblicklich komplett in seine Arbeit vertieft.
Kurz darauf begaben sich Crow und Jack mit ihren Disks bewaffnet auf die Wiese und starteten ihr Duell. Carly und ich sahen mehr oder weniger gespannt zu, viel eher waren wir mit unserem Mittagessen beschäftigt. Langsam aber sicher versammelten sich immer mehr Menschen um die beiden herum, sahen begeistert zu, wie sie das Duell immer und immer wieder drehten, feuerten sowohl Jack, als auch Crow an. Beachtlich war dabei die weibliche Gefolgschaft, die hinter Jack stand und seinen Namen beinahe im Chor schrie.
Kiryu störte das in keinster Weise, als ich zu ihm schielte. Er schlief seelenruhig. Carly war dafür anzusehen, dass ihr dieser Anblick nicht gefiel. Sie knirschte mit den Zähnen und ließ ihr Essen zurück in ihre Bentobox fallen. Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Da ist wohl jemand eifersüchtig, kann das sein?“
Sie rümpfte nur ihre Nase und schüttelte den Kopf. „Ich brauche nicht eifersüchtig zu sein“, betonte sie währenddessen. „Natürlich“, merkte ich an, zügelte meinen sarkastischen Unterton dabei auch keineswegs. Carly war unsterblich in Jack verliebt, aber dass er das erwiderte, zweifelte ich an.
Ich aß in Ruhe weiter und genoss die kleine Auszeit. In dieser kleinen Welt auf dem Hof schien alles friedlich. Hoffentlich blieb das auch dabei.
Ein lautes Magenknurren ließ mich aufschrecken. Verwundert schaute ich neben mich. Yusei hatte seinen Laptop beiseite gelegt und durchwühlte seine Tasche. „Ach verdammt“, fluchte er leise, gab seine Suche auf und legte die Tasche beiseite. „Was ist denn?“, erkundigte ich mich und sah ihm dabei über die Schulter. Ohne mich anzusehen seufzte er. „Ach, ich hab mein Essen Zuhause liegen gelassen. Halb so wild.“
Ohne zu zögern hielt ich ihm mein Bento hin. „Willst du etwas?“
Nun sah er doch zu mir auf, musste lachen, doch schüttelte seinen Kopf. „Lass mal, das ist dein Essen.“
In diesem Moment verriet ihn jedoch sein Magen erneut. Ich schmunzelte und hielt es ihm regelrecht unter die Nase. „Ich habe kein Problem damit, mein Essen zu teilen, ich mache sowieso immer mehr, als ich brauche.“
Mit diesem Argument gab er sich geschlagen und nahm sowohl die Box, als auch meine Stäbchen an.
„Oh, sei gewarnt, Aki!“, ertönte es plötzlich von weiter her. Crow hatte die Szenerie gesehen. Sein verschmitztes Grinsen war wohl nicht mehr aus seinem Gesicht zu bekommen. „Yusei isst viel und gerne, kann gut sein, dass nicht mehr übrig ist!“
„Ach, was, das glaub ich nicht.“
Mit einem Lächeln winkte ich ab und deutete ihm, sich weiter auf das Duell zu konzentrieren, Jack war ihm gerade nämlich überlegen. Zeitgleich rollte Yusei mit den Augen und sprach mit vollem Mund. „Das wäre gemein!“
Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Das war nur zu demonstrativ.
Carly kramte ebenfalls ihren Laptop aus, sowie einen Notizblock und Stifte, sie arbeitete an einem neuen Artikel.
„Woran arbeitetest du da eigentlich?“, fragte ich Yusei und deutete auf seinen Bildschirm. Es sah schon ziemlich kryptisch für mich aus, doch irgendwas mit D-Wheels hatte es zu tun, das war anhand der Zeichnung nicht zu verkennen. Er aß zu Ende, überlegte dabei schon, wie er es erklären sollte. Dann endlich fand er die richtigen Worte. „Wenn es fertig ist, hoffe ich, dass es die Leistung unserer D-Wheels weiter ausbaut. Das… Bruno hat das Programm begonnen, ich will das für ihn machen.“
Bruno. Beim Klang dieses Namens zerbrach seine Stimme. Sein Tod war für uns alle ein schwerer Verlust, doch Yusei hatte es mit Abstand am schlimmsten getroffen.
„Das ist toll, dass du dich daran setzt“, sagte ich ihm. „Bruno wäre sicherlich sehr stolz auf dich.“
Er nickte, doch schwieg. Dann reichte er mir meine Bentobox zurück und platzierte seinen Laptop erneut auf seinen Beinen, die er in einem Schneidersitz hielt. Verdammt, hatte ich jetzt versehentlich das falsche Thema angeschnitten? Beschwichtigend legte ich ihm eine Hand auf die Schulter. „Alles gut?“
Natürlich mied er es, mich anzusehen, er begann wieder zu tippen. „Ja, natürlich“, antwortete er dann. Was für ein schlechter Lügner er doch war. Ich versuchte es erneut. „Yusei, Brunos Tod ist erst einen Monat her. Das klingt vielleicht komisch, aber das darf dir wehtun. Wenn etwas ist, sind wir doch für dich da.“
Es dauerte seine Momente, bis er aus seinem monotonen Tippen herausbrach und tief durchatmete. „Ich weiß“, murmelte er schließlich. Er klang niedergeschlagen, doch legte dann seine Hand auf meine. „Danke.“
Tat er das gerade wirklich? Perplex besah ich unsere Hände und zog meine langsam darunter hervor. Ich spürte, wie Carlys Blicke meinen Rücken durchbohrten.
