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Roter Schmetterling

von Hyouka
GeschichteDrama, Mystery / P16 / Het
Akashi Seijūro Mibuchi Reo OC (Own Character)
14.05.2017
07.10.2018
25
74.769
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20.12.2017 3.244
 
Seit dem Mibuchi die Nosakis besucht hatte, waren etwa drei Tage vergangen. Auch wenn Kisaki nicht an seiner eigentlich nur leichten Verletzung schuld war, machte sie sich noch immer Vorwürfe. Wäre sie nur vorsichtiger gewesen oder hätte Mibuchi nicht direkt in ihr Zimmer, sondern kurz bei ihren Eltern abgestellt. Aber so dachte nun mal kein normaler Mensch. Es war immerhin auch nicht ihre Aufgabe auf ihn aufzupassen, weder als er zu Besuch war als auch sonst. Doch dieses Gefühl war trotzdem erdrückend und bedrückte sie über die vergangenen Tage sehr. Sie konnte dabei noch zur Schule gehen und auch zum Basketballtraining. Aber schließlich ging dieser Zustand auch auf ihren Körper über und sie fühlte sich an diesem Morgen krank und ausgelaugt. Kisaki kam nicht wirklich aus dem Bett, ihr Kopf fühlte sich schwindelig an. Ihrer Mutter konnte sie damit nicht entkommen. Sie bemerkte natürlich, was mit ihrer Tochter los war.
„Kisaki, geht es dir nicht gut? Du warst die letzten Tage schon oft neben der Spur, ist mir aufgefallen. Bleib bitte daheim und ruh dich aus. Ich rufe auch in der Schule an, leg dich bitte wieder hin. Gib mir einen Moment und ich komme gleich wieder zu dir.“, meinte ihre Mutter und Kisaki sah ihre Mutter mit genervten Blick an.
„Aber ich will nicht daheim bleiben. Mir ist nur ein wenig schwindelig, das wird schon wieder. Wer hält Marika auf, wenn sie mal wieder irgendwelchen Unsinn macht. Wo ist sie überhaupt hin, normalerweise ist sie jetzt doch noch dabei sich vorzubereiten.“, schimpfte Kisaki und ihre Mutter seufzte.
„Deine Schwester sollte noch etwas für mich besorgen, deswegen ist sie etwas eher los. Ich weiß, dass sie in letzter Zeit viel Mist angestellt hat. Aber bitte, du musst dich deswegen nicht völlig verausgaben. Wenn du willst, rufe ich in ein paar Stunden noch mal in der Schule an und frage, ob alles in Ordnung ist. Bitte, Kisaki. Leg dich ins Bett und ruh dich aus. Meinetwegen auch noch morgen, wenn du es brauchst. Es bringt nichts, wenn du krank in die Schule gehst.“, sprach ihre Mutter und schob ihre Tochter zurück in ihr Zimmer.
„Na gut … aber sag dann später nicht, dass ich dich nicht gewarnt habe.“, murmelte Kisaki, ging in ihr Zimmer und legte sich wieder zurück in ihr Bett.
Direkt schlafen konnte sie allerdings noch nicht. Sie starrte die Wand an und überlegte. Es kam ihr so vor, als hätte sie etwas vergessen. Aber was konnte sie nur genau vergessen haben? Mit der Hand suchte sie auf dem Nachttisch ihr Handy und zog es vom Strom. Es war keine neue Nachricht eingegangen und auch kein vermisster Anruf darauf zu erkennen. Stattdessen fiel es Kisaki schließlich ein – sie hatte ganz vergessen Mibuchi Bescheid zu sagen. Die beiden gingen in den letzten Tagen immer von einem bestimmten Punkt aus gemeinsam zur Schule und er wusste doch gar nicht, dass sie krank war. Natürlich würde er es spätestens in der Schule erfahren, aber auch nicht gleich. Immerhin waren sie nicht in derselben Klasse, so dass er es direkt mitbekam. Wenn, dann würde er es erst wenige Stunden später erfahren oder zur Mittagspause. Laut Uhrzeit war es wohl auch eigentlich fast soweit, dass sich die beiden über den Weg liefen. Es war zumindest die letzte Chance, an diesem Tag noch einmal mit ihm zu reden.

