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Mein Name ist Strider

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
15.05.2017
23.03.2019
6
7.662
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15.05.2017 1.166
 
Das Gefühl des Windes in der Mähne, das leichte Beben, das die donnernden Hufe verursachen, wenn die Herde galoppiert, der Geruch des Wassers und des Grases, die Sonne der Prärie auf dem Rücken, die Schreie des Alders. Das ist es, wofür wir leben. Das ist es, wofür wir existieren. Wir sind die Herde von Cimarron!

„Storm!“ Storm spitzte die Ohren, als er die Stimme seines Vaters hörte, und trabte zu ihm hinüber. Spirit stand etwas abseits der Herde, gerade so, dass er alles gut im Blick hatte. „Und?“, fragte er, ohne Storm anzusehen. „Hast du etwas gefunden?“
Storm senkte den Kopf. Es störte ihn nicht, dass sein Vater für ihn nicht den Blick von der Herde nahm, er war es gewohnt. Spirit war Anführer und somit in gewisser Weise sein Mentor. Eines Tages würde Storm diese Rolle übernehmen und dafür genauso werden wie sein Vater. Er war ein großer Anführer.
„Die Herden ziehen weiter“, erklärte er. Seine Beine brannten immer noch von dem langen Erkundungslauf, es war ein angenehmes Gefühl. Storms Augen glänzten. „Vielleicht sollten wir auch langsam überlegen, weiter zu ziehen. Es wird wieder kälter.“ Er hielt die Nase in den Wind und schnupperte. Spirit schüttelte den Kopf. „Wir werden das tun“, stimmte er zu. Storm wieherte begeistert, stolz, nützlich geworden zu sein. „Kann ich noch etwas tun?“
Spirit schien kurz zu überlegen, dann schüttelte er wieder den Kopf. „Eigentlich nicht, nein.“
Storm drehte sich um und trabte wieder davon. Irgendwie schmerzte es ihn, dass sein Vater ihn doch nur so wenig beachtet hatte. Es ist nur zum Wohl der Herde, dachte er. Enttäuscht und frustriert beschleunigte er seine Schritte, bis er im Galopp von der Herde wegjagte. Er wollte seinen eigenen Gedanken keinen Glauben schenken.
Sein Vater war der Anführer der Herde und trug damit eine große Verantwortung. Aber Storm war sein Sohn. Storm war der Sohn von Spirit und Rain. Seine Mutter verließ in letzter Zeit häufig heimlich die Herde, vorzugsweise nachts, doch Storms Augen war das nicht entgangen. Er fühlte sich seltsam ausgeschlossen, weil sie ihm nichts erzählt hatte, weder, wo sie hinging, noch, warum. Und sein Vater? Sein Vater war hier, Tag und Nacht, bewachte die Herde. Sein Vater war hier, aber gleichzeitig so viel weiter weg als Rain. Warum konnten sie nicht wieder häufiger Zeit miteinander verbringen, so wie früher?
Als er noch ein Fohlen war, hatte sich Spirit viel um ihn gekümmert. Er hatte mit ihm gespielt, ihm alles beigebracht. Hätte Storm gewusst, dass diese Zeit ein Ablaufdatum hatte, hätte er sie mehr genossen.
Storm wusste, dass gerade er die Pflichten und Prioritäten eines Anführers erkennen und respektieren musste. Er würde die Herde eines Tages ebenfalls an erste Stelle setzen müssen. Er würde eines Tages ebenfalls seine Familie möglicherweise kaum beachten können, weil jederzeit eine mögliche Gefahr aus den Büschen springen könnte.
Der Gedanke tat Storm weh. Er wollte das nicht. Er wollte nicht so leben. Aber das war seine Bestimmung, und was sollte er gegen seine Bestimmung schon tun?
Storm blieb stehen, als er den Schrei eines Vogels über ihm hörte. Entsetzt riss er den Kopf hoch und sah sich um. Er konnte sich nicht erinnern, jemals schon hier gewesen zu sein. Die Landschaft hatte sich kaum verändert, aber die Gerüche waren anders. Klarer, frischer. Er konzentrierte sich, konnte einen weiteren Geruch erkennen, den er nicht einordnen konnte. Langsam wurde er nervös.
Storm lief zu einer kleinen Erhöhung und versuchte, sich somit einen besseren Überblick zu verschaffen. Endlose Landschaften, aber nirgends auch nur ein Lebewesen zu sehen.
