Klavier und Geige

von Jenaph
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Lawless / Hyde Licht Jekylland Todoroki OC (Own Character) Tsubaki
13.05.2017
14.05.2017
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Soooo, hat etwas länger als erwartet gedauert, aber hier ist es ~
Viel Spaß beim Lesen^^
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Ich wurde am 13.5.1720 in Eisenach als erstes Kind einer Kaufmannsfamilie geboren. Meine Mutter starb, als ich zwei Jahre alt war und mein Vater stellte ein Kindermädchen ein, dass sich um mich kümmern sollte. Wir waren nicht arm, aber auch nicht reich.Wir gehörten zur Mittelschicht der damaligen Zeit und lebten in einem kleinen Haus in Eisenach. Zu meinem siebten Geburtstag schenkte mein Vater mir eine Violine, da es schon immer mein Traum gewesen war eine berühmte Violinspielerin zu werden. Doch mein Wunsch blieb bis zu diesen Zeitpunkt unerfüllt, da mein Vater der festen Überzeugung war, dass Frauen für den Haushalt zuständig waren. Mehrere Wochen übte ich Tag für Tag und raubte sowohl meinem Kindermädchen, als auch meinem Vater – wenn er da war – den letzten Nerv, da ich anfangs nicht einen Ton traf. Mit der Zeit fiel mir das spielen leichter und ich versuchte mich an den Kinderlieder, die Laura – mein Kindermädchen – mir regelmäßig vorsang. Mit der Zeit versuchte ich mich auch an schwereren Stücken, die von berühmten Komponisten, wie Johann Sebastian Bach komponiert wurden. Im Alter von zehn Jahren lernte mein Vater lernte einen Violinspieler kennen, den er darum bat einzelne Stücke mit mir zu üben. Im Alter von 12 Jahren fing ich an bei Familien aus reichem Hause zu spielen. Mit 16 spielte ich öfters in Orchestern, was meiner Familie viel Geld einbrachte. Als ich 17 wurde, hatte ich mein erstes Konzert. Ich spielte vor dem Adel und wurde von einem Klavier begleitet. Seitdem organisierte mein Vater regelmäßig solche Konzerte, bis ich an der Pest erkrankte.

