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Love in the cold times of war - 2 -

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Credence Barebone Percival Graves
11.05.2017
12.10.2017
37
134.896
26
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71 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
11.05.2017 1.613
 
Hallo ihr Süßen,
ich bin zurück :3 Ich konnte die beiden Hübschen einfach nicht länger allein lassen, da ist noch so viel unerzählt. Und irgendwie war das Ende von Teil 1 ja nicht wirklich ein Happy End, oder was meint ihr? ;)


Wer nicht weiß, wovon ich rede:
Teil 1 dieser Geschichte findet ihr hier: https://www.fanfiktion.de/s/584c1b5b00068fe0fe822ed/1/Love-in-the-cold-times-of-war  


Daher nun hier die Fortsetzung. Viel Spaß beim Lesen ;)

~~~~~~

Der Wind pfiff hart und kalt über das Deck. Feiner Nebel kroch unter die Haut und erschwerte die Sicht auf das, was voraus lag. Das Meer waberte still um den Schiffsrumpf herum in seiner tödlichen Eiseskälte – wie ein Raubtier, dessen Gunst man auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war, doch das noch keinen wahren Appetit darauf hatte, einen zu verspeisen.

Credence fröstelte und zog den dünnen Mantel enger um seine schlanken Glieder. In Brasilien war es noch angenehm warm gewesen, sonnig und beinahe zu heiß für sein Gemüt. Nun wünschte er sich in die sonnigen Gefilde zurück, aus denen sie viel zu schnell hatten abreisen müssen. Mit ausgetreckter Hand und zusammengezogener Stirn fixierte er das rostige Stahlgeländer, an dem er stand, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er es greifen sollte oder nicht.
Er hoffte auf etwas. Irgendetwas… das ihm zeigte, dass er all die letzten Wochen nicht geträumt hatte.

„Du bist zu ungeduldig“, ertönte neben ihm eine tiefe Stimme, die ihn zusammenfahren ließ. Er machte einen Satz nach hinten und ließ rasch die Hand sinken. Mr. Graves stand neben ihm, als wäre er aus dem Boden gewachsen. Über den pfeifenden Wind und das Knarren des Holzes unter seinen Füßen hatte Credence ihn gar nicht herantreten gehört.
Betreten schaute er zu Boden, während ihm das Blut in die Wangen schoss.
„Entschuldigung“, murmelte er, weil er sich ertappt fühlte.
„Kein Grund, sich zu entschuldigen“, erwiderte Graves leichthin und zuckte mit den Schultern, „Ohne Zauberstab zu zaubern, ist weit fortgeschrittene Magie. Viele Hexen und Zauberer erlangen diese Fähigkeiten nie. Nicht, dass ich es dir nicht zutrauen würde.“ Ein schiefes Grinsen legte sich auf sein Gesicht und seine braunen Augen nahmen einen liebevollen Zug an, bei dem Credences Herz für einen Moment aussetzte. Er spürte den Blick des Älteren eine Weile auf sich ruhen, ehe sich Mr. Graves abwandte und in den Nebel hineinschaute, durch den sie fuhren. „Abgesehen davon solltest du vorsichtig sein“, mahnte er leise, „Noch sind wir nicht aus ihrem Hoheitsgebiet. Magische Aktivitäten lassen sich vom MACUSA ohne weiteres aufspüren. Je weniger wir auf unserer Reise zaubern, desto besser können wir uns bedeckt halten.“
Credence nickte. Obwohl Mr. Graves’ Stimme freundlich war, fühlte er sich, als hätte er ihm eine Ohrfeige verpasst. Er zog den Kopf zwischen die Schultern und duckte sich, wie damals, wenn Ma ankündigte, ihn nun bestrafen zu müssen. Als er auch nach langer Zeit keine Antwort gab, sah er aus den Augenwinkeln, wie sich Mr. Graves wieder zu ihm umwandte. In Erwartung eines Schlages presste er fest die Augen zusammen.