Yusei hatte seine Schwierigkeiten, damit zurechtzukommen, das war mir nun klar. Ich hätte ihm gerne geholfen, so wie er mir geholfen hatte. Eigentlich sollte ich gerade in dieser Zeit viel eher für ihn da sein. Wieso nur hielt ich mich dabei so sehr zurück?
Ein lautes Schnarchen durchbrach plötzlich unsere merkwürdige Stille. Carly und ich tauschten Blicke aus, dann musterten wir den Übeltäter. Nach wie vor lag er unter seinem Mantel auf der Bank, einen Arm über den Kopf verschränkt, die Beine angezogen, nur sein linker Arm, der hing hinab. Ich schüttelte mit dem Kopf und beobachtete wieder das Duell, das nun wohl sein Ende fand. Schwarzflügel – Waffenmeister lag nun auf dem Friedhof, Jacks Rotdrachen-Erzunterweltler dominierte das Feld.
Jack gewann mit 400 verbliebenen Lebenspunkten.
Ich aß weiter, Crow und Jack gaben sich einen Faustschlag und Crow versprach seinem Rivalen, dass die Revanche Jacks Niederlage bedeuten würde. Irgendetwas erwiderte Jack darauf, doch das blieb mir ferner, denn die beiden wurden von einer Horde schwärmender Fans umzingelt. „Atlus-sama!“ riefen sie immer wieder. Eine wesentlich kleinere Gruppe kreischte oft „Hogan-sama!“ dazwischen. So laut, dass selbst Kiryu nicht mehr schlafen konnte. Mit einem Satz sprang er auf, funkelte die Fantraube böse an setzte sich auch im Schneidersitz hin. „Das kann nicht wahr sein, wo kommen die nur immer her?!“, fluchte er währenddessen. „Von überall her“, grummelte Carly genauso sauer.
Diese Szenerie spielte sich noch eine ganze Weile so ab, bis sich unsere Mittagspause schließlich dem Ende neigte.

Jack und Crow wimmelten ihre Fangemeinden ab, um ihre Duell-Disks wieder wegzubringen. Wir brauchten sie sowieso erst morgen wieder in unseren Duellstunden.
Carly und ich verstauten all unsere Sachen wieder in den Taschen und Kiryu streifte sich seinen Mantel über. Nur Yusei reizte seine Zeit bis zum Schellen aus, erst dann klappte er seinen Laptop zu. „Und, weitergekommen?“, hakte ich nach. Er stand auf und schnappte seinen Rucksack. So ein Mist, er sah wirklich mitgenommen aus, aber er lächelte. „Ein wenig. Aber bis das etwas wird, könnte es noch länger dauern“, erzählter er. „Sehr gut!“, lobte ich ihn und wir trabten langsam los in unseren Klassenraum. Jetzt standen nur noch zwei Kurse an, bis wir wieder nach Hause durften.
Wir setzten uns auf unsere Plätze, es dauerte allerdings nicht lange, bis jemand an meinen Tisch kam. Lexy hockte sich vor mich und deutete unauffällig zu Kiryu, der seinen Tisch schon wieder als Schlafplatz missbrauchte. „Der zieht das aber nicht jeden Tag so durch, oder?“
Ich legte meinen Kopf in einer Hand und spitzte etwas besorgt meine Lippen. „Seit letzter Woche schon. Er hat sein Leben eigentlich ganz woanders, ich kann mir vorstellen, dass das eine extrem schlimme Umgewöhnung für ihn sein muss.“
„Na ja, zum Glück ist es nur übergangsweise. Wobei es echt schade wäre, ihn dann nicht mehr so oft zu sehen, er ist echt süß!“
„Äh“, entfuhr es mir. „Findest du?“
Da entglitten Lexy alle Gesichtszüge. „Hallo, natürlich! Siehst du nicht, wie perfekt und knuffig er aussieht? Und hast du dir einmal Zeit genommen diese wunderschönen Augen genauer zu beobachten? Ein Traum sage ich dir!“
Irritiert blickte ich von ihr zu Kiryu und wieder zurück. Auf dieser Art wollte ich mich gar nicht mit einem meiner Freunde beschäftigen. Also lenkte ich etwas davon ab. „Du, ich achte nicht auf sowas, das will ich auch gar nicht...“
Ein lautes Knallen und wir zuckten zusammen. Lexy fuhr umher. Unser Sensei Takagi hatte den Raum zusammen mit Jack und Crow betreten. Kiryu zeigte kurz seine Anwesenheit und Lexy setzte sich auf ihren Platz.