Etwas länger als sonst, suchte sie Mibuchis Telefonnummer und wählte diese dann an. Es klingelte zwei bis dreimal, bis er schließlich ran ging. Kisaki war ein wenig aufgeregt, als er abnahm.
„Saki-chan, bist du es? Ist auf dem Weg irgendwas dazwischen gekommen? Ich warte sonst noch, wenn du willst.“, meinte er, doch Kisaki schüttelte mit dem Kopf. Dabei konnte er sie doch gar nicht sehen.
„Nein, das nicht. Weißt du … heute morgen ging es mir nicht gut. Meine Mutter hat gemeint, dass ich nicht gut aussehe und schon seit ein paar Tagen herum kränkle. Deswegen werde ich wohl heute und morgen nicht zur Schule kommen. Geh ruhig ohne mich zur Schule, immerhin werde ich heute nicht kommen. Tut mir leid, dass du bis jetzt gewartet hast.“, entschuldigte sich Kisaki, doch auf der anderen Seite fing Mibuchi an zu lachen.
„Mach dir doch nicht so viele Gedanken, Saki-chan. Es ist alles gut, ich habe auch noch gar nicht lang gewartet. Aber deine Mutter hat durchaus Recht. Du sahst schon in den letzten Tagen nicht sonderlich gut aus. Es ist wohl besser, wenn du dich ein wenig ausruhst. Leg dich jetzt einfach hin und schlaf ein wenig. Ich gebe auch den anderen in der Schule Bescheid, wenn du magst.“
Nun fühlte sie sich fast noch ein wenig schuldiger, obwohl er so etwas sagte.
„Das wäre lieb von dir, Reo-nee. Ich liege auch schon im Bett, aber ich konnte bisher nicht schlafen. Irgendwie geht es mir einfach total komisch. Ich bin sonst auch nicht oft krank, aber dieses Mal ist es sehr eigenartig.“, erklärte Kisaki und Mibuchi dachte sich seinen Teil.
In den letzten Tagen hatte sie sich sicher nur darum Kopf gemacht, ob er seiner Verletzung und ihm selbst gut ging. Das konnte durchaus auf die Nerven schlagen, aber er sprach es natürlich nicht laut aus. Ihr Blick wenn sie zur Schule gegangen waren, war sehr besorgt gewesen. Die Augen der Sechzehnjährigen wanderten immer wieder zu seiner Hand, die Marika verletzt hatte. Dabei war es beim Basketballspielen doch wichtig, dass die Hände möglichst unverletzt blieben. Natürlich konnte man kleine Verletzungen immer haben oder bekommen. Aber Marika hätte durchaus noch andere Dinge versuchen können, die Kisaki danach wahrscheinlich noch frustrierter gemacht hätten.
„Wenn du jemanden zum Reden brauchst, ruf mich einfach nach der Schule an. Vorbei kommen werde ich in nächster Zeit nicht, da ich mit der Schule ziemlich beschäftigt bin. Aber sei unbesorgt, Saki-chan. Wenn es etwas gibt, bin ich auf jeden Fall da um mit dir zu reden und dir vielleicht auch zu helfen. Bis die nächsten Tage, Saki-chan.“, verabschiedete Mibuchi sich und Kisaki tat dies ebenso.
„Bye, Bye, Reo-nee.“
Wie lange sie es noch geheim halten sollte, war ihr selbst ein Rätsel. Wenn es so weiterging, würde es ihr vor Mibuchi irgendwann einfach herausplatzen. Genau das wollte sie eigentlich vermeiden, aber es fand sich im Moment auch keine richtige Gelegenheit, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Etwas frustriert deswegen, schlief Kisaki also doch ein und erholte sich ein wenig. Die Welt da draußen drehte sich natürlich weiter, aber sie musste dafür jetzt nicht wach sein.

