One Shot mit K - Gestrandet in Chemnitz

OneshotRomanze / P12
Karl Schumann OC (Own Character)
20.05.2017
20.05.2017
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Liebe Kraftklub Fans, dies ist meine erste Fanfiktion zu den Jungs, seid nicht so hart zu mir. ;)
Die Bahn macht viele Fehler, aber so einen großen Umweg habe ich selbst noch nie erlebt, er ist frei erfunden und auch sonst ist das mit den Zeiten der Züge ein wenig realitätsfern. Künstlerische Freiheit ect....

Monika? Wenn du das liest: Danke für deine Unterstützung und deinen Rat. :-*

Und nun wünsche ich euch viel Spaß,

Eure Fiktiongirl.


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Die deutsche Bahn hat heute mal wieder beschlossen, mich nicht direkt nach Hause zu schicken, sondern mit mir noch eine extra Rundreise durch Sachsen zu machen. Gestartet bin ich in Thüringen und aktuell steh ich in der Bahnhofshalle von Chemnitz. Mitten in Sachen. Oder eher gesagt, kurz vor Ende Sachsens. 
Ein freundlicher Bahnmitarbeiter mit starkem sächsischen Dialekt am Schalter war so lieb mir meine Zugverbindung herauszufinden und ausgedruckt in die Hand zu drücken. 
So stehe ich hier allein mit Hand- und Reisetasche und habe zwei Stunden Zeit. 

Der Frühling zeigt sich nicht von seiner schönsten Seite, Wolken verhangen und kalt ist es als ich aus der Halle hinaus auf den Bahnhofsplatz trete. Zwei Stunden Zeit eine fremde Stadt zu erkunden. Chemnitz. Suchend nach einer Lösung für meine nicht formulierte Frage Blicke ich umher. Wenige Menschen sind unterwegs. Es ist also doch wie alle behaupten. Viele alte Menschen. Weiter blicke ich umher und bleibe an einem Stadt Plan hängen. Zielgerichtet steuere ich darauf zu, suche den Hauptbahnhof und werde fündig. Fast sofort finde ich einen Platz in der Nähe "Karl Marx Monument". Ein Stück zu gehen, aber nicht allzu weit weg. Perfekt. Dann kann ich ein bisschen Sight-seeing machen und Zeit totschlagen. 
Meinen Mp3-Player habe ich in der Handtasche und wo ich normal nie ohne Musik auf den Ohren anzutreffen bin, lasse ich sie heute weg. Wenn ich schon hier bin, dann will ich auch alles aufnehmen. Auch die Geräusche der Stadt. 
Ich stoppe die Zeit vom Bahnhof bis zu besagtem Monument, um nachher ungefähr zu wissen wie lange der Rückweg dauert, um den Zug nicht zu verpassen. 

Plötzlich stehe ich vor ihm.
Das ist er also, der große Karl-Marx-Kopf. Ich stelle mich davor an die Treppen und lege den Kopf in den Nacken. Riesig wirkt er. Riesig ist er. Fast genau grau in grau mit der Hauswand dahinter. 
"Hallo, Herr Marx, " denke ich. Die Plastik schaut mich stumm an. 
" Ich hoffe es stört Sie nicht, wenn ich ein Foto mache?" Ich kichere über meinen eigenen Witz, den niemand gehört hat und auch eigentlich nicht ganz so witzig ist. 
Meine Reisetasche stelle ich kurzerhand auf den Boden neben mich und lasse meine Schulter kreisen. Auf Dauer wird die Tasche schwer und unbequem. 
Anschließend durchsuche ich die Handtasche nach meinem Handy. Nachdem sich meine Hand einen Weg zu dem kleinen Gerät gebahnt hat, vorbei an Kopfhörern, Taschentücher Packungen, einem Kugelschreiber, Papier und Bonbons, schieße ich Bilder mit diesem riesigen Kopf. Eins schicke ich direkt ein eine Freundin weiter mit dem Text, dass ich einen ungeplanten Abstecher hierhin habe machen müssen. Dummerweise ist sie nicht online, sodass ich mein transportables Telefon wieder in die Tasche stecke, die andere schultere und auf die Uhr schaue. Immer noch genügend Zeit.

