►Die Niederschrift

von KeksxD
GeschichteAllgemein / P16
13.05.2017
16.06.2019
28
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XXVI
Angst



„Der Schein trügt, ist ein altes Sprichwort …
und doch lassen wir uns alle von ihm betrügen.“

Wilhelm Vogel.


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Hart fühlte sich der Boden unter ihr an.

Kühl war der Wind um ihr, die Ärmel ihres tannengrünes Oberteil wurde mit den Fingern berührt. Der Stoff war dünn, ließ sie eine Gänsehaut spüren, wo ihre schwarz graue Jacke nicht geschlossen war, wusste sie doch das der Tag wärmer sein wurde als man denken konnte. Die Kapuze auf ihren Kopf schützte gewiss nicht ihr Gesicht, ließen gerade die Nase kälter werden.

Sie atmete einfach durch den Mund.

Locker war das Band der Kopfbedeckung, hin an einer Seite schon so weit rein, dass sie für gewöhnlich Angst hatte, dass er bei einer ruckartigen Bewegung verschwinden wurde.

Heute war es ihr egal.

Die graue Tasche ruhte an ihrer Hüfte, ihre Beine waren in schwarzen Röhrenjeans gezwängt und die Füße in Stiefeletten gesteckt - mit grauen Nieten.

Es war lange her, dass sie die Schuhe getragen hatte.

Bewusst holte sie tief Luft.
Die Luft kitzelte in ihren Lungen.

Langsam klopfte der Herbst an die Türen Japans.

Das wohlige Gefühl in ihrem Körper konnte keiner unterdrücken.

Heute war der erste Schultag nach den Ferien.
Das zweite Trimester.

Ihre Körper entspannte sich, als sie an die Situation im Supermarkt erinnert musste.
Die Ausstellung.

Die Ferien im Allgemeinen.

Es war schön gewesen.

Niemand konnte ihr diese Glücksgefühle nehmen.


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„Ich glaube nicht das unsere Situation vergleichbar sind.“

„Aber warum nicht?“
Verwirrt sah Nataria in die violetten Augen vor sich, fragte sich ungemein, wie er eine solche Frage stellen kann.
„Überleg doch mal Tamaki.“ Den Finger tadelnd erhoben, waren es die Ausrufe Kauros, welcher verlauten ließ, dass er dies ein Problem war, worauf sein Bruder erwiderte, dass es ihre eigene Schuld war, weil sie dem Chef unterstellt hatte, ein Gehirn zu besitzen.

So schnell wie sie neben der Blonden aufgetaucht war, so schnell rannten sie auch lachend weg, immerzu einen Abstand einhalten zum Suōerben.

Kindergarten. Schmunzeln sah sie der Gruppierung hinterher.
Wie sollte sie den Wissen über einen Hund haben, nur weil sie einen Kater besaß?

Und das war nicht mal Richtig.
Insgeheim fragte sich die Stipendiatin, ob der Kater nicht in Wahrheit ihr Herr war.

Der Krach hinter ihr ließ sie überrascht zusammen fahren.

Sie hätte nicht gedacht, dass man so schnell ihre Glücksgefühle verschwinden lassen konnte.


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„Äh?“

Die Situation übertraf ihre Überlegungen.

Alle Gedankengänge hatte sie durchstöbert, versucht eine Erklärung zu finden und verstand nicht wirklich was passierte.

Wie dies entstehen konnte.

Fest grub sich ihre Fingernägel in die Hand, ließen Einkerbungen entstehen.
Die Haut spannte über ihre Knochen, ließ sie weiß hervorheben.

Ihre Schritte unnachgiebig in die Richtung der großen Tür des Musikzimmers.

Nahmen die quietschenden Reifen war, als Renge aus dem Boden kam.

Sie wusste, dass sich der Kampfgnom alleine verteidigen konnte, aber trotzdem breitete sich eine große Gänsehaut auf ihren Körper aus.

„Takashi, was ist hier los?“ Sicher der Blick aus hellgrünen Augen, welche vor dunkle Seelenspiegel entlang gingen.
„Wer ist das?“ Anklagend zeigte sie über ihre Schultern, widerstand dem Drang nur, weil sie nicht zum Geschehen sah.

