Ten - Roman

von Ferres01
GeschichteDrama, Sci-Fi / P16
14.05.2017
27.02.2018
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Ich laufe verträumt die Treppen des Schulgebäudes hinauf. Die anderen Schüler drängeln und quetschen sich auf der Treppe zusammen. Jeder versucht so schnell er kann von A nach B zu kommen und vergisst dabei mal schnell die halbe Hausordnung. Ich werde herumgeschupst. Dann endlich bin ich auf der Etage angekommen auf der mein nächstes Schulfach liegt: Biologie. Ich mochte dieses Fach nicht. Um ehrlich zu sein mochte ich gar keines der Fächer. Ich entfliehe der Menschenmasse wie aus einer Stromschnelle. Gwen taucht neben mir auf, ihre Bilogiesachen wie ein Baby an den Körper gedrückt. Sie ist das genaue Gegenteil von mir. Sie ist fleißig, belesen, gebildet...alles was ich von mir nicht behaupten kann. Ich bin Gamer aus Leidenschaft. Oft erledige ich meine Hausaufgaben nicht, weil ich schlicht gesagt einfach zu faul bin und lieber zocke. Und obwohl wir so verschieden sind, sind wir beste Freunde. Vielleicht auch mehr, jedoch fehlt es mir an Mumm sie nach einem Date zu fragen. Warscheinlich würde sie mich nur lachend abblitzen lassen, dachte ich mir. Wir kannten uns schon aus Kindertagen. Wir gingen in den selben Kindergarten, wo wir uns dann kennenlernten. Erst wirklich befreundet hatten wir uns als die „Ihh-Mädchen"- Phase für mich herüber war. Ich durchtrat den Türrahmen zum Bilogiezimmer mit weichen Knien; ein Biologietest von letzter Woche strahlte mir entgegen. Ich hatte nicht dafür gelernt. Gwen in ihrer Art rannte sofort zum Lehrertisch um sich bei Ms. Terentyno nach ihrer Note zu erkundigen.
„Du bist mal wieder Klassenbeste Gwen. Herzlichen Glückwunsch.", antwortete sie mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Dann jedoch sah sie mich und ihr Lächeln verschwand.
„Und du Miller hast es mal wieder fertiggebracht die schlechteste Leistung abzuliefern. Durchgefallen.", sie sah zu Gwen. „Ich glaube die Freundschaft mit so einem Versager tut dir nicht gut. Halt dich lieber fern von ihm, sonst steckt er dich noch an."
Ich nahm diese Beleidigung schweigend hin und trottete zu meinem Sitzplatz. Gwen war meine Sitznachbarin und setzte sich links neben mich auf den Stuhl und flüsterte mir ins Ohr:
„Mach dir nichts draus, Ben. Terentyno ist immer so drauf. Ich bleib deine Freundin, glaub mir. Egal was passiert."
„Du kannst gut reden. Schließlich bist du nicht durchgefallen.", antwortete ich energisch zurück.
„Man Ben...du kannst aber auch nicht dein gesamtes Leben mit Videospielen verbringen."
„Toll jetzt hörst du dich an wie meine Mom."
Ich verdrehte die Augen und versuchte mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Meine Lehrerin gab die Tests aus. Sie lobte Gwen und schüttelte den Kopf, als sie meine Arbeit neben mir hinlegte. Schon in dem kurzen Augenblick konnte ich ein fettes F auf der Ergebniszeile sehen. Sogar Gwen ließ sich anmerken, wie schlecht sie meine Leistung fand. Manchmal war sie total besserwisserisch. Eines derweilen Kanten in ihrem Charakter, die ich manchmal hasste und manchmal liebte. 

Nach Schulaus ging ich ziemlich verträumt aus dem Gebäude. "Sicherlich muss ich zu hause wieder eine Standpauke ertragen"

Gwen wartete draußen auf mich.

„Ach Kopf hoch, Ben. Mit mehr Übung werden deine Noten schon besser."

