Die vergangenen Reiche

von Aveshij
MitmachgeschichteMystery, Fantasy / P16 Slash
20.05.2017
13.03.2018
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Prolog - Der Geburtstag ihrer Majestät


Der Geburtstag ihrer Majestät, Königin Theresa wurde heute gefeiert. Das Volk bekam eher frei und die Adeligen mussten zum Stahlpalast reisen. In ganz Orbeau herrschte Feierlaune und jeder wusste, wenn der großen Uhrenturm zwölf Mal schlagen würde, würde ein Feuerwerk vom Palast ausgehen. Doch bis dahin waren es noch sieben Stunden. Hauptmann Traeger stand vor seinem Spiegel und begutachtete sich. Seine Galauniform saß perfekt, seine weißblonden Haare waren zu einem feschen Kurzhaarschnitt frisiert, der mit der Mode mitging, ohne jedoch seinen militärischen Rang zu untergraben. Er richtete sich seine Epauletten und blickte erneut in den Spiegel. „Was sagst du, Ahab? Sehe ich gut aus?“ Hinter ihm kam klickend und dampfend der mechanische Hausdiener aus der Wand. Über seine nackten Glieder legten sich metallene Platten um den Anschein von Haut zu imitieren und er öffnete seine weißen Glasaugen. Traeger hörte, wie es hinter ihm klickte und surrte als die Maschine über seine Frage nachdachte. „Ihr seht gut aus, Sir.“, antwortete sie dann mit blechernem Bariton.
Die Automatisierte Hilfe mit Autonomen Bewusstsein, oder kurz AHAB war in jedem Haushalt zu finden, der ihn sich leisten konnte. Er war ein Gemeinschaftsprojekt der Silberblitze und der Alchemisten gewesen, um in erster Linie Regierungsbeamten die Arbeit zu erleichtern. Mittlerweile hatte der mechanische Diener seinen Platz auch in den Wohnhäusern gefunden. Ein zischendes Geräusch drang an die Ohren des Hauptmanns, dann folgte ein dumpfes Aufschlagen. AHAB griff in sich hinein und holte eine dünne Rohre aus den Tiefen seines Leibes.
„Ihr habt Post. Von Master DuHerne.“
     „Was will der denn jetzt?“
„Soll ich die Post verlesen?“ „Ja bitte.“ AHAB öffnete den Behälter und holte eine kleine Schriftrolle daraus hervor. Er entfaltete sie und während seine gläsernen Augen über das Papier huschten, las er, „Robert, mein alter Freund. Wie ihr wisst, sind wir auf den heutigen Ball eingeladen und ich erwarte, dass ihr Euer bestes Gewand, wie auch Euer bestes Benehmen an den Tag legt. Ihr mögt ja der jüngste Hauptmann sein, der je ernannt wurde, dennoch erwarte ich das Ihr der Königlich-Ritterlichen Leibgarde alle Ehre macht. Ich freue mich schon euch zu sehen. Gezeichnet, Jean-Baptiste DuHerne, Ordensregent.“
Nachdem er fertig war, steckte AHAB den Brief in seinen Leib und archivierte ihn in den Akten im Keller. Den Behälter schraubte er wieder zu und ließ ihn ebenfalls in sich verschwinden.
„Hält der mich für einen Barbaren, dass er mir nochmal schreiben muss, wie wichtig der heutige Abend ist? Ich bin keiner dieser Jahadmawilden.“, sprach dies und zupfte sich nochmals an seiner Halsschleife. Dann drehte er sich um und blickte AHAB nachdenklich an.
„Bedrückt Euch etwas?“
     „Ich weiß es nicht. Ich hab irgendwie so ein Gefühl.“
„Fühlt Ihr euch nicht wohl?“
     „Nein... und ja. Ich weiß nicht. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich der Königin heute so nahe bin.“
„Hegt Ihr romantische Gefühle für Ihre Majestät?“
     „Was?! Nein! Es ist nur... sie ist die Königin. Oder besser noch, es ist ihr Hofstaat.