„Mizukunis Bruder.“ Brummend war die kurze Erklärung, ließen zum ersten Mal seid sie den schweigsamen Typen kannte eine Wutader entstehen.
„Sein Bruder?“ Es war wohl Natarias Tonlage, welche veranlasste Mori in ihre Richtung zu sehen, „solltest du da dann nicht etwas unternehmen?“

Es war das Klacken, welches vertraut und doch unbekannt für sie war, welches sie sich wieder umdrehen lassen ließ.

Mit stockenden Atem bemerkte sie die das reflektierende Material der ausfahrbaren Metallstange in der rechten Hand des braunhaarigen Junges.

Stocksteif stand sie da.

Landesmeister.
Das war Honey.
Landesmeister in vielen Kampfsporten.
Wie soll ein dahergelaufener Junge es also schaffen Honey zu besiegen? Zustimmend nickte sie sich zu, Bruder hin oder her.

Immerhin, der Titel wird nicht einfach so verschenkt.

Bewusst erinnerte sie sich an die erste Begegnung mit den Oberschüler zurück.
Entsannt sich an die Kraft.

Ein dumpfer Laut welcher ihre Ohren erreichte – Wiederhalte – ließ sie sich auf die bestehende Situation konzentrieren.

Hätte sie es nicht gemacht.

Nataria sah nur wie Honey – des Landesmeister in so vielen Kampfsportarten – durch die Luft flog. Die anderen Hosts am Ende des Zimmers entsetzt wirkten.

Ihr eigener Schrei hallte in ihrem Inneren wieder.
Ungehört und doch schallend.


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„Du bist was?“

Hellgrüne Augen waren panisch aufgerissen, sahen in das verkrampfte Gesicht ihres Elternteils.
Angespannt war die Fratze, die Zähne wurden fest zusammengebissen, als ob es wirkte, dass der Mann versuchte Geduld zu wahren und doch merkte man, wenn man ihn ansah, ohne ihn zu kennen, dass es nicht klappte.

„Jetzt beruhige dich doch.“
Es waren jedoch die hellgrünen Augen – gleiche Objekte wie ihre, welche die minderjährige Schülerin an jeden anderen Tag stolz fühlen ließ – die mit einen wahnsinnigen Ausdruck zu dem Gesicht seiner Ehefrau fahren ließ, welche die blonden Zwillinge in ihrem Platz zusammenzucken ließ.

Nicht seine Stimme.
Nicht die angespannte Haltung.
Nicht die Lautstärke.

Sondern nur der Ausdruck in seinen Augen.

Sie, im weichen Polster ihrer Couch, Schutz suchen ließ.

In diesem Moment war sie ihrer Mutter zum ersten Mal vom Herzen dankbar, sich zwischen ihrem Vater und sie gesetzt zu haben.

Er war wütend.

Mehr als das - stinksauer.

Sie verstand nicht ganz warum.

„Wie soll ich mich da beruhigen Barbara?“ Warum sie gerade in dieser Situation daran denken musste, wie sehr ihre Mutter ihren ganzen Namen hasste – ein Grund warum Freunde sie nur mit Barb ansprachen – weil er sie immer an eine alte Frau im Mittelalter erinnert wurde - wusste sie nicht.

Vielleicht war es Selbstschutz?

Die Finger ihres jüngeren Zwillings verknoteten sich noch mehr in ihre.

„Tu es einfach.“ Auch wenn ihrer Mutter fest sprach, erkannte die blonde Schülerin deutlich, wie sehr sie das Zittern in ihrer Stimme verdrängen musste. Nur das langsame zurückdrängen ihres Körpers konnte sie nicht widerstehen.

Dafür bewunderte das Mädchen ihre Erziehungsberechtigte ungemein.

Sie selber wurde gerne schreien aus dem Zimmer rennen.

„Du erschreckst die Kinder.“
Der Blick der aus seinen Augen sprach, ließ die Schülerin wimmern, konnte sie doch durch ihre Sitzposition gut in die Sehorgane ihres Erzeugern sehen, wenn er sich zu seiner Frau drehte.

Sie selber hatte nie gewusst, dass die geliebten Seelenspiegel ihres Vaters so schrecklich aussehen konnten.
Spiegel, welche das Tor zu Seele waren.

Seelenspiegel, die sie selber besaß.

Augen, eines Monsters.

Es waren Nadelstiche, spitzend und schmerzhaft, welche sie meinte auf ihrer Haut zu spüren.
Ihr Herz beschleunigte sich, Schweiß kam aus allen Poren.

Sie meinte sich Übergeben zu müssen.

