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Roter Schmetterling

von Hyouka
GeschichteDrama, Mystery / P16 / Het
Akashi Seijūro Mibuchi Reo OC (Own Character)
14.05.2017
07.10.2018
25
74.769
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18.07.2017 3.028
 
Kisaki konnte nicht richtig zur Ruhe kommen. Das merkte sie schon allein daran, wie sie über die Nacht geschlafen hatte. Ihre Träume, egal wie oft sie aufwachte, handelten nur von ihm. Es waren nicht mal versaute Träume oder dergleichen, allein seine Gegenwart machte ihr ja schon Angst. Die Sache mit Marika machte das umso schlimmer. Zuvor hatte Kisaki nie wirklich solche Träume gehabt, wenn dann wirklich selten. So war der nächste Morgen anfangs recht hart, aber sie ignorierte Marika größtenteils, die nur wieder auf den vergangenen Tag einging.
„Du bist ja doch zu ihnen gegangen. Aber gut, dass du ihn endlich getroffen hast. Immerhin ist er unser Rivale und du solltest dir bewusst sein, wer noch hinter Akashi her ist.“
Wenn sie genau meinte, wusste Kisaki nicht. Wahrscheinlich meinte sie Mibuchi, aber das ging sie ja nichts an. Jedem anderem wäre wahrscheinlich der Gedanke: „Was, der ist schwul?“, gekommen, aber das war Kisaki eigentlich relativ egal. Viel schlimmer war das, was Marika an diesem Morgen abzog und ihre Schwester hätte sie vielleicht noch aufhalten können, wenn sie richtig aufgepasst hätte. Doch schließlich war es eben passiert und zu spät, als sie in der Schule waren. Marika hatte sich nicht ernsthaft die Jungenuniform der Rakuzan von irgendwoher besorgt und lief nun den ganzen Tag in dieser herum. Mit ihren kurzen Haaren glaubten die Mädchen wirklich noch, sie wäre ein Junge. Die Lehrer kauften ihr das sogar ab, sie wurde von keinem Lehrer angehalten oder dafür ermahnt. Normalerweise durfte man wegen solchen Dingen schnell zum Lehrer rennen, weil die Rakuzan nun mal streng war. Nur bei Marika waren die Lehrer eigenartig ruhig und das verwirrte Kisaki umso mehr. Die anderen Mädchen standen auf jeden Fall Schlange bei ihr, hielten diese wirklich für einen Jungen und so war die gesamte Aufmerksamkeit der Klasse an diesem Morgen auf Marika gerichtet. Die jüngere der Beiden war nur froh, wenn der Tag rum war und das Affentheater vorbei war. Länger als zwei Tage würde sie das eh nicht durch halten und die Lehrer würden sich das auch nicht sehr lange anschauen. In der Mittagspause verzog sich Kisaki schließlich in die Schulbibliothek, um Marikas Wahnsinn zumindest ein wenig zu entkommen. Die Wochen zuvor war diese geschlossen gewesen, weil die dafür verantwortliche krank gewesen war. Die sechszehnjährige kam gern vorbei, wenn sie etwas Ruhe brauchte. Hier konnte sie in aller Ruhe lesen, sich erholen und Marika tauchte hier eigentlich auch nicht auf. Nur einmal war sie an diesen Ort gekommen und das nur, um sie für Daheim abzuholen. Bücher waren für sie nur Papier und mehr nicht. Sie besaß auch ein paar Manga, aber oft las sie diese nicht. Wenn, dann wirklich nur wenn ihr so richtig langweilig war und meist waren es nur irgendwelche Shounen Reihen, die sie irgendwo Second Hand besorgt hatte. Kisaki war in dieser Sache das genaue Gegenteil. Eigentlich hatte sie während ihrer Mittelschulzeit jedes Buch gelesen, dass sie interessant fand und auch einige davon daheim stehen. Meist kaufte sie sogar nur die, welche sie bereits in der Bibliothek gelesen und gemocht hatte. Deshalb hatte man die beiden während der Mittelschulzeit auch so oft in einem Buchladen angefunden, oder eben in einer Bibliothek. Eigentlich war Kisaki auch nicht sonderlich intelligent, aber durch all die Bücher hatte sie sich einiges an Allgemeinwissen angeeignet und in Literatur konnte sie eigentlich keiner schlagen.