     Schlangen und Dämonen, allesamt.“
„Nur sind diese hier besser gekleidet.“ Robert schmunzelte, ob dieser Aussage. Ihm war schon öfter aufgefallen, das sein AHAB, seinen Hang zum Sarkasmus teilte. Vielleicht hatte er ihm das beigebracht. AHABs lernten sehr schnell, vor allem wie sie in ihrem Auftreten und Wirken, ihrem Herrn am besten dienen konnten. Robert hatte ihm von Anfang gesagt, er könne sich so entwickeln wie er es für richtig hielt. Einzig auf gebügelte Unterwäsche legte er Wert.
„Na schön. Ist der Wagen schon bereit?“
     „Auf Ihr Wort, Sir.“
„Na dann, auf geht’s.“ Der Hauptmann verließ sein Schlafzimmer, wanderte den Flur entlang und ging die Treppe runter. Unten angekommen, schnappte er sich sein Rapier, schnallte es an seinen Gürtel und verließ die Haustür. Die Tür wurde von AHAB automatisch abgeschlossen. Draußen wartete schon sein Wagen. Mit fünf PS Leistung und einem faltbaren Dach, hatte er das neueste Modell. Der Motor ratterte leise, als Traeger einstieg. Er griff nach dem langem Außenhebel unnd legte den Gang ein. Dann trat er aufs Gaspedal und fuhr los. Noch vor fünf Jahren hätte er nicht gedacht jemals einen solchen Wagen zu besitzen, geschweige denn Hauptmann der Leibgarde zu werden.

Vor fünf Jahren war Robert ein Dieb und mehr noch, ein Mörder. Obwohl letzteres nur von der Obrigkeit angenommen wurde. Er war ein Straßenjunge und musste sich dementsprechend durchschlagen. Diebstahl, Botengänge und kleinere Geschäfte mit den örtlichen Verbrecherbossen. Als er eines Nachts bei jemanden eindrang, auf der Suche nach Wertsachen, lief etwas gewaltig schief. Derjenige erwachte und drohte Robert zu erschießen. Doch durch einen Wink des Schicksals rutschte die Person auf der Treppe aus, stürzte und erschoss sich dadurch selbst. Robert wollte dem sterbendem Mann helfen und nahm ihm die Waffe aus der Hand. Er drückte die Wunde zu und als die Wachen kamen, angezogen von dem Radau, stand für sie der Fall bereits fest. Ohne größere Untersuchung und trotz dessen, dass Robert beteuerte ihn nicht umgebracht zu haben, wurde er zum Tode verurteilt. Zu seinem großen Glück wurde der Adjutant von Meister Frohnhold auf ihn aufmerksam. Nach etlichen Unterredungen und Untersuchungen seitens des Malleusordens, wurde Robert freigelassen und ihre Obhut übergeben. Sein Dank kannte keine Grenzen, wie auch sein Arbeitseifer. Er nahm an gefährlichen Vorstößen ins Hinterland von Jahadma teil und machte sich schnell einen Namen, als geschickter Stratege und versierter Kämpfer. Nach nur zwei Jahren Dienst stieg er zum Regent des Ordens auf und stand damit eine Stufe unter dem Ordensmeister. Er war beliebt, respektiert und sein Sägenrapier gefürchtet. Es dauerte nicht lange, bis die Leibgarde auf ihn aufmerksam wurde und nachdem sie eine Einladung verschickt hatten, gab es für Robert kein halten mehr. Er absolvierte die Prüfung mit Bravour und wurde vereidigt. Und nun, nach drei Jahren hatte er den Rang des Hauptmanns erreicht. Einzig seine Waffe war das einzig unveränderte an ihm.