Nein… da war doch etwas. Storm verengte die Augen. Etwas weiter entfernt konnte er einen schwarzen Fleck erkennen, der sich langsam durch das Gras bewegte. Ohne zu zögern sprang Storm von seinem Podest ab und näherte sich dem Unbekannten. Er wusste, dass es möglicherweise klüger war, wegzulaufen, aber seine Mutter hatte ihm auch schon immer gesagt, dass er Spirits leichtsinnige Abenteuerlust geerbt hatte. Storm selbst wusste nicht, was er sich von dieser persönlichen Mission versprach.
Erst, als er näher kam und einen weiteren Geruch auffing, den des Fremden, wurde er langsamer.
Das war ein Hengst, aber keiner aus der Cimarron- Herde. Storm wusste, dass das gefährlich werden könnte. Einen kurzen Moment überlegte er, ob er nicht lieber umkehren und fliehen sollte, solange er noch die Gelegenheit dazu hatte, entschied sich dann jedoch um.
Storm war jetzt nahe genug, um den Hengst einwandfrei zu erkennen. Er sah erschöpft aus, sein schwarzes Fell war matt und an einigen Stellen grau, Verletzungen und Narben zogen sich über seinen Körper. Storm wurde schneller. Dieser Hengst sah sowieso nicht so aus, als wäre er stark genug, um einen Kampf mit ihm zu überleben.
Als der Schwarze Storm sah, blieb er stehen. Storm trabte zu ihm und blieb vor ihm stehen. In den Augen seines Gegenübers stand keine Überraschung, Unsicherheit oder Angst, nur Erschöpfung. „Was willst du hier?“, herrschte ihn Storm an.
Der Hengst seufzte nur. „Ich bin nur auf der Durchreise.“
„Und wohin willst du?“ Storm legte die Ohren an und schnaubte. Wenn er dachte, er käme so leicht davon, irrte er sich. „Du betrittst das Gebiet der Cimarron- Herde.“
Bildete er sich das nur ein oder blitzte in den Augen des schwarzen Hengstes etwas auf? Bevor Storm sich sicher sein konnte, senkte sein Gegenüber den Kopf. „Du gehörst also zur Cimarron- Herde?“, fragte er leise.
Storm streckte den Hals. „Allerdings“, bestätigte er kalt. „Ich bin der zukünftige Anführer, Sohn von Spirit.“
Der Hengst hob den Kopf. „Sohn von Spirit?“, wiederholte er.
Storm zögerte. Die plötzliche Änderung der Stimmung verwirrte ihn. „Ja“, meinte er.
Der Schwarze blinzelte, plötzlich wirkte er freundlicher. „Das ist toll“, murmelte er. War da so etwas wie Trauer in seiner Stimme? Storm stieg einige Zentimeter. Diese Geheimnistuerei nervte ihn. „Was ist damit?“
Der Hengst drehte nur den Kopf, sah dann Storm wieder an. „Ich bin stolz“, erklärte er leise, seine Stimme klang plötzlich rau, als wäre er um viele Jahre gealtert. „Und traurig. Dass ich das alles nicht miterleben durfte.“
„Was miterleben?“ Diesmal stieg Storm wirklich. Wut blitzte in seinen Augen. „Wer bist du?“
Der alte Hengst ließ sich von ihm nicht beeindrucken. Er wartete, bis Storm wieder mit allen Beinen auf dem Boden stand, dann antwortete er. „Ich bin Spirits Vater“, erklärte er leise. „Mein Name ist Strider.“





Schön, dass ihr hier seid! Diese Geschichte sollte ursprünglich ein Comic im Rahmen einer Schulaufgabe werden, aber so weit ist es nie gekommen, also... hey :D
Die Frage, was genau mit Strider passiert ist, finde ich ziemlich interessant. Deshalb schreibe ich das hier und ja, wer meine Fanfiktions schon einmal gelesen hat, ich bin ein großer Fan davon, Charaktere oder auch Fanfiktions und Hauptgeschichten zu verkoppeln, sprich, Striders Vergangenheit wird sich mit einigen anderen Figuren überschneiden ^^
Und zu dem Anlass, ich weiß, dass Little Creek den Namen Spirit ausgesucht hat, aber mir ist nichts anderes eingefallen, wie ich Strider auf Spirit bringen könnte. Zumindest nichts so episches XD gut, ich hör schon auf. Ich wollte das nur schnell sagen.
~Silver Silence
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