So verabschiedete sie sich vor der Pause und ging dann gerade aus in die Bibliothek, schaltete schon einmal den Kopf ab und betrat die Schulbücherei mit ihren vielen Büchern. Es gab zwar sicher noch mehr Bibliotheken in Kyoto, aber im Grunde reichte diese Schulbücherei schon für sie aus und wenn sie sich wirklich etwas Neues suchen wollte, kaufte sie Bücher auch von sich aus. Die Bücher an dieser Schule waren aber doch etwas anders als das, was sie bisher zu lesen bekommen hatte. Die meisten davon waren oft wissenschaftliche Bücher oder Materialien für die Schule, was zwar nützlich war, aber nicht sonderlich entspannend. Wie sollte man bei komplizierten Formeln auch wirklich das Hirn abschalten, dafür brauchte sie dann doch einen ordentlichen und schön geschriebenen Roman. Die Auswahl war nicht so riesig, aber solang ihr Marika nicht mehr auf die Nerven ging, war Kisaki das mehr als recht. Sie schnappte sich eigentlich nur irgendein Buch, setzte an den Tisch und fing in aller Ruhe an zu lesen, während sie die Uhr an der Wand völlig ignorierte. Sie hatte Zeit, war ihr Gedanke. Das Handy hatte sie stumm geschalten und so weg gepackt, dass sie eine Weile brauchen würde um es zu finden. Ein paar hübsche Beschreibungen, ein paar nette Charaktere. Viel mehr brauchte es meist gar nicht, um Kisaki zu unterhalten. Natürlich las sie nicht alles, aber in der Regel war die sechszehnjährige sehr offen für alles, so lang es keine zu kitschige Romanze oder ein Sci-Fi Roman war. Irgendwo in der Bibliothek gab es auch Light Novels, die noch einfacher geschrieben waren. Allerdings hatte Kisaki diese nur in der Übersicht aller Bücher gesehen und nie wirklich gesucht. Eigentlich war sie nicht sonderlich der Fan von solchen Büchern, aber man musste ja immer mal etwas anderes ausprobieren. Wenn die geringe Auswahl irgendwann ausging, blieb ihr nicht mehr viel und das waren dann meist Light Novels. Für ihre Schule war es schon ein weiter Fortschritt, solche überhaupt anzubieten. Solche Dinge ließ man allgemein nicht auf seinem Tisch liegen, weil dies für genug Spott unter den Schülern sorgen konnte. Richtige Anime-Otaku hatten sie in ihrer Klasse auch nicht, zumindest hatte Kisaki noch nie davon gehört. In diesem Moment zog sie ein altes Lesezeichen aus dem Buch und musste ein wenig grinsen, als sie dieses genauer betrachtete. Eine alte Postkarte, wahrscheinlich von einem Schüler ihrer Schule. Die Schrift war recht unleserlich geschrieben, aber die Person hatte wohl eine Postkarte von deren Verwandten erhalten. Die Bilder zeigten einige Bilder aus irgendeinem kleinen Dörfchen, das Kisaki aber nichts sagte. Wenn es ihr wieder einfallen würde, hätte sie sicher auch danach gesucht. Ziemlich versunken wirkte sie auf jeden Fall, während sie da vor sich hin las. Das Lesezeichen hatte sie wieder reingeschoben, doch dann schreckte sie auf. Jemand hatte nach ihr gerufen oder einfach nur ihren Namen gesagt.
„Nosaki-chan, was machst du denn hier?“, konnte Kisaki eine bekannte Stimme sagen hören und ihr Blick wanderte nach oben. Diese femininen Züge sah man nicht überall und schon gar nicht an einem Jungen. Er war ein Junge verdammt und kein Mädchen, musste sich Kisaki immer wieder sagen. Mibuchi schien selbst gerade etwas für die Schule rausgesucht zu haben und hatte ein paar Bücher in der Hand, die er schließlich auf den Tisch legte.

„Ich bin eigentlich ziemlich oft hier um einfach so zu lesen. Ich weiß auch nicht, das habe ich schon an der Mittelschule gemacht. Bücher gehören zu den Dingen, die mir viel Spaß machen.“, erklärte sie, während sie eines ihrer eigenen Lesezeichen auf die aktuelle Seite legte und das Buch schließlich zuklappte.
„Gut, ich bin ja auch nicht oft hier. Aber das klingt interessant, was ist denn dein Lieblingsbuch?“
Die Erstklässlerin überlegte eine Weile was sie ihrem Mitschüler antworten sollte. Schließlich entschied sie sich spontan für ein Buch, dass sie vor ein paar Monaten gelesen hatte.
