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Revil

von Lomyr
GeschichteHorror, Sci-Fi / P16 / Gen
09.05.2017
26.03.2018
7
10.830
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
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09.05.2017 1.533
 
Ich komme langsam zu mir. Noch kann ich meine Augen nicht öffnen und mir ist leicht kühl. Mit meinen Zehen kann ich nicht den Grund erreichen und ich fühle eine abgerundete Wand, wenn ich meine Arme unter Schmerzen ausstrecke. ‚Ich muss schweben, aber wie geht das?‘ Ich versuche die Augen zu öffnen, muss sie aber sofort wieder zusammenkneifen, weil das Licht sehr blendet. Ich blinzle ein paar Mal, damit sich meine Augen an das Licht gewöhnen können. Nun schlage ich die Augen auf. Meine Vermutung, dass ich in einer Flüssigkeit schwebe, stellt sich als wahr heraus.
Ich Blicke durch eine gelbliche Flüssigkeit und erkenne, dass ich mit Schläuchen verbunden bin. Anders als bei Wasser brennt die Flüssigkeit nicht in den Augen und ich sehe alles scharf. Alles wirkt leicht gelblich: der Raum, die Monitore, die medizinischen Werkzeuge, die an der Wand hängen und die Liege in der Mitte des Raumes, die ein Metallgestell mit einer vergilbten, nicht sehr bequem wirkenden Matratze ist. Es wirkt, als wäre die Liege für Operationen und chirurgische Eingriffe konzipiert wurden.

Plötzlich befinde ich mich auf der Liege. Ich vernehme ein lautes und schnellerwerdendes Piepen, ich atme sehr flach und schnell und höre eine Stimme sagen: „Geben Sie Ihr Thiopenthal zum Schlafen und Analgesie gegen die Schmerzen!“ Alle tragen einen Mundschutz und jemand entnimmt mit einer Spritze Flüssigkeit aus einer kleinen Flasche, steckt mir die Nadel in den Arm und presst mir die Flüssigkeit in eine Vene. Die Schmerzen sind so schlimm, dass ich schreien will, aber meine Stimme versagt und überall ist Blut – sehr viel Blut; ich kann nicht beurteilen, ob es meins ist, aber ich bin mir sehr sicher. Ich verspüre Verwirrung, panische Angst und eine tiefe, überwältigende Wut. Dann schließen sich meine Augen langsam wieder und die Schmerzen versiegen.