„Credence“, hörte er Mr. Graves sagen. Etwas an seiner Stimme klang bestürzt. Weil darauf kein Schlag oder etwas Vergleichbares folgte, öffnete Credence die Augen zaghaft wieder. Er zuckte zusammen, als er sah, wie nah Mr. Graves an ihn herangetreten war.
„Du bist hier sicher“, beteuerte er und legte ihm eine warme Hand auf die Schulter, „Du brauchst dich nicht zu fürchten.“
Credence wollte ihm gern sagen, dass es nicht die Flucht war, die er am meisten fürchtete. Er war es gewohnt, allein zu sein, nirgendwo hin zu gehören, sich bedeckt halten zu müssen, um nicht aus der Masse heraus zu stechen. Jahre voller Hänseleien fremder Menschen, Jahre des Schmerzes, des Hungers, des Leidens hatten ihm gezeigt, dass er allein zurechtkommen musste, egal wie hart das Leben zu ihm war.
Nein, was er mehr fürchtete als alles andere, war, von Mr. Graves zurück gewiesen zu werden. Bestraft zu werden, dafür, dass er war, was er war. Und dann wieder allein dazustehen, ohne Hilfe und, wenn er Pech hatte, noch dazu in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht verstand. Jeder noch so kleine Hinweis, jedes kleinste Zeichen, das ihm sagte, dass Mr. Graves über ihn verärgert war, diente ihm als Beweis dafür, dass er ihn früher oder später verlieren würde. Darum kam bereits diese sanfte Mahnung einem Todesstoß gleich.
Er wusste nicht, wie er es in Worte fassen sollte. Wie er dem Älteren klarmachen sollte, was es war, was er fürchtete. Er brachte es nicht über die Lippen. Stoisch wich er dem fragenden Blick aus und schaute auf seine Hände - ließ es stattdessen zu, dass Mr. Graves‘ Hand von seiner Schulter hinauf zu seiner Wange wanderte und der Daumen sanft darüberstrich.
„Du solltest hineingehen“, hörte er ihn sagen, „Deine Lippen sind bereits ganz blau.“
Credence nickte gehorsam. Er fühlte den Blick des Anderen auf sich ruhen, während er sich umwandte und spürte, wie er sich in seinen Rücken brannte, bis er aus Mr. Graves Blickfeld verschwunden war.

*


Percival schaute ihm mit leichter Sorge hinterher, beobachtete, wie die schlanke Gestalt um die Ecke bog und verschwand. Seufzend wandte er sich um und ließ den Blick durch den dichten Nebel schweifen, als hoffte er, in dem weißen Dunst etwas entdecken zu können, das ihm Antworten auf die Fragen lieferte, die in seinem Kopf umherschwirrten.

Sie hatten vor einigen Tagen den Hafen in Belém in Brasilien verlassen, nachdem es ihnen wie durch ein Wunder gelungen war, sich quer durch Mexiko, Venezuela und eine Vielzahl anderer Länder bis dorthin durchzuschlagen. Seit sie aus dem Hauptgebäude des MACUSA geflohen waren, waren drei Wochen vergangen. Drei Wochen, in denen er ständig auf der Hut gewesen war, kaum geschlafen hatte, aus Angst, man könnte sie im Schlaf auffinden und zurückbringen. Seine Jahre als höherrangiges Mitglied der MACUSA hatte ihm geholfen, seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus zu sein. Er hatte sich viel umgehört, hatte seine Augen überall gehabt und hatte dadurch erfahren, dass man die Häfen und Flughäfen in und bei Nordamerika rund um die Uhr bewachte. Seine Flucht aus dem Land war vorauszusehen gewesen und da es ihm als zu großes Risiko erschienen war, bereits in Mexiko ins nächste Flugzeug zu steigen, hatten sie den Umweg über Brasilien auf sich genommen und sich für den längeren Weg über den großen Teich entschieden: Per Schiff.