Da das Ende des Tages leider noch lange nicht in Sicht ist, halte ich nach einem Café Ausschau. Suchend schlendere ich die Straße entlang in eine kleine Nebenstraße. Ein kleines Café kommt in mein Sichtfeld. Ohne auf die- meiner Meinung nach Menschen und Auto leere- Straße zu achten will ich zwischen zwei Autos hindurch schlüpfen, weil alles vollgeparkt und kein Zebrastreifen in naher Sicht ist.

Plötzlich ertönt ein quietschen, und ich drehe ruckartig den Kopf. Ich sehe ein Motorrad, was scharf bremst. Kurz vor mir. Intuitiv stolpere ich einen Schritt zurück Richtung Bürgersteig. Nun ja, ich versuche es, denn statt auf den Füßen lande ich durch die Schwerkraft auf dem Boden.

„Na toll,“ denke ich. Da schafft das Motorrad noch zu bremsen und fährt dich nicht um, aber du landest trotzdem auf dem Hintern. Ich konnte mich anscheinend mit dem linken Arm abfangen, denn dieser schmerzt höllisch.

Ein Typ steigt vom Motorrad ab und kommt direkt zu mir gelaufen. „Mensch, Mädchen! Wo hast du denn deine Augen!“ Er nimmt den Helm ab. Dunkelbraune längere Haare, schokoladenbraune Augen gucken mich an. Der zunächst wütende Blick weicht einem besorgten und er kniet sich neben mich. Weil ich immer noch nicht wieder aufgestanden bin. Weil der Arm weh tut. Weil ich obwohl nichts passiert ist leicht geschockt bin.

„Alles okay? Hast du dir schwer wehgetan? Was läufst du denn auch zwischen zwei Autos durch?“

„Alles okay. Mein Arm tut weh. Ich brauch Koffein,“ antworte ich auf die Fragen des Unbekannten. Der Schmerz im Arm lässt nach, sodass ich versuche aufzustehen. Der Typ hilft mir, obwohl ich keine Hilfe bräuchte. 

„Danke. Ich habe dich auch nicht gesehen. Diese Stadt ist Menschenleer und wie aus dem Boden geschossen kommst du!“ Der Angesprochene lacht bloß. „Na, so ganz Unrecht hast du nicht. Aber auch, wenn hier nichts los ist, sollte man links und rechts gucken,“ zwinkert er.

„Was gibt das hier? Sächsische Verkehrserziehung? Glaube mir, wenn du so ein Koffein Defizit wie ich hättest, würdest du auch nur noch einen Tunnelblick auf der Suche nach Koffein entwickeln.“ Ich bewege meinen Arm hin und her, um seine Funktion zu testen. Es funktioniert alles. Glück gehabt. Ein Bruch würde dem Tag die Krone aufsetzen.

„Na dann bringe ich dich mal besser sicher auf die andere Straßenseite.“

„Sehe ich so alt aus?“

„Nein, aber nicht, dass wie aus dem Boden geschossen noch ein Auto von der anderen Seite kommt. Außerdem kann ich sehr gut verstehen. Mein Koffeinhaushalt befindet sich auch im negativen Bereich. Ich bin übrigens Karl,“ er streckt mir seine Hand entgegen. Ich ergreife sielachend:“ Ihr Sachsen habt einen interessanten Humor. Ich bin Veronika. Jetzt die große Sympathie Frage: Mit c oder k?“

„ Mit K. Du?“

„Richtige Antwort. Wer würde Veronika bitte mit c schreiben?“

„Die gleichen Idioten, die Karl mit C schreiben.“

Während unserer Unterhaltung erreichen wir sicher die andere Straßenseite. Was natürlich nur an Karls Aufmerksamkeit liegt. Das war übrigens Ironie.