Er erreichte den Stahlpalast eine Stunde später. Sein Wagen parkte er auf dem großen Parkplatz neben dem Palast und betrat diesen auch durch die Seitentür. Einzig den Adeligen, den Regenten und den Meistern war es gestattet den Palast durch den opulenten Vordereingang zu nehmen. Schon von weitem hörte er Musik, klirren von Gläsern und gedämpfte Gespräche. Er holte seine Taschenuhr hervor und drückte auf den großen Knopf. Daraufhin öffnete sich der Deckel und gab den Blick auf ein feines Ziffernblatt frei. Er war nicht zu spät und trotzdem hatte er das Gefühl, er was es. Die Taschenuhr verschwand wieder in seiner kleinen Westentasche und er machte sich auf zum großen Saal. Unterwegs traf er immer wieder Bedienstete, die sich kurz verneigten und dann weiter trabten, um mehr Nachschub für die Abendgesellschaft zu beschaffen. Jetzt, vor der kleinen Seitentür stehend, hörte er die Geräusche noch lauter. Nervös fummelte er an seinem Ärmel herum, ehe tief durchatmete und die Tür öffnete. Der Prunksaal machte seinem Namen alle Ehre. Überall fanden sich goldene Verzierungen und Stuck. Große Statuen säumten den Saal. Drei von ihnen zeigten die alten Könige. Ortiel und Christian blickten mit aller ihnen gebotenen Hoheit über die Köpfe der tanzenden und plaudernden Adeligen, während das Abbild Theresas eher wohlwollend schaute. Selbst als Statur war sie eine atemberaubend schöne Frau. Robert blickte sich um und entdeckte seinen Regenten, der an der Seite von Meister Dankwart und Meisterin Ophelia stand und sich unterhielt. Der junge Hauptmann glitt durch die Menge, entschuldigte sich immer wieder und erreichte endlich die kleine Gruppe. Er salutierte vor seinem Ordensmeister und dem Regenten und verbeugte sich vor Ophelia. „Was für ein prachtvoller junger Mann. Was musst du stolz Dankwart; ihn in deinen Rängen zu wissen.“, gab Ophelia ganz hingerissen von sich.
Dankwart nickte und legte dem jungen seine große Hand auf die Schulter. „Unser jüngster Hauptmann. Von seinem Eifer und seiner Arbeitseinstellung kann sich so mancher noch eine Scheibe abschneiden.“, sprach er halb an seinen Regenten gewandt. Dieser hatte für Robert nur einen arroganten Blick übrig und schnaubte verächtlich.
„Ich bin geehrt.“,gab Robert zurück und salutierte abermals. Dankwart lachte herzlich und stieß seinem Regenten in die Seite. „Hast du das gehört, Jean? So gehört sich das.“
Plötzlich änderte die Musik ihr Tempo und bekam etwas wuchtiges und mächtiges. Der Orden der Klänge gab mal wieder sein Bestes um die Gäste angemessen zu unterhalten. Ophelia stellte ihr Glas auf den Tisch zu ihrer Rechten und schnappte sich Roberts Hand. „Kommt, mein werter Hauptmann. Lasst uns tanzen!“
„Wa, aber ich...“ Weiter kam Robert nicht, da wurde er schon von der Dirigentin auf die Tanzfläche geschliffen. Ophelia machte ein paar Schritte und nachdem Traeger herausgefunden hatte, was sie tanzen wollte, stieg er mit ein. Sie klatschten einander in die Hände und bewegten sich im Takt mal zu den Seiten, mal aufeinander zu und dann wieder entfernten sie sich. Sie drehten etliche Kreise, hüpften und klackten die Fersen aneinander. In ruhigeren Passagen tanzten sie eng aneinander, sich dabei stets umkreisend. Dankwart feuerte seinen Hauptmann an und klatschte dabei immer wieder seine Bratpfannenhände. Bald schon lichtete sich der Tanzsaal, da jeder wissen wollte mit wem die Ordensmeisterin da so vergnügt tanzte. Sie waren sich auch der Aufmerksamkeit der Königin bewusst, die ihre Gespräche für den Moment unterbrach um den beiden Tänzern zu zuschauen. Als die Musik endete, hielten sich Ophelia und Robert schwer atmend im Arm. Der Saal spendete begeistert Beifall für die beiden.
„Ich muss schon sagen,“ gab Ophelia von sich und löste sich von ihrem Tanzpartner „ihr seid wirklich guter ein Tänzer, mein werter Hauptmann.“
     „Das Kompliment kann ich nur zurück geben, werte Lady.“, antwortete er und verbeugte sich vor ihr.
Die Dirigentin blickte hinauf zur Balustrade und nickte der Königin zu. „Ich glaube, Ihr seid Euch weiterer Aufmerksamkeit gewiss.“, sprach die schöne Meisterin und zeigte mit ihren manikürten Nägeln sacht nach oben.
Robert drehte sich um und sah wie Theresa sanft auf ihn herab lächelte. Auch vor ihr verbeugte er sich und die Königin nickte ihm sacht zu.