Ein paar Stunden später wachte Kisaki schließlich auf, als ihre Mutter an der Tür klopfte. Diese brachte ihr einen Tee und sah sich ihre Tochter genauer an.
„Hier, etwas Essen bringe ich dir auch gleich. Du hattest leichtes Fieber, aber das sollte auch bald wieder runter gehen. Geht es dir nach dem Schlafen schon wieder etwas besser?“, fragte ihre Mutter und Kisaki schaute nach draußen.
„Ich denke schon, ja. Wie spät ist es denn?“
„Es ist vierzehn Uhr. Du hast eine ganze Weile geschlafen und ich wollte dich auch nicht wecken. Deine Lehrerin meinte zu mir, dass eine deiner Mitschülerinnen heute noch einmal vorbei kommen will und dir die Hausaufgaben bringen will.“, erklärte ihre Mutter und Kisaki nickte verstehend.
„Solang Marika sie nicht mitbringt, passt das schon. Sie würde wahrscheinlich eh wieder die Hälfte vergessen und nur das mitbringen, was wichtig für sie erscheint. Klingt böser als es ist, sorry.“, entschuldigte sich die Oberschülerin bei ihrer Mutter und sie lachte ein wenig.
„Ich werde sie dann einfach reinlassen, wenn sie kommt. Wahrscheinlich kommt sie dann nach euren Clubaktivitäten. Deine Lehrerin hat auch nicht wirklich gesagt, wer kommt. Deswegen verlasse ich mich einfach auf sie und werde nicht zu sehr nachfragen.“, erklärte diese und Kisaki nahm sich derweil ein Buch zum Lesen.
Ihre Mutter brachte ihr wenige Minuten später eine Suppe, die Kisaki schließlich aß während sie am lesen war. Einmal krank zu sein hatte also auch seine Vorteile. Natürlich war unglaublich blöd, daheim im Bett bleiben zu müssen. Aber so konnte sie sich auch Zeit für etwas nehmen, dass sie schon länger nicht angerührt hatte. Als sie das Buch in ihren Händen fertig gelesen hatte, stand sie vorsichtig auf und ging zu dem kleinen Bücherregal, dass in dem Schlafzimmer der Zwillinge war. Alle weiteren Bücher standen in ihrem eigenen Wohnzimmer, aber die wollte Kisaki in diesem Moment auch nicht anrühren. Ihr reichten die Bücher, die in der Nähe ihres Bettes waren. Nur die Manga ihrer Schwester mussten es nicht unbedingt sein. Ihre Schwester hatte in ihrer Sicht einen komischen Geschmack, selbst für eine Manga-Leserin. Aku no Hana war noch das harmloseste in ihrem Schrank, wo ein Shounen gern neben einer Seinen-Reihe mit Sex-Inhalten stand. Natürlich fand Kisaki ihre Schwester deswegen nicht abartig oder pervers. Aber sie dachte von ihr schon, dass ihre ältere Schwester einen sehr eigenartigen Geschmack hatte. Voll und ganz den selben Geschmack konnten sie nun mal nicht haben. Immerhin las Kisaki hauptsächlich Romane, aber nicht weil sie Manga oder Light Novels nicht mochte. Es war einfach nicht ihr Ding, aber sie lehnte es nicht völlig ab solche Bücher zu lesen. Aber das war ein ganz anderes Thema. Kisaki war also wieder so vertieft in ihr Buch, dass sie fast nicht mitbekam als ihr Handy vibrierte. Es war mittlerweile nach den Clubaktivitäten und draußen wurde es so langsam dunkel.

So klappte Kisaki ihr Handy auf und sah, dass ihr Usagi geschrieben hatte. Sie öffnete also die Nachricht und las dann, was ihre Mitschülerin geschrieben hatte.