Es ist seltsam, wir plaudern und plaudern, gehen wie selbstverständlich in den Laden und stellen uns an die Theke. An einer Wand hängt eine Uhr. Ein Blick darauf verrät mir, dass ich immer noch über eine Stunde Zeit habe.


"Hast du...willst du... Mit mir zusammen den Koffeinhaushalt wieder herstellen?"
"ähm... Ja, warum eigentlich nicht," lächele ich.

So sitzen wir dann wenig später jeder mit seiner dampfenden Tasse schwarzen Golds vor sich an einem kleinen Tisch in der hinteren Ecke.
Man kann sich mit Karl wirklich gut unterhalten und irgendwann beim zweiten Kaffee und einem Stück Kuchen kommen wir auf die Frage, was wir denn eigentlich so machen. Theoretisch klärt man das ja zu Beginn des Gesprächs, aber irgendwie haben wir das verpasst. Es ging eher um Züge und wieso ich von der Eifel hier her komme. Eine Freundin besuchen in Thüringen und dann in Sachsen landen, war meine Antwort.

"Ich bin Studentin und bald fertig mit der Uni. Was machst du?"
"Ich bin... Gitarrist," kommt es zögernd von ihm.
"Oha, ein Musiker also," ich lehne mich im Stuhl zurück, ziehe die Augenbraue hoch, "spielst du in einer Band oder bist du ein Studio Musiker? "
"Ist eine Band. Wir sind 5. Ein Sänger, zwei Gitarristen, ein Drummer und ein Bass Spieler. "
"Wie heißt ihr denn? Du musst wissen, dass mich meine Freunde als "wandelndes Musiklexikon" bezeichnen."
Karl rutscht ein wenig beunruhigt auf seinem Stuhl umher. Guckt verlegen auf den anscheinend interessant gewordenen Fußboden. Dann sieht er mich an.
"Ich... Wir... heißen ...ähm...äh Sackblatt." Bei dem Namen hätte ich mich auch gewunden ihn zu nennen. Auch noch gegenüber einer Frau.
Ich pruste los vor Lachen. Er atmet erleichtert aus.
"Dein Ernst? So heißt ihr?" Ein richtig lautes Lachen entfährt mir. Das ist einfach der Brüller.
"Ähm ja... Kennst du uns etwa nicht? " Er grinst entspannt. Ich mag sein Grinsen. Es ist ehrlich und erreicht seine Augen. 
Immer noch muss ich kichern, atme deshalb tief ein und aus, ehe ich antworte:" Nein, tut mir leid, von Sackblatt habe ich noch nichts gehört. Seid ihr regional bekannt? Bzw. Habt ihr einen Song? Dann Google ich das zu Hause mal nach." 
 "Der Song heißt Venus." Er schaut mir direkt in die Augen.
"Ihr nennt euch Sackblatt und dann noch einen Song namens Venus? Das klingt doch schon sehr...," mir fällt kein passendes Wort ein. Karl zieht grinsend die Augenbraue hoch: "Sehr nach was?" 
Ich schüttele den Kopf. "Du weißt was ich meine." 
Er grinst weiter:" Weiß ich das?"
Ich nicke mit dem Kopf, nicht sicher ob nicht noch ein weiterer Lachanfall meinen Mund verlässt, sollte ich ihn öffnen. 

Die Frau von der Kasse kommt an unseren Tisch. Sie spricht in tiefsten sächsisch :"Ich will nur ungern stören, aber ich schließe jetzt den Laden."
Erschrocken starre ich erst sie und anscheinend mein Gegenüber an.
"Oh Nein. Nein, nein, nein, nein, nein." Hektisch suche ich nach meinem Handy in der Handtasche. Da steht es. Es sind 18 Uhr. Ich sollte seit 3 Stunden im Zug sitzen. Ich lasse das Handy sinken.
"Was ist? Was hast du? Du bist ja ganz weiß. "
Die Dame schaltet sich auch ein, und eilt ein Wasser für mich zu holen. Karl kommt um den Tisch herum zu mir und kniet sich neben mich.
" Hey, Veronika. Was ist los?" seine warme Hand liegt auf meiner Schulter.
"ich hab meinen Zug verpasst. "
" Ach das ist doch nicht- Moment. Wie lange sitzen wir hier schon? " er sucht ebenfalls nach der Uhr.
" 4 Stunden," antworte ich.