Percival fuhr sich mit der Hand durch das vom Nebel ganz feuchte Haar und dann den Hinterkopf entlang, bis sie in seinem Nacken zum Liegen kam. Die andere Hand in die Tiefen seines Mantels gesteckt, wo sie sicherheitshalber den Zauberstab hielt, lief er einige Meter das Deck entlang. In den letzten drei Wochen war einerseits so viel geschehen – andererseits war er keinen Schritt weiter.
Er hatte keine Ahnung, was sie im fernen Europa erwartete. Oder was er tun sollte, wenn sie einmal dort waren. Weil er seine ehrgeizigen Karrierepläne innerhalb weniger Tage hinter sich gelassen hatte, stand er nun ziellos und ohne einen sinnvollen Nutzen vor der Leere und schaute in den Abgrund aus gescheiterten Träumen. Er wusste, dass Credence nichts dringender brauchte, als ein sicheres Heim, einen ruhigen Hafen und – sollte ihn mit dem Obscurus nicht der letzte Rest Magie verlassen haben – einen Lehrer, der ihm die Zauberei beibrachte.
Doch es bereitete ihm Kopfzerbrechen, wenn er daran dachte, dass er gleichzeitig dafür sorgen musste, dass sie heil an einen Ort kamen, an dem sie in Sicherheit waren und von dem sie nicht flüchten mussten. Er hoffte darauf, dass der MACUSA die Affäre bald zu den Akten legen würde und sie als ‚zu unwichtig‘ deklarierte. Aber im schlimmsten Fall – und als ehemaliger Auror rechnete er immer mit dem schlimmsten Fall – würde ihre Verfolgung auch auf anderen Kontinenten fortgeführt werden. Percival knirschte mit den Zähnen. Wenn das sein Los war, weil er sich gegen die Methoden seiner Regierung und für das Leben des Jungen entschieden hatte, wollte er es in Kauf nehmen. Lieber starb er bei dem Versuch, ihn zu verteidigen, als zurück nach Amerika geschleppt zu werden, wo man ihm ohne Zweifel als Komplizen den Prozess machen würde.
Percival schüttelte verbissen den Kopf und beschloss, diese finsteren Gedanken auf später zu verschieben. Auf diesem Schiff wären sie mindestens eine weitere Woche sicher, ehe es wieder an Land ging. Er hatte, kurz nachdem sie an Bord gegangen waren, das gesamte Schiff überprüft, sich jedes Besatzungsmitglied der Crew genau angeschaut und war zu dem Schluss gekommen, dass das Schiff vorerst ein gefahrloser Ort war. In den letzten Tagen hatten sie beide etwas aufatmen können.
Dass Credence ihn seit jener Nacht im Zug mied, den Blick abwandte und ihm aus dem Weg ging, wann immer es ging, war nur die Spitze des Eisberges seiner Probleme. Er hoffte, dass sich auch das in den nächsten Tagen besserte, wenn sie beide in der Einsamkeit des Ozeans wieder zur Ruhe gekommen waren. Er zwang sich, seine Handlungen nicht zu bereuen. Percival war es gewohnt, fokussiert und neutral seine Situation zu betrachten und die nächsten Schritte abzuwägen – Zweifel und ‚Was-wäre-wenn-Gedankenspiele‘ konnte er sich nicht erlauben.
Nachdem er das Deck bereits zweimal umrundet hatte, stellte Percival fest, dass er es nicht länger hinauszögern konnte, ohne vollkommen durchgefroren zu sein. Also machte er sich auf den Weg zu der Kajüte, die beide im Augenblick bewohnten. Zwar würde mit Sicherheit Credence das Weite suchen, sobald er eingetreten war, doch zum Bleiben wollte er ihn nicht zwingen. Seine vergangenen Vorstöße sind anfangs vielleicht zu impulsiv gewesen. Er wollte die Verbindung, von der er hoffte, dass sie noch nicht verloren war, nicht weiter mit seinem egoistischen Drängen zerstören.
Dennoch, was half es, auszuweichen? Langsam aber sicher zog ihm der Nebel in die Knochen. Er musste sich also der unangenehmen Situation stellen.
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