Als ich sie wieder öffne, befinde ich mich wieder in dem Glaszylinder. ‚Was wurde damals mit mir gemacht?‘, denke schockiert und zitternd nach dem Flashback. Ich versuche mich zu bewegen, doch sofort rast eine Welle aus Schmerz durch meinen Körper und ein Monitor beginnt lauter und schneller zu Piepen, welches ich nur gedämpft wahrnehme. Das Piepen stammt von dem Monitor, der meine Vitalwerte anzeigt. Auf dem Monitor sehe ich mein EKG mit all den Werten, die mir nichts sagen, doch einen Wert kenne ich: 139 zu 87 – mein Puls. Meine Blicke suchen nach einer Person, die im Raum ist oder gleich den Raum betritt, um die Monitore zu kontrollieren, doch es kommt niemand. Dieses Erwarten löst etwas in mir aus und mir schießen einige Fragen durch den Kopf: Wer bin ich? Was mache ich hier? Warum bin ich hier? Wer hält mich fest? Was ist passiert? Doch ich finde keine Antworten und kann mich an kaum etwas erinnern und der Flashback bringt mich auch nicht viel weiter. Ich weiß nur, dass ich hier raus muss.
Also beiße ich die Zähne zusammen, bewege mich und die Welle aus Schmerz trifft mich, wie erwartet. Ich drücke mich so fest gegen die Zylinderwand, wie es mir möglich ist, doch die Scheibe gibt nicht nach. Ich bekomme etwas Panik und überlege, was passieren wird, wenn ich hier nie wieder rauskommt, aber ich fühle, dass ich mich beruhigen und meine Gedanken ordnen muss, um eine Lösung zu finden, mit dessen Hilfe ich entkommen kann und dass das nicht das erste mal ist, dass ich in einer schier ausgegossen Situation bin. Ich ziehe in Betracht, die Schläuche von meinem Körper zu entfernen um sie als Hilfsmittel zu benutzen, doch ich verwerfe den Gedanken schnell. Mein Blick wandert zu dem Grund des Zylinders, andere die Schläuche in den Boden gehen. ‚Ich bin gefangen und komme hier nicht raus‘, denke ich. Ich versuche mich die paar Zentimeter auf den Grund sinken zu lassen, doch dies wird durch einen Schlauch verhindert.
Ich schaue ein zweites Mal auf den Boden und entdecke etwas Glänzendes. Ich versuche mit ausgestreckten Fuß das glänzende Ding zu erreichen und schaffe es gerade so zwischen meine Zehen zu nehmen und unter Schmerzen in meine Hand zu nehmen. ‚Es ist ein kleiner Schlüssel. Eingraviert sind die zwei Buchstaben ‚BI‘. Doch für welches Schloss?‘ Am Boden finde ich kein Schloss. Ich schaue nach oben und sehe einen kleinen Deckel, der etwas verdeckt. Nachdem ich den Deckel geöffnet habe, kommt ein Schlüsselloch zum Vorschein. Ohne darüber nachzudenken stecke ich den Schlüssel in das passende Loch und drehe ihn einmal im Uhrzeigersinn. Erst klemmt er, aber mit ein bisschen Gewalt, lässt er sich dann drehen. Mit einem zischen wird die Haube samt der Glaswand nach oben in die Decke gezogen. Ich werde mit einem Mal auf den Boden gespült und die Schläuche lösen sich.

Das monotone Piepen weckt mich wieder auf. ‚Ich muss in Ohnmacht gefallen sein‘, denke ich mir, bevor ich mich darauf vorbereite bei dem Versuch aufzustehen Höllenqualen zu erleiden. Erstaunlicherweise bemerke ich kaum Schmerzen, was die Frage aufwirft, wie lange ich hier lag. Der Boden war so kalt, dass mir jetzt auch kalt ist und ich zittere. Nachdem ich die restlichen Elektroden zwischen mir und dem EKG gelöst habe, schaue ich mir den Raum ein zweites Mal genauer an. Ich befinde mich in einem vergilbten, gefliesten Raum, der an ein Labor erinnert. Mittig stand der Glaszylinder, dessen Haube und Glaswand in der Decke verschwunden ist und der mit dem Monitore verbunden war. Es ist nur noch der schwarze Sockel übrig. Die Monitore zeigen meine Vitalwerte nicht mehr an. Mein Blick fällt auf den Körper, der hinter dem zerbrochenen Zylinder liegt. Er ist an die Wand gelehnt und sieht aus, als würde er friedlich schlafen mit dem Unterschied, dass die Verwesung schon eingesetzt hat. Mit einen Mal bekomme ich den Gestank zu spüren; es stinkt nach Verfaultem, was einen Würgereiz in mir auslöst und mich zum nächsten Mülleimer rennen lässt. Sofort übergebe ich mich.