„Ich bin von den Lehrern dazu auserwählt worden, dir deine Hausaufgaben zu bringen. Allerdings ist mir etwas dazwischen gekommen und ich musste zu den Lehrern, mich wegen der Sache abmelden. Es kommt aber Ersatz für mich, wenn auch etwas später als geplant. Mein Ersatzmann sollte etwa gegen achtzehn Uhr bei dir sein. Halte dich bis dahin wach und erhole dich gut, damit du bald wieder zur Schule kommen kannst.“
Als Kisaki diese Nachricht so las, fragte sie sich eher was Usagi genommen hatte. So wie sie schrieb, klang einfach nicht nach ihr. Mehr als ein “okay” von Kisaki kam dann nicht mehr zurück. Sie las noch ein paar Minuten und hatte nicht auf Usagi gehört. Oder mehr, sie wollte und hatte es dann aus den Augen verloren. Mit dem Buch in der Hand war sie noch einmal eingeschlafen und schlief solang, bis sich vor der Tür ihres ZImmers etwas regte. Es war zumindest nicht Marika, das stand fest. Wo sich diese schon den ganzen Tag aufhielt, wusste sie sowieso nicht.
„Kisaki, du hast Besuch. Ein Mitschüler von dir ist hier und bringt dir deine Hausaufgaben.“,  trällerte sie fröhlich und wandte sich dann zu dem Besucher um.
„Vielen Dank, dass du extra gekommen bist.“, bedankte sie sich weiterhin und Kisaki schaute verschlafen auf, erkannte dabei aber nicht wer da stand.
„Keine Ursache. Aber ich denke, ich sollte vielleicht noch mal kurz raus. Nosaki-san scheint noch nicht ganz wach zu sein.“, meinte er und Kisaki fragte sich kurz, wessen Stimme das sein könnte. In diesem verschlafenen Zustand erkannte sie seine Stimme nicht, da sie ihn schon länger nicht gehört hatte und auch nicht exakt jeden Tag hörte. Zumindest erinnerte sie sich nicht in diesem Moment und das war nach wie vor der Fall.
„Ach was, sie ist so gut wie wach. Kisaki ist wenn sie krank wird immer sehr frustriert und kommt kaum zur Ruhe. Deswegen wird sie wahrscheinlich auch gleich wieder wach werden, weil sie in den letzten Stunden nichts zu tun hatte.“, meinte die Mutter und es stimmte zumindest teilweise.
Umso lauter sie sprach, umso wacher wurde sie auch. Das war zumindest in dem Moment der Fall.
„Mama, ich kann nicht schlafen, wenn du so laut redest. Ich bin nur kurz eingenickt, mehr nicht.“, sprach Kisaki und sie hörte ein kurzes Lachen. Es kam nicht von ihrer Mutter und sie fing an zu realisieren, wer ihr da die Hausaufgaben brachte. Ihre Augen wurden für einen Moment riesig vor Schreck und sie wollte diesen nicht glauben. Was machte Akashi hier? Er hatte doch für gewöhnlich so viel zu tun, auch nach der Schule.  
„Akashi-san … was machst du hier?“

Die Mutter der Zwillinge verschwand augenblicklich und ließ ihre Tochter und deren Mitschüler allein zurück. Kisaki sah ihn nach wie vor mit großen Augen an, doch das schien Akashi nicht wirklich zu stören.
„Kurosaki-san ist etwas dazwischen gekommen. Sie sollte eigentlich diejenige sein, die deine Hausaufgaben vorbeibringt. Deshalb war sie bei den Lehrern und hat nach jemandem gesucht, der das für sie übernimmt. Ich war rein zufällig da und habe es einfach übernommen. Ich hoffe, das ist kein Problem für dich.“, sprach er gelassen und Kisaki schüttelte hastig mit dem Kopf.
„Nein, gar nicht. Aber du wirkst immer so beschäftigt, dass man dich nach der Schule kaum zu sehen bekommt. Deswegen war ich verwundert und habe mich gefragt, ob du nicht eigentlich anderen Pflichten nachkommen musst. Immerhin bist du Rakuzans Schülersprecher und hast auch mit deinem Club viel zu tun. Ich will niemandem im Weg stehen, der so viel zu tun hat.“, erklärte Kisaki, während sich Akashi einen Stuhl suchte und sich darauf setzte.
