Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

von Lelema
GeschichteHumor, Familie / P12
Adam Ruzek Erin Lindsay Greg "Mouse" Gerwitz Jay Halstead OC (Own Character) Trudy Platt
17.05.2017
20.10.2017
43
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Jay Sicht

„Emi. Aufstehen.“, weckte ich sie sanft. Dabei hatte ich meine Hand an ihre Schulter und schüttelte sie leicht. Jeden Morgen muss ich damit ankämpfen sie aus dem Bett zu holen.

„Ich bin Müde.“, sagte sie schläfrig und schloss ihre Augen erneut.

„Emi. Du stehst jetzt auf, sonst...“, forderte ich sie auf und startete eine Kitzel Attacke. Sie lachte und war von jetzt auf gleich hell wach. Ich hielt sie fest in meinen Armen und gab ihr einen leichten Kuss auf die Stirn.

„Zieh dich an. Ich mache Frühstück.“, sagte ich. Sie nickte und ich ging in die Küche.

Nachdem ich die Müsli Sachen für Emi herholte, schenkte ich mir Kaffee ein. Sitzend am Küchentisch betrachtete ich ein Bild, welches am Kühlschrank hing. Damals war sie 2 Jahre alt und ich hielt sie fest im Arm. Wie schnell die Zeit vergeht. Vor wenigen Wochen wurde sie 6 Jahre alt und kommt schon bald in die 1.Klasse.

„Daddy muss ich heute in den Kindergarten?“, fragte sie zögerlich, während sie ihr Müsli aß.

Schon in der Stimme hörte ich, dass meine kleine heute nicht in den Kindergarten wollte. Ich hasste es, wenn ich sie dennoch zu etwas zwingen muss. Ich kann meiner kleinen nur schwer einen Wunsch abschlagen. Sie ist einfach zu bezaubernd und dennoch muss ich ihr immer wieder einige ihrer Wünsche abschlagen.

„Ja, dass musst du. Ich muss arbeiten. Ruby wird dich wie immer abholen.“, sagte ich. Ruby wohnt gleich in der Wohnung neben an und passt oft auf Emi auf. Sie arbeitet Teilzeit immer vormittags und hat nachmittags immer Zeit für Emi. Es ist schon oft vorgekommen, dass sie auch die Nacht über auf Sie aufpasste, weil der Fall sehr Zeitaufwendig war.

„Ich will aber nicht.“, fing Emi an zu protestieren und schob ihr Müsli weg.

„Warum willst du denn nicht? Es macht doch Spaß mit den anderen zu spielen, oder etwa nicht?“, fragte ich besorgt nach.

„Ich habe Bauchschmerzen.“, heulte Emi und hielt ihr Bauch fest.

„Emi möchtest du mir denn sagen was los ist?“, fragte ich einfühlsam weiter.

Ich wusste das Emi keine Bauchschmerzen hatte, aber anstatt mit mir zu reden rannte sie in ihr Zimmer. Ich holte tief Luft. Das kann ja was werden. Langsam näherte ich mich zu meiner Tochter und setze mich neben sie auf dem Bett. Das Zimmer war nicht sehr groß. An den sandgelben Wänden hingen viele Bilder, zum Teil selbst gemalte. Quer durch den Raum verteilt lagen Playmobil-Spielzeuge. Das Zimmer war eingerichtet wie ein Typisches Kinderzimmer mit vielen weißen Möbeln.

„Emma Rose Halstead. Ich muss zur Arbeit. Ich habe keine andere Wahl. Wenn du mit mir redest, dann kann ich dir auch helfen.“, sagte ich und strich ihr über den Rücken. Sie lag abgewandt von mir und ihr kamen immer noch die Tränen.

„Ich will heute nicht dahin.“, murmelte sie.

„Es geht nur um heute?“, fragte ich nach und schaute dabei auf dem Tierkalender, der über ihren Schreibtisch hing. Plötzlich machte ihr Verhalten Sinn.

„Emi. Liegt es vielleicht daran, weil Sonntag Muttertag ist?“, fragte ich sanft.