„Die Blumen des Bösen von Charles Baudelaire, aber das ist nicht so einfach zu verstehen. Man merkt, in welcher Zeit es geschrieben wurde und man muss sich wirklich dafür interessieren.“
Auf einmal verzog Mibuchi ganz komisch das Gesicht und Kisaki verstand nicht ganz, warum er das tat. Es schien bei ihm eine ungewünschte Erinnerung hervorgerufen zu haben.
„Das erinnert mich an diesen merkwürdigen Manga, den ein paar meiner Mitschüler in der Mittelschule gelesen haben. Außerdem gab es dazu diesen furchtbaren Anime, all diese vulgäre Sprache … das ist so anmaßend und ekelhaft.“
So richtig mit der Situation wusste Kisaki nicht umzugehen, also versuchte sie das ganze herunter zuspielen.

„Na ja, der Protagonist aus diesem Manga liest die Blumen des Bösen auch, aber sonst wird das Buch eher erwähnt und nicht zitiert. Ich glaube, meine Schwester hat ihn auch gelesen und fand ihn auf seltsame Art und Weise gut. Ich verstehe nicht ganz warum, aber ich wollte ihn auch nicht wirklich lesen. Es gibt nur wenige Manga, die mich wirklich ansprechen und vielleicht noch ein paar Light Novels. Aber Marika hat eh einen komischen Geschmack.“
Nein, noch mehr wollte Mibuchi dann doch nicht darauf eingehen. Dann wechselte er das Thema eher zu Kisakis Zwillingsschwester, auch wenn diese anscheinend etwas komisch war.
„Du und deine Schwester seht zwar sehr ähnlich aus, aber ihr seid wohl doch extrem unterschiedlich. Kommt ihr gut miteinander klar?“
Eigentlich wollte Kisaki ja sagen, aber so richtig zustimmen konnte sie auch nicht.
„Irgendwie schon, wir sind immerhin Zwillinge. Als Kinder haben wir oft so getan, als wären wir die jeweils andere und hatten dabei wirklich oft selbst vergessen, wer nun wer ist. Man hätte mir erzählen können, ich wäre Marika, obwohl ich es nicht bin. An unseren Persönlichkeiten kann man uns aber ziemlich gut auseinander halten, ja. In letzter Zeit ist sie nur ein wenig komisch geworden, aber ich weiß leider nicht wirklich, warum.“
Sie schaute ziemlich ernst drein, aber so ein Gesicht wollte Mibuchi nicht an ihr sehen. Deshalb versuchte er sie ein wenig aufzumuntern und lachte.
„Ich weiß nicht genau was vorgefallen ist, aber sie meint es sicher nicht böse. Immerhin ist sie deine Schwester und würde dir sicher nichts Schlechtes wollen. Richtig beurteilen kann ich es nicht, aber ich kann es mir ziemlich gut vorstellen. So etwas wie Geschwister habe ich nicht, vielleicht sehe ich deswegen viele meiner Freunde wie meine Geschwister. Aber einen Zwillingsbruder zu haben, der genauso aussieht wie ich … das ist eine ziemlich lustige Vorstellung.“
Eigentlich wollte Kisaki ihn gerade mit seinem Namen ansprechen, aber diesen hatte sie irgendwie vergessen. Bisher hatte sie ihn sich als den Jungen gemerkt, der so groß und weiblich war. Aber das war nicht sein Name und das wollte sie auch nicht laut aussprechen.
„Ähm, … es ist vielleicht ein wenig peinlich zu fragen, aber wie heißt du? Marika hat einen Namen von Akashi-sans Mitspielern erwähnt, aber ich wusste nicht genau … wen sie meint. Es ist irgendwie doof, aber verrätst du ihn mir?“
Auf jeden Fall war ihr klar, das Mibuchi aus einem Jahr über ihr war. Aber seinen Namen, den hatte sie sich leider nicht merken können.