„Deswegen brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Auch ich habe mal einen freien Tag und wenn es um Mitschüler geht, helfe ich gern aus. Deine Schwester scheint nicht daheim zu sein, wie es scheint.“, stellte er schließlich fest und Kisaki nickte nervös.
„Ich frage mich schon ein wenig, wo sie steckt. Aber sie ist unberechenbar, im Moment zumindest. Da könnte sie sonst wo sein.“, vermutete Kisaki, doch Akashi wechselte das Thema.
„Wir haben nicht sonderlich viel auf. Japanische Literatur, Mathe und Geografie. Die Lehrer haben mir auch grob das mitgegeben, was morgen dran kommt. Du kannst es dir gern ansehen, aber das sollte kein Problem für dich sein. Gerade was Literatur angeht, scheinst du bestens bewandert zu sein.“, sprach Akashi sehr sicher und Kisaki fiel selbst auf, dass sie noch das Buch von vor ein paar Stunden in der Hand hatte.  
„Ich lese zwar viel, aber ich habe in dem Fach auch gelegentlich meine Probleme. Wenn es darum geht eigene Dinge zu verfassen, bin ich ziemlich schlecht darin und sitze mehrere Minuten vor dem Blatt Papier. Ich genieße Bücher sehr, aber selbst schreiben könnte ich keine.“, erklärte sie.
„Ich kann mir gut vorstellen, dass du irgendwann deine eigene Bibliothek hast, Nosaki-san.“, meinte Akashi schließlich mit einem Grinsen auf den Lippen. „Das ist wohl deine Sache, in der du voll aufgehst. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, als das noch nicht so war.“
Kisaki schreckte kurz zusammen. Er erinnerte sich also an den Wettbewerb von damals, an dem sie und Marika teilgenommen hatten. Der Kyotoer Musikwettbewerb, damals in der Grundschule.

„Oh, du erinnerst dich also. Ich habe neulich wieder alte Fotos von dem Wettbewerb gesehen. Mir ist sofort eingefallen, dass du der Junge warst, der damals gewonnen hat. Seit dieser Zeit habe ich lang kein Klavier mehr gespielt. Zwar habe ich manchmal geübt, aber das ist auch schon länger her. Marika war damals so enttäuscht, dass sie niemals wieder an einem Wettbewerb teilgenommen hat. Ohne sie hätte es wenig Sinn gemacht, weiter zu machen. Aber ich habe das Klavier spielen niemals gehasst. Es gibt zwar sicher bessere Klavierspieler als mich, aber ich war eigentlich immer zufrieden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich nie Freunde hatte, die auch Musik gemacht haben. Ich bin den sportlichen Clubs wahrscheinlich auch nur beigetreten, weil ich da Freunde hatte.“, lachte Kisaki. Akashi schien nicht enttäuscht von ihrer Antwort zu sein, aber seine Reaktionen konnte die sechzehnjährige nicht wirklich einschätzen.
„Es ist doch nichts falsch daran, sich von der Begeisterung anderer anstecken zu lassen. Aber ich würde mich freuen, wenn ich dich irgendwann wieder Klavier spielen hören würde. Dieses Lied hat mir damals wirklich sehr gefallen, auch wenn es so wahrscheinlich nur noch ein Instrumentalstück wäre. Deine Schwester wird sich ja bestimmt nicht überreden lassen, es wieder zu singen.“
Bei diesen Worten lief Kisaki rot an. Manchmal war Akashi ein wenig zu ehrlich, so kam es ihr vor.