Diese ziemlich leeren Worte schafften es nicht mich aufzumuntern. Wenn nicht einmal sie mich aufmuntern konnte, wer dann? Meine Situation war nicht schönzureden. Ich hatte mal wieder einen schlechten Tag gehabt. Gwens Vater fuhr in die von Linden gesäumte Straße der Schule ein. Sie sah noch ein letztes mal zu mir, lächelte und verabschiedete sich mit einem „Bis Morgen". Dann stieg sie in den Combi ein und machte die Tür zu. Der Wagen fuhr los und ließ mich stehen, mit all meinen Sorgen. Ich musste nach Hause laufen. Gwens Eltern mochten mich nicht, weshalb sie mich nur selten oder gar nicht mitnahmen. Ich trat den Weg an, mitten in den Dschungel der Stadt hinein.

Toronto war meine Heimatstadt mit einer schönen Lage zum Meer. Ich lebte in einem der niedlichen Eigenheime am Stadtrand. Desto näher man jedoch dem Stadtzentrum kam, desto größer und höher wurden die Häuser, bis man in einer Skyline ankam. Gwen lebte in einem der Hochhäuser, mit unzähligen Nachbarn zusammen. Sie redete oft davon, wie gern sie aus dem Tower raus und in der Vorstadt leben wöllte. Nur leider waren ihre Eltern reiche Geschäftsleute, die im Stadtzentrum arbeiteten. Von ihrer Wohnung aus konnte man jedoch über die gesamte Stadt blicken. Wenn ich aus dem Fenster meines Hauses sah, konnte ich nur auf die Wand des nächsten Hauses blicken. Keine Skyline, kein Meer mit Strand, kein Garnichts. Ich bog in die Vorstadt ein und suchte unter den fast gleich aussehenden Häusern mit den kleinen Gärten das meine heraus. Irgendwann fand ich mein schlichtes, weiß angestrichenes Einfamilienhaus. Ich wühlte in meiner Hosentasche nach dem Schlüssel. Als ich das Metall zwischen meinen Fingern spürte, fischte ich ihn mit Fingerspitzengefühl

heraus und ließ den Schlüssel im Schloss versinken. Zwei Drehungen später öffnete sich die Tür klickend. Langsam öffnete ich sie und schlüpfte hindurch, in die vertrauten vier Wände.

„Hallo? Ist jemand zu Hause?", rief ich.

Keine Antwort. Nur das Gurkeln des Geschirrspülers in der Küche. Meine Eltern waren noch nicht zu hause. Glück für mich. Ich hatte noch etwas Zeit, bevor die Bombe platzte. Ich ging in mein Zimmer und schmiss mich aufs Bett. Neben meinem Kopf lag ein Superman-Comic. Ich versank in dem Gedanken, wie es wohl sein würde, über so viel Macht zu verfügen. Ein Superheld zu sein musste toll sein. So müsste man sich nicht mehr mit Solchen Dingen wie Schule herumschlagen, sondern würde von allen angehimmelt werden. Man hätte doch das perfekte Leben. Oder? 
Ihm blieb jedoch nicht mehr viel Zeit darüber nachzudenken. Die Stimme seines Vaters drang durch die Tür.

„Ben? Bist du da drinnen? Ich komm jetzt rein, okay?"

Im nächsten Moment schwang die Tür auf und sein Vater in Schlips und Kragen standen in der Tür. Das Lächeln auf seinem Gesicht verriet, das er gut gelaunt zu sein schien.

„Wie war dein Tag?", fragte er und schien sich tatsächlich etwas Gutes als Antwort vorzustellen.

„Ich bin in Bio durchgefallen... mal wieder.", antwortete er matt.

„Junge!", sagte sein Vater.

„Du hast Videospielverbot für die nächsten drei Monate! Das Ding da"

Er deutete auf Bens Konsole.

„Bekommst du wieder, wenn deine Noten besser sind."

„Aber..."

„Kein Aber! Und jetzt geh mal ein bisschen raus in den Park, frische Luft schnappen. Ich glaube das tut dir gut."

Er stieß sich vom Bett ins Stehen auf und ging zur Tür hinaus, die Treppe hinunter und in den Vorgarten. Auf eine Gewisse Art und Weise hatte sein Vater doch recht. Er musste wirklich etwas ändern.

Er nahm sich sein Fahrrad aus der offenen Garage und radelte in die Stadt.
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