Takagi-sensei war im Gegensatz zu unserer Klassenlehrerin sehr streng und duldete nicht viel. Im Unterricht zu schlafen war in seinen Augen eine Todsünde.
Crow setzte sich neben mich, beugte sich dann jedoch zu mir herüber. „Was war denn eben mit Yusei? Worüber habt ihr gesprochen?“, flüsterte er. „Bruno“, flüsterte ich zurück. Als wäre dieser Name ein Dolch gewesen, sah mich nun auch Crow so betreten an und schluckte. „Oh, blödes Thema. Er spricht noch nicht darüber... Damit würde ich noch ein paar Monate warten.“
„Izayoi! Hogan!“
Im Bruchteil einer Sekunde verstummten wir und Crow lehnte sich zurück. Herrisch hatte Takagi-sensei uns angefaucht und machte uns nun auf die Aufgaben aufmerksam, die er unsauber an die Tafel gekritzelt hatte. „Diese Aufgaben erledigen sie innerhalb der Stunde, ich sammle sie am Ende ein. Wenn Sie mich nun entschuldigen, ich muss wieder in das Büro, wir haben gerade technische Schwierigkeiten.“
Eine mit einem Kugelschreiber bewaffnete Hand streckte empor. Der Sensei erteilte ihm mit einem Nicken die Erlaubnis, zu sprechen. „Kann ich bei technischen Problemen behilflich sein?“, fragte Yusei.
„Sind sie denn technikaffin?“
„Ein Profi auf diesem Gebiet, wenn man es so ausdrücken will“, antwortete Crow für ihn. Takagi-sensei ließ sich den Vorschlag merklich auf der Zunge zergehen, ehe er zustimmte und Yusei zu sich bat. „Wir können jede helfende Hand gebrauchen, schätze ich.“
Yusei stand direkt wieder auf und folgte ihm aus dem Klassenzimmer raus in das Büro.
„Der will sich bloß vor den Aufgaben drücken“, scherzte Crow und lachte. Dann legte er die Füße auf den Tisch und kramte das Schulbuch raus. Ich glaubte nicht so recht, dass er sich wirklich an den Aufgaben versuchte, viel eher sah er die Bilder durch und suchte nach Texten die er persönlich interessanter fand.
Ich nahm mir vor, mich auf die Aufgaben zu konzentrieren und nun konnte ich besser arbeiten. Dennoch störte mich das Gemurmel meiner Mitschüler. Nicht, dass ich sie nicht mochte. Aber sie tauschten sich darüber aus, inwiefern sie die Jungs umgarnen wollten und dass auch Yuseis Name hin und wieder fiel, ließ mich schwer schlucken.
Für die letzten Unterrichtsstunden kam Yusei gar nicht wieder, erst als es zum Schulschluss schellte und die meisten in ihre Clubs gingen, betrat er wieder das Klassenzimmer und schulterte seinen Rucksack.
„Erfolgreich gewesen?“
Auf Jacks Frage hin verneinte Yusei. „Nein, die Technikabteilung hat beim Umstieg auf ein neues System Mist gebaut. Das wird eine längere Geschichte.“
„Verdammt“, entfuhr es Crow, er steckte die Hände in die Hosentaschen und beäugte seinen Kumpel argwöhnisch. „Und jetzt?“
„Die besorgen gerade noch die richtigen Kabel, damit ich das modifizieren kann, solange warte ich jetzt.“
Wir nahmen das an und gingen gemeinsam zum Ausgang der Akademie. Carly verabschiedete sich prompt, genau wie Jack. Crow beschloss, noch so lange zu bleiben, bis Yusei weiterarbeiten konnte und Kiryu nutzte die Zeit zum Wachwerden. Ich hatte ebenfalls zugesagt, zu warten und anschließend mit Crow und Kiryu zusammen zu gehen.
Wir setzten uns also in die Eingangshalle der Akademie. Crow streckte sich ausgiebig und setzte sich dann vor uns auf den Boden. Er blickte zu mir hoch. „Sag mal, Aki, soll ich dich gleich nach Hause fahren?“
Überrascht dachte ich über dieses Angebot nach, zwirbelte meine Haare. „Äh“, antwortete ich. „Danke, aber das muss nicht sein. Der Weg lohnt sich mit dem D-Wheel gar nicht.“
„Hm okay, wenn du das sagst“, meinte er und griff zu seiner Tasche. Heraus holte er etwas zu essen, in das er genüsslich hineinbiss.
Plötzlich öffnete sich die Eingangstür der Akademie. Wir dachten schon, jetzt getrennte Wege zu gehen, doch zu uns kam entgegen aller Erwartungen Lexy.
„Hi!“, begrüßte sie uns mit einem Grinsen. „Ihr habt doch gar keinen Club, was macht ihr noch hier?“
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