„B-Bestimmt. Aber ich weiß nicht, wann das sein wird. Kannst du mir kurz die Bücher aus meiner Tasche reichen, Akashi-san?“
Akashi tat, worum Kisaki ihn gebeten hatte. Diese bedankte sich schließlich, schaute kurz in ein paar ihrer Lehrbücher. Es war einfach der Sicherheit halber, damit sie wusste worum es ging. Doch es wurden keine neuen Dinge behandelt, nach denen Kisaki fragen musste. Also gab es auch keine Frage, die sie Akashi stellen konnte.
„Das werde ich schon schaffen. Es ist noch nichts zu neues, sondern einfach dasselbe wie letzte Woche – nur mit etwas anderer Fragestellung und hier und da ein paar kleine Details, die man anders bedenken muss.“, stellte Kisaki fest und schlug die Bücher vor sich erst einmal zu und schob sie zur Seite.
„So kann man es eigentlich gut zusammenfassen, ja.“, bestätigte Akashi und Kisaki konnte aus der Ferne die Haustür hören, die geschlossen wurde.
„Hoffentlich ist es nicht Marika, die gerade heim kommt. Wenn sie dich sieht, dreht sie wahrscheinlich noch durch. Das tut sie zwar ständig, aber … na ja.“, seufzte Kisaki und er verstand schon, was los war.
„Du hast es auch nicht einfach, oder? Aber ich werde auch gleich gehen. Ich wäre gern länger geblieben, aber ich muss langsam wieder los. Mit dir allein zu reden war ziemlich interessant, das sollten wir auf jeden Fall irgendwann wiederholen. Bis dahin werd richtig gesund und erhol dich ordentlich. Wenn du irgendwelche Fragen hast, zöger nicht mich zu fragen.“

Ohne ein weiteres Wort nickte Kisaki nur bestätigend, dachte aber gar nicht darüber nach wie sie Akashi von daheim aus eigentlich fragen sollte.
„Komm gut nach Hause, Akashi-san.“, verabschiedete sich Kisaki, er tat dasselbe und ging daraufhin wieder. Als er weg war, nahm sich Kisaki ein Kissen neben sich und knuddelte es an sich. Sie murmelte ein paar Dinge in dieses hinein, dass ein Außenstehender wohl nicht verstehen würde.
„Selbst wenn er neben mir sitzt, fühlt es sich so an … als würde er meilenweit entfernt von mir sein. Er nimmt das alles so locker, aber für mich ist das nicht so einfach. Ich kann nicht so einfach mit ihm reden. Für ihn wirke ich bestimmt nur wie ein völlig normales Mädchen, dass die Schwester von einer merkwürdigen Irren ist. Zumindest fände ich es nachvollziehbar, wenn er so denken würde.“
Dann drehte sich Kisaki auf die andere Seite und dachte weiter nach. Eigentlich wollte sie ihre Hausaufgaben noch an diesem Abend machen, damit sie nicht alles am nächsten Tag machen musste. Akashi und Mibuchi machten es ihr an diesem Tag wirklich nicht einfach.
„Ihr beide macht es mir echt nicht einfach. Wie soll ich einen klaren Gedankengang bekommen, wenn ihr mir ständig durch den Kopf schwirrt. Das ist so unfair.“
Es musste doch irgendeine Lösung für dieses Problem geben. Das einzige worüber Kisaki in diesem Moment froh sein konnte, war die Tatsache, dass Marika gerade nicht da war. Wie hätte diese nur angefangen, diese Situation völlig auseinander zu nehmen und falsch zu interpretieren. Nur dieser eine Satz verwirrte Kisaki noch immer.
„Du hast es auch nicht einfach, oder?“
Dieser Satz klang so, als meinte er jemand ganz bestimmten. Aber wen genau meinte er damit? Sich selbst wahrscheinlich nicht wirklich, auch wenn es gepasst hätte. Akashi wusste irgendwas, aber was konnte das sein? Es brachte Kisaki durcheinander, die eh schon ihre Gedanken sortieren musste. Mit den Hausaufgaben wurde das wohl nichts mehr – aber vielleicht würde sie zu einer Entscheidung kommen, die ihr helfen würde.
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