"Hier, Liebes trink erstmal das Wasser, " die Bedienung hält mir das Glas vor die Nase."Geht übrigens aufs Haus."
Ihr dankend nehme ich es entgegen und nippe daran.
Mit einem Blick der Verzweiflung wende ich mich an Karl :" Was mache ich denn jetzt? Kannst du mit mir zum Bahnhof kommen?"
"Klaro. Bist du schon mal Motorrad gefahren? "
Ich schüttelte verneinend den Kopf." Na, dann wird das jetzt deine erste Fahrt. Ich hoffe es ist nicht schlimm, wenn der Helm die Frisur zerstört?" Lachend zeige ich auf meine Locken, die wild in alle Richtungen abstehen. "Welche Frisur? Meine Haare machen was sie wollen."
Karl greift meine Reisetasche und  hält mir die Tür nach draußen auf. Wir haben Glück im Moment regnet es nicht.
"Karl, das geht doch gar nicht mit der Tasche." Er jedoch grinst, macht ein paar Handgriffen und schwups sitze ich hinter ihm mit Helm auf dem Kopf und meinen Armen um ihn herum auf dem Motorrad, sodass wir nur wenige Minuten später am Bahnhof und nochmals einige Minuten darauf in der Bahnhofshalle ankommen. Genau richtig, denn der Himmel öffnet seine Schleusen und es regnet in Strömen. Mal wieder.

"Die Anzeigetafel verwirrt mich," sage ich  zu niemandem bestimmtes.
Doch Karl antwortet:" Lass uns zum Schalter gehen."
Dort bestätigt sich nur meine unausgesprochene Theorie: der nächste Zug fährt erst in einigen Stunden. Die Bahn hat anscheinend in den vergangenen Stunden noch mehr Probleme bekommen.
"Wie sieht denn die Verbindung ab Leipzig aus? Komme ich dann ich dann überhaupt weiter? " sonst müsste ich wohl oder übel die Nacht in einem Chemnitzer Hotel verbringen. Den Weg nach Leipzig würde ich mit dem Bus bestreiten.
Der freundliche Mitarbeiter sucht in seinem Computer, wirkt hochkonzentriert und dann plötzlich ertönt geräuschvoll der Drucker.
"Ich habe Ihnen die Verbindunge  rausgesucht. Sie haben mehrere Möglichkeiten. Bitte schön."
"Danke."
Die Zettel studierend überlege ich mir wie ich nach Leipzig komme.
"Karl, wie lange brauche ich mit dem Bus von hier nach Leipzig? "
" Wann fährt der nächste Zug? Gib mir mal die Zettel her."
Karl liest die beiden Seiten, verzieht den Mund als denke er über etwas nach. Dann drückt er mir die Zettel wieder in die Hand mit den Worten:"Warte mal. Ich muss kurz telefonieren."
Verdutzt blicke ich ihm hinterher wie er er sein  Handy zückt und darauf herum tippt.
"Hey Max, Karl hier. Sag mal, kann ich dein Auto ausleihen? ... Super, hast was gut bei mir. Ich komme direkt bei dir-... Ach noch besser... Tschüss. "
Ist es etwa, das was ich denke? Er kann doch nicht- Der Braunhaarige steht vor mir, reißt mich aus meinen Gedanken:" Ich fahre dich nach Leipzig. Müssen vorher noch bei mir vorbei. Max leiht mir sein Auto und ist bei meinem Mitbewohner und mir. "
" Karl, du kannst doch nicht... Ich meine..Ich kenne dich doch kaum."
"Hast du Angst ich verschleppe dich in den Wald? Das hätte ich doch eben auf dem Motorrad auch machen können. "
" Ja.. Nein... Ich... "
" Du kannst mir ruhig vertrauen, Eifelmädchen."
"Schaffen wir das denn? Das ist doch bestimmt - "
Karl lacht und greift meine Tasche. "Dein Zug von hier nach Leipzig kommt erst in über zweieinhalb Stunden. In der Zeit sind wir nach Leipzig und fast wieder zurück."
Ich zweifle immer noch. Er bemerkt es und sieht mich mit hochgezogener Augenbraue an:" schon vergessen? Ich bin der Gitarrist von Sackblatt. Andere Mädchen würden sterben für dieses Angebot ." Ich unterdrücken nur mit Mühe ein Lachen:" Tja, blöd, dass ich die Band nicht bis in die Eifel vorgerückt ist."

