Was wurde eigentlich aus ...?

GeschichteHumor / P12
Cornelius Fudge Dolores Umbridge Dudley Dursley Gilderoy Lockhart Petunia Dursley Sibyll Trelawney
09.05.2017
06.08.2020
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10.05.2017 876
 
Was wurde eigentlich aus...  

...dem Gringotts-Drachen?

Lang ist so ein Drachenleben. Unendlich lang. In menschlichen Zahlen lässt es sich nicht ermessen. Und wenn man es in Gefangenschaft verbringen muss, kommt es einem noch viel länger vor. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie das Leben in Freiheit sein muss, so lange vegetiere ich schon angekettet tief unter der Erde versteckt dahin. Als kleines Drachenkind wurde ich von Menschen hierher gebracht, um ihre Schätze zu bewachen. Es hieß, es sei eine Ehre, die Schätze der Menschen bewachen zu dürfen. Und ich glaubte, was man mir erzählte. Doch mein Leben endete eigentlich schon, sobald ich an diesen dunklen Ort gebracht worden war. Nicht, dass sich ein Drache vor der Dunkelheit fürchtete! Nein, ich war ja an das Leben in Höhlen gewohnt, doch es sollte bald noch viel dunkler um mich werden - für immer. Denn eines Tages hielt man mir ein glühendes Schwert vor die Augen und seitdem kann ich nichts mehr sehen. Ich mag mich nicht mehr an die schrecklichen Schmerzen erinnern, die ich damals ertragen musste. Wir Drachen sind zäh, heißt es. Die Menschen glauben wohl, dass wir deshalb auch gefühllos sind. Wie sehr sie sich doch irren! In meinem Gefängnis herrscht tagein tagaus dieselbe trostlose Öde, die mich langweilen würde, hätte ich nicht genug damit zu tun, mein trauriges Schicksal zu beklagen.

Doch dann kam ganz plötzlich der Tag, der mir die Freiheit bescherte. Er begann wie jeder andere Tag und nichts hätte am Morgen darauf hingedeutet, dass er doch mein Geschick auf so großartige Weise zum Guten wenden würde.  Gerade als ich mein eintöniges Mahl verspeist hatte, vernahm ich seltsame Geräusche an meinem finsteren Arbeitsplatz. Hier gab es wohl etwas zu tun für mich, weil sich Menschen unerlaubterweise in die Abteilung der besonderen Verliese eingeschlichen haben.  Mir unterlag nämlich die Aufgabe, solche Unbefugten restlos zu beseitigen. Doch da geschah etwas Überraschendes: ich spürte, wie sich Fliegengewichte auf meinen Rücken setzten. Ich bin doch kein Reittier, was fällt denen ein! Doch da lösten sich durch Zauberkraft die Ketten, die jahrzehntelang (oder waren es schon Jahrhunderte?) fest um meine Beine geschlungen waren. Ich war frei! Wie lange schon war ich nicht mehr geflogen! Ob ich es überhaupt noch kann? Doch das Fliegen verlernt man nicht so schnell, wenn man es einmal wirklich gut beherrscht hat. Doch wie sollte ich aus dem engen Gringotts-Gebäude entkommen? Die Menschen haben mich ja als kleines Drachenkind hierher gebracht, und nun war ich ein ausgewachsener Drache, viel zu groß für die engen Gewölbe. Doch irgendjemand sorgte dafür, dass die Höhle weiter wurde und ich durchfliegen konnte. Und dann roch ich sie plötzlich: die Freiheit! Ich flog über die große Stadt, immer weiter und weiter. Die Fliegengewichte auf meinem Rücken entpuppten sich als drei junge Menschen, ich konnte es deutlich riechen und hören. Ich spürte auch, dass sie Angst vor mir hatten, und dennoch hatten sie mich befreit.  Ich flog und flog, bis ich müde wurde. Ich war schon sehr weit in den Norden geflogen, und da roch ich es: es musste so eine Art Drache in meiner Nähe sein. Zumindest ein großes Reptil, ich konnte es ganz deutlich riechen. Ach, wenn ich doch nur etwas sehen könnte!
Schnell flog ich tiefer, um meinen Befreiern die Gelegenheit zu geben, sich meiner zu entledigen. Dann stillte ich meinen übergroßen Durst in einem nach Freiheit riechenden See. Als ich genug getrunken hatte, konnte ich die drei jungen Menschen nicht mehr hören, aber das kümmerte mich nicht weiter. Was immer sie dazu bewogen hatte, mich aus meinem Gefängnis zu holen, werde ich nie erfahren. Doch ich spürte eine unendliche Dankbarkeit in mir.

Mit der neu gewonnenen Freiheit kamen aber auch die Schwierigkeiten auf mich zu. Ich hatte nie gelernt, für meine eigene Nahrung zu sorgen. Ich hatte mich nie verstecken müssen. Es ist zwar nicht so, dass ein riesiges Tier wie ich mit Feinden zu rechnen hätte, aber wenn man blind ist, wächst das Misstrauen gegen jeden. Vor allem gegen Menschen, die mich ja einst eingefangen und versklavt hatten. Ob sie mich verfolgt haben? Ich sollte doch zusehen, dass ich in Gesellschaft von  Artgenossen  komme. Also flog ich noch weiter nach Norden, immer meiner guten Nase nach. Endlich war der Geruch so nahe, dass ich wusste, ich war am Ziel. Ich tauchte ein in das kühle Nass eines kalten Sees. Nicht lange dauerte es, da sprach sie mich an. Eine Dame war es. Keine Drachendame, aber ein mit uns Drachen entfernt verwandtes Kelpie-Weibchen. Wie wir uns beschnupperten, unsere Geschichte erzählten und uns allmählich ineinander verliebten, will ich hier nicht zu ausführlich schildern. Solche Erzählungen können für Außenstehende doch nur langweilig sein. Aber ich darf eines verraten: Ich bin nun der glücklichste Drache der Welt, denn mein Weibchen brütet! Falls es jemand interessieren sollte: Die Mutter meiner künftigen Kinder ist unter den Muggeln eine Berühmtheit, die von ihnen sogar einen Namen bekommen hat. Sie nennen sie Nessie.

Anmerkung der Verfasserin:
Die Idee zu dieser Geschichte kam mir, als ich 2007 im Internet eine Notiz las, die besagte, dass es in diesem Jahr weniger Nessie-Sichtungen gab als früher und sich dies negativ auf den Tourismus auswirken würde. Da war mir sofort klar, dass Nessie wohl mit ganz anderen Dingen beschäftigt sein musste ...
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