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Roter Schmetterling

von Hyouka
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Mystery / P16 / Het
Akashi Seijūro Mibuchi Reo OC (Own Character)
14.05.2017
07.10.2018
25
74.769
8
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22.11.2017 3.253
 
Manchmal gab es merkwürdige Zufälle im Leben. Kisaki und Marikas Mutter war an einem Nachmittag unterwegs in der Stadt und machte noch ein paar Erledigungen. Sie wirkte allerdings sehr betrübt und etwas traurig. In Gedanken versunken, lief sie nach Hause und schaute nicht mehr so richtig um sich. So passierte es, dass sie schließlich versehentlich ihre Beutel fallen ließ und in kurzer, innerlicher Panik ausbrach. Das hatte sie jetzt davon.
„Alles in Ordnung? Geht es Ihnen gut?“
Die 42-jährige schaute auf, als sie angesprochen wurde. Sie schüttelte mit dem Kopf und war ein wenig fasziniert von den Oberschülern, die ihr da gerade helfen wollten.
Begeistert davon erzählte sie schließlich auch ihren Töchtern, als sie nach Hause gekommen war.
„Oh, wie ist es denn genau passiert?“, fragte Kisaki und sie fing an zu erzählen.
„Ich war ein wenig in Gedanken versunken und habe nicht richtig aufgepasst. Ihr kennt mich ja, ich kann sehr unachtsam sein. Als ich meine Sachen fallen ließ, haben mir diese vier Oberschüler geholfen und sie waren sehr nett.“, fing sie an und Marika wurde allmählich hellhörig, obwohl sie es eigentlich nicht so richtig interessierte.
„Ach so? Wer war es denn, kannst du dich noch an ihre Namen erinnern?“, fragte Marika, woraufhin ihre Mutter überlegte.
„Nein, leider nicht. Mein Gedächtnis ist leider sehr schlecht, was Namen angeht. Der eine von den Beiden hat zumindest gefragt, ob bei mir alles in Ordnung sei. Natürlich war bei mir alles in Ordnung, ich war ja nur ein wenig unachtsam. So kam ich mit diesen Jungen kurz ins Gespräch, die wohl über irgendeinen Club geredet haben. Ich habe es nicht ganz verstanden, aber sie schienen sehr begeistert davon zu sein. An der Schuluniform habe ich direkt erkannt, dass sie von eurer Schule kommen. Deswegen habe ich diese Jungen gefragt, ob sie euch kennen. Zwei von den Jungs schienen euch zu kennen, die anderen beiden waren sich nicht wirklich sicher. Auf jeden Fall bedankte ich mich bei ihnen für die Hilfe und wollte mich irgendwie erkenntlich zeigen. Ich schlug deswegen vor, sie bei uns zum Abendessen einzuladen. Leider mussten sie größtenteils los und der eine meinte, er hätte auch noch etwas zu erledigen. Aber er hat sich sehr höflich entschuldigt und so kommt heute nur einer von Ihnen zu uns zum Abendessen. Ich hoffe, wir haben gemeinsam sehr viel Spaß zusammen.“, strahlte ihre Mutter und Marikas Augen wurden größer vor Neugier.
„Mama, wie sah er aus! Erzähl alles im Detail, ich muss es unbedingt wissen.“
Kisaki hatte schon ein wenig Angst vor dieser plötzlichen Neugier ihrer Schwester, doch ihre Mutter schien das nicht so schlimm zu sehen.

„So weit ich noch weiß, sah er ziemlich gut aus und war vergleichsweise zu mir sehr groß. Das ist aber auch nicht schwer, ich bin ja sehr klein und diese Jungen waren alle sehr groß. Allerdings hat er sich zu den anderen ziemlich abgehoben, so wohlerzogen erlebt man heutzutage noch wenige Kinder in eurem Alter.“, erklärte sie und Marika roch ihre Chance.