"vertraust du mir oder nicht?"

" Karl, das ist alles grade sehr viel für mich-"

"Also ja! Du kannst mir glauben, dass ich dir nichts tun werde, genauso wenig wie meine Freunde. Ich will dir doch nur helfen, Eifelmädchen. "
" Was du nur mit diesem Namen?"
Er zuckt mit der Schulter. "Ihn mir für dich ausgedacht. Wenn wir hier weiter Wurzeln schlagen, dann schaffen wir es nicht mehr in aller Ruhe." Damit scheint er für sich ein Machtwort gesprochen zu haben, denn er geht in Richtung Ausgang der Halle.
Seufzend setze ich ihm nach.

Die erste Fahrt mit dem Motorrad war einfach nur beängstigend. Es ist eben nicht nur wie Rad fahren in einem schnelleren Tempo. Die zweite Fahrt allerdings durch Chemnitz ist schon viel entspannter für mich. Ehrlich gesagt, macht es langsam Spaß. Ich bin sogar ein bisschen traurig, dass wir gleich in ein Auto umsteigen.

Karl fährt vor einem der vielen Jugendstil Häuser vor und schaltet der Motor aus. Wir steigen ab, ziehen die Helme aus und er geht mit Schlüssel in der Hand zielgerichtet auf eine Haustür zu. Er lässt mich zwar Gentleman gleich vor, was aber ein bisschen unklug ist, da er ja weiß, wohin wir müssen. Die Treppen sind breit genug, sodass wir nebeneinander her die Stufen erklimmen können, auf die er zeigt.

„Und das ist jetzt die WG von deinem Kumpel mit dem Auto?“

„Nein. In der WG hier wohne ich. Zusammen mit meinem besten Kumpel. Der mit dem Auto, ist nur zu Besuch, wohnt aber auch nicht weit von uns. Hier sind wir auch schon.“

Der Braunhaarige schließt abermals eine Tür auf und ruft ein Lautes „Hallo“ zu niemandem bestimmtes. Fast sofort kommen zwei junge Männer aus einem Zimmer. Noch ehe sie den Flur betreten haben ertönt eine Stimme:“ Karl, was willst du denn heut` noch in Leipzig?“ Ein großer, blonder betritt den Flur, gerade als ich die Tür hinter mit geschlossen und meine Reisetasche neben mir abgesetzt habe. Abrupt bleibt der Typ stehen, sodass der zweite – ein etwas kleinerer Typ mit hellbraunen Haaren und viel Bart- in ihn hineinläuft.

„Hey,“ sage ich nur und winke den zwei Unbekannten zu.

„Das ist Felix,“ Karl zeigt auf den großen, blonden,“ und das Max, der mit dem Auto.“ Er zwinkert bei dem Satz. Max winkt mir zu:“ Das beantwortet unsere Frage dann. Ich hole dir mal Schlüssel und Papiere.“ Er geht zurück in den Raum, aus dem er kam. Felix hingegen verzieht nur ungläubig das Gesicht. Ein Blick zu dem Mann neben mir verrät, dass die beiden hier gerade eine wortlose Konversation durchführen. Wie beim Tennisspiel wandert mein Blick amüsiert von einem zum anderen. Von Karl zu Felix. Von Felix zu Karl. Und wieder zurück.