Königin Theresa wünschte sie innerlich auch so tanzen können, aber mit ihrem großem Kleid und der fragilen Frisur war dies leider nicht möglich für sie. Sie trug in ihren Haaren ein ausladendes Gestell aus verschweißten Zahnrädern. Ihre üppigen schwarzen Haare hatten ihre Barbiere so um das Gestell gewickelt das der Anschein eines Uhrenkastens erweckt wurde. Hinzu kam noch, dass sie auf ihrem Rücken ein Gestell aus silbernen Röhren trug, aus deren oberen Öffnungen andauernd ein wohltuender süßer Rauch strömte, der sie in einen sanften Nebel hüllte, der nach Sandelholz und Amber roch. Die Röhren selber waren sehr dünn und lang und erzeugten die Illusion einer silbernen Sonne, die auf ihrem Rücken prangte. Sie war ausstaffiert worden um hübsch auszusehen, aber die Götter standen ihr bei, wollte sie sich bewegen. Sie führte ihre Gespräche fort und verlangte noch mehr Wein für sich.

Plötzlich wurden überraschte und ängstliche Laute breit. Die Leute stoben panisch auseinander und versperrten Robert den Blick. Der junge Hauptmann presste sich an zwei beleibten Damen vorbei und als er die Tanzfläche erreichte, sah den Grund für die Panik. Ein schwarzer Panther lief langsam über die Fläche, den Blick auf die Balustrade gerichtet. Traeger lief auf die Fläche und stellte sich vor der Raubkatze hin, die Hände beschwichtigend erhoben. Der Panther blieb stehen und musterte das Hindernis mit gelben Augen. Robert musste gestehen, dass es ein ausgesprochen schönes Tier war. Das seidige schwarze Fell, spannte über einen eleganten Körper, der Gefahr und Majestät ausdrückte.
„Wo kommst du denn her, mein Kleiner?“, fragte Robert die Raubkatze, mit leicht nervösem Unterton. Diese jedoch setzte ihren Weg gemächlich fort und achtete dabei ganz genau auf seine Bewegungen. „Ganz ruhig, ja? Wir wollen doch nicht das dir etwas passiert. Könnte bitte jemand den Tierfänger rufen?!“, rief er mit seinem letzten Satz durch den Saal.
Die Diener erwachten aus ihrer Trance und eilten zum nächsten Telephon. Noch immer setzte der Panther seinen Weg fort. Sein Ziel schien sich irgendwo oben bei der Königin zu befinden. Es sei denn... „Majestät! Bringt Euch in Sicherheit!“
Hinter der Königin erschien eine Gestalt in Felle und Leder gekleidet. Ihre Hand schnellte nach vorn und packte die Königin an der Kehle. Er benutzte sie als Schutzschild. Dankwart polterte nach vorn und zeigte mit seinem großen Zeigefinger auf die wilde Gestalt. „Lasst die Königin los! Sofort!“, donnerte sein Bass durch den Saal. Die Gestalt kicherte nur und führte ihre Majestät an das Geländer der Balustrade.
„All diese Leute, all die Soldaten und Sicherheitsvorkehrungen... Hätte ich gewusst, dass man so leicht an Euch herankommt, hätte ich Euch schon eher besucht.“ Seine Stimme war die eines jungen Mannes, der anscheinend gerade die Schwelle zum Mann erreicht hatte. Seine Hand glitt von ihrer Kehle, über ihr Bustier, bis zur Seite ihres rechten Beines. Dort griff er zu und riss einen Fetzen ihres Kleides heraus. „Mehr wollte ich gar nicht.“, flüsterte der Wilde Theresa ins Ohr.
Er ließ´sie los und sprang mit einem Satz von der Erhöhung. Der Jahadma landete neben seinem Panther auf der Tanzfläche und kraulte dessen Ohr. Dann richteten sich seine katzenhaften Augen auf Robert. Beide taxierten sich, als wollten sie stumm herausfinden, was der andere für Schwächen hatte. Der junge Jahadma hatte sandblondes Haar und trotz der Narben im Gesicht war er recht ansehnlich. Seine dunklen Katzenaugen und die Krallen an seinen Händen wiesen ihn eindeutig als Schamanen aus. Sein Körperbau konnte Robert nur schwer festmachen, durch die luftigen Lagen Fell die er über seiner Lederrüstung trug. Doch wer so springen und pirschen konnte, der war kein unsportlicher Mensch.