Sie nickte. „Alle anderen haben noch eine Mummy.“, heulte sie.

„Hey Emi. Komm schau mich mal an.“, sagte ich und sie drehte sich langsam zu mir um. Ich nahm sie in den Arm. Der Kindergarten veranstaltet immer am Freitag davor einen Bastel-Tag.

„Hör mal. Du kannst doch trotzdem etwas für Mummy machen. Sonntag fahren wir zu ihr und du kannst es hier hinlegen.“, versuchte ich es ihr zu erklären.

„Aber Mummy ist doch im Himmel.“, unterbrach sie mich flüsternd.

Ich holte tief Luft. „Ja. Stimmt. Aber auch wenn sie im Himmel ist, bekommt sie alles mit was wir machen und wird sich ganz bestimmt darüber freuen. Sie ist immer bei dir.“, versuchte ich ihr zu erklären.

Ihre Mum starb vor einem dreiviertel Jahr.  Anfangs war es nicht leicht. Emi hatte ständig gefragt wo ihre Mummy ist und heulte selbstverständlich. Voight bewilligte mir Sonderurlaub damit ich mich voll und ganz um Emma kümmern konnte. In der Zeit bekam ich viel Hilfe von Will und sogar Mouse und Erin kamen vorbei um nach uns zu sehen. Hannah, Emmas Mum, und ich gingen schon kurz nach der Geburt getrennte Wege. Dennoch durfte ich meine Tochter immer sehen oder sie bei mir haben, wenn ich Urlaub hatte. Vor einem dreiviertel Jahr war Hannah in einem schweren Verkehrsunfall verwickelt. Sie hatte gerade Emma abgeholt, als ein betrunkener auf der Fahrerseite hineinfuhr. Emmas größtes Glück war es, dass sie auf der Rückbank hinter dem Beifahrersitz saß und nicht viel abbekam. Ich stand unter Schock als ich vom Unfall erfuhr. Im Krankenhaus sagten sie mir, dass Hannah während der OP verstarb. Ich fragte verzweifelt nach Emma und ging schon vom schlimmsten aus. Einzig und allein durch die Platzwunde und die leichte Gehirnerschütterung musste Emma 24 Stunden zur Beobachtung auf der Kinderstation bleiben, ansonsten war ihr nichts passiert.

„Wirklich?“, fragte Emi und riss mich aus meinen Gedanken.

„Ja. Wirklich. Sie hat dich unendlich lieb und ich dich auch.“, sagte ich.

„Ich hab dich auch lieb Daddy.“, flüsterte Emi.


CPDCPDCPDCPD

„Wie läuft es mit Emma?“, fragte Erin, nachdem ich an meinem Schreibtisch Platz nahm. Emi konnte ich davon überzeugen in den Kindergarten zu gehen und ich musste ja Geld verdienen.

„Mhh. An sich ganz gut. Wenn nicht immer diese Tage gäbe.“, antwortete ich und holte tief Luft: „Egal ob Weihnachten, Ostern, ihr Geburtstag oder Muttertag ist, Emma reagiert sehr empfindlich darauf.“

Nachvollziehbar. Es waren die Ersten Feiertage ohne ihre Mum, sowie ihr Geburtstag.

„Nach der Zeit wird es besser. Emma braucht Zeit.“, sagte Erin einfühlsam.

Ich nickte nur. Sie hatte Recht. Es wäre im Grunde genommen schlimm, wenn es Emma nichts ausmachen würde, dass ihre Mum nicht mehr hier ist.

Einen aktuellen zeitaufwendigen Fall hatten wir zurzeit nicht. Eher Papierkram, der durch den letzten Fall, liegen geblieben war. So konnte ich pünktlich Feierabend machen und mich um Emma kümmern.  Zwar gehe ich abends auch häufig ins Mollys um mit meinen Freunden zu plaudern und zu trinken, aber das kann ich nur machen wenn es Emma gut geht und Ruby auch Zeit hat.