Allerdings war die Beschreibung ihrer Mutter so vage, dass sie auf jeden Jungen hätte zutreffen können. Da es aber genau vier Jungen gewesen waren und sie diese als recht groß beschrieben hatte, konnte es eigentlich nur der Basketballclub auf dem Weg nach Hause gewesen sein. Außerdem waren all diese Beschreibungen auch eher auf ihre eigene Meinung zutreffend, dies musste ja eigentlich nicht unbedingt auf den Geschmack von Kisaki und Marika zutreffen. Doch Marika glaubte an die Entscheidungen ihrer Mutter und war überzeugt – bei dem eingeladenen Jungen konnte es sich nur um Akashi handeln.
„Kisaki … komm mit, wir haben etwas zu bereden.“, fing sie auf einmal an und natürlich bemerkte die Jüngere der Beiden was los war. Marika zog sie am Arm ins Zimmer, krachte die Tür hinter sich zu und drückte ihre Schwester dahinter gegen die Tür.
„Du weißt was das bedeutet, oder? Unsere Mutter hat es geschafft Akashi persönlich zu uns nach Hause einzuladen und das ist unsere Chance. Bist du nicht schon total aufgeregt?“
Natürlich konnte Kisaki die Worte ihrer Schwester hören, aber eigentlich wollte sie es nicht.
„Warum sollte ich? Unsere Mutter zeigt diesem Jungen einfach nur etwas Dankbarkeit und hat ihn zu uns nach Hause eingeladen. Das heißt nicht, dass es unbedingt auch Akashi sein muss. Es kann sehr gut auch ein ganz anderes Team sein. Wäre es nicht verdammt peinlich für dich, wenn das eintrifft?“, fragte Kisaki nun und Marika lachte.
„Hast du nicht gehört, wie unsere Mutter ihn beschrieben hat? Gut aussehend, wohl erzogen – das kann nur Akashi sein. Heute Abend werden wir ja sehen, wer am ehesten mit seinem Charme überzeugen kann, findest du nicht?“
Kisaki zuckte schließlich mit den Schultern.
„Du tust dir mit diesen Dingen, mich unter Druck setzen zu wollen, eigentlich selbst keinen Gefallen. Wenn du so davon überzeugt bist, dass es Akashi ist – bitte, tu dir keinen Zwang an. Ich glaube es nicht, ehe ich es mit meinen eigenen Augen sehe.“
Doch die Freude auf den kommenden Gast konnte Kisaki ihrer Schwester nicht nehmen.
„Kisaki, du bist eine Spielverderberin. Wo bleibt der ganze Spaß, wenn du die ganze Zeit so schwarz malst? Unsere Mutter hat doch in der Regel guten Geschmack, schau dir unseren Vater an. Ich bin sicher, sie hat die richtige Entscheidung getroffen.“

Eigentlich wollte Kisaki an diesem Nachmittag lernen, doch ihre Schwester ließ sie mit der Sache nicht in Ruhe. Stattdessen nervte sie weiter, bis es endlich so weit war und sie sich für das Essen fertig machten. Sie halfen ihrer Mutter bei den Vorbereitungen für das Essen und dann setzten sie sich schließlich gemeinsam mit ihrem Vater an den Tisch, als ihre Mutter zur Tür ging an der es gerade geklingelt hatte.
„Ist dieser Junge eigentlich nett?“, fragte ihr Vater auf einmal und Kisaki seufzte.
„Ich denke schon, ja. Je nach dem, wer es ist.“, doch Marika fiel in das Wort ihrer Schwester.
„Akashi-san ist ein Junge aus gutem Hause, natürlich ist er nett. Ich habe Vertrauen in Mama, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat.“, antwortete sie, worauf ihr Vater sie schief anstarrte.
„Entscheidung? Wie meint ihr das?“
„Marika weiß es eigentlich gar nicht, Mama hat einfach nur ein paar Jungen auf dem Heimweg getroffen und sie geht davon aus, dass es Akashi ist. Mehr nicht.“, antwortete Kisaki und Marika tat so, als wäre sie ein liebes und freundliches Kind.