„Hast du gerade zugehört, was es uns gesagt hat?“ Der Wahnsinn schlich sich langsam in die Sehorgane des Vaters.
„Es?“ Ihre Haltung straffen, sprag ihre Mutter auf.

„Wie kannst du es wagen?“ Hysterisch war die Stimme, schneidend und laut. „Sag so etwas nie wieder zu unserem Sohn.“

Stumme Tränen lösten sich aus ihren Augen, zeitgleich schlug Lissa ihre kleinen Hände auf die Ohren.
Es war der Moment als Phillip sich erhob und zu seinen Geschwistern ging, als der Familienvater energisch auf den Tisch schlug. „Finger Weg von meinen Töchtern.“ Ängstlich schrie Lissa neben ihr auf.
Die Hand, welche ihr Gelenk umschloss, war deutlich gegensätzlicher als die kalte Luft in ihrer Lunge.

Fest wurde sie von Phillip aus dem Raum gezogen.

Ignorierte dieser den vor Wut schäumenden älteren Mann, welcher von seine Frau aufgehalten wurde und trotz der festen Schritte ihres Bruders konnte sie das Zittern deutlich unter ihrem Heraus spüren.

Es war der Moment in dem die damals elfjährigen Zwillinge der Wahrheit ins Gesicht sehen mussten. Ihren Vater von einer Seite sahen, die sie nie für möglich erachtet hatten.
Eine Erkenntnis, welche nicht nur bitter schmeckte, sondern die schrecklichste Folter in ihrem bisherigen Leben gesehen hatte.

Wahnsinnige helle grüne Auge suchten sie noch heute in ihrem Traum heim.



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Mit gespreizten Beinen flog er durch die Luft, landete mit seinen Gesäß nach hoch erhoben auf den Boden.

Es war der feste Druck um ihr dünnen Handgelenk, welches sie innehalten ließ - trotz Zug nicht verrutschte – erkennen ließ, wie stark der Schwarzhaarige doch war.

„Lass das.“
Ihre verzweifelten Augen, die den Druck minderten, „er ist in Ordnung.“


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Große Augen sahen auf dem Bildschirm, welcher aus heiterem Himmel aufgetaucht war. Erkannten das Schattennähen - wie man den letzten Angriff Honeys nannte.

Scannten die scharfen Klingen.

Woher hat er die den her?

Und trotz der Tatsache, dass beide Kontrahenten unverletzt aussahen, drückte sich ihr Handabdruck fest in ihr Oberarm. Schmerzte ihre zu Faust geballten Finger.

Helle Augen fixierten die schwarzen Kunais im beerenfarbenem Boden.


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Wenn es um kämpfe ging, war ich ein kleiner Angsthase.

Was genau damals passiert war, dass fragt ihr euch, hab ich nicht recht?

Es war ganz einfach und doch – eine Situation welche die Ehe meiner Eltern zerstört hatte. Die Beziehung zu unserem Vater ruinierte, auch wenn er – bis auf diesem Tag – normal war.

Fürsorglich. Liebevoll.

Uns allen gegenüber.
Auch meinem Bruder.

Jedoch, er hatte etwas erfahren, was er nicht akzeptieren konnte.

Phillip war schwul.

Unvorstellbar für meinen homophoben Vater.

Damals hatte uns unserer Bruder – der danach wieder ins Wohnzimmer ging -  in unser Zimmer geschickt – wo wir ineinander geschlungen ängstlichem zusammenzuckten bei jedem Geräusch und weinen in den Alptraum fielen.

Kein Mal die Hand des anderen loslassen, auch als mein Vater aus der Tür stürzte.

Keine Zeit verschwenden, hatte mein Bruder an diesen Tag seine Sachen gepackt und war verschwunden.
Die Ehe meiner Eltern war nie mehr die selber, obwohl sie sich nicht scheiden ließen – nur vor sich her lebten. Ich glaubte meine Mutter tat das für uns Mädchen.

Ich wünschte jedoch, dass sie es nicht getan hätte.

Natürlich war nach dem Tag mein Vater wieder der fürsorgliche, liebevolle Mann den wir alle kannten, aber nur wenn man nicht von Phillip sprach.
Auch konnte ich nie den Tag verdrängen wie es meine Schwester tat, denn etwas brannte sich in mein Gedächtnis, was Lissa nie verstand.

Wahnsinnige helle grüne Augen.

Seelenspiegel, die nur so vor Ekel strahlten.
Ablehnung.

Augen, die auch ich besaß.
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