Max kommt aus dem Raum und blickt verwirrt zu mir. „Die beiden unterhalten sich darüber, warum, wieso und weshalb ich hier bin. Guckt nicht so Jungs! Jeder Blinde hätte euch verstanden!“

„Hier Karl,“ Max reicht dem Angesprochenen Autoschlüssel und Fahrzeugpapiere, wendet sich dann an mich:“ Wie heißt du eigentlich?“- „Veronika.“ Karl ergänzt:“ Mit k. Möchtest du kurz ins Bad? Ich rauche in der Zeit noch eine.“ Ich kenne diesem Mann erst seit wenigen Stunden, aber er ist fürsorglicher als alle Exfreunde in den jeweiligen, gesamten Beziehungen. „Danke.“ Felix deutet auf eine Tür und ich besuche die Villeroy & Boch Ausstellung. Als ich wieder aus dem Bad komme ist niemand mehr im Flur. Die Stimmen der Männer kommen aus einem der anderen Zimmer. Ich folge ihnen und gelange in die Küche. Ich versteh grade noch einen kleinen Fetzen der klingt wie:"Bist doch sonst skeptischer. Bist du dir da sicher ?"

Als die drei Jungs mich sehen, verstummen sie direkt. Ich sehe da einfach großzügig drüber hinweg. Wäre ich an Karls Stelle oder der seiner Freunde, ich handelte genauso. „Ich…ähm…“

„Richtig, wir sollten los." Karl drückt den Zigarettenstummel im Aschenbecher aus, erhebt sich und schiebt mich fast schon aus der Wohnung."Tschüss ihr beiden," kann ich noch zu Max und Felix sagen, da stehen wir zwei schon im Hausflur. Wir stehen so dicht voreinander, dass ich den Kopf heben muss, um in seine Schokoladen braunen Augen zu sehen.
"Du Karl?"
"Ja?" er sieht mich direkt an.
"Ich kann verstehen, dass du nicht weiter in die Mangel genommen werden willst. Aber da drin stehen noch meine Taschen." Er läßt stöhnend den Kopf in den Nacken fallen und kramt den Schlüssel aus der linken Hosentasche, öffnet die Tür aber sehr leise und geht hinein in den Wohnungsflur. Ich halte mir die Hand vor den Mund. Männer können manchmal schlimmer sein als jede Frau. Wir sind doch genauso drauf,wenn wir nicht auf bestimmte, peinliche, schlimme oder verrückte Situationen angesprochen werden wollen.
Ohne die Aufmerksamkeit der anderen Jungs zu wecken, schafft der Braunhaarige die Taschen zu mir in den Flur. Als ihn dann noch sein Brustkorb verrät, während er einen Seufzer der Erleichterung von sich gibt, ist es um mich geschehen und ich pruste los. Karl rollt nur mit den Augen und lacht.
Selbst unten vor der Haustür muss ich noch kichern. "Na komm, so lustig ist es auch nicht." Er betätigt den Autoschlüssel und ein paar Meter weit weg blinkt ein Auto auf.
"Doch und ich würde es genau so machen."

Eine Fahrt im Auto ist wirklich angenehmer als auf dem Motorrad. Gerade weil es wieder anfängt zu regnen, genau in dem Moment, nachdem wie beide die Türen geschlossen haben.
" Da haben wir aber Glück gehabt. Es ist zwar kein schönes Wetter, aber wir kommen immer im trockenen überall hin," sage ich. Karl lenkt den Wagen auf die Straße. So souverän wie er fährt, muss er Max' Auto schon mehrmals gefahren sein. Sonst würde er nicht so entspannt hinter dem Lenkrad sitzen.
" Genau aus dem Grund wollte ich das Auto haben. Mir ist es egal, ob ich durchnässt wieder in Chemnitz ankomme, aber du hast ja noch eine Strecke vor dir. "
"Das ist lieb von dir."

Wir sind auf der Autobahn und haben Glück; weder Staus noch Behinderung. Es verstreichen Minuten zu des Schweigens, was nicht schlimm ist, denn es ist angenehm mit Karl. Ein angenehmes Schweigen.