„Komm schon, Kisaki. Du bist so total negativ, also wirklich.“
Schließlich konnten sie von draußen Schritte zum Wohnzimmer hören und ein Lachen, dass von der Mutter der beiden kam.
„So, wir sind vollzählig. Es kann gleich losgehen.“, sprach sie triumphierend. Der Junge wirkte ziemlich gut gelaunt und Kisaki machte große Augen, da sie näher an der Tür saß als Marika.
„Guten Abend. Ich habe mich sehr gefreut, als eure Mutter mich eingeladen hat.“
Diese feminine Stimme und diese eleganten Bewegungen. Das konnte nicht ihr ernst sein. Dem älteren Zwilling fiel wortwörtlich alles aus dem Gesicht und ihr Blick zeigte nur den Hass, den sie fühlte.
„Da hat sich unsere Mutter aber ein eigenwilliges Kerlchen nach Hause eingeladen. Oder sollte ich eher sagen eine ...“, doch Kisaki rammte ihrer Schwester den Ellenbogen in die Seite, die direkt verstummte.
Natürlich war es Mibuchi und es wurmte Marika, dass er derjenige war. Dementsprechend war der Junge, der sich bei ihrer Mutter entschuldigte Akashi und nicht er. In Marikas Vorstellung hatte das ganz gut funktioniert, die Realität sah aber etwas anders aus. Angefressen saß sie da, nahm sich ihr Essen und sagte kein einziges Wort. Ihr Vater saß nur daneben und verstand die Situation nicht so richtig und war auch ein wenig verwirrt über Mibuchi. Kisaki schien sich aber sichtlich zu freuen und wirkte froh über diese Situation – also das ganze Gegenteil ihrer Schwester.
„Ich hoffe, meine Mutter hat euch nicht zu viele Umstände gemacht, Reo-nee.“, meinte Kisaki schließlich und meinte dabei auch Akashi und die anderen. Nun wirkte ihr Vater noch ein wenig verwirrter, wegen dem Reo-nee. Doch ihre Mutter schien damit so gar kein Problem zu haben.
„Ach, was. Sei-chan wäre wirklich sehr gern gekommen, aber er muss heute noch etwas für seine Familie erledigen.“, erklärte er und die Mutter der Zwillinge wirkte neugierig.
„Sei-chan? Meinst du den Jungen mit dem roten Haar?“, fragte sie und er bestätigte.
„Als einziges Kind einer so reichen Familie hat man es eben nicht sehr einfach. Aber er hat sich über die letzten Monate sehr verändert. Ich denke, er lässt sich endlich nicht mehr alles gefallen und wird irgendwie schon seinen eigenen Weg gehen.“, sprach Mibuchi und seine Worte wirkten dabei ein wenig traurig.
„Kennt ihr diesen Jungen auch?“, fragte ihre Mutter schließlich und Kisaki nickte, Marika ignorierte es einfach und hörte nicht zu.
„Akashi-san geht mit uns in eine Klasse. Er ist schon im ersten Jahr Schülersprecher gewesen, ziemlich talentiert in allem und Kapitän unseres Jungen-Basketballteam. Irgendwie wirkt er immer etwas unnahbar, selbst jetzt noch wo er sich über die letzten Monate verändert hat. Allerdings haben wir nicht so viel miteinander zu tun.“, sprach Kisaki und nun wurde die Ältere noch neugieriger.
„Aber wenn du nicht so viel mit ihm zu tun hast, wieso kennst du dann Mibuchi-kun so gut?“

Kisaki schluckte und überlegte gut was sie sagen wollte. Jedes einzelne Wort konnte von ihrer Schwester direkt gegen sie verwendet werden, deshalb musste sie möglichst vorsichtig sein.