Nachdem sich mein Magen beruhigt hat, suche ich nach Kleidung in dem Raum. Ich gehe an drei großen Schränken mit Schubladen vorbei, als eine Stimme erklingt: „GUTEN MORGEN PROJEKT DELTA-029. ES IST 4:30 UHR; NEHMEN SIE IHRE KLEIDUNG UND GEHEN SIE IN DIE TRAININGSHALLE!“ Ich suche die Quelle der Stimme und entdecke neben der Tür einen Bildschirm, der als einziger noch angeschaltet ist und unter anderem die Uhrzeit anzeigt. „Wer bin ich und warum ist der Mann hier tot?“ frage ich den Bildschirm. Ich komme mir ein bisschen blöd vor, dass ich einen Bildschirm etwas frage, worauf ich garantiert keine Antwort bekomme, doch ich hoffe, dass er mir irgendetwas verrät. Ich weiß nicht, wie lange ich schon warte, als die Stimme wieder erklingt: „EINLEITUNG PROTOKOLL ‚AUFWACHEN‘. PROJEKT DELTA-029 BEWEGEN SIE SICH NICHT VOM FLECK; HILFE IST UNTERWEGS. ALLES WIRD GUT.“ Doch es kommt mir nicht so vor, als würde alles gut werden. Ich suche nach etwas zum Anziehen und finde einen Schieber mit der Aufschrift „PROJEKT DELTA-029“. ‚Was hat das alles zu bedeuten?‘, denke ich, doch ich kann mir keinen Reim darauf machen. Der Schieber war sehr zerbeult, was es mir erleichterte, ihn zu öffnen.
Ich schaue mir den Inhalt des Schiebers genauer an: schwarze Kleidung, kleine Messer und eine schwarze großkalibrige Pistole. Ich beginne meinen nackten Körper mit den schwarzen hautengen Kleidungsstücken zu umhüllen. Sie passen so gut, als wären sie für mich konzipiert worden. Ich platziere die Waffen in die dafür vorgesehenen Taschen und schaue mich ein letztes Mal im Raum um. Mein Blick fällt ein zweites Mal auf die Leiche. Von Weitem versuche ich etwas zu erkennen, doch gehe näher ran, weil ich nichts erkennen kann und unterdrücke einen erneuten Würgereiz. Der Mann trägt einen zerschlissenen Laborkittel und hält in seiner linken Hand, die auf dem Boden liegt eine Gasmaske, auf der Eigentum des BI steht. Die Leiche des Mannes weist viele Bisswunden auf, als hätte jemand oder etwas ihn fressen wollen. ‚Für ein Tier sind die Bisswunden zu groß.‘, geht mir durch den Kopf. Ich betrachte die Gasmaske noch einmal  genauer, aber außer die Buchstaben BI, welches ich schon festgestellt habe, kann ich nichts auffälliges finden. ‚Wozu hat er die Gasmaske benötigt? Und was bedeutet BI?‘, frage ich mich noch, bevor ich den Raum, der inzwischen komplett von der gelblichen Flüssigkeit bedeckt ist, verlassen möchte.

Doch mir fällt eine Akte auf der Liege mittig im Raum auf. Ich rutsche fast auf dem Flüssigkeitsfilm aus, während ich zu dem Bett gehe, klammere mich aber an der Liege fest, um nicht hinzufallen. Die Akte enthält nur ein Blatt. Ganz oben steht BI und darunter steht Biological Institut. Daneben befindet sich ein Logo, auf dem eine Doppelhelix abgebildet ist. Ich lese die Akte und erfahre meinen Namen (Celestine) und welches Projekt  (DELTA-029) ich bin. ‚Celestine, so heiße ich.‘, doch kommen mit meinem Namen keine weiteren Erinnerungen. Weiter unten stehen Buchstabenkombinationen aus den Buchstaben A, T, C und G, die einen Drittel des Blattes einnehmen. Zwei Wörter stechen mir sofort ins Auge: Klon und Genmanipulation. ‚Was haben die damals mit mir gemacht?‘, denke ich wiederholt.
Ich nehme die Akte mit und verlasse den Raum.


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Hallo an alle Leser und Leserinnen,

das ist meine erste Geschichte bzw. mein erster FF. Ich versuche so regelmäßig, wie es mir möglich ist, neue Kapitel hochzuladen. Ich würde mich sehr über ein Review von euch freuen.

VG
Lomyr
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