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Laternenbilder (Geschichten aus der Zauberwelt)

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Minerva McGonagall OC (Own Character) Percy Weasley
08.05.2017
12.06.2021
43
53.556
14
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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24.10.2018 853
 
Mit einem leisen Fauchen, nicht lauter als das Geräusch das ihr Gasherd machte wenn sie die Flamme entzündete, erschien er wie verabredet in der Mitte des neuen Wohnzimmers. Der Mann begrüßte sich mit nur einem leichten Nicken, mehr war nicht nötig, so viel hatten sie in den letzten Tagen gesprochen. Und Arabella Figg war nicht nach Sprechen zumute, gern hätte sie zum Klang des Radios oder des Fernsehers die Zeit vergessen, statt in jeder stillen Minute die neue Einsamkeit zu spüren. Aus der Küche dudelte gedämpft die Schlussmelodie der abendlichen Nachrichten herüber.

»Ich hoffe du konntest dich schon ein wenig eingewöhnen, trotz allem.«

»Es ist eine ruhige Nachbarschaft.« erwiderte sie.

Er blickte sich um. All die Möbel und Andenken waren noch nicht wirklich angekommen in diesem Haus, teils standen sie einfach noch nicht am richtigen Platz, teils waren die Umzugszauber noch nicht vollständig abgeklungen und knautschten Schränke und Stühle immer noch an den Ecken zusammen. Pappkartons voller Bücher, vielleicht Arabellas, vielleicht die ihres Mannes, standen links neben einem großen Regal dessen Böden noch leichte Wellen schlugen. Er hob seinen Stab, wippte unmerklich, und das Holz strich sich selber gerade. Dann schwebten langsam wie an einer Perlenschnur die Bücher hinauf und suchten sich ihren Platz. Nach Thema sortiert.

»Unsere Wahl dieses Hauses war nicht vollkommen zufällig,« sprach der Gast aus der Beobachtung heraus. »Deine neuen Nachbarn auf der Ostseite sind Vernom und Petunia Dursley, und ich würde darum bitten dass du ganz einfach ein bis zwei Augen auf beiden hältst und uns von allen Ungewöhnlichkeiten berichtest. Petunia ist die Schwester von Lily Potter, ich denke du verstehst.«

Arabella nickte, obwohl sie eigentlich noch nicht verstand was er meinte.

»Damit dir die Nachbarn nicht zu aufdringlich werden haben wir eine radiante Verhexung auf dieses Grundstück gelegt, für die Nachbarn bist du damit nicht neu, sie meinen dich in diesem Haus schon immer irgendwie zu kennen. Eine einseitige Vertrauensbasis die uns von nützen sein könnte, zumindest für ein Jahr, danach erlischt sie.«

Ein jeder kennt mich, aber ich kenn doch niemanden dachte sie zurück. Trotz ihres Alters von 52 Jahren behandelte man sie nicht groß anders als ein Kind, denn natürlich, gegenüber der wahren Zauberwelt war sie genauso hilflos und hilfsbedürftig wie ein Kleinkind. Dafür war sie in der letzten Woche die einzige im Orden gewesen, die die richtigen Stecker an Kühlschrank und Waschmaschine hatte ankrimpen können. Selbst Arthur in seiner Faszination für ‘Muggelartefakte‘ verstand so einfach Regeln wie blau zu blau, braun zu braun, grün-gelb zur Erdung nicht. Für Arabella war all dies Alltag, besonders jetzt... wo sie alleine war.

»Ich hoffe damit kannst du zumindest ein wenig in die Normalität zurückfinden, ich weiß wie schwer das alles für dich sein muss, und wie hektisch. Leider erlauben uns die Umstände kein bedachteres Vorgehen.«

»Das alles hätte nicht passieren müssen…« bibberte sie wieder.

Der Mann setzte sich auf das Sofa. Im Dunkel des Raumes, weiterhin nur erhellt durch den Schein des Kamins und das hereinleuchtende Küchenlicht, verblichen die üblichen bunten Muster seines Umhangs und zeigten sich wie ein Tarnmuster in einheitlichem Grau auf dem Stoff.

»Dein Mann hat die Risiken gekannt, wie sie ein jeder von uns kennt-«

»Aber warum hat Mundungus dann nicht-«

»Es war Zufall,« unterbrach er sie. »Zwei gegen zwei, und Fortuna stand gegen Halgrimm in dieser Nacht. Du hättest dich nicht von mehr deinem Mann verabschieden können, wenn Mundungus ihn nicht zurückgebracht hätte. Mr Fletcher ist eine komplizierte Person, das weißt du und das weiß ich, aber er hat ein Gespür für Situationen und Gefahr. Ich verstehe dass du in deiner Trauer nach Schuldigen suchst, aber bei Mundungus oder irgendjemand anderem des Ordens wirst du nicht fündig werden. Einzig die Rowles sind schuld. Sie haben deinen Mann mit der Hexerei sterben lassen. Niemand sonst.«

»Du verstehst diesen Schmerz nicht, Albus!«

Er sah zu ihr zurück, mit einem Blick irgendwo zwischen Verständnis und Enttäuschung. »Niemand außer dir selbst kann ganz genau wissen und verstehen was du gerade fühlst, Arabella, auch mit Magie nicht. Aber bitte, egal wie allein und hilflos du dich im Moment fühlst, du bist nicht allein.«

Albus griff ihre Hände und drückte sie.

»Du hast uns alle, den Orden, deine Freunde. Es wird Zeit brauchen, aber das Leben geht weiter. Du wirst versuchen es zu leugnen, Wut spüren, nach Gründen suchen, verzweifeln, aber irgendwann wirst du akzeptieren. Unsere Türen und Ohren sind immer offen für dich.« Dann legte er ihr den Arm um die Schulter.

»Für heute muss ich dich verlassen, meine Pflichten als Schulleiter verlangen nach mir. Aber morgen gegen Mittag werden Alice und Frank hier vorbeischauen… und eigentlich darf ich das zwar noch niemandem verraten, aber … Alice isst inzwischen auch für zwei und lässt den Wein unberührt stehen.« fügte Albus mit einem Zwinkern hinzu. Arabellas Herz machte einen in diesen Tagen absolut ungewohnten Freudenhüpfer. Noch ein Kind! Ein Lichtblick in diesen schweren Zeiten.

Kaum dass Dumbledore genauso leise wieder verschwand wie er zuvor erschienen war, begann sich Arabella nun zu Musik der Bee Gees durch ihre Kühltruhe zu wühlen. Bei 3½ hungrigen Mäulern lohnte es sich auch eine richtige Hühnersuppe aufsetzen.

Veröffentlicht: 24.10.18
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