„Ach was, das ist doch nicht so schlimm. Mein Name ist Mibuchi Reo, aber du darfst mich auch gern Reo-nee nennen.“
In diesem Moment spürte Kisaki auf einmal etwas ganz eigenartiges in ihr. Es war komisch, so völlig fremd. Für den ersten Moment dachte sie, es wäre dasselbe wie mit Akashi, aber nein. Dieses Gefühl war ein ganz anderes Vertrauen, das Kisaki eigentlich aus ihrer Familie kennen sollte. Ein Gefühl, der großen Schwester etwas anvertrauen zu können und mit ihr reden zu können. Eigentlich wollte sie ihn einfach nur Mibuchi-senpai nennen, aber das ging wohl irgendwie etwas schneller. Allerdings nannten ihn viele so, weil er das wohl mochte und Gang und Gebe war. In Kisaki hatte es immer so eine Idealvorstellung einer Schwester gegeben, die sie gern gehabt hätte. Ursprünglich entsprach Marika diesem Bild voll und ganz, aber seit ihrer krassen Veränderung passte sie nicht mehr in dieses Ideal hinein. Kisaki und Mibuchi verstanden sich auf eine merkwürdige Art und Weise sehr schnell recht gut und sie vergaßen beim Reden schon fast ein wenig die Zeit.
„Oh, ich muss langsam zurück. Viel habe ich nicht geschafft, aber dafür haben wir ziemlich gut reden können, findest du nicht? Lass uns das irgendwann wiederholen, Saki-chan.“, sprach er, während er sich auf den Weg machte und Kisaki ihm kurz hinterher schaute.
So einen eleganten Gang hatte sie noch nie gesehen, Mibuchi war in ihren Augen einfach unglaublich. Der Rest des Tages fiel dann in eine übliche Routine zurück und bis auf die letzten Stunden und die Clubaktivitäten blieb nicht mehr viel vom Tag übrig. Das einzige was auffiel war eigentlich nur, das ihre Schwester später zum Training kam. Einen Grund für Marikas Verspätung gab es eigentlich nicht, aber Kisaki hatte sich an diesem Tag auch nicht sonderlich um ihre ältere Schwester geschert. Sie hatte nur gemerkt, dass es vor der Sportstunde ein Aufsehen vor den Kabinen gab, aber mehr wusste sie nicht. Ihre Kameraden aus dem Club waren merkwürdig ruhig, als Marika kam. Und das, obwohl sie vor ein paar Stunden noch so gefeiert hatten, dass diese sich als Junge verkleidet hatte. Erst nach der Schule sprach Kisaki ihre Schwester darauf an und ihre Antwort wirkte belustigt, als wäre das für sie keine große Sache gewesen.

„Was ist genau los gewesen? Warum bist du zu spät zum Club gekommen? Die Trainerin war total sauer auf dich und die anderen irgendwie auch. Hast du irgendwas Schlimmes verbrochen?“, fragte Kisaki und Marika lachte hämisch.
„Ach, das war doch keine große Sache. Die anderen waren nur sauer, weil sie neidisch auf mich waren. Das ist im Grunde schon alles. Sie würden so gern den Mut haben, so weit wie ich zu gehen und schaffen es einfach nicht. Ich gebe ihnen auch nicht mal die Schuld dafür, aber trotzdem. Du weißt doch sicher, wie ich heute Morgen verkleidet ankam, richtig?“  
Kisaki nickte, bemerkte erst jetzt – Marika hatte ihre normale Uniform an.
„Ja, und? Was hat das mit dem Ärger und den Neid anderer zu tun?“; fragte Kisaki und ein kichern war von ihrer Schwester zu hören. Ihr ganzes Verhalten war komisch und ihr Blick machte ihr ein wenig Angst.
„Du bist so unschuldig und naiv, aber normalerweise geht man auch nicht so weit. Auch dir kann ich diese Frage nicht verübeln. Ich bin einen Schritt weitergegangen und bin ihm nicht nur insgeheim gefolgt. Mit dieser Uniform bin ich in die Sportumkleide gegangen um ihn mit meinen eigenen Augen zu sehen. Ich wollte ihn so sehen, wie er geschaffen wurde, verstehst du? Leider hat Akashi-kun das Ganze in den falschen Hals bekommen und völlig falsch verstanden. Aber wie soll er auch mit so viel Liebe umgehen können, immerhin hat er daheim kaum welche erfahren, seit dem Tod seiner Mutter. Es ist so tragisch und traurig, aber es war mir jede Minute wert.“, schwärmte Marika psychopatisch und Kisaki wurde ein klein wenig schlecht.
„Meinst du das … wirklich ernst?“, fragte Kisaki und Marika nickte, während sie weiter erklärte.