„Ich glaube, das kam eher zufällig zustande. Den einen Tag habe ich nach Marika gesucht und dann bin ich ihm gemeinsam mit Akashi über den Weg gelaufen. Allerdings bin ich mit Mibuchi schneller und eher klar gekommen, als mit ihm. Er hat mir sehr oft geholfen und gerade bei der Sache mit dem Basketballclub war er eine sehr große Hilfe für mich.“
Ein Lächeln war auf ihrem Gesicht zu erkennen, aber es war irgendwie anders als sonst. Das bemerkte auch Mibuchi und wusste erstmal nicht, wie er das zu ordnen sollte. Die Mutter der Zwillinge wirkte derweil wie ein kleines Kind und legte ihr Gesicht auf ihren Händen ab.
„Das klingt wirklich süß. Du hast ja sonst nicht viel mit Jungs zu tun gehabt, deshalb überrascht es mich doch ein wenig. Rakuzan scheint auf jeden Fall verdammt viele hübsche Jungs an der Schule zu haben, da wäre ich doch gern selbst noch einmal jung.“, lachte sie und Mibuchi grinste auch ein wenig.
„Vielen Dank, ich werd es denn anderen auch ausrichten.“
Marika war derweil fast so, als müsste sie jeden Moment kotzen. Alles was Mibuchi so sagte, war für sie einfach nur Brechreiz. Sie wäre am liebsten in ihrem Zimmer verschwunden und hätte sich raus gehalten. Jetzt aber damit zu kommen, es ginge ihr nicht gut, wäre wahrscheinlich sehr aufgefallen. Aus diesem Grund blieb sie einfach sitzen und warf Mibuchi nur einen hasserfüllten Blick zu, wenn sich ihre Blicke trafen.
„Du bist aber nicht im selben Jahr wie Marika und Kisaki, oder?“, fragte der Vater der beiden auf einmal und Mibuchi fiel selbst schon auf, dass diese Sache noch nicht genannt wurde.
„Stimmt, ich bin ein Jahr älter und schon im dritten Jahr. Die Vorbereitungen für die Prüfungen sind hart, aber es ist irgendwie machbar. Es ist nur hart, wenn Sei-chan manchmal mehr weiß als ich und er ist eigentlich noch ein Jahr unter mir. Er sollte sich eigentlich Zeit lassen und sein zweites Jahr noch ein wenig genießen. Manchmal kommt es mir so vor, als wenn er seine halbe Zukunft schon durchgeplant hat und das alles schon hinter sich hat. Ich habe noch selbst wenig Ahnung, was ich genau machen will, bis zum Abschluss. Aber ich werde Kyoto wahrscheinlich nicht verlassen. Nur, wenn ein triftiger Grund dafür besteht.“
Einerseits erleichterte es Kisaki, dass er so sprach. Andererseits sprach er nach wie vor viel über Akashi. Es war schon ziemlich bescheuert, wenn sie darüber nachdachte. Ihre Schwester machte ihr alles was Akashi anging immer mehr madig und Mibuchi redete so nett über ihn, weil er ihn wahrscheinlich selbst mochte. Es war schon eine verdammt komische Situation, doch ihr würde am Ende nicht viel übrig bleiben. Auch Mibuchi musste sie wahrscheinlich bald aufgeben und das war ein wenig ernüchternd.
„Ich kann dir aber eine Sache verraten, Saki-chan.“, wandte Mibuchi auf einmal ein und Kisaki schaute auf.
„Hm, was meinst du genau?“, fragte sie und irgendwie merkte Kisaki schon, dass Mibuchi ein wenig verstanden hatte wie sie tickte.
„Akashi hat noch nie auch nur ein negatives Wort verloren. Allerdings hat er allgemein auch nicht viel über dich gesprochen, weil er dich noch nicht so gut kennt. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben, wirklich. Er mag im ersten Moment ziemlich eigenartig wirken, aber daran gewöhnt man sich mit der Zeit.“
Diese Worte nahmen Kisaki ein wenig die Angst, doch wahrscheinlich würde wieder irgendwas von Marika folgen. Das Essen lief daher recht unspektakulär ab, manchmal wurde ein Witz erzählt, aber das ganze hielt sich auch nicht für ewig. Als sie fertig waren, fragte Kisaki schließlich nur:
„Magst du noch ein wenig bleiben, Reo-nee?“
In diesem Moment konnte er nur leicht sehen, wie Marika neben ihr etwas mit den Fingern machte. Sie hielt diese an ihren Hals, schaute böse und führte diesen gerade weiter. Ob es so klug war zu bleiben, wenn ihre Schwester ihr schon indirekt drohte? Aber Kisaki bat ihn nun mal darum und er konnte sich eigentlich selbst zur Wehr setzen, wenn es wirklich nötig war.