„Was hat sie?“, fragte mein Vater den Arzt besorgt, der mich bis vor wenige Minuten untersucht hatte.
Müde schloss ich die Augen. Ich hatte furchtbare Kopfschmerzen und obwohl ich mit zwei Decken zugedeckt war, war mir kalt.
„Sie hat die Pest.“
Ich konnte hören, wie mein Vater tief Luft holte.
„Kann man es behandeln?“, fragte er und bis auf das Knarren des Stuhles, als der Arzt aufstand, war es still. Der Mediziner antwortete nicht, aber das war auch nicht nötig. Die Pest konnte man nicht behandeln, das war sowohl mir als auch meinem Vater klar.
„Ich verstehe“, sagte mein Vater monoton, als er keine Antwort erhielt. „Ich begleite sie zur Tür.“ Die beiden Männer verließen das Zimmer und ich seufzte. Die Pest also. Durch sie würde ich sterben.
Nach einer Weile näherten sich wieder Schritte und ich drehte meinen Kopf in Richtung Tür, die kurz darauf auch geöffnet wurde. Unschlüssig blieb er stehen und sah mich mit seinen blauen Augen wütend an.
„Warum hast du nicht aufgepasst?“, knurrte er. „Ich hab dir gesagt, dass du dich von den einfachen Leuten fernhalten sollst!“
„Aber das Mädchen wollte unbedingt, dass ich ihr etwas vorspiele“, sagte ich leise und lächelte dabei etwas. Wenn jemand mich fragte, ob ich ihm etwas vorspielte, konnte ich einfach nicht nein sagen. Ich liebte es mit meiner Musik andere Leute zum lächeln zu bringen. Besonders die armen Menschen hatten nie die Chance in den Genuss der Stücke von Bach zu kommen.
„Und das ist es, was dich letztendlich umbringen wird!“, schrie er beinahe. „Wieso musst du es so sehr lieben anderen etwas vorzuspielen? Kannst du nicht einfach nur an dem Geld interessiert sein, wie jeder andere Mensch?“
„Geld interessiert mich nicht.“
„Das sollte es aber! Was soll ich machen, wenn du stirbst? Bei meinen Geschäften verdiene ich gerade mal so viel um zu überleben. Ich werde wie die Bauern leben! “
„Seit doch einfach froh, dass Ihr am Leben sein werdet, Vater.“ Mühsam setzte ich mich auf. „Gebt Ihr mir bitte meine Geige?“
Fassungslos sah er mich an. „Du willst jetzt noch spielen?“
„Morgen habe ich vielleicht nicht mehr die Gelegenheit dazu.“
„Schlaf lieber“, knurrte er und verließ den Raum, ohne meinem Wunsch nachzukommen. Vorsichtig setzte ich mich an die Bettkante und stand auf. Das weiße Schlafkleid, das ich trug, reichte mir bis zu den Knien. Mit zitternder Hand hob ich es etwas hoch. Große schwarze Flecken zierten meine Oberschenkel und ich ließ das Kleid wieder los. Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis ich starb. Ich schüttelte mit dem Kopf. Daran durfte ich jetzt nicht denken. Ich sah mich im Zimmer um und lächelte wieder, nachdem ich meine Geige auf dem weißen Tisch liegen sah, der vor dem Fenster stand. Zielstrebig ging ich auf sie zu, nahm sie und setzte mich wieder auf mein Bett. Ich zitterte am ganzen Körper und holte einmal tief Luft. Und dann fing ich an zu spielen. Ich spielte kein Stück eines bekannten Komponisten. Ich spielte ein trauriges Lied, das ich einmal auf der Straße aufgeschnappt habe. Es ging um Hunger, Tod und Leid. Als das Lied endete verharrte ich noch für einen kurzen Moment in der Position, ehe ich die Geige auf den Stuhl legte, auf dem der Arzt saß und ich mich wieder hinlegte und zudeckte.
Eine Weile lag ich da und starrte auf meine Geige. Tränen liefen mir über's Gesicht. Ich wollte nicht sterben. Ich wollte noch so viel sehen und erleben. Und ich wollte spielen. Ich wollte den Menschen ein lächeln auf ihr Gesicht zaubern, wenn sie meine Musik hören. Doch dieser Traum würde nun unerfüllt bleiben.
„Ich.. ich will nicht“, wimmerte ich. „Wenn... wenn es einen Gott gibt, dann... soll er mir helfen. Meinetwegen auch der Teufel.“ Weinend lag ich da, rührte mich nicht. Und irgendwann war ich eingeschlafen.

Als ich aufwachte, wurde ich von den Strahlen der Sonne begrüßt. Mein Körper tat weh, die Kopfschmerzen waren noch schlimmer als am Tag davor und mir kam es so vor, als müsste ich mich jeden Augenblick übergeben. Wie lange würde ich noch durchhalten? Fünf Tage hielt dieses Fieber nun schon an und es wurde mit jedem Tag schlimmer.
„Vater!“, rief ich so laut ich konnte, doch niemand kam. Das war ungewöhnlich, denn in den letzten Tagen war er sofort zur Stelle gewesen, wenn ich gerufen hatte. Ich stand auf, wartete aber noch einen kurzen Augenblick ab, bis der Schwindel nachließ. Langsam ging ich zur Tür und öffnete sie. Erschrocken ging ich einen Schritt zurück und fiel zu Boden, da ich das Gleichgewicht verloren hatte.
Der sonst so edel eingerichtete Flur war leer. Keine Bilder, keine Vasen. Nichts war zu sehen. Mühsam rappelte ich mich wieder auf und ging langsam durch das ganze Haus. Unsere wertvollsten Möbel waren verschwunden, doch es sah nicht danach aus, als wäre eingebrochen worden. Auch mein Vater war nirgends zu sehen und ich musste schlucken. Er war doch nicht etwa...?
Zittrig betrat ich die Küche und ging erschöpft in die Knie. Auch hier war kaum noch Mobiliar zu sehen. Nur ein Brief lag inmitten des Raumes und ich robbte mich zu ihm, da mir zum aufstehen die Kraft fehlte. Meine Hände zitterten, als ich das Pergament entfaltete.

Sehr geehrte Anna,
bitte verzeih mir. Ich habe dir ein Schlafmittel in das Wasser getan, das ich dir gegeben hatte, bevor der Arzt kam. Die Möbel habe ich verkauft, denn ich brauchte das Geld. Mir ist klar geworden, dass ich nicht wie das Bauernvolk leben kann.