" Du hast dich nicht wirklich alles verstanden, was Felix und ich non verbal kommuniziert haben, oder?"
Unerwartet platzt die Frage aus ihm heraus. "möchtest du eine fiese oder eine liebe Antwort?" Ich wende den Kopf zu Karl, schenke ihm ein übertrieben zuckersüßes Lächeln. Kurz sieht er mich an, grinst und schaut wieder auf die vom Regen nasse Fahrbahn.
"Kommt darauf an, ob du hier drin bleiben willst oder zu Fuß weiter laufen."
"Also die fiese, ich meine natürlich die liebe Antwort. Ich hab euch verstanden, weil ich genauso wie Felix reagiert hätte in der Situation und da ihr zwei in einer Wg wohnt, gehe ich davon aus, dass ihr Freunde seit. Also, war es nicht schwer zu errraten, was Felix dir sagt. Außerdem war seine Gestik nicht grade unauffällig." Bei dem Gedanken an Felix Gesichtsausdrücke muss ich schon wieder lachen.
"Und wie fies ist die fiese?"
"Ich dachte, die sollte ich lieber nicht aussprechen?"
"Sag es schon."
"Naja... So fies ist sie nicht."
"Liegt immer im Auge des Betrachters."
"Sag schon."
"Sie sind ganz schön neugierig, Karl mit K. Aber schmeiß mich nicht raus."
"Klar."
"Ihr Männer habt ein verkürztes x Chromosom. Natürlich verstehe ich was ihr da sagt! Ihr seid mehr Frau als ihr denkt." Ich beiße auf meine Lippen, gespannt darauf, was der Mann neben mir dazu sagen wird.
Seine Reaktion ist eindeutig nicht sauer, denn er beginnt schnallend zu lachen. Erleichtert, dass er nicht böse ist, lasse ich mich von seinem Lachen anstecken.
"Mir gefällt dein Humor, Eifelmädchen."

"Stimmt. Ihr als Sackblatt seid da natürlich ganz anders..." und zeitgleich sagen wir:" Weshalb wir nicht im Radio laufen."
„Können wir trotzdem Radio anmachen? Die Stille macht mich langsam müde.“ Meine Frage kommt vorsichtig und ein wenig entschuldigend. Direkt hinterher schiebe ich noch einen alternativen Vorschlag:“ Vielleicht hat Max ja ein AUX- Kabel-“ Weiter komme ich nicht, denn sofort reagiert Karl: „Auf meinem Handy ist momentan nur die Musik unserer Band drauf und ich …will grade nicht unbedingt von meiner eigenen Stimme beschallt werden.“ – „Tja und bei mir ist dann nur Mainstream Mist drauf in deinen Ohren. Früher flogen immer in Autos CD’ s rum im Handschuhfach, aber ich kann ja schlecht nachschauen. Ich kann es dir nicht verübeln, dass du deinen eigenen Gesang nicht hören willst. Ich fände es auch seltsam irgendwie.“
Wortlos drückt Karl einen Knopf und das Radio geht an:“ Gleich für euch und ganz neu im Sender: Kraftklub mit ihrer aktuellen Single ‚Fenster‘. Wenn ihr euch fragt, was für ein ’Fenster‘ die fünf Herren meinen, dann bleibt dran bis nach der Werbung.“ Ein Jingle verrät, dass nun Werbung ist und prompt ertönt eine nervtötende Stimme, dass es in bestimmten Supermärkten, ganz tolle Angebote gibt.
Der Braunhaarige neben mir auf dem Autositz ist ganz still geworden. Er räuspert sich und wirkt sehr nervös. Ich schmunzle und kann es mir nicht verkneifen ihn ein bisschen aufzuziehen:“ Warum so nervös? "
" Ähm... "
" Weil du falsch liegst? Es gibt nicht nur Mainstream Mist, sondern davor auch noch… Werbung.“
„Du findest Kraftklub ist also Mainstream Mist?" Eher Aussage als Frage von ihm.
" Ich hab das auf deine Aussage von vorhin bezogen. Aber wenn du Kraftklub als Mainstream Mist empfindest, darfst du das gerne tun. Jedem seine freie Meinung."
"Und wie...ist deine Meinung?"
"Kein Mainstream Mist, wenn du das meinst. Wie ist deine Meinung zu Ihnen? " Ich schaue ihm direkt ins Gesicht.
"Kein Mainstream Mist, wenn du das meinst." Er wendet mir kurz den Kopf zu, zwinkert und schaut wieder auf die Straße. Ich lächele nur und schalte den Sender um.
"Mir gefällt dein Humor, Karl mit k."