„Na gut, ich bleibe noch ein wenig. Es darf aber nicht zu spät werden, ich muss selbst noch ein paar Dinge erledigen.“, meinte er und Kisaki nickte.
„Natürlich, keine Sorge. Ich werde dich hier sicher nicht anbinden, so dass du nicht mehr weg kommst. Ich bin kurz nochmal auf Toilette, geh du schon mal vor ins Zimmer.“

Mibuchi musste sich ihr Zimmer nicht zeigen lassen. Immerhin stand ja auch ein Namensschild daran. Er wusste ja auch, dass es seine Risiken brachte überhaupt in dieses Zimmer zu gehen. Doch Kisaki hatte ihn schon darum gebeten und jetzt konnte er nicht mehr zögern. Wie enttäuscht wäre sie später gewesen, wenn er einfach gegangen wäre? Marika war wahrscheinlich schon auf ihr Zimmer gegangen, zumindest hatte er die Tür vor ein paar Sekunden gehört. Vorsichtig drehte er sich um, drückte die Klinke nach unten und betrat dann das Zimmer der Zwillinge. Eigentlich hatte er erwartet, in einem Zimmer der beiden zu stehen. Doch er schien schnell zu verstehen, dass eines der Zimmer mehr als Wohnzimmer der beiden und das andere als Schlafzimmer gedacht war. Zumindest ergab es Sinn, er ging nicht extra im anderen Zimmer nach schauen. Wahrscheinlich war dort noch Marika und wartete nur darauf, aus der Tür zu springen und ihm mit irgendwas zu bedrohen. Doch noch war alles friedlich, als er sich auf die Couch setzte und sich ein wenig umsah. Kisaki war derweil noch im Badezimmer und hörte dabei mehr aus Versehen ein Gespräch ihrer Eltern mit.
„Marika schien ja nicht unbedingt begeistert über diesen Jungen zu sein.“, meinte der Vater der Zwillinge, doch die Mutter schien das wenig zu stören.
„Aber dafür haben wir endlich jemanden aus Kisakis Freundeskreis kennengelernt. Sie hat zwar ein paar Freunde, aber keiner von diesen schien ihr bisher so nahe zu stehen wie er. Hast du nicht gemerkt, wie aufmerksam sie war als er gerade am erzählen war? Das war doch verdammt süß, oder nicht?“, fragte sie und ihr Mann schien diese Begeisterung nicht zu verstehen.
„Sie sind Freunde, das ist in Ordnung. Zu mehr wird es da wahrscheinlich nicht kommen, wenn ich mir diesen Jungen so ansehe. Nichts gegen ihn, aber das geht einfach nicht. Ich muss dir sicher nicht sagen, warum.“
Dann verstand Kisaki ihre Worte nicht mehr, da sie den Wasserhahn vor sich aufgedreht hatte und sich die Hände wusch. Es war hoffnungslos und sie wusste es auch. Ihre eigenen Gefühle waren zum Scheitern verurteilt, aber sie konnte nichts richtiges dagegen tun. Während sie deswegen in Gedanken versunken war, merkte sie irgendwann wie sie eigentlich zu lang da gestanden hatte und eigentlich Zeit vergangen war. Kisaki trocknete sich schließlich die Hände ab, ging zurück ins Zimmer und sah Mibuchi, der gerade noch gesessen hatte und nun aus irgendwelchen Gründen da stand. Sein Blick wirkte irgendwie gequält, doch er gab sich Mühe gute Laune zu spielen.