In Liebe

Daniel Kaufmann



„Warum? Warum tut er mir das an?“, sagte ich leise zu mir selbst und Tränen stiegen mir in die Augen.
„Weil Menschen gierig sind“, antwortete jemand und langsam drehte ich meinen Kopf zur Seite. Hinter mir stand ein Mann mit kurzen schwarzen Haaren. Er war barfuß und trug ein schwarzes Kleid, das aussah, als hätte er es sich umgewickelt.
„Wer seid Ihr?“, fragte ich mit einer Ruhe in der Stimme, die mich selbst überraschte.
„Mein Name ist Tsubaki.“
„Das ist ein seltsamer Name.“
Der Schwarzhaarige brach in schallendes Gelächter aus. „Wie ermüdend.“
Irritiert sah ich ihn an. Der Mann war seltsam. Sehr seltsam.
Der Mann namens Tsubaki sah mich prüfend an.
„Weswegen seid ihr hier?“, fragte ich nach einer kurzen Zeit der Stille. „Hier gibt es nichts wertvolles, dass ihr haben könntet.“
Belustigt sah er mich an. „Nicht jeder ist hinter Geld her.“
Ich lachte leise und er sah mich verwirrt an. „Ich habe dasselbe zu meinem Vater gesagt.“
Traurig sah ich zu Boden. Vater. Wie konntet Ihr mir das nur antun?
„Hat er Euch deswegen im Stich gelassen? Weil Ihr keine Violine mehr spielen werdet?“
Überrascht sah ich meinen Gegenüber an. „Woher...?“
„Es ist offensichtlich. Oder würdet ihr ansonsten hier auf dem Boden sitzen?“
Ich schwieg, denn er hatte recht. Mein Vater hatte mich im Stich gelassen und das nur, weil ich sterben würde. Hatte er sich all die Jahre nur um mich gekümmert, weil ich so viel Geld verdient hatte? Nur deswegen ließ er mich im Stich? Ich ballte die Hände zu Fäusten und Tränen liefen mir über das Gesicht. Das konnte nicht sein. Er hat mich ausgenutzt. All die Jahre hat er mich ausgenutzt und ich hatte es nicht bemerkt. Ich war so dumm.
Tsubaki kam auf mich zu und legte mir seine Hand auf meinen Kopf.
„Verratet mir eines. Warum hat er Euch im Stich gelassen?“
„Ich habe die Pest“, antwortete ich leise und wand den Blick ab.
„Sie ist nicht immer tödlich.“
Ich lachte traurig. „Dann gehöre ich leider zu den Personen, die durch sie sterben.“
Bekümmert sah er mich an. „Was ist Euer größer Wunsch?“
„Wie bitte?“, fragte ich verwirrt und sah auf, was ich im nächsten Moment bereute, da der Schwindel wieder kam.
„Was ist Euer größter Wunsch?“
„Ich will Musik machen und die Menschen um mich herum zum Lachen bringen“, sagte ich leise und stützte mich mit einer Hand auf dem Boden ab, damit ich nicht auf dem Boden lag.
„Was würdet ihr dafür tun?“
„Alles.“
„Auch einen Pakt mit einem Teufel eingehen?“
Ich blinzelte mehrfach. Mein Kopf fühlte sich an, als würde er gleich platzen und ich konnte nicht mehr klar sehen. Alles um mich herum nahm ich verschwommen wahr und das machte mir Angst.
„Ja“, sagte ich mit zittriger Stimme und der Schwarzhaarige lachte leise.
„Entspann dich“, flüsterte er und drückte mich sanft zu Boden. Ehe ich mir Gedanken darüber machen konnte, was als nächstes geschehen würde, spürte ich, dass Tsubaki seinen Arm an meine Lippen presste. Etwas warmes lief mein Gesicht hinunter und unsicher öffnete ich meinen Mund einen Spalt breit um herauszufinden, was es war. Eine Flüssigkeit mit einem metallischem Geschmack tropfte in meinen Mund. Ich konnte nicht zuordnen, was es war, aber der Geschmack machte Lust auf mehr. Doch bereits nach kurzer Zeit wurde mir schwindelig. Ich wollte ihn fragen, was das war, doch ehe ich ihm diese Frage stellen konnte, verlor ich das Bewusstsein.

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Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen. Lasst doch vielleicht das ein oder andere Review da ~

LG
Jenaph ~