Weniger später, zumindest fühlt es sich so an, sind wir am Hauptbahnhof von  Leipzig angekommen auf einem Parkplatz. Während wir die Fahrt über noch geredet haben, schweigen wir nun.
Draußen vor der Bahnhofshalle raucht Karl noch eine Zigarette, ehe wir uns auf den Weg zum Bahnsteig machen.
15 Minuten vor Abfahrt stehen wir am Gleis.
" Das ist dein Zug," er nickt in die Richtung. Seine Miene kann ich nicht beschreiben. Enttäuscht? Traurig? Sauer? 
Ich blicke ihn an, will so viel sagen, aber es kommt nur ein Wort heraus:" Danke." Er blickt mich nur an, also fahre ich fort. Die Worte kommen stockend und gar nicht so souverän aus meinem Mund, so wie ich es eigentlich gerne hätte: " Chemnitz ist eine schöne Stadt und danke für die Eskorte nach Leipzig zu der späten Stunde." Verlegen blicke ich zu Seite auf den Boden. Dann fasse ich all meinen Mut zusammen, schaue wieder in diese Schokoladen braunen Augen und schlinge meine Arme um ihn. Sofort will ich mich lösen, aber genau in dieser Sekunde spüre ich Karls Arme wie sie auf meinem Rücken Platz nehmen." Heute waren diese Beton Platten nicht so grau wie sonst. Komm gut nach Hause, Eifelmädchen. "
Fest drücken wir uns aneinander. 
Die Erde steht still für einen Augenblick, lässt mich seinen Duft, das Gefühl seines Körpers an meinem, die ganze Situation aufsaugen wie ein Schwamm das Wasser. 
Abrupt löse ich die Verbindung. Mein Zug wartet leider nicht. Auch wenn ich gerne bleiben würde. Einfach weiter mit ihm reden. Mich verstanden fühlen von einem Fremden. Dabei ist er mir nicht fremd. Ganz und gar nicht fremd. 

"March 's gut, Karl mit K, " zwinkere ich und drehe mich von ihm weg zum Zug. Nach zwei Schritten jedoch folgt die Kehrtwende. Meine rechte Hand legt sich um Karls Hals, die linke stützt sich an der Brust ab. Mein Mund ist dicht an seinem Ohr, so dass nur er die Worte hören kann.
" Es ist mir egal wie die Band heißt. Ob Sackblatt oder Kraftklub. Solange du bleibst wie du bist. Als Mensch. Jeder andere Mann wird ab heute mit dir gemessen. Vielleicht sehen wir uns wieder, vielleicht auch nicht. Deine Musik werde ich immer hören und ab heute an dich denken. Ich hab es wirklich und ehrlich genossen einfach nur mit einem Mann Zeit zu verbringen. Egal, ob berühmt oder nicht." Ehe er noch etwas sagen kann, drücke ich Karl noch einen Kuss auf die Wange und laufe anschließend zur Zugtür, die sich zischend hinter mir schließt. Auf den ersten freien Platz lasse ich mich fallen gerade als sich die Bahn in Bewegung setzt. 
"Guck nicht zurück. Guck nicht zurück," wiederhole ich in Gedanken immer wieder. Automatisch bewegen sich die Finger in die Handtasche und finden meinen Mp3-Player aus dessen Kopfhörern nach weiteren wenigen Sekunden ganz laut dröhnt:

"Ich komme aus Karl Marx Stadt.
Bin ein Verlierer, Baby. 
Original Ostler. "



ENDE.
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