CPDCPDCPDCPDCPD

Gegen 9 Uhr wachte ich am Sonntag auf. Ich spürte wie jemand neben mir lag und sich sehr breit machte.

„Emi? Emi?“, fragte ich anfangs leiser. An manchen Tagen kommt Emi Laufe der Nacht in mein Bett gekrabbelt. Seit Emma auf der Welt ist habe ich einen relativ leichten Schlaf, weshalb Emma wahrscheinlich Laufe der Zeit gelernt hatte sich gut anzuschleichen. Ich habe viel Wert daraufgelegt, dass Emma in ihrem eigenen Bett schläft und es egal ist, wer sie ins Bett bringt. Doch seit den Tag, hat Emma immer häufiger das Bedürfnis in meinem Bett zu liegen.

„Mh.“, murmelte sie.

„Komm aufstehen. Heute gibt es Pfannkuchen.“, lockte ich sie aus dem Schlaf.

„Oh ja.“, sprang sie auf und hüpfte auf dem Bett auf und ab. Ich lachte und verschwand wenig später zuerst im Bad um mich fertig zu machen und dann in der Küche um die Pfannkuchen zu backen. Emma zog sich in der Zwischenzeit an und half mir anschließend mit dem Backen.

„Ruby wendet die immer in der Luft.“, sagte sie.

„In der Luft. Etwa so?“, fragte ich nach und versuchte den Pfannkuchen zu wenden – ohne Erfolg.

Emi lachte: „Nein Daddy du kannst das nicht. Du musst den auch auffangen.“

„Ich glaube dafür brauche ich Hilfe.“, sagte ich und nahm Emi so vor mich das wir beide den Griff der Pfanne umklammern konnten. Gemeinsam versuchten wir den Pfannkuchen in der Luft zu wenden. Wieder flog er daneben.

„Ich mache das alleine.“, sagte sie und ich ließ gehen.

Tatsächlich beim 2.Versuch hat Emi den Pfannkuchen gefangen.

„Hey. Super.“, grinste ich.

Nachdem wir gefrühstückt haben räumte ich die Küche auf und fuhr später mit Emma zum Friedhof. Emma bastelte ein rotes Herz und eine Blume. Ich half Emma dabei ‚Für Mummy‘ zu schreiben und laminierte es anschließend, damit es nicht sofort kaputt ging.

Emma legte die gebastelten Sachen neben die Blumen, die wir kauften, auf dem Grab.

„Ich vermisse dich Mummy.“, flüsterte sie und ich hockte mich neben sie hin um auf einer Höhe mit ihr zu sein und legte einen Arm um sie. Ich blieb einfach nur Still. Ich wollte Emma ihre Zeit geben die sie brauchte.

„Daddy hat mir gezeigt wie ich ‚für Mummy‘ schreibe und bald kann ich richtig schreiben und lesen, weil ich ja in die Schule dann komme und ich habe ihn gezeigt wie man Pfannkuchen in der Luft wendet.“, sagte Emi und wurde immer leiser. Ihr kamen die Tränen. Ich wusste nicht recht, was ich tun sollte. Hannah hat sich meist um Emma gekümmert wenn sie weinte. Ich selbst war eher der Dad, der mit dem Kind spielte und das Fahrradfahren oder das schwimmen beibrachte.  

„Findest du nicht auch, dass unsere Tochter ganz bezaubernd ist? Kaum zu fassen, dass sie schon in die Schule kommt. Wir können wirklich stolz auf unsere Emi sein.“, sagte ich und gab Emi einen Kuss auf die Stirn. Ihre Tränen ließen langsam nach.

„Wie wäre es, wenn wir heute Abend einen Film schauen und Cookie-Eis dazu essen?“, fragte ich Emma nachdem wir im Auto saßen.

„Jaa. Air Buddies.“, lächelte Emma. Ich grinste. Emma liebt Hundewelpen und die Air Buddies Reihe gehört zu ihren Lieblingsfilmen.

Am Abend saßen wir also auf der Couch, schauten Air Buddies – die Super Buddies und aßen Cookie-Eis.
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