„Ich frage mich, wie du wohl schmeckst.“, gab der Schamane von sich.
     „Hunger auf mein Fleisch, Wilder?“, gab Robert trotzig zurück. Der Jahadma grinste leicht und antwortete, „Ich frage mich, wie du wohl,“ sein Blick glitt auf Roberts Schritt „schmeckst.“
Er atmete empört ein und zog sein Rapier. Ein Druck auf den Knopf am Griff und die kleinen silberglänzenden Zähne an der Klinge begannen zu rotieren. „Frivoler Wilder!“
Diese Aussage brachte ihm ein weiteres Kichern ein. „Ich nehme an, du wirst mich so einfach gehen lassen, oder?“
Verächtlich rümpfte der junge Hauptmann die Nase. „Von deiner Frivolität mal abgesehen, hast du Ihre Majestät bedroht. Darauf steht die Todesstrafe.“ Der Jahadma kraulte weiter das Ohr seines Panthers, als er antwortete, „Nur ein bisschen. Sie ist nicht mal blutig.“
Robert nahm Haltung an und erwiderte, „Halt still, dann mache ich ganz schnell.“
     „Was meinst du, Belphor?“, sprach er an seinen Panther gewandt, „Sollen wir uns dem Hauptmann hingeben?“ Beide fletschten ihre Zähne und knurrten einander leise an. Seine Hand glitt unter Belphors Kinn und kraulte dort weiter, ehe er wieder nach oben wanderte und über seinen Kopf streichelte. „Nein. Tut mir leid. So leicht wollen uns dann doch nicht hinlegen.“, gab der Schamane zurück.
Er stellte sich locker vor Robert hin und spreizte seine Finger. Eindrucksvoll ließ´er seine Klauen durch die Luft gleiten, als er weitersprach, „Wenn du oben sein willst, musst du dafür kämpfen.“
Angewidert zuckte Roberts Kopf nach hinten, ehe er seine Muskeln anspannte und auf ihn zu lief. Das Rapier im Anschlag, ließ er seine Sägeklinge niedergehen, doch wich der Schamane einfach nach hinten aus. Bei jedem Streich nahm die Klinge an Fahrt auf, jedes Mal bereit durch Fleisch und Knochen sägen, doch jedes Mal traf sie nur die Luft. Der Jahadma ließ sich nach einer gewissen Strecke einfach nach unten fallen und wollte Robert schon seine Klauen in den Unterleib rammen, doch dieser reagierte schneller, als der Schamane es erwartet hatte. Traeger rammte seine Klinge kurzerhand nach unten und in den Boden. Dort fraßen sich die schnell rotierenden Zähne in den polierten Marmor. Der Angreifer hatte sich schnell zur Seite gerollt und während Robert seine Klinge kreischend aus dem Boden zog, kam der Schamane schon auf ihn zu. Die Klauen prallten auf die Klinge und Funken stoben auf. Trotz der schnellen Rotation und den scharfen Zähnen, konnten sie seine Klauen jedoch nicht durchsägen. Der junge Schamane drückte Robert immer weiter nach unten, bis sein Knie bereits den Boden berührte. Der Hauptmann winkelte seinen Fuß an und benutzte ihn, um zur Seite zu rutschen und dabei möglichst den Schamanen an der Seite zu treffen. Dieser sprang jedoch zurück und pustete sich belustigt über seine rauchenden Klauen.
„Nicht schlecht, mein Hübscher. In meinem Klan würdest du dich größter Beliebtheit erfreuen; so wie du kämpfen kannst.“
Robert erhob sich und begab sich wieder in die Ausgangsstellung. „Schweig Wilder. Von eurem frivolen Volk will ich nichts hören.“
     „Denk dir mal was neues aus.“, gab der Jahadma zwinkernd zurück. „So sehr ich auch unseren Kampf genossen habe, aber ich muss jetzt gehen.“ Er sprang in die Luft und dort wo er gestanden hatte, ging der gewaltige schwarze Streithammer Dankwarts nieder. „Netter Versuch. Wir sehen uns, mein Hübscher.“ Er winkte Robert noch zu, ehe er mit seinem Panther davon lief. In einer Geschwindigkeit die ein normaler Mensch niemals erreichen könnte. Aber diese Wilden waren keine Menschen.