„Ihr habt es echt schön hier, muss ich schon sagen. Hattet ihr diese Zimmereinteilung schon immer so?“, fragte er und Kisaki sah nur, wie er seine Hand hinter dem Rücken versteckte.
„Na ja, ein wenig. Früher als Marika noch gesungen hat, haben wir in diesem Zimmer immer geübt. Aber das Klavier steht mittlerweile in unserem Gästezimmer. Keine Ahnung, ob ich noch irgendwas darauf zu Stande bekommen würde.“, meinte Kisaki und er setzte sich wieder, während die sechszehnjährige nach etwas zu trinken in ihrem Schrank suchte.
„Mach dir wegen mir keine Umstände, Saki-chan. Ich bin versorgt, das Essen war wirklich toll.“, fing er an, doch irgendwas stimmte nicht mit ihm.
Wie er ein anderes Thema suchte und ihren Blicken auswich war einfach nicht er. So benahm er sich sonst nie.
„Stimmt irgendwas nicht, Reo-nee? Ist irgendwas passiert, während ich nicht da war?“, fragte Kisaki, doch er schüttelte mit dem Kopf.
„Nein, nein. Marika ist vorhin direkt in ihrem Zimmer verschwunden und ich habe hier gewartet. Es ist alles gut, mach dir keine Sorgen.“, sagte er, doch Kisaki konnte es ihm ansehen.
„Du bist kein wirklich guter Lügner, Reo-nee. Während ich weg war ist etwas passiert, oder? Du weichst meinen Blicken aus und versteckst deine Hand hinter deinem Rücken. Du bist normalerweise nicht der Typ für so etwas. Ich kenne dich noch nicht lange, aber das weiß ich über dich.“, bohrte Kisaki schließlich nach und er konnte eigentlich so gut wie aufgeben.
„Ich wollte dich nicht anlügen, tut mir leid. Es ist keine große Sache gewesen, wirklich nicht. Sie hat nur bemerkt, dass ich hier bin und ist direkt aus dem Zimmer nebenan gekommen. Was sie genau geredet hat, weiß ich nicht mehr genau. Ich habe nicht viel von allem verstanden, aber sie war irgendwie komisch. Ich glaube, sie hat mir mal wieder drohen wollen und dann ...“

Mit traurigen Blick sah Kisaki Mibuchi nur an und wusste schon irgendwie, was er sagen wollte.
„Sie hat dir weh getan, oder? Tut mir leid, dass sie so komisch ist. Ich weiß auch nicht, was in sie gefahren ist. Kannst du mir die Wunde zeigen?“
Eigentlich wollte er nicht, dass konnte sie ihm schon ansehen. Es war auch keine tiefe Wunde, aber bei diesen femininen Händen fiel auch schon der kleinste Schnitt auf. Ein bisschen Blut war auch mittlerweile seine Finger hinab geflossen, aber nicht davon hatte den Teppich unter ihm berührt.
„Ich such schnell, ob ich noch ein paar Pflaster oder Verband habe. Ich kümmer mich schnell darum.“, sprach Kisaki halb in Panik, doch Mibuchi winkte ab.
„Das musst du eigentlich nicht, Saki-chan. Ich wusste mich zu wehren, keine Sorge. Es ist kein tiefer Schnitt, es tut auch kaum mehr weh.“
„A-Aber ...“
Schließlich musste sich Mibuchi ergeben. Wegen dieser Sache fühlte sich Kisaki unglaublich schuldig, selbst als sie den Rest seines Besuches noch lachend und Spaß habend verbracht hatten. Marika sah es als Triumph und einen weiteren Schritt, Kisaki wieder von Mibuchi zu entfernen. Die Schuldgefühle die sie jetzt hatte, machten es noch viel schlimmer. Allmählich konnte sie es nicht mehr aushalten. Das Herzrasen, die Schuld, die vielen Gefühle … alles fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt, die nicht aufhören wollte. Kisaki kam einfach nicht zur Ruhe, egal was sie tat. Es gab nur eine Lösung zu diesem Problem, aber ob sie dafür auch den Mut hatte?
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