„Er war rasend wütend auf mich. So viel Wut macht ihn nur noch aufregender und interessanter, weil er sich nicht so kalt wie sonst verhält. Seine Worte waren nur, verschwinde und dann ging alles recht schnell. Ich wurde während der Stunde rausgeschickt und sollte danach zum Lehrer ins Klassenzimmer, wo ich ausgeschimpft wurde und die Uniform der Jungs haben sie mir auch weggenommen. Man sagte zu mir nur, ich könne froh sein, dass sie mir keinen Verweis oder eine Suspendierung geben. Es sei das letzte Mal, beim nächsten Mal wäre ich richtig fällig. Aber es war so aufregend und wunderschön, ich konnte einfach nicht wiederstehen. Ich habe nicht viel gesehen, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wenn ich könnte, würde ich das von nun an jedes Mal tun. Ich will noch mehr davon, aber rausfliegen will ich auch nicht. Es muss irgendein Schlupfloch geben, dass ich nutzen kann.“
Umso länger sie daher redete, umso schlimmer wurde es letztlich. Natürlich war es völlig verständlich, das Akashi so reagiert hatte. Aber es machte auch für Kisaki nichts besser. Sie war die Schwester derjenigen, die sich nicht benehmen konnte. So stand sie durch ihre Schwester im schlechten Licht und konnte Akashi bald nicht mehr über den Weg laufen, wenn sie so weitermachte. Sie waren immer noch Zwillinge und gerade deswegen waren seine Erinnerungen mit den beiden sicher nicht gut, wenn Marika so etwas tat. Natürlich wusste Kisaki nicht, was Akashi von ihr dachte. Aber eigentlich brachte es ihr auch nichts, größer darüber nachzudenken.

Zumindest war das Gespräch mit Mibuchi recht nett und war ein kleiner Lichtblick auf die nächsten Tage, nachdem diese Sache passiert war. Aber die Entfernung zwischen ihr und Akashi würde sich nicht einfach aufheben und Marika tat alles, um noch näher an ihn heran zukommen. Natürlich würde sie damit nicht weit kommen, das war gewiss. Kein Junge stand wirklich darauf, wenn sich ein Mädchen derartig benahm. Höchstens vielleicht, wenn diese Person direkt darauf stand, aber das hatte schon ein hohes Level von Verrücktheit. Kisaki erkannte ihre Schwester mittlerweile kaum wieder und fragte sich, wo ihre lebensfrohe und glückliche Schwester hin war. Zwar waren diese Eigenschaften noch immer da, aber in einer sehr komischen und verdrehten Art und Weise. Klare Worte schienen ihr aber auch nicht wirklich zu helfen. Was die Lehrer zu ihr gesagt hatten, schien an ihr vorbei gegangen zu sein. Natürlich wussten ihre Eltern Bescheid, immerhin mussten diese bei einem solchen Verhalten informiert werden. Doch wirklichen Ärger von ihren Eltern aus hatte Kisaki nicht gehört. Sie hatten Marika kurz vor dem Schlafen gehen zur Seite genommen und mit ihr geredet. Aber was und wie, konnte Kisaki nicht einschätzen. Es fühlte sich ziemlich unfair an, dass sie sich aufführen durfte wie die Axt im Walde und sie darunter zu leiden hatte. Anscheinend war es Marika ja wirklich egal, was Akashi von ihr dachte. Noch schlimmer, die anderen hatten nun  wahrscheinlich auch kein gutes Bild von ihr und das war auch verständlich. Mit so einer komischen Schwester zeigten alle nur mit dem Finger auf einen, zumindest war es bei anderen so. Bis zum Schulschluss hatte Kisaki noch keiner darauf angesprochen und das war ganz gut so. Vielleicht kam das noch am nächsten Tag, aber darüber wollte die sechszehnjährige nicht genauer nachdenken. Schließlich war auch das nur der Anfang von dem, was Marika noch vorhatte. Jedes andere Mädchen hätte an dieser Stelle aufgegeben, aber sie war eben nicht mehr ganz normal im Kopf. Das Wort Aufgeben hatte sie sich direkt aus dem Gedächtnis gestrichen und ließ es als Option nicht mehr in Frage kommen. Wut, Verzweiflung aber auch Angst konnte Kisaki gegenüber ihrer Schwester fühlen, die sie einfach nicht mehr verstehen konnte. Warum war sie so und wieso hatte sie das getan? Dieser Grund wirkte so lächerlich, selbst wenn sie Akashi wirklich mochte. Irgendwas steckte dahinter und Kisaki wusste nur noch nicht, was es genau war.
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