Dankwart hob den Hammer vom Boden und Robert war immer wieder erstaunt wie der Ordensmeister diese gewaltige Waffe so elegant schwingen konnte. Nicht nur dass der Kopf die Größe eines Weinfasses hatte, auch war die Verzierung, in Form eines aufgerissenen Löwenmauls um den Kopf, ebenfalls massiv. Die Pranken des Löwen hielt den Kopf auf dem Stiel, während der Knauf die Form von Widderhörnern hatte. Eine Waffe, würdig eines Ordensmeisters.
„Geht es dir gut?, fragte Dankwart.
     „Ja. Danke für Euer Eingreifen, Meister.“ Robert salutierte zackig.
„Pah! Du hattest alles im Griff. Außerdem habe ich ihn nicht erwischt.“
Königin Theresa kam die Balustrade hinunter und bewegte sich mit klackenden Absätzen auf die Beiden zu. Anschließend richteten sich ihren grasgrünen Augen auf Dankwart. „Würdet Ihr wohl erklären, wie es möglich ist, das meine Leibgarde einen solchen Verbrecher an mich heran lassen konnte?“
„Meine Königin, ich...“
     „Schweig!“, schnitt sie ihm herrisch das Wort ab. „Ihr könnt von Glück sagen, dass er nur mein Kleid ruiniert hat. Keiner von euch hat etwas getan, als er seine dreckigen Klauen an meiner Kehle hatte. Er hätte mich getötet, noch ehe ihr reagiert hättet.“
„Meine Königin, so hört doch...“
     „Schweigt! So etwas hätte gar nicht passieren dürfen! Dankwart von Rolerne! In Ermanglung Eurer Dienste für die Sicherheit Eurer Königin zu sorgen, werden Wir Euch hiermit auf die Probe stellen. Findet den Angreifer und stellt ihn. Ob tot oder lebendig, überlassen wir Euch. Sollte Euer Soldat nicht zurückkehren oder nicht die befohlenen Resultate liefern, werdet Ihr des Amtes enthoben und Euer Regent wird nächster Ordensmeister. Habt Ihr das verstanden?“
„Ja, meine Königin.“, antwortete Dankwart und nahm Haltung an.
     „Gut. Dann ist das Fest hiermit beendet.“ Damit machte Theresa auf dem Absatz kehrt und verschwand mit ihrem Hof vom Fest. Während die Gäste langsam begriffen, dass es vorbei war, zog Dankwart Robert in eine Nische. Der massige Ordensmeister wirkte plötzlich um Jahre gealtert und irgendwie ausgezehrt.
„Geht es Euch gut, Meister?“
     „Nein. Aber darum geht es jetzt nicht. Hör mir gut zu. Ich schicke dich auf diese Mission.“
„Mich?“ „Ja dich. Du hast doch Erfahrung im wilden Land. Davon abgesehen, kann ich sonst niemand anderen mit dieser Mission betrauen. Dieser ganze Schlamassel ist ein gefundenes Fressen für Jean-Baptist.“ Da hatte sein Meister nicht Unrecht. Jean-Baptist war schon lange hinter dem Posten des Ordensmeisters her, doch solange Dankwart lebte und nicht durch Zufälle ums Leben kam, solange musste DuHerne auf seine Gelegenheit warten. Und nun, mit der drohenden Amtsenthebung, würde die falsche Schlange vermutlich alles tun, damit die Unternehmung scheiterte.
„Aber wo soll ich anfangen? Jahadma ist ein großes Land, von den Gefahren ganz zu schweigen.“ Dankwart legte seinem Hauptmann die Hand auf die Schulter und kam etwas näher. „Eduardo Fiammevento.“, flüsterte sein Meister.
„Oh nein.“, stöhnte Robert.
     „Du brauchst ihn. Und du wirst Verstärkung brauchen. Such dir bei den Orden, egal ob groß oder klein, vertrauenswürdige Personen, die dir helfen können. Ich verlass mich auf dich.“ Damit ließ Dankwart seine Schulter los und ging ebenfalls. Das war es also. Eine mehr oder weniger geheime Mission, damit er verhindern sollte, dass Jean-Baptist den Ordensmeisterrang erhielt und gleichzeitig diesen frivolen Wilden ausfindig machen. Dazu sollte er die Hilfe von Fiammevento und den anderen Orden besorgen. Robert bekam Kopfschmerzen.
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